Abtswind

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Abtswind
Abtswind
Deutschlandkarte, Position des Marktes Abtswind hervorgehoben
49.76666666666710.366666666667291Koordinaten: 49° 46′ N, 10° 22′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Kitzingen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Wiesentheid
Höhe: 291 m ü. NHN
Fläche: 12,81 km²
Einwohner: 835 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97355
Vorwahl: 09383
Kfz-Kennzeichen: KT
Gemeindeschlüssel: 09 6 75 111
Marktgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Balthasar-Neumann-Str.14
97353 Wiesentheid
Webpräsenz: www.abtswind.de
Bürgermeister: Jürgen Schulz (Bürgerblock)
Lage des Marktes Abtswind im Landkreis Kitzingen
Landkreis Bamberg Landkreis Schweinfurt Landkreis Würzburg Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim Wiesenbronn Segnitz Rüdenhausen Rödelsee Obernbreit Martinsheim Marktsteft Markt Einersheim Marktbreit Mainstockheim Mainbernheim Kleinlangheim Kitzingen Geiselwind Castell (Unterfranken) Buchbrunn Albertshofen Abtswind Willanzheim Wiesentheid Volkach Sulzfeld am Main Sommerach Seinsheim Schwarzach am Main Prichsenstadt Nordheim am Main Iphofen Großlangheim Dettelbach Biebelried Landkreis HaßbergeKarte
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Zentraler Platz von Abtswind
Straßentor von Abtswind
barocker Hofzugang

Abtswind (mundartlich: Abschwinn) ist ein Markt mit rund 800 Einwohnern im unterfränkischen Landkreis Kitzingen und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid. Der Ort befindet sich am Fuße des Friedrichsbergs im Westen des Naturparks Steigerwald. Abtswind, welches 783 erstmals urkundlich erwähnt wurde, bestand im frühen Mittelalter aus den beiden Orten Kleinabtswind und Großabtswind. Während Kleinabtswind im Dreißigjährigen Krieg zu einer Wüstung verkam, entwickelte sich der Hauptort weiter. Das Kloster Münsterschwarzach war bis ins 15. Jahrhundert der Ortsherr. Doch erwarben auch andere Herren Anteile des kleinen Ortes. Später erhielt Abtswind eine eigene Gerichtsbarkeit und wurde zum Freiflecken. Bis heute ist Abtswind durch seinen Weinbau und die prächtigen alten Sandsteinhäuser im Ortskern geprägt.

Geografie[Bearbeiten]

Abtswind hat 807 Einwohner und eine Fläche von 12,81 Quadratkilometern. 48,1 % der Gemarkung werden landwirtschaftlich genutzt, 11 % sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 39,5 % Wald und 1 % Wasserflächen. Der Ort liegt am Fuß des Friedrichsberges ca. 40 Kilometer südlich von Schweinfurt, ca. 16 Kilometer östlich von Kitzingen und etwa 50 Kilometer westlich von Bamberg. Die Universitätsstadt Würzburg ist 35 Kilometer entfernt. Am nördlichen Ortsrand fließt der Kantersbach, der in Rüdenhausen in den Schoßbach mündet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die zwei Ortsteile[2]: Abtswind und Friedrichsberg

Es gibt die Gemarkung Abtswind.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wiesentheid, Geiselwind, Castell und Rüdenhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

Namensherkunft und Frühes Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits in der Karolinger Zeit tauchte der Name Abbatissaewinden (später Abtswinden, Abtswind) auf. Die Bedeutung des Namens zu den Wenden des Abtes auf geht wohl einerseits auf den Abt des Benediktinerklosters Megingaudeshausen bei Ullstadt, das 877 aufgehoben und nach Kloster Münsterschwarzach verlegt wurde. Andererseits bezieht sich der Namensbestandteil –wind, ähnlich wie in anderen Orten der Umgebung (Geiselwind, Bischwind, etc.) auf das westslawische Volk der Wenden. Die sich dem Frankenreich Karls des Großen widersetzenden Sachsen und Wenden wurden umgesiedelt, um sie aus ihrem ursprünglichen Stammesverband zu lösen. So wurden Wenden an bestimmten Orten wieder angesiedelt und unter die Herrschaft lokaler Autoritäten gestellt; (eines Abtes: Abtswind, eines Bischofs: Bischwind)[3]

Die erste Siedlung von Abtswind (Kleinabtswind) lag am Eichsee, an der Straße von Abtswind nach Wiesentheid. Dort soll um 680 der Frankenapostel Kilian gepredigt und getauft haben. Später befand sich dort eine Kapelle. Dieser Ortsteil gehörte bis 1364 zur Herrschaft der Grafen von Castell. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstand das heutige Abtswind, das dem Kloster Münsterschwarzach unterstand. Kleinabtswind wurde im Dreißigjährigen Krieg aufgegeben. Bei Straßenbauarbeiten um 1830 fand man eine Vielzahl von Totengebeinen, die auf das ehemalige Kleinabtswind hinweisen. [4]

Spätmittelalter[Bearbeiten]

Das Kloster Münsterschwarzach war vermutlich der Gründer des heutigen Abtswind und bis 1536 Lehensherr über einen Großteil des Ortes. Daneben hatten dort das Kloster Ebrach, die Grafen von Castell und die Adelslinie Fuchs von Dornheim Besitzungen. Bis ins späte Mittelalter gab es im Ort drei Schultheißen, die den drei Herrschaften Castell, Ebrach und Fuchs unterstanden.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Unter dem Einfluss der Grafen von Castell wurde Abtswind 1559 protestantisch. Das Dorfgericht unterstand in dieser Zeit der Hoheit des Klosters Ebrach. Es wurde von fünf Bauern ausgeübt, deren Häuser mit Wappen gekennzeichnet waren. Neben der Verbannung von Verbrechern aus dem Dorf wurden Vergehen auch mit dem Tod am Galgen bestraft. Zwischen Abtswind und Rüdenhausen fanden 1617 mehrere Hexenverbrennungen statt, denen 13 Personen, zwei Männer und elf Frauen, zum Opfer fielen. Im Ganzen waren damals 91 Personen angeklagt. Da durch Abtswind eine Heerstraße vom Steigerwald in das Maintal führte, verfügte der Ort über wehrhafte Verteidigungsanlagen mit Wassergraben, massiven Mauern und Türmen sowie einem befestigten Kirchhof. Die Gaden der Kirchenburg sind teilweise noch erhalten.

Obwohl es zu keinen direkten Kampfhandlungen kam, litt Abtswind während des Dreißigjährigen Krieges unter Einquartierungen, Plünderungen, Brandstiftung und Gewalttaten. Bestand das Dorf 1618 aus etwa 1200 Einwohnern, waren es 1648 noch genau 15.[5]

Nach der Säkularisation des Klosters im Jahr 1803 sowie der Mediatisierung der Grafen (1806), beides zugunsten Bayerns, wurde der Ort 1810 an das Großherzogtum Würzburg des Erzherzogs Ferdinand von Toskana abgetreten, bevor er mit dem Pariser Vertrag 1814 zum Königreich Bayern gelangte.

Seit 1815[Bearbeiten]

1880 wurde in der Ortsmitte das Schulhaus gebaut, in dem sich heute der Kindergarten befindet. Seit 1479 ist das Schulwesen in Abtswind nachweisbar.

1923 wurde eine erste Wasserversorgung für den Ortskern fertiggestellt. 1948 erfolgte die Kanalisierung des restlichen Ortes sowie die Errichtung einer Kläranlage.

Während des Zweiten Weltkrieges kam es zu keinen direkten Sachschäden. Zwei Bomben, die im Februar 1944 an der Straße nach Untersambach als Notabwurf gefallen waren, richteten keinen Schaden an. Als einziges ziviles Opfer war ein dreijähriges Kind zu beklagen, das bei einem Tieffliegerangriff von einem Querschläger getötet wurde. Zu Beginn des Krieges kamen Evakuierte aus der Pfalz nach Abtswind, die nach dem Frankreichfeldzug wieder zurückkehrten. 1942 übersiedelten Frauen und Kinder aus den zerstörten Städten des Ruhrgebietes. Ab Februar 1945 kamen Ausgebombte aus Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg in Abtswind unter. Hinzu kam nach dem Krieg eine Vielzahl von Vertriebenen und Flüchtlingen und ließ die Einwohnerzahlen rapide steigen. Bis zum Eintreffen der amerikanischen Truppen im März 1945 hielt sich der NS-Kreisleiter Heer mit seiner Familie in Abtswind auf. [6]

Von 1948 bis 1950 wurden viele baufällige Häuser abgerissen um unter anderem die Wohnungsnot zu beheben und den Dorfplatz zu erweitern.

1976 wurde das Haus des Gastes eingeweiht.

Im Zuge der Gemeindereform wurde am 25. März 1975 Abtswind Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Wiesentheid.


Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1840: 861
  • 1970: 681
  • 1987: 681
  • 2000: 783
  • 2012: 835

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Klaus Lenz (Bürgerblock). Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger von Günter Hanselmann (ohne Wahlvorschlag).

Marktgemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2002 und 2008 führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat:

2002 2008
Bürgerblock 8 8
Gesamt 8 8

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 668.000 Euro, davon waren (netto) umgerechnet 355.000 Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung
In Gold ein schwarzer Abtstab, unten überdeckt mit einem springenden roten Fuchs

Wappengeschichte
Es wird angenommen, dass die Gründung der Siedlung Abtswind durch das Kloster Münsterschwarzach erfolgte, das bis 1536 die Lehensherrschaft über den größten Teil des Ortsgebiets ausübte. Es ist seit 1281 als Herrschaftsinhaber belegt. Im Wappen steht dafür redend der Abtstab. Auch das Kloster Ebrach, die Grafen von Castell und Fuchs von Dornheim und andere hatten im Gemeindegebiet Güter. Im 16. Jahrhundert war der Einfluss der Familie Fuchs von Dornheim am umfangreichsten. Im Wappen steht redend für den Familiennamen der Fuchs aus ihrem Wappen.
Das Wappen wurde vom Innenministerium am 10. August 1966 verliehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Abtswinder Friedhofarkaden mit Holz-Friedhofkanzel
Hauseingang im Ortskern von Abtswind
  • Ortskern entlang der Hauptstraße mit prachtvollen Sandsteinhäusern
  • Kirchenburg mit Kirche
  • Friedhof mit Predigtkanzel unter den Arkaden. Dieses Bauwerk entstand, als der Platz um die Kirche zu klein wurde. Deshalb verlegte es an den Rand des Ortes.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Abtswind

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Weinlehrpfad
  • Frankenblick im Weinberg. Ausblick bei gutem Wetter bis in die Rhön

Sport[Bearbeiten]

  • Freibad, Babybecken mit großen Rasenflächen, Spielplatz und Beach-Volleyball-Feld

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Abtswinder Weinfest an allen Samstagen im Oktober im beheizten Festzelt
  • Weinfest am Brunnen am letzten Wochenende im Juli
  • Weihnachtsmarkt mit kunstgewerblichen Ständen und Krippenspiel am zweiten Advent
  • Festlicher Tanzball am ersten Freitag im neuen Jahr: Chrysanthemen-Ball

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft zehn, im produzierenden Gewerbe 74 und im Bereich Handel und Verkehr 293 Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 31 Personen beschäftigt. Beschäftigte am Wohnort wurden insgesamt 298 gezählt. Im verarbeitenden Gewerbe einschließlich Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden existierten drei Betriebe. Im Jahr 1999 bestanden 39 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 557 Hektar. Davon waren 456 Hektar Ackerfläche und 54 Hektar Dauergrünfläche.

Bildung[Bearbeiten]

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 1999):

  • Kindergärten: 40 Kindergartenplätze mit 42 Kindern
  • Vinothek: Alles Wissenswerte über Wein und seine Herstellung
  • Größtes privates Kräutermuseum der Welt

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Paul von Hindenburg
  • Walter Mix
  • Karl Behringer
  • Georg Eckoff
  • Else Kniewasser (7. Juli 2008)
  • Hans-Heinz Kopp (30. September 2008)

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abtswind – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111113/231506&attr=OBJ&val=1648
  3. Vgl. Kniewasser, Ulrich:Der Steigerwald Band 1983-1 S. 14ff.
  4. vgl. Zehnder, Ernst:125 Jahre Sängerkranz Abtswind Abtswind 1986.
  5. vgl. Kniewasser,Rudolf: Abtswind in Güntsch, Georg (Hrsg.): Castell- Grafschaft und Dekanat Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen 1991.
  6. vgl. Kopp, Marion:Abtswind 1945 und danach in Der Steigerwald Band 1999-3