Sixt SE

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Sixt AG)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sixt SE
Logo
Rechtsform Societas Europaea
ISIN DE0007231326
Gründung 1912
Sitz Pullach im Isartal, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 3.070 (2013)[1]
Umsatz 1,665 Mrd. (2013)[1]
Branche Transport
Website se.sixt.de
Stand: 31. Dezember 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013
Eine Sixt-Filiale am Flughafen Franz Joseph Strauß
Der Tower in Hannover mit Sixt Werbung
Filiale am Breitscheidplatz Berlin (Europacenter)

Die Sixt SE mit Sitz in Pullach im Isartal bei München ist ein international tätiger deutscher Mobilitätsdienstleister und zugleich einer der größten deutschen Autovermieter sowie einer der größten banken- und herstellerunabhängigen Leasinganbieter.[2]

Das Unternehmen ist in den Geschäftsfeldern Vermietung und Leasing tätig. Darüber hinaus bietet Sixt zahlreiche Dienstleistungen im Mobilitätsbereich an. Insgesamt verfügt das Unternehmen über mehr als 150.000 Fahrzeuge und fast 2.000 Filialen der Marke auf der ganzen Welt. Das Unternehmen ist in rund 100 Ländern weltweit vertreten, davon in neun Ländern durch eigene Tochtergesellschaften.[3]

Marken des Konzerns sind Sixt, Sixt Holiday Cars, e-Sixt, carmondo, DriveNow, autohaus24.de, radalert und myDriver,Sixt-Neuwagen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1912 wurde die Sixt Autofahrten und Selbstfahrer von Martin Sixt mit einem Fuhrpark von nur drei Automobilen gegründet. Zielgruppe waren vermögende Kunden. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Fahrzeugflotte konfisziert und dem Deutschen Heer zur Verfügung gestellt. 1927 übernahm Hans Sixt das Unternehmen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Fahrzeugflotte von der Wehrmacht erneut requiriert.

Nach dem Krieg baute Hans Sixt zuerst eine Taxi-Flotte für die amerikanischen Truppen auf, bevor er in München die ersten Funktaxis einsetzte. Nach der Gründung der Auto Sixt im Jahre 1951 wuchs das Unternehmen, teils durch Kooperationen (zum Beispiel mit Budget Rent A Car oder Payless), teils durch Aufnahme des Leasinggeschäfts.

1969 trat Erich Sixt in dritter Generation in das Unternehmen ein. Durch Verträge mit Fluggesellschaften und Hotelketten sowie die Eröffnung von Filialen an allen bedeutenden Flughäfen Deutschlands expandierte das Unternehmen im gesamten Bundesgebiet.[5] 1986 wurde das Unternehmen in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt und die Aktien des Unternehmens an der deutschen Börse notiert. Erich Sixt übernahm den Vorstandsvorsitz. Im Juni 2013 wurde auf der Hauptversammlung die Umwandlung der Sixt AG in die Rechtsform einer Europäischen Gesellschaft (Societas Europaea) unter der Firma Sixt SE (Societas Europaea) beschlossen und im August ins Handelsregister eingetragen.[6]

1993 hatte Sixt die Autovermietung Buchbinder übernommen und noch eine Zeit lang integriert weitergeführt. Schließlich verschwand Buchbinder ganz von der Bildfläche, wobei man wohl übersehen hatte, die Namensrechte verbindlich zu sichern. Dadurch konnte Buchbinder einen Neustart hinlegen und hat sich mittlerweile wieder als zusätzlicher, größerer Autovermieter in Deutschland etabliert.[7]

In den 1990er Jahren stieg die Sixt AG zum größten deutschen Autovermieter auf. Zugleich begann die internationale Expansion des Unternehmens, die parallel durch eigene Tochtergesellschaften und über Franchisenehmer erfolgte. 1990 nahm die Sixt Autovermietung Schweiz ihre Tätigkeit auf, 1997 eröffneten weitere Stationen in Frankreich und Großbritannien. Kontinuierlich baute das Unternehmen seine Präsenz weltweit aus. 1998 folgten mit Tunesien, Marokko oder Neuseeland erstmals außereuropäische Länder. 2001 expandierte das Unternehmen in den Nahen Osten sowie in weitere Länder Afrikas. Konsequent setzte das Unternehmen dabei auf die Eröffnung von Vermietungsstationen an Flughäfen und die Kooperation mit internationalen Fluggesellschaften, u.a. LAN Chile oder Qatar Airways. 2011 erfolgte der Eintritt in den US-amerikanischen Markt, dem größten Autovermietungsmarkt der Welt. Parallel zum Aufbau eigener Filialen will das Unternehmen auch leistungsstarke Franchiseunternehmer in den einzelnen US-Bundesstaaten gewinnen, um das Wachstum auf dem US-Vermietmarkt zu beschleunigen.[8]

1999 verurteilte der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Grundsatzurteil Sixt wegen unzulässiger Preisbindung ihrer Franchisenehmer zu Schadenersatz. Sixt hatte den selbstständigen Franchisepartnern die Preise faktisch vorgeschrieben, indem sie in das deutschlandweite Reservierungssystem eingebunden wurden und bei abweichender Preisgestaltung den Mietauftrag zurückgeben mussten. Dies ist eine nach dem deutschen Kartellrecht unzulässige Preisbindung der zweiten Hand, die der BGH untersagte.

2003 musste sich das Unternehmen des Hedge-Fonds-Managers Florian Homm erwehren, der auf einen sinkenden Aktienkurs spekulierte. Der Angriff endete für Homm mit einer Geldstrafe wegen Kursmanipulation.[9]

Im Mai 2005 trat das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz (VorstOG) in Kraft. Die Sixt AG machte als erstes Unternehmen in Deutschland von der Möglichkeit Gebrauch, durch einen Aktionärsbeschluss mit mindestens 75-prozentiger Mehrheit die Vorstandsgehälter nicht offenzulegen. Der Vorstandschef konnte in eigener Sache allein entscheiden: Erich Sixt hielt zu diesem Zeitpunkt 56,8 Prozent der Sixt-Stammaktien. Dies entsprach 89 Prozent des auf der Hauptversammlung anwesenden stimmberechtigten Kapitals. Insgesamt stimmten 98 Prozent des stimmberechtigten Kapitals der fortgeführten Nicht-Offenlegung der Vorstandsgehälter zu.[10][11]

2006 bot sich Sixt die Gelegenheit, den Konkurrenten Europcar zu übernehmen, dessen Eigentümer Volkswagen ihn zum Kauf anbot. Neben kartellrechtlichen Bedenken (Sixt hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 23 Prozent Marktanteil, Europcar 22 Prozent) gab es auch Widerstand seitens des Europcar-Betriebsrats, der einen Personalabbau nach der Fusion befürchtete.[12] Volkswagen entschied sich schließlich für das Angebot des französischen Finanzinvestors Eurazeo,[13] dessen Höhe der Konzernchef Erich Sixt nicht nachvollziehen konnte.[14]

Im August 2007 gründete das Unternehmen eine Gesellschaft zur Unterstützung von Online-Geschäftsmodellen. Als erster Ableger ist seit Ende August 2007 die Autocommunity Carmondo online. Danach folgten die Seiten mystocks, radalert, winebase und autohaus24. Der Ableger firmierte in diesem Zug zur autohaus24 GmbH[15] um und zählt nach konzerneigenen Angaben heute zu einem der größten Vermittlungsplattformen für den Neuwagenkauf im Internet. Im Jahr 2010 warfen frühere Mitarbeiter dem Unternehmen vor, Sixt habe sich gegen die Absicht gestellt, einen Betriebsrat zu gründen. Diesen Vorwurf wies das Unternehmen zurück.[16] Im Rahmen der Umwandlung der Sixt AG in eine Europäische Aktiengesellschaft wurde im Jahr 2013 ein europäischer Betriebsrat („Sixt Europa-Mitarbeiterforum“) gegründet.[17]

2011 gründete die Sixt AG zusammen mit der BMW AG das Joint Venture DriveNow, einen stationsunabhängigen Car Sharing-Anbieter, der mittlerweile in mehreren deutschen Großstädten sowie in San Francisco aktiv ist.[18]

2012 wurde Sixt-Neuwagen gegründet, als b2c Plattform für Privat- und Gewerbeleasing.[19] Flottenlösungen sowie Mittelstandskunden werden nach wie vor von der Sixt Leasing AG [20] betreut.

Provokante Werbung[Bearbeiten]

Die „Sixt-Werbung“ erzielt eine hohe Wiedererkennung durch strikte Ausrichtung am Corporate Design und systematisch provokante und überraschende Werbeideen.[21] In der Werbebranche selbst etablierte sich deshalb auch der Begriff des Sixt-Etats.

1999 brachte diese Vorgehensweise dem Unternehmen eine Klage von Oskar Lafontaine ein, der seine Persönlichkeitsrechte durch eine Sixt-Werbekampagne verletzt sah. Sixt wurde 2004 vom Oberlandesgericht Hamburg zur Zahlung von 100.000 Euro Schadenersatz an Lafontaine verurteilt. Das Urteil wurde 2006 vom Bundesgerichtshof aufgehoben und die Klage des Politikers abgewiesen.[22]

Im Jahr 2007 wurde Sixt für eine getarnte Werbekampagne mit dem Titel „Geh zur Armee“ scharf kritisiert und zog diese zurück.[23] Zum Bildmotiv eines offenen Jeeps mit Soldaten wurde der Slogan „Erlebe, was Kameradschaft bedeutet, zeige dem Feind seine Grenzen und fahre noch günstiger Cabrio als bei Sixt“ präsentiert. So sollte mit Nachwuchsproblemen und Ausrüstungsmängeln bei der Bundeswehr gespielt werden. Außerdem wurde ohne deutliche Kennzeichnung von Sixt als Urheber auf eine von der Werbeagentur Jung von Matt eingerichtete Website gehzurarmee.de verwiesen. Unmittelbar nach Start der Werbung wurden in Afghanistan drei Bundeswehrsoldaten durch einen Selbstmordanschlag getötet. Nach öffentlicher Kritik mussten Unternehmen und Werbeagentur die Werbekampagne zurückziehen.[24] Innerhalb kürzester Zeit wurden alle Spuren der Werbung vollständig getilgt. Weder auf den Internet-Seiten von Sixt noch auf denen von Jung von Matt findet sich heute noch ein Hinweis darauf, es gibt keine Presseerklärungen dazu, und auch die Website wurde stillgelegt, die Domain befindet sich jedoch weiterhin im Besitz von Jung von Matt.

Nach dieser ungünstig verlaufenen Aktion spannte dieselbe Agentur im Auftrag von Sixt den hoch verschuldeten Sänger Matthias Reim für seine Werbung ein. In einem auf Mallorca spielenden Musikvideo sang er zur Musik seines bekanntesten Titels Verdammt, ich lieb’ Dich umgetextet Verdammt, ich hab nix. In begleitender Printwerbung wurde Reim in einem Mercedes-Cabrio abgebildet mit dem Text „Wenn selbst ich mir ein Cabrio leisten kann, können Sie das auch“.

Nach dem Bekanntwerden der Steuerhinterziehung von Klaus Zumwinkel tauchte Werbung für Kleintransporter mit der Überschrift „Für alle, die jetzt noch schnell Akten wegzuschaffen haben“ auf. Anlässlich des Diebstahls der Dienstlimousine der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt während Ihres Urlaubs in Spanien erschien am 27. Juli 2009 eine Werbung mit einem Bild der Ministerin und dem Text „Mit dem Dienstwagen in Urlaub? Es gibt Sixt doch auch in Alicante! Ab € 29,- pro Tag incl. Diebstahlversicherung“.[25] GDL-Chef Weselsky wurde von Sixt aufgrund des Bahnstreiks im November 2014 zum Mitarbeiter des Monats gekürt. [26]

Nach der Freilassung von Gustl Mollath verwendete Sixt für eine Kampagne ein Porträt Mollaths mit dem Slogan „‚Wenn hier jemand verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen.‘ – Gustl Mollath –“.[27] Nach einer öffentlichen Diskussion um das umstrittene Werbemotiv entschuldigte sich der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt in einem persönlichen Brief bei Mollath. Das kritisierte Werbemotiv werde zudem nicht mehr weiterverbreitet.[28]

Sonstiges[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sixt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Sixt SE: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 2. Juni 2014 (PDF).
  2. „Sixt zum besten Autovermieter 2012 gekürt“, themenportal.de vom 24. August 2102, abgerufen am 9. Oktober 2013
  3. Sixt Geschäftsbericht 2012, S26, Abgerufen am 8. Oktober 2013 (PDF, 2,3 MB)
  4. „Sixt steigert Umsatz – Dividende soll angehoben werden“, welt.de vom 14. März 2013, abgerufen am 21. März 2013
  5. Website Sixt SE, abgerufen am 12. Dezember 2013
  6. Impressum des Limousinenserivceportal der Sixt AG, abgerufen am 12. Dezember 2013
  7. Buchbinder: Sixt vergisst sich die Namensrechte an Buchbinder zu sichern 1993
  8. Geschäftsbericht 2012, S. 36 (2,3MB)
  9. „Florian Homm – Ein Enfant terrible wird zahm“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. Juli 2006
  10. Sixt: „Ich will keinen Neid schüren“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Juli 2005
  11. Abstimmungsergebnis der ordentlichen Hauptversammlung am 20. Juni 2013 (25 kB)
  12. „Sixt bei Europcar in der Endrunde“, Manager Magazin vom 1. Dezember 2006, abgerufen am 12. Dezember 2013
  13. „VW verkauft Autovermieter Europcar nach Frankreich“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. März 2006, abgerufen am 12. Dezember 2013
  14. „Sixt sieht Konsolidierungswelle als Chance“, Boerse Express vom 1. Juni 2006
  15. Impressum des Neuwagenportals der Sixt AG
  16. Sixt bremst Betriebsräte aus, Neues Deutschland vom 8. Juni 2010
  17. § 10 Umwandlungsplan der Sixt AG, veröffentlicht in der Tagesordnung zur ordentlichen Hauptversammlung am 20. Juni 2013
  18. Website von DriveNow
  19. Website von Sixt-Neuwagen
  20. Website von Sixt-Leasing
  21. Offizielle Sammlung von Sixt Werbungen, Sixt Werbewelt, abgerufen am 12. Dezember 2013
  22. „Werbung mit Politikern: Satire erlaubt, Witze tabu“, Spiegel Online vom 27. Oktober 2006
  23. „Sixt stoppt die Armee-Werbung: Zeige dem Feind seine Grenzen“, Süddeutsche Zeitung vom 10. Mai 2010
  24. „Sixt zieht Bundeswehr-Kampagne zurück“, Werben & Verkaufen vom 22. Mai 2007
  25. „Sixt Werbung mit Der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt“, Abendzeitung München vom 27. Juli 2009
  26. Unser bester Mitarbeiter – Satirewerbung mit dem GDL-Chef
  27. Gustl Mollath, der total „verrückte“ Werbestar, welt.de vom 12. August 2013
  28. „Vorstandsvorsitzender Erich Sixt entschuldigt sich bei Gustl Mollath“, horizon.net vom 13. August 2013
  29. „Sixt klagt gegen Rundfunkbeitrag“, welt.de „München Kompakt“ vom 7. Oktober 2013