Schottische Rugby-Union-Nationalmannschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Schottland
Logo
Verband Scottish Rugby Union
Trainer Gregor Townsend
Kapitän Greig Laidlaw
Heim
Auswärts
Meiste Länderspiele
Ross Ford (111)
Meiste erzielte Punkte
Chris Paterson (809)
Meiste erzielte Versuche
Ian Smith, Tony Stanger (24)
Erstes Länderspiel
SchottlandSchottland Schottland 4:1 England EnglandEngland
(27. März 1871)
Höchster Sieg
SchottlandSchottland Schottland 100:8 Japan JapanJapan
(13. November 2004)
Höchste Niederlage
SchottlandSchottland Schottland 10:68 Südafrika SudafrikaSüdafrika
(6. Dezember 1997)
Weltmeisterschaft
Teilnahmen: 8
Bestes Ergebnis: 4. Platz 1991
World-Rugby-Kürzel: SCO
WR-Rang: 7. (81.84 Punkte) (Stand: 26. November 2018)[1]

Die schottische Rugby-Union-Nationalmannschaft vertritt Schottland auf internationaler Ebene in der Sportart Rugby Union. Sie nimmt insbesondere an den Weltmeisterschaften und an den Six-Nations-Turnieren (früher Five Nations) teil. Schottland hat bei Five Nations/Six Nations bisher 22 Mal gewonnen (darunter drei Grand Slams) und erreichte 1991 mit dem vierten Platz das bisher beste Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft. Die organisatorische Verantwortung für die Nationalmannschaft trägt der Verband Scottish Rugby Union (SRU). Die Heimspiele werden in der Regel im BT Murrayfield Stadium in Edinburgh ausgetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das weltweit erste Rugbyspiel, das heute noch in regelmäßigen Abständen stattfindet, wurde 1858 zwischen der Merchiston Castle School und der Edinburgh Academy ausgetragen. Am 27. März 1871, zwei Jahre vor Gründung des Verbandes, fand auf dem Cricketfeld der Edinburgh Academy am Raeburn Place das weltweit erste Rugby-Länderspiel zwischen Schottland und England statt; die Schotten gewannen vor 4000 Zuschauern mit 4:1. Seit 1879 spielen beide Mannschaften um den Calcutta Cup.

Bis zum Ersten Weltkrieg gehörten die Schotten beim Five Nations zu den erfolgreichsten Mannschaften: Sie gewannen das Turnier neun Mal, davon fünf Mal mit Siegen gegen alle britischen Mannschaften (eine sog. Triple Crown). 1925 erreichten die Schotten ihren ersten Grand Slam (Siege gegen alle anderen Mannschaften im Five Nations). 1926 waren die Schotten die erste britische Mannschaft, die im Londoner Twickenham Stadium die Engländer schlugen. Zwei weitere Triple Crowns schafften sie 1933 und 1938.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 brachte den Spielbetrieb in Schottland fast zum Erliegen. Die SRU sagte alle internationalen Spiele ab, einzelne Vereine gingen ein, während andere sich zusammenschlossen. In der Nachkriegszeit konnten die Schotten nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen. 1951 verloren sie zuhause mit 0:44 gegen die Springboks, die Nationalmannschaft Südafrikas, was bis dahin die höchste Niederlage überhaupt war. Von Februar 1951 bis Februar 1955 mussten die Schotten 17 Niederlagen hintereinander hinnehmen und erzielten keinen einzigen Sieg.

In den 1960er Jahren war die Mannschaft wieder etwas erfolgreicher, sie feierte 1964 wieder einen Turniersieg bei Five Nations, nach einer Unterbrechung von 37 Jahren. Im selben Jahr spielten sie 0:0 gegen Neuseeland (das letzte punktelose Länderspiel überhaupt). 1971 engagierte die SRU erstmals einen Nationaltrainer. Dies geschah erst nach jahrelangem Zögern, da der Verband der Meinung war, Rugby Union solle ein Amateursport bleiben. Der Nationaltrainer wurde offiziell als „Berater des Mannschaftskapitäns“ bezeichnet. Zwei Jahre später folgte ein weiterer Five-Nations-Turniersieg.

Nach einer Unterbrechung von 59 Jahren schafften die Schotten beim Five Nations 1984 zum zweiten Mal einen Grand Slam. Ebenfalls 1984 gab es zum zweiten Mal ein Unentschieden gegen Neuseeland; bis heute ist es den Schotten aber noch nie gelungen, gegen die All Blacks zu gewinnen. Bei der Weltmeisterschaft 1987 qualifizierte sich Schottland nach einem Unentschieden gegen Frankreich und zwei Siegen gegen Rumänien und Simbabwe für das Viertelfinale, das allerdings gegen den Gastgeber und späteren Weltmeister Neuseeland deutlich verloren ging. 1990 folge der dritte (und bisher letzte) Grand Slam bei Five Nations.

Bei der Weltmeisterschaft 1991 gewann Schottland gegen Japan, Simbabwe und Irland und wurde Erster der Vorrundengruppe B. Nach dem Viertelfinalsieg gegen Samoa trafen die Schotten im Halbfinale auf England und unterlagen knapp. Auch im Spiel um Platz 3 gegen Neuseeland gab es eine knappe Niederlage.

Schottland gegen Frankreich (2004)

Die Schotten gewannen bei der Weltmeisterschaft 1995 gegen Tonga und die Elfenbeinküste, verloren aber knapp gegen Frankreich. Im Viertelfinale unterlagen sie Neuseeland. Ähnlich verlief die Weltmeisterschaft 1999: Auf die Niederlage im Startspiel gegen Südafrika folgten zwei Siege gegen Uruguay und Spanien. Nach dem Sieg in der Hoffnungsrunde der Gruppenzweiten über Samoa unterlagen die Schotten im Viertelfinale erneut den Neuseeländern.

1999 gewann Schottland die letzte Austragung des Five-Nations-Turniers (das im darauf folgenden Jahr mit der Aufnahme Italiens zu Six Nations erweitert wurde). Bei der Weltmeisterschaft 2003 siegten die Schotten in ihrer Vorrundengruppe gegen Japan, die USA und Fidschi, verloren aber gegen Frankreich. Im Viertelfinale scheiterten sie an Australien. Bei der Weltmeisterschaft 2007 stießen sie erneut ins Viertelfinale vor, wo sie aber Argentinien unterlagen.

Bei den Six Nations 2008 und 2009 wurde Schottland jeweils Fünfter und konnte bei beiden Austragungen einen Sieg holen. Im Anschluss an die 2009er-Ausgabe entließ der Verband den Nationaltrainer Frank Hadden, sein Nachfolger wurde Andy Robinson.[2][3] Doch auch in den Turnieren 2010 und 2011 belegte Schottland den fünften Platz.

Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland wurde Schottland nur dritter in der Gruppe B und erreichte damit erstmals bei einer WM nicht die Finalrunde. 2015 zogen die Schotten ins WM-Viertelfinale ein und brachten die favorisierten Australier an den Rand einer Niederlage. Durch einen umstrittenen Straftritt, den Bernard Foley in der Nachspielzeit verwandelte, unterlag Schottland jedoch höchst unglücklich mit 34:35.

Symbol und Hymne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Distel ist nicht nur die Nationalpflanze Schottlands, sondern auch das Symbol der schottischen Rugby-Union-Nationalmannschaft. Laut einer Legende spielte die „Wächterdistel“ eine bedeutende Rolle bei der Verteidigung Schottlands während eines nächtlichen Überfalls der Dänen. Einer der Angreifer schrie laut auf, als er barfuß auf eine Distel trat und so die schottischen Verteidiger alarmierte. Das Lied The Flower of Scotland wird seit 1990 vor Länderspielen als schottische Nationalhymne gespielt.

Stadion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BT Murrayfield Stadium

Sämtliche Heimspiele werden im BT Murrayfield Stadium in Edinburgh ausgetragen. Es wurde im Jahr 1925 eröffnet und rund siebzig Jahre später umfassend renoviert. Die Kapazität des reinen Sitzplatzstadions beträgt 67.130 Zuschauer. Von 1871 bis 1897 fanden die Spiele in Raeburn Place statt, von 1897 bis 1925 in Inverleith, beide ebenfalls in Edinburgh.

Länderspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 30. November 2018

Land Spiele Gewonnen Verloren Unentschieden
ArgentinienArgentinien Argentinien 18 9 9 0
AustralienAustralien Australien 32 11 21 0
Barbarians 11 2 8 1
ElfenbeinküsteElfenbeinküste Elfenbeinküste 1 1 0 0
EnglandEngland England 136 43 75 18
FidschiFidschi Fidschi 8 6 2 0
FrankreichFrankreich Frankreich 92 36 53 3
GeorgienGeorgien Georgien 2 2 0 0
IrlandIrland Irland 134 67 62 5
ItalienItalien Italien 29 21 8 0
JapanJapan Japan 7 7 0 0
KanadaKanada Kanada 6 5 1 0
NeuseelandNeuseeland Neuseeland 31 0 29 2
Pacific Islanders Pacific Islanders 1 1 0 0
PortugalPortugal Portugal 1 1 0 0
RumänienRumänien Rumänien 13 11 2 0
SamoaSamoa Samoa 12 10 1 1
SimbabweSimbabwe Simbabwe 2 2 0 0
SpanienSpanien Spanien 1 1 0 0
SudafrikaSüdafrika Südafrika 27 5 22 0
TongaTonga Tonga 4 3 1 0
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 6 5 1 0
UruguayUruguay Uruguay 1 1 0 0
Wales Wales 124 49 72 3
Total 699 299 367 33

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltmeisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Five Nations / Six Nations[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 14 alleinige Siege (1887, 1891, 1895, 1901, 1903, 1904, 1907, 1925, 1929, 1933, 1938, 1984, 1990, 1999)
  • 8 geteilte Siege (1886, 1890, 1920, 1926, 1927, 1964, 1973, 1986)
  • 3 Grand Slams (1925, 1984, 1990)
  • 10 Triple Crowns (1891, 1895, 1901, 1903, 1907, 1925, 1933, 1938, 1984, 1990)

Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktueller Kader[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Spieler bildeten den Kader während der Autumn Internationals 2018:[1]

Spieler Position Verein Länderspiele
Fraser Brown Hakler Glasgow Warriors 34
Ross Ford Hakler Edinburgh Rugby 110
George Turner Hakler Glasgow Warriors 5
Alex Allan Pfeiler Glasgow Warriors 4
Simon Berghan Pfeiler Edinburgh Rugby 10
Allan Dell Pfeiler Edinburgh Rugby 13
Murray McCallum Pfeiler Edinburgh Rugby 3
WP Nel Pfeiler Edinburgh Rugby 22
Gordon Reid Pfeiler London Irish 32
Grant Gilchrist Zweite-Reihe-Stürmer Edinburgh Rugby 25
Jonny Gray Zweite-Reihe-Stürmer Glasgow Warriors 43
Blade Thomson Zweite-Reihe-Stürmer Scarlets 0
Ben Toolis Zweite-Reihe-Stürmer Edinburgh Rugby 12
David Denton Flügelstürmer Leicester Tigers 42
Matt Fagerson Flügelstürmer Glasgow Warriors 1
Rob Harley Flügelstürmer Glasgow Warriors 20
Jamie Ritchie Flügelstürmer Edinburgh Rugby 2
Sam Skinner Flügelstürmer Exeter Chiefs 0
Hamish Watson Flügelstürmer Edinburgh Rugby 20
Magnus Bradbury Nummer Acht Edinburgh Rugby 4
Stuart McInally Nummer Acht Edinburgh Rugby 37
Ryan Wilson Nummer Acht Glasgow Warriors 18
Greig Laidlaw Gedrängehalb ASM Clermont Auvergne 63
Ali Price Gedrängehalb Glasgow Warriors 17
Henry Pyrgos Gedrängehalb Edinburgh Rugby 27
Adam Hastings Verbinder Glasgow Warriors 3
George Horne Verbinder Glasgow Warriors 2
Finn Russell Verbinder Racing Metro 92 37
Alex Dunbar Innendreiviertel Glasgow Warriors 28
Dougie Fife Innendreiviertel Edinburgh Rugby 8
Chris Harris Innendreiviertel Newcastle Falcons 4
Pete Horne Innendreiviertel Glasgow Warriors 35
Sam Johnson Innendreiviertel Glasgow Warriors 0
Huw Jones Innendreiviertel Glasgow Warriors 16
Byron McGuigan Innendreiviertel Sale Sharks 5
Matt Scott Innendreiviertel Edinburgh Rugby 39
Lee Jones Außendreiviertel Glasgow Warriors 9
Sean Maitland Außendreiviertel Saracens 34
Tommy Seymour Außendreiviertel Glasgow Warriors 43
Stuart Hogg Schlussmann Glasgow Warriors 64
Blair Kinghorn Schlussmann Edinburgh Rugby 5

Bekannte Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die International Rugby Hall of Fame sind bisher drei schottische Spieler aufgenommen worden: Gordon Brown, Gavin Hastings und Andy Irvine. Dazu kommen der Trainer Ian McGeechan und der Kommentator Bill McLaren.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schottische Rugby-Union-Nationalmannschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. World Rugby Rankings. worldrugby.org, 26. November 2018, abgerufen am 26. November 2018.
  2. Frank Hadden departs Scotland after Six Nations flop. The Guardian, 3. April 2009, abgerufen am 5. April 2009 (englisch).
  3. Scots appoint Robinson. Sky Sports, 4. Juni 2009, abgerufen am 4. Juni 2009 (englisch).