Corps Hasso-Nassovia Marburg

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Wappen und Wahlspruch

Das Corps Hasso-Nassovia Marburg ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Das Corps vereint Studenten und Alumni der Philipps-Universität Marburg. Die Hessen-Nassauer werden im scherzhaften Jargon „hessliche Nassauer“ oder „Hasennasen“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Hasso-Nassovia hat das Couleur lichtes maigrün-weiß-himmelblau mit silberner Perkussion. Dazu wird eine Studentenmütze in lichtem Maigrün getragen. Das Fuchsband ist weiß-lichtes maigrün-weiß.

Der Wahlspruch lautet Virtuti semper corona! [1] Der Wappenspruch ist Vivant fratres intimo foedere iuncti! (V.F.I.F.I.).[2]

Hassia Marburg[Bearbeiten]

Hassia war 1806 bzw. 1807 mit den Farben schwarz-grün-rot gegründet worden. Seit 1824, wahrscheinlich schon seit dem 19. Juni 1822 führte sie die Farben grün-weiß-rot bei grünen Mützen.[3] Nachdem einige Mitglieder wegen Streitigkeiten ausgetreten waren und am 29. November 1837 eine neue, sehr kurzlebige Marcomannia gestiftet hatten, löste Hassia sich am Ende des Wintersemesters 1837/38 auf. Sie wurde am 27. Mai 1838 erneuert.[4] Teutonia Marburg, neben Hassia das einzige noch in das WS 1838/39 hinein bestehende Corps, war am 7. August 1825 mit den Farben blau-rot-gold und blauer Mütze gestiftet worden. Bei ihrer letzten Erneuerung am 12. Mai 1833 hatte sie die Farben blau-weiß-rot, dann blau-weiß-gold.[5] Teutonia hatte sich am 13. November 1838 formell aufgelöst.[4] Bei Streitereien, Satisfaktionsverweigerungen und Prügeleien auf dem Markt riss der (frühere) Senior der Hessen dem Senior der Teutonen den Bart aus. Deshalb musste auch Hassia sich Anfang 1839 auflösen. Nach den Kösener Corpslisten 1930 hatte sie bis dahin 601 Mitglieder. Zur 300-Jahr-Feier der Philipps-Universität hatte Hassia mit 46 Paaren und 16 Adjutanten mehr Vertreter gestellt als Teutonia, Lahnania und Hanovia zusammen.[6]

Als im SS 1839 sowohl die Teutonen (10. Mai) als auch die Hessen (15. Juli) wieder aufmachten, änderten beide eine ihrer Farben. Teutonia kehrte zu blau-rot-gold zurück. Hassia fügte ihrem Namen Nassovia hinzu und wählte die Farben dunkelgrün-weiß-dunkelblau mit Silberperkussion. Das war eine Zusammensetzung der alten Farben der Hessen und der Göttinger Nassauer. Das Renoncenband war zunächst dunkelgrün-dunkelblau-weiß ohne Perkussion, wurde aber am 14. Juni 1841 in weiß-grün-weiß mit Silberperkussion geändert.[7] Den Kern des Corps bildeten alle letzten Hessen, soweit sie wieder in Marburg aktiv wurden. Dazu zählten Otto von Gehren und der Stifter Emil Haupt. Der landsmannschaftliche Charakter der Corps war damals noch so stark, dass der Zusatz „Nassovia“ den Übertritt von Teutonen bewirkte, die aus dem Herzogtum Nassau stammten. Darunter waren die Stifter Friedrich Großmann, Wilhelm Spieß und Eduard Lindpaintner. Die anderen Stifter Wilhelm Ammann, Wilhelm Dörr, Hermann Trägel und Carl Trägel sowie die ersten Füchse Ferdinand Conradi und Ludwig Seyberth kamen ebenfalls aus Nassau. Als Weilburger Abiturient war Haupt Göttinger Nassauer gewesen.[6] So ist der 15. Juli 1839 das Stiftungsdatum der Hasso-Nassovia; der Zusatz „Nassovia“ verdeckt aber ihre Geschichte als unmittelbare Fortsetzung der alten Hassia.[6]

Im Reichstag (Norddeutscher Bund) saßen die Marburger Hessen Karl Bernhardi und August Kugler und die Hessen-Nassauer Carl Braun und Wilhelm Liebknecht.

Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Gedenktafel (2007)
Hauptartikel: Vororte des KSCV und SC-Kameradschaften

1876, 1918 und 1919 stellte Hasso-Nassovia die Vorsitzenden des oKC. Mitglieder des Corps spielten 1920 eine unrühmliche Rolle in der Tragödie von Mechterstädt. Am 16. Juli 1933 führte das Corps das Führerprinzip ein. Unter dem Druck des Allgemeinen Deutschen Waffenrings und des KSCV bekannte sie sich auch zum Arierparagraphen. Daraufhin legten die sechzehn betroffenen Corpsbrüder 1933/34 das Band nieder. Das Ehrenmitglied Rudolf Brunzlow dankte ihnen 1946 „für das schwere Opfer“.[8] An Georg Popp, Fritz Waldschmidt, Friedrich Leonhard, Franz Leonhard, Ferdinand Selberg, Karl Eduard Ludorff, Leo Rhodovi, Fritz Zimmern, Herbert Augstein, Fritz Briese, Hans Popp, Günther Augstein, Heinrich Lauber, Waldemar Zimmermann, Hans Fielitz und Alfred Hennecke erinnert seit 2007 eine Gedenktafel in der Eingangshalle von Hasso-Nassovias Corpshaus.[9] Die Inschrift lautet:

WIR GEDENKEN UNSERER VON 1933 BIS 1945 VERFOLGTEN CORPSBRÜDER.
SIE VERZICHTETEN AUF UNSER BAND, UM DAS CORPS ZU RETTEN.
IHR OPFER UND LEID SEI UNS STETIGE MAHNUNG!

Wie alle anderen Marburger Verbindungen löste Hasso-Nassovia sich am 20. Mai 1936 auf; die Altherrenschaft bestand aber weiter. Ab 1938 unterstützten Alte Herren die Kameradschaft Allmenroeder. Ende 1946 schlossen sich elf Studenten (alle ehemalige Soldaten) zur Studentengemeinschaft Hessen zusammen. Unter dem Schutz von Franz Leonhard wurde sie von der Altherrenschaft unterstützt, bis sie am 16. Juli 1950 im rekonstituierten Corps Hasso-Nassovia aufging.

Corpshaus[Bearbeiten]

Eingang
Corpshaus, Gartenseite

Im Jahre 1888 wurde das erste Corpshaus gebaut. Aus Platzgründen weichen musste es dem heutigen Corpshaus, das 1909 errichtet wurde.

Verhältnisse[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verhältnisvertrag und Kösener Kreise

Die früher schwarze Hasso-Nassovia kann als Angelpunkt der sog. mausgrauen Corps gesehen werden. Sie gelten als fechtstark.[10]

Kartelle
Corps Nassovia Würzburg
Corps Rhenania Bonn
Corps Suevia Freiburg
Corps Baruthia Erlangen
Corps Franconia Tübingen
Corps Borussia Halle
Corps Saxonia Leipzig
Befreundet
Corps Rhenania Heidelberg

Mitglieder[Bearbeiten]

Wilhelm Liebknecht im Couleur des Corps Hasso-Nassovia Marburg (1847)
Julius Wieting Pascha

In alphabetischer Reihenfolge

Träger der Klinggräff-Medaille[Bearbeiten]

Mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten wurden ausgezeichnet:

  • Peter Woeste (1989)
  • Nils Habbe (2005)
  • Andreas Münch (2007)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dt. „Der Tugend immer die Krone!
  2. dt. „Es sollen die Brüder leben, die durch ein enges Band verbunden sind!“
  3. Heer, S. 119
  4. a b Heer, S. 131
  5. Heer, S. 205
  6. a b c Klaus Vassel: Corpsgeschichte der Hasso-Nassovia zu Marburg 1839–1954. Eine Nacherzählung, Bd. 1. Marburg 1979, S. 5–8
  7. Corpszeitung der Hessen-Nassauer 65, S. 38
  8. Klaus Vassel: Corpsgeschichte der Hasso-Nassovia zu Marburg 1839–1954. Eine Nacherzählung, Bd. 2, S. 43. Marburg 1981
  9. Stefan Weichbrodt: Ein bitterer Teil unserer Geschichte. Marburg 2007
  10. Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Ergänzungslieferung, 2006

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Heer: Marburger Studentenleben 1527 bis 1927. Marburg 1927 (Festgabe zum 400-jährigen Universitätsjubiläum)
  • Wilhelm Eckhardt: Hasso-Nassovia: vom 15. Juli 1839 bis zum Herbst 1847. Dem Corps Hasso-Nassovia zu Marburg zum 90. Stiftungsfest. Bauer, 1930.
  • Fritz Groos: Die 4 Hassia zu Marburg, Göttingen, Gießen und Heidelberg, ihre Zusammenhänge und ihre Geschichte. Einst und Jetzt, Bd. 3 (1958), S. 102–118.
  • Klaus Vassel: Corpsgeschichte der Hasso-Nassovia zu Marburg 1839–1954. Eine Nacherzählung, 2 Bde.. Marburg 1979 und 1981.

Weblinks[Bearbeiten]