Varta AG

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VARTA AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 27. Dezember 1887
Sitz Ellwangen DeutschlandDeutschland[1]

Leitung

Mitarbeiter über 2000
Umsatz 195,1 Mio. Euro (2015)
Branche Elektrotechnik
Website http://www.varta-ag.com
Luftansicht von Varta Microbattery in Ellwangen

Varta (Akronym für: Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren, Eigenschreibweise VARTA) ist ein traditionsreicher deutscher Batteriekonzern. Daneben ist Varta auch Markenname für Waren, die von derzeit oder früher zum Konzern gehörenden Unternehmen hergestellt oder vertrieben werden. Dazu gehören beispielsweise Akkumulatoren und Batterien. Die VARTA AG besteht aus den beiden Tochterunternehmen Varta Microbattery und Varta Storage GmbH. Der Markenname wird beim jährlich erscheinenden Varta Hotel- und Restaurantführer verwendet.

Varta gehört heute zu dem Schweizer Industriekonzern Montana Tech Components.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie der Accumulatoren-Fabrik AG über 100 Reichsmark vom November 1941

Ursprung der Varta AG war die Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Büsche & Müller oHG, die am 27. Dezember 1887 im Hagener Ortsteil Wehringhausen von Adolph Müller gegründet wurde. Er hatte das große Marktpotenzial für Akkumulatoren zu dieser Zeit erkannt. Neben Paul Büsche waren mehrere Unternehmer und Bankiers aus Hagen als stille Teilhaber beteiligt. 1888 begann das Unternehmen mit der industriellen Fertigung von ortsfesten Bleiakkumulatoren nach der Konstruktion von Henri Owen Tudor, einem Ingenieur aus Luxemburg. Es wird vermutet, dass im ersten Elektroauto, dem Flocken Elektrowagen von 1888, Akkumulatoren von Büsche & Müller verwendet wurden. Der Kapitalanteil von Paul Büsche wurde durch den Ingenieur Paul Einbeck übernommen. Daher wurde die Firma am 1. Januar 1889 in Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Müller & Einbeck oHG geändert. Um der Konkurrenz der beiden Elektrokonzerne Siemens und AEG zu entgehen, die ebenfalls die Produktion von Bleiakkumulatoren aufgenommen hatten, strebte Adolph Müller eine Kooperation mit diesen an. Nach Abschluss der Verhandlungen wurde unter Kapitalbeteiligung der oben genannten Konzerne und unter Mitwirkung der Deutschen Bank das Unternehmen am 1. Januar 1890 in die Accumulatoren-Fabrik Aktiengesellschaft (AFA) umgewandelt. Im Jahr 1893 brachte die AFA amerikanische Elektromobile mit eigenen Batterien auf den deutschen Markt.[2] Im Jahr 1897 verlegte die AFA ihre Hauptverwaltung nach Berlin.

Anfang des 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früheres Varta-Betriebsgelände, heute Johnson Controls, in Hannover am Mittellandkanal

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen schnell. 1912 erwirtschafteten etwa 4000 Beschäftigte im Deutschen Reich einen Umsatz von rund 31,4 Millionen Mark. Bis 1914 wurden im In- und Ausland zahlreiche Werke und Tochterunternehmen gegründet oder übernommen. Im Jahr 1904 erfolgte die Gründung der Varta GmbH als Tochter- und Vertriebsgesellschaft der AFA, die 1905 in Berlin-Oberschöneweide die Fertigung kleiner transportabler Bleiakkumulatoren aufnahm. Diese wurden für Taschenlampen, Telegraphen und Signalapparate verwendet. Ab den 1920er Jahren wurden dort auch Starterbatterien für Automobile gebaut. 1905 wurde zusammen mit Siemens und AEG die Gesellschaft für elektrische Zugbeleuchtung, abgekürzt „GEZ“, mit Sitz in Berlin gegründet. 1913 wurde die Deutsche Edison-Akkumulatoren-Company DEAC, die 1905 in Berlin zur Herstellung von Stahlakkumulatoren nach Edison-Bauart gegründet wurde, übernommen. Im Stammwerk in Hagen wurden zu dieser Zeit hauptsächlich große ortsfeste Blei-Akkumulatoren produziert. Bereits 1904 wurde die erste U-Boot-Batterie geliefert. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion zunehmend auf die Bedürfnisse des Militärs umgestellt. Beispielsweise war das Werk in Hagen der einzige Produzent von U-Boot-Batterien im Deutschen Reich. Daher plante die britische Admiralität bereits im Ersten Weltkrieg Luftangriffe auf das AFA-Werk in Hagen.

Nach dem Erwerb der Aktienmehrheit wurde Günther Quandt im Juni 1923 Aufsichtsratsvorsitzender der AFA. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die AFA zu einem bedeutenden Teil Quandts wirtschaftlicher Aktivitäten und Industriebeteiligungen. 1926 wurde die 1917 in Hamburg gegründete Pertrix Chemische Fabrik übernommen. Im neuen Pertrix-Werk in Berlin-Niederschöneweide wurden Trockenbatterien und Taschenlampen hergestellt. 1927 wurde die 1921 gegründete Grubenlampenfabrik Dominit-Werke aus Dortmund aufgekauft. In Hannover-Stöcken wurde von 1936 bis 1938 ein neues Werk errichtet, das ausschließlich für die Kriegsmarine Akkumulatoren für U-Boote und Torpedos herstellte.[3] 1938 wurde Günther Quandt Vorstandsvorsitzender der AFA. 1939 änderte sich die Gesellschaftsform der Pertrix und Dominit-Werke; die Aktiengesellschaften wurden zur GmbH. Beide Unternehmen blieben aber Tochterunternehmen der AFA.

Beiträge im Zweiten Weltkrieg, Zwangsarbeit, Konzentrationslager Stöcken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele U-Boote der Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg waren mit Akkus aus dem AFA-Werk Hannover-Stöcken ausgerüstet.
Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Akkumulatorenfabrik

Im Zweiten Weltkrieg wurden in den Betrieben der AFA in Hagen, Hannover-Stöcken, Posen und Wien neben ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen auch Häftlinge aus Konzentrationslagern eingesetzt. In Hannover gehörten die Häftlinge zum Außenlager KZ Stöcken (Akkumulatorenwerke) des KZ Neuengamme. Das Lager bestand zwischen Juli 1943 und April 1945 direkt neben dem Werksgelände der Akkumulatorenfabrik. Rund 400 der durchschnittlich 15.000 Häftlinge starben an den schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie einem Todesmarsch zum KZ Bergen-Belsen im April 1945. Etwa 600 marschunfähige Häftlinge wurden nach Gardelegen transportiert, wo sie in der Isenschnibber Feldscheune ermordet wurden. Zur Erinnerung wurde 1999 in Hannover-Stöcken nahe dem ehemaligen Lager ein Mahnmal mit Skulptur und Gedenktafeln aufgestellt. Es ist den west- und osteuropäischen Häftlingen gewidmet, die unter unmenschlichen Bedingungen zur Kriegsproduktion gezwungen wurden. Unter Einflussnahme des damaligen Hauptanteilseigners, der Familie Quandt, weigerte sich die Varta AG, das Mahnmal auf dem Firmengrundstück aufstellen zu lassen.

Während des Krieges war die AFA Hauptlieferant von Antriebsbatterien für U-Boote, vorwiegend der Typen VII und XXI, Torpedos (G7e/G7es), sowie Bordbatterien der Fernrakete V2. Durch alliierte Luftangriffe wurde das Stammwerk in Hagen stark beschädigt.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Werke in Berlin enteignet. Trotz Bombenschäden und Demontage wurden in Berlin-Oberschöneweide ab 1946 von der neugegründeten VEB Berliner Akkumulatoren- und Elementefabrik (BAE) wieder Batterien für Gabelstapler und Schienenfahrzeuge produziert. Das ehemalige Pertrix-Werk in Berlin-Niederschöneweide produzierte unter dem Namen Batropa bis 1999 Taschenlampen und Batterien. 1946 nahm die AFA unter der Firma BMF – Batterie- und Metallwarenfabrik die Herstellung von Trockenbatterien in Ellwangen auf. Dazu wurden in einer ehemaligen Propeller-Nabenfabrik die Fertigungen aus Hannover und Ullersricht zusammengelegt. 1949 entstand aus den Unternehmen BMF und der Pertrix-Werke die Pertrix-Union in Ellwangen. In der Folgezeit wurde die Produktion von Zink-Kohle-Batterien in Ellwangen nach und nach ausgebaut – mit Zellen in den Baugrößen Mono und Baby begann in den 1950er Jahren die Massenfertigung.

Da sich in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg der Name Varta als Marken- und Qualitätsbegriff immer weiter durchsetzte, beschloss die Hauptversammlung des Konzerns im Jahr 1962 die AFA in Varta Aktiengesellschaft umzubenennen. Im Jahr 1965 verlegte Varta den Sitz von Hagen nach Frankfurt am Main.[2] Seit 1956 lieferte Varta wieder U-Boot-Batterien an die Bundesmarine und für den Export. Das Geschäft mit U-Boot-Batterien ist von den Umsätzen sehr gewinnbringend und wird – als einer der wenigen ursprünglichen Fertigungsbereiche – von Hawker im Stammwerk Hagen fortgeführt.

1977 wurde die alte Varta AG aufgeteilt. Es entstand die Varta AG für Batterien und Kunststoffe, CEAG für Elektronik und die Altana für Pharmazieprodukte.

Jahrzehntelang war das Unternehmen in verschiedenen Bereichen der Batterieherstellung tätig. Im In- und Ausland produzierte Varta Industrie- und eckige Autobatterien, Rund- und Knopfzellen. Im Jahr 1993 machte die Varta AG erstmals in ihrer Geschichte keinen Gewinn. Durch weltweiten Wettbewerb und Kostendruck, sowie infolge von verkrusteten Strukturen sei Varta „in vielerlei Hinsicht ein typischer Fall für eine deutsche Firma in der Mitte der neunziger Jahre“, urteilte die Financial Times. In der Folge begann ein tiefgreifender Umbau des Konzerns. 1995 wurde der Unternehmensbereich Industriebatterien und damit das historische Kerngeschäft an den britischen Mischkonzern BTR (British Tyre & Rubber Company) verkauft. In etwa der gleichen Zeit wurde das Autobatterie-Geschäft in ein Joint Venture mit der Robert Bosch GmbH eingebracht. 1998 wurden im Zuge einer Umstrukturierung die gesamten Gerätebatterieaktivitäten in der neuen Varta Gerätebatterie GmbH zusammengefasst und Varta-Plastic verkauft. Damit wurde die Konzentration auf die Unternehmensbereiche Geräte- und Autobatterien abgeschlossen und die Varta AG zur reinen Konzernholding. 1999 wurde die Fertigung von Zink-Kohle-Batterien in Ellwangen eingestellt.

Zerschlagung des Konzerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johnson-Controls-Unternehmensgebäude in Hannover am früheren Varta-Gelände

Zum Ende des Jahres 2000 wurden 92 % der Aktien gegen knapp 300 Millionen Euro von einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bank namens DB Investor übernommen und an die Gopla GmbH weitergereicht, an der die Deutsche Bank zu 39 % und die beiden früheren Hauptaktionäre aus der Familie Quandt zu 25,1 % beteiligt waren.[4]

2001 wurde der Geschäftsbereich Microbatterien ausgegliedert, die entstandene Varta Microbattery wurde eine Tochtergesellschaft der Varta AG in Hannover.

Im Sommer 2002 wurden die beiden größten Arbeitsbereiche von Varta verkauft.[4] Zuerst wurde die Mehrheitsbeteiligung im Bereich der Gerätebatterien an den Batteriehersteller Rayovac abgegeben. Eine Woche später kaufte der Kooperationspartner Johnson Controls gegen 312,5 Millionen Euro die 80 % von Varta an der VB Autobatterie GmbH mit der Robert Bosch GmbH und damit den größten Bereich. Varta verblieben 1.700 Beschäftigte und rund 130 Millionen Euro Umsatz im Bereich der Mikrobatterien.

2004 wurde die Beteiligung an Microlite, einem brasilianischen Gerätebatteriehersteller, an Rayovac verkauft. Im Juli 2005 kündigte Spectrum Brands, wie sich Rayovac nun nannte, das Joint Venture mit Varta und übernahm den Geschäftsbereich Handelsbatterien komplett. Somit verblieb nur der Bereich Microbatterien bei Varta. Dieser wurde im Februar 2007 für einen vorläufigen Kaufpreis von etwa 30 Millionen Euro an die österreichische VEG Beteiligungsgesellschaft und Buy-Out Beteiligungs-Invest, die beide zur Global Equity Partners Gruppe gehören und schließlich Ende 2007 an die Montana Tech Components verkauft, die ebenfalls eine Beteiligung der Global Equity Partners Gruppe darstellt.

Mit dem Verkauf aller operativen Geschäftsbereiche verabschiedete sich Varta nach über 100 Jahren ganz aus dem Batteriegeschäft. Varta mit Sitz in Hannover besteht weiter und beschäftigt sich mit der Verwaltung eigenen Vermögens sowie der Verwertung und Abwicklung von Vermögensgegenständen, Verträgen, Verbindlichkeiten und Beteiligungen der Gesellschaft und ihren Tochtergesellschaften. Unter dem Dach von Varta befinden sich die Varta-Unterstützungskasse sowie die Immobiliengesellschaft Pertrix.

Die Volkswagen AG und Varta Microbattery gründeten im Jahr 2009 eine Forschungskooperation, um die Entwicklung von Lithium-Ionen-Akkumulatoren für Elektro-Autos voranzutreiben.[5] Das dazu gegründete Unternehmen trägt heute den Namen VW-VM Forschungsgesellschaft mbH & Co. KG.[6]

Neugliederung des Konzerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Varta AG wurde im August 2011 vom gleichen Unternehmenskonsortium aufgekauft, das auch Varta Microbattery übernommen hatte.[7] Nach der Übernahme brachte Montana Tech Components ihre bis dahin direkt gehaltenen Tochtergesellschaften Varta Microbattery GmbH und Varta Storage GmbH in die Varta AG ein.

Durch Umstrukturierung der VARTA-Beteiligungen ist die VARTA AG heute wieder die Holding-Gesellschaft der gesamten VARTA-Gruppe.[8] Die VARTA AG gliedert sich seitdem in die VARTA Microbattery GmbH sowie die VARTA Storage GmbH als operative Einheiten und die VW-VM Forschungsgesellschaft mbH & Co. KG als Kooperation mit der Volkswagen AG.[5][8]

Im November 2016 wurde angekündigt, dass die Varta AG einen erneuten Börsengang plant[9][10], der jedoch am 29. November 2016 kurzfristig abgesagt wurde.[11]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Burkhard Nadolny, Wilhelm Treue: Varta – ein Unternehmen der Quandt-Gruppe. Verlag Mensch und Arbeit, München 1964 (Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum, die die Unternehmensgeschichte darstellt)
  • Ralf Blank: Hagen im Zweiten Weltkrieg. Bombenkrieg, Rüstung und Kriegsalltag in einer westfälischen Großstadt 1939–1945, Essen 2008 (ausführliche Darstellung der AFA/Varta als Rüstungsunternehmen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Varta Batterien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Varta AG: Impressum
  2. a b Meilensteine der VARTA AG. In: company.varta.com. Abgerufen am 8. Oktober 2016.
  3. Burkhard Nadolny, Wilhelm Treue: Varta – Ein Unternehmen der Quandt Gruppe 1888–1963, Verlag Mensch und Arbeit, München 1964
  4. a b Varta verkauft auch den Bereich Autobatterien. Handelsblatt, August 2002, abgerufen am 8. Oktober 2016.
  5. a b Volkswagen und Varta schmieden Allianz. In: auto-motor-und-sport.de. Auto Motor Sport, 25. September 2009, abgerufen am 1. Dezember 2016.
  6. Handelsregisterdetails zu VW-VM Forschungsgesellschaft mbH & Co. KG. In: online-handelsregister.de. Registeranzeiger GmbH, abgerufen am 1. Dezember 2016.
  7. Wirtschaftsblatt:Tojner Gruppe übernimmt Kontrolle über gesamte Varta AG (Memento vom 10. September 2011 im Internet Archive)
  8. a b Quartalsbericht MonatanTechComponets. Abgerufen am 9. November 2016.
  9. http://boerse.ard.de/aktien/varta-mit-mikrobatterien-an-die-boerse100.html
  10. http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/varta-mit-power-an-die-boerse/14788898.html
  11. Varta verschiebt Börsengang. In: finanznachrichten.de. Finanznachrichten.de, 29. November 2016, abgerufen am 1. Dezember 2016.