Dänische Literatur

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Unter dänischer Literatur versteht man die in dänischer Sprache geschriebene Literatur. Dazu gehört auch die dänischsprachige Literatur der dänischen Südschleswiger. Die dänische Literatur ist ein Teil der skandinavischen Literatur.

Wikingerzeit[Bearbeiten]

Als die ältesten Werke der dänischen Nationalliteratur gelten die Volks- und Heldenlieder (Kæmpeviser) der Wikingerzeit. Diese lassen sich bis Ende des 11. Jahrhunderts zurückverfolgen. Da sie indes erst ein halbes Jahrtausend später aufgezeichnet wurden und infolge der langen mündlichen Überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht erheblich umgestaltet sein dürften, wird sich die Frage, ob sie ursprünglich dänisch oder altnordisch gewesen sind, niemals mit Sicherheit entscheiden lassen. Thematisch behandeln sie in der Regel die alten skandinavischen Helden- und Natursagen, berichten vom Leben und den Taten der Ritter, von Nixen, Kobolden und sonstigen Zauberwesen, aber auch von historischen Persönlichkeiten und Ereignissen der damaligen Zeit.

Mündlich tradiert wurden diese Werke nicht im Volk, sondern in der Ritterschaft. Doch lässt sich nachweisen, dass sie sehr bald Allgemeingut geworden und zum Beispiel bei Tanzfestlichkeiten im Volk zur Verwendung gekommen sind. Gesammelt wurden sie erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts von Anders Sørensen Vedel („Hundrede Viser med oplysende Anmærkninger“, 1591). Später ist dieses Werk von Peter Syv, Werner Hans Abrahamson, Knud Lyne Rahbek, Rasmus Nyerup und Jens Rasmussen bearbeitet worden, so dass es jetzt etwa 450 Lieder umfasst.

Mittelalter[Bearbeiten]

Ungleich wichtiger als Sprach- wie als Kulturdenkmäler sind die mittelalterlichen Gesetzessammlungen. Besonders die wachsende Macht der Kirche und die dadurch bedingten erhöhten Ansprüche der Geistlichkeit machten schon früh eine Fixierung des kanonischen Rechts notwendig, wie die fortwährenden Streitigkeiten zwischen den staatlichen Behörden einerseits und Adel und Klerus anderseits die Feststellung der weltlichen Gesetzesnormen bedingten. Dazu kam, dass seit Anfang des 12. Jahrhunderts viele junge Adlige sich an den Universitäten von Paris und Bologna mit dem eben wieder erwachten Studium des kanonischen und altrömischen Rechts beschäftigten und nach ihrer Rückkehr für die Reorganisation der dänischen Gesetzgebung thätig waren. So entstanden 1162 das schonensche und 1170 das seeländische Kirchenrecht, beide in dänischer Sprache. Dieselben ruhen im Wesentlichen auf denselben Grundlagen wie die gleichzeitige kanonische Gesetzgebung anderer Länder, streben aber ersichtlich danach, den besonderen Verhältnissen ihres Landes möglichst Rechnung zu tragen. Noch mehr gilt dies von den gleichzeitig erlassenen weltlichen Gesetzen, so von dem schonenschen (Skaanske Lov) 1160, dem seeländischen (Sjællandske Lov) von König Waldemar I. 1170 und vor allen Dingen von dem jütländischen (Jyske Lov), welches 1241 auf dem Reichstag zu Vordingborg erlassen wurde und noch heute die Grundlage der dänischen Gesetzgebung bildet.

15. Jahrhundert[Bearbeiten]

Außer diesen beiden Gruppen von Literaturdenkmälern und einer „Dänischen Reimchronik“ aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind fast alle Schriften der vorreformatorischen Zeit in lateinischer Sprache abgefasst. Sie gingen in der Regel aus den Klöstern hervor und behandelten historische und religiöse Stoffe. Auf die Weiterentwicklung der Literatur oder auf das geistige Leben der Nation haben diese Schriften keinen Einfluss ausgeübt.

Selbst die Reformation führte keinen wesentlichen Aufschwung der dänischen Nationalliteratur herbei. Freilich wurde durch sie die Macht der Geistlichkeit und damit die Herrschaft des Lateinischen als Schriftsprache gebrochen, dafür aber gewann nunmehr das Deutsche als Sprache der Gebildeten die Oberhand. Nicht wenig trug dazu der gelehrte dänische König Friedrich I. (1523-33) bei. An dessen Hof war Deutsch Amtssprache und er lud deutsche Gelehrte nach Dänemark ein und so verlor die dänische Sprache gerade in den höheren Ständen fast ganz.

Wahrscheinlich gerade deswegen ließ sich die einmal erwachte nationale Begeisterung nicht ganz zurückdämmen und der nach dem Tod König Friedrichs I. entbrannte Bürgerkrieg verschaffte auch hier dem Nationalbewusstsein eine Basis. Besonderes Verdienst um diese volkstümliche Richtung erwarb sich Christiern Pedersen (1480-1554), der mit Recht als Vater der dänischen Schriftsprache bezeichnet wird. Pedersen hatte in Paris studiert und konnte sich als Kanzler des Erzbischofs Johan Vese für die dänische Muttersprache einsetzen. Auf Grund seiner Sympathien für den gefangenen König Christian II. floh Pedersen 1528 nach Deutschland. Er besuchte in Wittenberg Martin Luther, der ihn für die Reformation gewinnen konnte. Noch in Wittenberg begann Pedersen mit seiner Übersetzung der Bibel ins Dänische und konnte im darauffolgenden Jahr in Antwerpen sein dänisches Neue Testament erscheinen lassen. 1531 veröffentlichte Pedersen eine Psalmensammlung und mehrere Pamphlete, welche ganz im Stil Martin Luthers gehalten waren.

16. Jahrhundert[Bearbeiten]

Vergleicht man diese Schriften Pedersens mit anderen gleichzeitig erschienenen, zum Beispiel mit der 1524 von Hans Mikkelsen veranstalteten Übersetzung des Neuen Testaments, so ersieht man sofort, mit welch unglaublicher Meisterschaft er die dänische Sprache handhabte. Pedersens Schriften erregten daher auch ein solches Aufsehen, dass es ihm schon 1532 gestattet wurde, in sein Vaterland zurückzukehren.

Pedersen ließ sich in Malmø nieder und gründete eine Buchdruckerei. Derart ausgerüstet konnte Pedersen in den nächsten Jahren viele volkstümliche Schriften publizieren: zum Beispiel mehrere historische Volksbücher, eine Menge kleinerer religiöser Schriften, ein Arzneibuch fürs Volk und 1550 endlich die erste vollständige dänische Bibelübersetzung, welche – allein der Sprache wegen – sehr lange Zeit als unübertroffenes Meisterwerk galt.

Unter den Zeitgenossen Pedersens ragt vor allen der Ripener Bischof Hans Tausen (1494-1561) hervor. Auch Tausen veröffentlichte meistenteils religiöse Werke; als sein wichtigstes Werk ist - neben einer Passionsgeschichte - die verbesserte Ausgabe des 1528 in Malmö erschienenen dänischen Gesangbuches (1544) zu erwähnen. Dies war zwar kaum 25 Jahre in Gebrauch, galt aber vielen für lange Zeit als Grundlage ihres eigenen Schaffens.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Darunter zählte Thomas Kingo (1634-1703), der 1689 „für Dänemark und Norwegen verordnetes Gesangbuch“, publizieren konnte. Es ist eines der schönsten geistlichen Liederbücher, welche die dänische evangelische Kirche besitzt. Auch der Reformator Frans Vormordsen (1491-1551), der Davids Psalmen und Luthers kleinen Katechismus übersetzte, muss hier genannt werden. Auch Anders Arrebo (1587-1637), der in der dänischen Literatur eine ähnliche Rolle spielte wie der Schriftsteller Martin Opitz in der deutschen Literatur. Nicht zu vergessen Arild Hvitfeld (1549-1609), der „Danmarks Riges Krönike“ in 10 Bänden (Kopenhagen 1595-1604) veröffentlichte. Aber trotz des eifrigen Bemühens aller dieser Männer und noch vieler anderer blieb die dänische Sprache in den höheren Gesellschaftskreisen verpönt.

Da erschien der Schriftsteller Ludvig Holberg (1684-1754) und mit ihm eine neue Epoche der dänischen Nationalliteratur. Er ist nicht allein der Begründer der modernen dänischen Bühne, sondern der skandinavischen dramatischen Literatur überhaupt. Ohne irgend welche Vorbilder und verfolgt von dem Hohn des „gebildeten Publikums“, schuf er in wenigen Jahren eine durchaus selbständige dänische „Schaubühne“, die, verglichen mit der gleichzeitigen Gottschedschen, die höchste Bewunderung einflößen muss. Einzelne von seinen Stücken, besonders „Der politische Kannengießer“ und „Jeppe auf dem Berge“, sind auch in Deutschland viel gegeben worden, und auf der dänischen Bühne werden sie noch heutigestags gespielt. Seine Stoffe entnimmt Holberg immer der Gegenwart, deren Thorheiten er mit köstlichem Humor zu geißeln versteht. Besonders persifliert er die Sucht, ausländische Sprache und Sitte nachzuäffen, in geradezu genialer Weise. Auf diese Weise erreichte er durch Spott, was seine Vorgänger vergebens durch Belehrung zu erreichen versucht hatten: Dänische Sprache und Denkweise kam wieder zu Ehren und bildete den Boden, auf welchem die neue volkstümliche Literatur emporblühen konnte.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Glücklicherweise fand sich bald nach Holbergs Tod eine neue Kraft, welche das Begonnene weiterzuführen im Stande war. Es war dies der Dramatiker Johannes Ewald (1743-1781), der, obwohl er schon im frühen Mannesalter starb, für die Entwicklung der dänischen Literatur von hervorragender Bedeutung gewesen ist. Die größte Bedeutung hat er als Lyriker, doch steht er auch als Tragödiendichter dem nur wenig nach. Wie Holberg der Vater des Lustspiels war, so ist er der Begründer des dänischen Trauerspiels. Um diese beiden Männer herum und meistens durch sie angeregt, gruppiert sich eine ganze Anzahl kleinerer Geister, wie: Christian Falster (1690-1765), der beißende und sprachgewandte Satiren schrieb; Christian Brauman Tullin (1728-1765), der besonders das Lehrgedicht, daneben aber auch die Satire pflegte; Hans Adolf Brorson (1694-1764), dessen „Troens rare Klenodie“ zum Schönsten gehört, was die geistliche Dichtung in Dänemark hervorgebracht hat.

Weitaus der hervorragendste Nachfolger Holbergs und Ewalds ist indessen der Norweger Johan Herman Wessel (1742-1785), der allerdings in seinen Schriften vielfach norwegische Ausdrücke und Redewendungen gebraucht, seiner ganzen Individualität nach aber mehr Däne als Norweger ist. Er war sehr jung nach Dänemark gekommen und hatte dort eine Literatur vorgefunden, welche schon auf dem besten Weg war, die von Holberg und Ewald vorgezeichneten nationalen Bahnen zu verlassen. Wie in Deutschland, hatte nämlich auch in Dänemark das sogenannte klassische französische Drama seinen Eingang gefunden, und wie dort Gotthold Ephraim Lessing, so trat hier Wessel gegen dasselbe auf, aber nicht wie der deutsche Gelehrte in der schweren Rüstung der Wissenschaft, sondern wie einst Holberg in dem leichten Gewand der Satire. So entstand sein „Trauerspiel“: „Kjærlighed uden Strømper“ („Liebe ohne Strümpfe“, 1772), eine in ihrer Art einzig dastehende Parodie. Durch dieselbe machte er mit einem Schlag das französische Drama in Dänemark unmöglich; er besaß jedoch nicht den nötigen sittlichen Halt, um selbst die Erbschaft Holbergs und Ewalds anzutreten. Zerrüttete finanzielle Verhältnisse führten ihn dem Trunk in die Arme, und als er im Alter von 43 Jahren starb, war „Kjærlighed uden Strømper“ sein einziges größeres Werk. Mit seinem Tod schließt die Glanzperiode der dänischen Literatur.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die folgende Epoche, von Wessels Tod bis zum Anfang dieses Jahrhunderts, brachte kaum etwas Nennenswertes hervor. Ihr Hauptmerkmal ist überspannter Rationalismus, ebenso überspannter Patriotismus, widerliches Strebertum und eine daraus entspringende wüste Polemik aller gegen alle. Dass dabei die Politik mit der Dichtkunst verquickt wurde, ja in ihren Erzeugnissen oft genug die Hauptrolle spielte, kann in einem Zeitalter, welches sich unmittelbar an die glänzende Karriere Brandts und des Arztes Johann Friedrich Struensees (1737–1772) anschließt, nicht wundernehmen; träumte doch damals jeder Dutzendmensch, sein Leben möglicherweise noch in einem Ministerfauteuil beschließen zu können. Eine rühmliche Ausnahme von diesen Leuten bildet Peter Andreas Heiberg (1758–1841). Allerdings ist auch seine Hauptstärke in der Polemik zu suchen, aber man muss wenigstens zugeben, dass er sich derselben nicht um äußerer Vorteile willen bediente.

Im Gegenteil, sein Auftreten gegen die Reaktion, welche in der Abschaffung der Pressefreiheit gipfelte, war ein so energisches, dass er nach Beendigung mehrerer politischer Prozesse 1799 des Landes verwiesen wurde. Ein Geistesverwandter von Heiberg war der Geograph Conrad Malte-Brun (1775–1826). Schon im Alter von 19 Jahren gab er eine Zeitung: „Vækkeren“, heraus, in welcher er für die Prinzipien der französischen Revolution eintrat. Als sie unterdrückt wurde, schrieb er „Jerusalem Skomagers Reise til Maanen“ und „Aristokraternes Katekismus“ (1796), gründete dann wieder eine Zeitschrift: „Fluesmækkeren“, und wurde endlich in einen Prozess verwickelt, dem er sich durch die Flucht nach Paris entzog. Hier ist er später als Geograph unter dem Namen Malte-Brun berühmt geworden.

Ein anderer, nicht minder bekannter Schriftsteller dieser Periode war Knud Lyne Rahbek (1760–1830), der sich besonders als Ästhetiker einen Namen erworben hat, in den letzten 30 Jahren seines Lebens aber vollständig vom öffentlichen Leben zurücktrat. Er gab mit dem Norweger Kristen Pram (1756–1821) die ästhetische Zeitschrift „Minerva“ (1785-89 und 1791–1806) heraus, durch welche er energisch in die literarischen Streitigkeiten der damaligen Zeit eingriff und einen nicht unbedeutenden Einfluss ausübte. Zu erwähnen sind noch: Ole Johan Samsö, der Verfasser des Dramas „Dyveke“; Christian Levin Sander, dessen nationales Trauerspiel „Niels Ebbesen“ mit großer Begeisterung aufgenommen wurde und lange Zeit hindurch als Vorbild galt; ferner der gefühlswarme Lyriker Thomas Thaarup (1749–1829) und, als Bindeglied zwischen dieser Periode und der folgenden, der wegen seines lyrischen und komischen Talents auch in Deutschland bekannte Jens Baggesen (1764–1826).

Teils durch das Studium der deutschen Philosophen Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte, für welches Baggesen das Interesse rege gemacht hatte, teils durch die Anregung Friedrich Wilhelm Joseph Schellings, dessen Ideen im norwegischen Philosophen Heinrich Steffens (1773–1845) einen ebenso beredten wie begeisterten Anwalt fanden, teils auch infolge der strengen Zensurverordnung vom Jahr 1799 wurde zu Anfang dieses Jahrhunderts in Dänemark eine durchaus neue Richtung in der Literatur angebahnt. Hatte man sich gegen Ende des vorigen mit einem geradezu naiven Eifer um unbedeutende ästhetische Fragen oder gleichgültige rationalistische Theorien herumgestritten, so begann jetzt die Periode einer ernsten und ersprießlichen wissenschaftlichen Forschung. Aber neben diesem höhern Streben, welches naturgemäß nur die obern Schichten des Volkes erfassen konnte, machte sich auch ein volkstümliches breit, welches sehr günstig gegen die Verschwommenheit und Charakterlosigkeit der voraufgegangenen Zeit abstach. Die Ereignisse, welche gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ganz Europa in Aufruhr versetzt hatten, dann die Beteiligung Dänemarks an den Napoleonischen Kriegen, die Wegnahme der dänischen Flotte durch die Engländer, der Krieg mit den Schweden (1808) und der Verlust Norwegens (1814): Alles dies trug dazu bei, freiheitliche Ideen und ein erhöhtes Nationalbewusstsein im Volk zu entflammen.

Der Mann, welcher dieser Stimmung am besten Ausdruck zu geben verstand und dadurch das Haupt der neuen Schule wurde, war Adam Oehlenschläger (1779–1850). Durch Steffens für die Ideen der deutschen Romantiker gewonnen, begann er 1802 seine dichterische Laufbahn als Lyriker („Digte“, „Freias Alter“, „Langelandsreisen“ und „Jesu Liv i den tilbagevendende Natur“) und als Epiker („Thors Reise til Jotunheim“ und „Vaulundurs Saga“), worauf er durch seinen abenteuerlich-romantischen „Aladdin eller den vidunderlige Lampe“ zum tragischen Drama überging. Auf diesem Gebiet hat er seine schönsten Erfolge errungen, so durch „Hakon Jarl“ (1807), „Baldur hin Gode“ (1807), „Palnatoke“ (1807) und „Axel og Valborg“ (1808). Er besaß den Ehrgeiz, auch deutscher Dichter sein zu wollen, und übersetzte zu diesem Zweck seine Werke ins Deutsche. Das Drama „Correggio“ (1809) gab er sogar ursprünglich nur in der fremden Sprache heraus. Sein deutscher Stil war aber viel zu schwerfällig und seine ganze Weltanschauung viel zu spezifisch dänisch, als dass dieses Streben von Erfolg hätte gekrönt sein können. In Dänemark galt er indessen noch bis in die 1970er Jahre hinein, ja gilt in gewissen Kreisen heute noch als der hervorragendste Dichter, den die skandinavischen Völker jemals hervorgebracht haben.

Sein Hauptnebenbuhler war Nikolai Frederik Severin Grundtvig (1783–1872), welcher ein größeres episches Werk, ebenfalls in altnordischem Geist, schrieb („Optrin af Kæmpelivets Undergang i Norden“, 1808), aber trotz dieser und ähnlicher Schriften als Dichter keinen nennenswerten Erfolg errang. Glücklicher war er als Theologe und später als Freiheitskämpfer. Ein begabterer Dichter war der gleichgesinnte Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt (1769–1826), der indessen trotz seiner Gedankentiefe und seines Phantasiereichtums wenig beachtet wurde und erst in neuerer Zeit durch den Literaturkritiker Georg Brandes (1842–1927) richtig gewürdigt worden ist. Damals leuchtete eben Oehlenschlägers Licht noch so hell, dass ein anderes daneben nicht oder kaum bemerkt wurde.

Eine Ausnahme von dieser Regel bildete jedoch Bernhard Ingemann (1789–1862), welcher jahrzehntelang der beliebteste Romanschriftsteller Dänemarks war und noch heute der Liebling der heranwachsenden Jugend ist. Seine Romane beruhen sämtlich auf historischen Ereignissen, die er indessen mit großer Freiheit für seine Zwecke umgemodelt hat; außerdem schrieb er Novellen und Gedichte, von welch letztern besonders die geistlichen berühmt geworden sind. Als Gegner Ingemanns und Grundtvigs trat Johan Ludvig Heiberg (1791–1860) auf. Seine geistvolle Auffassung des Lebens wie seine leichte Sprachbehandlung machen alle seine Schöpfungen gleich ansprechend. Die meisten Erfolge errang er als Dramatiker, besonders als Vaudevillendichter und -Bearbeiter; doch steht er auch als Lyriker ziemlich hoch. Außerdem dichtete er das national-romantische Schauspiel „Elverhøi“ (1828), welches seiner Zeit sehr viel Aufsehen erregte und noch heute oft gegeben wird.

Als Direktor des königlichen Theaters in Kopenhagen, an welchem seine Frau lange Jahre als hervorragendste Schauspielerin des Nordens wirkte, hat er auch indirekt sehr viel für die Hebung des dänischen Dramas gethan. Auch Prof. Carsten Hauch (1791–1872) erntete mit seinen Dramen und Romanen reichen Erfolg und trug durch seine ästhetischen Abhandlungen wesentlich zur Läuterung des poetischen Geschmacks bei. Noch glücklicher war der Pastor Steen Steensen Blicher (1782–1848), der besonders durch seine jütländischen Novellen die Herzen des Volkes im Sturm eroberte. Blicher hat als erster das Genre bearbeitet, welches später durch Jeremias Gotthelf und Berthold Auerbach in Deutschland unter dem Namen „Dorfgeschichten“ bekannt geworden ist; außerdem war er einer der ersten Dialektdichter der dänischen Literatur. Halb durch Ingemann, halb durch Blicher beeinflusst ist "Etlar Carit" (Pseudonym für Carl Brosbøll, geb. 1820), welcher in Dänemark noch heute die sogen. alte Schule repräsentiert. Seine Hauptvorzüge sind eine glühende Phantasie und eine erstaunliche Kombinationsgabe.

Unter den Novellisten ragt in dieser Periode hervor, Thomasine Gyllembourg-Ehrensvärd (1773–1856), die Mutter Heibergs, welche in ihrem 53. Lebensjahr in der von ihrem Sohn redigierten „Flyvende Post“ mit der Erzählung „En Hverdagshistorie“ debütierte und sich bald einen geachteten Namen in der Geschichte der dänischen Literatur erwarb. In mehrfacher Beziehung mit ihr verwandt ist Andreas Nikolai de Saint-Aubain (Pseudonym "Carl Bernhard", 1798–1865), der jedoch mit Bezug auf die Tiefe des Gefühls hinter ihr zurücksteht. Volkstümlicher noch als die beiden letztgenannten wurde Christian Winther (1796–1876). Er hat als Sänger des Landlebens die die Literatur mit zahlreichen Romanen und lyrischen Gedichten bereichert, in denen sich Wahrheit, Ursprünglichkeit und Tiefe in trefflichster Weise zu einem harmonischen Ganzen vereinigen.

Sein hervorragendstes Werk ist wohl das romantische Epos „Hjortens Flugt“ (1856). Winther ist ohne Zweifel derjenige, welcher, ohne direkt ein Schüler Heibergs zu sein, am meisten dazu beigetragen hat, die ästhetischen Grundsätze des letztern zum schnellen und allgemeinen Durchbruch zu bringen. Ebenfalls ein bedeutender Lyriker ist Henrik Hertz (1798–1870), der eine Wiederbelebung der Baggesenschen Muse anstrebte und zu diesem Zweck im „Gjengangerbreve“ (1830) eine scharfe Polemik gegen Oehlenschläger und Heiberg führte. Außerdem ist er als dramatischer Dichter bekannt geworden, so durch das romantische „Kong René’s Datter“ und verschiedene andere Arbeiten leichtern Kalibers. Auch in Thomas Overskou (1798–1874) gewann die Bühne einen gewandten und oft sinnigen Dramatiker, während die übermütigen Studentenkomödien Jens Christian Hostrups (1818–1892) der Schauspielkunst ein neues und ergiebiges Feld eröffneten. Alle diese Männer werden indessen weit überragt von Hans Christian Andersen (1805 bis 1875), der in seinen weltberühmt gewordenen Märchen selbst den unscheinbarsten Vorgängen und Erscheinungen Poesie einzuhauchen versteht. Ebenso naiv und sinnig wie seine Märchen sind auch seine lyrischen Gedichte, von denen Adelbert von Chamisso einige ins Deutsche übertragen hat („Es geht bei gedämpfter Trommel Klang“ u. a.). Als Romanschriftsteller und als Dramatiker dagegen war Andersen minder erfolgreich; selbst sein Roman „O. T.“ (Odense Tugthus) hat nur vorübergehend das Interesse der dänischen Lesewelt fesseln können.

Gedankenreicher und tiefer, aber ebendarum dem großen Publikum weniger zugänglich als Andersen war Frederik Paludan-Müller (1809–1876). Er debütierte 1832 mit dem auch in Deutschland bekannt gewordenen romantischen Schauspiel „Kjærlighed ved Hoffet“ („Liebe am Hof“) und ließ von da ab lyrische und romantische Dramen, gereimte Märchen, poetische Erzählungen, epische, lyrische und didaktische Gedichte in bunter Reihenfolge erscheinen. Weitaus am hervorragendsten unter diesen vielen Zeichen seiner erstaunlichen Produktivität ist indessen das umfangreiche Epos „Adam Homo“, dessen erster Teil 1841 und dessen Schluss erst 1848 erschien. Es ist sehr breit angelegt und darum hier und da etwas ermüdend, aber es steckt so voll tiefer Gedanken und ist so durch und durch originell, dass kaum irgendeine Literatur eine Parallele dazu dürfte aufweisen können.

Eine eigenartige Dichternatur ist auch Erik Bögh (1822–1899), wenn auch freilich in ganz anderm Sinn als Paludan-Müller. Was ihn auszeichnet, ist hauptsächlich seine leichte, angenehme Schreibart und sein nie versiegender Humor. Er ist in erster Linie Feuilletonist, und man darf wohl sagen, dass er während der 60er Jahre als solcher den Geschmack der literarischen Kreise Kopenhagens so gut wie ausschließlich beherrschte. In jeder Beziehung streng konservativ, war er einer der erbittertsten Gegner von Georg Brandes und der von ihm vertretenen Literaturrichtung. Am bekanntesten sind seine „Forelæsninger“ und die unter dem Titel „Dit og Dat“ gesammelten Feuilletons. Außerdem hat er etwa ein Hundert Theaterstücke ins Dänische übersetzt oder bearbeitet sowie einige Originale geschrieben, von denen „Fastelavnsgildet“ und „Huldrebakken“ die erwähnenswertesten sind. Nach dem Durchbruch der neuern Richtung in der dänischen Literatur ist er vom öffentlichen Leben fast ganz zurückgetreten. Ein ebenso unversöhnlicher Feind der neuern Schule wie Bögh ist Parmo Carl Ploug (1813–1894), der Hauptvertreter und Hauptsänger des sogen. Skandinavismus, einer politischen Richtung, welche eine engere Vereinigung der drei skandinavischen Reiche herbeizuführen strebte.

Hervorragender als Bögh und Ploug ist Christian Knud Friedrich Molbech (1821–1888), ebenfalls ein Vertreter der ältern Schule. Seine lyrischen Gedichte sind vielleicht das Vollendetste und jedenfalls das Wohlklingendste, was man nach dieser Richtung hin in der dänischen Literatur besitzt. Auch als Dramatiker ist er hervorragend; so zeugt zum Beispiel sein Trauerspiel „Dante“ von einer dramatischen Kraft und (besonders in der von ihm selbst umgearbeiteten deutschen Übersetzung) von einer Bühnenkenntnis, wie man sie bei dänischen Schriftstellern sehr selten antrifft. Auch sein „Ambrosius“ enthält zahlreiche und hohe Schönheiten, obwohl die Sentimentalität des Helden einigermaßen unangenehm wirkt. Außerdem ist Molbech durch eine vorzügliche Übersetzung von DantesGöttlicher Komödie“ bekannt und berühmt geworden. Minder vielseitig, aber auf dem Gebiet des Romans und der Novelle recht bedeutend ist Vilhelm Bergsøe (1835–1911). Er war zuerst Zoologe, musste aber infolge eines Augenleidens, welches ihn seiner Sehkraft beraubte, diesen Beruf aufgeben und widmete sich fortan der Literatur. Sein erstes größeres Werk war der Novellencyklus „Fra Piazza del Popolo“; doch hat er erst mit dem Roman „Fra den gamle Fabrik“ einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Seine populären naturwissenschaftlichen Abhandlungen hat er unter dem Titel „Fra Mark og Skov“ gesammelt erscheinen lassen.

Eine eigenartige Stellung in der dänischen Literatur nimmt Meir Aron Goldschmidt (1819–1887) ein. Schon im Alter von 21 Jahren gründete er das satirische Wochenblatt „Corsaren“, welches die nicht ausgesprochene Tendenz hatte, für den Sturz des Absolutismus im Volk zu wirken, und bald einen ungeheuern Einfluss errang. Aber das befriedigte den kühnen Redakteur noch nicht; er unternahm eine längere Reise ins Ausland, um die großen sozialen und politischen Bewegungen zu studieren, und gründete nach seiner Rückkehr (1847) die Monatsschrift „Nord og Syd“, welche später als „Ude og Hjemme“ fortgesetzt wurde. Durch diese Zeitschriften, welche er mit sehr großem Geschick redigierte, hat er auf seine Zeit einen gewaltigen Einfluss ausgeübt. Später verlegte er sich indessen ausschließlich auf die dichterische Produktion und schrieb eine große Reihe von Novellen und Romanen sowie ein zweibändiges Werk unter dem Titel: „Livs-Erindringer og Resultater“. In dem letztern neigt er sich sehr einem seltsamen Mystizismus zu, der sich am ehesten mit der "Lehre vom Unbewußten" des Philosophen Eduard von Hartmann vergleichen lässt.

Wenig gelesen, aber recht lesenswert ist Hans Peter Holst (geb. 1811), der als Lyriker und Epiker viel Schönes hervorgebracht und auch einige allerliebste Novellen geschrieben hat, ebenso Hans Vilhelm Kaal und (geb. 1818), dessen Gedichtsammlungen „Et Foraar“ und „Et Efteraar“ kaum ein einziges Gedicht enthalten, welches nicht mit Ehren seinen Platz verteidigen könnte. Ferner sind zu erwähnen: der geschmackvolle Lyriker Emil Aarestrup (1800–1856), der Romanschriftsteller Hermann Frederik Ewald (1821–1908) und der verdienstvolle Übersetzer William Shakespeares, Edvard Lembcke (1815–1897).

Der Hauptzug in der Dichtung der 50er und 60er Jahre war jene eigentümliche Duselei, welche sich als Skandinavismus bezeichnete. Dieselbe ist wohl in erster Linie zurückzuführen auf die Schwärmerei für die altnordische Vorzeit, welche in Dänemark durch die Dichtungen Oehlenschlägers und in Schweden durch Per Henrik Ling (1776–1839), Esaias Tegnér (1782–1846), Erik Gustaf Geijer (1783–1847) u.a. wachgerufen worden war.

Dazu kam der Krieg von 1848, der in den skandinavischen Ländern einen derartigen Deutschenhass hervorrief, dass man den geistigen Verkehr mit Deutschland so gut wie ganz aufgab. Dadurch aber verstopfte man sich zugleich den Kanal, durch welchen man bisher so ziemlich mit allen Kulturvölkern in Verbindung gestanden hatte. Es war das freilich ein Resultat der skandinavischen Bewegung, welches die Führer derselben nicht vorausgesehen hatten; da es nun aber einmal eingetreten war, musste die bittere Pille wenigstens etwas überzuckert werden. Dies geschah dadurch, dass man alles, was nicht skandinavisch war, als faul und verrottet hinstellte, dass man alles Nordische als etwas halb Übernatürliches und die „nordische Kraft, welche die Welt hätte beherrschen können“ besang, als das einzige Mittel pries, um „der Sache der Menschheit den Sieg zu erringen“ (Ploug). Diese phantastische Idee von der hohen weltgeschichtlichen Mission der skandinavischen Völker hatte sich damals in den Köpfen fast aller „Gebildeten“ eingenistet, und es konnte also nicht ausbleiben, dass sie auch in der Literatur und speziell in der Lyrik zur Geltung kam. Aber ebenso unumgänglich notwendig war es, dass gegen eine so einseitige Bewegung über kurz oder lang eine kräftige Reaktion eintreten musste, und dass dann der beschränkte Nationalismus umschlagen musste in einen ebenso vagen Kosmopolitismus.

Diese Umwandlung vollzog sich zu Anfang der 1870er Jahre vornehmlich unter dem Einfluss von Georg Brandes. Er bewirkte dies hauptsächlich durch eine Reihe von Vorträgen, welche er im Winter 1871/72 über die „Hauptströmungen in der Literatur des 19. Jahrhunderts“ hielt, und welche später im Druck erschienen sind. Er wies darin nach, dass man in anderen Ländern, namentlich in Frankreich, Deutschland und England, schon längst die Reaktion überwunden habe, welche zu Anfang dieses Jahrhunderts gegen die Literatur der Aufklärungszeit angekämpft habe, dass aber in Dänemark wie in den skandinavischen Ländern überhaupt diese Reaktion noch in vollster Blüte stehe. Diese Vorträge riefen eine derartige Aufregung hervor, dass Brandes es vorzog, sein Vaterland zu verlassen. Aber die Saat hatte schon Früchte getragen, und zudem kämpfte Brandes von Berlin aus, wohin er sich begeben hatte, in der von ihm und seinem Bruder Edvard Brandes herausgegebenen Zeitschrift „Det nittende Aarhundrede“ noch unerschrocken weiter. So gelang es ihm, in wenigen Jahren eine Schule zu bilden, welche jetzt nicht allein in Dänemark, sondern auch in Norwegen und Schweden fast die alleinherrschende ist.

Einer der ersten und hervorragendsten Schüler des so schnell zur Berühmtheit gelangten Meisters war der Botaniker Jens Peter Jacobsen (1847–1885), der bisher nur als energischer Vertreter der Darwinschen Evolutionstheorie und als Übersetzer von dessen Werken hervorgetreten war. Seine erste Novelle: „Mogens“ (1872) bildet, gewissermaßen den Grenzstein zwischen der ältern und der neuern Literaturrichtung im Norden. Später hat er noch einige Novellen geschrieben, die mit dem „Mogens“ zu einem Band vereinigt sind („Mogens og andre Noveller“), sowie zwei Romane: „Fru Marie Grubbe“ und „Niels Lyhne“. Dauernde Kränklichkeit und finanzielle Sorgen. drückten ihn indessen so nieder, dass er in den letzten Jahren seines Lebens nichts Weiteres produziert hat.

Dennoch aber wird er stets als der Hauptvertreter der naturalistischen Schule in Dänemark betrachtet werden müssen, denn das Wenige, was er hervorgebracht, steht alles in seiner Art einzig da. Neben Jacobsen verdient in erster Linie der Marinemaler Holger Drachmann (1846–1908) genannt zu werden. Er ist unbedingt weitaus der begabteste Vertreter der modernen Richtung, aber die Leichtigkeit, mit der er produziert, veranlasst nicht selten, dass er Werke erscheinen lässt, an die er bei näherer Betrachtung selbst die Feile würde angelegt haben. Dennoch gibt es unter seinen zahlreichen Werken kaum eins, welches nicht sofort den genialen Dichter verrät. In neuerer Zeit hat sich übrigens Drachmann von den „Brandesianern“ losgesagt („Skyggebilleder fra Rejser i Ind- og Udlandet“, 1883), ohne deswegen, wie seine Gegner zuweilen behaupten, ins Lager der Romantiker überzugehen. Eine sehr interessante und liebenswürdige Dichterpersönlichkeit war der Pädagoge Sophus Schandorph (1836–1901). Schandorph steht einzig da in der Schilderung des seeländischen Bauernlebens wie des Kopenhagener Kleinbürgertums. Sein „Smaafolk“, „Thomas Fris's Historie“, „Stine bliver Gaardmandskone“, „Kjærlighed paa Trommesalen“ (in „Novelletter“) und „Et Levnetsløb fortalt paa Kirkegaarden“ (in „Fem Fortællinger“) sind nach dieser Seite hin wahre Perlen.

Reich begabt ist auch Herman Bang (1857–1912), aber sein ungemein exzentrisches Wesen scheint ihn an der nötigen Vertiefung zu hindern. Er war Romanschriftsteller, Dramatiker, Schauspieler, Recitator, Wanderredner und Feuilletonist und wird, wenn erst in seinem Streben eine gewisse Stabilität Platz greift, auf jedem dieser Gebiete Bedeutendes leisten können. Auf dem Gebiet des Dramas ist Edvard Brandes (1847–1931), der Bruder Georg Brandes', der Hauptvertreter der neuern Richtung. Man merkt ihm freilich an, dass er von Henrik Ibsen (1828–1906) ziemlich stark beeinflusst ist; doch bezieht sich das mehr auf die Wahl seiner Stoffe als auf die Behandlung derselben. Sein hervorragendstes Werk dürfte „Et Besøg“ sein; ferner hat er geschrieben: „Lægemidler“, „Gyngende Grund“ und „Et Brud“. Auch Peter Nansen (1861–1918) war ein vielversprechender junger Dramatiker.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Heretica bezeichnet eine frühe Phase des dänischen Modernismus.

Wissenschaftliche Literatur[Bearbeiten]

Wie in der Dichtkunst, so war auch in der wissenschaftlichen Literatur mit Ludvig Holberg eine neue Epoche angebrochen; namentlich begann man, der Geschichte eine gründliche wissenschaftliche Behandlung zuteilwerden zu lassen. Auszeichnung verdienen in dieser Beziehung außer Holberg selbst, der eine vortreffliche „Danmarks Historie“ in 3 Bänden (das erste populäre Werk dieser Art) und eine „Almindelig Kirkehistorie“ schrieb, der Isländer Árni Magnússon (1663–1730) als Quellensammler, die Historiker Hans Gram (1685–1748) und sein Schüler Jakob Langebek (1710–1775), der Herausgeber der „Scriptores rerum danicarum“, denen sich der spätere Frederik Suhm (1728–1798), der Verfasser einer 14-bändigen, dennoch unvollendeten „Historie af Danmark“, anreiht.

Ein sehr fruchtbarer und verdienstvoller Schriftsteller der Holbergschen Zeit war außerdem Erik Pontoppidan (1698–1764), der außer geschichtlichen und statistischen auch naturwissenschaftliche und theologische Werke in dänischer, deutscher und lateinischer Sprache verfasste, während Frederik Christian Eilschow (gest. 1750) für Popularisierung der Philosophie tätig war und Jens Höjsgaard (gest. 1773) als Forscher auf dem Gebiet der dänischen Sprache Bedeutendes leistete. Großartig ist dann der Aufschwung, welcher sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts und im Verlauf desselben auf allen Gebieten wissenschaftlicher Tätigkeit kundgibt. Die Leistungen in dieser Periode nach allen Richtungen hin sind so zahlreich, dass hier nur der hervorragendsten Erscheinungen in jedem Fach gedacht werden kann.

Auf dem Felde der Theologie ist in erster Reihe der schon oben als Dichter erwähnte Pastor Grundtvig zu nennen, der den Kampf gegen den Unglauben und Rationalismus der Zeit mit Erfolg aufnahm, zugleich für den nordischen Einheitsgedanken und die Entwickelung eines freien und kräftigen Volkslebens wirkte und auf das geistige Leben in Dänemark von tiefgreifendem Einfluss war. Neben Grundtvig sind als die bedeutendsten Theologen anzuführen: Jakob Peter Mynster (1775–1850), Bischof von Seeland, und Henrik Nikolai Clausen (1793–1877), der namhafteste Vertreter der kritischen Richtung innerhalb der Theologie. Auch Hans Larsen Martensen (1808–1884), der Verfasser von „Den christelige Ethik“, gelangte zu einer weit über Dänemark hinausreichenden Berühmtheit. Als Übergangsglied zwischen Theologie und Philosophie kann Søren Kierkegaard (1813–1855) gelten, der „größte Denker Dänemarks“, der das Grundprinzip des Christentums in einer höchst eigentümlichen Weise auffasste und in gewisser Hinsicht eine Parallele zu Ludwig Andreas Feuerbach bildet.

Die eigentliche Philosophie fand Vertretung durch Frederik Christian Sibbern (1785–1772), der, von Schelling wesentlich beeinflusst, als Professor an der Kopenhagener Universität großen Einfluss auf die studierende Jugend ausübte, im übrigen nicht nur als philosophischer Schriftsteller, sondern auch als Dichter („Udaf Gabrielis' Breve til og fra Hjemmet“) mit Erfolg thätig war; ferner durch den Philosophen Rasmus Nielsen (1809–1884), der, in Kierkegaards Fußstapfen tretend, den Kampf gegen die Theologie als Wissenschaft fortführte und in seinen Vorträgen wie in seinen Schriften („Grundideernes Logik“, „Natur og Aand“ etc.) eine hinreißende Beredsamkeit entwickelte.

Den entschiedenen Gegensatz von Nielsens Auffassung des religiösen Prinzips bildet Hans Bröchner (1820–1876), der auch wertvolle Beiträge zur Geschichte der Philosophie lieferte. Auf dem Gebiet der Naturwissenschaften ist vor anderen Hans Christian Oersted (1777–1851), der Entdecker des Elektromagnetismus und Verfasser zahlreicher gediegener Schriften über Gegenstände der Physik, hervorzuheben. Besondere Erwähnung verdient sein weitverbreitetes Buch „Aanden i Naturen“, worin er seine naturphilosophischen Ideen geistvoll und anziehend entwickelt.

Außer ihm sind als Naturforscher ersten Ranges zu nennen: der Botaniker und Pflanzengeograph Joakim Frederik Schouw (1789–1852), der Geologe und Chemiker Johann Georg Forchhammer (1794–1864) und der Zoologe Japetus Steenstrup (geb. 1813), wobei letzterer sich auch um die Archäologie verdient gemacht hat.

Die Altertumsforschung ward infolge der erwachenden Begeisterung für die Vorzeit des Nordens mit besonderem Eifer betrieben. Am erfolgreichsten geschah dies durch Peter Erasmus Müller (1776–1834), den Bearbeiter der Altertumsschriften („Sagabibliothek“), und den Isländer Finn Magnusson (1791–1846), der mit tiefer Gelehrsamkeit besonders die Mythologie und ältere Kulturgeschichte des Nordens behandelte. Auf dem sprach- und literaturgeschichtlichen Gebiet leistete namentlich Niels Matthias Petersen (1781–1862) Vorzügliches, während die eigentliche vorgeschichtliche Archäologie von Christian Jürgensen Thomsen (1785–1865) in gründlichster Weise behandelt wurde und Jens Worsaae (geb. 1821) durch seine zahlreichen Schriften archäologischen und historischen Inhalts die Altertumswissenschaft auf den hohen Standpunkt erhob, den sie jetzt in Dänemark einnimmt. Als Historiker der neuern Zeit sind hervorzuheben: Erik Christian Werlauff (1781–1871), besonders als Kulturhistoriker ausgezeichnet; Christian Molbech (1783–1857); namentlich aber Karl Ferdinand Allen (1811-77), der Verfasser des unvollendet gebliebenen Werkes „De tre nordiske Rigers Historie 1497–1537“, worin sich umfassendes historisches Wissen mit bedeutendem Darstellungstalent vereinigt.

Ausgezeichnet sind auch die Arbeiten von Frederik Schjern (geb. 1816), Caspar Peter Paludan („Grevens Felde“. „De første Konger af den oldenborgske Slægt“) u. a. Mit den geschichtlichen und archäologischen Forschungen gingen die Sprachstudien Hand in Hand. Große Verdienste hat sich auf diesem Gebiet (neben dem schon genannten Petersen) Christian Molbech durch seine lexikalischen Arbeiten erworben; das Bedeutendste aber leistete Rasmus Christian Rask (1787–1831), der durch seine Schriften den Grund für eine umfassende und systematische Behandlung der altnordischen Sprache legte und einer der Begründer der vergleichenden Sprachforschung war. In der klassischen Philologie endlich hat sich Johan Nikolai Madvig (1804–1886) europäischen Ruf erworben.

Literatur zur dänischen Literatur[Bearbeiten]

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

  • Rasmus Nyerup: Den danske Digtekonsts Middelalder. zusammen mit Rahbek, 1805-1808.
  • Knud Lyne Rahbek: Udsigt over den danske Digtekonst under Frederik V. og Christian VII.. 1819-28.
  • Christian Molbech: Forelæsninger over den danske Literatur. 1839.
  • Carl Adolph Thortsen: Historisk Udsigt over den danske Litteratur indtil Aar 1814. 6. Aufl., Kopenhagen 1866.
  • Niels Matthias Petersen: Bidrag til den danske Litteraturs Historie. 2. Aufl. 1871.
  • Johann Ludwig Heiberg: Udsigt over den danske skjönne Litteratur. 1831.
  • Torvald Ström: Dansk Litteraturhistorie. 1871.
  • Frederik Winkel-Horn: Den danske Literaturs Historie. 1880.
  • Sigurd Müller: Haandbog i den danske Literatur. 1880.
  • Sigurd Müller: G. Brandes, Ludvig Holberg og hans Tid. 1884; deutsch, Berlin 1885.
  • Thomas Overskou: Den danske Skueplads i dens Historie. 1859-74.
  • Adolf Strodtmann: Das geistige Leben in Dänemark. Berlin 1873.
  • Anton E. Wollheim da Fonseca: Nationallitteratur der Skandinavier. 1874-1877.
  • Frederik Winkel-Horn: Geschichte der Litteratur des skandinavischen Nordens. Leipzig 1880.

Ab 2000[Bearbeiten]

  • Moritz Schramm: Junge dänische Literatur. In: Muschelhaufen. Jahresschrift für Literatur. Nr. 39/40. Viersen 2000, ISSN 0085-3593.
  • Nina von Zimmermann: Geschichten aus der Jazz-Zeit. Die ,verlorene Generation' in der dänischen Literatur. Wiener Studien zur Skandinavistik, Band 18. Praesens. Wien 2006, ISBN 3-7069-0407-1.

Autoren[Bearbeiten]

siehe Liste dänischsprachiger Schriftsteller

Weblinks[Bearbeiten]

Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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