Lincoln (2012)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Lincoln ist ein US-amerikanisches Historien-Drama des Regisseurs Steven Spielberg. Der 2012 produzierte Spielfilm thematisiert die letzten Monate im Leben des 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln. Das Drehbuch basiert auf dem 2005 publizierten Sachbuch Team of Rivals: The Political Genius of Abraham Lincoln der Pulitzer-Preis-Gewinnerin Doris Kearns Goodwin.

Seine Premiere feierte der Film am 8. Oktober 2012 auf dem New York Film Festival. In den Vereinigten Staaten startete der Film am 16. November 2012 in den Kinos; in Deutschland und Österreich war der Kinostart am 24. Januar 2013. Er hat weltweit 275 Millionen Dollar eingespielt;[4] bei den Oscarverleihungen am 24. Februar 2013 gewann der Film zwei Oscars.

Handlung[Bearbeiten]

Der Sezessionskrieg steht Ende 1864/Anfang 1865 kurz vor seinem Ende. Die Konföderierten Staaten sind so geschwächt, dass sie im Begriff sind, in Friedensverhandlungen einzutreten. Der republikanische Präsident Abraham Lincoln, der gerade wiedergewählt worden ist, hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Sklaverei per Verfassungszusatz zu verbieten. Der Senat hat dem 13. Verfassungszusatz bereits im April 1864 zugestimmt. Für dessen Verabschiedung braucht er eine Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus. In dieser Kammer wie auch in seinem eigenen Kabinett stößt Lincoln auf heftige Gegenwehr - vor allem bei den Demokraten, teilweise aber auch in seiner eigenen Partei. Im Repräsentantenhaus sind die Motive unter anderem rassistischer Art, im Kabinett will man den Bürgerkrieg so schnell wie möglich beenden und ist auch bereit, dafür die Sklaverei beizubehalten. Lincoln und seine Helfer versuchen einerseits mit direkter und indirekter Bestechung demokratischer Abgeordneter, andererseits mit Drohung und dem Appell an die Ethik, die fehlenden Stimmen zusammenzubekommen. Dabei werden auch viele Aspekte des privaten Lincoln gezeigt: die Ehe, die unter der Arbeitsbelastung und dem Tode eines gemeinsamen Kindes leidet; Lincolns Weigerung, seinen ältesten Sohn in den Krieg ziehen zu lassen; ebenfalls schwer ist es, dem jüngsten Sohn eine sorglose Kindheit zu bieten.

Schließlich gelingt es Lincoln und seinen Helfern, die Mehrheit zustandezubringen. Dabei ist der Präsident gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben, in der er mit der Wahrheit etwas kreativ umgehen muss. Als der Zusatzartikel am 31. Januar 1865 schließlich angenommen wird, bricht die Mehrheit des Repräsentantenhauses in Jubel aus und stimmt ein patriotisches Lied an. Der Abgeordnete Thaddeus Stevens, der mit seiner schwarzen Haushälterin eine heimliche Ehe führt, leiht sich das offizielle Dokument für eine Nacht aus und bringt es seiner Frau, die ihm die Worte des Gesetzestextes noch einmal laut vorliest.

Am 3. Februar trifft sich Lincoln mit Vertretern der Südstaaten in der Hampton Roads Conference. Diese Verhandlungen scheitern jedoch und der Krieg geht weiter. Ende März besucht Lincoln das Schlachtfeld von Petersburg, Virginia, wo er sich mit General Grant unterhält. Kurz darauf, am 9. April, nimmt Grant die Kapitulation General Lees in Appomattox Courthouse entgegen.

In der Nacht des 14. April 1865 trifft sich Lincoln mit seinem Kabinett, um Fragen der Gleichberechtigung schwarzer Menschen zu diskutieren. Dabei zeigt sich Lincoln durchaus zurückhaltend, was die komplette Gleichstellung der Schwarzen betrifft. Er muss diese Sitzung jedoch beenden, weil seine Frau schon im Ford's Theatre auf ihn wartet.

Die nächste Aufnahme zeigt den ermordeten Lincoln im Petersen House, der von seinen Weggefährten umgeben ist. Der Film endet mit einer Rückblende und zeigt Lincolns Rede bei seiner Inauguration für seine zweite Amtszeit.

Produktionsdaten[Bearbeiten]

Den Dreharbeiten ging eine zwölf Jahre währende Recherche-Arbeit des Regisseurs Steven Spielberg voraus. Frühe Drehbuchversionen stammten aus der Feder von John Logan und Paul Webb.

Mit einem Budget von 65 Millionen US-Dollar wurde Lincoln zum Teil an Originalschauplätzen zwischen Oktober und Dezember 2011 in den Bundesstaaten Illinois und Virginia gedreht.

Als Hauptdarsteller war zunächst ab Januar 2005 Liam Neeson vorgesehen, Spielbergs Hauptdarsteller aus Schindlers Liste. Doch im November 2010 gab Neeson bekannt, nicht mehr für Lincoln zur Verfügung zu stehen, da er sich zu alt für den Part fühle.[5] Der zweifache Oscarpreisträger Daniel Day-Lewis erhielt die Rolle.

Für den Kinoeinsatz außerhalb der USA wurde dem Film ein einminütiger Prolog hinzugefügt, der dem internationalen Publikum die für das Verständnis des Film notwendigen Grundlagen der amerikanischen Geschichte vermitteln soll.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

1974 wurde die Miniserie Lincoln gedreht, in welcher Hal Holbrook die Titelrolle verkörperte. Holbrook, im Film von 2012 in der Rolle des Francis Preston Blair zu sehen, erhielt 1976 für seine Darstellung des US-Präsidenten einen Emmy. Ebenso stellte Holbrook in der Miniserie Fackeln im Sturm von 1985 Abraham Lincoln dar.

Rezeption[Bearbeiten]

Erfolg[Bearbeiten]

Im Jahr 2013 wurden bundesweit 564.823 Besucher an den deutschen Kinokassen gezählt, womit der Film den 56. Platz der meistbesuchten Filme des Jahres belegte.[6]

Kritik[Bearbeiten]

Lincoln erhielt insgesamt sehr positive Kritiken. Roger Ebert von der Chicago Sun-Times gab dem Film vier von vier Sternen und nannte ihn den drittbesten Film des Jahres 2012. Er lobte besonders die Leistung Daniel Day-Lewis'.[7] Glenn Kenny von MSN Movies gab dem Film fünf von fünf Sternen und lobte die Regieleistung Spielbergs.[8]

Colin Covert von der Star Tribune lobte Steven Spielberg, Daniel Day-Lewis und Tony Kushner. Diese hätten ein triumphales Werk des historischen Journalismus geschaffen.[9] Charlie McCollum von den San Jose Mercury News nannte den Film „eines der besten historischen Dramen der Filmgeschichte“.[10] Daniel Day-Lewis' Leistung wurde mit insgesamt 30 Filmpreisen und 8 Nominierungen gewürdigt. Tommy Lee Jones erhielt 9 Filmpreise und 14 Nominierungen. Sally Field erhielt 5 Filmpreise und 13 Nominierungen. Das Ensemble erhielt insgesamt mehrere Nominierungen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Synchronisation[Bearbeiten]

Die deutsche Fassung umfasst folgende Synchronsprecher:

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Abraham Lincoln Daniel Day-Lewis Frank Röth
Mary Todd Lincoln Sally Field Cornelia Meinhardt
William Seward David Strathairn Reinhard Kuhnert
Robert Lincoln Joseph Gordon-Levitt Jacob Weigert
W. N. Bilbo James Spader Olaf Reichmann
Preston Blair Hal Holbrook Friedrich Georg Beckhaus
Thaddeus Stevens Tommy Lee Jones Ronald Nitschke
Robert Latham John Hawkes Stefan Krause
Alexander Stephens Jackie Earle Haley Udo Schenk
Edwin Stanton Bruce McGill Roland Hemmo
Ulysses S. Grant Jared Harris Lutz Schnell
Fernando Wood Lee Pace Sascha Rotermund
George Pendleton Peter McRobbie Kaspar Eichel
Elizabeth Keckley Gloria Reuben Katharina Koschny
James Ashley David Costabile Tobias Meister
Private Harold Green Colman Domingo Oliver Stritzel
Weißer Soldat Lukas Haas Norman Matt
Alexander Coffroth Boris McGiver Tom Vogt
Arzt im Militärkrankenhaus George Turman Matthias Klages
Edward McPherson Christopher Evan Welch Viktor Neumann
Gideon Welles Grainger Hines Erich Räuker
Harold Hollister Michael Ruff Matthias Klages
Joseph Marstern Joseph Carlson Bastian Sierich
William Slade Stephen Henderson Frank Ciazynski

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.imdb.com/title/tt0443272/
  2. Freigabebescheinigung (PDF; 34 kB) der FSK, abgerufen am 14. Februar 2013
  3. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  4. Daten bei boxofficemojo (engl.), abgerufen am 23. Februar 2013
  5. Neeson quits Spielberg’s Lincoln biopic
  6. KINOaktuell: Was ihr wolltet: Münsters Kinojahr 2013, C. Lou Lloyd, Filminfo Nr. 4, 23. – 29. Januar 2014, S. 24f
  7. Roger Ebert's review of Lincoln. Abgerufen am 15. November 2012.
  8. Review by Glenn Kenny (MSN Movies). Abgerufen am 3. Januar 2013.
  9. Making history with 'Lincoln'. Abgerufen am 11. Januar 2013.
  10. Charlie McCollum: Review: An epic 'Lincoln'. San Jose Mercury News. 7. November 2012. Abgerufen am 26. September 2013.

Freigabebescheinigung. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, 21. Dezember 2012, abgerufen am 11. Januar 2013 (PDF; 34 kB, Prüf-Nr.: 136 548 K).