Boisseuilh
| Boisseuilh Boissuelh | ||
|---|---|---|
| Staat | ||
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département (Nr.) | Dordogne (24) | |
| Arrondissement | Sarlat-la-Canéda | |
| Kanton | Le Haut-Périgord noir | |
| Gemeindeverband | Terrassonnais Haut Périgord Noir | |
| Koordinaten | 45° 17′ N, 1° 11′ O | |
| Höhe | 153–266 m | |
| Fläche | 11,90 km² | |
| Einwohner | 110 (1. Januar 2022) | |
| Bevölkerungsdichte | 9 Einw./km² | |
| Postleitzahl | 24390 | |
| INSEE-Code | 24046 | |
Ortsbild mit Kirche Saint-Valery | ||
Boisseuilh (Aussprache [bwaˈsœj], okzitanisch Boissuelh) ist ein Ort und eine aus mehreren Weilern (hameaux) und Einzelgehöften bestehende südfranzösische Gemeinde mit 110 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2022) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Bergerac und zum Gemeindeverband Communauté de communes Terrassonnais Haut Périgord Noir. Die Bewohner werden Boisseuilhais und Boisseuilhaises genannt.
Geografie
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Boisseuilh liegt etwa 38 Kilometer ostnordöstlich von Périgueux, etwa 31 Kilometer nordwestlich von Brive-la-Gaillarde und etwa 44 Kilometer nördlich von Sarlat-la-Canéda am nordöstlichen Rand des Départements. Die Gemeinde befindet sich in der Région naturelle des Périgord central, Teil des touristisch benannten Périgord noir. Ihr Gebiet liegt im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von zwei Nebenflüssen der Auvézère, dem Dalon, der sie im Nordosten begrenzt, und vom Flüsschen Lourde, das es im Südwesten begrenzt, sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern.
Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Boisseuilh liegt in der Stufe im äußersten Nordosten, die den letzten Ausläufer des Zentralmassivs bildet, mit kristallinem Gestein, das im Paläozoikum vor dem Karbon entstanden ist.[1] Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär aus dem Känozoikum datierend sowie aus Sedimentgesteinen aus dem Mesozoikum und dem Paläozoikum.
Das Gebiet der Gemeinde erstreckt sich über eine hügelige, teils bewaldete Landschaft, die durch die Flusstäler markant eingeschnitten ist, mit Erhebungen bis 266 m. Der topographisch tiefste Punkt liegt mit 153 m im äußersten Südwesten beim Austritt der Lourde aus dem Gemeindegebiet. Das Zentrum liegt auf etwa 240 m Höhe.
Etwa 54 % der Fläche der Gemeinde sind bewaldet, etwa 46 % werden landwirtschaftlich, hauptsächlich als Grünland genutzt.[2]
Boisseuilh wird von folgenden sechs Gemeinden umgeben:
| Génis | Sainte-Trie | |
| Cherveix-Cubas | ||
| Hautefort | Badefols-d’Ans | Teillots |

Natürliche Risiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Naturrisiken manifestieren sich in Boisseuilh als
- Stürme, Gewitter, Schnee, große Fröste oder Hitze
- Dürren
- Waldbrände
- Bodensetzungen.
Im nahezu gesamten Gemeindegebiet besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Plicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.[3]
Wie die Risikokarte zeigt, ist etwa ein Drittel des Gemeindegebiets von Boisseuilh von der mittleren Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.[4]
Etymologie und Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hoch in der Landschaft des Périgord Noir gelegen, entstand das Dorf Boisseuilh wahrscheinlich zu Beginn des 12. Jahrhunderts mit dem Bau des Klosters Dalon ganz in der Nähe. Es zeichnet sich durch die Verwendung von rotem Sandstein aus. Die 1114 gegründete Zisterzienserabtei von Dalon ist wahrscheinlich der Geburtsort des Dorfes. So entwickelte sich Boisseuilh wahrscheinlich rund um die Pfarrkirche Saint-Valéry, die um 1150 erbaut wurde.[5]
Ungefähr zur gleichen Zeit erschien der Name des Dorfes in der latinisierten Form Boisolium. Er kommt von einem gallorömischen Wort, zusammengesetzt aus dem lateinischen buxus (deutsch Buchsbaum) und dem gallischen °-ialo (deutsch Lichtung, Feld) und bezeichnete ursprünglich einen Ort voller Buchsbäume. Im 14. Jahrhundert hatte der Name die latinisierte Schreibweise Buxolium (1354), ein wenig später Boyschuelh (1408), sehr nahe an der heutigen Aussprache.[6]
Mit der endgültigen Aufgabe der Abtei im Jahr 1784 und während der Französischen Revolution wurde das Dorf im Wesentlichen um seine Burg herum neu organisiert. Anschließend wurde der landwirtschaftliche Besitz der Burg von Boisseuilh nach den Grundsätzen der Pacht aufgeteilt.
Als die Départements 1790 gegründet wurden, lag das Dorf im Département Corrèze. Dennoch wurde Boisseuilh 1793 an das Département Dordogne angeschlossen.[5]
Bevölkerungsentwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Boisseuilh: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1793 | 420 | |||
| 1800 | 368 | |||
| 1806 | 344 | |||
| 1821 | 241 | |||
| 1831 | 429 | |||
| 1836 | 426 | |||
| 1841 | 451 | |||
| 1846 | 419 | |||
| 1851 | 468 | |||
| 1856 | 429 | |||
| 1861 | 417 | |||
| 1866 | 410 | |||
| 1872 | 376 | |||
| 1876 | 390 | |||
| 1881 | 377 | |||
| 1886 | 359 | |||
| 1891 | 375 | |||
| 1896 | 590 | |||
| 1901 | 390 | |||
| 1906 | 417 | |||
| 1911 | 412 | |||
| 1921 | 336 | |||
| 1926 | 298 | |||
| 1931 | 277 | |||
| 1936 | 304 | |||
| 1946 | 312 | |||
| 1954 | 253 | |||
| 1962 | 196 | |||
| 1968 | 184 | |||
| 1975 | 178 | |||
| 1982 | 169 | |||
| 1990 | 113 | |||
| 1999 | 114 | |||
| 2006 | 127 | |||
| 2013 | 115 | |||
| 2020 | 117 | |||
| Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[7] INSEE ab 2006[8][9][10] Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz | ||||
Der kontinuierliche Bevölkerungsrückgang seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist im Wesentlichen auf die Reblauskrise im Weinbau und die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft sowie den jeweils damit einhergehenden Verlust an Arbeitsplätzen zurückzuführen.
Sehenswürdigkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- In die im 12. Jahrhundert aus exakt behauenen rötlichem Sandsteinen gemauerte Pfarrkirche Saint-Valéry wurde in späterer Zeit ein gotisches Apsisfenster eingebaut. Im 17. Jahrhundert erhielt die Kirche ein neues Eingangsportal im klassizistischen Stil. Auch der Glockengiebel wurde erneuert. Der Kirchenbau ist einschiffig und hat eine flach schließende Apsis.
- Das Schloss von Boisseuilh befindet sich etwa zwei Kilometer südwestlich vom Zentrum. Es wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf den Fundamenten eines älteren Bauwerks des 13. Jahrhunderts wieder aufgebaut. Die Burg gehörte zur Kastellanei von Génis.
Wirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Ort und seine Umgebung waren jahrhundertelang landwirtschaftlich geprägt; die meisten Menschen lebten als Selbstversorger von den Erträgen ihrer Felder und Gärten; auch Viehzucht und Weinbau wurden betrieben. Im Ort selbst ließen sich Handwerker, Kleinhändler und Dienstleister aller Art nieder. Seit den 1960er-Jahren spielt der Tourismus in Form der Vermietung von Ferienwohnungen (gîtes) eine nicht unbedeutende Rolle im Wirtschaftsleben der Gemeinde.
Erwerbstätigkeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahre 2022 waren 36 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Boisseuilh erwerbstätig, entsprechend 61 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse, darunter 19 Frauen zwischen 15 und 64 Jahren mit einem Anteil von 65,5 %. Die Zahl der Arbeitslosen war mit 6 im Jahr 2022 identisch mit der im Jahr 2016. Die Arbeitslosenquote stieg dennoch von 12,8 % (2016) auf 16,7 % (2022) durch den Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum.[11]
Branchen und Betriebe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]12 nicht-landwirtschaftliche Gewerbebetriebe waren im Jahr 2022 in Boisseuilh wirtschaftlich aktiv:[11]
| Branche | ||
|---|---|---|
| Anzahl | % | |
| Gesamt | 12 | |
| Fertigung, Bergbau und andere Industrien | 2 | 16,7 % |
| Baugewerbe | 1 | 8,3 % |
| Groß- und Einzelhandel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie | 3 | 25,0 % |
| Immobilien | 1 | 8,3 % |
| Fachbezogene, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten sowie administrative und unterstützende Dienstleistungstätigkeiten | 2 | 16,7 % |
| Öffentliche Verwaltung, Bildung, menschliche Gesundheit und soziales Handeln | 1 | 8,3 % |
| Andere Dienstleistungen | 2 | 16,7 % |
Landwirtschaft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Rinderzucht zur Erzeugung von Milch und/oder Fleisch.[12] Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 20 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 15 im Jahr 2000, auf 11 im Jahr 2010 und schließlich auf 9 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 55 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche erhöhte sich von 415 Hektar im Jahre 1988 auf 651 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb erhöhte sich entsprechend deutlich von 20,8 Hektar auf 72,4 Hektar.[13][14][15]

Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Boisseuilh liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern und Nachbargemeinden.
Die Gemeinde verfügte einst über einen Haltepunkt auf der Eisenbahnstrecke von Thiviers nach Saint-Aulaire im Département Corrèze, die 1898 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans eröffnet wurde und 1940 für Passagiere geschlossen wurde. Ein 6,5 Kilometer langer Rundweg führt vom Zentrum von Boisseuilh teilweise über eine Abschnitt der ehemaligen Bahntrasse, darunter durch den Tunnel von Boisseuilh.[16]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Géologie de la Dordogne-Périgord. Éditions Esprit de Pays, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Répartition des superficies en 15 postes d’occupation des sols (métropole). CORINE Land Cover, 2018, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Dossier des Départements der Hauptrisiken. (PDF) Département Dordogne, 11. Dezember 2020, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Les risques près de chez moi. Ministerium für ökologischen Wandel, Biodiversität, Wälder, Meer und Fischerei, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ a b Boisseuilh (französisch) ( vom 9. September 2016 im Internet Archive)
- ↑ Tanet, Hordé, Seite 61
- ↑ Notice Communale Boisseuilh. EHESS, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2006 Commune de Boisseuilh (24046). INSEE, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2013 Commune de Boisseuilh (24046). INSEE, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Populations légales 2020 Commune de Boisseuilh (24046). INSEE, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ a b Dossier complet Commune de Boisseuilh (24046). INSEE, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Territoriale Spezialisierung der landwirtschaftlichen Produktion im Jahr 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Allgemeine Daten der landwirtschaftlichen Betriebe mit Sitz in Boisseuilh. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und deren durchschnittliche landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche 2020. Französisches Landwirtschaftsministerium, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Boucle de l’ancienne voie ferée. Le guide du Périgord, abgerufen am 21. Oktober 2025 (französisch).
