Finder (Mac)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Finder
Entwickler Apple
Betriebssystem Mac OS X
Kategorie Shell, Dateimanager

Der Finder ist ein zentraler Bestandteil der grafischen Benutzeroberfläche des Mac OS-Betriebssystems. Er stellt ähnlich wie die Shell (es gibt kommandozeilen- und grafikorientierte Shells) anderer Betriebssysteme die Schnittstelle zwischen Benutzer und System dar.

Der Finder bietet eine grafische Sicht des Dateisystems und der genutzten Geräte. Die Schreibtisch-Metapher stellt Dokumente als aufliegende Briefe mit Text oder tabellarischen Inhalten dar. Geräte wie der MP3-Player iPod erscheinen auf dem Schreibtisch und können wieder entfernt werden. Dokumente und Programme werden durch Doppelklick geöffnet und zum Löschen in einen „Papierkorb“ geworfen.

Der Finder ist die beim Start zuerst aufgerufene Anwendung. Er nutzt verschiedene Dienste des Betriebssystems Mac OS X, um die grafische Bedienoberfläche darzustellen.

Der Finder kann prinzipiell durch Alternativprogramme ersetzt werden.

Etappen des Mac OS Finder[Bearbeiten]

Finder 1.0[Bearbeiten]

Der erste Macintosh 128K hatte das vollständige Mac-OS-Betriebssystem samt Finder 1.0 im nur-lesbaren Speicher (ROM). Die Start-Disketten mit dem Finder enthielten nur Änderungen und Fehlerbehebungen gegenüber der ersten Version als kompakte Datei. Der Finder ist das Programm, das gestartet wird, wenn kein anderes Programm läuft. Wird ein Programm per Doppelklick gestartet, dann speichert der Finder seinen Zustand, beendet sich selbst und startet das gewünschte Programm, nach dessen Beendigung entweder automatisch ein anderes Programm startet oder eben wieder der Finder.

Finder 6[Bearbeiten]

Neben dem altbekannten Finder gab es im Mac-System 6.0 erstmals den MultiFinder mit kooperativer Multitasking-Fähigkeit. Der MultiFinder konnte mehrere Programme gleichzeitig ausführen. Mac OS 6 konnte wahlweise mit dem Finder oder dem Multifinder gestartet werden.

Finder 7[Bearbeiten]

Der MultiFinder ersetzte den traditionellen Finder vollständig. Der Benutzer konnte jedem Dokument Metadaten zuweisen, wie etwa das Etikett und Kommentare.

  • Einführung von Aliasen, das heißt Verknüpfungen, die auf die Ursprungsdatei verweisen.
  • Einführung einer Listenansicht mit ausklappbaren Ordnern

Finder 8[Bearbeiten]

Der Finder in MacOS 8 benutzte erstmals Multithreading, um mehrere Kopier- und Löschvorgänge gleichzeitig ablaufen zu lassen. Außerdem wurden Popup-Ordnerfenster, die als Reiter am Bildschirmrand „angedockt“ sind, eingeführt sowie eine spezielle „Tasten-Ansicht“, bei der jedes Symbol als Button im Fenster angezeigt wird, das durch einfachen Klick gestartet wird.

Finder 9[Bearbeiten]

In dieser Version wurden „spring-loaded folders“ eingeführt. D. h. wenn man beim Ziehen eines Dateisymbols über einen Ordner ging und einen Moment wartete, öffnete sich dieser Ordner automatisch, und man konnte so beliebig tief durch die Ordnerhierarchie navigieren. Weiterhin konnte man für bestimmte Ereignisse Töne einstellen, mit Hilfe sogenannter „Sound Sets“.

Finder 10[Bearbeiten]

Mit Mac OS X 10.0 wurde ein neu entwickelter Finder eingeführt, der Konzepte des NeXTStep Workspace Manager und des Finders aus Mac OS 9 vereinen sollte. Er war in C++[1] mit dem Carbon-API geschrieben, im Gegensatz zum Workspace Manager, der in Objective-C mit dem Cocoa-Framework geschrieben war.

Die Benutzeroberfläche, die jetzt dem neuen Aqua-Stil von Mac OS X folgte, wurde stark verändert. Man konnte nun Ordnerinhalte in einer tabellarischen Hierarchie („Spaltenansicht“) anzeigen statt, wie in Mac OS 9 und früher, nur verschachtelte Ordner.

Finder 10.3[Bearbeiten]

Der Finder 10.3 beherrscht wieder die Funktionen Etiketten vergeben und Suche nach Metadaten des Finder 7.0.

  • Etiketten sind Eigenschaften für jedes Dokument, die man zur besseren Organisation vergeben kann. Später kann man alle Dokumente aus einer Kategorie (Etikett, Dateityp, Programmhersteller) suchen und auswählen.

Finder 10.4[Bearbeiten]

Hier wurde Spotlight eingeführt, eine Index-basierte, sehr schnelle systemweite Suche. In jedem Finder-Fenster ist ein Spotlight-Suchfeld integriert, Suchanfragen lassen sich als intelligente Ordner in die in 10.3 eingeführte Seitenleiste speichern. Damit hatte man die Ergebnisse einer bestimmten Suche immer parat, z. B. alle Dokumente, die innerhalb der letzten drei Tage geöffnet wurden. Der Finder 10.4 beherrschte auch wieder die Funktion Ereignisgeräusche des Finder 9.0.

Finder 10.5[Bearbeiten]

Folgende Neuerungen wurden mit dem Finder von Mac OS X 10.5 eingeführt:

  • Design: Anstelle von „Brushed Metal“ wird ein schlichteres, einheitliches Aussehen verwendet.
  • Erweiterte Seitenleiste: Die Objekte sind nun in Kategorien (Orte, Geräte, freigegebene Computer und Suchen – ähnlich wie im Quellenbereich von iTunes) gruppiert.
  • Cover Flow: Mit dieser neuen Ansicht können Dateien, Ordner und Programme in dem ebenfalls von iTunes bekannten Stil dargestellt werden.
  • Quick Look ermöglicht eine schnelle Vorschau vieler Dateien, ohne dafür das jeweilige Programm öffnen zu müssen.
  • Spotlight: In der Seitenleiste werden bereits die Kriterien „Heute“, „Gestern“ und „Letzte Woche“ sowie „Alle Videos“, „Alle Fotos“ und „Alle Dokumente“ angezeigt. Man kann nun Boolesche Operatoren verwenden, um die Suchergebnisse durch „AND“, „OR“ und „NOT“ einzugrenzen. Man kann auch nach exakten Ausdrücken (mit Hilfe von Anführungszeichen), Datum, Bereichen (mit Größer-als- [>] und Kleiner-als-Zeichen [<]), absoluten Daten und einfachen Berechnungen suchen.
  • Kommunikation zwischen Macs: Für die gemeinsame Verwendung freigegebene Computer (Macs und andere PCs) im eigenen Netzwerk werden automatisch in der Seitenleiste angezeigt. Mit der Funktion „Back to my Mac“ und einem .Mac-Benutzerkonto kann man über das Internet eine Verbindung zu jedem Computer herstellen, auf dem auch dasselbe .Mac-Benutzerkonto angemeldet ist.

Finder 10.6[Bearbeiten]

In der Mac-OS-Version 10.6 (Codename Snow Leopard) wurde der Finder neu geschrieben, und zwar als 64-Bit-Anwendung auf der Basis von Objective-C. Neue Funktionen kamen nicht hinzu, außer der Unterstützung von Grand Central Dispatch.

Versteckte Dateien[Bearbeiten]

Um die Fensterposition und -größe sowie die Anordnung der Dateisymbole für einen Ordner zu speichern, legt der Finder versteckte Dateien mit dem Namen .DS_Store in jedem Ordner an. Lokale Dateien, deren Namen mit einem Punkt beginnen, werden am Mac selbst standardmäßig nicht angezeigt. In diesen .DS_Store-Dateien werden sämtliche Ansichtsoptionen eines Ordners gespeichert, sie sind vergleichbar mit den desktop.ini unter Microsoft Windows. Dieses Verfahren irritiert manche Anwender anderer Betriebssysteme, die über ein Netzwerk auf solche Verzeichnisse zugreifen, da andere Betriebssysteme diese Informationen nicht interpretieren können und bei Doppelklick darauf Fehlermeldungen anzeigen. Entsprechend kann man auf Netzwerklaufwerken solche Unix-artigen „DOT-Dateien“ ausblenden lassen oder das Erstellen dieser Dateien von vornherein deaktivieren, was durch Konfigurationsprogramme von Drittanbietern oder durch manuelles Editieren einer Konfigurationsdatei erreicht werden kann.

Abgesehen vom Netzwerkbetrieb irritiert die Existenz dieser Metadaten auch auf Wechseldatenträgern, wenn ein solcher auf einem Computer mit einem anderen Betriebssystem aktiviert ("mounted") wird. Verwendet man etwa einen USB-Stick an einem Mac, so erstellt der Finder zunächst .DS_Store-Dateien und einen Papierkorb (.TRASHES). Löscht nun der Mac-User Dateien auf dem USB-Stick, so werden sie in den Mülleimer verschoben. Da der Mülleimer ein verstecktes Verzeichnis ist (d. h. ein Ordner mit dem Namen .Trashes), können die Dateien unter anderen Betriebssystemen in Standard-Konfiguration nicht gesehen werden, belegen aber dennoch Speicherplatz, falls der Mülleimer am Mac nicht geleert wurde. Zusätzlich zu dem Mülleimer und den .DS_Store-Dateien erstellt der Finder für jede Datei, auf die er zugreift, eine versteckte dot-Datei gleichen Namens. Kopiert also ein Mac-Anwender eine einzige Datei auf einen leeren USB-Stick, so findet man hinterher drei Dateien und den Mülleimer darauf. Anders als im Netzwerk lässt sich diese Finder-Funktion nicht deaktivieren. Es gibt aber die Möglichkeit, den USB-Stick mit Hilfe von Programmen wie z. B. FinderCleaner so abzumelden, dass dabei alle versteckten Dateien gelöscht werden. Unsichtbare Dateien und Systemverzeichnisse können im Finder bei Bedarf über das Terminal oder z. B. mit TinkerTool sichtbar gemacht werden.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bjarne Stroustrup: C++ Applications. 11. Oktober 2007, abgerufen am 19. Oktober 2007.