Luhe-Wildenau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Luhe-Wildenau
Luhe-Wildenau
Deutschlandkarte, Position des Marktes Luhe-Wildenau hervorgehoben
Koordinaten: 49° 35′ N, 12° 9′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberpfalz
Landkreis: Neustadt an der Waldnaab
Höhe: 389 m ü. NHN
Fläche: 38,65 km2
Einwohner: 3424 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner je km2
Postleitzahl: 92706
Vorwahl: 09607
Kfz-Kennzeichen: NEW, ESB, VOH
Gemeindeschlüssel: 09 3 74 133
Marktgliederung: 14 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausplatz 1
92706 Luhe-Wildenau
Webpräsenz: www.luhe-wildenau.de
Bürgermeister: Karl-Heinz Preißer (SPD)
Lage des Marktes Luhe-Wildenau im Landkreis Neustadt an der Waldnaab
Landkreis Bayreuth Landkreis Schwandorf Weiden in der Oberpfalz Landkreis Tirschenreuth Landkreis Amberg-Sulzbach Georgenberg Pleystein Neustadt am Kulm Pressath Trabitz Eschenbach in der Oberpfalz Bechtsrieth Windischeschenbach Weiherhammer Waldthurn Waidhaus Vohenstrauß Theisseil Tännesberg Störnstein Schwarzenbach (Oberpfalz) Schlammersdorf Schirmitz Püchersreuth Pirk Parkstein Neustadt an der Waldnaab Mantel (Markt) Luhe-Wildenau Leuchtenberg Kohlberg (Oberpfalz) Kirchenthumbach Kirchendemenreuth Irchenrieth Grafenwöhr Flossenbürg Floß (Oberpfalz) Etzenricht Eslarn Altenstadt an der Waldnaab Speinsharter Forst Manteler Forst Vohenstrauß Heinersreuther Forst (Oberpfalz) Tschechien Vorbach Speinshart Moosbach (Oberpfalz)Karte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt
Luhe (2015)
Oberwildenau (2016)

Luhe-Wildenau ist ein Markt im Oberpfälzer Landkreis Neustadt an der Waldnaab.

Die Kommune wurde 1978 aus dem Markt Luhe und den Gemeinden Oberwildenau und Neudorf bei Luhe gebildet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Naabtal, umgeben von ausgedehnten Wäldern. Im Gemeindebereich vereinigen sich die Waldnaab und die Haidenaab bei Unterwildenau zur Naab. In diese mündet bei Luhe auch der gleichnamige Fluss Luhe. Das Naabtal ist in Nord-Süd-Richtung offen, während es östlich und westlich von Hügelketten des Oberpfälzer Waldes gesäumt ist. Im Naabtal verlaufen die Bahnstrecke Regensburg–Oberkotzau (–Hof), die Bundesautobahn 93 und die ehemalige Bundesstraße 15.

An der Waldnaab liegt ein kleines Hammerschloss, in dem früher die Wasserkraft Maschinen antrieb. In Luhe liegt die erste Mühle an der Naab. An der sogenannten Naabmühle wurde früher die Wasserkraft für eine Säge und eine Getreidemühle verwendet. Heute wird die Energie des Wassers jeweils zur Stromerzeugung genutzt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Luhe-Wildenau hat 14 Ortsteile[2]:

  • Forsthof
  • Gelpertsricht
  • Glaubenwies
  • Grünau
  • Haselhöhe
  • Luhe
  • Meisthof
  • Neudorf bei Luhe
  • Neumaierhof
  • Oberwildenau
  • Ödhof
  • Schwanhof
  • Seibertshof
  • Sperlhammer
  • Unterwildenau

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Slawische Besiedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinweise zur Besiedlung gibt es bereits vor dem 6. Jahrhundert vor Christus (Hügelgrab bei Neumaierhof). „Weit vor der Jahrtausendwende sickerten slawische Siedler aus dem Osten in die Gegend des Oberpfälzer Waldes ein und drangen langsam bis zum Flusslauf der Naab vor. Eine Urkunde aus dem Jahre 905 (‚… cuidam homini suo nomine Immo in comitatu senioris sui prope aquam que dicitur Loua unam quam sclauus quidam nomine Gruonkin quondam obsederat …‘[3]) berichtet von einem gewissen Immo, dem König Ludwig das Kind auf Bitten des Markgrafen Luitpold eine Hube, also eine Hofstelle mit Grund und Boden, beim Wasser Luhe schenkte, die zuvor ein Slawe namens Gruonkin besessen hatte.“[4]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung des Ortes Luhe dürfte auf den „Schnittpunkt dreier Altstraßen“[5] zurückgehen. Entlang der Naab von Regensburg ausgehend verlief in Richtung Norden die an Schwarzenfeld, Nabburg, Pfreimd und Wernberg vorbeiführende Magdeburger Straße, die über Mitteldeutschland zur Wismarer Bucht führte. Diese wohl älteste Handelsstraße der Oberpfalz tangierte Luhe, die „bereits Claudius Ptolemäus aus Alexandrien im 2. Jahrhundert n. Chr. … benennt“.[6] Von Nürnberg über Amberg und Luhe nach Eger verlief eine zweite Altstraße. Eine weitere „uralte Straße“,[7] von Sulzbach kommend, führte über Luhe entlang des gleichnamigen Flusses nach Michldorf, Kaimling, Waldau und von da aus über Georgenberg nach Tachau.

Markt Luhe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der genaue Zeitpunkt der Markterhebung von Luhe lässt sich nicht feststellen. Sicher ist aber, dass Luhe vor 1280 zum Markt erhoben worden war, da Luhe erstmals im Nachtrag über die Reichsgüter Parkstein-Weiden-Floß zum Urbar des Vitztumamtes Straubing als Markt erwähnt wird.[8] Vor rund 750 Jahren erhielt Luhe das Marktrecht. Dieses Privileg bekräftigten 1331 Kaiser Ludwig der Bayer und 1383 Erzbischof Johannes VI. von Prag. Damit durften die Luher Bürger jährlich zwei Jahrmärkte und an jedem Mittwoch einen Markttag ausrichten. Der Freiheitsbrief von 1331 beinhaltete darüber hinaus die Verleihung der eigenen Gerichtsbarkeit. 1376 wurde ein Pilgerablass durch den Prager Erzbischof Johannes gewährt. Der alte Markt Luhe erlangte große wirtschaftliche Bedeutung als Altstraßenknotenpunkt. Hier kreuzte sich die in Nord-Süd-Richtung verlaufende mittelalterliche Magdeburger Straße mit der von Nürnberg nach Prag führenden Alten Heerstraße (Teil der Goldenen Straße). Eine weitere Anbindung bestand zu Amberg, dem Zentrum des spätmittelalterlichen Eisenerzbergbaues. Handel und Handwerk profitierten von der zentralen Lage. Reisende, Fuhrleute und Zugtiere waren zu versorgen. Zu dieser Zeit gab es in Luhe bereits vier Mühlen, mehrere Wirtshäuser, Bäcker-, Metzger- und Kramerläden. Der gegen Ende des 17. Jahrhunderts eingerichtete Postwagenkurs führte auf der Strecke Regensburg-Eger durch Luhe. 1863 wurde auch die Eisenbahn herangeführt. Bis 1910 wurde Pflasterzoll erhoben. Im 17. und 18. Jahrhundert waren alle üblichen Handwerksberufe anzutreffen. Neben dem Nahrungsmittelgewerbe gab es u. a. Weber, Schmiede, Wagner, Fassbinder, Lederer, Schuster und Schreiner mit speziellen Handwerksordnungen. Ab 1420 wurde in Luhe auch Bier gebraut.

1928 fiel ein Großteil des Marktes Luhe einem Brand zum Opfer. Das Feuer brach durch einen Kabelbrand bei Drescharbeiten aus. Dabei wurden der komplette Marktplatz sowie viele weitere Häuser zerstört (44 Anwesen waren betroffen), das Feuer machte erst kurz vor der Pfarrkirche halt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luhe-Wildenau besitzt zwei Bahnhöfe an der Bahnstrecke Regensburg - Weiden. Es verkehren Regional-Express-Züge sowie Lokalbahnen. Luhe-Wildenau liegt direkt an der Autobahn A 93 und in unmittelbarer Nähe des Ost-West-Drehkreuzes A 6/A 93.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luhe war früher Verkehrsknotenpunkt und Handelsstandort. Oberwildenau war bedeutender Standort für Sand- und Kiesabbau. Es gibt nach der amtlichen Statistik in Luhe-Wildenau ca. 1420 (Dez. 2015)sozialversicherungspflichtige Beschäftigte am Arbeitsort. Der Ein- und Auspendlersaldo beträgt ca. −230 Personen. Hauptarbeitgeber sind: Firma Höhbauer GmbH (Fenster und Türen), Firma Glasprofi GmbH (Glasveredelung), Firma IMG GmbH (Metallverarbeitung), Firma Höllerer Dienstleistungen GmbH (Telekommunikation und Kundenservice) und Firma SIEMENS AG, Werk Luhe.

Arbeitsplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arbeitsplätze im Markt Luhe-Wildenau:[9]

Jahr 2006 2008 2010 2012 2014 2015 2016
Arbeitsplätze 925 963 1013 1183 1240 1378 1417

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen:

• Kindergärten: zwei Kindergärten und zwei Kinderkrippen

• Volksschulen: eine Grundschule

• Musikschulen: zwei

• Volkshochschule

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FC Luhe-Markt e.V
  • Golfclub Schwanhof e.V.
  • SC Luhe-Wildenau
  • Seilzieher Ober- und Unterwildenau
  • Schützengilde Luhe e.V.
  • TSV Neudorf 1974 e.V.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung im Markt Luhe Wildenau[10]:

Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 1987 2015
Einwohner 1528 1626 1622 1632 1715 2308 2433 2620 3012 3424

Die heutige Gemeinde Luhe-Wildenau entstand am 1. Mai 1978 durch den Zusammenschluss des Marktes Luhe und der Gemeinden Neudorf bei Luhe und Oberwildenau (mit dem am 1. April 1928 eingemeindeten Unterwildenau)[11] bei gleichzeitiger Eingliederung von Teilen der aufgelösten Gemeinden Engleshof, Glaubensdorf und Rothenstadt zunächst unter dem Namen Luhe ohne den Zusatz Markt. Am 1. Juni 1979 wurde diese Gemeinde in Luhe-Wildenau umbenannt und am 1. August 1980 zum Markt erhoben.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister und Marktgemeinderäte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister: Karl-Heinz Preißer (SPD) ist seit Mai 1996 der Bürgermeister.

Der Marktgemeinderat besteht nach der Wahl 2014 aus 16 Mitgliedern:

  • CSU: 8
  • SPD: 4
  • CWU: 3
  • FW: 1

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DEU Luhe-Wildenau COA.svg

Blasonierung:

Das Wappen ist des Marktes Luhe-Wildenau ist gespalten von Gold und Silber. Vorne im Wappen befindet sich ein halber, rot bewehrter schwarzer Adler am Spalt. Hinten ist eine aufrechte rote Hirschstange, an deren linksgewendeten Enden goldene Jagdhörner an grünen Fesseln hängen.

Das Wappen wird seit 1980 verwendet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Martin in Luhe (mittelalterliche Wehrkirche, Innenausstattung Barock und Rokoko mit sieben Altären)
  • Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Luhe/Koppelberg (Barock)
  • Marienkapelle (Luhe)
  • Altes Rathaus mit historischem Marktplatz in Luhe (mit Schwedenturm, Pranger, Granitschwertreliefstein)
  • Alter Pfarrhof in Luhe (Frater-Muttone-Bau, Barock)
  • Hammerschlösschen und Kapelle St. Lorenz in Unterwildenau (frühes 17. Jahrhundert)
  • Neubarocke Strahlenkranzmadonna am Marktplatz in Luhe

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Marktes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albert Gewargis (* 1939), Landarzt
  • Michael Höhbauer (1928–2002), Fabrikant, Bürgermeister
  • Dekan Joseph Sauer (1904–1997), Pfarrer in Luhe
  • Karl Gerber (1896–1977), Landarzt
  • Pfarrer Anton Schlosser (1886–1964), Pfarrer aus Grünau
  • Hans Rauch (1885–1963), Ministerialrat, MdL
  • Hans Hausmann (1876–1933), Bezirksamtmann
  • Pfarrer Josef Kellner (1870–1951), Pfarrer in Luhe
  • Michael Reichenberger (1856–1935), Kgl. Postexpeditor, Bürgermeister
  • Michael Siegert (1852–1932), Mühlenbesitzer, Bürgermeister
  • Franz Nagler (1850–1929) Lehrer in Luhe
  • BGR Joseph Mauerer (1843–1920), Pfarrer in Luhe

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von Feistelberg Richtung Norden; von links: Neudorf bei Luhe, Türme von Weiherhammer, Oberwildenau, Unterwildenau, Luhe mit Wallfahrtskirche St. Nikolaus, im Hintergrund Rothenstadt und Weiden

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. Monumenta Boica 31/1, S. 175
  4. Alois Köppl: Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch, S. 32
  5. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 186
  6. Elisabeth Müller-Luckner, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg, S. 8
  7. Dieter Bernd, Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, S. 186
  8. Wilhelm Volkert, Die älteren bayerischen Herzogsurbare (Blätter für oberdeutsche Namenforschung 7) 1966, 25 f.
  9. Daten Bürgerversammlung 2016
  10. Datenbank Statistikdaten Bayern
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 538.
  12. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 653 und 668.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alois Köppl: Aus der Geschichte der Gemeinde Gleiritsch. Gemeinde Gleiritsch 1988, 2. Ausgabe
  • Monumenta Boica 31/1
  • Wilhelm Volkert, Die älteren bayerischen Herzogsurbare (Blätter für oberdeutsche Namenforschung 7) 1966, 1 - 32
  • Dieter Bernd: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 39, Vohenstrauß, München 1977, ISBN 3-7696-9900-9
  • Elisabeth Müller-Luckner: Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 50, Nabburg. München 1981, ISBN 3-7696-9915-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luhe-Wildenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien