Peiting
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Oberbayern | |
| Landkreis: | Weilheim-Schongau | |
| Höhe: | 718 m ü. NN | |
| Fläche: | 75,14 km² | |
| Einwohner: |
11.624 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 155 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 86971 | |
| Vorwahl: | 08861 | |
| Kfz-Kennzeichen: | WM | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 1 90 140 | |
| Adresse der Marktverwaltung: |
Hauptplatz 2 86971 Peiting |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Michael Asam (SPD) | |
| Lage von Peiting im Landkreis Weilheim-Schongau | ||
Peiting ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.
Umgeben von den Moränenhügeln Schlossberg, Kalvarienberg, Schnaidberg und Bühlach ist Peiting ein Ort, der sich trotz der Bevölkerungszunahme nach dem Zweiten Weltkrieg seinen bayerisch-dörflichen Charakter erhalten konnte. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sind außerhalb des Ortskerns in verschiedenen Weilern angesiedelt. Zur Gemeinde Peiting gehört auch die Siedlung Herzogsägmühle, eine Einrichtung der Diakonie. Der Ortsname leitet sich vermutlich von dem Adelsgeschlecht der Peutinger ab das sich wohl schon im 6. Jahrhundert im Ortsgebiet ansiedelte.[2] Geschichtlich am bedeutungsvollsten ist der Ort als Stammsitz der hier einst ansässigen Welfen.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Peiting liegt in der Region Oberland.
Gemarkungen [Bearbeiten]
- Birkland
- Peiting
Dialekt [Bearbeiten]
Obwohl Peiting politisch zum Regierungsbezirk Oberbayern gehört, wird im Ort kein typisches (Mittel-)Bairisch gesprochen, sondern der Lechrainer Dialekt, welcher bairische und alemannische Sprachelemente verbindet und charakteristisch für das Gebiet unmittelbar östlich des Lechs ist.
Wappen [Bearbeiten]
Im Jahre 1438 verlieh Herzog Ernst Peiting dem Ort ein eigenes Ortswappen, das wittelsbachische Rautenwappen mit einem schrägen, roten Querbalken. Es war erst die vierte Wappenverleihung in Bayern an einen Ort.
Die weiß-blauen Rauten weisen zum einen an die stete Zugehörigkeit zu Altbayern und zum anderen an die engen Beziehungen der Gemeinde zu dem Hause Wittelsbach hin. Der rote Schräglinksbalken kann zur Unterscheidung vom landesherrlichen Rautenwappen dienlich gewesen sein. Die Gestaltung folgt der im Wappenprivileg von 1438 überlieferten Beschreibung. Das Wappen wurde durch Herzog Ernst von Bayern verliehen, alsgleich die Marktfreiheit.
Durch ministerielle Erlaubnis durfte die Gemeinde das historische Wappen im Jahre 1836 wieder führen, dennoch geriet es wieder in Vergessenheit.
Man stützte sich fortan bei der Darstellung des Wappens auf eine Überlieferung an einem Glasfenster der Kapelle Maria Egg ( Maria unter der Egg ) und sowie auf der Veteranenfahne.[3]
Geschichte [Bearbeiten]
Funde erster Besiedlung am Ostufer des Lechs reichen in das dritte vorchristliche Jahrtausend zurück.[4] Früheste Funde sind ein Steinbeil und Tonscherben.[5] Es gibt bronzezeitliche Gräber auf dem Bühlachberg, auch Kelten und Römer hinterließen Spuren.[4] Auf den „Neukirchwiesen“ war in der Römerzeit ein großer Gutshof mit vielen Nebengebäuden.[5] Nach den Römern besiedelten die Alemannen das Gebiet.[5]
Die erste urkundliche Erwähnung Peitings war 1055 als "neue" Burg Peiting der hier ansässigen Welfen, die Welfenburg befand sich auf dem Schlossberg und war Mittelpunkt aller Handlungen der Lechrainer Welfen. Diese Welfen nahmen u. a. auch an Kreuzzügen teil und gründeten die Klöster Rottenbuch und Steingaden. Die Peitinger Welfenlinie starb 1191 aus.[6] Der letzte dieser Linie war Welf VI.[7] Durch ein Erdbeben im Jahr 1348 stürzte die Welfenburg teilweise ein.[8] Im Jahre 1438 erhielt Peiting durch den bayerischen Herzog Ernst das Marktrecht. Die Stadt Schongau aber sah sich durch diese Herausstellung Peitings in "ihren Freiheiten beeinträchtigt" und bat den Herzog, den Peitingern das Marktrecht wieder abzusprechen. Das Ersuchen wurde aber abgewiesen und Herzog Albrecht bestätigte 1455 den Peitingern das Marktrecht erneut. 1490 wurde das Peitinger Marktgericht mit der Stadt Schongau vereinigt.[9] Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1632 wurde die Welfenburg von den Schweden vollständig zerstört.[8] Zur selben Zeit brach das "hitzige Fieber" (vermutlich Flecktyphus) aus, an dem in Peiting im Jahre 1632 etwa 400 Menschen starben.[10] Sowohl im Spanischen Erbfolgekrieg als auch im Österreichischen Erbfolgekrieg fielen feindliche Truppen über Peiting her, brandschatzten und plünderten es.[11]
Peiting wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbstständige politische Gemeinde. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde ein Kohlebergwerk in Peiting errichtet. Nach 1945 kamen 1.500 Heimatvertriebene als Flüchtlinge nach Peiting. Im Jahre 1957 hatte das Kohlenbergwerk Peiting mit 882 Bergleuten und 47 Angestellten seinen höchsten Belegschaftsstand.[12] 1958 erhielt das damals größte Dorf Oberbayerns erneut das formelle Marktrecht.[8] 1968 wurde das Bergwerk geschlossen. Es folgte eine kurze wirtschaftliche Krise. Schnell siedelten sich neue Betriebe an.
Eingemeindungen [Bearbeiten]
Am 1. Januar 1976 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Birkland eingegliedert.[13]
Einwohnerentwicklung [Bearbeiten]
| Jahr | 1840 | 1900 | 1939 | 1961 | 1970 | 1987 | 2000 | 2005 | 2010 |
| Anzahl der Einwohner[14] | 1.727 | 2.361 | 5.495 | 8.385 | 9.664 | 10.319 | 11.834 | 11.924 | 11.848 |
Politik [Bearbeiten]
Bürgermeister ist Michael Asam (SPD).
Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 5.443.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 1.298.000 €.
Gemeinderat [Bearbeiten]
| Partei / Liste | Wahl 2008[15] | Wahl 2002[16] | ||
|---|---|---|---|---|
| Stimmenanteil | Sitze | Stimmenanteil | Sitze | |
| SPD | 46,4 % | 11 | 40,7 % | 10 |
| CSU | 36,5 % | 9 | 43,3 % | 11 |
| Bürgervereinigung | 17,1 % | 4 | 12,9 % | 3 |
| Deutsche Partei | - | - | 3,1 % | - |
| Gesamt | 100 % | 24 | 100 % | 24 |
| Wahlbeteiligung | 65,6 % | 62,3 % | ||
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1998 insgesamt 3674. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine, im Bauhauptgewerbe 14 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 135 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 3488 ha. Davon waren 185 ha Ackerfläche und 3293 ha Dauergrünfläche.
Öffentliche Einrichtungen [Bearbeiten]
Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):
- Kindergärten: 347 Kindergartenplätze mit 375 Kindern
- Volksschulen: 3 mit 45 Lehrern und 897 Schülern
- Peitinger Wellenfreibad mit Volleyballplatz
Verkehr [Bearbeiten]
Peiting ist Knotenpunkt dreier Bundesstraßen. Die B 472 verläuft von Irschenberg über Bad Tölz nach Marktoberdorf in Ost-West-Richtung. Die B 17 verläuft von Augsburg nach Füssen in Nord-Süd-Richtung. Die B 23 ist die schnellste Verbindung von Peiting nach Garmisch-Partenkirchen und weiter zum Grenzübergang nach Scharnitz in Tirol. Bis Anfang der 1990er Jahre litten die Anwohner unter Stau und Verkehrslärm, heute jedoch kann der Ortskern auf der gut ausgebauten Umgehungsstraße umfahren werden.
Es gibt zwei Bahnhöfe in Peiting an der Bahnstrecke Weilheim–Schongau:
- Peiting Ost und
- Peiting Nord
Auf dieser Strecke verkehren im Stundentakt Dieseltriebwagen der Bayerischen Regiobahn. Zu Bergbauzeiten hatte das Bergwerk einen eigenen Gleisanschluss, der nach Beendigung des Abbaus durch anderen Firmen weiter in Betrieb war.[17] Außerdem gab es früher ab Peiting Ost eine Schmalspurbahn zum Torfwerk im Schwarzlaichmoor.
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Museen [Bearbeiten]
- Museum im Klösterle
Bauwerke [Bearbeiten]
- Der Funkturm Rottenbuch ist mit 62,5 m Höhe der höchste Holzturm Deutschlands und möglicherweise das vierthöchste derzeit existierende Holzbauwerk der Welt (Stand 2012). Nur der 118 m hohe Sendeturm in Gleiwitz, der 100m hohe Turm der Windkraftanlage Hannover-Marienwerder[1] und das 66,72 m hohe „bahnorama“ neben der Baustelle des Wiener Hauptbahnhofs sind höher.
- Das ortseigene Windkraftrad, das trotz vieler Proteste auf dem Bühlach errichtet wurde, und heute von einer privaten Investorengemeinschaft betrieben wird.
siehe auch Liste der Baudenkmäler in Peiting
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Ehrenbürger [Bearbeiten]
- Michael Zieglmeier (1874–1959), Oberbergdirektor[18]
- Karl Fliegauf, Altbürgermeister und Ortschronist;[19] im Amt von 1954 bis 1978
- Michael Dacher (1933–1994), Extrembergsteiger[20]
Söhne und Töchter der Gemeinde [Bearbeiten]
- Placidus Braun (1756–1829), deutscher Kirchenhistoriker
- Hubert Filser (1959–2012), römisch-katholischer Theologe und Dogmatiker
- Christine Echtler-Schleich (* 1963), Skibergsteigerin
- Martin Echtler (* 1969 in Peiting), Bergsteiger und Alpinsportler
- Markus Gleich (* 1987), Eishockeyspieler
Mit dem Ort verbundene Persönlichkeiten [Bearbeiten]
- Günther Neureuther (* 6. August 1955), zweifacher olympischer Medaillengewinner im Judo; wohnt in Peiting[21]
Sonstiges [Bearbeiten]
- Judoabteilung
- Eishockeyverein EC im TSV Peiting
- Fußballverein FA Peiting
- Villa Rustica Peiting
- Fischereiverein Peiting
- Das Moor bei Peiting ist Fundort der ca. 1000 Jahre alten Frau von Peiting, auch "Rosalinde" genannt.
- Perfekte Anbindung an unzählige, auch kartographierte Radwege z.B. der König Ludwig Radweg
- Kegelverein SKV im TSV Peiting spielt in der 1. Bundesliga 120 Wurf
Literatur [Bearbeiten]
- Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting in fünf Bänden
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Quartale (hier viertes Quartal, Stichtag zum Quartalsende) (Hilfe dazu)
- ↑ vgl. Das Geschlecht der Peutinger - Ministrale der Welfen. In: Karl Fliegauf: Chronik der Gemeinde Peiting, Band 1, Seite 159 ff
- ↑ Wappen- und Marktprivileg vom 28. Mai 1438; Ministerialentschließung vom 24. April 1836;
Hupp, Otto: Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer, Frankfurt am Main 1912, S. 57
Stadler, Klemens: Deutsche Wappen, Bd. 6, Bremen 1968, S. 39
Unser Landkreis Weilheim-Schongau, Bamberg 1986, S. 146 f. - ↑ a b Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern., Karl M Lipp Verlag München 2003, Band 1, Seite 238
- ↑ a b c Markt Peiting. In: Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), Seite 65 bis 69
- ↑ Peiting und Schongau (Altenstadt) unter den Welfen (1050-1200), Historischer Verein von und für Oberbayern, München 1920, Seite 4
- ↑ Peiting und Schongau (Altenstadt) unter den Welfen (1050-1200), Historischer Verein von und für Oberbayern, München 1920, Seite 8 f
- ↑ a b c Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern., Karl M Lipp Verlag München 2003, Band 1, Seite 239
- ↑ Karl Fliegauf: Peitinger Heimatfreund, Bd. 1, 27
- ↑ Ortsgeschichte von Peiting, abgerufen am 29. Oktober 2009
- ↑ Karl Fliegauf: Peitinger Heimatfreund, Bd. 1, Seite 29
- ↑ Paul Zerle: 135 Jahre Kohlenbergwerk Peissenberg 1837 - 1972, Seite 36
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595.
- ↑ Kommunalstatistik von Peiting, abgerufen am 22. Oktober 2010
- ↑ Kommunalwahl Peiting 2008: Gemeinderat, abgerufen am 22. Oktober 2010
- ↑ Ergebnis der Kommunalwahl 2002, abgerufen am 3. März 2011
- ↑ Peter Rasch: Die Nebenbahnen zwischen Ammersee, Lech und Wertach. Mit Ammerseebahn, Pfaffenwinkelbahn & Co rund um den Bayerischen Rigi. EOS Verlag, St. Ottilien 2011, 384 Seiten, Farbabbildungen, ISBN 978-3-8306-7455-9, S. 196–199
- ↑ Ehrenbürger. in: Max Biller: Hohenpeißenberger Heimatlexikon, 1998, Seite 178 f
- ↑ merkur-online.de, abgerufen am 6. März 2010
- ↑ Buchpräsentation von Michael Dacher, abgerufen am 28. September 2010
- ↑ Weilheimer Tagblatt, 7. Juli 2011, Seite 1 Lokalteil
Weblinks [Bearbeiten]
- Offizielle Seite der Gemeinde
- Peiting: Wappengeschichte vom HdBG
- Peiting: Amtliche Statistik des LStDV (PDF; 1,24 MB)
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