Kanton Nidwalden

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Kanton Nidwalden
Wappen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kürzel/Kontrollschild: NW
Amtssprache: Deutsch
Hauptort: Stans
Beitritt zum Bund: 1291
Fläche: 276 km²
Website: www.nw.ch
Bevölkerung
Einwohner: 41'311[1] (31. Dezember 2011)
Dichte: 150 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 11,9 %[2] (August 2012)
Arbeitslosenquote: 1,1 %[3] (November 2012)
Lage des Kantons in der Schweiz
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Karte des Kantons
Gemeinden des Kantons
Gemeinden des Kantons

46.958.4Koordinaten: 47° N, 8° O; CH1903: 673185 / 200327 Nidwalden (französisch Nidwald, italienisch Nidvaldo, rätoromanisch Sutsilvania, in einheimischer Mundart Nidwaudä, bis 2010 amtlich Unterwalden nid dem Wald) ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweiz. Der Hauptort ist Stans.

Nidwalden und Obwalden bildeten zusammen Unterwalden, einen der drei Urkantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291.

Inhaltsverzeichnis

Geographie [Bearbeiten]

Höchste Erhebung des Kantons ist das Rotstöckli mit 2'901 m ü. M., das orografisch zu den Urner Alpen gehört. Die grössten Teile des Kantons gehören aber zu den Unterwaldner Voralpen, einem Teil der Zentralschweizer Voralpen. Der tiefste Punkt liegt mit 434 m ü. M. am Vierwaldstättersee.

Nidwalden befindet sich im Zentrum der Schweiz. Im Norden ist der Binnenkanton durch den Vierwaldstättersee begrenzt, in allen anderen Richtungen durch Bergketten. Angrenzende Nachbarkantone sind Luzern, Obwalden, Uri, Schwyz und Bern.

Bevölkerung [Bearbeiten]

Die elf politischen Gemeinden bieten rund 40'000 Personen Heimat. Im Durchschnitt bevölkern 147 Einwohner einen Quadratkilometer.

Die Nidwaldner Mundart ist sehr unterschiedlich. Sprechen Hergiswiler einen Mischdialekt von Luzerner- und Nidwaldnermundart, so sprechen Stanser einen Mischdialekt von Hergiswiler- und Wolfenschiessermundart. Ein Beispiel für das Zahlwort fünf in den unterschiedlichen Dialekten: füüf in Hergiswil, fiif in Stans und feyf in Wolfenschiessen.

Politik [Bearbeiten]

Im Unterschied zur alten Bundesverfassung, in der Nidwalden als Halbkanton aufgezählt wurde, wird Nidwalden in der Bundesverfassung vom 18. April 1999 als selbständiger Kanton aufgeführt. Es gilt der Grundsatz der rechtlichen Gleichstellung der Kantone. Allerdings existieren zwei Einschränkungen zum Gleichheitsprinzip: Den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Land, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Nidwalden kommt bei der Vertretung im Ständerat sowie bei der Ermittlung des Ständemehrs beim obligatorischen Referendum nur das halbe Gewicht zu.

Verfassung [Bearbeiten]

Die Verfassung des Kantons Nidwalden (bis 2010: «Verfassung des Kantons Unterwalden nid dem Wald») wurde 1965 erlassen und seither mehrfach geändert.[4]

Direktdemokratische Volksrechte [Bearbeiten]

Erlass und Änderung der Verfassung, sodann Gesetzeserlasse und -änderungen, soweit ein «Gegenantrag» aus der «Aktivbürgerschaft» vorliegt, und Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 5 Millionen Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 500'000 Franken unterliegen zwingend der Volksabstimmung (obligatorisches Referendum).

Die übrigen Gesetzeserlasse und -änderungen, die interkantonalen Verträge, Ausgabenbeschlüsse über einmalige Ausgaben von mehr als 250'000 Franken bzw. jährlich wiederkehrende Ausgaben von mehr als 50'000 Franken sowie die Festlegung des Steuerfusses unterliegen der Volksabstimmung, wenn es von 250 Aktivbürgern verlangt oder vom Landrat beschlossen wird (fakultatives Referendum).

Die Aktivbürgerschaft kann selbst Verfassungs- und Gesetzesänderungen vorschlagen, wenn 250 Aktivbürger einen dahingehenden Vorschlag («Antrag») unterstützen. Für eine Teilrevision der Verfassung braucht es die Unterstützung von 500, für die Totalrevision der Verfassung diejenige von 1000 Aktivbürgern (Volksinitiative).

Die traditionelle Landsgemeinde und mit ihr das obligatorische Gesetzesreferendum wurden 1996 abgeschafft.

Legislative [Bearbeiten]

Der Landrat, das kantonale Parlament, hat 60 Sitze und wird nach dem Proporzwahlverfahren auf eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt.

Die letzten Wahlen in den Landrat fanden am 7. März 2010 statt. Die bürgerlichen Parteien Schweizerische Volkspartei (SVP) mit 19 Sitzen, Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) mit 18 Sitzen und FDP.Die Liberalen mit 17 Sitzen haben die Mehrheit. Die Grüne Nidwalden (GN) und die Sozialdemokratische Partei (SP) komplettieren mit fünf beziehungsweise einem Sitz den Landrat.

Ergebnisse der Wahlen 2010, 2006 und 2002:

Partei Sitze
2010
Wähleranteil
2010
Sitze
2006
Wähleranteil
2006
Sitze
2002
Wähleranteil
2002
Sitzverteilung 2012
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 18 31,14 % 23 30,93 % 24 33,50 %
Sitzverteilung des Landrats 2010
FDP.Die Liberalen (FDP) 17 27,82 % 18 29,85 % 19 31,90 %
Schweizerische Volkspartei (SVP) 19 26,61 % 10 19,37 % 7 13,60 %
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 1 2,09 % 1 3,70 % 2 mit DN
Grüne Nidwalden (GN)
Demokratisches Nidwalden (DN)
5 11,93 % 5 13,07 % 7 19,70 %
Freie Liste Nidwalden (FLN) 2 2,40 % 0,00 %
Parteilose Liste Dallenwill (PLD) 1 0,69 % 1 1,30 %

Der gewählte Vertreter der PLD hatte sich seinerzeit der SVP-Fraktion angeschlossen. Die SP und das DN unterstützten sich gegenseitig. Dies führte 2006 zu einer gemeinsamen Liste in zwei Gemeinden (Freie Liste). Das Demokratische Nidwalden gehört zur Grünen Partei der Schweiz und änderte per 1. Januar 2009 den Namen in Grüne Nidwalden.[5] Im Jahre 2010 traten Grüne und SP wieder getrennt an, die SP nur in der Gemeinde Stans.

Exekutive [Bearbeiten]

Der Regierungsrat, die kantonale Exekutive, besteht aus sieben Personen und wird auf vier Jahre im Majorzwahlverfahren gewählt. Der Vorsitzende des Gremiums heisst Landammann, in der weiblichen Form Frau Landammann, und ist für ein Jahr gewählt.

Die letzten Wahlen fanden am 7. März 2010 statt. Die Nidwaldner Regierung setzt sich aus drei Vertretern der FDP, zwei Vertretern der CVP und zwei Vertretern der SVP zusammen. Es sind dies:

Regierungsrat Partei Direktion
Ueli Amstad, Landammann SVP Landwirtschafts- und Umweltdirektion
Yvonne von Deschwanden, Landesstatthalterin FDP Gesundheits- und Sozialdirektion
Gerhard Odermatt FDP Volkswirtschaftsdirektion
Hugo Kayser CVP Finanzdirektion
Hans Wicki FDP Baudirektion
Alois Bissig CVP Justiz- und Sicherheitsdirektion
Res Schmid SVP Bildungsdirektion

Judikative [Bearbeiten]

Die Zivil- und Strafgerichtsbarkeit wird in erster kantonaler Instanz vom Kantonsgericht, in zweiter kantonaler Instanz vom Obergericht ausgeübt. In den meisten zivilrechtlichen Angelegenheiten geht dem Verfahren vor Gericht ein Schlichtungsversuch vor der kantonalen Schlichtungsbehörde voran.

Die Gerichtsbarkeit bei verwaltungs- und sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten wird durch das Verwaltungsgericht ausgeübt.

Verfassungsgericht ist das Obergericht.

Eidgenössische Parlamentarier [Bearbeiten]

Der Kanton Nidwalden stellt je einen Nationalrat und Ständerat. Die Nidwaldner Vertretung im Ständerat ist der CVP-Politiker Paul Niederberger. Als Nationalrat amtiert seit 2011 der Weltwoche-Journalist Peter Keller von der SVP.

Wirtschaft [Bearbeiten]

Bis ins 20. Jahrhundert war Nidwalden von der Landwirtschaft dominiert. Vieh und Käse wurde vor allem nach Norditalien exportiert. Seit der Mitte des 19. Jahrhundert begannen Handel, Industrie und Fremdenverkehr an Bedeutung zu gewinnen. Heute haben sich viele kleine und mittelgrosse Unternehmer in Nidwalden etabliert. Die Pilatus Aircraft, welche Flugzeuge herstellt, ist ein grosser Arbeitgeber. Viele der industriellen Betriebe haben sich in Maschinenbau, Medizinalapparaten, Internationalem Handel, Optik oder Elektronik spezialisiert.

Nidwalden liegt in der Mitte der Schweiz, an der Hauptverkehrsachse Nord-Süd und Angrenzung an den Vierwaldstättersee. Die Anbindungen ans Strassen- und Schienennetz sind daher entsprechend gut und begünstigen die Aktivitäten von national und international orientierter Unternehmungen.

Traditionelle Betriebe in Land und Forstwirtschaft sind immer noch bedeutsam. Die Landwirtschaft ist auf Viehzucht und Milchprodukte spezialisiert. Die Bauernbetriebe sind noch immer Familienbetriebe.

Fremdenverkehr [Bearbeiten]

Wegen der bergigen Umgebung ist Fremdenverkehr in Nidwalden wichtig. Der See und die Berge ziehen viele Urlauber an, im Sommer wie auch im Winter. Die Seegemeinden verfügen über eine Vielzahl von Wassersportmöglichkeiten und die Voralpen sind mit Bergbahnen gut erschlossen. Die wichtigsten Fremdenverkehrsgebiete sind Klewenalp, das Stanserhorn, der Titlis Gletscher, die Bannalp und der Bürgenstock.

Verkehr [Bearbeiten]

Der Kanton ist verkehrsmässig gut erschlossen. Die A2 führt quer durch den Kanton. In Hergiswil NW zweigt von dieser die A8 Richtung Brünig ab. Die Strassenlinien LuzernEngelberg, Luzern–Sarnen–Brünig–Interlaken, Stans–Seelisberg und Stans–Kerns–Sarnen sind die wichtigsten Hauptverkehrsachsen für den regionalen Strassenverkehr.

Der Kanton Nidwalden ist gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen, insbesondere durch die Bahnlinie Luzern–Stans–Engelberg der Zentralbahn. Diese zweigt in Hergiswil NW von der ebenfalls zur Zentralbahn gehörenden Linie der Brünigbahn ab. Verschiedene Gemeinden sind ab Stans mit dem Postauto erreichbar.

Geschichte [Bearbeiten]

1291 gründete Unterwalden (Nid- und Obwalden) zusammen mit Uri und Schwyz die Eidgenossenschaft. Zur damaligen Zeit war dies noch kein Staat, aber gegen das 14. und 15. Jahrhundert etablierten sich die ersten Staatsformen. Dies waren frühe Formen von Landsgemeinden und Gerichte. Im 14. und 15. Jahrhundert trafen sich Abgeordnete von Nidwalden mit solchen von Obwalden, um wichtige Angelegenheiten zu besprechen, aber die beiden Halbkantone waren nie eins. Zum Beispiel war Obwalden nicht daran beteiligt, als die Gebiete von Bellinzona, Riviera und Blenio annektiert wurden (heute Teil des Kantons Tessin).

Um 1500 gingen viele Nidwaldner als Söldner in fremde Dienste, weshalb die Nidwaldner von ihren Nachbarn auch Riisseckeler genannt wurden. Einige wanderten später für immer aus, viele ins Elsass. Nachdem Nidwalden die neue Verfassung von Napoleon abgelehnt hatte – die Ideen der Französischen Revolution waren nicht sehr populär im landschaftlichen Nidwalden –, wurde Nidwalden am 9. September 1798 von französischen Truppen heimgesucht. Wahllose Zerstörung wurde angerichtet, und mindestens 400 Menschen verloren das Leben (Schreckenstage von Nidwalden). Nach Napoleons Ende im Jahr 1814 wurden viele der Änderungen rückgängig gemacht. Erst im Jahre 1877 führte Nidwalden eine neue Verfassung ein. Die Landsgemeinde wurde 1997 abgeschafft.

Wappen [Bearbeiten]

Beschreibung: «In Rot ein silberner (weisser) Doppelschlüssel»

Der Schlüssel ist das Symbol des Heiligen Petrus als Landespatron von Nidwalden. Seine Form als Doppelschlüssel wurde zur Unterscheidung vom Wappen Obwaldens gewählt, das zunächst einen von Rot und Silber geteilten Schild analog zum Banner nutzte, dann aber ebenfalls einen einfachen Schlüssel verwandte.[6]

Städte und Orte [Bearbeiten]

Gemeinden des Kantons Nidwalden

Nachfolgend aufgelistet sind alle elf Gemeinden per 31. Dezember 2011:

Ort Einwohner
Stans 8064
Hergiswil 5404
Buochs 5359
Stansstad 4451
Ennetbürgen 4397
Beckenried 3335
Oberdorf 3080
Ennetmoos 2116
Wolfenschiessen 2046
Dallenwil 1796
Emmetten 1263

Bezirke [Bearbeiten]

Der Kanton Nidwalden kennt keine Einteilung in Bezirke. Das Bundesamt für Statistik führt den gesamten Kanton jedoch als einen Bezirk unter der BFS-Nr.: 0700.

Kultur [Bearbeiten]

Die traditionelle Kultur wird in Nidwalden von vielen kleinen Vereinen am Leben gehalten. Es gibt traditionelle Musik, Jodeln, Tanz, Theater und traditionelle Feste. Aber auch moderne Kultur kommt nicht zu kurz. Konzerte oder Galerien sind weitverbreitet.

Zwei der bekanntesten Schweizer Filmregisseure stammen aus Nidwalden, Fredi M. Murer und Urs Odermatt, ebenfalls einige der wichtigsten Schweizer Photographen, nämlich Martin Imboden, Arnold Odermatt und Leonard von Matt.

Trivia [Bearbeiten]

Das Lied Zwische See und heeche Bäärge von Heinrich J. Leuthold[7] wird auch als «inoffizielle Kantonshymne» bezeichnet.

Weblinks [Bearbeiten]

 Wikisource: Kanton Nidwalden – Quellen und Volltexte
 Commons: Kanton Nidwalden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik (PDF-Dokument; 12 kB), Kanton Nidwalden in Zusammenarbeit mit der Nidwaldner Kantonalbank
  2. Bestand der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung nach Wohnkanton und Ausländergruppe Ende August 2012 (PDF; 11 kB). Bundesamt für Migration (BFM). Abgerufen am 17. Dezember 2012.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt – November 2012 (PDF). Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO). Vom 6. Dezember 2012. Abgerufen am 17. Dezember 2012.
  4. Verfassung des Kantons Nidwalden
  5. DN wird zu Grüne Nidwalden Medieninformationen der Grünen Nidwalden
  6. Das Wappen des Kantons Nidwalden auf der Webseite des Kantons
  7. Heinrich J. Leuthold auf der Webseite der Eidgenössischen Jodlerdirigenten- und Komponisten-Vereinigung (EJDKV)