Newt Gingrich
Newton Leroy „Newt“ Gingrich [nuːt_ɡɪŋɡrɪtʃ] (* 17. Juni 1943 in Harrisburg, Pennsylvania, als Newton Leroy McPherson) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikaner und ein ehemaliger Lobbyist.[1][2] Von 1979 bis 1999 war er für seine Partei Kongressabgeordneter des Bundesstaates Georgia und von 1995 bis 1999 auch Sprecher des Repräsentantenhauses.
Gingrich veröffentlichte als Autor bzw. Co-Autor bisher 23 Bücher, von welchen 13 zeitweise in der Bestsellerliste der New York Times (NYT) vertreten waren.[3]
Gingrich beabsichtigt zurzeit, bei den US-Präsidentschaftswahlen 2012 zu kandidieren.[4][5] Ihm werden Chancen auf den Sieg im Rennen um die Kandidatur der Republikaner (Vorwahl)[6] nachgesagt. Seine Wahlkampfposition wurde Anfang Januar 2012 durch eine 5-Millionen-Dollar-Spende von Sheldon Adelson verbessert.[7] Nach einem deutlichen Sieg der republikanischen Vorwahlen in South Carolina am 21. Januar 2012 hat er inzwischen gute Chancen, der nächste Bewerber der Republikaner um die US-Präsidentschaft zu werden. [8]
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[Bearbeiten] Leben
[Bearbeiten] Jugend und Ausbildung
Newt Gingrich wurde als Sohn des 19-jährigen Newton Searles McPherson und der 16-jährigen Kathleen Daugherty, die im September 1942 geheiratet hatten, geboren.[9][10] Bis sie später Robert Gingrich heiratete, zog ihn seine Mutter alleine auf. Danach adoptierte Robert Gingrich seinen Stiefsohn und gab seinen Namen an ihn weiter. Als Newt Gingrich bereits volljährig war, hatten Robert und Kathleen Gingrich eine gemeinsame Tochter, seine Halbschwester Candace Gingrich, die heute eine Aktivistin der US-amerikanischen Lesben- und Schwulenbewegung ist. Als Kind einer Militärfamilie zog Newt Gingrich oftmals um und besuchte die Schulen verschiedener Militäreinrichtungen.
Nach seinem Schulabschluss an der Baker High School in Columbus 1961 besuchte Gingrich die Emory University in Atlanta, von der er 1965 einen B.A. erhielt. Sein Studium an der Tulane University in New Orleans schloss er 1968 mit einem Mastertitel und 1971 mit einem Ph.D. in Moderner Europäischer Geschichte ab (Belgian Education Policy in the Congo: 1945–1960).[11]
[Bearbeiten] Beruflicher Werdegang
[Bearbeiten] Wissenschaft
Von 1970 bis 1978 unterrichtete Gingrich Geschichte an der University of West Georgia in Carrollton.[12] 1993 erteilte er einen Kurs über die „Erneuerung der amerikanischen Zivilisation“ an der Kennesaw State University.[13]
[Bearbeiten] Öffentliche Ämter
1974 und 1976 kandidierte Gingrich erfolglos um das Mandat im US-Repräsentantenhaus für den sechsten Wahlbezirk von Georgia, der sich von den südlichen Vororten von Atlanta bis zur Grenze mit Alabama erstreckte. Beide Male verlor er gegen den Amtsinhaber, den Demokraten John James Flynt.
1978 ließ sich Flynt nicht mehr als Kandidat aufstellen, und Gingrich gewann die Wahl gegen die demokratische Staatssenatorin Virginia Shapard, eine Befürworterin einer Verfassungsänderung für geschlechtliche Gleichberechtigung, welche in diesem konservativen Wahlbezirk keine Unterstützung fand. Gingrich wurde sechsmal in seinem Wahlbezirk wiedergewählt. Gingrich war von 1995 bis 1999 Sprecher des Repräsentantenhauses. Mit ihm wird die Republican Revolution assoziiert, die im Wahlkampf um den Kongress 1994 erstmals seit vier Jahrzehnten zu einer republikanischen Mehrheit geführt hat. 1995 wählte ihn das Magazin Time zur Person des Jahres. Er spielte anschließend eine führende Rolle in der gescheiterten Amtsenthebung von Präsident Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre, musste sich jedoch zu gleicher Zeit selbst wegen einer eigenen außerehelichen Affäre aus der Politik zurückziehen.
[Bearbeiten] Lobbyismus
Seit 1999 arbeitet Gingrich als Politikberater und TV-Kommentator und erhielt von Freddie Mac zwischen 1,6 bis 1,8 Millionen Dollar für „strategische Beratung“.[14] Nach Einschätzung des New York Times-Kolumnisten Timothy Egan bestand diese in politischer Einflussnahme auf den Reglementierungsprozess im Sinne von Freddie Mac.[15]
Seine Tochter Kathy Gingrich Lubbers war die Präsidentin von Gingrich Communications, einer PR-Agentur mit zuletzt 15 Mitarbeitern, die 2011 vor dem Beginn von Gingrichs Präsidentschaftskampagne geschlossen wurde. Vor dem Beginn seiner Kampagne war Gingrich nach Recherche des Senders CNN für und in rund 25 Positionen und Unternehmen tätig.[16] Er selbst, bzw. Familienmitglieder gründeten mehrere Unternehmen und Institutionen die im Umfeld des politischen Meinunsbildungsprozesses in Washington aktiv waren, bzw. sind. Hierbei kam es zu teilweise erheblichen Zahlungen von gemeinnützigen an gewinnorientierte Einrichtungen die diesem Umfeld entsprangen. Beispielsweise zahlte die gemeinnützige Organisation Renewing American Leadership der „Gingrich Communications“ in Verlauf von zwei Jahren rund US$ 200.000. Die gleiche gemeinnützige Organisation überließ Gingrich die geldwerte Liste ihrer Spender zur kommerziellen Verwertung in seinen Unternehmen.[17]
[Bearbeiten] Kandidatur 2012
Am 21./22. Januar (MEZ) gewann Newt Gingrich die republikanischen Vorwahlen in South Carolina. Dabei ließ er Favorit Mitt Romney mehr als 12 Prozentpunkte hinter sich. Das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur gilt damit wieder als völlig offen.[18]
[Bearbeiten] Privates
Newt Gingrich ist das dritte Mal verheiratet. Seine frühere Geometrielehrerin Jackie Battley heiratete er mit 19 Jahren und ließ sich 1977 von ihr scheiden. 1981 heiratete er Marianne Ginther, von der er sich 1999 scheiden ließ. Er hatte damals eine Affäre mit Callista Bisek, einer 33-jährigen Mitarbeiterin im US-Kongress, welche er im darauffolgenden Jahr heiratete. Aus seiner Ehe mit Jackie Battley hat er zwei verheiratete Töchter, Kathy und Jackie.
In der Öffentlichkeit wurde sein Privatleben insbesondere ein Thema, als 1992 sein demokratischer Gegner Tony Center einen Werbespot schaltete, der die Behauptung enthielt, Gingrich habe „seiner Frau am Tag nach ihrer Krebsoperation Scheidungspapiere zukommen lassen“. Die Behauptung war in dieser Form nicht korrekt. Freunde Gingrichs gaben später an, er habe Details der Scheidung mit seiner damals getrennt lebenden Ehefrau im Krankenhaus besprochen.[19]
[Bearbeiten] Politische Positionen
[Bearbeiten] Gewaltenteilung
Gingrich bekundete auf einer Wahlveranstaltung im Jahre 2012 seine Bereitschaft, Beschlüsse der obersten Gerichte zu ignorieren, etwa in Bezug auf die Rechte von Terrorismusverdächtigen oder von Abtreibungen.[20]
[Bearbeiten] Einwanderung
Gingrich unterstützt ein „Gastarbeiterprogramm“ für mexikanische Staatsbürger. Er befürwortet ebenfalls die Idee, dass manche dieser Gastarbeiter die Möglichkeit der Einbürgerung haben sollten.
[Bearbeiten] Globale Erwärmung
In einer öffentlichen Diskussion mit Senator John Kerry im April 2007 gab Gingrich seiner Überzeugung Ausdruck, dass das Phänomen der globalen Erwärmung in der Tat stattfindet und dass „es genügend Hinweise dafür gibt, dass wir die effizientesten Schritte zur Verminderung der Kohlendioxidbelastung in der Atmosphäre einleiten sollten.“ In diesem Forum unterstützte Gingrich Steuererleichterungen – also Subventionen für Verursacher aus Steuermitteln – zur Verminderung von Kohlendioxidemissionen anstelle von marktwirtschaftskonformen Maßnahmen wie Emissionsrechtehandel, die den Steuerzahler nicht belasten.[21]
[Bearbeiten] Werke (Auszug)
[Bearbeiten] Sachbücher
- The Government's Role in Solving Societal Problems. Associated Faculty Press, Incorporated, 1982, ISBN 0-86733-026-0
- Window of Opportunity. Tom Doherty Associates, 1985, ISBN 0-312-93923-X
- Contract with America. (Mitherausgeber), Times Books, 1994, ISBN 0-8129-2586-6
- Restoring the Dream. Times Books, 1995, ISBN 0-8129-2666-8
- Quotations from Speaker Newt. Workman Publishing Company, 1995, ISBN 0-7611-0092-X
- To Renew America. Farrar Straus & Giroux, 1996, ISBN 0-06-109539-7
- Lessons Learned The Hard Way. HarperCollins Publishers, 1998, ISBN 0-06-019106-6
- Presidential Determination Regarding Certification of the Thirty-Two Major Illicit Narcotics Producing and Transit Countries. DIANE Publishing Company, 1999, ISBN 0-7881-3186-9
- Saving Lives and Saving Money. Alexis de Tocqueville Institution, 2003, ISBN 0-9705485-4-0
- Winning the Future. Regnery Publishing, 2005, ISBN 0-89526-042-5
- Rediscovering God in America: Reflections on the Role of Faith in Our Nation's History and Future. Integrity Publishers, 2006, ISBN 1-59145-482-4
- A Contract with the Earth. Johns Hopkins Press, 2007, ISBN 978-0-80188-780-2
- Real Change: From the World that Fails to the World that Works. Regnery Publishing, 2008, ISBN 978-1-59698-053-2
[Bearbeiten] Einzelnachweise und Literatur
- ↑ Republikaner-Kandidat Gingrich: Good Newt, Bad Newt Spiegel Online, 8. Dezember 2011 (abgerufen am 6. Januar 2012)
- ↑ Fox-less Newt remains gainfully employed CNN.com, 2. März 2011 (abgerufen am 6. Januar 2012)
- ↑ Fox-less Newt remains gainfully employed CNN.com, 2. März 2011 (abgerufen am 6. Januar 2012)
- ↑ Kampagnenseite von Gingrich. Abgerufen am 6. Januar 2012 (englisch).
- ↑ Newt Gingrich will US-Präsident werden. NZZ Online, 12. Mai 2011, abgerufen am 6. Januar 2012.
- ↑ NYT blog Electoral College: Republican Primary Projections (kontinuierl. akt.)
- ↑ Michael D. Shear, Nicholas Confessore: Primary Looms in N.H., Donor Gives Lift to Gingrich. The New York Times, 7. Januar 2012.
- ↑ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810607,00.html
- ↑ The Long March of Newt Gingrich. PBS Frontline (1996-01-16). Abgerufen am 14. März 2007.
- ↑ Biography of Newton Gingrich. U.S. Congressional Library (2007). Abgerufen am 18. Januar 2007.
- ↑ Trip Gabriel: „Gingrich Wields History, Seeking to Add Chapter“ The New York Times, 28. November 2011.
- ↑ Nicholas Lemann (26. Februar 1996): America's New Class System. CNN/Time. Abgerufen am 12. August 2006.
- ↑ Thomas Scott (21. Februar 2007): Kennesaw State University. New Georgia Encyclopedia. Abgerufen am 21. Mai 2007.
- ↑ Clea Benson, John McCormick: Gingrich Said to Be Paid About $1.6 Million by Freddie Mac bloomberg, 17. November 2011.
- ↑ Timothy Egan:„Professor of Profits“ The New York Times, 16. November 2011.
- ↑ Fox-less Newt remains gainfully employed, CNN.com, 2. März 2011 (abgerufen am 8. Dezember 2011)
- ↑ Newt Gingrich Charity Paid Cash To Gingrich For-Profit Business, ABC News, 14. Juni 2011 (abgerufen am 8. Dezember 2011)
- ↑ spiegel.de 22. Januar 2012: Gingrich zwingt Romney in den Zweikampf
- ↑ Ben Evans: Gingrich had an Affair during Clinton probe, AP. 8. März 2007.
- ↑ Chris McGreal: Newt Gingrich: I would ignore supreme court as president The Guardian, 19. Januar 2012.
- ↑ Quaid, Libby. Kerry, Gingrich Debate Global Warming, The Associated Press, 10. April 2007 (engl.)
- Bücher
- Richard F. Fenno Jr.: Congress at the Grassroots: Representational Change in the South, 1970–1998. UNC Press 2000, ISBN 0-8078-4855-7
- Fachzeitschriften
- Thomas H. Little: On the Coattails of a Contract: RNC Activities and Republicans Gains in the 1994 State Legislative Elections. In: Political Research Quarterly. 51, Nr. 1, 1998, S. 173–190.
- Internet
- GINGRICH, Newton Leroy — Biographical Information. Biographical Directory of the United States Congress. Abgerufen am 4. Februar 2003.
- Titles List. Library of Congress Online Catalog. Abgerufen am 5. Dezember 2005.
- Ancestry of Newt Gingrich
[Bearbeiten] Weblinks
- Offizielle Webseite
- Newt Gingrich im Biographical Directory of the United States Congress
- Newt Gingrich in der Notable Names Database (englisch)
- Dossier zu Newt Gingrich von Spiegel Online
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gingrich, Newt |
| ALTERNATIVNAMEN | Gingrich, Newton Leroy (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 17. Juni 1943 |
| GEBURTSORT | Harrisburg, Pennsylvania |