Rüti ZH

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ZH ist das Kürzel für den Kanton Zürich in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Rütif zu vermeiden.
Rüti
Wappen von Rüti
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Zürich (ZH)
Bezirk: Hinwilw
BFS-Nr.: 0118i1f3f4
Postleitzahl: 8630
UN/LOCODE: CH RUI
Koordinaten: 707256 / 23549747.2616638.855829482Koordinaten: 47° 15′ 42″ N, 8° 51′ 21″ O; CH1903: 707256 / 235497
Höhe: 482 m ü. M.
Fläche: 10.19 km²
Einwohner: i11'968 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 1174 Einw. pro km²
Website: www.rueti.ch
Blick vom Batzberg auf Rüti

Blick vom Batzberg auf Rüti

Karte
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Über dieses Bild
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Rüti ist eine politische Gemeinde im Bezirk Hinwil des Kantons Zürich in der Schweiz.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung

In Gold ein rotes gotisches R

Geographie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt durchschnittlich 465 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt befindet sich mit 771 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Batzberg zwischen Rüti und Wald ZH. Durch Rüti fliesst der Fluss Jona.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gegend wurde vermutlich im 8. und 9. Jahrhundert besiedelt. Der Ortsteil Fägswil wurde 807 in einer Sankt Galler Urkunde zum ersten Mal genannt. In einer Urkunde von Kaiser Otto II. (955–983) aus dem Jahre 972 wurde Rüti als Riutun bezeichnet. Der Name geht auf das schweizerdeutsche Wort Rüti zurück. Es bedeutet „Rodung, von Holzwuchs und Buschwerk gereinigtes, urbar gemachtes Stück Land”[2].

1206 wurde das Kloster Rüti durch Lütold IV. von Regensberg gegründet. Um das Kloster entstand ein kleinbäuerliches Dorf, dessen Bewohner Ackerbau, Viehwirtschaft, landwirtschaftliche Lohnarbeit und Textilverarbeitung betrieben. Auf dem Batzberg erbaute ein Zweig der Meyer von Dürnten, Ministerialen der Grafen von Toggenburg und des Klosters Einsiedeln, östlich von Fägswil eine Burg, die im 14. Jahrhundert aufgegeben worden scheint und von der heute nur noch Reste des Halsgrabens zu erkennen sind. 1238 erwarb das Kloster Rüti die freien Leute des heutigen Ortsteils Ferrach von den Grafen von Toggenburg für 80 Mark Silber Zürcher Währung und übernahm Rechte und Pflichten der Toggenburger Vogtei. Das Kloster vertrat damit erstmals öffentlich-rechtliche Funktionen, die Kaufurkunde wurde für die nächsten 300 Jahre zur Öffnung (Gemeindeordnung) für die Bewohner des Weilers, die jeweils an Gerichts- und Schwörtagen vorgelesen wurde.

1408 kam Rüti als Teil der Landvogtei Grüningen unter Zürcher Obrigkeit. Das Klostergut ging nach Aufhebung des Klosters im Zuge der Reformation in den Besitz der Stadt Zürich über, die es im Amt Rüti zusammengefasst durch einen Amtmann verwalten liess. Das Amthaus, das Innere des Kirchenturms und Teile des Kirchenschiffs sowie mehrere der verbliebenen Klostergebäude fielen am 3. Dezember 1706 einem Grossbrand weitgehend zum Opfer und machten 1710 dem Neubau des Amtshauses Platz. Bereits 1833 wurde das Amt Rüti aufgehoben, die noch verbliebenen Kloster- und Wirtschaftsgebäude wurden verkauft und mehrheitlich abgebrochen.

Blick von der Schanz auf die verbliebenen Klostergebäude, im Hintergrund die reformierte Kirche (vor 1706)

Rüti verfügte bereits ab Mitte des 16. Jahrhunderts über eine eigene Volksschule im Pfarrhaus – gegründet auf Heinrich Bullingers Initiative hin von den in Rüti verbliebenen Prämonstratenser-Chorherren – und war ein Quartier in der Zürcher Militärorganisation. Als Grenzwehr entstanden kurz vor dem Ersten Villmergerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts Befestigungen, die sogenannte Schanz nördlich des Amthauses. Im Pilgersteg wurde 1866 der erste katholische Gottesdienst im Zürcher Oberland nach der Reformation gefeiert. In Tann, in der Gemeinde Dürnten, steht seit 1879 die katholische Pfarrkirche der 1963 bis 1964 geschaffenen katholischen Kirchgemeinde Rüti.

Das Dorf nahm erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1847 entstand die Webereimaschinenfabrik Caspar Honegger in der Joweid, die spätere Maschinenfabrik Rüti AG mit weltweiten Beziehungen, später Teil des G+F Konzerns, Sulzer Textil und seit 2001 im Besitz der italienischen Promatech. 1833 erhielt Rüti Anschluss an das kantonale Strassennetz und 1859 an die Bahnstrecke Zürich–Uster–Rapperswil. Letztere wurde 1932 elektrifiziert und wird seit 1990 von der S-Bahn Zürich befahren. 1873 eröffnete die Nagelfabrik Hess Pilgersteg, 1886 die Federnfabrik Baumann & Cie (Heute: Baumann Federn AG) und 1895 die Zentralheizungen Johann Müller AG. Die Gemeindewerke begannen 1897 ihre Tätigkeit, die Post im Jahre 1911.

Das regionale Einkaufszentrum Bandwies besteht seit den 1970er-Jahren. Das 1875 eröffnete Krankenhaus, später Kreisspital, ist im Jahre 2000 aus finanziellen und politischen Gründen geschlossen worden. Heute sind in den Gebäuden das Rekrutierungszentrum der Armee und Zivilschutz für die Kantone Zürich, Schaffhausen und Thurgau. Die Gemeinde hat eine reformierte Kirche. Katholiken besuchen die Kirche in Tann. Im Jahr 2007 wurde das 1200 Jahr Jubiläum mit verschiedenen Anlässen und Festen gefeiert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Gemeindeverwaltung
Die evangelisch-reformierte Kirche, links das Amthaus mit der Gemeindebibliothek beim Klosterhof
Das Krematoriumsgebäude im Friedhof auf dem Chlaus, zusammen mit der reformierten Kirche seit November 2009 ein Objekt der Klasse A im KGS Inventar des Bundes
Die römisch-katholische Kirche in Tann, im Bildhintergrund der Bachtel
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1634 139
1764 701
1850 1'292
1900 4796
1950 6'647
1970 9'546
1990 10'513
2000 11'153
2010 11'934
2011[3] 11'802

Rüti hat über 10'000 Einwohner und ist somit eine Stadt, auch wenn das Leben in Rüti eher dörflich ist und das Stadtrecht nie erworben wurde. Der Ausländeranteil liegt bei über 20 Prozent. Die Einwohnerzahl überstieg 1971/72 erstmals die Grenze von 10'000 Einwohnern, sank aber in den nächsten Jahren infolge der Rezession markant, um in den späten 1990er Jahren wieder deutlich anzusteigen.

Religion[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 2011 gehörten 33,2 % der Bevölkerung der evangelisch-reformierten Kirche und 31,8 % der römisch-katholischen Kirche an.[4]

In der regionalen Sektion der Evangelischen Allianz sind von den in Rüti sich versammelnden Kirchen die evangelisch-reformierte Kirche, die Chrischona-Gemeinde, die Evangelische Täufergemeinde ETG und die Pfingstgemeinde mit dabei.[5]

Von den anderen Freikirchen sind in Rüti die Freie Evangelische Gemeinde[6] und die Neuapostolische Kirche vertreten.[7]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich aus folgenden Personen zusammen (Stand 2014)[8]:

  • Peter Luginbühl, FDP
  • Markus Hengartner, FDP
  • Carmen Müller Fehlmann, SP
  • Peter Weidinger, CVP
  • Esther Kaufeld, EVP
  • Markus Maeder, SP
  • Christa Thoma Kuster, CVP
  • Christoph Baggenstos, CVP
  • Marie-Therese Büsser, GLP

Der Gemeindepräsident wird am 18. Mai 2014 in einem zweiten Wahlgang gewählt. Es kandidieren Peter Luginbühl und Carmen Müller Fehlmann.

Kantonsrat[Bearbeiten]

Im Kantonsrat des Kantons Zürich sitzen drei in Rüti wohnhafte Personen:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Rüti beheimatet Geschäfte wie Coop, Migros, Denner und Dosenbach. Alle grossen Läden ausser Denner sind an der Bandwiesstrasse zu finden, welche das Zentrum von Rüti bildet. Die zwei grössten Einkaufszentren sind, wie fast in jeder grösseren Stadt in der Schweiz, der Coop und die Migros. Der Coop ist im Jahre 2001 in ein grösseres Gebäude gezogen. Die Migros wurde im Jahre 2004 umgebaut und das Sortiment erweitert.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat zwei Anschlüsse an die Oberlandautobahn (A53). Rüti liegt an der Bahnstrecke Rapperswil–Uster–Zürich (Glatthalbahn) und ist zudem Ausgangspunkt der ehemaligen Tösstalbahn. Bedient wird der Bahnhof Rüti von den Linien S 5 , S 15 (seit Dezember 2006) und S 26 (Tösstallinie) der S-Bahn Zürich:

Die Verkehrsbetriebe Zürcher Oberland (VZO) betreiben seit 1946 ein dichtes Busnetz im Zürcher Oberland, wozu auch seit 1988 ein gut ausgebautes Ortsbusnetz in Rüti gehört.

Es existieren folgende Buslinien, die durch die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) bedient werden:

Daneben existiert folgende Buslinie, die durch die Schneider AG bedient wird:

Industrie[Bearbeiten]

Als wichtigster Industriezweig in Rüti galt lange Zeit die Textil- und Webmaschinenindustrie.

  • 1816: Baumwollspinnerei Honegger im Wydacher
  • 1857–1960: Mechanische Seidenweberei Rüti
  • 1873: Nagelfabrik Hess im Pilgersteg
  • 1886: Federnfabrik Baumann & Cie. (Heute: Baumann Federn AG)
  • 1895: Zentralheizungen Johann Müller AG
  • 1904: Bettenfabrik Embru
  • bis 1982: Maschinenfabrik Rüti, Teil des Georg Fischer Konzerns
  • Ab 1982: Sulzer AG, welche jedoch im Jahr 2001 das Unternehmen Sulzer Textil gänzlich an italienische Besitzer verkaufte

In Rüti fand eine Umstellung vom Industriedorf zum Dienstleistungsdorf statt.

Bildung[Bearbeiten]

Sekundar- und Realschule, rechts die Turnhalle (2011)

Rüti hat zehn Schulhäuser. Die Berufsschule am Sonnenplatz für die Technische Ausbildung, die Schulhäuser Widacher, Lindenberg, Schlossberg, Eschenmatt, Alpenblick, Ferrach und Fägswil für die Primarschule und das Schulhaus Schanz und Egg für die Sekundarschule. Mit der 2004 abgeschlossenen Gesamterneuerung wurden die bislang zwei getrennten Gebäudekomplexe zusammengefasst.[9]

Kultur[Bearbeiten]

Die Gemeinde hat ein reiches Vereinsleben mit rund 120 Vereinen aller Art, ein Ortsmuseum ("Gemeindechronik") und seit 2013 eine erweiterte Bibliothek für Rüti und dessen Nachbargemeinde Dürnten. Die Reformierte Kirche Rüti und das Krematoriumsgebäude im Friedhof auf der Chlaus-Anhöhe sind seit November 2009 als Objekte der Klasse A im KGS Inventar des Bundes aufgenommen.

Freizeit und Erholung[Bearbeiten]

Nahe dem Reiterhof liegen die zwei Naherholungsgebiete Grossweier und Neu York, eine Rodung in der Nähe von Fägswil. Ein Ausflugsziel ist der Zürcher Oberländer Hausberg, der Bachtel. Auf den Wanderwegen durch Wälder, Naturschutzgebiete und Weiler, entlang von Bächen, Weihern und Wasserfällen zu den Aussichtspunkten, kann man sich am Bachtel mit seinem markanten Sendeturm und dem zwischen Wald und Rüti gelegenen Batzberg (777 m.ü.M.) orientieren. Zu den weiteren Naherholungsgebieten zählen der Rütiwald mit verzweigten Spazierwegen und Vita-Parcours zwischen Bubikon und Rüti sowie das ausgedehnte Gebiet des Jonawalds entlang des gleichnamigen Flusses an der Gemeindegrenze zu Rapperswil-Jona. Der Fluss hat auch ein ausgeprägtes Tobelgebiet zwischen Wald und Rüti respektive Tann geformt, das Tannertobel, das weiter südwestlich in das breite Flusstal der Joweid übergeht, dem einstigen Industrieareal der Georg Fischer AG respektive Sulzer, das sich zu einem Dienstleistungszentrum gewandelt hat. Das vom gleichnamigen Zufluss der Jona gebildete Schwarztöbeli zwischen Bubikon und Rüti erfreut sich bei Naherholungssuchenden ebenfalls grosser Beliebtheit; es beherbergt unter anderem an der Gemeindegrenze zu Bubikon einen rund 12m hohen Wasserfall, das Schwimmbad (Badi an der Schwarz) der Gemeinde und einen Bike-Park beim Zivilschutzzentrum. Rüti ist zudem ein Etappenpunkt am Jakobsweg und Teil des Fernwandernetzes.

Blick von der Schanz über das Stadtzentrum. Im Bildhintergrund links der Bachtel, rechts der Batzberg, im Vordergrund rechts der Klosterhof.

Sonstiges[Bearbeiten]

Heute ist Rüti bei Auswärtigen vor allem für sein Rekrutierungszentrum des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) für die Kantone Zürich, Zug, Schaffhausen und Thurgau bekannt, welches 2003 im ehemaligen Spitalgebäude errichtet worden ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Caspar Honegger (* 12. Dezember 1804 in Rüti, † 7. Januar 1883 in Rüti), Entwickler des „Honegger-Webstuhls“, Gründer der ersten Fabrikkrankenkasse der Schweiz
  • Rudolf Zender (* 27. Juni 1901 in Rüti, † 1988), Maler, Grafiker und Zeichner
  • Albert Zweifel (* 7. Juni 1949 in Rüti), Radsportler, 5facher Weltmeister

Literatur[Bearbeiten]

  • Urs Amacher: Die Prämonstratenser und Prämonstratenserinnen in der Schweiz, Helvetia sacra Band IV/ 3, bearbeitet von mehreren Autoren, redigiert von Bernard Andenmatten und Brigitte Degler-Spengler, Basel 2002. Rüti ZH, Prämonstratenser, S. 501–531.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rüti ZH – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Schweizerisches Idiotikon Bd. VI Sp. 1811ff..
  3. http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/aktuell/mitteilungen/2012/bev_2011.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
  4. http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/aktuell/mitteilungen/2012/bev_2011.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
  5. http://www.each.ch/ea-r%C3%BCti-tann-d%C3%BCrnten.html (abgerufen am 27. Februar 2012).
  6. http://www.feg-rueti.ch/ (abgerufen am 27. Februar 2012).
  7. http://www.rueti.ch/dorfleben/kirchen/ev.-freikirchen (abgerufen am 27. Februar 2012).
  8. Gemeinderat Rüti In: Zürcher Oberländer. 30. März 2014. Abgerufen am 30. März 2014.
  9. http://www.osrueti.ch/p80000412.html Geschichte der Sekundarschule Rüti (abgerufen am 23. Juli 2011).