Wappen Kroatiens

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Wappen Kroatiens
Coat of arms of Croatia.svg
Details
Zum Führen des Wappens berechtigt Republik Kroatien
Eingeführt 21. Dezember 1990
Schildform und Aufteilung „Spanischer“ Wappenschild, geschacht in 25 Felder von Rot und Silber (Weiß)
Weitere Elemente Stilisierte Wappenkrone, bestehend aus fünf Teilwappen
Vorgänger-
versionen
nachgewiesen ab 1495
Benutzung von staatlichen Organisationen wie z.B. Streitkräfte, Polizei;
auf Abzeichen und Embleme staatlicher Organisationen, nationaler Währung, Reisepass, Personalausweis und offiziellen Dokumenten (einschließlich Diplomen);
in und an Parlamentsgebäuden, öffentlichen Gebäuden, Schulen

Das Wappen Kroatiens, genauer das Wappen der Republik Kroatien, besteht im Hauptteil aus einem in 25 Felder von Rot und Silber (Weiß) geschachten Wappenschild. Es wird kroatisch umgangssprachlich als Šahovnica (Schachbrett) bezeichnet.

Als Nebenteil ist auf den oberen Schildrand eine stilisierte fünfzackige Wappenkrone aufgesetzt. Sie besteht aus den fünf Wappen der bedeutendsten historischen Landschaften auf dem Staatsgebiet der Republik Kroatien.

Das Wappen ist Bestandteil der Flagge Kroatiens.

Nach der Unabhängigkeit Kroatiens wurde mit der Verfassung der Republik Kroatien vom 21. Dezember 1990 das Wappenschild (ohne die Wappenkrone) als Staatswappen festgelegt.[1] Die am 22. Dezember 1990 verkündete Verfassung spricht in Artikel 11 Satz 1 vom „historischen kroatischen Wappen, dessen Hauptteil aus 25 abwechselnden, rot-weißen (silbernen) Feldern besteht“.

Die Verwendung der Wappenkrone sowie die detaillierte Gestaltung des Staatswappens erfolgt durch das Gesetz über das Wappen, die Flagge und Hymne der Republik Kroatien, sowie Fahne und Schärpe des Präsidenten der Republik Kroatien vom 21. Dezember 1990.[1] Bestandteil des Gesetzes war auch eine Musterzeichnung des Gesamtwappens, das der Grafiker Miroslav Šutej ausführte und das durch eine staatlich Kommission bestätigt wurde.

Im September 2011 wurden vom kroatischen Parlament durch neue Musterzeichnungen, grafische Standards für die Ausführung der Wappen der Republik und des Präsidenten festgelegt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Wappenschild[Bearbeiten]

Wappenschild Kroatiens

Einer Legende nach soll der kroatische König Stjepan Držislav († 997), der in die Gefangenschaft der Republik Venedig geraten war, sich im Schachspiel durch dreimaligen Sieg gegen den venezianischen Dogen Pietro II. Orseolo die Freiheit erspielt und damit ein Blutvergießen verhindert haben. Fortan sollte das Schachbrett-Muster in der Farbe des Blutes das Wappen der Kroaten sein.[3] Tatsächlich entstand das kroatische Wappenschild jedoch erst rund 500 Jahre später.

Nach einer weiteren Deutung sollten die roten und weißen Felder des Schachbrett-Musters ursprünglich die historischen Provinzen (banovine, deutsch: Banschaften) von Rotkroatien und Weißkroatien darstellen – entstanden durch die mittelalterliche Herrschaftsteilung des Landes in kontinentale Binnengebiete (rot) und maritime Küstengebiete (weiß), die erst 925 unter Tomislav zu einem gemeinsamen kroatischen Königreich vereint wurden.

Das Wappenschild geht jedoch offenbar erst auf die Initiative von Maximilian I. zurück, der nach dem Frieden von Pressburg 1491 neben dem regierenden König Vladislav II. der Titularkönig des Königreichs Ungarn und seiner Nebenländer wurde. Schon sehr bald nach 1491 dürfte Maximilian I. ein Wappen für das Königreich Kroatien in Auftrag gegeben haben. Dabei entstand ein typisches „sprechendes Wappen“ mit Quadraten, in Anspielung auf den ähnlichen Klang des Wortes Quadrat für Kroat.

Älteste Darstellung des historischen kroatischen Wappenschilds aus dem Jahr 1495 (Deckenfresko, Innsbruck)

Die älteste erhaltene Darstellung des kroatischen Wappenschildes aus dem Jahr 1495 findet sich offen zugänglich im Laubengewölbe des Stadtrichter-Zeller-Hauses in der Altstadt von Innsbruck.[4] Das Deckenfresko zeigt das Wappen des Königreichs Kroatien, beginnend mit einem ersten silbernen (weißen) Feld und einer Einteilung in 16 rot-weiße (silberne) Felder.

Im 19. Jahrhundert war Kroatien ein Land der Ungarischen Krone und dadurch auch Teil Österreich-Ungarns. Das kroatische Schachbrett-Wappen wurde in dieser Zeit zusammen mit den Wappen Dalmatiens und Slawoniens in einem gemeinsamen Wappen verwendet.

Im Jahr 1940 wurde das Schachbrett-Wappen offiziell zum Wappen der 1939 gegründeten autonomen Banschaft Kroatien, innerhalb des Königreichs Jugoslawien.
Das kleine Wappen der Banschaft zeigte das golden umrandete, historische kroatische Wappenschild, beginnend mit einem ersten roten Feld und gekrönt mit der serbischen bzw. jugoslawischen Königskrone. Verwendung fand es z.B. für offizielle Siegel, Stempel und Briefmarken.
Das große Wappen der Banschaft zeigte den serbischen bzw. königlich-jugoslawischen Doppeladler mit seinen roten Schnäbeln, Zungen und Fängen, gekrönt mit der jugoslawischen Königskrone und belegt mit dem historischen kroatischen Wappenschild des Kleinen Wappens. Verwendung fand es auf den ovalen weißen Bezeichnungsschilder an Eingängen von Gebäuden mit öffentlichen Stellen (z.B. Ministerien, Notare).[5]

Zusatz zum Wappenschild im Wappen des Unabhängigen Staates Kroatien (1941–45)

Mit der Gründung des Unabhängigen Staates Kroatien (dem faschistischen Ustascha-Staat) im Jahr 1941 wurde ein neues Staatswappen eingeführt. Dieses bestand aus dem historischen kroatischen Wappenschild, nunmehr beginnend mit einem ersten silbernen (weißen) Feld. Zudem befand sich über dem Wappenschild ein sternenförmiges Ornament aus Kroatischem Flechtwerk. Dieses wurde von drei parallel im Bogen verlaufenden roten Bändern gebildet (Kroatisches Dreiband), welche an den diagonalen Enden des dadurch entstandenen Achtecks kleine Schleifen bilden. Von diesem Ornament umschlossen war der Großbuchstabe U (für Ustascha).[6]
Ein Wappenschild mit einem ersten silbernen Feld wurde von der Ustascha wahrscheinlich gewählt, um sich vom Wappen des Königreichs Jugoslawien abzugrenzen, das ein kroatisches Wappen mit einem ersten roten Feld zeigte.[7] Noch heute gilt ein kroatisches Wappenschild mit einem ersten silbernen Feld als „Ustascha-Wappen“, obwohl bereits die älteste bekannte Darstellung in Innsbruck aus dem Jahr 1495, die Darstellung im Wappenbuch von Fojnica aus dem 17. Jahrhundert sowie viele alte Darstellungen ein erstes silbernes Feld im Wappenschild zeigen.[8]

Nach dem Zweiten Weltkrieg verwendete die Volksrepublik Kroatien, die Vorläuferin der Sozialistischen Republik Kroatien, das historische Wappenschild nicht mehr. Stattdessen war das Staatssymbol von 1945 bis 1947 der Rote Stern, eingefasst von einer Getreidegarbe und einem Lorbeerzweig.[9]

Das Wappen der Sozialistischen Republik Kroatien (1947–1990) war umrahmt von Getreidegarben, dieselben verbunden durch einen Stern als Symbol für den Sozialismus. Dabei ist die Šahovnica (mit einem ersten roten Feld) über dem Meer abgebildet und verfügt über zwei rundliche Einbuchtungen auf der oberen Seite, die drei Spitzen entstehen lassen. Im Hintergrund ist die Sonne zu sehen, deren Strahlen in die Himmelsrichtungen von West über Nord nach Ost verlaufen.

Die Gründe für die Verwendung eines ersten roten Feldes in den nachfolgenden Versionen des Wappenschilds liegen vermutlich auch darin, eine Parallele zum faschistischen kroatischen Ustascha-Staat („Unabhängiger Staat Kroatien“) zu vermeiden, dessen Wappenschild ein erstes silbernes (weißes) Feld beinhaltete.

Wappenkrone[Bearbeiten]

Die Wappenkrone fügte man vermutlich dem Wappenschild hinzu, um klarzustellen, dass die Republik Kroatien nur die Gebiete umfassen soll, die durch die darin abgebildeten Wappen symbolisiert werden.

In der Wappenkrone sind (heraldisch) von rechts nach links, die Wappen der bedeutendsten historischen Landschaften auf dem Staatsgebiet der Republik Kroatien stilisiert dargestellt. Diese sind (genannt in § 7 des Gesetzes):

Coa central croatia.png

Das Wappen Alt-Kroatiens („Illyrisches Wappen“), dass älteste bekannte kroatische Wappen.
Stilisiert zu: In Hellblau ein sechsstrahliger goldener Stern über einer liegenden silbernen Mondsichel.

Coa dubrovnik.png

Das Wappen Dubrovniks (Republik Ragusa).
Stilisiert zu: In Dunkelblau zwei waagerechte rote Balken.

Coa dalmatia.png

Das Wappen Dalmatiens (Königreich Dalmatien).
Stilisiert zu: In Hellblau drei (zwei über ein) bekrönte goldene Leopardenköpfe.

Coa istria.png

Das Wappen Istriens.
Stilisiert zu: In Dunkelblau ein (heraldisch) rechtssehender, rotgehörnter und -behufter goldener Ziegenbock.

Coa slavonia.png

Das Wappen Slawoniens (Königreich Slawonien).
Stilisiert zu: In Hellblau ein sechsstrahliger goldener Stern über einem waagerechten roten Balken, oben und unten begleitet von einer schmaleren silbernen Trennung („Ritterstraße“). Im Balken ein (heraldisch) rechtssehender weißbauchiger schwarzer Marder (siehe auch Kroatische Kuna).

Wappen des Präsidenten der Republik Kroatien[Bearbeiten]

Wappen des Präsidenten Kroatiens

Bei dem 1990 eingeführten Wappen des Präsidenten der Republik Kroatien werden die einzelnen Wappen der Wappenkrone um das historische Wappenschild angeordnet.

Das Wappen wird unter anderem auf der Präsidentenstandarte geführt (§ 23 des Gesetzes).[1]

Wappen der Kroaten in Bosnien und Herzegowina[Bearbeiten]

Wappen der Kroaten in Bosnien und Herzegowina

Als Wappen der Kroaten in Bosnien und Herzegowina, gilt de facto das Wappen der Kroatischen Republik Herceg-Bosna (HR HB) und ihrer Vorgängerorganisationen. Dieses ist eine Abwandlung des historischen kroatischen Wappenschilds und besteht aus 25 rot-silbern geschachten Feldern, beginnend mit einem roten Feld.
Das Wappenschild hat die Form eines deutschen Renaissance-Rundschilds und ist in Gold ausgeführt. Im oberen Feld des Wappenschilds ist das Kroatische Flechtwerk abgebildet.
Das Wappen der HR HB findet sich erstmals als Mützenabzeichen bei den ersten Polizeieinheiten der Republik Kroatien (Prvi hrvatski redarstvenik), die in Kroatien und den kroatischen Gebieten Bosnien-Herzegowinas gebildet wurden und es vom Herbst 1990 bis zum Jahresbeginn 1991 (noch umgeben vom Strahlenkranz des Roten Stern-Mützenabzeichen) trugen.[10]

Die Flagge und das Wappen der Kroatischen Republik Herceg-Bosna werden noch heute von der kroatischen Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina und offiziellen Stellen in den mehrheitlich von Kroaten bewohnten Kantonen West-Herzegowina und Herceg-Bosna (Kanton 10) verwendet.

Historische Vorgängerversionen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Franz-Heinz von Hye: Zur Geschichte des Staatswappens von Kroatien und dessen ältester Darstellung in Innsbruck. In: Arhivski vjesnik. Jg. 36. 1993, S. 131-147 (online, abgerufen am 6. September 2013).
  •  Marijan Grakalić: Hrvatski grb : Grbovi hrvatskih zemalja [Das kroatische Wappen : Die Wappen der kroatischen Länder]. Nakladni zavod Matica hrvatska, Zagreb 1990, ISBN 8640100691.
  •  Mario Jareb: Hrvatski simboli [Kroatische Symbole]. ALFA d.d. Hrvatski institut za povijest, Zagreb 2010, ISBN 9789532972306.
  •  Željko Heimer: Grb i zastava Republike Hrvatske [Wappen und Flagge der Republik Kroatien]. Leykam International, 2008, ISBN 9789537534127 (mit CD-ROM).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wappen Kroatiens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Zakona o grbu, zastavi i himni Republike Hrvatske, te zastavi i lenti Predsjednika Republike Hrvatske. In: Narodne Novine. Nr. 55/1990, 21. Dezember 1990 (online, abgerufen am 23. Januar 2013).
  2. Mitteilung auf der Internetseite des kroatischen Parlaments. Abgerufen am 11. Januar 2013.
  3.  Josef Staré: Die Kroaten im Königreiche Kroatien und Slavonien (= Die Völker Österreich-Ungarns. Bd. 10/2). Wien 1882, S. 34.
  4.  Franz-Heinz von Hye: Zur Geschichte des Staatswappens von Kroatien und dessen ältester Darstellung in Innsbruck. In: Arhivski vjesnik. Jg. 36. 1993, S. 131-147 (online, abgerufen am 11. Januar 2013).
  5. Okružnica Kabineta bana Banovine Hrvatske, Nr. 64178-1940 vom 10. September 1940. In: Rhea Ivanuš, Lucija Benyovsky u. a.: Stoljeće promjena. Hrvatski povijesni muzej, Zagreb 2000, ISBN 953-6046-21-0.
  6. § 1 der Zakonska odredba o državnom grbu, državnoj zastavi, Poglavnikovoj zastavi, državnom pečatu, pečatima državnih i samoupravnih ureda (Gesetzverfügung über Staatswappen, Staatsflagge, Standarte des Poglavnik, Staatssiegel, Siegel der Staats- und Selbstverwaltungsämter). In: Narodne novine, Nr. 15 vom 30. April 1941.
  7. Mario Jareb: Hrvatski simboli (Kroatische Symbole). ALFA d.d. Hrvatski institut za povijest, Zagreb 2010, S. 210–211 (kroat.) und 427 (engl.).
  8.  Mario Jareb: Hrvatski simboli [Kroatische Symbole]. ALFA d.d. Hrvatski institut za povijest, Zagreb 2010, S. 14 (kroat.) und 419 (engl.).
  9. Flags of the World: Federal State of Croatia (1945). Abgerufen am 23. Januar 2013.
  10. Mario Jareb: Hrvatski simboli (Kroatische Symbole). ALFA d.d. Hrvatski institut za povijest, Zagreb 2010, ISBN 978-953297230-6, S. 371 (kroatisch).