Det Radikale Venstre
| Det Radikale Venstre | |
| Parteiführerin | Margrethe Vestager |
| Parteivorsitzender | Klaus Frandsen |
| Fraktionsvorsitz im Folketing | Sofie Carsten Nielsen |
| Politische Sprecherin | Marianne Jelved |
| Gründung | 21. Mai 1905 |
| Gründungsort | Odense |
| Hauptsitz | Kopenhagen |
| Mitgliederzahl | 7.600[1] |
| Jugendverband | Radikal Ungdom |
| Wahlliste | B |
| Sitze im Folketing | 17 |
| Internationale Verbindungen |
Liberale Internationale |
| EP-Fraktion | ALDE (bis 2009) |
| Europapartei | ELDR |
| www.radikale.dk | |
Det Radikale Venstre (RV oder nur R, dänisch für Radikale Linke) ist eine linksliberale Partei in Dänemark. Sie führt den Namenszusatz Danmarks social-liberale parti. Daher wird im deutschen Kontext die Bezeichnung Sozialliberale verwendet.[2]
Inhaltsverzeichnis |
Politisches Profil [Bearbeiten]
Den klassischen liberalen Inhalten sind zuletzt deutliche grüne Akzente hinzugefügt worden. Das aktuelle Grundsatzprogramm der RV wurde am 22. Februar 1997 verabschiedet.[3] Darin wird eine demokratische Gesellschaft mit Platz für jeden, im Einklang mit der Natur und mit Respekt für die Lebensgrundlagen künftiger Generationen angestrebt. Unrecht, Gewalt, Armut und Überbevölkerung gilt es weltweit zu bekämpfen. Die internationale Rechtsordnung muss gestärkt werden.
- Klima- und Energiepolitik: Unabhängigkeit von fossilen Energiequellen bis 2050. Förderung erneuerbarer Energien aus Wind, Biomasse, Biogas, Erdwärme und Gezeitenkraft durch neue Umweltabgaben in Höhe von jährlich 6,5 Mrd. Kronen
- Steuern: Eine tiefgreifende Steuerreform soll kleine Einkommen entlasten und klima- und gesundheitsschädlichen Verbrauch belasten. Dadurch soll der Arbeitsmarkt stimuliert und Mittel für nationale und globale Klimainvestitionen generiert werden. Gleichzeitig soll der Eckwert, ab dem der Spitzensteuersatz erhoben wird, erhöht werden, so dass mittlere Einkommen stärker geschont werden.
- Europapolitik: Die RV unterstützt das europäische Projekt. Dänemarks Opt-out in Bezug auf vier Bereiche der europäischen Zusammenarbeit soll durch eine Volksabstimmung beseitigt werden. Dabei geht es um die Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen, Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Unionsbürgerschaft und den Euro.
- Sicherheitspolitik: Die RV wünscht eine handlungsfähige UNO, die nach Maßgabe des Sicherheitsrates auch militärische Mittel anwenden soll. Dänemarks Engagement in UNO-Friedensmissionen und unter dem Dach der NATO soll fortgesetzt werden. Das Land soll ohne Vorbehalte an der Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU teilnehmen.
- Internationale Zusammenarbeit: Die Entwicklungshilfe soll wieder auf 1 % des Bruttonationaleinkommens angehoben werden.
- Kirche und Religion: Das Verhältnis von Staat und dänischer Volkskirche ist auf Grundlage einer wohlvorbereiteten Volksabstimmung neu zu ordnen. Die Führung der Personenstandsregister soll von der Kirche auf die Kommunen übergehen. Die Kirchensteuer soll zwar bestehen bleiben, doch muss sie zugunsten jeder Religionsgemeinschaft erhoben werden.
Geschichte [Bearbeiten]
Die Radikale Venstre spaltete sich 1905 aus Protest gegen steigende Militärausgaben von der liberalen Partei Venstre ab.[4]
Nach einer ersten Regierungsübernahme 1909–1910 konnte die RV erneut von 1913 bis 1920 den Regierungschef stellen. Als König Christian X. Ministerpräsident Carl Theodor Zahle gegen den Willen der Parlamentsmehrheit entließ, brach eine schwere Verfassungskrise aus. Nach zwei geschäftsführenden Kabinetten wurde dem 1901 etablierten Parlamentarismus dauerhaft Gültigkeit verschafft.
1924 gelangte sie, allerdings nur als Juniorpartner der Sozialdemokraten wieder an die Regierung. Als Koalitionspartner der Sozialdemokraten von 1929 bis 1943 war die Partei am Aufbau des Wohlfahrtsstaates beteiligt. Wegen ihrer pazifistische Tradition lehnten die Radikalen militärische Gegenwehr im Falle eines deutschen Angriffs ab, der radikale Außenminister Peter Rochegune Munch unterzeichnete im Mai 1939 einen Nichtangriffspakt mit Deutschland. Nach dem deutschen Einmarsch unterstützten sie die Politik der Zusammenarbeit.
1949 lehnte die Partei den NATO-Beitritt Dänemarks ab.
Mitte der 1960er Jahre wandte sich die RV stärker dem bürgerlichen Lager zu, was zu einer Mehrheitsregierung mit Rechtsliberalen und Konservativen unter dem RV-Politiker Hilmar Baunsgaard (1968–71) führte. Später stützte die RV sowohl den konservativen Ministerpräsidenten Poul Schlüter (1982–93) wie den Sozialdemokraten Poul Nyrup Rasmussen (1993–2001).
In den zehn Jahren der Regierungen Anders Fogh Rasmussen und Lars Løkke Rasmussen hatte die RV zunehmend die starre Blockpolitik kritisiert. Denn im Unterschied zu früher konnten die Sozialliberalen keinen Einfluss mehr auf die Regierungsbildung nehmen, während die Rolle der Rechtspopulisten mehr und mehr an Gewicht zunahm. Zuletzt konnten aber doch gewisse Erfolge in den Haushaltsberatungen erzielt werden. Unter der populären Parteichefin Marianne Jelved erzielte die RV bei der Folketingswahl 2005 ihr bestes Ergebnis seit über 30 Jahren. Der Zuwachs an Mandaten ließ sich aber nicht in konkreten Einfluss ummünzen, und der Richtungsstreit, in welches Lager sich die RV einbinden lassen sollte, flammte wieder auf. Am 7. Mai 2007 spaltete sich ein Teil des rechten Parteiflügels um Naser Khader und Anders Samuelsen ab und gründete die Ny Alliance (ab 2008 Liberal Alliance).
Im Sommer 2007 wurde die ehemalige Unterrichtsministerin Margrethe Vestager neue Parteiführerin. Bei der vorgezogenen Folketingswahl im November 2007 ging der Stimmenanteil der RV auf einen durchschnittlichen Wert zurück. Bei der folgenden Wahl im Herbst 2011 stritten die Sozialliberalen mit Sozialdemokraten, Sozialistischer Volkspartei und der rot-grünen Einheitsliste für einen Regierungswechsel. Sie konnten ihre Verluste wettmachen und wieder die Fraktionsstärke von 2005 erreichen. In der am 3. Oktober 2011 gebildeten Regierung Thorning-Schmidt stellt die RV sechs von 23 Kabinettsmitgliedern.
Wahlergebnisse [Bearbeiten]
| Folketingswahl | Stimmenanteil | Sitze |
|---|---|---|
| 1960 | 5,8 % | 11 |
| 1964 | 5,3 % | 10 |
| 1966 | 7,3 % | 13 |
| 1968 | 15,0 % | 27 |
| 1971 | 14,4 % | 27 |
| 1973 | 11,2 % | 20 |
| 1975 | 7,1 % | 13 |
| 1977 | 3,6 % | 6 |
| 1979 | 5,4 % | 10 |
| 1981 | 5,1 % | 9 |
| 1984 | 5,5 % | 10 |
| 1987 | 6,2 % | 11 |
| 1988 | 5,6 % | 10 |
| 1990 | 3,5 % | 7 |
| 1994 | 4,6 % | 8 |
| 1998 | 3,9 % | 7 |
| 2001 | 5,2 % | 9 |
| 2005 | 9,2 % | 17 |
| 2007 | 5,1 % | 9 |
| 2011 | 9,5 % | 17 |
| Europawahl | Stimmenanteil[5] | Sitze[6] |
|---|---|---|
| 1979 | 3,3 % | – |
| 1984 | 3,1 % | – |
| 1989 | 2,8 % | – |
| 1994 | 8,5 % | 1 |
| 1999 | 9,1 % | 1 |
| 2004 | 6,4 % | 1 |
| 2009 | 4,3 % | – |
Personen [Bearbeiten]
Ministerpräsidenten [Bearbeiten]
- Carl Theodor Zahle, Oktober 1909 bis Juli 1910 und Juni 1913 bis März 1920. Justizminister 1929–1935
- Erik Scavenius, November 1942 bis August 1943 (de iure bis Mai 1945). Außenminister 1909–1910, 1913–1920 und 1940–1943/45
- Hilmar Baunsgaard, Februar 1968 bis Oktober 1971. Handelsminister 1961–1964
Parteichefs [Bearbeiten]
In der RV bekleidet der Parteichef (politisk leder) niemals den Posten des Parteivorsitzenden (partiformand). Er ist entweder Fraktionsvorsitzender oder − sofern die Partei an einer Regierung beteiligt ist − Minister. In Übergangsphasen waren die realen Machtverhältnisse zwischen dem Fraktionsvorsitzenden und dem Politischen Sprecher nicht immer klar erkennbar. Die RV trennt traditionell scharf zwischen Parlamentsfraktion und Parteiorganisation. Deshalb kann ein Parteivorsitzender kein Abgeordnetenmandat ausüben, während der Parteichef notwendigerweise einen Sitz im Folketing innehat. Das bedeutet auch, dass weder das einfache Mitglied noch Parteitagsdelegierte ihre politische Führungsfigur direkt wählen können.[7]
- Theodor Zahle, 1905-1928
- Peter Rochegune Munch, 1928-1940
- Jørgen Jørgensen, 1940-1960 & Bertel Dahlgaard, 1953-1957
- Karl Skytte, 1960-1966/68
- Hilmar Baunsgaard, 1966/68-1975/77 & Svend Haugaard 1975-1978
- Niels Helveg Petersen, 1978-1990
- Marianne Jelved, 1990-2007
- Margrethe Vestager, seit 2007
Prominente Vertreter (Auswahl) [Bearbeiten]
- Viggo Hørup (1841–1902), geistiger Gründungsvater der Radikalen
- Edvard Brandes (1847–1931), Finanzminister, Schriftsteller, Kulturdebatteur, Chefredakteur von Politiken
- Ove Rode (1867–1933), Innenminister, Fraktionschef, Chefredakteur von Politiken
- Hermod Lannung (1895-1996), UN-Diplomat, Delegierter im Europa-Rat, Mitbegründer der Liberalen Internationalen
- Uffe Elbæk (* 1954), Cheforganisator der 2nd World OutGames, Kulturminister 2011-2012
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Mitgliedszahlen 2010 Folketingets Oplysning, abgerufen am 8. Januar 2012
- ↑ Alfred Jüttner/Hans-Joachim Liese, S. 174/175
- ↑ Grundsatzprogramm der Radikalen Venstre (dänisch), abgerufen am 7. Januar 2012
- ↑ Vagn Dybdahl: Politikens Danmarkshistorie, Band 12, Kopenhagen 1965, S. 456/7
- ↑ Ergebnisse der Folketingswahlen seit 1973 Dänisches Parlament, abgerufen am 5. August 2011
- ↑ Ergebnisse der Folketingswahlen seit 1973 Dänisches Parlament, abgerufen am 5. August 2011
- ↑ Lars Bille: Partier i forandring, S. 103 f.
Literatur [Bearbeiten]
- Lars Bille: Partier i forandring. En analyse af danske partiorganisationers udvikling 1960-1995. Odense Universitetsforlag, Odense 1997. ISBN 87-7838-314-5
- Alfred Jüttner, Hans-Joachim Liese: Taschenbuch der europäischen Parteien und Wahlen. Olzog, München 1977. ISBN 3-7892-7119-5
- Bo Lidegaard, Sune Pedersen (Red.): B. Radikalt 1905-2005. Gyldendal, Kopenhagen 2005.
Weblinks [Bearbeiten]
Partit Liberal (Andorra) · Armenische Allnationale Bewegung (Armenien) · Müsavat Partiyası (Aserbaidschan) · Open Vlaamse Liberalen en Democraten (Belgien) · Mouvement Réformateur (Belgien) · Liberalno demokratska stranka (Bosnien und Herzegovina) · Bewegung für Rechte und Freiheiten (Bulgarien) · Nationale Bewegung für Stabilität und Fortschritt (Bulgarien) · Venstre (Dänemark) · Det Radikale Venstre (Dänemark) · Freie Demokratische Partei (Deutschland) · Estnische Reformpartei (Estland) · Estnische Zentrumspartei (Estland) · Finnische Zentrumspartei (Finnland) · Schwedische Volkspartei (Finnland) · Republikanische Partei Georgiens (Georgien) · Unser Georgien – Freie Demokraten (Georgien) · Fianna Fáil (Irland) · Italia dei Valori (Italien) · Radicali Italiani (Italien) · Aleanca Kosova e Re (Kosovo) · Partia Liberale e Kosoves (Kosovo) · Kroatische Sozial‑Liberale Partei (Kroatien) · Kroatische Volksparte – Liberaldemokraten (Kroatien) · Istrische Demokratische Versammlung (Kroatien) ·; Liberale und Zentrumsunion (Litauen) · Bewegung der Liberalen (Litauen) · Darbo partija (Litauen) · Demokratesch Partei (Luxemburg) · Liberalna Partija na Makedonija (Mazedonien) · Liberalno‑Demokatska Partija (Mazedonien) · Partidul Liberal (Moldawien) · Democraten 66 (Niederlande) · Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (Niederlande) · Venstre (Norwegen) · Liberales Forum (Österreich) · Partia Demokratyczna – demokraci.pl (Polen) · Partidul National Liberal (Rumänien) · Jabloko (Russland) · Demokratische Volksunion (Russland) · Volkspartei der Liberalen (Schweden) · Zentrumspartei (Schweden) · FDP.Die Liberalen (Schweiz) · Liberalno-demokratska partija (Serbien) · Sloboda a Solidarita (Slowakei) · Liberaldemokratie Sloweniens (Slowenien) · Zares (Slowenien) · Državljanska lista (Slowenien) · Convergència Democràtica de Catalunya (Spanien) · Centro Liberal Democrático (Spanien) · LIDEM – liberální demokraté (Tschechien) · Bund Freier Demokraten (Ungarn) · Liberal Democrats (Vereinigtes Königreich) · Enomeni Dimokrates (Zypern)
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