Bahnstrecke Berlin–Szczecin

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Berlin–Szczecin
Der Stettiner Bahnhof in Berlin im Jahre 1904
Der Stettiner Bahnhof in Berlin im Jahre 1904
Strecke der Bahnstrecke Berlin–Szczecin
Streckenverlauf
Kursbuchstrecke (DB): 200.20 Nordbf.–Bernau
200.80 Bornh. Str–Blankenburg
203 00 Berlin–Angermünde
209.60 Berlin–Eberswalde Hbf
209.66 Angermünde–Szczecin Gł
Streckennummer (DB): 6002 S-Bahn Berlin
6081 Gesundbr.–Angermünde
6328 Angermünde–Staatsgrenze
Streckennummer: 0409 Grenze–Szczecin Gumieńce
0408 Sz. Gumieńce-Szczecin Gł.
Streckenlänge: 134,5 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse: Biesenthal–Britz: CE,
sonst D4
Stromsystem: S-Bahn Berlin: 750 V =
Sz. Gumieńce-Szczecin Gł.: 3 kV =
Stromsystem: Berlin–Passow: 15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 4,0 
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h (Bornh. Str–Blankenburg)
sonst 120 km/h
Zweigleisigkeit: Nordbahnhof–Buch (S-Bahn)
Gesundbrunnen–Blankenburg
Berlin-Karow–Passow
Strecke – geradeaus
von Stargard Szczeciński
Bahnhof, Station
0,0 Szczecin Główny (Stettin Hbf) 53.41944414.551944
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links und rechts
nach Trzebież und nach Szczecin Dąbie
Planfreie Kreuzung – unten
Szczecin Dąbie–Szczecin Turzyn
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links und rechts
von Sz. Wzgórze Hetmańskie und Sz. Dąbie
Brücke (mittel)
D 13
Bahnhof, Station
4,8
0,0
Szczecin Gumieńce (Scheune) 53.39777814.494722
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Pasewalk
   
1,9 Warzymice (Klein Reinkendorf)
   
7,1 Kołbaskowo (Colbitzow) (zuvor Bf)
Brücke (mittel)
A6
Grenze
10,1
119,6
Staatsgrenze PolenDeutschland
   
116,5 Rosow
Bahnübergang
B 113
Bahnhof, Station
111,0 Tantow 53.26916714.348056
   
nach Gartz
Brücke über Wasserlauf (klein)
Landgraben
Haltepunkt, Haltestelle
103,8 Petershagen (Uckermark) 53.2414.252778
   
Kleinbahn Casekow–Penkun–Oder
Haltepunkt, Haltestelle
99,6 Casekow (zuvor Bf) 53.21333314.208333
Haltepunkt, Haltestelle
94,7 Schönow (Kr Uckermark) 53.18472214.154167
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Randow
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Stendell
Bahnhof, Station
89,3 Passow (Uckermark) 53.14861114.101111
Straßenbrücke
B 166
   
82,7 Schönermark
   
nach Damme
   
77,5 Welsow-Bruchhagen (zuvor Bf)
Straßenbrücke
B 198
Gleisdreieck – geradeaus, ex nach rechts, von rechts
von Stralsund
Straßenbrücke
B 198
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
von Schwedt (Oder)
Bahnhof, Station
70,7 Angermünde 53.01555613.996111
   
nach Bad Freienwalde
Straßenbrücke
B 198, B 2
   
66,1 Herzsprung (zuvor Bf)
   
61,9 Bk Serwest
Bahnübergang
B 2
Bahnhof ohne Personenverkehr
57,5 Chorin (zuvor Personenbf)
BSicon STR.svg
Haltepunkt, Haltestelle
54,8 Chorin Hp
(ehem Chorinchen; Chorin Kloster)
52.90333313.869444
BSicon STR.svg
Gleisdreieck – geradeaus, ex nach rechts, von rechts
52,5 Abzw Ragösermühle von Joachimsthal
Bahnhof, Station
50,0 Britz 52.87277813.820278
Tunnel bzw. Unterführung unter Wasserlauf
Oder-Havel-Kanal
Gleisdreieck – geradeaus, ex nach links, von links
von Frankfurt (Oder)
Brücke über Wasserlauf (mittel)
Finowkanal
Straßenbrücke
B 167
Bahnhof, Station
45,2 Eberswalde Hbf 52.8338313.797092
   
von Finowfurt
   
43,7 Eberswalde Wasserfall
   
42,0 Bk Spechthausen
   
37,9 Bk Wildtränke ehem Bf
Haltepunkt, Haltestelle
35,6 Melchow 52.77444413.693889
Bahnhof, Station
33,0 Biesenthal 52.75583313.675
   
30,2 Bk Danewitz
Haltepunkt, Haltestelle
28,2 Rüdnitz ehem Bf 52.71694413.635833
   
25,3 Rüdnitz (Kr Oberbarnim) Rbf
   
24,6 Bk Ladeburg
Brücke über Wasserlauf (klein)
Panke
BSicon BS2c1.svgBSicon BS2+r.svg
BSicon KSBHFa.svgBSicon BHF.svg
22,6 Bernau (b Berlin) 52.67624913.593135
BSicon SBRÜCKE.svgBSicon SBRÜCKE.svg
A 11
BSicon SHST.svgBSicon STR.svg
21,2 Bernau-Friedenstal 52.66833313.564444
BSicon WBRÜCKE1.svgBSicon WBRÜCKE2.svg
Panke
BSicon SBHF.svgBSicon STR.svg
18,2 Zepernick (b Bernau) 52.65944413.533611
BSicon WBRÜCKE1.svgBSicon WBRÜCKE2.svg
Panke
BSicon SHST.svgBSicon STR.svg
16,5 Röntgental 52.64833313.513056
BSicon STR+GRZq.svgBSicon STR+GRZq.svg
Landesgrenze BrandenburgBerlin
BSicon SBHF.svgBSicon STR.svg
14,4 Berlin-Buch 52.63583313.491667
BSicon WBRÜCKE1.svgBSicon WBRÜCKE2.svg
Panke
BSicon BRÜCKE1.svgBSicon BRÜCKE1.svg
A 10
BSicon BS2+l.svgBSicon BS2c14.svgBSicon BS2+r.svg
BSicon KRZu.svgBSicon STRlg.svgBSicon STR.svg
von Basdorf
BSicon BS2l.svgBSicon BS2lr.svgBSicon BS2r.svg
BSicon S+BHF.svgBSicon DST.svg
11,5 Berlin-Karow 52.61527813.469444
BSicon STR.svgBSicon ABZglr.svg
Abzweig vom BAR
BSicon KRZo.svgBSicon KRZo.svg
Karower Kreuz BAR
BSicon ABZlg.svgBSicon ABZg+lr.svg
vom BAR
BSicon SBHF.svgBSicon DST.svg
8,3 Berlin-Blankenburg 52.59138913.443333
BSicon STR.svgBSicon eABZlf.svg
zur Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde
BSicon eKRZo.svgBSicon eKRZo.svg
Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde
BSicon SHST.svgBSicon STR.svg
6,7 Pankow-Heinersdorf 52.57805613.429444
BSicon STR.svgBSicon eDST.svg
Gbf Berlin-Pankow
BSicon SBRÜCKE.svgBSicon SBRÜCKE.svg
A 114, B 109
BSicon SBHF.svgBSicon STR.svg
4,8 Berlin-Pankow 52.56611113.41
BSicon BRÜCKE1.svgBSicon BRÜCKE1.svg
B 96a
BSicon ABZlg.svgBSicon ABZlg.svg
von Oranienburg
BSicon SBHF.svgBSicon DST.svg
3,2 Bornholmer Straße 52.55444413.398056
BSicon ABZgl+l.svgBSicon ABZgl+l.svg
von und nach Ostkreuz
BSicon SBHF.svgBSicon BHF.svg
2,1 Berlin Gesundbrunnen 52.54861113.389444
BSicon ABZrf.svgBSicon xABZrf.svg
nach Westkreuz/Berlin Hbf
BSicon SHST.svgBSicon exSTR.svg
1,2 Humboldthain 52.54506613.379571
BSicon BS2+l.svgBSicon eBS2+rxc.svgBSicon exBS2+r.svg
BSicon tSTRa.svgBSicon exSTR.svgBSicon exSTR.svg
BSicon tSBHF.svgBSicon exKSBHFe.svgBSicon exKBHFe.svg
0,0 Berlin Nordbahnhof 52.53194413.387778
BSicon tSTR.svgBSicon .svgBSicon .svg
nach Berlin Friedrichstraße

⊙ = Koordinatenlink

Die Bahnstrecke Berlin–Szczecin, auch Berlin-Stettiner Eisenbahn oder kurz Stettiner Bahn, ist eine von der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft (BStE) errichtete Hauptbahn zwischen der deutschen Hauptstadt Berlin und der heute polnischen Stadt Stettin (Szczecin). Sie wurde zwischen 1842 und 1843 in Betrieb genommen und stellte die Stammstrecke der Gesellschaft dar. Der zweigleisige Ausbau der Bahn erfolgte 1863 zwischen Berlin und Angermünde sowie 1873 zwischen Angermünde und Stettin.

Mitte des 19. Jahrhunderts verband die Strecke die preußische Hauptstadt mit dem nächstgelegenen – ebenfalls preußischen – Seehafen. Diese Bedeutung ist noch heute am Stettiner Hauptbahnhof Szczecin Główny zu erkennen, siehe Abschnitt Streckenbeschreibung.

Heute wird die Strecke fast ausschließlich von Regionalbahnen auf den Relationen Berlin–Angermünde (–Stralsund) und Angermünde–Szczecin befahren. Der letzte Fernzug auf der Relation Berlin–Szczecin fuhr am 5. Juni 2012, der EC-Zug 179. Zwischen dem Berliner Stadtgebiet und dem Vorort Bernau verfügt die Bahn zudem über eigene Vorortgleise, die von der Berliner S-Bahn genutzt werden. Die Verbindung spielt ebenso für den Güterverkehr zwischen Deutschland und Polen eine wichtige Rolle. Bis auf den 40 km langen Abschnitt zwischen Passow und Szczecin Gumieńce ist die gesamte Strecke zweigleisig und elektrifiziert. Eine durchgehende Elektrifizierung und ein Ausbau ist angedacht, derzeit aber ungewiss.

Streckenbeschreibung[Bearbeiten]

Außenfassade des Stettiner Hauptbahnhofs (Szczecin Główny)

Die Strecke beginnt in Berlin am Stettiner Bahnhof – 1950 umbenannt in Nordbahnhof – im Norden des heutigen Ortsteils Mitte. Die Bahn führt zunächst in Richtung Nordwesten und schwenkte anschließend Richtung Nordost. Zwischen der heutigen Berliner Ringbahn und der Kreuzung mit der Berliner Nordbahn verlief die Bahn ursprünglich auf einer eigenen Trasse entlang der Grünthaler Straße, die allerdings 1897 aufgegeben wurde. Heute erinnert an der Ecke Grüntaler / Osloer Straße eine Gedenktafel an den ehemaligen Streckenverlauf. Seitdem führt die Bahn entlang der Ringbahn zum Bahnhof Gesundbrunnen, weiter entlang der Berliner Nordbahn und schwenkt hinter dem Bahnhof Bornholmer Straße auf die alte Trasse zurück. Kurz vor dem Bahnhof Berlin-Karow wird am Karower Kreuz der Berliner Außenring gekreuzt, mit Verbindungskurven zwischen beiden Strecken. Bis zur Berliner Stadtgrenze in Buch weist die Bahn kaum Kurven auf.

Bei Bernau schwenkt die Strecke ein kurzes Stück stärker nach Osten, um den mittelalterlichen Stadtkern zu tangieren. Bis Angermünde läuft sie dann weitgehend parallel zur Bundesstraße 2, die sie in ihrem Verlauf auch mehrmals kreuzt. Im Norden der Stadt Eberswalde befindet sich mit dem Tunnel unter dem Oder-Havel-Kanal (Hohenzollernkanal / Großschiffahrtsweg Berlin–Stettin) eines der bedeutendsten Ingenieurbauwerke entlang der Strecke. Etwas weiter südlich befand sich bis 2008 die Kanalbrücke Eberswalde.

Der letzte Abschnitt der Bahn führt etwas mehr nach Osten zur Oder hin. Die letzten Kilometer vor der polnischen Grenze führen nur wenige hundert Meter parallel zur Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommerns, diese wird jedoch nicht passiert. Etwa drei Kilometer hinter Rosow – sowie einen Kilometer südlich des Autobahngrenzübergangs Pomellen – passiert die Strecke bei Kilometer 119,6 die deutsch-polnische Staatsgrenze. Bei Szczecin-Gumieńce (Scheune) trifft die Bahn auf die Bahnstrecke Bützow–Szczecin und führt zusammen mit dieser bis zum Stettiner Hauptbahnhof (Szczecin Główny). Dessen Anlage verweist auf die Bedeutung der Bahnlinie zur Bauzeit: Der Bahnhof liegt am Ufer der Oder, also am Fuß der Hügel, auf denen große Teile der Stadt stehen. Das Empfangsgebäude ist nicht der Stadt zugewandt, sondern nur durch die Uferstraße vom Hafenkai getrennt. Die Bahnstrecke war Berlins erste schnelle Verbindung zum Meer. Von Stettin aus konnten per Dampfschiff alle preußischen und ausländischen Städte an der Ostsee erreicht werden, darüber hinaus natürlich auch alle anderen Seehäfen weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

Privatbahnzeit[Bearbeiten]

Der ehemalige Bahnhof Eberswalde Wasserfall ist heute Bahnübergang Tierpark

Das Berlin-Stettiner Eisenbahn-Comité mit Sitz in Stettin wurde im März 1836 von Stettiner und Berliner Kaufleuten und Bankiers, darunter Joseph Mendelssohn vom Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co., unter dem Vorsitz des Stettiner Oberbürgermeisters Andreas Masche mit dem Ziel gegründet, eine Eisenbahn von Berlin nach Stettin zu bauen. Hierbei erhoffte man, 39.000 Personen und 20.000 Tonnen Güter jährlich transportieren zu können, was bei einer Bausumme von 2,5 Mio. Talern zu einer Kapitalrendite von gut fünf Prozent führen sollte. Am 10. Juli 1836 wurde die vorläufige Konzession erteilt. Gegen 1840 erfolgte die Gründung der Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft.

Der endgültige Entwurf sah dann Kosten in Höhe von 2.724.000 Talern vor. Die Kostensteigerung beruhte im Wesentlichen auf Verbesserungen wie der Verwendung eines besseren Oberbaus oder der Verlegung des Bahnhofes in Stettin in unmittelbare Odernähe mitten in das Geschäftsviertel. Da aber nur Aktien für 1.037.000 Taler gezeichnet wurden, übernahm der altpommersche Kommunallandtag eine Zinsbürgschaft auf sechs Jahre, 500.000 Taler wurden durch Stettiner Bürger und benachbarte Gutsbesitzer aufgebracht. Die endgültige Konzession wurde am 12. Oktober 1840 erteilt. Schon beim Erwerb der Grundstücke wurde ein zweigleisiger Ausbau der Strecke vorgesehen, der Unterbau und die größeren Bauwerke wurden entsprechend hergestellt.

Die Generalversammlung der Gesellschaft beschloss am 26. Mai 1842, die Bahn bis Stargard in Pommern fortzuführen. Am 1. August 1842 wurde die Strecke Berlin–Eberswalde Hauptbahnhof eröffnet, die Verlängerung bis Angermünde erfolgte am 15. November 1842. Am 15. August 1843 wurde die gesamte Strecke Berlin–Stettin feierlich eröffnet, am 16. August 1843 der Betrieb aufgenommen. Am 1. Mai 1846 folgte die Eröffnung des Abschnitts Stettin–Stargard. Der Berliner Bahnhof in Stettin wurde dafür in einen Durchgangsbahnhof umgebaut und anschließend in Stettin Hauptbahnhof umbenannt.

Von der Eröffnung der Ostbahn KreuzSchneidemühlBromberg 1851 profitierte auch die Stettiner Bahn: Bis 1857, der Eröffnung der Ostbahnstrecke Kreuz–KüstrinFrankfurt (Oder)–Berlin, wurde der gesamte Berliner Ostbahnverkehr über sie abgewickelt.

Nachdem schon am 22. Dezember 1863 das zweite Gleis von Berlin bis Angermünde in Betrieb genommen worden war, wurde zum 1. August 1873 der 1872 begonnene zweigleisige Ausbau der Strecke Angermünde–Stettin–Stargard i. P. abgeschlossen, sodass jetzt die gesamte Stammbahn zweigleisig war.

Nach Verstaatlichung der BStE am 1. Februar 1880 übernahmen die Preußischen Staatseisenbahnen den Betrieb.

Länderbahnzeit[Bearbeiten]

Überreste des Kleinen Stettiners, Empfangsgebäude des Vorortbahnhofs in Berlin, Am Nordbahnhof 11

Am 12. Dezember 1897 wurde die bisher entlang der Grüntaler Straße im heutigen Berliner Ortsteil Gesundbrunnen verlaufende Trasse, die mehrere Bahnübergänge aufwies, in die Trasse der Ringbahn verschwenkt, sodass die Strecke über den neuen Umsteigebahnhof Gesundbrunnen führte. In Höhe der heutigen Bornholmer Straße zweigte die Trasse von der Nordbahn nach Osten ab. Die Gütergleise waren schon am 1. Mai 1897 in Betrieb genommen worden. Zwischen 1903 und 1906 erfolgte der anschließende Aus- und Umbau des Stettiner Bahnhofs in Berlin, wobei vor allem Anlagen für den sich entwickelnden Vorortverkehr angelegt wurden.

Für den Güterverkehr ging 1907 eine Güterstrecke von Friedrichsfelde nach Blankenburg in Betrieb, die ein Jahr später über Lübars nach Tegel verlängert wurde. Diese Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde unterquerte südlich des Bahnhofs Blankenburg die Stettiner Bahn und war über ein Verbindungsgleis an den Bahnhof Blankenburg angeschlossen.

Nach dem schnellen Anwachsen des Straßenverkehrs kam es Anfang des Jahrhunderts an den niveaugleichen Bahnübergängen und hier insbesondere am Gartenplatz zu chaotischen Verhältnissen, sodass die Verkehrsträger getrennt werden mussten. In den Jahren 1912 bis 1916 erfolgte in mehreren Etappen die Hochlegung des Bahndamms von Berlin bis Bernau und die bauliche Trennung der Fern- und Vorortgleise. Ein möglicher elektrischer Betrieb der Vorortgleise wurde zwar verfolgt, infolge des Ersten Weltkriegs vorerst jedoch nicht umgesetzt.

Reichsbahnzeit bis 1945[Bearbeiten]

Bahnhof Bernau (bei Berlin)

Bereits kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Elektrifizierung der Vorortgleise angegangen. Zunächst sollte das in Deutschland übliche Wechselstromsystem mit Oberleitung und 15 Kilovolt 16,7 Hertz angewandt werden. Als jedoch die Bauarbeiten schon in vollem Gange waren – bei Pankow standen bereits die ersten Masten – entschied sich die Deutsche Reichsbahn im letzten Moment zu Gunsten eines Gleichstrombetriebes mit seitlicher Stromschiene und 800 Volt Spannung um. Die Hyperinflation 1923 verzögerte die Bauarbeiten jedoch, so dass die Fertigstellung erst im Sommer 1924 erfolgen konnte. Am 8. August 1924 verkehrte der erste elektrische Vorortzug zwischen dem Stettiner Vorortbahnhof und Bernau. Seit dem 1. Dezember 1930 ging daraus die Berliner S-Bahn hervor.

Die Germania-Planungen der Nationalsozialisten in den 1930er Jahren sahen mehrere Baumaßnahmen entlang der Strecke vor. Realisiert davon wurde allerdings nur der Nord-Süd-Tunnel für die S-Bahnzüge im Jahr 1936 und die damit verbundene Schließung des Vorortbahnhofs. Weitere Planungen sahen die Wiederinbetriebnahme des 1897 aufgegebenen Streckenabschnittes zwischen der Ring- und Nordbahn sowie den Ausbau des Güterbahnhofs Pankow zum Ortsgüterbahnhof Nord vor. Die beiden Vorhaben wurden bis zum Kriegsende 1945 nicht begonnen.

Am 31. Januar 1943 ereignete sich im Bahnhof Tantow ein schwerer Eisenbahnunfall, als nach Fahrdienstleiter- und Rangierfehlern der Schnellzug für Fronturlauber, SF 62, auf zwei Lokomotiven aufprallte. 38 Menschen starben, 16 wurden darüber hinaus verletzt.[1]

Nach 1945[Bearbeiten]

Das Ende des Zweiten Weltkriegs hatte gravierende Folgen für die Strecke. Das zweite Streckengleis wurde im Zuge von Reparationsleistungen an die Sowjetunion demontiert. Die Stadt Stettin kam 1945 als Folge der Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen und bekam den Namen Szczecin. Der nunmehr grenzüberschreitende Verkehr zwischen Angermünde und Szczecin nahm gegenüber der Vorkriegszeit deutlich ab. Namentlich im Personenverkehr beschränkte sich das Angebot auf einzelne Züge am Tag.

1950 wurde der Stettiner Bahnhof in Berlin in Nordbahnhof umbenannt. Die Schließung des Stettiner Bahnhofs am 18. Mai 1952 bedeutete das vorläufige Ende des Bahnbetriebs der Stettiner Bahn im Westteil Berlins. Die Züge wurden danach über den Berliner Außenring zum Bahnhof Berlin-Lichtenberg und zur Berliner Stadtbahn geführt.

In den 1980er Jahren wurden der Abschnitt Berlin-PankowPassow elektrifiziert. Ebenfalls mit Oberleitung versehen wurden die angrenzenden Strecken auf dem Berliner Innen- und Außenring, die Strecke Passow–Stendell zur Bedienung der PCK-Raffinerie wie auch die von Angermünde ausgehende Strecke nach Stralsund. Der Streckenabschnitt zwischen Passow und Szczecin blieb bei der Elektrifizierung unberücksichtigt.

Nachwendezeit[Bearbeiten]

Staatsgrenze (2008)

Seit der Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofs am 27. Mai 2006 wird der Großteil des Reisezugverkehrs über den wieder eröffneten Bahnhof Berlin Gesundbrunnen und die neue Nord-Süd-Fernbahn mit dem Tiergartentunnel geleitet, sodass Reisende entlang der Stettiner Bahn wieder auf kürzestem Weg in die Berliner Innenstadt fahren können.

Bis 2007 wurde die Strecke zwischen Berlin und Angermünde größtenteils modernisiert, die Bahnanlagen vereinfacht sowie Bahnhöfe und Haltepunkte erneuert. Die modernisierten Streckenabschnitte wurden an Elektronische Stellwerke angeschlossen, diese werden von der Betriebszentrale in Berlin-Pankow ferngesteuert.

In den Jahren 2007 und 2008 wurde die Kanalbrücke Eberswalde zur Überführung des Oder-Havel-Kanals über die Stettiner Bahn durch einen etwas weiter nördlichen gelegenen Neubau ersetzt.

In den 2010er Jahren[Bearbeiten]

Streckenausbau[Bearbeiten]

Der Zustand der Eisenbahnstrecke, vor allem auf dem Abschnitt zwischen Angermünde und Stettin, wird vielfach kritisiert.[2] Während der polnische Abschnitt zwischen der Staatsgrenze und Szczecin Gumieńce bis Ende 2009 auf eine mögliche Streckengeschwindigkeit von 120 km/h ausgebaut wurde,[3] blieben die Übergänge unbeschrankt. Es fehlt weiterhin die Elektrifizierung des eingleisigen Abschnitts zwischen Passow und Szczecin Gumieńce.[4] Der zweigleisige Ausbau, die Elektrifizierung und die Ertüchtigung der gesamten Strecke auf 160 km/h ist auf deutscher Seite seit Jahren vorgesehen[5] und als Vorhaben ABS (Berlin–)Angermünde–Grenze D/PL Bestandteil des Investitionsrahmenplans des Bundes.

Die Verhandlungen über ein Ressortabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über den Streckenausbau begannen 2003,[6] schlussverhandelt wurde es im Jahr 2011. Nach mehreren Verzögerungen wurde das Abkommen am 20. Dezember 2012 unterzeichnet.[7] Gegenwärtige Planungen sehen zwar weiterhin eine Elektrifizierung zwischen Passow und Grenze sowie eine Geschwindigkeitserhöhung auf 160 km/h vor, ein zweigleisiger Ausbau ist aufgrund des prognostizierten Zugaufkommens derzeit jedoch nicht vorgesehen.[8] Die Realisierung des Vorhabens ist bis 2020 geplant, die Kosten auf deutscher Seite werden auf über 100 Millionen Euro geschätzt. Nach Abschluss der Baumaßnahmen soll sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Stettin auf 90 Minuten reduzieren.[7]

Zwischen Blankenburg und Karow ist ein Streckenausbau für die nächsten Jahre vorgesehen. Dieser umfasst den Neubau mehrerer Eisenbahnüberführungen, des Kreuzungsbauwerks am Karower Kreuz und eines Elektronischen Stellwerks sowie die Anhebung der Streckengeschwindigkeit auf 160 km/h. Am Karower Kreuz, dem Kreuzungspunkt der Stettiner Bahn mit dem Berliner Außenring, soll ein neuer Turmbahnhof für die Regionalbahn und die S-Bahn (Linie S2) entstehen.[9] Die Arbeiten sollen voraussichtlich 2016/2017 beginnen und bis etwa 2021 dauern.[10]

Der Abschnitt zwischen Pankow und Bernau wurde in das freiwillige Lärmsanierungsprogramm des Bundes aufgenommen mit dem Ziel , dort Schallschutz bis zum Jahr 2017 zu installieren.[10]

Ausschreibung[Bearbeiten]

Der Nahverkehr auf der Regionalbahnlinie 66 auf dem Streckenabschnitt Angermünde–Tantow (Grenze) sollte ursprünglich im Jahre 2011 im Verfahren „Dieselnetz Ostbrandenburg“ ausgeschrieben werden,[11] wovon später aus Gründen des ungeklärten Streckenausbaus abgesehen wurde.[12] Vereinzelt wird eine grundsätzliche Neuausrichtung der Linie, wie z. B. ein Regionalexpresszug als umsteigefreie Direktverbindung zwischen Berlin und Stettin, gefordert.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Kgl. Pr. Minister d. öffentl. Arbeiten (Hrsg.): Berlin und seine Eisenbahnen. 1846–1896.. Springer, Berlin 1896 (2 Bände. Nachdruck. Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1986, ISBN 3-88245-106-8).
  •  Dieter Grusenick, Erich Morlok, Horst Regling: Die Berlin-Stettiner Eisenbahn. transpress, Stuttgart 1996, ISBN 3-344-71046-X.
  •  Peter Bley: Eisenbahnknoten Stettin/Szczecin. 170 Jahre Eisenbahngeschichte an der unteren Oder. VBN Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2009, ISBN 978-3-933254-97-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bahnstrecke Berlin–Szczecin – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd.1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 137.
  2. a b Oliver Schwers: Trauerspiel im vorletzten Akt. In: Märkische Oderzeitung, 10. Juni 2009
  3. Oliver Schwers: Unklarheiten zum Streckenausbau. In: Märkische Oderzeitung, 17. Dezember 2009
  4. Peter Neumann, Katharina Zabrzynski: Im Schleichtempo zum Nachbarn. In: Berliner Zeitung, 6. Januar 2010
  5. Antwort der Bundesregierung bzgl. Anfrage 16/6047 (PDF; 364 kB) 11. Juli 2007
  6. Erklärung vom 30. Oktober 2003 (PDF) 11. Oktober 2009
  7. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRessortabkommen zwischen Deutschland und Polen unterzeichnet. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 20. Dezember 2012, abgerufen am 21. Dezember 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVogelsänger zum Ausbau der Strecke Berlin – Stettin. Land Brandenburg, Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, 14. November 2012, abgerufen am 18. November 2012.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDrucksache 17/10807. Abgeordnetenhaus Berlin, 15. August 2012, abgerufen am 31. August 2012 (PDF; 30 kB).
  10. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBahn plant Lärmschutz für Anwohner der Trasse Berlin-Stettin. In: Berliner Morgenpost. 11. März 2014, abgerufen am 11. März 2014.
  11. Vorinformation vom 1. Juli 2011 14. August 2011
  12. Auftragsbekanntmachung vom 15. Dezember 17. Dezember 2011
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