Eichstetten am Kaiserstuhl

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl
Eichstetten am Kaiserstuhl
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl hervorgehoben
48.0941666666677.7444444444444193Koordinaten: 48° 6′ N, 7° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Breisgau-Hochschwarzwald
Höhe: 193 m ü. NHN
Fläche: 12,31 km²
Einwohner: 3363 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 273 Einwohner je km²
Postleitzahl: 79356
Vorwahl: 07663
Kfz-Kennzeichen: FR
Gemeindeschlüssel: 08 3 15 030
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 43
79356 Eichstetten am Kaiserstuhl
Webpräsenz: www.eichstetten.de
Bürgermeister: Michael Bruder
Lage der Gemeinde Eichstetten am Kaiserstuhl im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald
Frankreich Landkreis Waldshut Landkreis Lörrach Freiburg im Breisgau Landkreis Emmendingen Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Rottweil Au (Breisgau) Auggen Bad Krozingen Badenweiler Ballrechten-Dottingen Bötzingen Bollschweil Breisach am Rhein Breitnau Buchenbach Buggingen Ebringen Ehrenkirchen Eichstetten am Kaiserstuhl Eisenbach (Hochschwarzwald) Eschbach (Markgräflerland) Feldberg (Schwarzwald) Friedenweiler Glottertal Gottenheim Gundelfingen (Breisgau) Hartheim Heitersheim Heitersheim Heuweiler Hinterzarten Horben Ihringen Kirchzarten Lenzkirch Löffingen March (Breisgau) Merdingen Merzhausen Müllheim (Baden) Müllheim (Baden) Münstertal/Schwarzwald Neuenburg am Rhein Neuenburg am Rhein Oberried (Breisgau) Pfaffenweiler St. Peter (Hochschwarzwald) St. Märgen Schallstadt Schluchsee (Gemeinde) Sölden (Schwarzwald) Staufen im Breisgau Stegen Sulzburg Titisee-Neustadt Umkirch Vogtsburg im Kaiserstuhl Wittnau (Breisgau)Karte
Über dieses Bild

Eichstetten am Kaiserstuhl ist eine Gemeinde im Südwesten von Baden-Württemberg in der Nähe von Freiburg im Breisgau.

Luftbild von Eichstetten

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Eichstetten ist ein südbadisches Winzerdorf. Es liegt im Oberrheinischen Tiefland, am Ostrand des Kaiserstuhls. Es liegt in der wärmsten Gegend Deutschlands, eingebettet in ein Tal, das sich von der bewaldeten Eichelspitze durch sonnige Reblagen und Gemüsefelder bis in die Niederung hinabzieht. Am Fuß des Kaiserstuhls wird der Ort von der Alten Dreisam durchflossen.

Eichstetten liegt etwa 3,5 Kilometer Luftlinie von der Bundesautobahn 5 (Karlsruhe - Basel) entfernt. Ebenfalls ist eine gute S-Bahn-Anbindung an die Kaiserstuhlbahn vorhanden, die den Ort an Werktagen halbstündlich anfährt. Mit ihr ist in gut 15 Minuten das Stadtzentrum von Freiburg zu erreichen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde gehören das Dorf Eichstetten und die Höfe Au(stucken)mühle und Herrenmühle.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Schon aus der Steinzeit gibt es Belege, dass auf Eichstetter Gemarkung Menschen lebten. Auch Überreste einer Villa rustica aus römischer Zeit (3. Jahrhundert) sowie Funde eines alamannischen Gräberfeldes (um 600) geben Zeugnis, dass hier schon sehr lange Menschen siedelten.

Eichstetten wird erstmals im Jahr 737 in Zusammenhang mit dem Kloster Murbach urkundlich erwähnt. Der Ort ist eine Gründung der Alemannen, worauf die Endung „-stetten“ hinweist. Im 12. Jahrhundert sind im Ort die Herren von Eichstetten nachgewiesen.

Im Jahr 1416 kam Eichstetten zur Markgrafschaft Baden, was im 16. Jahrhundert zur Folge hatte, dass der Ort im Zuge der Reformation 1556 evangelisch wurde. Infolge des Dreißigjährigen Krieges ging die Bevölkerungszahl stark zurück, so dass etwa 1659 nur noch 110 Menschen hier lebten. Um 1850 war die Bevölkerung auf 2.860 Personen angewachsen, verringerte sich aber in den folgenden Jahren stark durch Auswanderung nach Amerika.

Im 18. Jahrhundert war durch Zuwanderung eine bedeutende jüdische Gemeinde entstanden. 1828 wurde eine Synagoge erbaut, die im Verlauf der Reichspogromnacht 1938 von auswärtigen Mitgliedern der SA und SS niedergebrannt und dann abgerissen wurde. Die verbleibenden Juden wurden 1940 in das Internierungslager Camp de Gurs verschleppt.[3]

Der Zusatz am Kaiserstuhl im Gemeindenamen wurde am 1. Oktober 1997 wirksam.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[5]
 %
60
50
40
30
20
10
0
59,4 %
20,5 %
20,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-4,1 %p
+2,7 %p
+1,3 %p

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,6 % (2004: 65,6 %) zu folgendem Ergebnis:

FWV 59,4 % 8 Sitze (±0)
SPD 20,5 % 2 Sitze (±0)
FDP 20,1 % 2 Sitze (±0)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen ist ein gespaltenes Schild. Vorne ist mit einem roten Schrägbalken auf goldenem Grund das landesherrliche Wappen von Baden abgebildet. Der hintere Teil zeigt einen grünen aufgerichteten Eichenzweig mit einer Eichel und vier Blättern auf silbernen Grund. Dieses "redende" Bild steht für den Ortsnamen Eichstetten und hat sich aus den historischen Siegeln entwickelt.

Engagementförderung und Nachhaltigkeit[Bearbeiten]

Eichstetten betreibt seit den 1990er Jahren eine intensive Förderung Bürgerschaftlichen Engagements und einen lokalen Agenda 21-Prozess. Daraus entstanden Projekte in den verschiedensten Politikfeldern; das auch überregional bekannteste ist die stark ehrenamtlich getragene Seniorenwohnanlage „Schwanenhof“. Diese Aktivitäten brachten Eichstetten im Jahr 2003 einen ersten Platz des bundesweitem Wettbewerb „Zukunftsfähige Kommune“ der Deutschen Umwelthilfe in der Kategorie kleiner Gemeinden.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Mit der französischen Gemeinde Saint-André im Osten der Pyrenäen besteht eine offizielle Gemeindepartnerschaft (Jumelage). Freundschaftliche Beziehungen bestehen zur deutschen Gemeinde Amtzell am westlichen Rand des Allgäus in Baden-Württemberg. Außerdem gibt es eine Beziehung zum Freiburger Stadtteil Mooswald im Rahmen des Stadt-Land-Dialogs.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Jährlich finden zwei große Jahrmärkte statt und alle zwei Jahre laden die Vereine zum großen, weithin bekannten „Schwiboge-Wifescht“ in Höfen und Kellern ein, wo der Besucher mit regionalen Spezialitäten und Eichstetter Weinen verwöhnt wird. Auch unterm Jahr bieten die zahlreichen Vereine viele interessante Veranstaltungen an.

Museen[Bearbeiten]

  • Dorfmuseum mit wechselnden Ausstellungen

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Historische Fünf-Bogen-Brücke

Nahe dem östlichen Ortsausgang von Eichstetten befindet sich die historische Fünf-Bogen-Brücke, welche die Landesstraße 116 auf knapp 33 Metern über die Alte Dreisam führt. Das Bauwerk wurde 1784 errichtet, der Scheitelstein eines Bogens trägt allerdings die Jahreszahl 1745. Die Fundamente der Brücke gehen auf das 16. Jahrhundert zurück. Die Ränder der etwa fünf Meter umspannenden Korbbögen sind aus Sandstein, Brüstungen sowie Stirn und Flügelwände zum Großteil aus Gneis.[6] Aufgrund der gestiegenen Verkehrsbelastung wurde die Brücke 1950 mit Zugstangen, Betonverstärkungen und einer abgedichteten Stahlbetonschicht stabilisiert.

Seit Juli 2006 steht auf der Eichelspitze ein insgesamt 42,5 Meter hoher Aussichtsturm, von dem man einen einmaligen Rundumblick auf Kaiserstuhl, Schwarzwald und Vogesen hat. Er ist über einen als Rundweg konzipierten Geopfad[7] zu erreichen. Die Eichelspitze erreicht man auch gut vom Vogelsang-Pass (277 m) zwischen Bötzingen und Vogtsburg.

  • Bruderhäusle und St. Erhardskapelle

Auf dem Gipfel der Eichelspitze wurde eine spätmittelalterliche, aus Küche und Schlafraum bestehende Eremiten-Einsiedlei mit angrenzender St. Erhards-Kapelle nachgewiesen.[8] Der Gebäudekomplex war Teil des in Sichtweite, gut zwei Kilometer Luftlinie entfernt gelegenen St. Petersklosters auf dem Neunlinden-Buck (555 m), das Hesso von Baden-Hachberg einigen Pauliner-Ordensbrüdern 1387 übertrug. Von dem einst von einem Graben umgebenen Gebäudekomplex von ungefähr 16 auf 9 Metern (mittels Georadar nachgewiesen) ist heute noch ein Mauerrest von 4 m Breite und 2,5 m Höhe zu sehen. Die bauliche Struktur des Bruderhäusles ist seit der Eröffnung des Fundortes als Bodendenkmal durch eine Lage oberirdischer Granitblöcke nachgebildet.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Landwirtschaft und Weinbau[Bearbeiten]

Eichstetten ist durch seine starke landwirtschaftliche Ausrichtung geprägt. Es ist mit ca. 100 ha eine der großen Bio-Anbaugemeinden Baden-Württembergs. Auf dieser Fläche werden Wein, Gemüse und Obst nach verschiedenen Methoden der ökologischen Landwirtschaft angebaut. Unter dem Motto „Genießen beim Erzeuger“ können die Produkte direkt beim Erzeuger in Hofläden gekauft werden. Auf nahezu 400 ha wird in der Gemeinde von zwölf [10] Weinbaubetrieben Wein angebaut.

Industrie und Handel[Bearbeiten]

Ein größerer Arbeitgeber in Eichstetten ist seit 1963 die Firma Gould Electronics GmbH, ein weltweit führender Hersteller von hochwertigen Kupferfolien. Der Naturkostgroßhändler Rinklin Naturkost GmbH zählt mittlerweile über 200 Mitarbeiter und ist damit der größte Arbeitgeber im Ort.

Energie[Bearbeiten]

Am nordöstlichen Ortsausgang von Eichstetten befindet sich ein 380 kV/220 kV-Umspannwerk der EnBW Energie Baden-Württemberg, von dem auch eine Leitungsverbindung nach Frankreich besteht. Der Stromkonzessionsvertrag wurde am 1. Oktober 2009 für die Dauer von 20 Jahren mit der EnBW erneuert.[11]

Bildung[Bearbeiten]

  • Adolf-Gänshirt-Schule (Grund- und Hauptschule)
  • Evangelischer Kindergarten
  • Jugendbücherei

Töchter und Söhne der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Thomas Steffens (Hrsg.): Eichstetten. Die Geschichte eines Dorfes. Band 1: Von der Jungsteinzeit bis um 1800. (1996); Band 2: 1800 bis heute. (2000)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 104–106
  3. Die Darstellung zur Geschichte beruht auf der Kurzgeschichte Eichstettens auf der Website der Gemeinde
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999!
  5. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2009/GTabelle.asp?G=GE315030
  6. Bundesministerium für Verkehr, Steinbrücken in Deutschland, Beton-Verlag, Düsseldorf, ISBN 3-7640-0240-9, 1988; S. 88-89.
  7. Beschreibung des Geopfads auf www.eichstetten.de, mit Wanderkarte zum Download
  8. Bertram Jenisch, Das vergessene St. Peterskloster auf dem Kaiserstuhl und sein Bruderhäusle auf der Eichelspitze, Denkmalpflege Baden-Württemberg 31, 2002, S. 99-100. (PDF; 18,7 MB)
  9. Bilder von der Eröffnung des Bodendenkmals in den Eichstetter Nachrichten (PDF; 978 kB)
  10. Weinbaubetriebe in Eichstetten am Kaiserstuhl: http://www.eichstetten.de/anfang_wein.htm
  11. Protokoll der Sitzung des Gemeinderates vom 12. Juni 2008

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eichstetten am Kaiserstuhl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien