Max Bill

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Max Bill: unendliche Schleife (1935–1953) ausgeführt in Tranas Granit 1974; Stadtgarten Essen (an der Hohenzollernstraße)
Max Bill: Kontinuität (1983–1986) vor der Hauptverwaltung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main
Max Bill: bildsäulen-dreiergruppe (1989) vor dem Mercedes-Benz Center in Stuttgart
Rhythmus im Raum (1947–1948), Außenalster Hamburg
Drei Bildsäulen auf dem Kunstpfad Universität Ulm (1977)
Designklassiker: Junghans-Küchenuhr von Max Bill
Max Bill: Gebäude der Hochschule für Gestaltung HfG Ulm (1953-1955), Foto von Hans G. Conrad.

Max Bill (* 22. Dezember 1908 in Winterthur; † 9. Dezember 1994 in Berlin) war ein Schweizer Architekt, Künstler und Designer, Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten.

Künstlerisches Leben[Bearbeiten]

Max Bill machte von 1924 bis 1927 eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. Im Alter von 17 Jahren wurde er 1925 mit seinen Schülerarbeiten an die Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris eingeladen, wo ihn besonders die Werke von Le Corbusier, Konstantin Stepanowitsch Melnikow und Josef Hofmann beeindruckten. 1927/1928 studierte er in Dessau am Bauhaus, wo zu dieser Zeit Albers, Kandinsky, Klee, Moholy-Nagy und Schlemmer lehrten.

Ab 1929 war Bill sowohl praktisch als auch theoretisch als Architekt, seit 1932 als Maler, Grafiker, Bildhauer tätig. Von 1932 bis 1937 war er Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Création in Paris. 1936 definierte er in einem Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich seine Vorstellung von „Konkreter Kunst“ und wurde zu einem ihrer wichtigsten Vertreter. Seit 1936 war er auch als Publizist aktiv und gründete 1941 den Allianz-Verlag. 1938 wurde er Mitglied des Congrès International d’Architecture Moderne.

1944/1945 hatte Bill seinen ersten Lehrauftrag an der Zürcher Kunstgewerbeschule. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Georges Vantongerloo und František Kupka. Von 1951 bis 1953 war er Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung und entwarf ihr Schulgebäude. Von 1953 bis 1956 war er deren erster Rektor. 1957 kehrte er zurück nach Zürich. Zwischen 1967 und 1974 hatte er den Lehrstuhl für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg inne.

Max Bill war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959), und auch der documenta III im Jahr 1964 in Kassel.

Als Leiter des Bereichs „Bilden und Gestalten“ war er von 1961 bis 1964 Architekt für die Expo64, die schweizerische Landesausstellung in Lausanne.

Politisches Leben[Bearbeiten]

In seinen jungen Jahren war Max Bill – genau wie sein Kollege Richard Paul Lohse – ein engagierter Antifaschist, protestierte gegen kalten Krieg und atomare Aufrüstung, war gegen den Vietnamkrieg und schon in den 1950er Jahren für Belange des Umweltschutzes. Bill wurde ein halbes Jahrhundert vom schweizerischen Staatsschutz observiert, was im Oktober 1936 begann, nachdem er den in Nazideutschland verfolgten Journalisten Alfred Thomas bei sich versteckte. Thomas wurde von der Landesregierung im Mai 1936 des Landes verwiesen; sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Für die Unterbringung wurde Max Bill mit einer Geldstrafe belegt, da er den Flüchtling nicht bei der Einwohnermeldebehörde gemeldet hatte. Weitere prominente politische Flüchtlinge aus dem faschistischen Italien und Deutschland kamen nach ihrer Flucht in die Schweiz zuerst bei ihm unter.[1]

Von 1961 bis 1968 war Bill Mitglied des Zürcher Gemeinderates sowie von 1967–1971 im Schweizer Nationalrat. Portiert vom Landesring der Unabhängigen, war er als Parteiloser politisch aktiv.

Privates Leben[Bearbeiten]

1931 heiratete Max Bill die Cellistin und Fotografin Binia Spoerri, die 1988 verstarb. Aus dieser ersten Ehe ging als einziges Kind Jakob Bill (* 1942) hervor. Der Sohn gründete 1996 die Schweizer Max-Bill-Stiftung und realisierte so die Idee seines Vaters, die dieser nach dem Tod seiner ersten Ehefrau hatte. Der Zweck der Stiftung ist die Sammlung und Pflege von Werken der Familie Bill, die Förderung der wissenschaftlichen Forschung und die Verbreitung und Veröffentlichung für Interessierte.

Max Bill war seit 1974 mit der Kunsthistorikerin Angela Thomas zusammen, die ihn zwanzig Jahre lang auf vielen Reisen begleitet hatte und in dieser Zeit die wichtigste Gesprächspartnerin für sein Werk war. Seit 1991 war er in zweiter Ehe mit ihr verheiratet [2].

Am 9. Dezember 1994 brach er auf dem Berliner Flughafen Tegel tot zusammen. Seine Witwe wollte die Urne gemäß einem Wunsch von Max Bill in der von ihm entworfenen Pavillon-Skulptur in Zürich beisetzen. Als die Stadt dies ablehnte, exhumierte sie die Urne und verstreute die Asche an der Skulptur [2].

Max Bill hatte die Stiftungsvorschläge seines Sohnes zurückgewiesen, so dass nach seinem Willen der Nachlass zwischen dem Sohn und der Witwe aufgeteilt wurde. Angela Thomas hat die „max bill georges vantongerloo stiftung“ gegründet und lebt mit dem Filmemacher Erich Schmid, mit dem sie seit 1998 verheiratet ist, im Wohn- und Atelierhaus von Max Bill in Zumikon.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Max Bill wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen für seine Werke bedacht.

Im Stadtkreis Oerlikon, Zürich wurde ein Platz an Passantenlage mit Einkaufsmöglichkeiten nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten]

Zu Max Bills berühmtesten Werken gehört der Ulmer Hocker. Dieser kann als Tablett, als Hocker oder auch als Teil eines Regals verwendet werden. Der Ulmer Hocker wird heute noch nach den Plänen von Max Bill hergestellt. Eine andere bekannte Designarbeit sind die betont schlichten Zifferblätter für Junghans-Wand- und Armbanduhren, die als Reedition wieder erhältlich sind.

  • Unendliche Schleife. Gips auf Stahlgerüst mit oberflächlichem Alu-Spritzverfahren, 1935–1937, am Zürichsee 1948 zerstört
  • 15 Variationen eines Themas. 1938
  • Rhythmus im Raum. Granit, an der Kennedy-Brücke der Hamburger Außenalster, 1947–1948
Rhythmus im Raum (1994), München
  • Familie von fünf halben Kugeln. Weißer Kunststein, Mathematisches Institut der Universität Karlsruhe, 1965–1966
  • Lavoitobel-Brücke, Tamins, 1966–1967
  • Rotation um sich ausdehnendes Weiß. Zürich, 1981
  • Einstein-Monument. Ulm, 1982
  • Pavillon-Skulptur. Zürich, 1983
  • Kontinuität. Rosa-Sardo-Granit, Deutsche Bank AG Frankfurt am Main, 1986, 2011 versetzt in den Park neben der Deutschen Bank.
  • bildsäulen-dreiergruppe. DaimlerChrysler Stuttgart, 1989
  • Endlose Treppe in Ludwigshafen am Rhein (1991) und auf dem Seminarplatz in Dessau
  • Rhythmus im Raum. Europäisches Patentamt, München, 1994
  • Raumplastik – Berlin dankt Frankreich. Berliner Bezirk Mitte, 1994
  • "Zwilling aus einer Viertelkugel" afrikanischer Granit 1982 Vorplatz Theater Trier

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Bill: Funktion und Funktionalismus. Schriften 1945–1988. Benteli, Bern 2008, ISBN 978-3-7165-1522-8.
  • Max Bill, Retrospektive. Skulpturen Gemälde Graphik 1928–1987. (Texte Christoph Vitali, Eduard Hüttinger, Max Bill.) Katalog Schirn Kunsthalle, Frankfurt/Zürich/Stuttgart 1987 ISBN 3-922608-79-5.
  • Thomas Buchsteiner und Otto Lotze:max bill, maler, bildhauer, architekt, designer. Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1641-6.
  • Luciano Caramel, Angela Thomas: Max Bill. Pinacoteca Communale Casa Rusca, Locarno / Fidia Edizione d'Arte, Lugano 1991, ISBN 88-7269-011-0.
  • Jürgen Claus: "Das Energiefeld der Farbe: Max Bill", in: Jürgen Claus: "Kunst heute", Rowohlt Verlag 1965
  • Gerd Fischer: Der Koloss von Frankfurt: Die „Kontinuität“ von Max Bill. In: Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Heft 4/1999, S. 22–23.
  • Eduard Hüttinger: Max Bill. abc Verlag, Zürich 1977, ISBN 3-85504-043-5.
  • Eduard Hüttinger: Max Bill. Edition Cantz, Stuttgart 1987 (erweiterte Ausgabe) ISBN 3-922608-79-5
  • Gregor Nickel und Michael Rottmann: Mathematische Kunst: Max Bill in Stuttgart. In: Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Band 14, Heft 3/2006, S. 150–159.
  • Arturo Carlo Quintavalle: Max Bill. Università Commune Provincia di Parma, Quaderni 38, 1977.
  •  Frank Raberg: Biografisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm 1802–2009. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm im Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-8040-3, S. 43.
  • Thomas Reinke und Gordon Shrigley: Max Bill: HfG Ulm: Drawing and Redrawing: Atelierwohnungen, Studentenwohnturm. marmalade, 2006, ISBN 978-0-9546597-1-4.
  • Emil Schwarz: Im Wissen der Zeit oder Der Sinn, den die Schönheit erzeugt, Hommage à Max Bill, ein dichterischer Nachvollzug mit dem Essay Wirklichkeit oder Realität. NAP Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-9523615-4-2.
  • Werner Spies: Kontinuität. Granit-Monolith von Max Bill. Deutsche Bank, 1986, ISBN 3-925086-01-3.
  • René Spitz: hfg ulm. der blick hinter den vordergrund. die politische geschichte der hochschule für gestaltung ulm 1953–1968. Stuttgart/London 2002. ISBN 3-932565-16-9. (Zur Geschichte der HfG Ulm von der Gründung 1953 bis zur Schließung 1968.)
  • Angela Thomas: Max Bill und seine Zeit. 2 Bände. Scheidegger & Spiess, Zürich:
  • Jakob Bill: Max Bill am Bauhaus. Benteli, Bern 2008, ISBN 978-3-7165-1554-9.
  • Udo Weilacher: Kontinuität (Max Bill). In: Udo Weilacher: Visionäre Gärten. Die modernen Landschaften von Ernst Cramer. Basel/Berlin/Boston 2001, ISBN 3-7643-6568-4.
  • Roberto Fabbri: Max Bill in Italia. Lo spazio logico dell'architettura, Bruno Mondadori Editore, Milano 2011, ISBN 978-88-6159-606-1.
  • Da Silva Paiva, Rodrigo Otávio: Max Bill no Brasil, 2011, ISBN 978-3-943347-13-5.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Max Bill – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Schmid: Der politische Bill. In: maxbillfilm.ch, 21. November 2007.
  2. a b Max Bill – das absolute Augenmass. In: maxbillfilm.ch (Film von Erich Schmid).