Seifhennersdorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Seifhennersdorf
Seifhennersdorf
Deutschlandkarte, Position der Stadt Seifhennersdorf hervorgehoben
50.93333333333314.616666666667360Koordinaten: 50° 56′ N, 14° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Höhe: 360 m ü. NHN
Fläche: 19,13 km²
Einwohner: 3935 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 206 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02782
Vorwahl: 03586
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 530
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 01
02782 Seifhennersdorf
Webpräsenz: www.seifhennersdorf.de
Bürgermeisterin: Karin Berndt (UBS)
Lage der Stadt Seifhennersdorf im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Seifhennersdorf (obersorbisch Wodowe Hendrichecy) ist eine sächsische Landstadt im Landkreis Görlitz. Sie liegt im Südosten von Sachsen in den Tälern der Mandau und des Leutersdorfer Wassers, direkt an der Grenze zu Tschechien.

Ortslagen[Bearbeiten]

Neben dem sich entlang der Mandau erstreckenden Niederhennersdorf sind die im Tale des Leutersdorfer Wassers gelegenen Ansiedlungen Seifen und Scheibe zu einem Ort zusammengewachsen, ebenso wie die unterhalb der Einmündung des Baches im Mandautal befindlichen Häuser der Läuterau. Unmittelbar an der böhmischen Grenze bei Varnsdorf (deutsch Warnsdorf) liegt die Ortslage Halbendorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Kaiserliches Postamt in Seifhennersdorf 1915

Der Ort Seifhennersdorf entstand nach 1250 und wurde vermutlich von mainfränkischen Bauern als Waldhufendorf gegründet. Das Dorf, das im 14. Jahrhundert als „Henrych“, „Heinrichstorph“ bzw. „Henricivilla“ bezeichnet wurde, war Teil der Herrschaft Tollenstein. 1584 wurde das Niederdorf („Niederhennersdorf sammt den Seiffen“) durch den Stadtrat der Stadt Zittau für 16.000 Taler und 100 ungarische Gulden aufgekauft[2], während das Oberdorf („Oberhennersdorf“, heute Horní Jindřichov) im Besitz der Tollensteiner verblieb. Das reine Bauerndorf entwickelte sich zu einem Weberdorf. In der Umgebung entstanden seit dem 17. Jahrhundert kleinere Ansiedlungen böhmischer Exulanten. Zwischen 1780 und 1800 entstand der heutige Ortsname Seifhennersdorf. Im Nordosten des Ortes befand sich der „Große Teich“, in dem bis zu seinem Bruch im Jahr 1803 das Leutersdorfer Wasser gestaut wurde und der eine Fläche von 22,7 ha hatte.

Besonders ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ortstypischen Umgebindehäuser gebaut, die heute zum Teil unter Denkmalschutz stehen. Zwischen 1796 und 1798 entstand nach Plänen des Baumeisters Carl Christian Eschke an Stelle der alten Dorfkirche ein neuer Kirchenbau. Die im klassizistischen Stil errichtete Kreuzkirche bot 2.450 Menschen Platz, der Kirchensaal war mit drei umlaufenden Emporen umbaut.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden bekannte Webereien, die Konfektionsbetriebe und die „Große Schneiderei“, die Maschinenfabrik, die Holzschuh- und Pantoffelfabrik sowie andere Industriezweige. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden kleinere Braunkohlenlagerstätten erschlossen. Neben dem „Schwarzkohlenwerk am großen Teich“ befand sich in der Läuterau die „Einigkeitszeche“ und bei Halbendorf die „Heilige Dreifaltigkeit Zeche“, letztere beide wurde von den Kaufleuten Gebr. Wehnert aus Warnsdorf betrieben. Am Richterberg begann zum Ende des 19. Jahrhunderts der Abbau von Polierschiefer. 1874 erhielt Seifhennersdorf einen Eisenbahnanschluss nach Eibau, der Streckenschluss nach Zittau erfolgte erst 1876.

Der Bau der genannten Fabriken, des Bahnhofs, des 190 m langen Viadukts, neuer Schulen und Straßen sowie des Gas- und Wasserwerks veränderte das Ortsbild nach 1870 merklich. Im Jahre 1900 existierten 78 Bauerngüter in Seifhennersdorf. 1903 erfolgte die endgültige Einstellung des Kohlenabbaus.

1925 wurde in Nachbarschaft der Kreuzkirche ein neues Rathaus errichtet. In der Nacht vom 22. zum 23. März 1935 brannte die Kreuzkirche aus. Der Wiederaufbau konnte bereits 1936 abgeschlossen werden. An Stelle der vernichteten Innenausstattung gestaltete Richard Schiffner aus Zittau das Kircheninnere neu.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb Seifhennersdorf weitgehend von Kampfhandlungen und damit einhergehenden Zerstörungen verschont. Zum Kriegsende am 8. Mai 1945 befanden sich die sowjetischen Streitkräfte im Neugersdorfer Wald und konnten somit am darauf folgenden Tag den Ort kampflos besetzen.

1950 wurde nahe des Waldbades Silberteich das Zentrale Pionierzeltlager „Rosa Luxemburg“, das heutige KiEZ „Querxenland“, errichtet.[3]

Im Jahr 1974 erhielt Seifhennersdorf das Stadtrecht. Am 30. August 2009 lehnten die Bewohner der Stadt die für 2011 vorgesehene Gründung einer Stadt Oberland als Zusammenschluss mit Neugersdorf und Ebersbach/Sa. mit einer Mehrheit von 65 % ab.

Ortsnamenformen[Bearbeiten]

  • Seifhennersdorf: 1352: Henrici villa apud Romberch, 1358: Heinrichstorf, 1384: Henricivilla prope Romberg, 1402: im Seiffen, in den Seyffen zu Heinrichsdorff, 1447: Heynerstorff am Seyffe, 1483: Hennersdorff im Seiffenn, 1584: Niederhennersdorf sammt den Seiffen, 1657: Hennersdorf in Seiffen, 1836: Seifhennersdorf
  • Ortsteil Halbendorf: 1566: Klein Hennerßdorf, 1696: Halbendorf, 1719: das halbe Dorf, 1805: das Halbedorf, 1899: Halbendorf

Verwaltungszugehörigkeit[Bearbeiten]

Ehemaliger Kretscham in Seifhennersdorf (2011 abgerissen)

1777: Bautzener Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Großschönau, 1952: Landkreis Zittau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner[4]
1777 71 besessene Mann,
124 Gärtner,
309 Häusler,
5 Wüstungen
1834 5107
1871 6309
1890 6998
1910 8116
1925 8143
1939 7850
1946 9181
1950 9508
1964 8670
1990 6874
2000 5241
2009 4300

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[5]
Wahlbeteiligung: 53,4 % (2004: 51,7 %)
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,1 %
23,9 %
13,0 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+18,0 %p
-9,4 %p
-1,3 %p
-7,2 %p

Stadtrat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgender Verteilung der 14 Sitze im Stadtrat:[6]

Wappen[Bearbeiten]

Der Adler links oben weist auf die ehemalige Zugehörigkeit Seifhennersdorf zu Zittau hin. Die Waage rechts oben steht als Symbol für die Gerechtigkeit. Die Spindel links unten bezeugt die ansässige Textilindustrie und die Eichenknüppel rechts unten erinnern an den ehemaligen böhmischen Grundherrn Hronovice. Das S im Zentrum steht für den Ortsnamen.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der ehemalige Bahnhof in Seifhennersdorf

Seifhennersdorf liegt an der Bahnstrecke Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau und besitzt einen Bahnhofsbau aus der Zeit der Inbetriebnahme der Strecke, welcher jedoch nicht mehr genutzt wird. Die Strecke nach Eibau ist stillgelegt, der Bahnübergang wurde abgebaut. Vor der Bahnhofseinfahrt wurde ein „provisorischer“ Haltepunkt errichtet, der seit dem 12. Dezember 2010 von der Vogtlandbahn bedient wird. Durch die KVG Dreiländereck bestehen Busverbindungen nach Eibau, Neugersdorf, Zittau und Olbersdorf. Außerdem gibt es zwei Grenzübergänge zu den Nachbarstädten Rumburk (Rumburg) und Varnsdorf (Warnsdorf).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf dem 429 m hohen Burgsberg (Hrádek) direkt hinter der Landesgrenze in Warnsdorf errichtete der Architekt Möller 1904 ein luxuriöses Ausflugsrestaurant. Dieses markante Objekt auf dem Hausberg von Seifhennersdorf und Warnsdorf verfiel nach 1945 immer mehr. In den letzten Jahren erfolgte durch einen grenzüberschreitenden Förderverein eine Sanierung des zur Ruine verkommenen Bauwerkes, das bereits zu einem großen Teil in seiner alten Schönheit wieder hergestellt werden konnte.

Im Stadtgebiet befindet sich neben dem Kindererholungszentrum „KiEZ Querxenland“ das Wald- und Erlebnisbad „Silberteich“.

Museen[Bearbeiten]

Seifhennersdorfer Kreuzkirche

Das Karasek-Museum befindet sich neben dem Rathaus und ist bekannt für eine original eingerichtete Oberlausitzer Heimatstube sowie die Darstellung des Räuber- und Schmugglerunwesens am Ende des 18. Jahrhunderts mit besonderer Erwähnung des Räuberhauptmanns Johannes Karasek.

Das private Eisenbahnmuseum der Familie Frey auf der Arno-Förster-Straße wurde am 9. Juni 2001 eröffnet. Neben einer H0-Modellbahnanlage, die eine Fläche von 22 m² aufweist, umfasst die Ausstellung des Fleischermeisters Frey weitere Modelleisenbahnen sowie Blechspielzeug.

In der Ortslage Läuterau kann die Puppensammlung der Familie Büttrich besichtigt werden. Das Puppenmuseum beherbergt mit 1700 Exemplaren die größte Puppensammlung Sachsens. Auf einer Ausstellungsfläche von 90 m² sind Puppen, Teddys sowie 30 Puppenstuben zu sehen.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Ein Gedenkstein aus dem Jahre 1949 vor dem Rathaus erinnert an alle Opfer des Faschismus. Ein Gedenkstein direkt vor dem Rathaus erinnert an alle Opfer von Krieg und Gewalt. Zwei Gedenksteine in Seifhennersdorf, im Kindererholungszentrum und im Naturheilpark, erinnern an Ernst Thälmann.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 2000 Max-Heinz Farke (1913–2003), evangelischer Pfarrer
  • 2008 Herbert Vogt, Maler

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.seifhennersdorf.de/stadtverwaltung_ortsgeschichte.php
  3. Waldbad Silberteich. In: Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1970, S. 64.
  4. Seifhennersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_w04_ver.prc_ver?p_bz_bzid=GR09&p_ebene=GE&p_ort=14626530
  6. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014 in Seifhennersdorf auf www.statistik.sachsen.de. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 28. Mai 2014.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Moritz Kind: Geschichte von Seifhennersdorf. Seifhennersdorf 1892 (Digitalisat)
  • Cornelius Gurlitt: Seifhennersdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 29. Heft: Amtshauptmannschaft Zittau (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1906, S. 226.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Seifhennersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien