Dänische Literatur

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Unter dänischer Literatur versteht man die in dänischer Sprache geschriebene Literatur. Dazu gehört auch die dänischsprachige Literatur der dänischen Südschleswiger. Die dänische Literatur ist ein Teil der skandinavischen Literatur.

Wikingerzeit[Bearbeiten]

Als die ältesten Werke der dänischen Nationalliteratur gelten die Volks- und Heldenlieder (Kæmpeviser) der Wikingerzeit. Diese lassen sich bis Ende des 11. Jahrhunderts zurückverfolgen. Da sie erst ein halbes Jahrtausend später aufgezeichnet wurden und infolge der mündlichen Überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht erheblich umgestaltet sein dürften, lässt sich die Frage, ob sie ursprünglich dänischen Ursprungs oder von den Eddagedichten beeinflusst waren, nicht mit Sicherheit entscheiden. Sie berichten vom Leben und den Taten der Sagengestalten wie Bjarki, Ingjald, Hagbard und Singe, von Nixen, Kobolden und sonstigen Zauberwesen, aber auch von historischen Persönlichkeiten und Ereignissen der damaligen Zeit.

Mündlich tradiert wurden diese Werke nicht im Volk; vielmehr handelt es sich um eine nordische Variante der europäischen Ritterdichtung. Doch lässt sich nachweisen, dass sie bald Allgemeingut geworden und zum Beispiel bei Tanzfesten des Volkes zur Verwendung gekommen sind. Gesammelt wurden sie erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Anders Sørensen Vedel („Hundrede Viser med oplysende Anmærkninger“, 1591). Später ist dieses Werk von Peter Syv, Werner Hans Abrahamson, Knud Lyne Rahbek, Rasmus Nyerup und Jens Rasmussen bearbeitet worden, so dass es etwa 450 Lieder umfasst.

Mittelalter[Bearbeiten]

Eher um Sprach- als um literarische Denkmäler handelt es sich bei den mittelalterlichen Gesetzessammlungen. Die wachsende Macht der Kirche machten schon früh eine Fixierung des kanonischen Rechts notwendig, wie die fortwährenden Streitigkeiten zwischen den staatlichen Behörden einerseits und Adel und Klerus anderseits eine Feststellung weltlicher Gesetzesnormen bedingten. Seit Anfang des 12. Jahrhunderts beschäftigten sich viele junge Adlige sich an den Universitäten von Paris und Bologna mit dem eben wieder erwachten Studium des kanonischen und altrömischen Rechts und wurden nach ihrer Rückkehr für die Reorganisation der dänischen Gesetzgebung tätig. So entstanden 1162 das schonensche und 1170 das seeländische Kirchenrecht, beide in dänischer Sprache. Unter den weltlichen Gesetzeswerken sind das schonensche (Skaanske Lov) 1160, das seeländische (Sjællandske Lov) von König Waldemar I. 1170 und vor allem das jütländische (Jyske Lov) zu nennen, das 1241 auf dem Reichstag zu Vordingborg erlassen wurde.

Außer diesen Schriften und einer „Dänischen Reimchronik“ aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (gedruckt 1495; älteste nordische Inkunabel] sind fast alle Schriften der vorreformatorischen Zeit in lateinischer Sprache abgefasst. Sie gingen in der Regel aus den Klöstern hervor und behandelten historische und religiöse Stoffe, ohne größeren Einfluss auf die Weiterentwicklung der Literatur oder auf das geistige Leben der Nation auszuüben.

Reformationszeit[Bearbeiten]

Auch die Reformation führte keinen wesentlichen Aufschwung der dänischen Nationalliteratur herbei. Zwar wurde durch sie die Macht der Geistlichkeit und damit die Herrschaft des Lateinischen als Schriftsprache gebrochen, dafür aber gewann das Deutsche als Sprache der Gebildeten die Oberhand. Dazu trug auch der gelehrte dänische König Friedrich I. (1523-33) bei, an dessen Hof Deutsch Amtssprache wurde. So verlor die dänische Sprache gerade in den höheren Ständen an Bedeutung.

Dagegen richtete sich ein erwachendes Nationalbewusstsein, das sich in dem nach dem Tod Friedrichs I. entbrannten Bürgerkrieg äußerte. Besonderes Verdienst um eine volkstümliche Sprache erwarb sich Christiern Pedersen (1480-1554), der mit Recht als Vater der dänischen Schriftsprache bezeichnet wird. Pedersen hatte in Paris studiert und konnte sich als Kanzler des Erzbischofs Johan Vese für die Verwendung der dänischen Sprache einsetzen. Auf Grund seiner Sympathien für den gefangenen König Christian II. floh Pedersen 1528 nach Deutschland. Er besuchte in Wittenberg Martin Luther, der ihn für die Reformation gewinnen konnte. Noch in Wittenberg begann Pedersen mit seiner Übersetzung der Bibel ins Dänische und konnte im darauffolgenden Jahr in Antwerpen sein dänisches Neue Testament erscheinen lassen. 1531 veröffentlichte Pedersen eine Psalmensammlung und mehrere Pamphlete, die ganz im Stil Martin Luthers gehalten waren.

Vergleicht man diese Schriften Pedersens mit anderen gleichzeitig erschienenen, zum Beispiel mit der 1524 von Hans Mikkelsen veranstalteten Übersetzung des Neuen Testaments, so erkennt man, mit welcher Meisterschaft er die dänische Sprache handhabte. Pedersens Schriften erregten ein solches Aufsehen, dass es ihm schon 1532 gestattet wurde, in sein Vaterland zurückzukehren. Er ließ sich in Malmø nieder, das damals zu Dänemark gehörte, und gründete eine Buchdruckerei. In den nächsten Jahren konnte er viele volkstümliche Schriften publizieren, darunter historische Volksbücher, religiöse Schriften, ein Arzneibuch und 1550 die erste vollständige dänische Bibelübersetzung, welche – allein der Sprache wegen – sehr lange Zeit als unübertroffenes Meisterwerk galt.

Unter den Zeitgenossen Pedersens ragt vor allen der Ripener Bischof Hans Tausen (1494-1561) hervor. Er veröffentlichte überwiegend religiöse Werke; als sein wichtigstes Werk ist neben einer Passionsgeschichte die verbesserte Ausgabe des uerst 1528 in Malmø erschienenen dänischen Gesangbuches (1544) zu erwähnen. Auch der Reformator Frans Vormordsen (1491-1551), der Davids Psalmen und Luthers kleinen Katechismus übersetzte, ist zu erwähnen.

Barock: 1600-1720[Bearbeiten]

Auf den Gesangbüchern der Reformationszeit aufbauend, konnte Thomas Kingo (1634-1703) 1689 ein neues „für Dänemark und Norwegen verordnetes Gesangbuch“ publizieren. Es ist eines der schönsten geistlichen Liederbücher, welche die dänische evangelische Kirche besitzt. Anders Arrebo (1587-1637) spielte mit seiner Schöpfungsdichtung in der dänischen Literatur eine ähnliche Rolle wie der Schriftsteller Martin Opitz in der deutschen Literatur. Arild Hvitfeld (1549-1609) veröffentlichte „Danmarks Riges Krönike“ in 10 Bänden (Kopenhagen 1595-1604). Aber trotz des Bemühens dieser und anderer Männer wie Anders Bording (1619-1677), einem Hofdichter, blieb die dänische Sprache in den höheren Gesellschaftskreisen verpönt. Eine Ausnahme bildet das Tagebuch („Jammersminde“) der Königstochter Eleonora Christina Ulfeldt (1621-1698).

Aufklärung und Empfindsamkeit: 1720-1802[Bearbeiten]

Mit dem adligen Universalschriftsteller und Historiker Ludvig Holberg (1684-1754) begann eine neue Epoche der dänischen Nationalliteratur. Er ist nicht allein der Begründer der modernen dänischen Bühne, sondern der skandinavischen dramatischen Literatur überhaupt. Unter dem Einfluss des französischen und englischen Rationalismus, aber ohne Vorbilder im eigenen Land und verfolgt vom Hohn des „gebildeten Publikums“, schuf er in wenigen Jahren eine durchaus selbständige dänische „Schaubühne“, die, verglichen mit der gleichzeitigen Gottschedschen, Bewunderung einflößen muss. Einige seiner satirisch-moralischen Stücke, besonders „Der politische Kannengießer“ und „Jeppe auf dem Berge“, sind auch in Deutschland gespielt worden. Seine Stoffe entnimmt Holberg der Gegenwart, deren Torheiten er mit Humor geißelt. Er persifliert die Sucht, ausländische Sprache und Sitte nachzuäffen. Durch Spott erreicht er, was seine Vorgänger vergebens durch Belehrung zu erreichen versucht hatten: Die dänische Sprache kam durch Holberg wieder zu Ehren und bildete den Boden, auf dem sich die neue volkstümliche Literatur entwickeln konnte.

Den Pietismus als Gegenbewegung zu Rationalismus und Deismus vertrat Hans Adolf Brorson (1694-1764), dessen „Troens rare Klenodie“ zum Schönsten dessen gehört, was die geistliche Dichtung in Dänemark hervorgebracht hat.

Um 1760 fand - gefördert durch die deutschfreundliche Haltung des Grafen Johann Friedrich Struensee (1737–1772) - die Ästhetik der Empfindsamkeit in Kopenhagen viele Anhänger. Bald nach Holbergs Tod fand sich ein Dramatiker, der im Stande war, dieses Werk im Stil der neuen Empfindsamkeit fortzuführen und in allen Gattungen zu neuen Höhepunkten zu entwickeln. Johannes Ewald (1743-1781) war trotz seines unsteten Lebens - er nahm am Siebenjährigen Krieg teil - und seines frühen Todes für die Entwicklung der dänischen Literatur als Lyriker und Tragödiendichter von großer Bedeutung. Wie Holberg der Vater des Lustspiels war, so ist Ewald unter dem Einfluss Klopstocks der Begründer des dänischen Trauerspiels. Seine Stoffe entnahm er der altnordischen Mythologie („Balders Tod“, 1773) und dem Werk des Saxo Grammaticus. Seine Stücke wurden auch in Deutschland rasch rezipiert.[1] Um diese beiden Männer herum gruppiert sich eine ganze Anzahl weniger bedeutender Autoren wie Christian Falster (1690-1765), der beißende und sprachgewandte Satiren schrieb, und Christian Brauman Tullin (1728-1765), der besonders das Lehrgedicht, aber auch die Satire pflegte.

Ein hervorragender Nachfolger Holbergs und Ewalds war indessen der Norweger Johan Herman Wessel (1742-1785), der zwar in seinen Schriften vielfach norwegische Ausdrücke und Redewendungen gebrauchte, aber sehr jung nach Dänemark gekommen war. Er hatte dort eine Literatur vorgefunden, welche auf dem besten Weg war, die von Holberg und Ewald vorgezeichneten Bahnen zu verlassen. Wie in Deutschland Gotthold Ephraim Lessing, so trat hier Wessel gegen das französische klassische Drama auf, aber nicht wie der deutsche Gelehrte in der schweren Rüstung der Wissenschaft, sondern wie einst Holberg im leichten Gewand der Satire. So entstand sein „Trauerspiel“: „Kjærlighed uden Strømper“ („Liebe ohne Strümpfe“, 1772), eine in ihrer Art einzig dastehende Parodie. Durch diese machte er mit einem Schlag das französische Drama in Dänemark unmöglich. Zerrüttete finanzielle Verhältnisse und Alkoholismus führten dazu, dass er bis zu seinem Tod im Alter von 43 Jahren nur ein größeres Werk, „Kjærlighed uden Strømper“ verfassen konnte. Mit seinem Tod schließt die Glanzperiode der dänischen Literatur, die sogenannte Nordische Renaissance mit ihrer Verbindung von Mythologie, nationaler Geschichte und Literatur, die zur Romantik überleitete.

Die Epoche von 1780 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts brachte kaum etwas Nennenswertes hervor. Ihr Hauptmerkmal ist überspannter Rationalismus, ebenso überspannter Patriotismus und eine daraus entspringende Neigung zur Polemik. Dass dabei die Politik mit der Dichtkunst verquickt wurde, ja in ihren Erzeugnissen oft genug die Hauptrolle spielte, kann in einem Zeitalter, welches sich unmittelbar an die glänzende Laufbahn Struensees anschließt, nicht verwundern, träumte doch damals jeder von einer politischen Karriere, die man durch politische Polemik zu fördern suchte.

Eine Ausnahme bildet Peter Andreas Heiberg (1758–1841), ein Vertreter eines nationalen empfindsamen Rationalismus. Auch seine Stärke bestand in der Polemik. Sein Auftreten gegen die Reaktion, die in der Abschaffung der Pressefreiheit gipfelte, führte dazu, dass er nach Beendigung mehrerer politischer Prozesse 1799 des Landes verwiesen wurde. Ein Geistesverwandter von Heiberg war der Geograph Conrad Malte-Brun (1775–1826). Schon im Alter von 19 Jahren gab er eine Zeitung: „Vækkeren“, heraus, in der er für die Prinzipien der Französischen Revolution eintrat. Als sie unterdrückt wurde, schrieb er „Jerusalem Skomagers Reise til Maanen“ und „Aristokraternes Katekismus“ (1796), gründete dann wieder eine Zeitschrift: „Fluesmækkeren“, und wurde in einen Prozess verwickelt, dem er sich durch die Flucht nach Paris entzog. Hier wurde er später als Geograph berühmt.

Ein anderes Mitglied des Zirkels um Heiberg war Knud Lyne Rahbek (1760–1830), der sich besonders als Ästhetiker und Kritiker einen Namen erwarb, in den letzten 30 Jahren seines Lebens aber vollständig vom öffentlichen Leben zurücktrat. Er gab mit dem Norweger Kristen Pram (1756–1821) die ästhetische Zeitschrift „Minerva“ (1785-89 und 1791–1806) heraus, durch die er in die literarischen Streitigkeiten der damaligen Zeit eingriff. Seine Ästhetik wirkte auch nach Norwegen (das 1814 von Dänemark abgetrennt wurde) und Schweden hinein.[2]

Zu erwähnen sind noch Ole Johan Samsö, der Verfasser des Dramas „Dyveke“; Christian Levin Sander, dessen nationales Trauerspiel „Niels Ebbesen“ mit großer Begeisterung aufgenommen wurde und lange Zeit hindurch als Vorbild galt, ferner der Lyriker Thomas Thaarup (1749–1829) und, als Bindeglied zwischen dieser Periode und der folgenden, der wegen seines lyrischen und komischen Talents auch in Deutschland bekannte kosmopolitische Jens Baggesen (1764–1826), der außerhalb der nationaldänischen Bewegung blieb.

Romantik: 1802–1830[Bearbeiten]

Teils durch das Studium der deutschen Philosophen Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte, teils durch die Naturphilosophie Friedrich Wilhelm Joseph Schellings, dessen Ideen im norwegischen Naturforscher und Philosophen Heinrich Steffens (1773–1845), einem Mitglied des Kreises um P. A. Heiberg, einen begeisterten Anwalt fanden, teils infolge der strengen Zensurverordnung vom Jahr 1799 wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts in Dänemark eine neue Richtung in der Literatur angebahnt. Hatte man sich gegen Ende des vorigen mit geradezu naivem Eifer um eher unbedeutende ästhetische Fragen gestritten, so begann jetzt die Periode einer ernsthaften Rezeption der romantischen Ästhetik. Die Französische Revolution, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ganz Europa in Aufruhr versetzt hatten, dann die Beteiligung Dänemarks an den Napoleonischen Kriegen, die Wegnahme der dänischen Flotte durch die Engländer, der Krieg mit den Schweden (1808) und der Verlust Norwegens (1814) trugen dazu bei, freiheitliche Ideen und ein erhöhtes historisches und Nationalbewusstsein bei den Eliten sowie eine Rückbesinnung auf gemeinskandinavische Werte, Traditionen und Mythen in breiteren Volksschichten auszulösen.

Der Mann, der dieser Stimmung am besten Ausdruck zu geben verstand und das Haupt der neuen Schule wurde, war Adam Oehlenschläger (1779–1850). Durch Steffens für die Ideen der deutschen Romantiker gewonnen, begann er 1802 seine dichterische Laufbahn als Lyriker („Digte“, „Freias Alter“, „Langelandsreisen“ und „Jesu Liv i den tilbagevendende Natur“) und als Epiker („Thors Reise til Jotunheim“ und „Vaulundurs Saga“), worauf er durch seinen abenteuerlich-romantischen „Aladdin eller den vidunderlige Lampe“ zum tragischen Drama überging. Auf diesem Gebiet hat er seine größten Erfolge errungen, so durch „Hakon Jarl“ (1807), „Baldur hin Gode“ (1807), „Palnatoke“ (1807) und „Axel og Valborg“ (1808). Er besaß den Ehrgeiz, auch deutscher Dichter sein zu wollen, und übersetzte seine Werke ins Deutsche. Das Drama „Correggio“ (1809) gab er sogar ursprünglich nur in der fremden Sprache heraus. Sein deutscher Stil war aber viel zu schwerfällig und seine Haltung zu spezifisch dänisch, als dass dieses Streben erfolgreich hätte sein können.

Sein Konkurrent war Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783–1872), der ein größeres episches Werk in altnordischem Geist schrieb („Optrin af Kæmpelivets Undergang i Norden“, 1808), aber als Dichter keinen nennenswerten Erfolg errang. Glücklicher war er als Theologe und später als Freiheitskämpfer. Auf Basis der altnordischen Überlieferung entwickelte er ein gemeinskandinavisches, mythisch-religiös geprägtes Geschichtsbewusstsein und trug dazu bei, dass Universalromantik sich zur Nationalromantik wandelte.[3] Der beliebteste Romanschriftsteller Dänemarks der nationalromantischen Epoche war Bernhard Ingemann (1789–1862). Seine Romane beruhen sämtlich auf historischen Ereignissen, die er mit großer Freiheit für seine Zwecke umformte. Außerdem schrieb er Novellen und Gedichte.

Der Lyriker Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt (1769–1826) wurde trotz seiner Gedankentiefe und seiner durch kühne Bilder ausgezeichneten Lyrik wenig beachtet und blieb außerhalb der nationalromantischen Bewegung, ja er bekämpfte die neue romantische Literatur.

Bald kam es jedoch zu einem Verfall der romantischen Bewegung. Das lag weniger an der Wahl altnordischer Stoffe, sondern an dem klassisch-humanistischen Dramentyp Schillerscher Prägung.

Realismus: 1830-1871[Bearbeiten]

Als Gegner Ingemanns und Grundtvigs trat der Hegelianer Johan Ludvig Heiberg (1791–1860) auf. Seine geistvolle Auffassung des Lebens wie seine leichte Sprachbehandlung machen alle seine Schöpfungen gleich ansprechend. Die meisten Erfolge errang er als Dramatiker, besonders als Vaudevillendichter und -Bearbeiter; doch steht er auch als Lyriker ziemlich hoch. Außerdem dichtete er das national-romantische Schauspiel „Elverhøi“ (1828), welches seiner Zeit sehr viel Aufsehen erregte und noch heute oft gegeben wird.

Als Direktor des königlichen Theaters in Kopenhagen, an welchem seine Frau lange Jahre als hervorragendste Schauspielerin des Nordens wirkte, hat er auch indirekt sehr viel für die Hebung des dänischen Dramas getan. Auch Carsten Hauch (1791–1872) erntete mit seinen Dramen und Romanen reichen Erfolg. Noch glücklicher war der Pastor Steen Steensen Blicher (1782–1848), der besonders durch seine jütländischen Novellen die Herzen des Volkes im Sturm eroberte. Blicher hat als erster das Genre bearbeitet, welches später durch Jeremias Gotthelf und Berthold Auerbach in Deutschland unter dem Namen „Dorfgeschichten“ bekannt geworden ist; außerdem war er einer der ersten Dialektdichter der dänischen Literatur. Halb durch Ingemann, halb durch Blicher beeinflusst ist "Etlar Carit" (Pseudonym für Carl Brosbøll, geb. 1820), welcher in Dänemark noch heute die sogen. alte Schule repräsentiert. Seine Hauptvorzüge sind eine glühende Phantasie und eine erstaunliche Kombinationsgabe.

Unter den Novellisten ragt in dieser Periode hervor, Thomasine Gyllembourg-Ehrensvärd (1773–1856), die Mutter Heibergs, welche in ihrem 53. Lebensjahr in der von ihrem Sohn redigierten „Flyvende Post“ mit der Erzählung „En Hverdagshistorie“ debütierte und sich bald einen geachteten Namen in der Geschichte der dänischen Literatur erwarb. In mehrfacher Beziehung mit ihr verwandt ist Andreas Nikolai de Saint-Aubain (Pseudonym "Carl Bernhard", 1798–1865), der jedoch mit Bezug auf die Tiefe des Gefühls hinter ihr zurücksteht. Volkstümlicher noch als die beiden letztgenannten wurde Christian Winther (1796–1876). Er hat als Sänger des Landlebens die Literatur mit zahlreichen Romanen und lyrischen Gedichten bereichert, in denen sich Wahrheit, Ursprünglichkeit und Tiefe zu einem harmonischen Ganzen vereinigen.

Sein hervorragendstes Werk ist wohl das romantische Epos „Hjortens Flugt“ (1856). Winther ist ohne Zweifel derjenige, welcher, ohne direkt ein Schüler Heibergs zu sein, am meisten dazu beigetragen hat, die ästhetischen Grundsätze des letztern zum schnellen und allgemeinen Durchbruch zu bringen. Ebenfalls ein bedeutender Lyriker ist Henrik Hertz (1798–1870), der eine Wiederbelebung der Baggesenschen Muse anstrebte und zu diesem Zweck im „Gjengangerbreve“ (1830) eine scharfe Polemik gegen Oehlenschläger und Heiberg führte. Außerdem ist er als dramatischer Dichter bekannt geworden, so durch das romantische „Kong René’s Datter“ und verschiedene andere Arbeiten leichtern Kalibers. Auch in Thomas Overskou (1798–1874) gewann die Bühne einen gewandten und oft sinnigen Dramatiker, während die übermütigen Studentenkomödien Jens Christian Hostrups (1818–1892) der Schauspielkunst ein neues und ergiebiges Feld eröffneten. Alle diese Männer werden indessen weit überragt von Hans Christian Andersen (1805 bis 1875), der in seinen weltberühmt gewordenen Märchen selbst den unscheinbarsten Vorgängen und Erscheinungen Poesie einzuhauchen versteht. Ebenso naiv und sinnig wie seine Märchen sind auch seine lyrischen Gedichte, von denen Adelbert von Chamisso einige ins Deutsche übertragen hat („Es geht bei gedämpfter Trommel Klang“ u. a.). Als Romanschriftsteller und als Dramatiker dagegen war Andersen minder erfolgreich; selbst sein Roman „O. T.“ (Odense Tugthus) hat nur vorübergehend das Interesse der dänischen Lesewelt fesseln können.

Dem breiten Publikum weniger zugänglich als Andersen war Frederik Paludan-Müller (1809–1876). Er debütierte 1832 mit dem auch in Deutschland bekannt gewordenen romantischen Schauspiel „Kjærlighed ved Hoffet“ („Liebe am Hof“) und ließ von da ab lyrische und romantische Dramen, gereimte Märchen, poetische Erzählungen, epische, lyrische und didaktische Gedichte in bunter Reihenfolge erscheinen. Weitaus am hervorragendsten unter diesen vielen Zeichen seiner erstaunlichen Produktivität ist indessen das umfangreiche Epos „Adam Homo“, dessen erster Teil 1841 und dessen Schluss erst 1848 erschien. Es ist sehr breit angelegt und darum hier und da etwas ermüdend, aber es steckt voll tiefer Gedanken und ist durch und durch originell.

Eine eigenartige Dichternatur ist auch Erik Bögh (1822–1899), wenn auch freilich in ganz anderm Sinn als Paludan-Müller. Was ihn auszeichnet, ist hauptsächlich seine leichte, angenehme Schreibart und sein nie versiegender Humor. Er ist in erster Linie Feuilletonist, und man darf wohl sagen, dass er während der 1860er Jahre als solcher den Geschmack der literarischen Kreise Kopenhagens beherrschte. In jeder Beziehung streng konservativ, war er ein erbitterter Gegner von Georg Brandes und der von ihm vertretenen Literaturrichtung. Am bekanntesten sind seine „Forelæsninger“ und die unter dem Titel „Dit og Dat“ gesammelten Feuilletons. Außerdem hat er etwa ein Hundert Theaterstücke ins Dänische übersetzt oder bearbeitet sowie einige Originale geschrieben, von denen „Fastelavnsgildet“ und „Huldrebakken“ die erwähnenswertesten sind. Nach dem Durchbruch der neuern Richtung in der dänischen Literatur ist er vom öffentlichen Leben fast ganz zurückgetreten. Ein ebenso unversöhnlicher Feind der neuern Schule wie Bögh ist Parmo Carl Ploug (1813–1894), der Hauptvertreter und Hauptsänger des sogen. Skandinavismus, einer politischen Richtung, welche eine engere Vereinigung der drei skandinavischen Reiche herbeizuführen strebte.

Hervorragender als Bögh und Ploug ist Christian Knud Friedrich Molbech (1821–1888), ebenfalls ein Vertreter der älteren Schule. Seine lyrischen Gedichte sind vielleicht das Vollendetste und jedenfalls das Wohlklingendste, was man nach dieser Richtung hin in der dänischen Literatur besitzt. Auch als Dramatiker ist er hervorragend; so zeugt zum Beispiel sein Trauerspiel „Dante“ von einer dramatischen Kraft und (besonders in der von ihm selbst umgearbeiteten deutschen Übersetzung) von einer Bühnenkenntnis, wie man sie bei dänischen Schriftstellern sehr selten antrifft. Auch sein „Ambrosius“ enthält zahlreiche und hohe Schönheiten, obwohl die Sentimentalität des Helden einigermaßen unangenehm wirkt. Außerdem ist Molbech durch eine vorzügliche Übersetzung von DantesGöttlicher Komödie“ bekannt und berühmt geworden. Minder vielseitig, aber auf dem Gebiet des Romans und der Novelle recht bedeutend ist Vilhelm Bergsøe (1835–1911). Er war zuerst Zoologe, musste aber infolge eines Augenleidens, welches ihn seiner Sehkraft beraubte, diesen Beruf aufgeben und widmete sich fortan der Literatur. Sein erstes größeres Werk war der Novellencyklus „Fra Piazza del Popolo“; doch hat er erst mit dem Roman „Fra den gamle Fabrik“ einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Seine populären naturwissenschaftlichen Abhandlungen hat er unter dem Titel „Fra Mark og Skov“ gesammelt erscheinen lassen.

Eine eigenartige Stellung in der dänischen Literatur nimmt Meir Aron Goldschmidt (1819–1887) ein. Schon im Alter von 21 Jahren gründete er das satirische Wochenblatt „Corsaren“, welches die nicht ausgesprochene Tendenz hatte, für den Sturz des Absolutismus im Volk zu wirken, und bald einen ungeheuern Einfluss errang. Aber das befriedigte den kühnen Redakteur noch nicht; er unternahm eine längere Reise ins Ausland, um die großen sozialen und politischen Bewegungen zu studieren, und gründete nach seiner Rückkehr (1847) die Monatsschrift „Nord og Syd“, welche später als „Ude og Hjemme“ fortgesetzt wurde. Durch diese Zeitschriften übte er auf seine Zeit einen großen Einfluss aus. Später verlegte er sich ausschließlich auf die dichterische Produktion und schrieb eine große Reihe von Novellen und Romanen sowie ein zweibändiges Werk unter dem Titel: „Livs-Erindringer og Resultater“. In dem letztern neigt er einem Mystizismus zu, der sich am ehesten mit der "Lehre vom Unbewußten" des Philosophen Eduard von Hartmann vergleichen lässt.

Wenig gelesen wurde Hans Peter Holst (*1811), der als Lyriker und Epiker aber bemerkenswerte Arbeiten hervorgebracht hat. Ferner sind zu erwähnen: der Lyriker Emil Aarestrup (1800–1856), der Romanschriftsteller Hermann Frederik Ewald (1821–1908) und der verdienstvolle Übersetzer William Shakespeares, Edvard Lembcke (1815–1897).

Der Hauptzug in der Dichtung der 1850er und 1860er Jahre blieb jene eigentümliche gefühlsbetonte Romantik, welche sich als Skandinavismus bezeichnete. Diese war in erster Linie zurückzuführen auf die Schwärmerei für die altnordische Vorzeit, welche in Dänemark durch die Dichtungen Oehlenschlägers und in Schweden durch Per Henrik Ling (1776–1839), Esaias Tegnér (1782–1846), Erik Gustaf Geijer (1783–1847) u. a. wachgerufen worden war.

Dazu kam der Krieg von 1848, der in den skandinavischen Ländern einen derartigen Deutschenhass hervorrief, dass man den geistigen Verkehr mit Deutschland so gut wie ganz aufgab. Dadurch aber verstopfte man zugleich den Kanal, durch den man bisher so ziemlich mit allen Kulturvölkern in Verbindung gestanden hatte. Dieses Resultat der skandinavischen Bewegung hatten ihre Führer nicht vorausgesehen. Kompensiert wurde dieses dadurch, dass man alles, was nicht skandinavisch war, als faul und verrottet hinstellte, dass man alles Nordische als etwas halb Übernatürliches und die „nordische Kraft, welche die Welt hätte beherrschen können“ besang, als das einzige Mittel pries, um der „Sache der Menschheit den Sieg zu erringen“ (Ploug). Die phantastische Idee von der hohen weltgeschichtlichen Mission der skandinavischen Völker hatte sich damals in den Köpfen fast aller „Gebildeten“ eingenistet. Es konnte nicht ausbleiben, dass sie auch in der Literatur und speziell in der Lyrik zur Geltung kam. Aber ebenso notwendig war es, dass gegen eine so einseitige Bewegung über kurz oder lang eine kräftige Reaktion eintreten musste, und dass der beschränkte Nationalismus umschlagen musste in einen wenngleich vagen Kosmopolitismus.

Naturalismus, Impressionismus und Symbolismus: 1871 – 1920[Bearbeiten]

Diese Umwandlung vollzog sich zu Anfang der 1870er Jahre vornehmlich unter dem Einfluss von Georg Brandes. Dieser erkannte, dass Dänemark spätestens nach dem Debakel des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 den Anschluss an die europäischen Geistersströmungen verloren hatte. Beeinflusst vom Darwinismus und französischen Positivismus wurde er zum „richtungsweisenden Literaturästhetiker der jungen Generation ... und verschaffte damit der skandinavischen Dichtung (H. Ibsen) zum erstenmal eine führende Rolle in der Weltliteratur“.[4]

Brandes bewirkte dies hauptsächlich durch eine Reihe von Vorträgen, welche er im Winter 1871/72 über die „Hauptströmungen in der Literatur des 19. Jahrhunderts“ hielt und die später im Druck erschienen sind. Er wies darin nach, dass man in anderen Ländern, namentlich in Frankreich, Deutschland und England, schon längst die politisch-kulturelle Reaktion überwunden habe, welche zu Anfang dieses Jahrhunderts gegen die Literatur der Aufklärungszeit angekämpft habe, dass aber im halbfeudalen Dänemark wie in den anderen skandinavischen Ländern diese Reaktion noch in voller Blüte stehe. Diese Vorträge riefen eine derartige Aufregung hervor, dass Brandes es vorzog, sein Vaterland zu verlassen. in der Folge kämpfte Brandes von Berlin aus in der von ihm und seinem Bruder Edvard Brandes herausgegebenen Zeitschrift „Det nittende Aarhundrede“ weiter. So gelang es ihm, in wenigen Jahren eine ästhetische Schule zu bilden, die nicht allein in Dänemark, sondern auch in Norwegen und Schweden längere Zeit fast allein herrschte.

Einer der ersten Schüler des schnell zur Berühmtheit gelangten Brandes war der Botaniker Jens Peter Jacobsen (1847–1885), der bis dahin nur als Vertreter der Darwinschen Evolutionstheorie und als Übersetzer von dessen Werken hervorgetreten war. Seine erste Novelle: „Mogens“ (1872) bildet, gewissermaßen den Grenzstein zwischen der älteren und der neuern Literaturrichtung im Norden. Später schrieb er noch einige Novellen geschrieben sowie zwei Romane: „Fru Marie Grubbe“ und „Niels Lyhne“. Dauernde Krankheit und finanzielle Sorgen drückten ihn indessen so nieder, dass er in den letzten Jahren seines Lebens nichts Weiteres produzierte. Dennoch wird er als der Hauptvertreter der naturalistischen Schule in Dänemark betrachtet, denn das Wenige, was er hervorgebracht, steht alles in seiner Art einzig da. Neben Jacobsen kann der Marinemaler Holger Drachmann (1846–1908) als Vertreter des Naturalismus genannt zu werden, wenngleich einige seiner Werke unfertig wirken. Später sagte er sich von den „Brandesianern“ los („Skyggebilleder fra Rejser i Ind- og Udlandet“, 1883), ohne jedoch wieder ins Lager der Romantiker überzugehen. Eine interessante Dichterpersönlichkeit war der Pädagoge Sophus Schandorph (1836–1901) mit seinen Schilderungen des seeländischen Bauernlebens wie des Kopenhagener Kleinbürgertums in Werken wie „Smaafolk“, „Thomas Fris's Historie“, „Stine bliver Gaardmandskone“, „Kjærlighed paa Trommesalen“ (in „Novelletter“) und „Et Levnetsløb fortalt paa Kirkegaarden“ (in „Fem Fortællinger“).

Der exzentrische Herman Bang (1857–1912) war Romanschriftsteller, Dramatiker, Schauspieler, Rezitator, Wanderredner und Feuilletonist. Auf dem Gebiet des Dramas ist Edvard Brandes (1847–1931), der Bruder Georg Brandes', ein von Ibsen beeinflusster Vertreter. Sein wichtigstes Werk dürfte „Et Besøg“ sein; ferner hat er geschrieben: „Lægemidler“, „Gyngende Grund“ und „Et Brud“. Auch Peter Nansen (1861–1918) war ein vielversprechender junger Dramatiker.

Um die Zeitschrift Taarnet (1893–1894) versammelte sich eine Gruppe von Lyrikern, die vom französischen Symbolismus beeinflusst waren.

Expressionismus, Psychologismus, Neorealismus: 1920-1945[Bearbeiten]

In der kulturellen und materiellen Krise nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einer weiteren Aufspaltung der Strömungen der dänischen Literatur, die sich in einem losen Nebeneinander von weltanschaulichen Tendenzen und Meinungen führte. Expressionismus, Surrealismus, christliche, sexualpsychologisch fundierte und neorealistische Strömungen bestanden gleichzeitig. Am klassischen Erzählstil orientieren sich die psychologisch raffinierten Arbeiten der zunächst in englischer Sprache schreibenden Tanja Blixen. Den Typ der Arbeiterliteratur verkörperte Martin Andersen Nexø.[5] Hans Christian Branner (1903-1966), beeinflusst von Ibsen und Virginia Woolf schrieb psychologische Romane und Novellen im Stil der Stream of Consciousness-Methode. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er sich mit der Zeit der deutschen Okkupation auseinander und schrieb das international bekannt gewordene Hörspiel „Illusion“.

Die Moderne nach 1945[Bearbeiten]

Die Entwicklung der deänischen Literatur der Nachkriegszeit spiegelt im Wesentlichen gesamteuropäische Tendenzen wider. Jørgen Gustav Brandt (1929-2006) war als symbolistischer Lyriker, Novellist, Essayist und Romanautor ein bedeutender Autor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er gehörte zum Kreis um die avantgardistische Zeitschrift Heretica (1948-1953), die - gegründet von Thorkild Bjørnvig - die Nachkriegsphase der dänischen Moderne prägte und ihr ihren Namen gab. In den 1960er Jahren kam es zu einer Spaltung in eine relativ traditionelle erzählende Prosa und collageartige Formexperimente. Villy Sørensen (1929-2001), der vom Existenzialismus, von Marx und Freud geprägte bedeutende dänische Philosoph des 20. Jahrhunderts, wurde durch kafkaeske phantastische Erzählungen bekannt. Der Romanautor und Filmregisseur Henrik Stangerup (1937-1998) orientierte sich an internationalen Vorbildern. Ib Michael (*1945) findet seine Themen vor allem in Übersee; er versucht seinen Lesern die ostasiatischen Kulturen näher zu bringen.

Neorealismus und Dokumentarismus spielten in den 1970er bis 1990er Jahren eine bedeutende Rolle. Thorkild Hansen (1927-1989) machte sich einen Namen durch eine Romantrilogie über den dänischen Sklavenhandel (1967-1970) und durch eine dreibändige Biographie (1978) von Knut Hamsun, die sich insbesondere mit dem Prozess gegen Hamsun wegen Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht befasste. Sein Buch über den Seefahrer Jens Munk wurde 1974 ins Deutsche übersetzt. Auch die Frauenbewegung gewann immer stärkeren literarischen Einfluss, vor allem in Form der autobiographisch gefärbten Bekenntnisliteratur.

Die Zeit nach 2000[Bearbeiten]

Internationale Beachtung in neuerer Zeit fanden in jüngerer Zeit der vielfach ausgezeichnete Bjarne Reuter (*1950) (zunächst als Kinderbuchautor,[6] dann mit „Das Zimthaus“, dt. 1999 und „Die Himmelsstürmer“, dt. 2000 auch bei Erwachsenen), Peter Høeg (*1957, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, dt. 2004) und Janne Teller (*1964), die heute in Berlin und Ney York lebt („Nichts - Was im Leben wichtig ist“, dt. 2010; „Krieg - Stell dir vor, er wäre hier“, dt. 2011).

Wissenschaftliche Literatur[Bearbeiten]

Wie in der Dichtkunst, so war auch in der wissenschaftlichen Literatur mit Ludvig Holberg eine neue Epoche angebrochen; namentlich begann man, der Geschichte eine gründliche wissenschaftliche Behandlung zuteilwerden zu lassen. Auszeichnung verdienen in dieser Beziehung außer Holberg selbst, der eine vortreffliche „Danmarks Historie“ in 3 Bänden (das erste populäre Werk dieser Art) und eine „Almindelig Kirkehistorie“ schrieb, der Historiker Hans Gram (1685–1748) und sein Schüler Jakob Langebek (1710–1775), der Herausgeber der „Scriptores rerum danicarum“, sowie Frederik Suhm (1728–1798), der Verfasser einer 14-bändigen, dennoch unvollendeten „Historie af Danmark“.

Ein universeller Gelehrter der Holbergschen Zeit war Erik Pontoppidan (1698–1764), der außer geschichtlichen und statistischen auch naturwissenschaftliche und theologische Werke in dänischer, deutscher und lateinischer Sprache verfasste, während Frederik Christian Eilschow (gest. 1750) für Popularisierung der Philosophie tätig war und Jens Höjsgaard (gest. 1773) als Forscher auf dem Gebiet der dänischen Sprache Bedeutendes leistete.

Auf dem Felde der Theologie ist in erster Reihe der schon oben als Dichter erwähnte Pastor Grundtvig zu nennen, der den Kampf gegen den Rationalismus der Zeit mit Erfolg aufnahm, zugleich für den nordischen Einheitsgedanken und die Entwickelung eines freien Volkslebens wirkte und auf das geistige Leben in Dänemark von tiefgreifendem Einfluss war. Neben Grundtvig sind als die bedeutendsten Theologen anzuführen: Jakob Peter Mynster (1775–1850), Bischof von Seeland, und Henrik Nikolai Clausen (1793–1877), der namhafteste Vertreter einer kritischen Richtung innerhalb der Theologie. Auch Hans Larsen Martensen (1808–1884), der Verfasser von „Den christelige Ethik“, gelangte zu einer über Dänemark hinausreichenden Berühmtheit. Als Übergangsglied zwischen Theologie und Philosophie kann Søren Kierkegaard (1813–1855) gelten, der „größte Denker Dänemarks“, der das Grundprinzip des Christentums in einer höchst individuellen Weise auffasste und in gewisser Hinsicht eine Parallele zu Ludwig Andreas Feuerbach bildet.

Die eigentliche Philosophie fand Vertretung durch Frederik Christian Sibbern (1785–1772), der, von Schelling wesentlich beeinflusst, als Professor an der Kopenhagener Universität großen Einfluss ausübte, nicht nur als philosophischer Schriftsteller, sondern auch als Dichter („Udaf Gabrielis' Breve til og fra Hjemmet“) mit Erfolg tätig war; ferner durch den Philosophen Rasmus Nielsen (1809–1884), der in Kierkegaards Fußstapfen den Kampf gegen die Theologie als Wissenschaft fortführte und in seinen Vorträgen wie in seinen Schriften („Grundideernes Logik“, „Natur og Aand“ etc.) eine hinreißende Beredsamkeit entwickelte.

Den entschiedenen Gegensatz zun Nielsens Auffassung des religiösen Prinzips bildet Hans Bröchner (1820–1876), der auch Beiträge zur Geschichte der Philosophie lieferte. Auf dem Gebiet der Naturwissenschaften ist vor anderen Hans Christian Oersted (1777–1851), der Entdecker des Elektromagnetismus und Verfasser zahlreicher gediegener Schriften über Gegenstände der Physik, hervorzuheben. Erwähnung verdient sein weitverbreitetes Buch „Aanden i Naturen“, worin er seine naturphilosophischen Ideen geistvoll entwickelt.

Außer ihm sind als Naturforscher ersten Ranges zu nennen: der Botaniker und Pflanzengeograph Joakim Frederik Schouw (1789–1852), der Geologe und Chemiker Johann Georg Forchhammer (1794–1864) und der Zoologe Japetus Steenstrup (geb. 1813), wobei letzterer sich auch um die Archäologie verdient gemacht hat.

Die Altertumsforschung ward infolge der erwachenden Begeisterung für die Vorzeit des Nordens mit besonderem Eifer betrieben. Am erfolgreichsten geschah dies durch Peter Erasmus Müller (1776–1834), den Bearbeiter der Altertumsschriften („Sagabibliothek“), und den Isländer Finn Magnusson (1791–1846), der die Mythologie und ältere Kulturgeschichte des Nordens behandelte. Auf dem sprach- und literaturgeschichtlichen Gebiet leistete Niels Matthias Petersen (1781–1862) Vorzügliches, während die eigentliche vorgeschichtliche Archäologie von Christian Jürgensen Thomsen (1785–1865) behandelt wurde und Jens Worsaae (*1821) durch seine zahlreichen Schriften archäologischen und historischen Inhalts die Altertumswissenschaft auf den hohen Standpunkt erhob, den sie jetzt in Dänemark einnimmt. Als Historiker sind hervorzuheben: Erik Christian Werlauff (1781–1871), besonders als Kulturhistoriker ausgezeichnet; Christian Molbech (1783–1857); namentlich aber Karl Ferdinand Allen (1811-77), der Verfasser des unvollendet gebliebenen Werkes „De tre nordiske Rigers Historie 1497–1537“.

Ausgezeichnet sind auch die Arbeiten von Frederik Schjern (geb. 1816), Caspar Peter Paludan („Grevens Felde“. „De første Konger af den oldenborgske Slægt“) u. a. Mit den geschichtlichen und archäologischen Forschungen gingen die Sprachstudien Hand in Hand. Große Verdienste hat sich auf diesem Gebiet (neben dem schon genannten Petersen) Christian Molbech durch seine lexikalischen Arbeiten erworben; ferner Rasmus Christian Rask (1787–1831), der durch seine Schriften den Grund für eine umfassende und systematische Behandlung der altnordischen Sprache legte und einer der Begründer der vergleichenden Sprachforschung war. In der klassischen Philologie hat sich Johan Nikolai Madvig (1804–1886) europäischen Ruf erworben.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ewald, Johannes. In: Der Literatur-Brockhaus. Mannheim 1988, Bd. 1, S. 630.
  2. Dänische Literatur, 1988, S. 457.
  3. Dänische Literatur, 1988, S. 457.
  4. Dänische Literatur, 1988, S. 457
  5. Dänische Literatur, 1988, S. 456.
  6. 1988: Deutscher Kinderhörspielpreis - Lobende Erwähnung für: "So einen wie mich kann man nicht von den Bäumen pflücken, sagt Buster"

Literatur zur dänischen Literatur[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • Rasmus Nyerup: Den danske Digtekonsts Middelalder. zusammen mit Rahbek, 1805-1808.
  • Knud Lyne Rahbek: Udsigt over den danske Digtekonst under Frederik V. og Christian VII.. 1819-28.
  • Christian Molbech: Forelæsninger over den danske Literatur. 1839.
  • Carl Adolph Thortsen: Historisk Udsigt over den danske Litteratur indtil Aar 1814. 6. Aufl., Kopenhagen 1866.
  • Niels Matthias Petersen: Bidrag til den danske Litteraturs Historie. 2. Aufl. 1871.
  • Johann Ludwig Heiberg: Udsigt over den danske skjönne Litteratur. 1831.
  • Torvald Ström: Dansk Litteraturhistorie. 1871.
  • Frederik Winkel-Horn: Den danske Literaturs Historie. 1880.
  • Sigurd Müller: Haandbog i den danske Literatur. 1880.
  • Sigurd Müller: G. Brandes, Ludvig Holberg og hans Tid. 1884; deutsch, Berlin 1885.
  • Thomas Overskou: Den danske Skueplads i dens Historie. 1859-74.
  • Adolf Strodtmann: Das geistige Leben in Dänemark. Berlin 1873.
  • Anton E. Wollheim da Fonseca: Nationallitteratur der Skandinavier. 1874-1877.
  • Frederik Winkel-Horn: Geschichte der Litteratur des skandinavischen Nordens. Leipzig 1880.

Ab 2000[Bearbeiten]

  • Dänische Literatur. In: Der Literatur-Brockhaus, Mannheim 1988, Bd. 1, S. 457f.
  • Moritz Schramm: Junge dänische Literatur. In: Muschelhaufen. Jahresschrift für Literatur. Nr. 39/40. Viersen 2000, ISSN 0085-3593.
  • Nina von Zimmermann: Geschichten aus der Jazz-Zeit. Die ,verlorene Generation' in der dänischen Literatur. Wiener Studien zur Skandinavistik, Band 18. Praesens. Wien 2006, ISBN 3-7069-0407-1.

Autoren[Bearbeiten]

siehe Liste dänischsprachiger Schriftsteller

Weblinks[Bearbeiten]

Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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