James-Webb-Weltraumteleskop

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Das James-Webb-Weltraumteleskop (engl.: James Webb Space Telescope, abgekürzt JWST) ist ein Infrarot-Weltraumteleskop als gemeinsames Projekt der Weltraumagenturen NASA, ESA und CSA, das nach jahrelangen Verzögerungen frühestens im November 2021 gestartet werden soll.[1] Stationiert werden soll das JWST etwa 1,5 Millionen km von der Erde entfernt auf der sonnenabgewandten Seite am Lagrange-Punkt L2 des Erde-Sonne-Systems.

Das Teleskop sollte zunächst Next Generation Space Telescope heißen, bis man sich 2002 für eine Benennung nach dem früheren NASA-Administrator James Edwin Webb entschied. Es kann als wissenschaftlicher Nachfolger des Hubble-Teleskops gesehen werden und soll dessen Leistungen weit übertreffen. Während Hubble im sichtbaren, nahen ultravioletten und nahen infraroten Spektrum arbeitet, ist JWST auf Infrarotastronomie spezialisiert.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der (nah-)infrarote Spektralbereich zeigt bei manchen Untersuchungsobjekten deutliche Vorteile

Das JWST hat vier wissenschaftliche Hauptaufgaben:[2]

  • Die Suche nach den ersten leuchtenden Objekten und Galaxien, die nach dem Urknall entstanden sind.
  • Verbesserung des Verständnisses der Strukturbildungsprozesse im Universum
  • Die Untersuchung der Entstehungsprozesse von Sternen und Planetensystemen, insbesondere die Erforschung von protoplanetarischen Scheiben
  • Konkrete Planetensysteme und ihre Eignung für Leben untersuchen

Das JWST untersucht Wellenlängen von 0,6–28 µm im Frequenzspektrum des infraroten Lichtes. Licht aus weit entfernten und damit auch alten Regionen des Universums wird durch die kosmologische Rotverschiebung in diesen Bereich verschoben. Infrarotlicht wird auch von kühlen Objekten ausgestrahlt und kann interstellare Gaswolken gut durchdringen.[2] Nach Ankunft in der Umlaufbahn und einer sechsmonatigen Inbetriebnahme sollen die wissenschaftlichen Projekte mit dem Teleskop beginnen, die es im derzeit geplanten Umfang für fünf Jahre in Beschlag nehmen sollen. Der Treibstoffvorrat reicht für eine Verlängerung des Wissenschaftsbetriebs auf zehn Jahre.

Finanzierung und Starttermin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die anfängliche Planung war ein Start im Jahr 2011. Später war ein Start im Jahr 2014 mit einer Ariane 5 geplant.[3] Für Bau und zehnjährigen Betrieb waren die notwendigen 3,3 Milliarden Euro auf US-amerikanischer Seite zunächst gesichert. Aufgrund der enorm gestiegenen Kosten empfahl der Wissenschaftsausschuss des US-Repräsentantenhauses jedoch am 13. Juli 2011, den Bau des Teleskops zu stoppen. Die Baukosten wurden von der NASA zu der Zeit auf 8,7 Milliarden Dollar geschätzt.[4] Bis dahin wurden etwa 3 Milliarden Dollar (2,6 Mrd. €) ausgegeben, und etwa 75 % der notwendigen Komponenten waren angeschafft, darunter die meisten wissenschaftlichen Instrumente. Auch alle Elemente des Primärspiegels waren fertiggestellt. Im Dezember 2014 galt die Finanzierung inkl. Betriebskosten der ersten fünf Jahre wieder als gesichert, und ein Start wurde frühestens 2018 erwartet.[5]

Im November 2015 wurde mit der Endfertigung begonnen.[6] Bis Anfang Februar 2016 wurden die 18 Segmente des Primärspiegels installiert.[7] Im November 2016 konnten am Spiegel erste Messungen der optischen Eigenschaften durchgeführt werden.[8] Am 18. Dezember 2015 wurde der Liefervertrag für die Ariane-5-Rakete unterzeichnet. Der Flug war zunächst für Frühjahr 2019 geplant[9] und wurde dann auf frühestens Mai 2020 verschoben, nachdem verschiedene Qualitätsmängel erkannt worden waren. Unter anderem gab es Probleme mit den Steuertriebwerken und beim Entfalten des Sonnenschildes.[10] Mehrfach sind Folien des Sonnenschilds gerissen. Bei einem Vibrationstest fielen Schrauben und Unterlegscheiben aus dem Teleskop.[11] Es folgten weitere Verschiebungen auf frühestens März 2021[12] und auf Ende Oktober 2021. Wegen Problemen mit der Nutzlastverkleidung der Ariane 5 ist auch dieser Termin nicht sicher.[1] Es gibt kein Startfenster, der Start ist beinahe an allen Tagen möglich.

Im Jahr 2018 wurden die Gesamtkosten der Mission auf 9,66 Milliarden Dollar eingeschätzt, davon 8,8 Milliarden Dollar an Entwicklungskosten.[13] Die ESA ist am JWST mit rund 300 Millionen Euro beteiligt. Darin sind der Start mit einer Ariane-5-Rakete, das NIRSpec Instrument, die optische Bank für das MIRI-Instrument und die Kosten für Personal im wissenschaftlichen Missionszentrum (STScI) in Baltimore, USA enthalten.[14] Es handelt sich damit um das teuerste wissenschaftliche Projekt aller Zeiten in der unbemannten Raumfahrt.[15]

Geplanter Missionsverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Start und Flug bis zum Einsatzort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel der Reise: L2

Der Start der Ariane-5-Rakete soll vom Centre Spatial Guyanais in Französisch-Guayana aus erfolgen. Die Gesamtmasse des Teleskopes soll beim Start inklusive Treibstoff etwa 6,2 Tonnen betragen.[2] Das Teleskop muss für den Transport in der Rakete zusammengefaltet werden und soll in der Zeit, während es auf dem Weg zum Beobachtungsorbit ist, in vielen Teilschritten wieder entfaltet werden. Die beiden Raketenstufen sollen das Teleskop zunächst auf Kurs zum Lagrange-Punkt L2 bringen. Nach dem Abtrennen der Raketenstufen und etwa eine halbe Stunde nach dem Start soll das Solarpanel aus fünf Segmenten entfaltet werden. Dadurch wäre die Stromversorgung für den Flug gesichert, und die systemeigene Lageregelung kann ihre Funktionen aufnehmen und Lage, Kurs und Wärmeeinstrahlung kontrollieren, damit die Sonnenstrahlung keine Funktionen beeinträchtigt.

Nach ungefähr einem Tag soll die Mondumlaufbahn gekreuzt und die Parabolantenne ausgefahren werden. Ab dem dritten Tag sollen zuerst die beiden Hauptträger für das Sonnensegel ausgeklappt werden. Am vierten Tag soll das Teleskop angehoben werden, um es von den übrigen Teilen wie Antrieb und Versorgungseinheit thermisch abzuschirmen. Anschließend sollen die Schutzhüllen für die Folien geöffnet und die beiden Seitenmasten in Teleskopbauweise ausgeschoben werden, um den Sonnenschild zu entfalten. Als Nächstes sollen die Folien gestrafft und separiert werden, sodass zwischen jeder Lage ein Zwischenraum entsteht, damit Wärmestrahlung an die Umgebung abgegeben werden kann. Die komplizierte Entfaltung des Sonnenschilds soll ungefähr bis zum elften Tag dauern; dann können der Sekundärspiegel ausgeklappt und die Kühlelemente der Instrumente ausgefahren werden. Vom zwölften bis zum vierzehnten Tag sollen die Seitenteile des Hauptspiegels in die Endposition ausgeklappt werden. In der Zeit bis zum 23. Tag sollen die Instrumente so weit abkühlen, dass sie ihre Funktion für die ersten Tests aufnehmen können.

Am 29. Tag soll das System eine Kurskorrektur unternehmen, um in seine Umlaufbahn um L2 einzuschwenken. Die Spiegel sollen anschließend präzise ausgerichtet werden, um mit der wissenschaftlichen Arbeit beginnen zu können.[16]

Für die gleichmäßige Abkühlung aller Komponenten bis auf Betriebstemperatur, die Funktionstests, die Kalibrierung der Instrumente und Feinjustierung der Spiegel werden sechs Monate Vorbereitungszeit angesetzt; danach werden die ersten wissenschaftlichen Daten erwartet.

Umlaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Position der Lagrange-Punkte im System Erde-Sonne

Das Teleskop soll in eine Umlaufbahn um den Lagrange-Punkt L2 gebracht werden, etwa 1,5 Millionen km über der Nachtseite der Erde. Dadurch kann die störende Infrarotstrahlung von Sonne, Erde und Mond gemeinsam durch den Strahlungsschild abgeschirmt werden und es sind, anders als in einem niedrigen Erdorbit, lange ununterbrochene Belichtungs- und Beobachtungszeiten möglich. Ein positiver Nebeneffekt dieser Umlaufbahn ist, dass das Teleskop kaum gefährdet ist, von Weltraumschrott getroffen zu werden.

Es sind verschiedene Orbits um L2 möglich, Torus-, Halo- oder Lissajous-Orbits, denen gemeinsam ist, dass die Sonde, um die Stromversorgung zu gewährleisten, nicht in den Erd- oder Mondschatten eintritt. Der Orbit wird abhängig vom Startfenster innerhalb des synodischen Monats gewählt.[17]

Orbits um L2 sind nicht stabil, weshalb die Bahn immer wieder durch Raketentriebwerke korrigiert werden muss. Ein Umlauf braucht ungefähr 6 Monate, dabei wird alle 21 Tage korrigiert. Der mitgeführte Treibstoff soll für ca. zehn Jahre reichen. Dies ist der einzige die Missionsdauer hart begrenzende Aspekt des Designs. Die Hauptmission dauert fünf Jahre, eine Verlängerung ist vorbehaltlich der Finanzierung vorgesehen. Ein Nachteil der Positionierung des Teleskops um den L2-Punkt ist die im Vergleich beispielsweise zum Hubble-Teleskop große Entfernung zur Erde, was den Einsatz des Deep Space Networks zur Kommunikation notwendig macht. Während der geplanten Nutzungsdauer sind bisher keine Reparatur- und Wartungsmissionen vorgesehen; es gibt jedoch eine Vorrichtung, die eine nachträgliche Ergänzung der Treibstoffvorräte durch eine Robotermission ermöglichen würde.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um sicherzustellen, dass die Beobachtungen nicht von der Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) des Teleskops und der Instrumente selbst verfälscht werden, muss die gesamte Beobachtung in einem sehr kalten Zustand und besonders geschützt vor Sonnenstrahlen bei unter 50 Kelvin (−223 °C) ablaufen.[2] Das JWST verfügt über einen 21,2 m × 14,2 m großen, mehrlagigen Sonnenschild,[2] der das Teleskop vor den Wärmestrahlen von Sonne, Mond und Erde abschirmt. Das MIRI (Mid Infrared Instrument) wird aktiv gekühlt, um eine Temperatur von unter 15 Kelvin (−258 °C) zu erreichen.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Primärspiegel des JWST während Tests

Das gesamte System besteht aus drei Hauptkomponenten: der Versorgungseinheit, dem Sonnenschild sowie der Nutzlast bestehend aus dem Teleskop und den Instrumenten.

Versorgungseinheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versorgungseinheit (Spacecraft Bus) besteht aus einer Kiste aus Kohlefaserverbundmaterial und stellt die grundlegenden Funktionen für den Betrieb der Sonde bereit. Die wichtigsten Teile sind:[18]

  • Elektrische Energieversorgung: Die Sonde verfügt über Solarmodule mit einer Leistung von 2000 W über die Missionszeit und Akkumulatoren zur Stromversorgung auf der heißen Seite.[19]
  • Lagekontrolle: Die Sonde ist dreiachsenstablilisiert und hat zur Lagekontrolle Sonnensensoren, drei Sternsensoren, Gyroskope, sechs Reaktionsräder und Steuerdüsen. Die Sternsensoren haben ein Gesichtsfeld von ~16° und einen 512 × 512 Pixel Sensor. Sie sind im Winkel von 45° zur Teleskopachse und gegeneinander angeordnet. Die beobachteten Sterne mit einer Magnitude < 6 werden mit einer gespeicherten Sternkarte verglichen und daran die Raumausrichtung erkannt. Die Ausrichtung der Teleskopachse geschieht durch Ausrichtung der gesamten Sonde. Die Ausrichtung der Teleskopachse anhand der Lagekontrolle liegt dabei im Bereich von 8″ noch bevor ein Leitstern erfasst ist und die Feinregulierung eingesetzt wird. Die Feinregulierung, die über einen beweglichen Spiegel ermöglicht wird, ist ein Teil des Teleskops und der Instrumente und nicht Teil der Lagekontrolle.[20]
  • Kommunikationssystem:
    • Zwei ungerichtete Rundstrahlantennen mit Halbkugelcharakteristik im S-Band für Telemetrie, Kommandoübertragung und Ranging zur Positionsbestimmung. Dabei kann die Datenrate im Downlink zwischen 0,2 und 40 kbit/s und im Uplink maximal 16 kbit/s betragen. Die Kommunikation im S-Band über diese Antennen kann zu jeder beliebigen Zeit und in jeder Raumlage stattfinden, solange Sichtkontakt zu einer Bodenstation besteht. Das S-Band wird während der Startphase und in der Flugphase benutzt und dient zur Notfallkommunikation.
    • Eine 20-cm-Mittelgewinnantenne, die in gleicher Richtung wie die Hochgewinnantenne montiert ist und Datenübertragung mit bis zu 40 kbit/s im S-Band ermöglicht.[21]
    • Für die Übertragung der Wissenschaftsdaten verfügt das JWST über eine bewegliche 0,6-Meter-Hochgewinnantenne zur Kommunikation im Ka-Band. Diese Antenne kann aus jeder Lage auch während der Beobachtungen in Richtung Erde gerichtet werden. Die Antenne muss ungefähr alle 2 Stunden und 45 Minuten neu ausgerichtet werden, somit ist dieses die maximale Integrationszeit für Beobachtungen während der Datenübertragung und für spezielle Aufgaben, die während der Beobachtungszeit eine gleichzeitige Datenübertragung benötigen. Die Übertragung ist wahlweise mit einer Datenrate von 7, 14 oder 28 Mbit/s möglich. Normalerweise wird die höchste Datenrate benutzt, sie kann aber reduziert werden, wenn schlechte Wetterbedingungen an der Empfangsstation herrschen. Es ist eine vierstündige Datenübertragungsphase alle zwölf Stunden vorgesehen. Jeder vierstündige Kontakt kann mindestens 28,6 GB Daten übermitteln.[21] Für den Downlink sind die drei Antennenstationen des Deep Space Networks in Goldstone, Canberra und Madrid vorgesehen.
  • Das Kontrollsystem bestehend aus dem Bordcomputer und der Solid State Speichereinheit. Der Speicher hat eine Kapazität von 58,9 GB und ist ausgelegt für die tägliche (in 24 Stunden anfallende) Datenmenge und enthält sowohl die wissenschaftlichen Daten, als auch die Daten aus der Versorgungseinheit.
  • Antrieb und Treibstofftanks: Der Treibstoff ist ausgelegt für zehn Jahre minimum plus ein halbes Jahr Vorbereitungszeit. Es gibt zwei Arten von Antrieb, die jeweils an der Versorgungseinheit angebracht sind.
    • Zwei Paare Secondary Combustion Augmented Thrusters (SCAT) fungieren für das Einschwenken und die regelmäßige Bahnkorrektur am L2 Punkt. Eines der Triebwerke in jedem Paar dient der Redundanz. Sie verwenden Hydrazin (N2H4) und Distickstofftetroxid (N2O4) als Oxidator. Ein Heliumtank hat die Aufgabe, beide Komponenten unter Druck zu setzen.[22]
    • Die Mono-propellant Rocket Engines (MRE-1) ermöglichen Lagekontrolle und Entsättigung der Reaktionsräder. Es gibt 8 redundante MRE-1 Steuerdüsen für die Lagekontrolle in drei Achsen. Diese Triebwerke verwenden nur Hydrazin als Treibstoff.[22]
  • Wärmeregulierung: Die Versorgungseinheit befindet sich auf der heißen Seite und wird bei einer Temperatur von ungefähr 300 Kelvin oder 27 °C betrieben. Zur Wärmeabführung gibt es Radiatoren. Die Instrumente der Nutzlast haben eigene Radiatoren auf der Rückseite des Hauptspiegels

Sonnenschild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Testeinheit des Sonnenschildes im Werk von Northrop Grumman in Kalifornien, im Jahr 2014

Der Sonnenschild hat die Aufgabe, Infrarot- bzw. Wärmestrahlung vom Teleskop und den Instrumenten fernzuhalten. Dieser Sonnenschild besteht aus fünf Lagen Kapton, einem Polyimid, das mit Aluminium und dotiertem Silizium beschichtet wurde. Fünf Lagen Kaptonfolie trennen das Teleskop nicht nur von Sonneneinstrahlung, sondern auch von der Versorgungseinheit und dessen Elektronik, die eine gewisse Mindesttemperatur haben muss, um zuverlässig zu arbeiten. Die Temperaturdifferenz zwischen der sonnenzugewandten Seite mit ca. 358 K (85 °C) und der sonnenabgewandten Seite mit ca. 40 K (−233 °C) beträgt über 300 K.[23] Ein komplizierter Mechanismus sichert die Folien während des Starts und sorgt für die korrekte Entfaltung auf dem Weg zum Ziel.

Optik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das JWST ist als Korsch-Teleskop (TMA – Three-Mirror-Anastigmat) aufgebaut. Die effektive Brennweite beträgt 131,4 Meter.[2]

Der Hauptspiegel hat 6,5 Meter Durchmesser und besteht aus 18 sechseckigen Segmenten, die sich erst im All entfalten. Die Spiegel bestehen aus Beryllium, das hauptsächlich wegen seiner geringen Dichte, seiner hohen Festigkeit und seines niedrigen Wärmeausdehnungskoeffizienten gewählt wurde.[2] Der Spiegel ist ungeschützt und muss Mikrometeoriten standhalten. Das Flächengewicht der Berylliumplatten beträgt 10,3 kg/m² (einschließlich der Spiegelmontierung 15,6 kg/m²). Die einzelnen Segmente können mit Aktuatoren genau ausgerichtet werden. Jedes Segment ist 1,3 Meter groß (Inkreisdurchmesser), bei einer Masse von 20 Kilogramm. Gefertigt wurden sie von Ball Aerospace in Boulder (Colorado). Die letzte Platte verließ am 7. Februar 2007 die Fertigung, um geschliffen und poliert zu werden. Die Primär-, Sekundär- und Tertiärspiegel wurden mit Gold bedampft, das auch im Infrarotbereich sehr gut reflektiert.

Der konvexe Sekundärspiegel lässt sich in sechs Freiheitsgraden ausrichten und ist an einer faltbaren Haltestruktur angebracht. Über den Tertiärspiegel und den Feinausrichtungsspiegel wird das Licht auf die Instrumente in der Bildebene geleitet.

Instrumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Computermodell der NIRCam
Modell des MIRI
  • NIRCam (Near Infrared Camera) ist ein Projekt der NASA und detektiert Licht bzw. Infrarotstrahlung mit einer Wellenlänge zwischen 0,6 und 5 µm mittels Quecksilber-Cadmium-Tellurid-Sensoren. Es soll vor allem zur Erforschung der ersten nach dem Urknall entstandenen Sterne eingesetzt werden. Das Sichtfeld der Kamera besteht aus zwei Quadraten von jeweils 2,3′ × 2,3′ (Bogenminuten), wovon eines Strahlung mit einer Wellenlänge kleiner und das andere größer als 2,5 µm detektiert. Die Winkelauflösung beträgt 0,034″ bzw. 0,068″ (Bogensekunden). NIRCam wird passiv gekühlt bei einer Temperatur von weniger als 50 Kelvin betrieben. Das Instrument wurde von der University of Arizona bereitgestellt.
  • MIRI (Mid Infrared Instrument) ist für Infrarotstrahlung mit Wellenlängen zwischen 5 und 28,3 µm empfindlich und besteht aus einer Kamera mit drei identischen 1024 × 1024-Pixel-Detektoren und einem Spektrographen. Die Winkelauflösung beträgt ca. 0,19″. MIRI wird mit einem Heliumkreislauf aktiv gekühlt auf eine Temperatur von 6 Kelvin. MIRI basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen ESA, einem Konsortium aus staatlich geförderten europäischen Instituten und dem Jet Propulsion Laboratory und Goddard Space Flight Center der NASA. Die Nutzung von MIRI ist aufgeteilt auf 50 % ESA und 50 % NASA.
  • NIRSpec (Near Infrared Spectrograph) ist ein Spektrograph für den Wellenlängenbereich von 0,6 bis 5 µm. Entwickelt und gefertigt wurde er im Auftrag der ESA von Astrium in Ottobrunn und Friedrichshafen.
  • FGS/NIRISS Fine Guidance System/Near-InfraRed Imager and Slitless Spectrograph. NIRISS ist ein schlitzloser Spektrograph mit weitem Gesichtsfeld (2.2' × 2.2') für den Wellenbereich 1,0 µm – 2,5 µm. Das Instrument hat einen Beobachtungsmodus, der zur Spektroskopie von Exoplaneten optimiert ist. Das Fine Guidance System dient der präzisen Ausrichtung der Instrumente und wurde in Kanada entwickelt. Das Projekt wird von der Canadian Space Agency (CSA) geleitet. Weitere Beteiligte sind das Herzberg Institute of Astrophysics, das National Research Council of Canada und die Universität Montreal.

Zusammenarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo des JWST

Teilnehmer in alphabetischer Reihenfolge:

Die NASA, die ESA und die CSA kooperieren seit 1996 beim Projekt des neuen Weltraumteleskops. Der Anteil der Beteiligung der ESA sowohl bei Konstruktion als auch Inbetriebnahme wurde 2003 durch die Mitgliedstaaten bestätigt; im Jahr 2007 wurde offiziell eine Vereinbarung zwischen NASA und ESA dazu getroffen. Im Austausch für eine vollständige Partnerschaft sowie Vertretung und Zugriff ihrer Astronomen auf das Observatorium stellt die ESA das NIRSpec, die optische Bank des MIRI, den Raketenstart durch die Ariane-5 ECA und 15 Mitarbeiter der ESA für den Betrieb im wissenschaftlichen Missionszentrum zur Verfügung.[14][24] Die kanadische CSA stellt den Fine-Guidance-Sensor und den Near-Infrared-Imager-Slitless-Spektrographen sowie Personal zum Betrieb des Teleskops bereit.[25] 15 Prozent der Beobachtungszeit werden der ESA für eigenständige Projekte zur Verfügung stehen.

Für den ersten Beobachtungszyklus mit über 6000 Stunden verfügbarer Beobachtungszeit wurden 1172 Anträge aus 44 Ländern geprüft. Dieser Anteil entspricht zwei Dritteln der gesamten Beobachtungszeit, das restliche Drittel ist bereits fest an Early Release Science and Guaranteed Time (GTO) Programme vergeben. Die Auswahl der Projekte geschieht von einem internationalen Gremium von Astronomen in mehreren Arbeitsgruppen, die die interessantesten davon auswählen. Bei diesen Gremien hat ESA das Mitspracherecht gesichert und Wissenschaftler aus den ESA-Staaten sind in allen Gremien besetzt. Von den 266 ausgewählten Projekten stammen 33 % von ESA-Mitgliedsstaaten, die 30 % der Beobachtungszeit belegen. Von den ausgewählten Projekten werden 41 % primär das NIRSpec- und 28 % das MIRI-Instrument benutzen.[26]

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: James Webb Space Telescope – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jeff Foust: JWST launch slips to November. Space News, 2. Juni 2021, abgerufen am 6. Juni 2021 (englisch).
  2. a b c d e f g The James Webb Space Telescope. NASA, abgerufen am 13. Mai 2012 (englisch).
  3. ABOUT JWST. In: jwst.nasa.gov. Abgerufen am 27. April 2010.
  4. cris: 8,7 Milliarden Dollar In: Süddeutsche Zeitung. München 24. August 2011, S. 16.
  5. James Webb vorerst gerettet. Deutschlandfunk. 27. April 2012. Abgerufen am 28. September 2012.
  6. Martin Holland: Hubble-Nachfolger: NASA beginnt Endfertigung des James-Webb-Weltraumteleskops. heise.de, 30. November 2015, abgerufen am 29. November 2016.
  7. NASA's James Webb Space Telescope Primary Mirror Fully Assembled. NASA, 4. Februar 2016, abgerufen am 11. Februar 2016 (englisch).
  8. NASA Completes Webb Telescope Center of Curvature Pre-test. NASA, 2. November 2016, abgerufen am 29. November 2016.
  9. NASA’s James Webb Space Telescope to be Launched Spring 2019. NASA, 28. September 2017, abgerufen am 1. Oktober 2017.
  10. Jeff Foust: NASA delays JWST launch to 2020. In: Spacenews. 27. März 2018, abgerufen am 9. Mai 2018.
  11. Stephen Clark: JWST beset by another problem as Northrop Grumman revamps training. 8. Mai 2018, abgerufen am 9. Mai 2018.
  12. JWST suffers another launch delay, breaches cost cap. In: Spacenews. 27. Juni 2018, abgerufen am 27. Juni 2018.
  13. NASA Completes Webb Telescope Review, Commits to Launch in Early 2021. 27. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2018.
  14. a b European agreement on James Webb Space Telescope’s Mid-Infrared Instrument (MIRI) signed. Abgerufen am 3. Oktober 2020 (englisch).
  15. Dirk Asendorpf: Das 10-Milliarden-Dollar-Experiment auf www.zeit.de, 1. Juni 2021
  16. Hubble Space Telescope: Webb Telescope Deployment Sequence. 30. Juni 2016, abgerufen am 21. April 2017.
  17. JWST Orbit. James Webb Space Telescope User Documentation, 30. Mai 2017.
  18. JWST - eoPortal Directory - Satellite Missions. Abgerufen am 6. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  19. JWST Spacecraft Bus - JWST User Documentation. Abgerufen am 14. April 2021.
  20. JWST Attitude Control Subsystem - JWST User Documentation. Abgerufen am 15. April 2021.
  21. a b JWST Communications Subsystem - JWST User Documentation. Abgerufen am 14. April 2021.
  22. a b JWST Propulsion - JWST User Documentation. Abgerufen am 14. April 2021.
  23. Webb Orbit. In: jwst.nasa.gov. Abgerufen am 20. September 2018.
  24. ESA Science & Technology: Europe’s Contributions to the JWST Mission
  25. Canadian Space Agency "Eyes" Hubble's Successor: Canada Delivers its Contribution to the World's Most Powerful Space Telescope (Memento vom 12. April 2013 im Internet Archive), Canadian Space Agency, 30. Juli 2012
  26. ESA Science & Technology - Selection of the first James Webb Space Telescope General Observer Scientific Programmes. Abgerufen am 4. April 2021.