Marcha orientalis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Marcha orientalis (Begriffsklärung) aufgeführt.
Die Marcha orientalis der Jahre zwischen 952 und 976 als Teil Baierns.

Die Marcha orientalis oder Bairisches Ostland (auch lateinisch: Marchia orientalis; Östliche Mark, Ostmark) war die östliche Präfektur des fränkischen Herzogtums Baiern von Beginn des 9. Jahrhunderts bis zur Machtübernahme der Magyaren 907.[1] Das Ostland entstand mit der Eroberung des Awarenreiches durch Karl den Großen. Es bestand aus dem vorwiegend von Slawen besiedelten Awarenland, vermindert um die Ebene zwischen Donau und Theiß, die die Bulgaren übernahmen und vermehrt um die bairisch-slawischen Gebiete des Traungaus und Karantaniens. Als oberste weltliche Leiter wurden so genannte „Präfekten“ eingesetzt. Im Norden, Osten und Südosten übernahmen slawische Eliten die lokale Macht und bildeten Fürstentümer, die dem Präfekten unterstanden, aber dem König zu Treue und Heerfolge verpflichtet waren.

Mit der Unterstellung des Ostlandes unter das neu geschaffene Bairische Königreich Ludwigs des Deutschen kam allmählich die Bezeichnung „Baierisches Ostland“ auf. Die Politik im Ostland bestimmten innerfamiliäre Kämpfe der karolingischen Königsfamilie und ständige Kämpfe mit dem Tributärfürstentum Mähren. Ende des 9. Jahrhunderts fielen die Magyaren ein und übernahmen nach einem vernichtenden Sieg gegen die Baiern 907 große Teile des Ostlandes. Nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 unter Otto dem Großen kamen Teile davon an die Franken zurück und wurden in Baiern und das Heilige Römische Reich eingegliedert.[2] 996 wurde erstmals Ostarrîchi urkundlich erwähnt. Ostarrîchi war zwar wesentlich kleiner als die Marcha Orientalis, kann aber herrschaftsgeschichtlich als deren Nachfolger betrachtet werden.[1]

Zur Bezeichnung des bairischen Ostlandes[Bearbeiten]

Ab Mitte des 9. Jahrhunderts wurden die lateinischen Namen plaga orientalis, oriens oder partes orientales verwendet.[3] Die Bezeichnung Bairisches Ostland ist ab 870 nachweisbar. Die Bezeichnung in der fränkischen Sprache des Volkes war mit großer Wahrscheinlichkeit bereits damals Ostarrîchi.[4] Mit der Besetzung des Landstriches durch die Magyaren reduzierte sich die Ausdehnung des bairischen Ostlandes auf ungefähr die Hälfte. Es blieb nur der Streifen zwischen Donau und niederösterreichisch-steirischen Kalkalpen, für den die Bezeichnung Ostarrîchi zutraf. [3] Der in Zusammenhang mit den Ostland gelegentlich verwendete Begriff Ostmark ist ein Name, der erst aus dem 19. Jahrhundert stammt und später vom Nationalsozialismus für Österreich verwendet wurde.[5]

Politische Entwicklung[Bearbeiten]

Grenzmarken Karls des Großen[Bearbeiten]

Awarenmark und Mark Karantanien zur Zeit Karls des Großen um 800
Graf Ottokar(rechts) besiegte 788 als Königsbote Karls des Großen die Awaren am Ybbsfeld.

Bereits zu Zeiten des Baiernherzogs Tassilo III. hatten die fränkischen Königsboten Graman und Graf Ottokar (dieser war der Überlieferung nach gemeinsam mit seinem Bruder Adalbert 791 Gründer des Hippolytusklosters, dem historischen Stadtkern St. Pöltens)[6] 788 die Awaren auf dem Ybbsfeld besiegt und hinter den Kamp und den Wienerwald zurückgedrängt. In den Feldzügen 791–796 und 803 schlug Karl der Große in zeitweiliger Koalition mit dem bulgarischen Khan Krum die Awaren vernichtend. Zum Schutz des Reiches gegen die östlich siedelnden Awaren ließ Karl der Große nach den erfolgreichen Feldzügen der Jahre 791 bis 803 in den eroberten Gebieten neue Grenzmarken errichten: Neben der nördlichen Ostmark die südlichere Awarenmark und die an diese im Süden anschließende Mark Karantanien.[7]

Nach dem endgültigen Zusammenbruch des Awarenreichs entwickelte sich eine Gewaltenteilung zwischen Norden und Süden der vormals awarischen Gebiete. Im Norden – von den Karolingern als Panonnia superior bezeichnet – setzte Karl seinen Schwager Gerold in der Baar, seit der Entmachtung Tassilos 788 bereits Präfekt in Baiern, als Präfekten des Ostlandes ein. Er kontrollierte damit die bairische Ostgrenze unter Einschluss von Karantanien und Pannonien. Im Süden – Pannonia inferior – herrschte von Cividale aus Erich von Friaul. Neben seinem eigenen Herzogtum verwaltete er Istrien mit oberen dalmatinischen Küste, Krain und Slawonien. Die neu erschlossenen Gebiete reichten im Osten wohl bis über den Balaton hinaus und schlossen im Südwesten an Karls ehemals langobardisches Oberitalien an. Die Grenze zwischen Pannonia superior und inferior bildete die Drau.[7] Präfekt Erich von Friaul wurde 799 von den Bewohnern Tarsatikas umgebracht. Im September desselben Jahres fällt Präfekt Gerold in Kämpfen mit den Awaren.[8]

Bildung des Bairischen Ostlandes nach 799[Bearbeiten]

Karl der Große schuf die Grundlagen für die Bildung des Bairischen Ostlandes.

Nach dem Tode Gerolds kam es zu einem Aufstand der Awaren, in dessen Folge die Verwaltung Baierns umgestaltet wurde. Die nachfolgende Teilung Baierns in zwei Präfekturen erfolgte wahrscheinlich bereits vor 802.[3] Der „altbairische“ Traungau wurde mit dem „neubairschen“ Karantanien und der Avaria Karls sowie den friulanischen Ostlanden des Nachfolgers Erichs von Friaul, unter dem gemeinsamen Namen Plaga oder Marcha orientalis verwaltet.[9][10]

Die Verwaltung des Ostlandes war also bereits zu dieser Zeit von jener des „alten Herzogtums“ Baiern getrennt.[11] Hauptstadt war zunächst die alte Römerstadt Lorch an der Enns, wo neben dem Präfekten Altbaierns in Regensburg, der Präfekt des Ostlandes residierte. Dem Ostlandpräfekten waren die fränkischen Grenzgrafen, die verbliebenen Awaren sowie die im ganzen Ostland verteilten Slawenfürsten untergeordnet. Er war dem Präfekten Altbaierns gleichrangig und amtierte als unmittelbarer Vertreter des Königs in seinem Verwaltungsbereich. Nach 799 amtierten nacheinander die Präfekten Goteram, Werinher (805/806 genannt), Albrih und Gotafrid. Das neu eroberte Land war zu Beginn des Jahrhunderts fast ausschließlich im Besitz des Königs. 805 wurde noch unter Karl dem Großen das tributäre Awarische Fürstentum eingerichtet. Die Kolonisierung durch Baiern und Franken unter der Führung der Bistümer, Klöster und des weltlichen Adels begann bereits unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen. Verstärkt wurde dieser Prozess vor allem unter Ludwig dem Deutschen und seinen Sohn Karlmann, die die bairischen Kirchenherren mit zahlreichen Lehen und Eigenbesitzungen ausstatteten.[3]

Ludwig der Deutsche, König der Baiern[Bearbeiten]

Ludwig der Deutsche mit Bischöfen, seine Söhne Karlmann, Ludwig der Jüngere und Karl der Dicke. Darstellung aus der Grandes Chroniques de France.

817 übergab Kaiser Ludwig der Fromme nebem dem „alten“ Baiern (Nordgau) die Awarenmark an seinen ungefähr elfjährigen Sohn Ludwig dem Deutschen und schuf damit ein das neue Königtum Baiern. 819–822 wurde der Süden durch Ljudevit von Posavien, den Fürsten von Sisak bedroht. Der Fürst hatte sich vergeblich bei Kaiser Ludwig über die Übergriffe des fränkischen Markgrafen von Friaul Chadaloh beschwert und griff daraufhin gemeinsam mit den Karantanern und Timotschanern die Franken an. 819 zog Chadaloh gegen Ljudevit ins Feld und verstarb kurz danach. Es folgte ein sechs Jahre währender Krieg. 823 wurde Ljudevit von einem fränkischen Heer geschlagen, welches wahrscheinlich Markgraf Balderich, der Nachfolger Chadalohs, angeführt hatte.[12]

826 übernahm König Ludwig der Deutsche im Alter von etwa 20 Jahren auch de facto die Regentschaft in Baiern. Mit ihm kam als neuer Präfekt des Ostlandes Gerold II., der Onkel des Königs. Gerold blieb zumeist am Hof des Königs, obwohl sein Mandatsgebiet das Ostland war.[12] Seine erste Aufgabe wurde wahrscheinlich die Wiederherstellung des Ostlandes, nachdem ein Teil davon an den friulanischen Präfekten Balderich verloren gegangen war. 827 drangen die Bulgaren zu Schiff auf der Drau in Pannonien ein. Für die Niederlage gegen die Bulgaren wurde Balderich verantwortlich gemacht.[7]

Der Reichstag von 828[Bearbeiten]

Nach den Kriegen in Unterpannonien wurde infolge eines Reichstages, den Ludwig der Fromme nach Aachen einberufen hatte, 828 die „Verfassung“ des Ostlandes entscheidend verändert. Bis 828 waren weder in Pannonien noch in Karantanien Grafschaften eingerichtet gewesen. Nun wurde auch in diesen Gebieten weitgehend die fränkische Grafschaftsverfassung eingeführt. Die gentilen Fürsten von Karantanien und Sisak wurden durch fränkische Grafen abgelöst. Die Krain wurde nach Balderichs Niederlage gegen die Bulgaren aus dessen Präfektur herausgelöst, dem Ostland angeschlossen und ebenfalls einem fränkischen Grafen unterstellt. Das Awarische Fürstentum wurde aufgelöst und dessen Herrschaftsgebiet vom fränkischen Grafen Rihheri (Grafschaft Steinamanger) und der Donaugrafschaft übernommen. Ab der Neuorganisation von 828 bildete die Raab die Grenze zwischen Oberpannonien und Unterpannonien.[3]

Die Ära Ratpots[Bearbeiten]

832/833 wurde Ratpot – vermutlich ein Verwandter Gerolds und damit auch Verwandter des Königs – Nachfolger Gerolds II. als Präfekt im Ostland. Als erster der ostländischen Präfekten besaß Ratpot eine eigene Grafschaft, die Donaugrafschaft zwischen Enns und Raab, die in Untergrafschaften unterteilt war. Und als erster Präfekt wurde er mit den Mährern konfrontiert, wo Mojmir I. die mährischen Stämme unter seine Oberhoheit brachte. Mojmir verjagte andere mährische Stammesoberhäupter, betrieb als königgleicher Fürst eine separatistische Politik gegenüber dem Fränkisches Reich und übte ab 833 zunehmend Druck auf das Ostland aus.[7] Auf Anraten Ratpots und Salachos, Graf in der Krain, übergab Ludwig der Deutsche 839 das neu geschaffene Pannonische Fürstentum an den vormals mährischen Stammesfürsten Pribina.[13]

Der Vertrag von Verdun, der die Erbfolge-Streitigkeiten nach dem Tod Karls des Großen regelte, veranlasste im Jahre 843 das bairische Ostland in das ostfränkische Reich aufzunehmen[10] und das Gebiet nun auch formell dem nunmehrigen ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen zu übergeben. Die benachbarten friulanischen Ostlande hingegen gingen nach Verdun an Ludwigs Bruder Lothar I. und dessen Mittelreich. Präfekt Ratpot galt als Gegner des Verduner Vertrags. Zudem dürfte er sich nach anfänglichen Kämpfen gegen die Mährer schließlich mit deren Fürsten Rastislav verbündet haben. 854 wurde Präfekt Ratpot vom König wegen Landesverrats abgesetzt.

Die Karolinger übernehmen persönlich die Leitung des Ostlandes[Bearbeiten]

Zwei Jahre später wurde die Verwaltung des Ostlandes an den Königssohn Karlmann übergeben. Bis 871 hatte er danach das bairische Ostland ungeteilt in der Hand.[14]

In der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts wurde die Lage an den Grenzen des Ostlandes immer schwieriger. An der Donau wurden Tulln und wahrscheinlich Wenia befestigt. Die Grafen Wilhelm II. und Engelschalk I. errichteten die Herzogenburg und Wilhelmsburg. Die militärische Ordnung wurde an die fränkische Wehrverfassung angeglichen und die fränkische Hufenverfassung eingeführt.[5] Ab etwa 860 waren nur mehr freie Männer mit mehr als vier Hufen zum Kriegsdienst verpflichtet. Damit stieg deren soziales Prestige und Einfluss, Siedler mit weniger Grundbesitz wurden geschwächt.[15]

Spaltung des Ostlandes[Bearbeiten]

Arnulf von Kärnten bescherten die Umstürze nach 871 in den Ostlanden die herrschaftliche Grundlage zur späteren Königskrönung.

Die Thron- und Territorialzwiste der Karolinger wirkten sich auch auf die Marcha orientalis aus. Karlmann rebellierte gegen seinen Vater, entließ die Getreuen seines Vaters wie die Grafen Pabo und Witigowo aus Karantanien und Rihheri aus Steinamanger und ersetzte sie durch eigene Gefolgsleute. Ludwig reagierte auf die Machtansprüche seines Sohnes mit großzügigen Schenkungen an die königstreuen Bistümer Regensburg, Salzburg und Passau um seine eigene Machtposition im Ostland zu stärken.[3] Die Bistümer trugen damit neben Missionierung auch die Hauptlast der Besiedlung und Kulturpflege und hatten daher bis ins 19. Jahrhundert auch südlich des Alpenhauptkammes Besitzungen.

Die Brüder Wilhelm II. und Engelschalk I. konnten ihren Amtsbereich auf die gesamten Donaugrafschaften ausweiten. Ihre intensive Kolonisierung an den mährischen Grenzen führte zu fortwährenden Kämpfen mit den mährischen Fürsten. 870 errangen sie noch einen Sieg, 871 fielen die Wilhelminerbrüder im Kampf gegen die Mährer.[14] Im Zuge der karolingischen Familienkämpfe kam es schließlich zu einer Spaltung des Ostlandes. Nach dem Tod Wilhelms II. und Engelschalks I. 871 beauftragte Ludwig der Deutsche Graf Aribo I. mit den oberpannonischen Grafschaften. Die Wilhelminer zogen sich daraufhin nach Karantanien zurück. Unterpannonien blieb bei Karlmann. Die Grafschaften Aribos im Traungau blieben unangetastet.[7] 876 starb König Ludwig der Deutsche. Ihm folgte Sohn Karlmann als König des Ostfrankenreiches und von Baiern und damit als oberster Herr der Ostlande. Karlmann übergab Unterpannonien noch im selben Jahr an seinen Sohn Arnulf von Kärnten und gab ihm damit eine „Hausmacht“, die er später zur Königskrönung nützen konnte. Die Grafschaften Aribos blieben unangetastet.[7] Karlmann folgten als ostfränkische Könige Ludwig der Jüngere, Karl der Dicke, Arnulf von Kärnten und Ludwig das Kind.[16]

Die Grafengeschlechter der Ostlande befehdeten sich als Parteigänger einzelner Mitgliedern das Königshauses bitter. In den 870er und 880er-Jahren beherrschte der Zwist der Wilhelminer, die Karlmann unterstützten, und der Aribonen die lokalpolitische Landschaft. Die Auseinandersetzungen im Ostland waren regelmäßig durch verschiedene Koalitionen mit den Mährern geprägt. Aribo rief, im Streit mit dem „Wilhelminer“ Arnulf von Kärnten Fürst Svatopluk I. zu Hilfe, worauf dieser 882 den Bereich der Donaugrafschaften verwüstete und 884 das Pannonische Fürstentum besetzte, das zuvor von Arnulf geleitet wurde. 893 übernahm Graf Luitpold die unterpannonischen Gebiete. Mit der Kaiserwahl Arnulfs 896 wurde Luitpold zum Widersacher Aribos. Aribo und Luitpold sind die einzigen Grafen des bairischen Ostlandes in der Zeit der Karolinger, die in Urkunden mit dem Titel Markgraf bezeichnet wurden.[7] Die Raffelstettener Zollordnung ist eine der letzten bedeutenden Urkunden des Bairischen Ostlandes vor der Machtübernahme durch die Magyaren. Sie wurde zwischen 902 und 906 im Auftrag König Ludwig des Kindes von Markgraf Aribo I. und den bedeutendsten Richterm und Adeligen des Ostlandes verfasst und beinhaltet Zoll- und Mautregelungen zwischen dem altbairischen Nordgau und dem bairischen Ostland.[17]

Die Magyaren im bairischen Ostland[Bearbeiten]

Unter Fürst Árpád kamen nach 907 große Teile des bairischen Ostlandes in magyarische Herrschaft.

862 tauchte ein Volk auf, das den Ostfranken bis dorthin unbekannt war. In diesem Jahr fielen die Magyaren im Lande Ludwigs des Deutschen ein. 881 kämpften die Baiern zuerst bei Wenia gegen die Ungarn und danach bei Pöchlarn gegen die mit den Ungarn verbündeten Kabaren. Arnulf von Kärnten verbündete sich mit den Magyaren. 892 beteiligten sich erstmals magyarische Reiter an der Seite König Arnulfs an dessen Krieg gegen die Mährer. Vermutlich kämpften sie in diesem Jahr im Pannonischen Fürstentum, das zu dieser Zeit von den Mährer besetzt war. Aber schon zwei Jahre später verheerten sie „ganz Pannonien“ und daher auch die Gebiete ihres Verbündeten Arnulf. 896 kam es zu schweren Kämpfen zwischen Magyaren und Bulgaren. Im selben Jahr erhielt Fürst Braslav das Pannonische Fürstentum zum Schutz gegen die Magyaren, die das Neutraer Fürstentum zerschlugen und sich um 900 unter ihrem Kende Kurszán im Pannonischen Fürstentum ansässig machen konnten. Auf dem Rückweg von einem Italienfeldzug verwüsteten sie im Herbst 900 „fünfzig Meilen weit“ den Traungau. Am 20. November desselben Jahres vernichtete Markgraf Luitpold eine ungarische Abteilung bei Linz. Danach wurde zum Schutz gegen die Ungarn die Ennsburg errichtet.[18] Am 11. April 901 schlug der Sieghardinger Graf Ratold I. – dem Markgraf Luitpold untergeordneter karantanischer Grenzgraf – die in Karantanien eingefallenen Ungarn an der Fischa im Raum der Pfalz Baden.[14] Im Sommer 904 lud König Ludwig das Kind den magyarischen Führer Kende Kurszán und sein Gefolge zu einem Gastmahl an die Fischa und ließ seine Gäste zu Tisch heimtückisch erschlagen.[19] Den Baiern brachte dies zwar eine kurze Atempause, doch bei den Magyaren konnte sich daraufhin Fürst Árpád als alleiniger Herrscher durchsetzen der schon Jahr 906 das Mährische Reich überrannte.[18]

Die nachfolgenden Ungarneinfälle führten noch tiefer in das Frankenreich. Die „Großen“ zogen sich weitgehend hinter die Enns und aus den Gebieten südlich der Alpen nach Altbayern zurück, der Großteil der Bevölkerung und kleinere lokale Machthaber sind großteils geblieben. Die Pöhlder Annalen aus dem 12. Jahrhundert wissen über die Vorgangsweise der „Barbaren“ in Pannonien im Jahr 906 zu berichten: „die Frauen wurden nackt und an den Haaren aneinandergebunden weggeführt…“.[20]

Das Bairische Ostland als eine der Marken des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jh.

Mit der Niederlage des bairischen Heerbannes unter der Leitung des Markgrafen Luitpold in der Schlacht von Pressburg im Jahr 907, bei der der Großteil des baierischen weltlichen und kirchlichen Adels ausgelöscht wurde, gingen die Ostlande großteils an die Magyaren verloren. Die Magyaren lösten die politische und kirchliche Organisation der Ostfranken in den eroberten Gebieten auf und errichteten neue Strukturen unter magyarischer Oberhoheit.[21][22][23]

Auf heute österreichischem Gebiet haben sich die Magyaren nirgends in größerem Umfang niedergelassen und haben ihren Einfluss vorwiegend auf militärische Präsenz beschränkt. Es dürfte sogar ein Grenzgraf unter magyarischer Oberhoheit weiter gewirkt haben.[11] Sie scheinen in den rund 60 Jahren ihrer Herrschaft im Bairischen Ostland weder die Infrastruktur noch die Besitzungen der vormaligen Herren aus Baiern zerstört zu haben. Allerdings dürfte zumindest für die kirchlichen Herren die Nutzung ihrer Güter im Ostland stark eingeschränkt gewesen sein. Jedenfalls waren die ehemaligen Besitzverhältnisse auch nach 955 noch immer soweit bekannt, dass die früheren Herren wieder an die Jahre vor der magyarischen Herrschaftsübernahme anschließen konnten.[24]

Erst seit der Schlacht auf dem Lechfeld 955 begann die Rückeroberung für ostfränkische Reich unter den Liudolfingern, die als Mark Ostarrîchi etwa 100 Jahre später mit der Verfestigung der Herrschaftsgrenzen abgeschlossen war.[23][22]

Weltliche Verwaltung des Bairischen Ostlandes[Bearbeiten]

Rechtsordnung[Bearbeiten]

Ausschnitt der Lex Baiuvariorum aus dem 9. Jahrhundert.

Die Rechtswirklichkeit des frühen Mittelalters war von grundsätzlicher Ungleichheit geprägt. Man unterschied die Rechte von Freien und Unfreien, von Mann und Frau, Verheirateten und Ledigen, weltlichen und kirchlichen Personen und so fort. Dieses allgemeine Rechtssystem der Über- und Unterordnung drückte sich auch in den niedergeschriebenen Rechtsbüchern der Zeit aus. Leute der fränkisch-baierischen Grafschaften lebten nach der Lex Baiuvariorum, jene der slawischen Fürstentümer unterlagen einem eigenen Gewohnheitsrecht, das niemals aufgezeichnet wurde und heute weitgehend unbekannt ist. Alle Bewohner des Ostlandes unterstanden den Kapitularien der fränkischen Könige. Grafen und gentile Fürsten waren dem König zu Treue und Heeresfolge verpflichtet.[25]

Verwaltungseinheiten des Ostlandes zur Zeit der Karolinger[Bearbeiten]

Von der Einrichtung des Ostlandes unter Karl dem Großen bis zur Übernahme großer Teile durch die Magyaren nach 907 wurde das Gebiet mehrfach umorganisiert und bestand aus folgenden Verwaltungseinheiten, die zum Teil noch in Untergrafschaften gegliedert waren:[7]

Die weltlichen Großen[Bearbeiten]

Fränk Edelmann 9Jhdt.jpg

Da Karl der Große die Bezeichnung „Fürst“ für die weltlichen Herren des eroberten Herzogtums Baiern vermeiden wollte[26], waren unter Karl und seinen Nachfolgern so genannte „Präfekte“ oberste weltliche Leiter und oberste Heerführer des Baierischen Ostlandes. Als Grenzgrafen erfüllten sie auch die Funktion eines Königsboten. Ein Graf der Karolingerzeit übte ein ziviles und militärisches Amt aus. Er war in seinem Amtsbereich der Vertreter des Königs und konnte ausschließlich vom König eingesetzt werden. Ein Graf konnte dieses Amt weder erben noch aus eigener Macht erhalten.[27]

Dem Präfekten unterstanden sämtliche fränkischen und baierischen Untergrafen sowie die gentilen Fürsten des Ostlandes, die ihrerseits ebenfalls dem König den Treueid leisteten. Auch die Tributärfürsten wurden – häufig auf Vorschlag ihres Volkes – vom König eingesetzt. Sie waren zwar nach außen vom fränkischen König abhängig aber nach innen weitgehend autonom. Im Gegensatz zu den Grafen war es für gentile Fürsten manchmal auch möglich ihr Amt zu vererben, wie dies zum Beispiel bei Pribina und seinem Sohn Kocel der Fall gewesen ist. Ein Graf übte keine selbständige Kirchenherrschaft aus und war den Bischöfen rangmäßig untergeordnet, die Herrschaft der Fürsten hingegen schloss auch den kirchlichen Bereich ein. Grenzgrafen und Fürsten waren zur persönlichen Berichterstattung an den König verpflichtet. Ein Verstoß dagegen galt als Felonie.[28] Präfekt Gerold (I.) war noch für ganz Baiern zuständig. Ab Goteram war die weltliche Verwaltung „Altbaierns“ und des Ostlandes getrennt. Ab Aribo I. amtierten die obersten Leiter des Ostlandes im Range eines Markgrafen.

Präfekte und Markgrafen des baierischen Ostlandes:

  • Präfekt Gerold (I.): †799 im Kampf gegen die Awaren
  • Präfekt Goteram: nach 1. September 799, †802 beim Kastell Guntio im Kampf gegen die Awaren
  • Präfekt Werinher I.: 805/806 genannt
  • Präfekt Albrih
  • Präfekt Gotafrid
  • Präfekt Gerold (II.): ab wahrscheinlich 811, spätestens ab 826 bis 832/33
  • Präfekt Ratpot: 832/833 bis 854
  • Prinz Karlmann: 856 bis 871

Oberpannonien (nach der Spaltung des Ostlandes 871):

Unterpannonien (nach der Spaltung des Ostlandes 871):

Magyarische Herrschaft von 909 bis 955.

Erstnennung des Landstriches Ostarrîchi im Jahre 996. Danach siehe Liste der Markgrafen und Herzöge von Österreich im Mittelalter.

Christianisierung[Bearbeiten]

Die ehemalige Pfalzkirche von Karnburg aus dem 9. Jahrhundert.
Am 20. November 860 übergab König Ludwig der Deutsche 24 Güter des Bairischen Ostlandes ins Eigentum der Erzdiözese Salzburg.[29]

Verfassung der Kirche und der Heiden[Bearbeiten]

Über die Religion der slawischen Bewohner des Ostlandes gibt es keine schriftlichen Quellen. Doch weisen Ergebnisse aus der Archäologie auf Analogien mit den allgemeinen Erkenntnissen über die Slawische Mythologie hin.[30] Die (von Christen verfassten) zeitnahen historischen Dokumente schweigen im Detail über ihre religiösen Praktiken. Dass jene Mächte woran die Heiden glaubten existieren, bestritt das Christentum nicht. Auch heidnischen Liedern, Zaubereien und sonstigen magischen Künsten sprach die Kirche Existenz und Wirksamkeit nicht ab. Aber die heidnischen Mächte wurden als Dämonen, heidnische Handlungen als Zauberei oder teuflische Machenschaften verurteilt. Die Behandlung kranker Menschen vermittels Beschwörungen und zauberischer Mittel wurde durch Konzilien und kirchliche Bücher verboten. Volksmedizin und deren heidnische Überlieferung wurden gesellschaftlich geächtet und verächtlich als Kulturgut der Unterschicht bezeichnet.[25] Doch selbst das Königshaus und seine Gerichtsbarkeit war vor Aberglauben nicht gänzlich gefeit. So war es noch 899 möglich, dass nach dem Tod Kaiser Arnulfs ein Mann und eine Frau exekutiert wurden, die man bezichtigte den Tod des Kaisers durch Zauberei herbeigeführt zu haben.[31]

Missionstätigkeiten[Bearbeiten]

Die Christliche Mission in den Ostlanden war nicht nur rein seelsorgerisch zu verstehen, sondern auch im Sinne einer herrschaftlichen Erfassung der Bevölkerung. Die kirchliche Arbeit bestand also neben Seelsorge, Taufe, Priester-, Neubau von Kirchen und Kirchweihe auch aus Rodung und technischer Raumorganisation. In zahlreichen Fällen gingen kirchliche Lehen später in den Eigenbesitz der Kirche über.[32] Die Namen vieler dieser Kirchen sind aus mittelalterlichen Quellen wie der Conversio Bagoariorum et Carantanorum und Schenkungsurkunden bekannt. Großteils ist aber deren Lokalisierung heute nicht mehr möglich, da die Orte entweder abgekommen sind oder später neue Namen bekamen. Zu den heute noch bekannten und bestehenden Kirchenorten des Bairischen Ostlandes gehören beispielsweise Arnsdorf (erinnert an Bischof Arn), Hollenburg, Karnburg, Krems an der Donau, Oberloiben, Pinkafeld (umstritten), Ptuj und Rappoltenkirchen.[33] Im Zuge der Christianisierung wurden Bischöfe und Priester eingesetzt, die Messe gelesen und die wichtigsten Gebete gelehrt. Die wirksamste Methode der Heidenbekämpfung aber war die Erziehung der Kinder der Oberschicht durch die Kirchenmänner.[25]

Bis heute erhaltene Zeugen der Missionstätigkeit des 9. Jahrhunderts in Österreich sind beispielsweise zwei karolingische Flechtwerksteine an der Kirche St. Peter am Bichl, spätkarolingische Fresken in der Winterkirche Maria Wörth, Reste des ursprünglichen Baues der Martinskirche in Traismauer und Bleikreuze, die 1968 bei Ausgrabungen der Wallburg Thunau am Kamp gefunden wurden.[5]

Organisation der Mission[Bearbeiten]

Die Linzer Martinskirche wurde 799 erstmals urkundlich erwähnt.
Lehrer des christlichen Glaubens in Mähren und Pannonien: Kyrill und Method.

Die Missionare arbeiteten eng mit den slawischen Stammesfürsten und dem ansässigen Adel zusammen. Die Slawen stellten Arbeitskräfte und Baumaterial für Kirchen und Klöster zur Verfügung und übernahmen der Schutz der Missionare. Von den Missionaren erwarteten sie, dass sie beim Volk im Sinne der Autorität der lokalen Fürsten wirkten.[34] In Karantanien begann die christliche Mission, ausgehend von der Erzdiözese Salzburg, bereits nach dessen Unterwerfung unter die bairische Herrschaft Mitte des 8. Jahrhunderts. In der (späteren) Awarenmark setzte sie mit Beginn der Awarenkriege Karls des Großen in den 790er Jahren ein. Ausgangspunkt für die Awarenmission war eine Synode im Zuge des Awarenfeldzuges des Königssohnes Pippin an der Donau im Jahr 796. Die Teilnehmer erläuternten die Grundfragen der Mission, sprachen sich gegen eine gewaltsame Bekehrung und für hinreichende Unterweisung vor der Taufe aus.[34]

Die Martinskirche in Linz wurde 799 urkundlich erwähnt. Der Salzburger Erzbischof Arn wurde als Hauptverantwortlicher für die Slawenmission eingesetzt und zuständig für das Gebiet östlich des Wienerwaldes.[35] Danach wurde das eroberte Gebiet aufgeteilt. Der Erzbischof von Salzburg wurde für den Alpenbereich, das Gebiet um den Plattensee sowie zwischen Raab, Donau und Drau zuständig, Paulinus II.[36] der Patriarch von Aquileia für den Bereich südlich der Drau.[37] Der Patriarch begann seine Arbeit in dem neu eroberten Gebiet allerdings nur zögerlich und erst unter dem Drängen Karls des Großen und des gemeinsamen Freundes Alkuin und selbst dann erfolgten die Belehrungen der Slawen durch das Bistum Aquilieia nicht in der slawischen Sprache.[38]

829/830 legte Ludwig der Deutsche an den Flüssen Raabnitz und Raab eine zusätzliche Zuständigkeitsgrenze fest womit Passau die Gebiete an der Donau und in der Buckligen Welt die Gebiete links der Raabnitz zugewiesen bekam.[39] Dass diese Grenze nicht immer streng eingehalten wurde zeigt unter anderem die Wiener Ruprechtskirche, die auf Salzburg hinweist und die Domkirche St. Stephan zu Wien, die ein Passauer Patrozinium aufweist. In ihrem Missionsgebiet hatte die Diözese Passau bereits seit Karl dem Großen Besitzungen bei St. Pölten und in der Wachau. Von Ludwig dem Deutschen erhielten sie ab 833 zusätzliche Besitzungen um Tulln, an Ybbs und Pielach, an Raabnitz und Zöbernbach sowie zwischen Raab und Wienerwald, die den Passauer Chorbischöfen Anno und Albrich zur Nutznießung oder zu freiem Eigen überlassen wurden. Da der Diözese Passau aber offensichtlich weder in personeller noch in organisatorischer Hinsicht ausreichende Ressourcen zur Verfügung standen waren in diesem Raum auch andere baierische Institutionen im Landesausbau und in der kirchlichen Erschließung tätig.[34] Neben dem Salzburger Erzbischof und seinen Suffraganen waren vor allem altbairische Klöster wie Sankt Emmeram, Niederaltaich, Kremsmünster und Mattsee die Träger der christlichen Mission. Das Kloster Herrieden ist die einzige heute bekannte nichtbairische Kircheninstitution die zur Zeit Karls des Großen Besitz im Bairischen Ostland erhielt.[32]

863 kamen Method von Saloniki und sein Bruder Kyrill nach Mähren um hier den Slawen in ihrer eigenen Sprache das Christentum zu lehren. Im Sommer 867 weilten sie erstmals auch im Pannonischen Fürstentum. Die Tätigkeit der beiden griechischen Missionare betrachtete der Salzburger Bischof Adalwin als Einmischung in seinen Kompetenzbereich und daher gerieten die Ostlande in den 870er Jahren in das Spannungsfeld zwischen König, Erzbistum Salzburg, Papst und Byzanz. Der Papst ernannte Method zum Erzbischof von Pannonien und Größmähren. Method nahm daraufhin seinen Sitz in der Hauptstadt Mosapurg des Pannonischen Fürstentums ein. Dort stand er unter dem Schutz des Fürsten Kocel. Method wurde vor ein baierisches Gericht zitiert, das höchstwahrscheinlich unter der Leitung König Ludwigs des Deutschen stand. Als Hauptankläger fungierte Erzbischof Adalwin, der zur Verteidigung seiner Position die Conversio Bagoariorum et Carantanorum verfassen ließ. Method wurde verurteilt und mehrere Jahre inhaftiert. Nach einer scharfen Rüge des Papstes, der sogar Bischof Adalwin seines Amtes enthob und ihn exkommunizierte, konnte Method zwar wieder nach Pannonien zurückkehren, aber letztlich blieb die kirchliche Oberhoheit bei Salzburg.[33]

Zentren[Bearbeiten]

Zentren der Könige und der Reichskirche[Bearbeiten]

Die Königspfalz Herzogshof in Regensburg.

Regensburg, Frankfurt am Main und Aachen (unter Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen) waren wohl „Hauptstädte“ der karolingischen Könige und mussten daher im Rahmen von Reichstagen, Gerichtstagen und Beurkundungen von Grafen und Fürsten regelmäßig besucht werden, waren aber ansonst für das Ostland ohne größere Bedeutung. Ähnliches gilt für den Sitz des baierischen Metropoliten in Salzburg und seiner Suffragane in Passau und Freising, die wie verschiedene altbaierische Klöster in der kirchlichen Verwaltung und christlichen Mission des Ostlandes tätig waren. Diese Städte lagen alle außerhalb des Ostlandes. Als Königspfalz im Ostland ist für das späte 9. Jahrhundert (869 von König Karlmann aufgesucht) Padun-Baden bei Wien bekannt, das noch Römische Thermen aufwies und auch als „Aufmarschbasis“ gegen die Mährer diente.[40]

Zentren der Präfekten[Bearbeiten]

Weltliche und kirchliche Zentren des Ostlandes wurden häufig ehemalige Römerstädte, die 300 Jahre nach dem Niedergang des Weströmisches Reich, der Völkerwanderung und Awarenherrschaft im 9. Jahrhundert häufig noch benutzbaren oder zumindest renovierbaren Baubestand aufwiesen. In Lauriacum-Lorch, vormals Grenzstadt zwischen Baiern und Awaren, sammelte Karl der Große 791 die fränkischen Armeen zum Angriff auf das Awarenreich. Lorch wurde erster Sitz des ostländischen Präfekten. Bei Comagenis-Tulln befand sich das einzige im Ostland als königlicher „Fiscus“ bekannte Gebiet. Unter Präfekt Ratpot, der die Hälfte dieses Fiscus in seinem Besitz hatte, wurde Tulln zum Sitz des Präfekten. 863 fand in Tulln das „Gipfeltreffen“ zwischen König Ludwig dem Deutschen und dem Bulgarenkhan Boris I. statt, um 884 traf sich hier König Karl III. mit Svatopluk I. und Braslav zu Gesprächen und zum Empfang des Lehnseides der beiden Fürsten, der nur gegenüber dem König und seinem Reich galt, nicht aber gegenüber den lokalen Machthabern des Ostlandes.[3]

Vororte der Grafschaften[Bearbeiten]

Mittelalterlicher Turm in Mautern an der Donau, einem Vorort der Donaugrafschaft im letzten Drittel des 9. Jahrhunderts.

Ab 803 wurde das ehemalige Kastell Favianis bei Mautern neu besiedelt und gesichert.[41] Zu Zeiten des Markgrafen Aribo I. und seinem Sohn Isanrih wurde Mautern einer der wichtigsten Vororte der Donaugrafschaft. In der Raffelstettener Zollordnung wurde Mautern als der letzte baierische Zollort genannt. Die nächste Station danach lag bereits in Mähren. Bedeutender kirchlicher Stützpunkt in der Donaugrafschaft war Traismauer beim römischen Kastell Augustianis. Hier befindet sich die Grabkammer des Grafen Cadaloc, der im Jahr 802 gemeinsam mit Präfekt Goteram im Kampf gegen die Awaren beim „Kastell Guntio“ gefallen ist. In der Martinskirche bei Traismauer wurde Fürst Pribina getauft.

Weltlicher Vorort Karantaniens wurde die Karnburg am westlichen Rand der Römerstadt Virunum, dessen kirchliches Zentrum Maria Saal am Ostrand von Virunum. Karnburg und Moosburg waren bevorzugte Aufenthaltsorte des späteren Kaisers Arnulf von Kärnten. Der Vorort Savaria-Szombathely der Grafschaft Steinamanger wird vermutlich auch zu Zeiten des Awarischen Fürstentums, das sich zwischen Carnuntum und Savaria erstreckte, als Zentrum gedient haben.[3]

Die Salzburger Annalen erwähnen zum Jahr 881 einen Zusammenstoß der Baiern mit den Magyaren „ad Weniam“. Ob es sich bei diesem Wenia um die erste mittelalterliche Nennung des Wienflusses oder doch um die heutige österreichische Hauptstadt Wien ist noch umstritten.

Fürstensitze[Bearbeiten]

Überrest einer von neun Kirchen in Mikulčice, dem vermutlichen Zentrum Moravia der Mährischen Fürsten.

Auch das Zentrum der Fürsten von Sisak war bereits zu Römerzeiten eine bedeutende Stadt. Zur Zeit des Ljudevit-Krieges, der das gesamte Ostland erschütterte, galt Sisak als starke Befestigung. Zentrum des Fürstentums Mähren war Moravia das heute von der Forschung zumeist mit der Burgfestung Valy bei Mikulčice gleichgesetzt wird, wo zu Zeiten der mährischen Fürsten eine ungefähr zehn Hektar große zivile und militärische Anlage mit neun Kirchen bestand. Die relativ große Anzahl von Kirchen ließe sich möglicherweise durch die Wirkung des Erzbischofs von Pannonien Method bei den Mährern erklären.[42] Weitere Hauptorte Mährens waren der Sitz des früher selbständigen Fürsten von Neutra, wo es ein Lehensfürstentum gab und der mährische Bischof Wiching residierte, sowie beispielsweise Devín, Gran, Krakau und Užhorod.

Mikulčice war ebenso eine frühmittelalterliche Neugründung wie die befestigte Höhensiedlung „Schanze“ des Fürsten Joseph im Kamptal bei Thunau.[43] und die Hauptstadt des Pannonischen Fürstentums Mosapurc-Zalavár.[44] Anfang der 870er Jahre war Mosapurc de facto Bischofssitz als Erzbischof Method bei Fürst Kocel residierte. Am 13. März 888 stellte möglicherweise König Arnulf von Kärnten in Mosapurc eine Urkunde aus. Im Pannonischen Fürstentum lagen außerdem der alte römische Kirchenort Fünfkirchen und mit Pettau der südöstlichste Stützpunkt der fränkischen Reichskirche. Dudleben, wahrscheinlich bei Bad Radkersburg, war Vorort der gleichnamigen pannonischen Untergrafschaft.[33]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Mühlberger: Das fränkisch-bayerische Ostland im 9. Jahrhundert, Dissertation an der Universität Wien, 1980
  • Ernst Dümmler: Über die südöstlichen Marken des fränkischen Reiches unter den Karolingern (795-907), Aus dem X. Bande der kais. Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Archivs für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, 1853, Online bei Google Books

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Manfred Scheuch: Historischer Atlas Österreich, Verlag Christian Brandstätter, Wien 2007, ISBN 3-87070-588-4
  2. Herwig Wolfram: Die Geburt Mitteleuropas. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung 378–907, Verlag Kremayr & Scheriau, 1973, ISBN 3-218-00451-9
  3. a b c d e f g h Herwig Wolfram: Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoarium et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit, Verlag Oldenbourg, Wien, München, Oldenbourg 1996
  4. Peter Schmid, Heinrich Wanderwitz (Hrsg.): Die Geburt Österreichs: 850 Jahre Privilegium minus, Verlag Schnell + Steiner, 2007
  5. a b c Kleindel: Österreich, Zahlen – Daten - Fakten, Sonderausgabe A&M 2004, ISBN 3-902397-49-7
  6. SANT YPOELTEN - STIFT UND STADT IM MITTELALTER, abgerufen am 14. April 2013
  7. a b c d e f g h Herwig Wolfram: Grenzen und Räume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung. Österreichische Geschichte 378–907, Ueberreuter Verlag, Wien 1995, ISBN 3-8000-3532-4, S. 212 ff
  8. Walter Pohl: Die Awaren, Ein Steppenvolk in Mitteleuropa 567–822 n. Chr. 2 Aufl. München 2002, ISBN 3-406-48969-9
  9.  Scheuch: Baiern und das karolingische Ostland. In: Historischer Atlas. Das Beste, S. 25 Sp. 1.
  10. a b Andere Autoren sehen den Beginn als eigenständiges Gebilde mit dem Vertrag von Verdun 843.
  11. a b Lexikon des Mittelalters, Band VI, Verlag Metzler, 1999, S. 1520ff
  12. a b Herwig Wolfram: Die Geburt Mitteleuropas. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung 378–907, Verlag Kremayr & Scheriau, 1973, ISBN 3-218-00451-9, S. 193ff
  13. Uta von Freeden, Herwig Friesinger, Egon Wamers (Hrsg.): Glaube, Kult und Herrschaft. Phänomene des Religiösen. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte. Band 12, Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-7749-3663-8, S. 400ff
  14. a b c Michael Mitterauer: Karolingische Markgrafen im Südosten Fränkische Reichsaristokratie und bayerischer Stammesadel im österreichischen Raum, Verlag Hermann Böhlaus Nachf., Graz, Wien, Köln 1963
  15. Karl Gutkas: Geschichte Niederösterreichs, Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1984, ISBN 3-7028-0209-6, S. 27f
  16. Ernst Dümmler: Geschichte des ostfränkischen Reiches, Band 1, Verlag Duncker & Humblot, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-7749-3663-8
  17. Niederösterreichisches Institut für Landeskunde: Raffelstettener Zollordnung (902/03-907) in Schicksalsjahr 907. Die Schlacht bei Pressburg und das frühmittelalterliche Niederösterreich, Katalog zur Ausstellung des Niederösterreichischen Landesarchives in der Kulturfabrik Hainburg 2007, St. Pölten, 2007, ISBN 978-3-901635-11-3, S. 132ff.
  18. a b Herwig Wolfram: Die Ungarn und das fränkisch-bayerische Ostland, PDF
  19. Timothy Reuter (Hrsg.): The New Cambridge Medieval History: Volume 3, c.900-c.1024, Cambridge University Press, März 2000, ISBN 978-0521364478, englisch
  20. Jan Dhondt: Fischer Weltgeschichte, Band 10, Das frühe Mittelalter, Verlag Fischer,Frankfurt, ISBN 978-3596600106, S. 17f
  21.  Scheuch: Baiern und das karolingische Ostland. In: Historischer Atlas. Das Beste, S. 25 Sp. 3.
  22. a b Eintrag zu Markgrafschaft in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  23. a b Auch wird von manchen Autoren der Magyareneinfall als „zeitweise Besetzung“ angesehen, und die Mark Ostarrîchi in Kontinuität gesehen, das Ende wäre dann 1156 mit dem Privilegium minus zu sehen.
  24. Werner Rösener (Hrsg.): Strukturen der Grundherrschaft im frühen Mittelalter, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, S. 406ff
  25. a b c Herwig Wolfram: Die Geburt Mitteleuropas. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung 378–907, Verlag Kremayr & Scheriau, 1973, ISBN 3-218-00451-9, S. 379ff
  26. Rudolf Schieffer: Die Zeit des karolingischen Großreichs (714-877), Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte Band 2, 2001
  27. Hans K. Schulze: Die Grafschaftsverfassung der Karolingerzeit in den Gebieten östlich des Rheins, Verlag Duncker & Humblot, 1973, ISBN 978-3428029457, S. 345ff
  28. Intitulatio II. Lateinische Herrscher- und Fürstentitel im 9. und 10. Jahrhundert, Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsband / 24, Wien 1973, S. 179ff
  29. Salzburger Urkundenbuch, II. Band, Urkunden von 790 bis 1199 auf der Website des Onlinearchivs für historische Urkunden Monasterium
  30. Zdeněk Váňa: Mythologie und Götterwelt der slawischen Völker. Die geistigen Impulse Ost-Europas („Svět slovanských bohů a démonů“). Verlag Urachhaus, Stuttgart 1992, ISBN 3-87838-937-X
  31. Hexenverfolgung in Österreich auf der Website http://www.religionen.at
  32. a b Andreas Otto Weber: Studien zum Weinbau der altbayerischen Klöster im Mittelalter, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-515-07290-X, S. 68ff
  33. a b c Heinz Dopsch: Geschichte Salzburgs, Salzburg 1993, ISBN 3-515-07290-X, S. 179ff
  34. a b c 1000 Jahre Ostarrîchi. Seine christliche Vorgeschichte. Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 1997, ISBN 3-7022-2110-7, S. 114ff
  35. Dieter Bauer: Mönchtum – Kirche – Herrschaft, Sigmaringen 1998
  36. Pierre Riché: Die Welt der Karolinger, Reclam Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-020183-1
  37. Andreas Schwarzc: Pannonien. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 6, Artemis & Winkler, München/Zürich 1993, ISBN 3-7608-8906-9, Sp. 1655–1657.
  38. Gottfried Schramm: Slawisch im Gottesdienst, Verlag Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58045-7
  39. Walter Aspernig, Albert Atzl, Klaus Volker, Gerhard Winkler: Gestaltete Welt 1. Von der Urzeit bis zum Mittelalter, Verlag Ferdinand Hirt, Wien 1981, ISBN 3 7019 8400 X
  40. Hans Rudolf Sennhauser (Hrsg.): Ausgrabungen in Stadtkirche und Dreikönigskapelle Baden 1967/1968, vdf Hochschulverlag, Zürich 2008, ISBN 978-3-7281-3229-1, S. 415f
  41. Hans Krawarik: Siedlungsgeschichte Österreichs: Siedlungsanfänge, Siedlungstypen, Siedlungsgenese, Verlag Lit, 2006, S. 126f
  42. Herwig Friesinger, Brigitte Vacha: Die vielen Väter Österreichs. Römer · Germanen · Slawen. Eine Spurensuche., Compress Verlag, Wien 1987, ISBN 3-900607-03-6
  43. Die Schanze auf der Website Babenberger Burgruine Gars/Thunau
  44. Béla Miklós Szőke: ANTÆUS 31-32, Communicationes ex Instituto Archaeologico Academiae Scientiarum Hungaricae, Budapest 2010