Internationales Filmfestival von Locarno

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Die Piazza Grande von Locarno während der Filmfestspiele 2005

Das Internationale Filmfestival von Locarno (italienisch Original Festival del film Locarno) findet seit 1946 jedes Jahr im August in der Stadt Locarno, im Kanton Tessin in der Schweiz statt. Es gehört nach den Filmfestspielen von Venedig und dem Moskauer Filmfestival, die beide bereits in den 1930er Jahren gegründet wurden, und neben den Filmfestspielen von Cannes und dem Filmfestival Karlovy Vary (alle 1946 gegründet) zu den ältesten Filmfestspielen der Welt. Wie diese zählt es zu den Filmkunstfestivals mit einem Spielfilmwettbewerb nach den Vorgaben der Filmproduzentenvereinigung FIAPF (A-Kategorie-Festival).

Die 67. Auflage des Filmfestivals fand vom 6. bis 16. August 2014 statt.

Cineastische Besonderheiten[Bearbeiten]

Die traditionelle Bestuhlung beim Filmfestival

Während elf Tagen werden hunderte Filme in diversen Reihen, Retrospektiven und im Wettbewerb um den Goldenen Leoparden gezeigt. Etliche Filmvorführungen finden als Freiluftveranstaltung auf der Piazza Grande in der Altstadt Locarnos auf einer Grossleinwand (26 × 14 m) statt. Etwa 8.000 Zuschauer haben dort Platz.

Das Locarno-Filmfest hat eine lange Tradition im Autorenfilm. Dies sind jene Filme, in denen der Regisseur sämtliche künstlerischen Aspekte des Films wie Drehbuch oder Schnitt wesentlich bestimmt und als (alleiniger) Autor des Filmwerks angesehen wird.

Die ab dem Jahr 2000 amtierende Leiterin, die italienische Filmkritikerin Irene Bignardi, stand für eine inhaltliche und künstlerische Kontinuität der Filmauswahl mit sozialem und politischem Inhalt. Im Sommer 2004 beim 57. Internationalen Filmfestival von Locarno waren es über 350.

Seit August 2005 hiess der Direktor des Filmfestivals von Locarno Frédéric Maire. Anfang Juni 2008 wurde bekannt, dass der 44-jährige Neuenburger Filmjournalist und Regisseur Maire vorzeitig aus seinem Amt ausscheidet und zum 1. November 2009 die Arbeit als Direktors des Schweizer Filmarchivs aufnimmt. Am 1. September 2009 übernahm Olivier Père, bisher in Cannes tätig, die Leitung des Filmfestivals.[1] Ende August 2012 gab er nach drei Jahren das Amt des künstlerischen Leiters auf, um Anfang November den Posten des Generaldirektors von Arte France Cinéma anzutreten.[2] Anfang September 2012 wurde der italienische Filmkritiker und Autor Carlo Chatrian, von 2001 bis 2007 Vizedirektor des Alba Film Festivals, zu Pères Nachfolger ernannt.[3]

2009 standen Anime im Mittelpunkt des Festivals. Isao Takahata wurde mit dem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk geehrt.[4]

Wirtschaftliche Bedeutung für die Region[Bearbeiten]

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Dank einer im Jahr 2005 vom Tessiner Staatsrat in Auftrag gegebenen Studie[5] der Universität der italienischen Schweiz (USI) in Lugano gibt es Klarheit über die wirtschaftlichen Belange, die mit den Filmfestspielen verknüpft sind. Während der knapp zwei Wochen Dauer des Filmfests bleiben 12 bis 13 Millionen Franken in der Region. Gemessen an dem Budget des Festivals von 10 Millionen bleibt also ein deutlicher Gewinn.

Der statistisch ermittelte durchschnittliche Filmfestbesucher „gibt 123 Franken pro Tag aus, ist weiblich, zwischen 30 und 40 Jahre alt, stammt aus der deutschsprachigen Schweiz, verfügt über einen hohen Bildungsgrad sowie ein mittleres bis hohes Einkommen“. Die Sozialforscher sprechen von „touristischem Potenzial“ im Hinblick auf Kulturangebote und Gastronomie, die sich speziell auf das hier in Massen auftretende Bildungspublikum ausrichtet.

Die öffentlichen Fördergelder von 2,5 Millionen Franken seitens des Kantons und weitere 1,3 Millionen jährlich seitens der nationalen Regierung sind also nicht schlecht angelegt.

Die Preise[Bearbeiten]

Seit 1968 wird als Hauptpreis für den besten Wettbewerbsfilm der Pardo d’oro, der Goldene Leopard, verliehen. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld von 90.000 Schweizer Franken (aktuell ungefähr 81.100 Euro) geht zu gleichen Teilen an den Regisseur und an die Produzenten des Siegerfilms.

Eine Auswahl der wichtigsten Auszeichnungen, die innerhalb des Wettbewerbs vergeben werden:

Kategorie Originalbezeichnung verliehen seit
Goldener Leopard Pardo d’oro 1968 (1946)
Silberner Leopard – Spezialpreis der Jury Premio speciale della giuria 1949
Leopard – Beste Regie Miglior regia 1946
Leopard – Beste Darstellerin Migliore attrice 1958
Leopard – Bester Darsteller Miglior attore 1958
Ehrenleopard Pardo d’onore 1989

Wettbewerbspreise[Bearbeiten]

Internationale Wettbewerbspreise (internationale Wettbewerbe)[Bearbeiten]

  • Pardo d’oro (Goldener Leopard) – Grosser Preis des Festivals, der Stadt und Region Locarno für den besten Film (gleichmässig aufgeteilt auf Regisseur und Produzent).
  • Premio speciale della giuria (Silberner Leopard) - Der Spezialpreis der Jury für den zweitbesten Film (gleichmässig aufgeteilt auf Regisseur und Produzent).
  • Pardo per la migliore regia (Preis für die beste Regie) – Preis der Stadt und Region Locarno für den Film mit der besten Regie (gleichmässig aufgeteilt auf Regisseur und Produzent).
  • Pardo per la miglior interpretazione femminile (Leopard für die beste Darstellerin)
  • Pardo per la miglior interpretazione maschile (Leopard für den besten Darsteller)

Concorso Cineasti del Presente Preise[Bearbeiten]

  • Pardo d’oro Cineasti del presente
  • Premio speciale della giuria Ciné+ (Spezialpreis der Jury): die französische Fernsehstation Ciné+ Club garantiert dem Film, der mit dem Spezialpreis ausgezeichnet wird, dessen Ankauf durch Ciné+ Club und damit seine Ausstrahlung über den Sender.
  • Pardo per la migliore Opera Prima: ein Preis von Stadt und Region Locarno (aufgeteilt auf Regisseur und Produzent) - geht an das beste Erstlingswerk in den Programmreihen Concorso internazionale, Concorso Cineasti del presente und Piazza Grande.

Pardi di Domani Preise (Kurzfilme)[Bearbeiten]

  • Pardino d’oro für den besten internationalen Kurzfilm
  • Pardino d’oro für den besten Schweizer Kurzfilm
  • Pardino d’argento Swiss Life - für einen Schweizer Film im nationalen Wettbewerb
  • Pardino d’argento SSR SRG - für einen Film im internationalen Wettbewerb
  • Locarno-Kurzfilmnominierung für die European Film Awards - Pianifica Preis geht an einen Kurzfilm eines europäischen Regisseurs, der in einer der beiden Wettbewerbe gezeigt wurde. Der Preis beinhaltet die Nominierung für die Kurzfilmkategorie der European Film Awards, die das Studio Pianifica zur Verfügung stellt.
  • Der Action Light Preis für das beste Nachwuchstalent: Besteht aus technischen Leistungen von Action Light,[6] Avant-Première SA/ Film Demnächst AG, SDS AG, Swiss Effects AG, EgliFilm AG, Titra Film SA, Taurus Studio, TranspaLux (Suisse) SA.
  • Der Film-und-Video-Untertitelungs - Preis Der von der Jury nominierte Kurzfilm im Wettbewerb Pardi di domani wird in fünf mitteleuropäische Sprachen übersetzt. Die Untertitelung kann auf Film, auf Video oder auf DVD erfolgen.

Special Awards[Bearbeiten]

Pardo d’onore (Ehrenleopard)[Bearbeiten]

Der Pardo d’onore Swisscom zeichnet zeitgenössische Filmemacher aus, die jenes Filmschaffen repräsentieren, welches das Festival seit seiner Gründung in den Mittelpunkt stellt.

Excellence Award[Bearbeiten]

Der Excellence Award würdigt aussergewöhnliche Schauspieler der internationalen Filmszene. Seit 2004 hat das Festival del film Locarno Persönlichkeiten wie Oleg Menchikov, Susan Sarandon, John Malkovich, Willem Dafoe, Carmen Maura, Michel Piccoli, Toni Servillo und Chiara Mastroianni, Victoria Abril und Sir Christopher Lee mit dem Excellence Award geehrt. 2014 wird der Preis an Juliette Binoche und Giancarlo Giannini gehen.

Raimondo Rezzonico Preis[Bearbeiten]

Der Premio Raimondo Rezzonico (gestiftet von der Gemeinde Minusio) für den besten unabhängigen Produzenten.

Vision Award[Bearbeiten]

Diese neue Auszeichnung möchte Persönlichkeiten auszeichnen, die mit ihren Kreationen und ihrer Arbeit hinter den Kulissen dazu beitrugen, das Kino zu erweitern. 2013 ging der erste Vision Award an den amerikanischen Regisseur und Spezialist für Special Effects Douglas Trumbull. Im Folgejahr geht der Preis an Oskar-Preisträger Garrett Brown, Erfinder der Steadicam.

Lifetime Achievement Award[Bearbeiten]

Seit 2011 zeichnet das Festival Persönlichkeiten aus, die die Filmbranche mit ihren ausserordentlichen Karrieren gezeichnet haben.

Prix du Public[Bearbeiten]

Das Festival hat neben einer offiziellen Jury, die sich aus Film- und Kulturschaffenden zusammensetzt, auch eine Publikumsjury. Diese bewertet jeden Abend die aufgeführten Filme auf der Piazza Grande, um den Preis Prix du Public zu verleihen.

Leopard Club Award[Bearbeiten]

Der Leopard Club Award, genannt nach der Vereinigung, die das Festival unterstützt, ehrt jedes Jahr eine Figur der internationalen Filmszene die ein Zeichen im kollektiven Imaginären hinterlassen hat. In 2013 wurde Faye Dunaway mit dem ersten Leopard Club Award ausgezeichnet. In 2014 geht der Preis an die Amerikanische Schauspielerin Mia Farrow.

Variety Piazza Grande Award[Bearbeiten]

Der Variety Piazza Grande Award wird von einer Jury verliehen, die aus Kritikern des US-Filmbranchenblatts Variety besteht. Der Preis zeichnet einen Film aus, der im Piazza-Grande-Programm als Weltpremiere oder internationale Premiere gezeigt wird.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Internationales Filmfestival von Locarno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.pardo.ch - Olivier Père future Artistic Director
  2. Olivier Père verlässt das Festival del film Locarno bei pardolive.ch, 27. August 2012 (abgerufen am 28. August 2012).
  3. Carlo Chatrian wird neuer künstlerischer Leiter bei pardolive.ch, 4. September 2012 (abgerufen am 4. September 2012).
  4. vgl. Kohler, Michael: Meister der Animation. In: Frankfurter Rundschau, 8. August 2009, S. 12
  5. Studie der Universität der italienischen Schweiz (italienisch)
  6. http://prixactionlight.blogspot.com/ Action Light offizieller Blog