Non-Fungible Token

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Ein Non-Fungible Token (NFT) ist ein nicht ersetzbares (englisch non-fungible) digital geschütztes Objekt. Die dafür genutzte Technologie ist die Blockchain, die auch für Kryptowährungen verwendet wird. In einer solchen Blockchain, einer speziellen Form einer Datenbank, reihen sich Datensätze in einzelnen Blöcken aneinander, wobei mit jeder weiteren Transaktion ein neuer Block angefügt wird, der die Änderung festhält und durch einen Hashwert eindeutig identifizierbar ist. Im Fall von NFTs enthält der Block Daten über ein Objekt, etwa eine Bild- oder Audiodatei, aus denen hervorgeht um welches Objekt es sich handelt und welche Eigentums- oder Nutzungsrechte durch das NFT damit verknüpft sind.

NFTs werden beispielsweise genutzt, um digitale Dateien wie Memes oder computergenerierte Kunstwerke als Einzelstücke zu kennzeichnen. Eine Analogie zu einem NFT im nicht-digitalen Leben wäre die beglaubigte Besitzurkunde für ein Werk. Ein nicht-digitales Fungible Token ist beispielsweise ein 2-Euro-Stück, das jederzeit durch ein anderes 2-Euro-Stück ersetzt werden kann.[1][2]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Non-Fungible Tokens finden dort Verwendung, wo sie virtuellen Gütern, also digitaler Kunst, Musik oder Einzelobjekten in Computerspielen, vor allem bei DApps, wie ein Etikett zugeordnet und als Nachweis bestimmter Rechte an den Objekten selbst gesammelt und gehandelt werden können. In der Regel ordnet die Handelsplattform, auf der die Kunstwerke angeboten werden, Objekt und NFT einander zu. Das NFT dient dabei als Nachweis bestimmter Eigentums- oder Nutzungsrechte an dem damit verknüpften digitalen Objekt und wird in der jeweils genutzen Blockchain gespeichert. Dabei besteht das NFT selbst nicht aus dem gehandelten Objekt wie etwa einer Bild- oder Audiodatei, sondern beispielsweise aus einer URL zum Speicherort der damit verknüpften Datei. Welche Rechte an dem Objekt ein Käufer erwirbt hängt von der jeweiligen Vereinbarung ab.[3] NFTs werden von verschiedenen Blockchain-Projekten angeboten. Die (Stand August 2021) am häufigsten für NFTs genutzte Blockchain ist Ethereum.

Anders als die NFTs selbst, die in der öffentlichen Blockchain gespeichert sind, befinden die gehandelten Objekte bzw. Dateien selbst sich nicht in der Blockchain, auch nicht im exklusiven Besitz des Käufers, sondern in der Regel auf einem Server. Mögliche Probleme sie sich daraus ergeben sind, dass diese Server offline gehen können und die Dateien somit nicht mehr aufrufbar sind, dass die Dateien manipuliert oder mit NFTs in anderen Blockchains erneut verknüpft und verkauft werden.[4]

Rechtliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urheberrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offen ist nach deutschem Recht, ob die „Prägung“ eines NFTs selbst eine urheberrechtlich relevante Handlung darstellt,[5] was für eine Reihe von Folgefragen relevant ist:

  • Kann der Urheber bzw. Rechteinhaber rechtlich dagegen vorgehen, dass ein Dritter NFTs mit einem Werk verknüpft und verkauft?
  • Kann der Urheber eines Werks auch nach Verkauf aller Rechte noch NFTs mit seinem Werk verknüpfen?

Auch wenn der Verkäufer eines NFT die Nutzungsrechte am damit verknüpften urheberrechtlich geschützten Werk tatsächlich hält, werden nicht automatisch alle Rechte durch den Verkauf eines NFT übertragen. Die jeweilige rechtliche Bedeutung einer NFT-Übertragung wird vielmehr individuell und privatautonom von den Vertragsparteien bestimmt und kann je nach Vertragsgestaltung unterschiedlich sein; insbesondere kann sie nur einzelne Nutzungsarten umfassen (vgl. für Deutschland § 31 UrhG).

Durch den Verkauf eines NFTs verpflichtet sich der Verkäufer ohne zusätzliche privatautonome Vereinbarung zur Exklusivität auch nicht dazu, keine weiteren NFTs mit demselben virtuellen Objekt zu verknüpfen und zu verkaufen.

Kapitalmarktrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskutiert wird zudem, ob NFTs als Wertpapiere einzustufen sind, die unter die europäische Prospektverordnung fallen.[5]

Eignung zur Geldwäsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noch stärker als der reguläre Kunstmarkt können NFTs zur Geldwäsche eingesetzt werden. Da es keinen objektiven Preis für die verkauften Produkte gibt und die Käufe durch die Verwendung von Kryptowährungen in der Regel pseudonym oder anonym sind, kann ein Geldwäscher sein eigenes NFT mit illegal erworbenen Kryptowährungen kaufen und die Einnahmen dann in Fiatwährungen umtauschen ohne sich verdächtig zu machen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten NFTs wurden auf der Bitcoin Side-Chain Counterparty bereits 2012 erstellt.[6]

2017 gingen die CryptoPunks NFTs online.[7] Im selben Jahr wurden NFTs mit CryptoKitties zum Mainstreamphänomen. Der Handel sorgte für einen Großteil des gesamten Ethereumtransfers.[8] Am 20. Dezember 2017 gründeten Devin Finzer und Alex Atallah in New York mit OpenSea einen Marktplatz für NFTs auf der Ethereum Blockchain.[9]

2018 widmete das Zentrum für Kunst und Medien CryptoKitties eine eigene Ausstellung.[10][11] Ebenfalls 2018 kam mit den Everdragons das erste Cross-Chain-NFT online.[12]

2019 betrug die Marktkapitalisierung aller NFTs umgerechnet ca. 210 Millionen US$.[13] Im Februar 2021 ermöglichte Christie’s als erstes großes Auktionshaus die Zahlung mit Kryptowährungen für die Versteigerung des Werkes Everydays. The First 5000 Days des US-amerikanischen Digitalkünstlers Beeple.[14] Die Collage aus 5000 kleinen Bildern hat einen Rekord für digitale Kunst erzielt und wurde für 42.329,453 ETH (Gegenwert: 69,3 Millionen US$) versteigert.[15][16][17] Es war der dritthöchste Auktionspreis aller Zeiten für ein Werk eines lebenden Künstlers.[18] Der Käufer tritt unter dem Pseudonym MetaKovan im Internet auf.[15] Dahinter steht der krypto-basierte Fonds Metapurse, der NFTs und andere virtuelle Objekte erwirbt und von sich behauptet, der größte NFT-Fonds der Welt zu sein.[19][20] Bis Juli 2020 betrug der Umsatz aller bisher gehandelten NFTs 100 Millionen US$.[21] Die NBA-Sammelkartenplattform NBA Top Shot hat im 1. Quartal des Jahres 2021 NFTs im Wert von über 500 Millionen US$ verkauft und knackte im Mai 2021 die Marke von einer Million User.[22][23] Insgesamt wurden im 1. Quartal 2021 NFTs in Höhe von 2 Milliarden US$ verkauft.[24] Fast 21 Jahre nach der Gründung von Wikipedia hat Jimmy Wales im Dezember 2021 den von ihm entworfenen ersten Eintrag des Onlinelexikons als Non-Fungible Token (NFT) bei Christie’s für 750.000 US-Dollar versteigern lassen.[25]

Am 26. Jänner 2021 gab die Galerie Belvedere in Wien bekannt, dass eine Fotografie des Gemäldes Der Kuss von Gustav Klimt in 10.000 NFTs zu jeweils 100 x 100 Pixel gesplittet und verkauft werden soll. Damit sollen 18,5 Millionen Euro lukriert werden.[26]

Wissenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 1. Quartal des Jahres 2021 wurde 10 % des weltweiten Umsatzes im Kunstmarkt über NFTs erzielt.[27] Im ersten Halbjahr 2021 wurden weltweit NFTs in Höhe von 2,5 Milliarden US$ umgesetzt.[28]

Der weltweit größte Marktplatz für NFTs ist OpenSea. Im Mai 2021 kündigte eBay den Verkauf von NFTs an.[29]

Der NFT mit dem kleinsten angehängten Inhalt (1 Byte) der Welt wurde am 10. November 2021 im Liquid Network geprägt. Der IPFS Hashwert des NFT trägt lediglich ein ALT-Code Symbol (Nr. 255, Bytegröße 1), jegliche weitere Metadaten wurden eingespart.[30]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umweltauswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die NFTs zugrunde gelegten Blockchains wie Ether verifizieren Transaktionen durch das Erbringen komplexer Rechenaufgaben (Proof of Work), was mit einem erheblichen Ressourcenverbrauch für die verwendete Hardware und den verbrauchten Strom einhergeht. So verbrauchte im Januar 2022 eine einzige Transaktion auf der Ethereum-Blockchain über 200 kWh.[31]

Der britische KI-Künstler Memo Akten kritisiert den unverhältnismäßigen CO2-Fußabdruck von NFT-Transaktionen und stellte einen Online-Rechner für den CO2-Ausstoß einzelner Transaktionen bereit.[32] Der deutsche Konzeptkünstler Max Haarich kritisierte NFT-Kunst, indem er einzelne Pixel zu Preisen bis zu umgerechnet ca. 1000 und 1200 EUR auf einer NFT-Börse anbot und dadurch einen CO2-Ausstoß von 125 kg verursachte.[33][34]

Gefahr einer Preisblase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfang 2021 rasant ansteigenden Verkaufspreise von NFTs wurden von vielen als Anzeichen einer beginnenden Preisblase gewertet.[35]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Was ist ein NFT? (Einfache Erklärung für Neulinge). Abgerufen am 12. Januar 2022.
  2. NFT: Was ist das und warum sind die Preise so hoch? Eine Erklärung. 1. Dezember 2021, abgerufen am 12. Januar 2022.
  3. What are NFTs and why are some worth millions? In: BBC News. 23. September 2021 (bbc.com [abgerufen am 26. Januar 2022]).
  4. Was sind NFTs und wie könnten sie die Kunstwelt verändern? 2. März 2021, abgerufen am 26. Januar 2022.
  5. a b Kaulartz/Schmid: Rechtliche Aspekte sogenannter Non-Fungible Tokens (NFTs), CB 2021, 298
  6. Top 5 Historical NFT Collections On Bitcoin / Counterparty. In: CryptoTicker. 10. August 2021, abgerufen am 5. Januar 2022 (amerikanisches Englisch).
  7. 10 things to know about CryptoPunks, the original NFTs. Christie’s, 8. April 2021, abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  8. Andrew Steinwold: The History of Non-Fungible Tokens (NFTs). In: medium.com. 7. Oktober 2019, abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  9. Steven Ehrlich: NFT Marketplace CEO Explains Why The Industry Is Moving Beyond Ideological Purists. Interview mit Devin Finzer. In: forbes.com. 6. Juli 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021 (englisch).
  10. CryptoKitties will help German museum explain blockchain. In: VentureBeat. 28. August 2018, abgerufen am 1. Mai 2021 (amerikanisches Englisch).
  11. Joeri Cant: CryptoKitties at German art exhibit ‘Bringing Blockchain to Life’ (Memento vom 30. August 2018 im Internet Archive). In: chepicap.com, 29. August 2018.
  12. Rediscovering the EverDragons, the First Cross-Chain NFTs. In: hackernoon.com, 25. September 2021, abgerufen am 8. November 2021 (englisch).
  13. Non-Fungible Token (NFT) Market Projected to Reach $315 Million in 2020. In: DeFi Republic. 5. März 2020, abgerufen am 1. Mai 2021 (amerikanisches Englisch).
  14. Andreas Wilkens: Christie’s versteigert rein digitales Kunstwerk und akzeptiert Kryptowährung. In: heise.de. 23. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  15. a b Scott Reyburn: The $69 Million Beeple NFT Was Bought With Cryptocurrency. In: The New York Times. 12. März 2021 (nytimes.com [abgerufen am 13. März 2021]).
  16. dpa: Auktions-Rekord für digitale Kunst: 69 Millionen Dollar für Beeple-NFT bei Christie’s. In: Monopol. 11. März 2021, abgerufen am 12. März 2021.
  17. jlk: Mehr als 69 Millionen Dollar für Beeples Kryptokunst. In: Der Spiegel. 11. März 2021, abgerufen am 11. März 2021.
  18. Jacob Kastrenakes: A secretive metaverse creator bought the $69 million Beeple NFT. In: The Verge. 12. März 2021, abgerufen am 13. März 2021 (englisch).
  19. James Tarmy: Crypto Whale in Singapore Is Buyer of $69 Million Beeple NFT. In: Bloomberg.com. 12. März 2021, abgerufen am 13. März 2021.
  20. Amy Castor: Metakovan, the mystery Beeple art buyer, and his NFT/DeFi scheme. In: amycastor.com. 14. März 2021, abgerufen am 14. März 2021 (englisch).
  21. Sead Fadilpašić: Top 10 NFTs by All-time Trading Volume. In: cryptonews.com. 3. Juli 2020, abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  22. Matt Ott | The Associated Press: Dapper Labs, creators of NBA Top Shot, get $305M in funding. In: nba.com. 30. März 2021, abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  23. Danny Nelson: Dapper Labs’ NBA Top Shot Has Crossed the Million-User Mark. In: coindesk.com, 25. Mai 2021, abgerufen am 8. November 2021 (englisch).
  24. Robert Frank: NFT sales top $2 billion in first quarter, with twice as many buyers as sellers. In: CNBC. 13. April 2021, abgerufen am 1. Mai 2021 (englisch).
  25. Wikipedia findet Käufer. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. Dezember 2021.
  26. Belvedere verkauft Klimts "Kuss" als NFT-Einzelteile. Abgerufen am 26. Januar 2022 (österreichisches Deutsch).
  27. DeFi Report Q1 2021. In: Consensys. 2021, abgerufen am 1. Mai 2021.
  28. Elizabeth Howcroft: NFT sales volume surges to $2.5 bln in 2021 first half. In: Reuters. 6. Juli 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021.
  29. Jörn Brien: Du kannst jetzt NFT via Ebay kaufen – mit Einschränkungen. In: T3n Magazin. 12. Mai 2021, abgerufen am 23. Dezember 2021.
  30. Ray Rizzling - Actually Nothing. 10. November 2021, abgerufen am 25. Dezember 2021 (englisch).
  31. https://www.statista.com/statistics/1265891/ethereum-energy-consumption-transaction-comparison-visa/
  32. Memo Akten: The Unreasonable Ecological Cost of #CryptoArt. 14. Dezember 2020, abgerufen am 1. März 2021 (englisch).
  33. Max Haarich: Historisch oder hysterisch? Der neue Hype um NFT-Kunst auf den Punkt gebracht. In: 1e9.community. 28. Februar 2021, abgerufen am 1. März 2021.
  34. Lukas Hellbrügge: NFT: Was steckt hinter der digitalen Kunst? In: Bayerischer Rundfunk. 21. April 2021, abgerufen am 6. Mai 2021.
  35. Anika Meier: Was sind NFTs – und warum spricht gerade die ganze Kunstwelt davon? (Memento vom 12. Juni 2021 im Internet Archive). In: monopol-magazin.de vom 24. Februar 2021