Lindow (Mark)
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 52° 58′ N, 12° 59′ O | |
| Bundesland: | Brandenburg | |
| Landkreis: | Ostprignitz-Ruppin | |
| Amt: | Lindow (Mark) | |
| Höhe: | 41 m ü. NHN | |
| Fläche: | 65,47 km² | |
| Einwohner: | 2921 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 45 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 16835 | |
| Vorwahl: | 033933 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OPR, KY, NP, WK | |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 68 280 | |
| Stadtgliederung: | 6 Ortsteile | |
| Adresse der Amtsverwaltung: | Straße des Friedens 20 16835 Lindow (Mark) | |
| Website: | www.amt-lindow-mark.de | |
| Bürgermeister: | Udo Rönnefahrt (FDP) | |
| Lage der Stadt Lindow (Mark) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin | ||
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Lindow (Mark) ist eine Stadt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg (Deutschland). Sie ist Sitz des Amtes Lindow (Mark).
Geografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Stadt liegt auf dem 13. Meridian östlicher Länge ca. 60 km nördlich von Berlin an der Deutschen Tonstraße im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land inmitten von Kiefern- und Mischwäldern auf einer Landbrücke, umgeben von drei Seen: dem Wutzsee, dem Gudelacksee und dem Vielitzsee.
Stadtgliederung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur Stadt gehören folgende Ortsteile und Wohnplätze:[2]
- Ortsteile
Banzendorf, Hindenberg, Keller, Klosterheide, Schönberg (Mark)[3]
- Wohnplätze
Birkenfelde, Dampfmühle, Grünhof, Gühlen, Kramnitz, Kramnitzmühle, Rosenhof, Rudershof, Siedlung Werbellinsee, Sportschule Lindow, Wilhelmshöhe
Geschichte
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Von den Anfängen bis 1638 (Dreißigjähriger Krieg)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Gebiet des Stadtkerns gab es eine frühdeutsche Siedlung. An den umgebenden Seen, darunter auch auf dem Werder im Gudelacksee, lagen im 11. und 12. Jahrhundert slawische Siedlungen. Um 1240 ließen die Grafen von Arnstein – später Lindow-Ruppin – auf einer Halbinsel am westlichen Ufer des Wutzsees ein Nonnenkloster des Zisterzienserordens anlegen. Dieses Kloster wurde vermutlich um 1230 im Temnitzgebiet am Südufer des Katerbowsees bei Netzeband gegründet. Möglicherweise gehörte es anfangs dem Prämonstratenserorden an. Wohl auf Betreiben der Ruppiner Grafen von Arnstein, die damals ihren Herrschaftsbereich nach Norden ausdehnten, erfolgte die Verlegung des Klosters an den heutigen Standort. Sie statteten das Kloster mit umfangreichem Landbesitz und mit Einkünften aus. Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts konnte der Klosterkonvent seinen Besitz bedeutend erweitern, so dass Lindow damals zu den reichsten Klöstern im Norden Brandenburgs gehörte.
Bald nach Gründung des Klosters, wohl um die Mitte des 13. Jahrhunderts, begann sich südlich davon, an einer vom Havelland nach Mecklenburg beziehungsweise in die Uckermark führenden Heer- und Handelsstraße eine städtische Siedlung zu entwickeln. 1373 werden „oppidum et monasterium Lyndow“ urkundlich genannt.
Anfangs reichte die Stadtanlage von der Klosterfreiheit (heute Platz der Einheit) bis an das Mühlenfließ zwischen Gudelacksee und Wutzsee. Als Pfarrkirche diente die Klosterkirche (heute Kirche unter freiem Himmel).
Wohl seit dem 14. Jahrhundert dehnte sich die Stadt nach Süden, entlang der Hauptstraße aus. An ihrem südlichen Ende, am Standort der heutigen Stadtkirche, erhielt die Neustadt eine eigene Pfarrkirche. Sie war ein Feldsteinbau, deren Holzturm, wie beim heutigen Kirchenbau an der Straße stand.
Das nunmehr ein langgestrecktes Oval bildende Stadtgebiet besaß einen unregelmäßigen Grundriss aus zwei Längsstraßen (heute Hauptstraße und Mittelstraße), die durch untergeordnete Querstraßen beziehungsweise - gassen verbunden wurden (Sandgasse, Dammstraße, Seestraße). An einer Gabelung lag der dreieckige Markt, dessen Mittelpunkt das frei stehende Rathaus bildete. Der westliche Abzweig der Hauptstraße führte nach Rheinsberg, der östliche nach Gransee. Dieser verließ an der nördlichen Platzecke die Stadt und folgte danach der westlichen Klostermauer. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts sank er im morastigen Boden des Klosterluchs ein. Daraufhin wurde die Straßengabelung nach Norden an ihre heutige Stelle verlegt.
Aufgrund seiner Lage verfügte Lindow über keine durchgehende Stadtbefestigung und war lediglich teilweise von einem Wall und Graben umgeben. Davon ist bis heute der Feldgraben am südlichen und östlichen Rand des Stadtgebiets erhalten. Erst seit 1722 umschloss ein Palisadenzaun die Stadt.
Als Stadttore bestanden im Süden das Ruppiner Tor, im Norden an der Klosterfreiheit (später Amtsfreiheit) das Rheinsberger oder Granseer Tor und im Osten an der Klostermühle das Mühlentor. Hier erreichte eine von Berlin über Löwenberg kommende Straße Lindow, die als Pilgerweg weiter nach Wilsnack führte. 1530 lagen vor der Stadt zwei Wassermühlen, die Klostermühle und südlich am Rhin die Heringsmühle.
Im 16. Jahrhundert hatte Lindow ca. 650 Einwohner, die vor allem von Ackerbau, Fischerei und Handwerk lebten (u. a. 1563 Schuhmacher-, 1589 Gerber- und 1595 Tuchmacherzunft). Sie waren dem Nonnenkloster zu Abgaben und Dienstleistungen verpflichtet, das auch die obere Gerichtsbarkeit innehatte. Ein vom Kloster bestellter Lehnschulze, der zugleich Pächter des Lehngutes (später Waisenhof Mittelstraße 8) war, besaß das Untergericht.
Mit Einführung der Reformation übernahmen die Landesherren 1541 Besitz und Rechte des Klosters, das in ein Evangelisches Damenstift umgewandelt wurde. Als Mediatstadt unterstand Lindow fortan dem kurfürstlichen Amt, welches bis 1764 im Wirtschaftshof des Klosters ansässig war. Daneben gab es 1581 Rat und Stadtschreiberei, 1652 Bürgermeister und Ratsherren. Die Landesherren unterhielten um 1525 eine Zollstelle.[4]
Von 1638 (Dreißigjähriger Krieg) bis 1803 (Stadtbrand)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Dreißigjährigen Krieg hatte Lindow 1626–1628 mehrfach unter Einquartierungen und Kontributionen sowie Verwüstungen und Plünderungen zu leiden. 1638 brannten die kaiserlichen Truppen des Feldmarschalls Matthias Gallas Stadt und Kloster nieder. Die Einwohnerschaft, die mehrfach in den Wäldern beziehungsweise auf dem Werder im Gudelacksee Zuflucht suchte, fiel in großem Umfang den Kriegshandlungen beziehungsweise nachfolgenden Epidemien zum Opfer. Im Jahr 1652 hatte Lindow nur noch 167 Bewohner.
Nur allmählich kam gegen Ende des 17. Jahrhunderts der Wiederaufbau der Stadt in Gang. Noch 1722 lagen 32 Hofstellen wüst. Eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Belebung spielten die ab 1689 in Lindow und Umgebung angesiedelten Schweizer Kolonistenfamilien. Sie gründeten 1691 in Lindow eine reformierte Gemeinde und errichteten 1694–1696 aus Schweizer Spendengeldern eine eigene Kirche. Sie war ein Zentralbau aus Fachwerk und stand hinter dem heutigen Rathaus, an dessen Stelle der Friedhof der reformierten Gemeinde lag. Erster reformierter Pfarrer war Hercules Delliker aus Zürich. In der Folgezeit gab es nicht nur zwei Kirchengemeinden – jeweils mit Kirche, Pfarrhaus und Schule –, sondern auch jährlich wechselnd einen lutherischen und einen reformierten Bürgermeister. Diesem standen zwei Ratsherren sowie neun Verordnete der Bürgerschaft zur Seite. Darüber hinaus war Lindow in vier Stadtviertel unterteilt, die jeweils einen Stadtviertelmeister wählten.
1696–1713 bestand auf dem früheren Lehngut des Klosters ein Waisenhaus der reformierten Gemeinde (Waisenhof). 1763–1766 und 1794–1803 waren in Lindow eine Artillerie- beziehungsweise eine Invalidenkompanie stationiert.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts entwickelte sich Lindow zu einem regionalen Wirtschafts- und Handelszentrum. Neben der Landwirtschaft gewannen das Handwerk sowie die Brauerei und die Branntweinbrennerei an Bedeutung. Um 1800 bildeten die Tuchmacherei sowie die Kammgarn- und Leineweberei eine wichtige Einnahmequelle. Ein Wollmagazin wurde eingerichtet.; vor dem Ruppiner Tor gab es ein staatliches Salzmagazin (Magazinstraße). Jeweils drei Jahr- und Viehmärkte fanden statt. es bestand ein Zoll- und Akziseamt sowie eine Posthalterei (1798) auf der Strecke von Neuruppin nach Zehdenick. Lindow war Amtssitz eines Kriegs- und Steuerrates, der die Steuer- und Gewerbeaufsicht über die Ruppiner Städte innehatte. Die Einwohnerzahl stieg von 455 (1722) auf 1222 (1817). „Die kleine Stadt hat überhaupt viel Nahrung, Verkehr und Leben…“[5]
Dagegen verlor das Domänenamt an wirtschaftlicher Bedeutung und wurde 1764 dem Amt Alt Ruppin zugeschlagen, dem nunmehr auch die Stadtverwaltung unterstand. Kirche und Klausurgebäude des Klosters verfielen und dienten der Gewinnung von Baumaterial. In den verbliebenen und einzeln neu hinzugekommenen Bauten residierte 1696 das Hochadelige Fräuleinstift.
Zwei Brände zerstörten 1744 und 1746 die Stadtkirche sowie die Bürgerhäuser im südlichen und im nördlichen Stadtbereich. Beim Wiederaufbau scheinen noch durchgängig Fachwerkbauten errichtet worden zu sein. 1780 gab es erst 20 Massivhäuser, deren Zahl bis 1801 auf 31 anstieg. Die Stadtkirche erhielt durch Georg Christoph Berger einen barocken Neubau, dessen Turm wirkungsvoll an die Hauptstraße gesetzt wurde.[4]
Von 1803 (Stadtbrand) bis 1896 (Bahnanschluss)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein verheerender Brand zerstörte 1803 den zentralen Stadtbereich mit Rathaus, Waisenhof sowie 78 Bürgerhäuser mit ihren Nebengebäuden und 23 Schuppen. Weitere Häuser und die Klostermühle fielen 1805 einem Brand zum Opfer. Unmittelbar nach der Brandkatastrophe von 1803 leitete die preußische Staatsverwaltung den Wiederaufbau Lindows ein. Sie beauftragte den Baukondukteur Brasch jun. in Abstimmung mit dem in Lindow ansässigen Kriegs- und Steuerrat von Lindenau und dem Magistrat einen Bestands- und Wiederaufbauplan zu erarbeiten. Aufgrund knapper Finanzmittel war jedoch eine großzügige Neuanlage der Stadt – wie damals gerade beim zu Ende gehenden Wiederaufbau Neuruppins – nicht möglich. Die noch im selben Jahr vorgelegten Planungen sahen daher die weitgehende Beibehaltung der bisherigen Stadtstruktur vor. Zur Erhöhung der Feuersicherheit sollte jedoch das Stadtgebiet geringfügig vergrößert werden, um die Häuser nebeneinander weniger dicht als bisher zu errichten. Hierfür war geplant, die Mittelstraße nach Norden über den Waisenhof hinaus zu verlängern und durch eine weitere Querstraße mit der heutigen Straße des Friedens zu verbinden, was jedoch nicht zur Ausführung kam.

Dagegen wurde die Grünstraße als neue Quergasse und die heutige August-Fischer-Straße als weitere Längsstraße angelegt. Auch der bisherige Friedhof der reformierten Gemeinde, der damals eine neue Fläche außerhalb des Stadtgebiets zugewiesen bekam, wurde von einer Bebauung freigehalten, um hier künftig die schnelle Ausbreitung eines Feuers entlang der Häuserzeile zu verhindern. Das 1807 an dieser Stelle errichtete Rathaus (Straße des Friedens 20) erhielt daher eine von der Straße zurückversetzte Lage.
Bereits 1805 begann der Neubau der aus Bauhlifs- und Feuerkassengeldern finanzierten Bürgerhäuser, der sich einige Jahre hinzog. Baukondukteur Brasch jun. lieferte hierzu die Entwürfe, die durch das Oberdepartement genehmigt wurden. Obwohl der Wiederaufbau aus Kostengründen auch Fachwerkhäuser zuließ entschieden sich die meisten Bürger für Massivbauten. Die Ziegel lieferte die in Klosterheide gelegene Ziegelei des Lindower Oberamtmanns Bütow, das Bauholz wurde in der Lindower Stadtheide geschlagen. Die dadurch entstandenen Bauten prägen bis heute das Lindower Stadtbild.
Nach Abschluss des Wiederaufbaus 1817 hatte Lindow 1222 Einwohner, deren Zahl bis zur Jahrhundertmitte (1858) auf 1624 stieg.
Mit Einführung der preußischen Städteordnung erhielt Lindow 1809 eine vom Domänenamt unabhängige Stadtverwaltung, die aus dem Magistrat mit Bürgermeister, Kämmerer und vier Ratsherren sowie zwölf Stadtverordneten bestand. Die Bürgerschaft begann nunmehr, die Geschicke der Stadt selbst zu bestimmen. So wurden 1810 ein Schulvorstand und Schulverband gebildet und 1811 die Schulen der lutherischen und der reformierten Gemeinde zusammengelegt. 1812 entstand eine Bürgergarde. Auf Anregung des Landrats Graf Friedrich von Zieten gründete sich 1842 ein Verkehrs- und Verschönerungsverein, der am Feldgraben eine Promenade und einen Park anlegte. 1847 konstituierte sich die Lindower Schützengilde. 1859 wurde eine katholische Missionsstation eingerichtet.
Die 1810/11 in Preußen eingeführte Gewerbefreiheit förderte den wirtschaftlichen Aufschwung Lindows. Zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelte sich die Ziegelherstellung, die im 20. Jahrhundert zahlreiche Arbeitskräfte anzog. Zeitweilig waren in der auf dem Werder gelegenen Ziegelei Rudolf Mücke (später „Lindoer Industrie- und Landwirtschafts GmbH“) mehr als 300 Arbeiter beschäftigt. Weitere Ziegeleien, Kalkbrennereien, Sägewerke und Getreidemühlen kamen hinzu.
An der Hauptstraße ließen sich zahlreiche Kaufleute und Gastwirte nieder. Auch die Verkehrsanbindungen der Stadt verbesserten sich. So wurde 1823 eine Postanstalt mit Fahrposten nach Berlin eingerichtet. 1844 erfolgte die Schiffbarmachung des Rhins bis nach Neuruppin und ab 1846 der Ausbau der Chausseen nach Rheinsberg, Gransee und Herzberg. Doch erst 1896 gelang mit der Strecke über Löwenberg nach Berlin der Anschluss an das Eisenbahnnetz.[3]
Von 1896 (Bahnanschluss) bis heute
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1899 kamen zu dem Bahnanschluss die Verbindung nach und 1899 nach Rheinsberg und 1902 nach Neuruppin hinzu. 1909/10 wurde der Kanal zwischen Vielitzsee und Gudelacksee angelegt.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann Lindow, sich zum Kur- und Erholungsort zu entwickeln. 1878 wurden am Wutzsee eine Badeanstalt und 1908 ein Freibad angelegt. 1926 folgte die Badeanstalt am Gudelacksee. Zahlreiche Gasthäuser und Pensionen wurden eingerichtet. Ein markanter Bau entstand 1900 am Markt „Seegers Hotel“ (heute Straße des Friedens 33, „Hotel am Wutzsee“). 1913 hatte Lindow 800 Gäste, 1923 waren es bereits 2000. Im selben Jahr wurde auch eine Kurverwaltung gegründet. 1914–1916 errichtete die Landesversicherungsanstalt Brandenburg am Gudelacksee das Genesungsheim „Wilhelmshöhe“ (heute Salus Klinik). Gemeinsam mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein legte die Stadt am Wutzsee eine Promenade an und war bestrebt, auch die Ufer des Gudelacksees und des Vielitzsees für Spazierwege freizuhalten. Am Gudelacksee entstand ein Bollwerk (Anlegestelle) für den Schiffs- und Bootsverkehr nach Neuruppin und Berlin.
Bis zum 19. Jahrhundert war Lindow kaum über seine mittelalterlichen Grenzen hinaus gewachsen.1697 entstand am Gudelacksee das Vorwerk Gühlen, 1819 an der Stadtheide das Vorwerk Birkenfelde. Auf der zum Kloster gelegenen Amtsfreiheit wurde ab 1720 eine größere Zahl Wohnhäuser errichtet. Nach dem Brand von 1803 entstanden vor allem nördlich der Stadt die Scheunen für Lindower Bürger. Einige Ziegeleien und Windmühlen siedelten sich an. 1817 wurde südöstlich der Stadt der gemeinsame Friedhof der lutherischen und der reformierten Gemeinde angelegt, 1824 folgte der jüdische Friedhof.

Erst seit dem Bahnanschluss begann sich vor dem ehemaligen Ruppiner Tor beiderseits der Bahnhofstraße ein größeres Stadterweiterungsgebiet zu entwickeln. Zu den anfangs schlichten Vorstadthäusern kamen hier seit 1900 einige stattliche Villenbauten (zum Beispiel Bahnhofstraße 52) hinzu. Weitere Vorstadtgebiete entstanden entlang der Rheinsberger Straße sowie am Wutzsee und am Gudelacksee, wobei an den beiden letzteren Villen und Sommerhäuser dominierten (Artur-Fleury-Straße, Am Wutzsee). In den 1920er und 1930er Jahren wuchsen vor allem die nördlichen und südlichen Stadterweiterungen. So errichtete die Kreissiedlungsgesellschft Ruppin mbH 1929–1931 zwischen Banzendorfer und Rönnebecker Weg sowie in der Bahnhofsiedlung mehrere Wohnhäuser 1929/30. Durch den Berliner Regierungsbaumeister a. D. F. O. Seeger für Lindow und die umgebenden Orte aufgestellte Flächenaufteilungs- und Siedlungspläne sahen vor allem entlang der Bahnlinie und um den Bahnhof neue Wohngebiete vor. Auch eine Umgehungsstraße westlich des Gudelacksees war geplant. Die Einwohnerzahl Lindows, die bereits 1875 annähernd 2000 erreicht hatte, stieg 1939 auf 2248.



Im Stadtkern wurden seit dem späten 19. Jahrhundert die letzten Fachwerkhäuser verputzt beziehungsweise durch Massivbauten ersetzt. Die stattlichen, die Gebäude überragenden Wohn- und Geschäftshäuser (Straße des Friedens 16 und 24) und der Hotelbau am Marktplatz blieben jedoch Ausnahmen. Hierzu hat sicherlich beigetragen, dass 1913 ein Statut zum Schutz des Ortsbildes erlassen wurde. In der Regel erhielten die bestehenden Häuser im Erdgeschoss Ladeneinbauten. Auf den Höfen entstanden massive Nebenbauten und Seitenflügel.
Das Baugeschehen wurde im Wesentlichen von ortsansässigen Maurermeistern und Bauunternehmern geprägt, von denen Th. und Ewald Drescher besonders zahlreiche Wohnhausbauten planten und ausführten. Daneben waren die Maurermeister Heinrich Finze, H. Wieder, Otto Rensch und Ernst Jost, die Architekten Heinrich Daut und Emil Harpe sowie die Zimmermeister Max Klagemann und Richard Löwe tätig.
Den Zweiten Weltkrieg überstand Lindow relativ unversehrt. Nach 1945 erhielten im Zuge der Bodenreform vor allem auf dem Gut Gühlen Neusiedler Land zugeteilt. Dort fand auch 1956 die erste LPG-Gründung statt. Seit den sechziger Jahren kam es an der Ernst-Thälmannstraße und Harnackstraße zum Bau mehrerer Wohnblöcke, für die der westliche Teil des städtischen Friedhofs beseitigt wurde. 1969–1971 entstand am Nordufer des Wutzsees eine zentrale Sportschule der DDR (heute Landessportschule, Granseer Straße 10).
Der Stadtkern blieb von größeren städtebaulichen Eingriffen verschont. Zahlreiche Bürgerhäuser fanden 1957/58 Aufnahme in die Denkmalliste. 1976 wurde die Straße des Friedens als Bauensemble in die Bezirksdenkmalliste eingetragen. In Lindow siedelten sich nur wenige Industriebetriebe an (u. a. Kalksandsteinwerk, Sägewerke). Dagegen konnte sich die Stadt, die heute ca. 2900 Einwohner hat, als beliebter Kur- und Erholungsort behaupten.[4]
Seit 1998 ist Lindow (Mark) ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Verwaltungsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lindow gehörte seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt Lindow im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.
Banzendorf, Keller und Klosterheide wurden am 31. Dezember 2001 nach Lindow eingegliedert; Hindenberg und Schönberg (Mark) kamen am 26. Oktober 2003 hinzu.[6]
Bevölkerungsentwicklung
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Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[7][8][9], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stadtverordnetenversammlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Stadtverordnetenversammlung von Lindow besteht aus 16 Stadtverordneten und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,1 % zu folgendem Ergebnis:[10]
| Partei / Wählergruppe | Stimmenanteil 2019[11] |
Sitze 2019 |
Stimmenanteil 2024 |
Sitze 2024 | |
|---|---|---|---|---|---|
| CDU | 29,4 % | 5 | 28,9 % | 5 | |
| Pro Lindow | – | – | 27,8 % | 4 | |
| Wählergruppe Lindow Land | 19,0 % | 3 | 20,4 % | 3 | |
| SPD | 17,2 % | 3 | 11,8 % | 2 | |
| Bündnis 90/Die Grünen | 17,6 % | 3 | 5,5 % | 1 | |
| Einzelbewerberin Ellen Krukenberg | – | – | 3,0 % | 1 | |
| FDP | 16,8 % | 2 | 2,6 % | – | |
| Insgesamt | 100 % | 16 | 100 % | 16 |
Bürgermeister
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1998–2008: Dieter Eipel (CDU)[12]
- 2008–2014: Wolfgang Schwericke (SPD)[13]
- 2014–2019: Heidrun Otto (CDU)[14]
- seit 2019: Udo Rönnefahrt (FDP)[15]
Rönnefahrt wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 bei zwei Gegenkandidaten mit 52,2 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.[16] Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.[17]
Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Blasonierung: „In Gold ein ausgerissener grüner Lindenbaum, der Stamm belegt mit einem kleinen roten Schild, darin ein silberner Adler mit goldener Bewehrung.“[18] | |
| Wappenbegründung: Das Wappen der Stadt ist seit dem 14. Jahrhundert auf Siegeln überliefert; es zeigt als redendes Symbol einen Lindenbaum. Der Adlerschild ist das Familienwappen der Stadtgründer, der Herren von Ruppin.
Das Wappen wurde am 29. März 2001 durch das Ministerium des Innern genehmigt. |
Städtepartnerschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1967 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Harfleur aus der Normandie in Frankreich. Der heutige Lindower Ortsteil Banzendorf pflegt seit 2001 eine Partnerschaft mit Jemiołów aus Polen. Im Jahre 2010 wurde die Partnerschaft mit Březnice in Tschechien geschlossen.
Sehenswürdigkeiten und Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Straßen und Plätze
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am Wutzsee
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die frühere Seegarten- beziehungsweise Klostermühlenstraße liegt am nordöstlichen Rand des Stadtkerns und verläuft am Ufer des Wutzsees. Bereits seit alters her gab es hier einen Weg, der vom Markt zum Mühlentor und zur Klostermühle (Nr. 2) beziehungsweise zum Kloster führte. In seinem westlichen Teil, nahe zum Markt, lagen das Pfarrhaus und die Schule der reformierten Gemeinde. Nach Südosten schloss sich die Straße nach Löwenberg und Berlin an, die am Südufer des Wutzsees verlief. Im östlichen Straßenabschnitt entstanden am Wutzsee seit dem 19. Jahrhundert mehrere Villen und Sommerhäuser. 1878 wurde eine Badeanstalt und 1908 ein Freibad errichtet.
Arthur-Fleury-Straße
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Straße zweigt nach Westen von der Bahnhofstraße ab und verläuft annähernd parallel zum Kanal zwischen Vielitzsee und Gudelacksee. Frühere Bezeichnungen waren Kavelweg sowie Bismarck- und Waldstraße. Als erstes größeres Gebäude wurde nach 1866 das Schützenhaus an der bis dahin weitgehend unbebauten Straße errichtet. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden an der nördlichen Seite mehrere Villen und Sommerhäuser. Zu ihnen gehört das für den Berliner Schlächtermeister Franz Friedrich durch Maurermeister Heinrich Finze errichtete Anwesen (später Ferienheim Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf), das zu den stattlichsten Villenbauten Lindows zählte (baulich überformt).
Bahnhofstraße
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Bahnhofstraße (in der DDR Straße der Jugend) beginnt am südlichen Rand des Stadtkerns, am ehemals an der Stadtkirche gelegenen Ruppiner Tor. Sie ist Teil der in südliche beziehungsweise südwestliche Richtung führenden Chausseen nach Kremmen (über Herzberg) und Neuruppin. Bis weit ins 19. Jahrhundert erstreckten sich beiderseits der Straße Äcker und Wiesen der Lindower Bürger. An der Brücke über den Kanal zwischen Vielitzsee und Gudelacksee lag vermutlich im 16. Jahrhundert die Heringsmühle (auch Kleine Mühle). Gefördert durch den Ausbau zur Chaussee, 1846 und den 1896 an die westliche Seite herangeführten Eisenbahnanschluss, entwickelte sich, insbesondere seit dem Ende des 19. Jahrhunderts beiderseits der Bahnhofstraße ein langgestrecktes Stadterweiterungsgebiet. Wurden anfangs schlichte Vorstadthäuser errichtet (zum Beispiel Nr. 31 und Nr. 37), entstanden seit der Zeit um 1900 verstärkt stattliche Villen (zum Beispiel Nr. 18). Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts kamen weitere Ein- und Mehrfamilienhäuser hinzu. In der Straße siedelten sich einige Wirtschaftsunternehmen an, darunter die Baufirmen der Maurermeister Heinrich Finze und Otto Rensch, die Dachdeckerei von Albert Jost und am Bahnhof die mit einer Dampfmaschine betriebene Fabrik der „Brandenburgischen Stockholzverwertungsgesellschaft“ aus Berlin.[4]
Markt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Markt bildete das Zentrum der anfangs vom Kloster bis an das Mühlenfließ zwischen Wutzsee und Gudelacksee reichenden Altstadt. Seine dreieckige Form erinnert daran, dass sich hier bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts die Straßen nach Rheinsberg und Gransee gabelten (siehe Straße des Friedens). Am Markt stand bis zum Stadtbrand 1803 das Rathaus, ein zweigeschossiger Fachwerkbau mit Uhrturm. Im Rathaus befanden sich der Saal für die Gemeindeversammlungen sowie Akziseamt, Wachtstube und Ratskeller mit Weinausschank. Seit dem Wiederaufbau 1803 wird der Platz von zweigeschossigen Bürgerhäusern eingefasst. Aus ihnen ragt das 1900 errichtete Hotel „Am Wutzsee“ deutlich heraus (Straße des Friedens 33). Auch die nordöstliche Platzecke war durch Wohnbauten geschlossen, die jedoch im 20. Jahrhundert abgebrochen wurden (genannt: Süße Ecke), wodurch sich der Blick zum Wutzsee öffnete. 1814 wurde auf dem Markt eine Friedenseiche gepflanzt. 1815 erfolgte die Benennung Friedrich-Wilhelm-Platz und die Pflanzung von Linden um die Friedenseiche. 1864 wurde eine weitere Friedenseiche gesetzt. 1931 erhielt der Platz eine kleinteilige Granitpflasterung. Nach 1945 wurde die Lindenpflanzung beseitigt und in den 1990er Jahren ein Informationspavillon errichtet.[4]
Mittelstraße
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Mittelstraße, früher auch Achterstraße, erhielt ihre Bezeichnung wegen ihrer Lage zwischen Straße des Friedens und August-Fischer-Straße, zu denen sie parallel ausgerichtet ist. Am südlichen Ende der geschwungen verlaufenden Straße an einer leicht trichterförmigen Aufweitung liegt der Kirchplatz. Dort stehen Stadtkirche, Schule (Nr. 35), Kantorhaus (Nr. 34) und Gemeindehaus (Nr. 32). Am nördlichen Straßenende befindet sich der ehemalige Waisenhof (Nr. 8), ursprünglich ein Lehngut des Klosters Lindow. 1696–1713 gehörte das Waisenhaus der reformierten Gemeinde. Im 20. Jahrhundert wurde die dreiseitige Hofanlage stark überformt. Die Straße wird von ein- und zweigeschossigen Wohnhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts gesäumt, bei denen es sich im Kern häufig um Fachwerkhäuser handelt.[4]
Straße des Friedens
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Die Straße führt im Zuge eines alten Heer- und Handelsweges in nordsüdlicher Richtung durch Lindow. und bildet die Hauptstraße des Stadtkerns. Frühere Namen waren Breite, Große und Hohe Straße beziehungsweise Steinweg. Am südlichen Straßenende lag das Ruppiner Tor. 1457 wurde hier die erste Pfarrkirche Lindows errichtet. Ihr barocker Nachfolgebau bildet heute mit seinem Turm den markanten Blickpunkt der Straße. Im mittleren Straßenabschnitt steht leicht zurückversetzt das Rathaus(Nr. 20).[4] An dieser Stelle befand sich früher der Friedhof der reformierten Gemeinde. Deren 1694–96 erbaute Kirche, ein achteckiger Zentralbau aus Fachwerk, stand hinter dem Rathaus. Sie wurde wegen Baufälligkeit 1840 geschlossen und um 1878/79 abgetragen.
Nördlich davon liegt der dreieckige Marktplatz, auf dem sich bis 1803 das Rathaus befand. Früher gabelte sich hier die Straße, wobei der westliche Abzweig nach Rheinsberg und der östliche nach Gransee führte. Letzterer verlief an der östlichen Marktseite, über die Amtsfreiheit und folgte der westlichen Klostermauer. Aufgrund des moorigen Bodens im Klosterluch sank er ein und wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgegeben. Im nördlichen Straßenabschnitt befand sich das 1798 abgebrannte Beginenhaus des Klosters. Auch der Kriegs- und Steuerrat von Lindenau, tatkräftiger Förderer des Wiederaufbaus von Neuruppin und Lindow, hatte um 1800 hier seinen Wohnsitz. Am nördlichen Ende der Straße des Friedens, am heutigen Platz der Einheit, stand das Granseer Tor (auch Rheinsberger oder Klostertor).
Die Straße wird von geschlossenen Reihen, meist zweigeschossiger traufständiger Bürgerhäuser gesäumt. Die in ihren Traufhöhen, Dachneigungen und Fassadengestaltungen leicht variierenden Bauten geben der Straße bis heute ein überaus lebhaftes Bild. Sie entstanden mehrheitlich in zwei Wiederaufbauphasen nach den Stadtbränden in den Jahren 1746 und 1803. Seit jeher bildet die Straße den Mittelpunkt des Handels und des Verkehrs in Lindow, in der die meisten Gasthäuser, Geschäfte und Handwerksbetriebe ansässig sind. Auch die jüdische Gemeinde besaß hier im Haus der Kaufmannsfamilie Michaelis (Nr. 51) ihren Betsaal.
Ab dem späten 19. Jahrhundert erhielten zahlreiche Häuser in den Erdgeschossen Ladeneinbauten. Damals wurden auch einzelne dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser errichtet, die jedoch Ausnahmen in der Stadt bleiben (Nr. 16, 24 und 33). Wohl im Zuge des 1846 begonnenen Ausbaus der Chaussee nach Rheinsberg und Gransee und über Lindow nach Herzberg wurde die Straße einschließlich der Gehwege gepflastert. In den 1930er Jahren erhielt die Fahrbahn eine kleinförmige Granitpflasterung, die mittlerweile durch eine Asphaltdecke ersetzt wurde. Anstelle von Weißdornreihen aus den 1930er Jahren wurden beidseitig schwedische Maulbeeren gepflanzt.
Bauwerke
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- Kloster Lindow, von dem 1230 gegründeten Zisterzienserinnenklosters am Ufer des Wutzsees sind nach der Zerstörung im 17. Jahrhundert noch einige Bauteile im ruinösen Zustand erhalten
- Evangelische Pfarrkirche, ein barocker Saalbau, der von 1751 bis 1755 erbaut wurde, sehenswert sind Orgel und Kanzelaltar aus der Erbauungszeit
- Kantorhaus
- Gemeindehaus
- Pfarrhaus
- Katholische Kirche St. Joseph von 1931
- Bahnhof
- Rathaus, klassizistischer Bau von 1809
- Klostermühle
- Postamt
- Schule
- Wohn- und Geschäftshaus genannt Rotes Schloss
- Wohnhaus genannt Puppenhaus
- Hotel und Restaurant Am Wutzsee
- Wohnhaus Am Wutzsee 4
- Klinik Wilhelmshöhe
Denkmale
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- Findling auf dem Friedhof an der Neuen Straße zum Gedenken an sechs Opfer des Todesmarsches von KZ-Häftlingen im April 1945
- Jüdischer Friedhof in der Harnackstraße in Höhe des Stadtparks, angelegt 1824, hat die NS-Zeit unbeschadet überdauert und wurde 1988 restauriert
- Denkmal im Stadtpark für die Opfer der Kriege und die Opfer des Faschismus
- Stolpersteine für ermordete jüdische Mitbürger[19]
Regelmäßige Veranstaltungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Schlittenhunderennen in der Sportschule Lindow am zweiten Märzwochenende (seit 1992)
- „Literatur & Musik“ in der Klosterruine am ersten Sonntag im September
- Wutzseelauf veranstaltet von der Sportschule Lindow immer Anfang Juni (seit 2004).
Wirtschaft und Infrastruktur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Verkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Lindow liegt an der Landesstraße 19 zwischen Rheinsberg und Kremmen.
Der Bahnhof Lindow liegt an der Bahnstrecke Löwenberg–Flecken Zechlin und wird ganzjährig von der Regionalbahnlinie RB 54 von Rheinsberg nach Löwenberg bedient. Einzelne Fahrten werden bis Berlin durchgebunden.
Durch die Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft ist Lindow mit einer PlusBus- sowie weiteren Regionalbuslinien verbunden.
Bildung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Staatliche Schulen
- Drei-Seen-Schule
- Schulen in freier Trägerschaft
- Berufsfachschule für Sport Lindow der Europäischen Sportakademie Land Brandenburg
Sport
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Volleyball-Männermannschaft des SV Lindow-Gransee spielt in der Saison 2019/20 in der 2. Volleyball-Bundesliga Nord.
Jüdisches Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Früher als in anderen Orten im Ruppiner Kreis finden sich in Lindow Spuren jüdischen Lebens. Ein Schreiben von Abraham Salomon, Schutzjude in Oranienburg, erwähnt Lindow als dessen Geburtsort.[20] Zu einem kurzfristigen Aufleben jüdischer Kultur[21] kam es durch den Zuzug des Kaufmanns Samuel Neumann (1788–1858) mit Beteiligung von Juden aus Gransee und Rheinsberg. Naumann war 1815 nach Lindow gezogen und richtete 1825 eine private Synagoge im Dachgeschoss seines Wohnhauses ein (Straße des Friedens 51). Ein Jahr zuvor war der jüdische Friedhof eingeweiht worden.[22] Im Jahr 1842 lebten in Lindow 15 jüdische Bürger, davon zwei in schulfähigem Alter.[23] Die Kinder besuchten neben dem Schul- auch jüdischen Religionsunterricht.
Die Gemeinde war in der Lage, einen Schächter zu beschäftigen, der gleichzeitig bei Gottesdiensten Vorsänger war. Das Amt als Schächter und Vorsänger wurde von 1839 bis 1844 von Kantor Moritz Herzberg ausgeübt. Zur Gründung der Lindower Synagogengemeinde kam es 1854, als sich zwölf „großjährige“ Juden aus Lindow und vier aus Gransee damit einverstanden erklärten, einen Synagogenverband zu bilden. Am 27. April 1855 erklärten die Kaufleute Roth und Hirschfeld aus Rheinsberg, dem Lindower Synagogenverband beitreten zu wollen. Lewin (Ludwig) Hirschfeld wurde zwei Wochen später zum Mitglied des Vorstands gewählt. Die Mitgliederzahl der Synagogengemeinde wuchs an. Im Jahr 1856 bestand sie aus 49 Personen, darunter acht schulpflichtige Kinder. 1858 ging der Friedhof in das Eigentum des Synagogenverbandes über, dessen Mitglieder und deren Angehörige sich einen kostenlosen Begräbnisplatz erwarben.
Zwanzig Jahre lang entwickelte sich ein reges Gemeindeleben, in dessen Mittelpunkt die Familien Naumann und Michaelis standen. Beide waren durch Heiraten verbunden. Sie förderten die Gottesdienste, zu denen Juden aus Rheinsberg, Gransee und Himmelpfort anreisten. Es wurde sogar ein Kantor angestellt und an hohen Feiertagen reiste ein Rabbiner aus Berlin an. 1863 und 1864 hatte die Synagogengemeinde einen jüdischen Lehrer, Nathan Lewithal, der Schächter, Vorbeter und Privatlehrer war.
Die Geschichte der Juden in Lindow ist mit den Michaelis verbunden. Sie waren einerseits im bürgerlichen Leben der Stadt von Bedeutung. So wurde der Fabrikbesitzer Moritz Michaelis 1875 Vorsitzender des städtischen Männerturnvereins und der Kaufmann Lesser Michaelis wurde zum Stadtverordneten in Lindow gewählt. Andererseits sorgte sie für die Aufrechterhaltung der jüdischen Infrastruktur. Die Familie erwarb sowohl das Naumannsche Wohn- und Geschäftshaus mit der Synagoge als auch mit Lesser Michaelis das Grundstück des Friedhofs.[24]
Dennoch war die Lindower Synagogengemeinde auf Dauer nicht lebensfähig, da die Sitze in der Repräsentantenversammlung nicht gleichzeitig an Vater, Sohn und Bruder einer Familie vergeben werden durften. Daher kam es zu Überlegungen über die Zusammenlegung des Lindower und des Neuruppiner Synagogenverbandes. 1895 wurden zwar noch siebenundzwanzig jüdische Bürger in Lindow gezählt, aber das Zentrum jüdischen Lebens hatte sich nach Neuruppin verlagert. Die Juden verließen die Stadt. Familie Michaelis verkaufte ihr Haus mit Synagoge an einen Nichtjuden. Das Inventar, Truhimmel, schmückende Decken und Vorhänge, wurde an das jüdische Lehrseminar in Breslau abgegeben.
1910 wurden in Lindow noch achtzehn jüdische Einwohner gezählt, 1933 waren es vermutlich noch sechs. Heute erinnern die auf Initiative von Horst Borgmann verlegten Stolpersteine an Pauline Frankfurter, Alfred Frankfurter, Emil Kreide und Max Kreide, die durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ums Leben gekommen sind.

Im April 2025 wurde bei Aufräumarbeiten in Lindow eine Torarolle entdeckt. Sie befindet sich in gutem Gebrauchszustand und wird bei der Jüdischen Gemeinde Wiedergeburt in Oranienburg aufbewahrt.[25]
Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geboren in Lindow
- Theodor Zechlin (1818–1895), Kommunalpolitiker, Apotheker und altmärkischer Heimatforscher
- Friedrich Kienscherf (1818–1890), Orgelbauer in Eberswalde
- Paul Bonte (1862–1940), Marinegeneralarzt der deutschen kaiserlichen Marine
- Max Zell (1866–1943), Industrieller in der Braunkohlenindustrie
Mit Lindow verbunden
- Theodor Fontane (1819–1898), Schriftsteller, Journalist und Theaterkritiker hat Lindow mehrmals besucht.[26]
- Heinrich Steinhausen (1836–1917), Schriftsteller, um 1875 Pfarrer in Lindow
- Erich Honecker (1912–1994), deutscher Politiker, lebte 1990 kurze Zeit im Landgut Gühlen
- Horst Borgmann (* 1942), deutscher Reserveoffizier, Geodät, Bauingenieur und Theologe, lebte 1945–1950 in Lindow, 2009–2022 Vorsitzender des Stiftskapitels des evangelischen Stifts Kloster Lindow
- Wolfgang Huber (* 1942), deutscher evangelischer Theologe, Publizist und Hochschullehrer, lebt in Lindow
- Willi Born (1950–1970), Maueropfer, in Lindow bestattet
- Peter Maaß (* 1992), Landesvorsitzender der Jusos Berlin, in Lindow aufgewachsen[27]
Geboren in der Gemeinde
- Dieter Stellmacher (* 1939), Philologe und Hochschullehrer, in Klosterheide geboren
- Volker Liche (* 1941), Flottillenadmiral, in Klosterheide geboren
- Jimmi D. Paesler (* 1942), Maler, in Klosterheide geboren
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Robert Rauh: Lindow. In: Fontanes Ruppiner Land. Neue Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Berlin 2019, ISBN 978-3-86124-723-4
- Martin Zeiller: Lindau. In: Matthäus Merian (Hrsg.): Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (= Topographia Germaniae. Band 13). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1652, S. 72 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bevölkerungsstand im Land Brandenburg Dezember 2024 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, basierend auf dem Zensus 2022) (Hilfe dazu).
- ↑ Kommunen / Landkreis Ostprignitz-Ruppin / Amt Lindow (Mark) / Stadt Lindow (Mark). Dienstleistungsportal der Landesverwaltung
- ↑ a b Änderung des Namens der Gemeinde Schönberg, Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 22. September 2000. In: Amtsblatt für Brandenburg, Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 11. Jahrgang, Nummer 42, Potsdam, den 25. Oktober 2000, S. 919 – wurde geändert in Schönberg (Mark) – bravors.brandenburg.de (PDF; 191 kB)
- ↑ a b c d e f g Ulrike Schwarz, Matthias Metzler: Denkmale in Brandenburg - Landkreis Ostprignitz-Ruppin. In: Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1. Auflage. Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 61–62.
- ↑ Friedrich Wilhelm August Bratring: Die Grafschaft Ruppin in historischer, statistischer und geographischer Hinsicht – Ein Beitrag zur Kunde der Mark Brandenburg. Berlin, 1799, S. 401
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe die entsprechenden Jahre
- ↑ Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin (PDF) S. 18–21
- ↑ Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. (MS Excel) Tabelle 7
- ↑ Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
- ↑ Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
- ↑ Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
- ↑ Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin ( vom 13. April 2018 im Internet Archive)
- ↑ Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen (PDF) S. 10
- ↑ Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 ( vom 11. Februar 2016 im Internet Archive)
- ↑ Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 ( vom 9. August 2019 im Internet Archive)
- ↑ Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 9.6.24
- ↑ Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
- ↑ Karlheinz Blaschke, Gerhard Kehrer, Heinz Machatscheck: Lexikon – Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. Hrsg.: Heinz Göschel. 1. Auflage. VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1979, S. 260.
- ↑ Peter Tresp: Stolpersteine. Touristinformation der Stadt Lindow/Mark, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 10. Juli 2015; abgerufen am 17. Mai 2012. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Geheimes Staatsarchiv 1. HA Rep. 21 Nr. 211 o.Fasz. 2
- ↑ Vgl. Klaus Arlt: Aufbau und Niedergang jüdischer Gemeinden in der Mark Brandenburg im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in Menora: Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte 1993, S. 320 f.
- ↑ Vgl. Brocke: Steinn und Name, S. 475
- ↑ Die Juden und die jüdischen Gemeinden Preußens in amtlichen Enqueten des Vormärz; München 1998, S. 64
- ↑ Susann Schober: Geschichte der Jüdischen Gemeinde in Lindow (Mark) aus Universität Potsdam: Jüdische Friedhöfe in Brandenburg, ohne Datum
- ↑ Dr. Oswalt: Eine kurze Blüte in der Mitte des 19. Jahrhunderts - Die jüdische Gemeinde in Lindow. Hrsg.: Eigenhändiges Manuskript. ohne Verlag, unbekannt.
- ↑ Am 6. Januar 1873 schrieb Fontane an seine Schwester Elise: „Ich will wirklich mit Frau und Kind irgendwo im Ruppinschen, am liebsten in der Lindower Gegend, mich niederlassen; Kennst Du vielleicht einen guten Platz? Ich denke, ein geräumiges Lehrer-Haus (wenn es solche überhaupt giebt), würde meinen Wünschen am ehsten entsprechen. Ich will dann, von einem Mittelpunkte aus und immer zu diesem zurückkehrend, in Radien das Land durchstreifen, oder „durchstoßen“ wie wir Militairs sagen.“
- ↑ Ein Lindower ist Berlins neuer Juso-Chef. In: Märkische Oderzeitung. 19. August 2020, abgerufen am 5. Mai 2021.

