Polling (bei Weilheim)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Polling
Polling (bei Weilheim)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Polling hervorgehoben
Koordinaten: 47° 49′ N, 11° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Weilheim-Schongau
Höhe: 567 m ü. NHN
Fläche: 29,21 km2
Einwohner: 3307 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 113 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 82398, 82380
Vorwahl: 0881
Kfz-Kennzeichen: WM, SOG
Gemeindeschlüssel: 09 1 90 142
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchplatz 11
82398 Polling
Webpräsenz: www.polling.de
Bürgermeisterin: Felicitas Betz
Lage der Gemeinde Polling im Landkreis Weilheim-Schongau
Starnberger See Ammersee Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landkreis Starnberg Landkreis Landsberg am Lech Wildsteig Wielenbach Wessobrunn Weilheim in Oberbayern Steingaden Sindelsdorf Seeshaupt Schwabsoien Schwabbruck Schongau Rottenbuch Raisting Prem Polling (bei Weilheim) Penzberg Peiting Peißenberg Pähl Obersöchering Oberhausen (bei Peißenberg) Ingenried Iffeldorf Huglfing Hohenpeißenberg Hohenfurch Habach Eglfing Eberfing Burggen Böbing Bernried am Starnberger See Bernbeuren Antdorf Altenstadt (Oberbayern)Karte
Über dieses Bild
Kloster in Polling von Süden
Polling um 1900
Polling bei Weilheim von Westen

Polling ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polling liegt in der Region Oberland. Durch das Gemeindegebiet fließt in Süd-Nord-Richtung die Ammer, der Tiefenbach, ein Zufluss der Ammer, durchfließt den Ort Polling.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus folgenden Ortsteilen:[2]

Es existieren die Gemarkungen Etting, Oderding und Polling.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Spuren einer Besiedlung im Ortsbereich Polling stammen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. In den Tuffsteinbrüchen kommen immer wieder Tongefäße und Werkzeuge aus dieser Zeit zum Vorschein.[3][4] Teile davon sind auch im Heimatmuseum Polling sowie in der Archäologischen Staatssammlung in München ausgestellt.

Der Legende nach wurde Polling um das Jahr 750 gegründet. Herzog Tassilo III. von Bayern jagte in der Gegend eine Hirschkuh.[5] Diese blieb auf einmal stehen und scharrte am Boden.[5] Dort fand man dann drei Holzkreuze. An dieser Stelle errichtete Herzog Tassilo dann das Benediktiner- und spätere Augustiner-Chorherrenstift Kloster Polling.

In der Klosterkirche befindet sich tatsächlich ein Holzkreuz, das aber nach Untersuchungen frühestens aus dem 9. Jahrhundert stammt. Gemäß Benediktbeurer Quellen soll aber die Gründer des Klosters durch Mitglieder der Huosi, einer einheimischen Adelsfamilie stattgefunden haben.[6][7] Die ersten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem 11. Jahrhundert.

Der Ort selbst war Teil des Kurfürstentums Bayern und bildete eine geschlossene Hofmark, deren Sitz bis 1803 das Kloster Polling war. Zusammen mit dem Kloster wurde die Hofmark 1803 aufgehoben.

Mit dem Gemeindeedikt von 1818 entstand die Gemeinde Polling.

Im Frühjahr 2016 war im Ort eine große Überschwemmung nach starken Regenfällen.[8]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die vorher selbständigen Gemeinden Oderding und Etting eingemeindet.[9][10]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden folgende Einwohnerzahlen erreicht:[11]

Jahr Einwohner[12][9]
1840 1012
1900 1389
1939 1462
1950 2431
1961 2061 Davon entfielen 1416 auf Polling, 390 auf Oderding und 255 auf Etting.
1970 2139 Davon entfielen 1469 auf Polling, 375 auf Oderding und 295 auf Etting.
1987 2629
1991 2889
1995 3023
2000 3160
2004 3234
2005 3247
2007 3290
2008 3362
2009 3352
2010 3252
2011 3301
2012 3288
2013 3319
2014 3291
2015 3307

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der Kommunalwahl 2008 am 2. März ging Helmut Böhm als Sieger hervor. Böhm setzt sich mit 52,44 Prozent (915 Stimmen) gegen Paul Kollig (47,56 Prozent, 830 Stimmen) durch. Kollig war für die CSU, die Unabhängige Wählerliste Polling Etting Oderding und die Wählergemeinschaft Oderding angetreten, Böhm war der Kandidat der Wahlgemeinschaft Polling. Böhm löste Dominikus Weiß (Wahlgemeinschaft) ab, der 18 Jahre lang Bürgermeister der Gemeinde war. Seit den Kommunalwahlen von 2014 ist mit Felicitas Betz (Wahlgemeinschaft Polling) erstmals eine Frau Bürgermeisterin.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuell gilt folgende Sitzverteilung im 16 Mitglieder umfassenden Gemeinderat:

Sitzverteilung im Gemeinderat
Partei/Liste Wahl 2014[13][14] Wahl 2008 Wahl 2002
Sitze Sitze Sitze
CSU 4 4 7
Wahlgemeinschaft Polling 7 8 3
Wahlgemeinschaft Etting 3 2 2
SPD - - 2
Unabhängige Wählerliste Polling-Etting-Oderding 1 1 1
Wahlgemeinschaft Oderding 1 1 1
Sitze gesamt 16 16 16

Gemeindesteuern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2012 umgerechnet 2668 T€, davon waren 693 T€ (netto) Gewerbesteuereinnahmen.[12]

Wappen und Fahne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg besaß Polling von 1945 bis 1950 ein ovales Wappen, das eine Hirschkuh zeigte, die auf einem Kreuz steht. Am 15. Juni 1950 erhielt die Gemeinde vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren das Recht das vom Grafiker Rudolf Mussgnug entworfene, heutige Wappen zu führen. Die Blasonierung lautet: „In Rot ein schwebendes Kreuz“.[15]

Der Gemeinderat beschloss am 10. August 1989 eine Fahne anzunehmen. Sie zeigt zwei Streifen in der Farbenfolge Rot – Gelb und soll mit aufgelegtem Wappen geführt werden. Die Regierung von Oberbayern stimmte der Annahme der Fahne am 8. Mai 1990 zu.[16]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1998 gab es im Bereich der Land- und Forstwirtschaft acht, im produzierenden Gewerbe 230 und im Bereich Handel und Verkehr 53 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 169 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 910. Im verarbeitenden Gewerbe gab es einen Betrieb, im Bauhauptgewerbe elf Betriebe.

Zudem bestanden im Jahr 1999 79 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1875 ha. Davon waren 373 ha Ackerfläche und 1502 ha Dauergrünfläche.

In früherer Zeit waren die reichen Vorkommen an Pollinger Kalktuff wirtschaftlich sehr bedeutend. Viele Bauwerke in Polling und im Umkreis wurden mit diesem Kalktuff als Baumaterial errichtet. Heute existiert nur noch einer der einstmals zahlreichen Tuffsteinbrüche.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof wurde im Mai 1879[7] eröffnet und ist seit 1984[17] nur noch ein Betriebsbahnhof. Bis zur Einstellung des Personenverkehrs wurde er noch täglich von 100 bis 150 Fahrgästen genutzt.[17] Er liegt an der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1999 gab es folgende Einrichtungen:

  • Kindergärten: 160 Kindergartenplätze mit 149 Kindern
  • Volksschulen: eine mit neun Lehrern und 168 Schülern

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Ein Wegweiser durch Geschichte und Gegenwart von Polling, Etting, Oderding. 2 Bände, Gemeinde Polling 1992, 1174 Seiten
  • Hans-Michael Körner, Alois Schmid: Handbuch der Historischen Stätten. Bayern I: Altbayern und Schwaben. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-520-32401-6

Ein umfangreiches bibliografisches Verzeichnis von Literatur über die Gemeinde befindet sich im Pollinger Heimat-Lexikon, unter dem Eintrag „Schrifttum“ in Halbband 2 auf S. 977–1009.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?val=604&attr=590&modus=automat&tempus=20150602/134607&hodie=20150602/134615 Bayerische Landesbibliothek Online
  3. Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 1049
  4. Walter Irlinger: Die Vorrömischen Perioden und das frühe Mittelalter. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Karl M. Lipp Verlag, München 2003, Halbband 1
  5. a b Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 707
  6. Diese Version der Klostergründung wird beschrieben in: Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 2, S. 659–661
  7. a b Gemeinde Polling. In: Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau. Halbband 1 (Denkmäler in Bayern, Band I.23). München, 2003. ISBN 3-87490-585-3, S. 271–272
  8. Land unter – Polling vor einem Jahr. In: Vis à Vis das Magazin für die Region Weilheim, Penzberg, Starnberg, Dießen, Murnau, Ausgabe Nr. 12 vom Mai/Juni 2017, S. 28–29
  9. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens- Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 595 und 596.
  10. Gemeinde Polling. In Der Landkreis Weilheim-Schongau. Herausgeber: Landratsamt Weilheim-Schongau 2010, Texte: Max Biller (Kreisarchivpfleger), Helmut Schmidbauer (Kreisheimatpfleger), S. 74–75
  11. Einwohnerzahl. In: Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Polling 1992, Halbband 1, S. 339–340
  12. a b Kommunalstatistik von Polling, abgerufen am 22. Januar 2015
  13. Ergebnis der Kommunalwahlen 2014, abgerufen am 18. März 2014.
  14. Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8.
  15. Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Band II. Gemeinde Polling, Polling 1992, DNB 930261585, S. 1154.
  16. Max Biller: Pollinger Heimat-Lexikon. Band I. Gemeinde Polling, Polling 1992, DNB 930261577, S. 445.
  17. a b www.pro-bahn.de: Artikel zur Stilllegung des Bahnhofs mit Quellenverweis auf: Münchner Merkur vom 16. März 1984, abgerufen am 22. Januar 2015

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polling (bei Weilheim) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien