Rietschen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Rietschen
Rietschen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Rietschen hervorgehoben
51.39722222222214.7875143Koordinaten: 51° 24′ N, 14° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Görlitz
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Rietschen
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 72,76 km²
Einwohner: 2637 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02956
Vorwahl: 035772
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 460
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Forsthausweg 2
02956 Rietschen
Webpräsenz: www.rietschen-online.de
Bürgermeister: Ralf Brehmer (FWV Rietschen)
Lage der Gemeinde Rietschen im Landkreis Görlitz
Bärwalder See Berzdorfer See Talsperre Quitzdorf Talsperre Quitzdorf Polen Tschechien Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Bad Muskau Beiersdorf Bernstadt a. d. Eigen Herrnhut Bertsdorf-Hörnitz Boxberg/O.L. Boxberg/O.L. Dürrhennersdorf Ebersbach-Neugersdorf Kottmar (Gemeinde) Gablenz (Oberlausitz) Görlitz Görlitz Groß Düben Groß Düben Großschönau (Sachsen) Großschweidnitz Hähnichen Hainewalde Herrnhut Hohendubrau Horka Jonsdorf Kodersdorf Königshain Krauschwitz (Sachsen) Kreba-Neudorf Lawalde Leutersdorf (Sachsen) Löbau Markersdorf (Sachsen) Markersdorf (Sachsen) Mittelherwigsdorf Mücka Mücka Neißeaue Neusalza-Spremberg Kottmar (Gemeinde) Niesky Kottmar (Gemeinde) Oderwitz Olbersdorf Oppach Ostritz Oybin Quitzdorf am See Reichenbach/O.L. Rietschen Rosenbach Rothenburg/Oberlausitz Schleife (Sachsen) Schönau-Berzdorf auf dem Eigen Schönbach (Sachsen) Schöpstal Seifhennersdorf Reichenbach/O.L. Trebendorf Trebendorf Vierkirchen (Oberlausitz) Waldhufen Weißkeißel Weißwasser/Oberlausitz Zittau Zittau Landkreis Bautzen BrandenburgKarte
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Kirche in Rietschen

Rietschen, obersorbisch Rěčicy, ist eine Gemeinde im Landkreis Görlitz im Osten des Freistaates Sachsen. Die Gemeinde ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Rietschen.

In der Gemeinde leben etwa 2800 Einwohner, 1150 davon im gleichnamigen Hauptort. Die Gemeinde liegt vollständig im sorbischen Siedlungsgebiet der Oberlausitz, der Großteil der Orte ist jedoch bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts weitestgehend germanisiert.

Geographie[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen

Der Ortsteil Rietschen wiederum gliedert sich in die Orte

  • Rietschen (1158 Einwohner),
  • Neuhammer (Nowy Hamor, 201 Einwohner),
  • Nieder Prauske (Delnje Brusy, 351 Einwohner) und
  • Werda (179 Einwohner).

Weitere Siedlungen innerhalb der Gemeinde sind Feldhäuser, Heidehäuser, Neu-Daubitz und Walddorf.

Die Orte Berg, Linda, Mocholz, Publick, Tränke, Wunscha, Viereichen und Zweibrücken existieren heute zumeist tagebaubedingt nicht mehr.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde Rietschen befindet sich im nördlichen Teil des Landkreises. Sie liegt etwa 10 km nordwestlich der Stadt Niesky am Nordrand des Naturraumes Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet unweit der Muskauer Heide. Die Bundesstraße 115 und die Bahnstrecke Cottbus–Görlitz führen durch die Gemeinde. Mehrere Ortsteile werden vom Weißen Schöps durchflossen.

Im Westen schließt sich der Tagebau Reichwalde an, im Norden der Truppenübungsplatz Oberlausitz.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Umgebende Gemeinden sind Weißkeißel im Norden, Krauschwitz im Nordosten und Osten, Rothenburg/O.L. im Südosten, Hänichen und Niesky im Süden, die zur Verwaltungsgemeinschaft gehörende Gemeinde Kreba-Neudorf im Südwesten, und Boxberg/O.L. im Westen und Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Ortsgeschichte[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert westlich von Rietschen ausgegrabene Gefäße eines bronzezeitlichen Gräberfeldes belegen eine urgeschichtliche Besiedlung.

Die nach der Völkerwanderung größtenteils menschenleere Oberlausitz wurde erst ab dem 7. Jahrhundert von Slawen besiedelt, denen im Zuge der Ostexpansion deutsche Siedler folgten. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes, 1362 als Reczicz,[2] deutet auf eine ursprünglich slawische Siedlung am Fluss, dem Weißen Schöps.

Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts bestand im Ort ein Herrensitz, der bis Anfang des 17. Jahrhunderts zum Rittergut wurde. Der Gutshof mit seinen Feldern, Wiesen, Teichen und Wäldern war für die Gutssiedlung von immenser Bedeutung. Eingepfarrt war das Dorf bereits in vorreformatorischer Zeit nach Daubitz.

Das Königreich Sachsen musste 1815 beim Wiener Kongress große Gebietsabtretungen an das Königreich Preußen akzeptieren, darunter ein Großteil der 1635 im Zuge des Prager Friedens vom Königreich Böhmen erhaltenen Lausitz, so dass Rietschen ab 1815 für die nächsten 130 Jahre unter preußischer Verwaltung stand. Im Rahmen einer Verwaltungsreform kam der Ort 1816 an den neu gegründeten Landkreis Rothenburg (Ob. Laus.) in der preußischen Provinz Schlesien.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Anschluss an die Eisenbahnstrecke Berlin–Görlitz im Jahr 1867, verlor das Rittergut an Bedeutung und der Ort entwickelte sich zum Industriedorf. Den 1852 bestehenden Sägewerken folgten 1872 bis 1900 drei Glashütten und 1907 die Ton- und Bergbaugesellschaft Teicha.

Die 1885 in Rietschen eingerichtete Schule erhielt 1890 ein eigenes Gebäude. Vorher erfolgte der Schulbesuch bis 1847 in Daubitz und danach in der neuen Schule in Nieder Prauske. Ein weiterer Schulneubau erfolgte 1913.

Aufgrund der beständig gewachsenen Bevölkerung wurde 1911 beschlossen, eine Tochterkirche zu bauen, die in den Jahren 1914 bis 1916 zeitgleich mit dem Neubau der Daubitzer Kirche entstand. Die künstlerische Ausgestaltung übernahm, wie in Daubitz, Joseph Langer. Nach Rietschen wurden dann die Orte Werda, Hammerstadt, Linda, Neuliebel und Nieder Prauske gepfarrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Rietschen mit dem westlichen Teil der preußischen Oberlausitz wieder zum Land Sachsen und wurde 1952 dem Kreis Weißwasser im Bezirk Cottbus zugeordnet. 1956 wurde die Kirchgemeinde selbständig, und 1961 die Schule nochmals erweitert.

Auf dem Erlichthof, vormals das Gehöft Mocholz Nr. 31, stehen die ersten Gebäude der inzwischen entstandenen Erlichthofsiedlung.

In der Wendezeit brach die Industrieproduktion in Rietschen wie auch an anderen Industriestandorten ein. Ab 1991 entstand in Rietschen am Erlichtteich die Erlichthofsiedlung aus 200–300 Jahre alten Schrotholzhäusern, die aus den im Vorfeld des Tagebaus Reichwalde gelegenen Dörfern umgesetzt wurden.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. April 1938 gab es eine größere Zahl von Eingemeindungen im Landkreis Rothenburg (Ob. Laus.), in deren Rahmen Neuliebel nach Altliebel, Nieder Prauske und Werda nach Rietschen und Mocholz nach Viereichen eingemeindet wurden.

Nachdem Neuhammer am 1. Juli 1950 und Tränke am 1. Oktober 1962 nach Rietschen kamen und die Gemeinden Altliebel und Hammerstadt am 1. Januar 1973 nach Viereichen eingegliedert wurden, war die Zahl der Gemeinden auf dem heutigen Gebiet Rietschens auf vier gesunken.

Die verbliebenen vier Gemeinden Daubitz, Rietschen, Teicha und Viereichen schlossen sich am 15. März 1992 zur jetzigen Gemeinde Rietschen zusammen.

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 1990 war Eberhardt Meier Bürgermeister von Rietschen, bis er krankheitsbedingt 2010 aus dem Amt ausschied. Zu seinem Nachfolger wurde am 14. November 2010 Ralf Brehmer, langjähriger Bauamtsleiter in Rietschen, mit 63 % der Stimmen gewählt.[3]

Ortspartnerschaften[Bearbeiten]

Rietschen unterhält mit der Gemeinde Feldkirchen (bei München) und der polnischen Stadt Iłowa (deutsch: Halbau) Partnerschaften.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Personen aus der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen, die in der Gemeinde wirkten[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Forsthaus Altliebel Nr. 37 und das Gehöft Mocholz Nr. 31 (Erlichthof) stehen heute in der Erlichthofsiedlung
  • Erlichthof (Museumsdorf)
  • Wolfsausstellung im Erlichthof
  • Schulmuseum Daubitz
  • Forest Village Ranch mit Bisongehege in Daubitz-Walddorf

Bauwerke[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Grundschule Daubitz
  • Freie Schule Rietschen

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • St.Georgsfest in Daubitz am letzten April-Wochenende
  • Kinder- und Straßenfest in Werda am ersten Juli-Wochenende jedes Jahres
  • Countryfest in Daubitz am letzten Juni-Wochenende jedes Jahres
  • Herbstfest im September/Oktober
  • Wichtelfest am 1. Advent
  • Faschingsveranstaltungen des Rietschener Karnevals Club e.V. im Februar und November
  • Oktoberfest im September/Oktober

Verkehr[Bearbeiten]

Der Haltepunkt Rietschen liegt an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz. Es halten Züge der Linie OE 65 der Relation Cottbus–Görlitz–Zittau, die von der Ostdeutschen Eisenbahn betrieben wird.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Von der Muskauer Heide zum Rotstein. Heimatbuch des Niederschlesischen Oberlausitzkreises. Lusatia Verlag, Bautzen 2006, ISBN 978-3-929091-96-0, S. 245 f.
  •  Robert Pohl: Heimatbuch des Kreises Rothenburg O.-L. für Schule und Haus. Buchdruckerei Emil Hampel, Weißwasser O.-L. 1924.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Rietschen im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBürgermeisterwahl 2010 – Gemeinde Rietschen. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 19. November 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rietschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien