Berlin-Bohnsdorf

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Bohnsdorf
Ortsteil von Berlin
Alt-Treptow Plänterwald Baumschulenweg Oberschöneweide Niederschöneweide Johannisthal Altglienicke Bohnsdorf Grünau Schmöckwitz Friedrichshagen Müggelheim Rahnsdorf Köpenick Adlershof Brandenburg BerlinBohnsdorf auf der Karte von Treptow-Köpenick
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Koordinaten 52° 24′ 0″ N, 13° 34′ 0″ O52.413.56666666666734Koordinaten: 52° 24′ 0″ N, 13° 34′ 0″ O
Höhe 34 m ü. NN
Fläche 6,52 km²
Einwohner 11.007 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 1688 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12524, 12526
Ortsteilnummer 0908
Gliederung
Verwaltungsbezirk Treptow-Köpenick
Ortslagen
  • Falkenberg
  • Falkenhorst

Bohnsdorf [ˈboːnsdɔrf] ist ein Berliner Ortsteil im Südwesten des Bezirks Treptow-Köpenick. Es grenzt im Norden an Altglienicke, im Osten an Grünau und im Süden an die Gemeinde Schönefeld. Im Südwesten ragte außerdem ein kleiner Teil der Nordbahn des Flughafens Berlin-Schönefeld in das Siedlungsgebiet, die allerdings im Zuge der Verlängerung der A 113 stillgelegt und abgerissen wurde.

Als Ortsteil hat Bohnsdorf laut Berliner Verfassung keinerlei Selbstverwaltung. Alle die Region betreffenden Aufgaben werden vom Bezirksamt bzw. der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick wahrgenommen.

Lage[Bearbeiten]

Das Gelände ist mit Ausnahme der im Norden gelegenen 59,6 Meter hohen Falkenberge relativ flach. Im Osten Bohnsdorfs fließt der Plumpengraben, wodurch das angrenzende Gebiet lange Zeit völlig versumpft war und erst nach umfangreicher Trockenlegung besiedelt werden konnte.

In der Bebauung dominieren die für eine Stadtrandsiedlung typischen Einfamilienhäuser und Reihenhaussiedlungen. Eine Besonderheit stellt der als Gebäudeensemble denkmalgeschützte Anger (Dorfplatz 2–21) dar, eine der wenigen komplett erhaltenen in Berlin.[1]

Ortslagen von Bohnsdorf:

  • Falkenberg (Dorfanger)
  • Falkenhorst (Südostsiedlungen)

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Blick über den Dorfteich zur Kirche

Bohnsdorf wirkt heute durch den Dorfplatz wie die typisch deutsche Planform eines Straßenangerdorfs während des 12. und 13. Jahrhunderts der deutschen Ostsiedlung. Tatsächlich war Bohnsdorf aber zunächst ein Sackgassendorf, wie die Schulenburgsche Karte von 1778–1886 sowie das Ur-Messtischblatt von 1831 ausweisen. Diese spezielle Ortsform sowie die ungewöhnlich niedrige Hufenzahl (ohne Pfarrhufen) deuten darauf hin, dass das Dorf ursprünglich eine slawische Siedlung war. In der ersten Phase der deutschen Besiedlung des Berliner Raums (vor etwa 1230) war es üblich, dass die deutschen Zuzügler in slawische Dörfer zogen und sie ggf. erweiterten, ohne ihre Grundstruktur zu ändern. Die Herrschaftsübernahme der Deutschen zeigte sich daran, dass im Landbuch Karls IV. (1375) ein Schulze erwähnt wird. Bohnsdorf ist ein slawisch-deutscher Mischname und bezeichnet ein Dorf, das von einem Mann namens Bon gegründet wurde. Es ist umstritten, ob es sich dabei um einen slawischen oder deutschen Personennamen (Bonifacius) handelt.

Urkundlich erstmals erwähnt wird Bonenstorp/Bonistorpp/Benistorp im Landbuch Karls IV., und zwar mit 25 Hufen, von denen Hans von Aken (Bürger aus Alt-Berlin) acht freie Hufen hat. Die starke Stellung des Schulzen zeigt sich nicht nur in seinen zwei Freihufen, sondern auch darin, dass ihm ein Kossät und ein (allerdings wüst liegender) Krug zugeordnet sind.

Es ist davon auszugehen, dass die deutschen Zuzügler eine Dorfkirche wünschten, zunächst – wie in den allerersten Siedlungsjahren üblich – nur aus Holz. Über einen solchen Vorgängerbau ist nichts bekannt, auch nicht wann er entstand, denn im Landbuch werden 1375 noch keine Pfarrhufen erwähnt. Sie stand vermutlich auf dem Platz des Runddorfs, neben dem Dorfteich. 1450 dagegen werden aber zwei Pfarrhufen und eine Kirchenhufe vermeldet; sie werden sich auf eine Kirche aus Fachwerk bezogen haben.

Die Siedlung Bohnsdorf hatte während der nächsten 200 Jahre ständig wechselnde Grundherren, meist Adlige aus Berlin-Cölln oder aus der Mark Brandenburg, von denen es aber – abgesehen von regelmäßigen Steuerzahlungen – allgemein in Ruhe gelassen wurde.

Ein Tiefpunkt in der Geschichte Bohnsdorfs war die Zeit zwischen 1400 und 1420, als die Raubritter Johann und Conrad von Quitzow die Region unsicher machten und die Siedlungen rings um Berlin-Cölln plünderten.

Am 3. Januar 1571 starb Joachim II. von Brandenburg auf dem Wege nach Berlin. Seinen vermuteten Todesort am Ende der heutigen Bohnsdorfer Joachimstraße zierte von 1845 bis 1940 ein Denkmal des Kurfürsten.

Brandenburg, das sich 1539 schon zu Lebzeiten Martin Luthers der Reformation angeschlossen hatte, wurde 1630 zum Verbündeten Schwedens im Dreißigjährigen Krieg. Durch die mehrmals plündernd durch die Mark ziehenden Heere verlor Bohnsdorf bis zum Ende des Krieges etwa dreiviertel seiner Bevölkerung. Auch die mittelalterliche Kirche wurde schwer beschädigt.

Königreich Preußen[Bearbeiten]

Nach der Gründung des Königreichs Preußen durch Friedrich I. im Jahr 1701 profitierte Bohnsdorf durch das Aufblühen der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin.

Im Jahr 1755 wurde beschlossen, eine neue Backsteinkirche auf dem Dorfplatz zu errichten, die dem immer größer werdenden Zulauf aus der Siedlung Grünau gerecht werden sollte. Das Gebäude der Dorfkirche Bohnsdorf steht heute unter Denkmalschutz.

Pfälzer Siedler trafen 1764 in Bohnsdorf ein und gründeten östlich des Dorfplatzes die Siedlung Neu-Bohnsdorf. Rund hundert Jahre später, 1865, vereinigten sich Bohnsdorf und Neu-Bohnsdorf zu einer selbstverwalteten preußischen Landgemeinde Bohnsdorf.

Deutsches Kaiserreich[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Buntzelstraße 119 in Bohnsdorf
Haus in der Gartenstadt Falkenberg in Bohnsdorf, die seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt

Der Bauboom der Gründerzeit erfasste auch die Siedlungen rund um Berlin. Es entstanden jene viereckigen Gutshöfe, die noch heute unverändert am Dorfplatz stehen und inzwischen als Gebäudeensemble denkmalgeschützt sind.

Im Jahr 1877 erwarb der Müller August Urner in der Stadt Köpenick eine voll drehbare Bockwindmühle, die er mit Pferdefuhrwerken bis auf seinen Gutshof am Dorfplatz transportierte. Die Mühle stand bis Anfang der 1980er Jahre am selben Ort und sollte eigentlich restauriert und unter Denkmalschutz gestellt werden. Der Magistrat entschied dann allerdings, die Mühle zur Devisenbeschaffung an das damalige Museum für Verkehr und Technik in Kreuzberg zu verkaufen, wo sie noch heute ausgestellt ist (→ siehe: Bohnsdorfer Bockwindmühle im Technikmuseum).

Der Gartenbaudirektor Max Buntzel kam 1889 nach Bohnsdorf und erwarb ein Grundstück auf dem Falkenberg, auf dem er eine große Obstplantage anlegte. Außerdem baute er sich eine schlossähnliche Villa im Stil der Renaissance. Aufgrund finanzieller Nöte musste er die Villa und Plantage allerdings bereits 1906 wieder verkaufen. Die Gemeinde Bohnsdorf hat er dennoch geprägt: Der Falkenberg heißt seither bei den Anwohnern nur noch Buntzelberg. Buntzels Interesse am Obstbau spiegelte sich auch in edlen alten Obstsorten der Bohnsdorfer Gärten wider, weil sich damalige Besitzer ihre Obstbäume unter Verwendung von Edelreisern zogen, die aus der Buntzel-Plantage stammten.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Mit Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes am 1. Oktober 1920 wurde Bohnsdorf zunächst als Ortsteil des Bezirks Köpenick nach Groß-Berlin eingemeindet. 1938 kam es dann zum Bezirk Treptow im Austausch gegen Oberschöneweide. Seit Inkrafttreten des Gebietsreformgesetzes zum 1. Januar 2001 gehört Bohnsdorf zum Bezirk Treptow-Köpenick.

Am 8. Mai 2009 fanden Bauarbeiter auf dem Gelände einer ehemaligen Chemiefabrik an der Ecke Krumme/Waltersdorfer Straße eine 100 Kilogramm schwere Fliegerbombe der Luftstreitkräfte der Sowjetunion aus der Schlacht um Berlin im Jahr 1945. Das Gelände sollte für die Erweiterung des Wohngebiets der Arbeiterbaugenossenschaft „Paradies“ vorbereitet werden. Bis etwa 22 Uhr wurden rund 1000 Anwohner aus den anliegenden Straßen evakuiert. Eine Stunde später konnte die Bombe entschärft werden.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die „Rübenbahn“ (Loknummer 310 704) in Bohnsdorf

Seit 1868 führte die „Gutsbahn“, später „Henschelbahn“ genannt, durch die Felder von Bohnsdorf. Zunächst verband sie als Pferdebahn das Gut Diepensee mit dem Bahnhof Grünau. Später wurde sie von der Neukölln-Mittenwalder Eisenbahn übernommen, es wurden auch Lokomotiven eingesetzt. Ab 1935 diente sie auch den Henschel-Flugzeugwerken, dem heutigen Flughafen Schönefeld als Werksbahn. 1945 wurde sie demontiert, aber 1947 wieder aufgebaut. Die Bedeutung der Strecke wuchs, da der entstehende Flughafen Schönefeld durch sie mit Treibstoff beliefert wurde. Jedoch erschien die inzwischen durch bebautes Gebiet in Bohnsdorf führende, mit vielen Bahnübergängen versehene Trasse nicht mehr zeitgemäß. 1959 wurde sie durch andere Streckenführungen abgelöst und stillgelegt.[3] Die ehemalige Trasse ist heute noch zu erkennen, beispielsweise in der Mitte der Hundsfelder Straße. Dort wurde symbolisch eine Kleinlokomotive als Kinderspielplatz hergerichtet (die sogenannte „Rübenbahn“). Seit den 1960er Jahren verlief die Anschlussbahn zum Flughafen Schönefeld entlang der Südgrenze von Bohnsdorf, parallel zur Waldstraße. Diese Strecke wurde im Zuge der Bahnanbindung des neuen Flughafen BBI inzwischen abgebaut.

Hauptstraßen sind die Waltersdorfer, Schulzendorfer und Buntzelstraße.

Bildung[Bearbeiten]

Schule am Buntzelberg[Bearbeiten]

Die Schule am Buntzelberg ist eine Ganztagesschule mit rund 500 Schülern in 19 Klassen, 24 Lehrern und 15 Erziehern.[4] Im Jahr 1975 als Polytechnische Oberschule (POS) gegründet, die später den Namen Alfred-Grünberg-Oberschule trug, wurde die Einrichtung 1991 in eine Grundschule umgewandelt und nahm auch die Klassen 1 bis 6 der nahegelegenen 16. POS „Paul Körner-Schrader“ (heute: Fritz-Kühn-Schule) auf.

Der Förderung der Fremdsprachenkompetenz dienen Arbeitsgemeinschaften für Englisch (Klassen 1 und 2) sowie Französisch (Klassen 5 und 6).[5] Außerdem gibt es für die Klassen 5 und 6 Schwerpunktunterricht in den Bereichen Sozialkompetenz und Medienkompetenz.[6]

Fritz-Kühn-Schule[Bearbeiten]

Fritz-Kühn-Schule in Bohnsdorf

Die Fritz-Kühn-Schule, benannt nach dem Künstler Fritz Kühn, ist eine integrierte Sekundarschule für etwa 450 Schüler, die von 29 Lehrern unterrichtet werden. Die tragenden Säulen des Erziehungskonzeptes sind sowohl künstlerisch-musische als auch handwerklich-innovative Bildung.[7]

Das Gebäude wurde 1916 als 13. Gemeindeschule angesichts der wachsenden Bevölkerung Bohnsdorfs durch die Siedlung „Paradies“ eröffnet. Es ersetzte einen deutlich kleineren Vorgängerbau am Dorfplatz. Zur Einweihung schenkten die Späth’schen Baumschulen aus Treptow (heute: Baumschulenweg) der Einrichtung mehrere Lindenbäume für den Schulhof.

Entsprechend dem „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen“ der Sowjetischen Militäradministration wurde 1946 aus der bisherigen Volksschule eine Oberschule, die ersten zwei Jahre geteilt in eine Knaben- (15. Oberschule) und eine Mädchenschule (16. Oberschule). 1959 führte die DDR-Regierung die Polytechnische Oberschule ein; die Bohnsdorfer Schule wurde nun zur zehnklassigen Einheitsschule mit dem Namen 16. POS „Paul Körner-Schrader“.

Nach der Wende wurde aus der POS eine Realschule mit dem Namen Linden-Oberschule. Diese wurde 2006 mit der Pierre-Laplace-Schule aus Altglienicke zusammengelegt. Um den Neuanfang der fusionierten Schule zu verdeutlichen, wurde der bisherige Name abgelegt und am 20. Februar 2008 der neue Name Fritz-Kühn-Schule angenommen.[8]

Sonstiges[Bearbeiten]

Bis 1989 befand sich in der Dahmestraße 33 das Wissenschaftliche Zentrum des Zivilschutzes, in dem verschiedene Aspekte zum Schutz der Zivilbevölkerung im Kriegsfall erforscht wurden. In den Gebäuden ist heute ein soziokulturelles Zentrum untergebracht.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Krankenhaus Hedwigshöhe
  • Krankenhaus Hedwigshöhe
  • Freiwillige Feuerwehr Bohnsdorf
  • Stadtteilbibliothek Bohnsdorf
  • Gemeindehaus St. Laurentius der katholischen Kirchengemeinde Christus König
  • Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Bohnsdorf mit Dorfkirche und Gemeindeheim
  • Friedhof Bohnsdorf
  • Parkanlage auf dem Falkenberg
  • Sportplatz Buntzelberg, 1000 Stehplätze, Heimmannschaft: Grünauer BC 1917

Söhne und Töchter von Bohnsdorf[Bearbeiten]

Gedenkstein in Berlin-Bohnsdorf für die getöteten Widerstandskämpfer Judith Auer, Karl Materna, Paul Wegmann, Hermann David, Gerhard Fliehs, Alfred Grünberg und Werner Commichau
  • Max Buntzel (1850–1906), Gartenbaudirektor und Plantagenbesitzer
  • E. R. Greulich, Schriftsteller
  • Fritz Kühn, Fotograf, Bildhauer und Kunstschmied. Eine Straße in Bohnsdorf ist nach ihm benannt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sabine Molter: Spaziergänge in Treptow. Haude & Spener, Berlin 1998, ISBN 3-7759-0414-X.
  • E. R. Greulich: Des Kaisers Waisenknabe. ISBN 3930075245.
  • Bernd Kuhlmann: Schönefeld bei Berlin – Ein Amt, ein Flughafen und elf Bahnhöfe. GVE e. V., Berlin 1996, ISBN 3-89218-038-5.
  • Regina Richter, Frauke Rother, Anke Scharnhorst: Hier können Familien Kaffee kochen! – Treptow im Wandel der Geschichte. be.bra verlag, Berlin-Brandenburg 1996, ISBN 3-930863-14-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Bohnsdorf – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die anderen sind in Lichtenrade, Lübars und Marienfelde.
  2.  Karin Schmidl: 1.000 Anwohner in eine Schule gebracht/Entschärfung nach Absprache mit Flughafen. Bombenfund: Wohngebiet in Bohnsdorf evakuiert. In: Berliner Zeitung. 9. Mai 2009, ISSN 0947-174X (online).
  3. Hans Schäfer: Die Gutsbahn nach Diepensee. In: Gemeindeanzeiger der Gemeinde Schönefeld, April 2010, Seite 12
  4. Schule am Buntzelberg (Stand: August 2013)
  5. Schule am Buntzelberg: Fremdsprachenkompetenz (Stand: August 2013)
  6. Schule am Buntzelberg: Sozialkompetenz und Medienkompetenz (Stand: August 2013)
  7. Fritz-Kühn-Schule: Entwicklung nach der Schulstrukturreform (Stand: August 2013)
  8. Fritz-Kühn-Schule: Schulgeschichte