Beckdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Beckdorf führt kein Wappen
Beckdorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Beckdorf hervorgehoben
Koordinaten: 53° 25′ N, 9° 37′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Stade
Samtgemeinde: Apensen
Höhe: 40 m ü. NHN
Fläche: 21,9 km2
Einwohner: 2660 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 121 Einwohner je km2
Postleitzahl: 21643
Vorwahl: 04167
Kfz-Kennzeichen: STD
Gemeindeschlüssel: 03 3 59 006
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Buxtehuder Straße 27
21641 Apensen
Webpräsenz: www.beckdorf.de
Bürgermeister: Siegfried Stresow (SPD)
Lage der Gemeinde Beckdorf im Landkreis Stade
Balje Krummendeich Freiburg/Elbe Oederquart Wischhafen Drochtersen Großenwörden Engelschoff Hammah Düdenbüttel Himmelpforten Burweg Kranenburg Estorf Oldendorf Heinbockel Stade Deinste Fredenbeck Kutenholz Jork Buxtehude Apensen Beckdorf Sauensiek Ahlerstedt Brest Bargstedt Harsefeld Nottensdorf Bliedersdorf Horneburg Dollern Agathenburg Landkreis Stade Niedersachsen Landkreis Cuxhaven Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Hamburg Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Grünendeich Mittelnkirchen Neuenkirchen Guderhandviertel Steinkirchen Hollern-TwielenflethKarte
Über dieses Bild

Beckdorf (plattdeutsch Beekdörp) ist eine niedersächsische Gemeinde im Süden des Landkreises Stade, etwa 25 km südwestlich von Hamburg. Sein Mittelzentrum ist Buxtehude. Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Goldbeck und Nindorf.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beckdorf liegt auf der Geest am Goldbach (einem Zufluss der Este), ca. 8 Kilometer südlich des Alten Landes und des Urstromtales der Elbe, westlich der Harburger Berge und etwas weiter nordwestlich des Naturparks Lüneburger Heide. Im Westen liegt das Beckdorfer Moor. Der Ortskern selbst liegt auf einer Anhöhe im Goldbachtal, etwa 2,5 Kilometer nördlich des Litbergs, welcher mit 65 m die höchste Erhebung im Landkreis Stade ist.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hauptort umfasst die Gemeinde noch zwei weitere Ortsteile:

  • Goldbeck (Lage): Weiter flussabwärts am Goldbach liegt der Ortsteil Goldbeck, welcher sein nahezu unverändert gebliebenes Erscheinungsbild aus der Mitte des 20. Jahrhunderts bewahren konnte. Die Landwirtschaft ist allgegenwärtig, so wie es in allen Orten der Region einst war. Von hier aus kann man am besten den nahegelegenen Litberg erwandern, welcher sich südlich in Richtung Sauensiek befindet. Östlich des Ortes liegen einige Kiesgruben. Zwischen Goldbeck und Rahmstorf liegt das Gräberfeld von Goldbeck.
  • Nindorf (Lage): Der Ortsteil liegt in der Nähe der Este im Nordosten der Gemeinde. Seine Zufahrtswege sind nahezu alle einspurig asphaltierte Nebenstraßen. Zusammen mit der etwas abseitigen Lage des Ortes sorgt das für angenehm wenig Durchgangsverkehr. Auch diesem Ortsteil blieb der ländliche Charakter bisher erhalten.

Nördlich von Nindorf liegt Klein Nindorf, ein Weiler, der aus ein paar Bauernhöfen und einem Café besteht.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herkunft des Namens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name stammt von dem Wort Bek (oder auch Beek), was im Niederdeutschen "Bach" bedeutet. Sinngemäß übersetzt also Dorf am Bach. Der Name Goldbeck kommt von Goldbek (oder auch Goldbeek), wobei der Goldbach im Plattdeutschen ebenfalls als Goldbek bezeichnet wird. Somit heißt der Ortsteil Goldbeck wie der Bach. Die Vorsilbe des Baches Gold- heißt ursprünglich Gull- (oder auch Gu-). Gull ist von Gole abgeleitet und kann mit langgestreckte Bodenvertiefung oder feuchte Niederung übersetzt werden.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Goldbeck und Nindorf eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundestagswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1949 bis 1957 wählten die meisten Beckdorfer die DP. Als diese nicht mehr bestand, verteilten sich die Stimmen Anfang der 1960er Jahre recht gleichmäßig auf CDU, SPD und FDP. Ab 1965 wurde die CDU zur in Beckdorf meistgewählten Partei.

Gemeinderatswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Gemeinderatswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Gemeindereform 1972 folgten die ersten Wahlen des Gemeinderates. Während bei der ersten Wahl noch fünf Landwirte von neun Altbürgern in den Rat gewählt wurden, ging die Zahl der gewählten Landwirte bei der zweiten Wahl 1976 deutlich zurück. Parteipolitisch gesehen war die CDU die in den 1970er Jahren am meisten gewählte Partei.

Aktueller Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • CDU 5 Sitze
  • SPD 7 Sitze
  • FWG 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 10. September 2006)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Derzeitiger Bürgermeister ist Siegfried Stresow von der SPD.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beckdorf führt kein eigenes Wappen, da der Ort seit 1972 zur Samtgemeinde Apensen gehört. In diesem Fall steht dasselbe Wappen für alle Orte innerhalb dieser Samtgemeinde.

Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung ist geprägt von Mooren, Wiesen und Weiden. Heute prägen zahlreiche Moore, Wiesen und Weiden das Landschaftsbild, auf denen hauptsächlich Milchvieh und Pferde weiden. In Ortsnähe werden die Flächen weitestgehend zum Ackerbau genutzt.

Beckdorfer Moor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Beckdorfer Moor ist ein Feuchtgebiet westlich des Ortes, welches nach und nach weitläufig urbar gemacht wurde. Durch das 1927 von Tewes Höft, ehemaliger Bürgermeister und Landwirt, kultivierte Moorgebiet führt eine Landstraße, die Beckdorf und den Nachbarort Wiegersen verbindet. Diese Landstraße ist als Isern-Hinnerk-Weg oder auch Wiegerser Kirchweg (Wiegerser Kargweg) bekannt und ist nach der Kultivierung des Moores vom damaligen Bürgermeister Johann Wübbe pflastern lassen worden.

Weite Torfabbaugebiete erstreckten sich einst hauptsächlich Richtung Südwesten bis zu den Nachbarorten Sauensiek und Wiegersen. Beim damaligen Torfstechen wurden auch einige gut erhaltene Gegenstände aus verschiedenen Epochen gefunden, die teilweise im Schwedenspeicher-Museum in Stade ausgestellt sind.

Goldbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Goldbach (Este)

Der Goldbach ist ein Bach, der quer durch die Orte Beckdorf und Goldbeck fließt und schließlich bei Moisburg in die Este mündet. Seine Quellen liegen westlich von Beckdorf im Beckdorfer Moor. An seinen Ufern liegen viele Wiesen und Weiden, sowie einige kleine Auwälder. Hinter Goldbeck ist der Bach bei der Goldbecker Mühle zu einem Mühlenteich aufgestaut.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beekhoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der in den 1990er Jahren nach Beckdorf transportierte Beekhoff ist eine der schönsten altbäuerlichen Einrichtungen in ganz Deutschland. Er bildet mit dem Haupthaus und seinen zahlreichen Nebengebäuden und Stallungen eine historisch sehenswerte Hofanlage. Auf ihr finden das ganze Jahr über diverse Veranstaltungen statt. Am Rande des Gehöftes wurde 2008 ein originalgetreuer und funktionstüchtiger Nachbau einer Blide errichtet, wie sie bei der Belagerung der Burg Dannsee, 1311, eingesetzt wurde. Koordinaten: 53° 24′ 40″ N, 9° 37′ 4″ O

Burg Dannsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Burg Dannsee

Die im Beckdorfer Moor gelegene Burg Dannsee (Tannensee) war eine Fluchtburg des im 14. Jahrhundert hier ansässigen Raubritters Isern Hinnerk (Heinrich von Borch). Wegen seines zu seinem Vorteil bedachten Handelns, diverser Raubzüge in der Region und aufgrund vehementem Widerstande gegen eine Bischofswahl lag er diverse Male mit dem Erzbistum in Fehde. Aufgrund dessen wurde die Burg belagert und letztendlich in der Schlacht bei Beckdorf 1311 eingenommen und durch Steingeschosse gänzlich zerstört. Heute existieren lediglich die Grundrisse der einzelnen Gebäudeteile als Replik. Auf dem ehemaligen Schlachtfeld rund um die Burg findet man noch heute bearbeitete Steine, die einst mittels Katapulten auf die Festung abgefeuert wurden. Von dem Dannsee, in dessen Mitte die Burganlage einst lag, ist nach der ab 1850 einsetzenden allmählichen Verlandung lediglich die zurückgebliebene Vertiefung noch zu erahnen. Koordinaten: 53° 24′ 26″ N, 9° 34′ 7″ O

Hügelgräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Westen und Süden des Ortes liegen zwei Hügelgräber. Das nordwestliche Grab wurde nach dem ehemaligen Bürgermeister Tewes Höft benannt (Tees sien Barg), das südlich gelegene wird Immsberg (Immsbarg) genannt. Ein ganzes Hügelgräberfeld befindet sich östlich von Goldbeck nahe der Ortschaft Rahmstorf. Als Hügelgräberpark wurde es in den 1920er und 1930er Jahren gerne von Touristen und Kurgästen bei Spaziergängen besucht (siehe dazu Gräberfeld von Goldbeck).


Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Beckdorf spielt Handball eine nicht unbedeutende Rolle. Der regional sehr erfolgreiche SV Beckdorf wurde bereits 1924 gegründet. Aus der heimischen Jugend schafften es Spieler u. a. bis in die erste Handball-Bundesliga.

Das Sportzentrum befindet sich am östlichen Ortseingang. Dort liegt seit 1977 die Sporthalle "Auf dem Delm", die größte Turnhalle in der Region. In den 1980er- und 1990er-Jahren war sie oft Austragungsort des Beckdorfer Erntefestes. Die Halle fasst ca. 500 Personen. Bei nahezu jedem Handball-Heimspiel der 1. Herren des SVB ist sie ausverkauft. Seit der Saison 2007/2008 spielt das Team in der dritthöchsten Liga des Handballes.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlich gelegenen Gewerbegebiet findet man diverse Dienstleistungsbetriebe, u. a. seit 1999 einen VW- und Audi-Händler, einer der größten Arbeitgeber des Ortes. Zuvor lag das 1927 gegründete Autohaus weiter in der Ortsmitte.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beckdorf ist über die seit 1879 gepflasterte Landesstraße 130 mit den Nachbarorten Apensen und Sauensiek verbunden. Sie wurde in den 1970er Jahren saniert. Die Kreisstraße 52 verbindet den Ort weiter mit dem gemeindeangehörigen Ort Goldbeck, von dem man in den Ort Nindorf gelangt.

Seit der Erweiterung des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) auf umliegende Landkreise im Dezember 2004 liegt Beckdorf nun im direkten Einzugsgebiet. Der Ort wird von den beiden Buslinien

  • 2035 Buxtehude - Nindorf - Beckdorf - Sauensiek - Revenahe - Ahlerstedt und
  • 2036 Buxtehude - Apensen - Beckdorf - Sauensiek - Wohnste

bedient, beide verkehren jedoch nicht an Sonn- und Feiertagen.

Die 1901 erbaute Eisenbahnverbindung nach Bremervörde bzw. Buchholz in der Nordheide über Harsefeld und Hollenstedt (EVB, früher geplant als Bestandteil der Verbindung Bremerhaven - Berlin) wurde 2006 abgebaut. Bis zum 25. Mai 1968 fuhren hier noch Personenzüge. Danach wurde der 1902 eingeweihte Bahnhof nur noch als Verladebahnhof für Kartoffeln und Rüben genutzt, bis das ebenfalls nicht mehr lukrativ war.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Isern Hinnerk (Heinrich von Borch), ein Raubritter, der im 14. Jahrhundert im Beckdorfer Moor eine Fluchtburg errichten ließ.
  • Tewes Hoeft (1863–1931), ein Landwirt aus Schwinge, der in Beckdorfer Gastwirtschaftsfamilie Vökers einheiratete und schließlich Anfang des 20. Jahrhunderts Bürgermeister wurde. Er brachte das Dorf weiter, da er 1913/14 ein Gasthaus mit 12 Fremdenzimmern, Zentralheizung und Fernsprechanlage (Telefon) baute, in den 1920er Jahren den Tourismus antrieb und Beckdorf zwischenzeitlich zu einem Luftkurort machte, indem er auch einen Spielplatz, sowie 1931 ein Freibad in Beckdorf erbauen ließ. 1927 ließ er das Beckdorfer Moor kultivieren, so dass neues Acker- und Weidenland zur Verfügung stand. Familie Hoeft wurde durch diese Errungenschaften die wohlhabendste im Ort und konnte sich auch als erste ein Automobil leisten; Hoefts Sohn konnte die Gastwirtschaft bis in die 1950er Jahre weiterführen, jedoch mit stetigen Verlusten. Nachdem der Beckdorfer Heinrich Prigge den Betrieb übernahm, wurde eine Ende der 1970er Jahre gebaute Wohnstraße und eines der Hügelgräber nach Tewes Hoeft benannt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 246.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Beckdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien