Grillo-Werke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Grillo-Werke AG
Rechtsform AG
Gründung 1842
Sitz Duisburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
  • Matthias Oehmicke (CFO)[2]
Mitarbeiterzahl 1.464[3]
Umsatz 623,48 Mio. Euro[3]
Branche Metall- und Chemieindustrie
Website www.grillo.de
Stand: 30. September 2020

Ulrich Grillo, Vorstandsvorsitzender, Berlin 2013

Die Grillo-Werke ist ein international agierendes Familienunternehmen der Metall- und Chemieindustrie. Der Hauptsitz befindet sich in Duisburg, Nordrhein-Westfalen.

Der Konzern besteht insbesondere aus der Grillo-Werke AG, der Rheinzink, der Grillo Zinkoxid GmbH sowie Zinacor S.A.[3]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Grillo-Werke AG, die im Jahr 2015 ca. 310 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftete, sind über 150 Gesellschafter beteiligt.[3] Die Grillo-Werke AG ist zu 87 % fremdfinanziert, wobei sich das Firmenvermögen auf 44 Mio. Euro beläuft.[4] Das Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen.[5] Durch eine latente Steuerlast seit 1999 (die sich um mehr als die Hälfte des Eigenkapitals der Grillo-Werke AG beläuft), stimmten die Kommunen zu, diese Schulden auf viele Jahre zu stunden um dem Unternehmen nicht die Existenzgrundlage zu nehmen.[6] Die Grillo-Werke AG ist ein Tochterunternehmen des Grillo Konzerns. Der Grillo Konzern der 637,85 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet, befindet sich im Besitz der Kinder von Herbert Grillo, Gabriela und Rainer Grillo. Bei dem Tochterunternehmen des Grillo Konzerns, der Grillo-Werke AG, sind 150 Gesellschafter um Rainer und Gabriela Grillo (66 %), sowie Ulrich Grillo beteiligt. Ulrich Grillos Vater hielt unter 2 % der Anteile an den Grillo Werken.[7] Im Zuge seiner Ernennung als Vorstandschef des Gesamtkonzerns, erwarb Grillo einen nahe zu 10 % Anteil an der Grillo-Werke AG.[8] Die Kaufsumme belief sich auf knapp 6 Mio. Euro und wurde mit 1 Mio. Euro Eigenkapital getätigt.[9] Bis auf die Jahre 1988 bis 1994 standen und stehen immer Familienmitglieder an der Spitze des Unternehmens. An der Spitze stehen derzeit Gabriela und Ulrich Grillo.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Historie der Grillo-Werke ist eng mit der Entwicklung des Ruhrgebiets (vgl. erste Phase der Industrialisierung) verbunden, die Geschichte der Familie Grillo ist ein Beispiel für den ökonomischen Einfluss von Migration (vgl. Exulanten).

Historie und Anfangsjahre (ab 1842)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grillos wanderten vor etwa 400 Jahren als protestantische Glaubensflüchtlinge aus dem Grenzgebiet zu Italien über die Schweiz in die deutschen Lande und später auch ins Ruhrgebiet ein. Ahnherr war Wilhelm Grillo (1819–1889), der 1848/49 unter Ausnutzung der Wasserkraft der Emscher ein Walzwerk in Neumühl (heute ein Stadtteil von Duisburg) errichtete und Zinkblech herstellte.[10]

Mit der Erlaubnis zum Betrieb einer Dampfmaschine 1854 legte Wilhelm Grillo den Grundstein für die Oberhausener Betriebe, wo er zunächst eine Zinkwalze betrieb, ab 1860 Leuchtgas erzeugte und 1865 mit der Produktion von Zinkweiß begann, eine Zinkoxidqualität, die v. a. als Farbpigment zum Einsatz kam.

Großindustrielles Wachstum (1880 bis zum Zweiten Weltkrieg)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1881 wurde das von den Oberhausener Betrieben benötigte Rohzink in einer eigenen Hütte in Duisburg-Hamborn erzeugt.

Die bei der Röstung der Zinkerze entstehenden Gase wurden auf dem Werksgelände von der Rhenania Aachen auf Schwefelsäure verarbeitet. Grillo begann mit der Verarbeitung der Gase zu Schwefligsäure, für die 1887 eine große Anlage gebaut wurde.

Zinkmetallurgie und Schwefelchemie gehören vom Ursprung her zusammen, denn Zink und Schwefel sind wesentliche Komponenten der Ausgangserze für die Zinkgewinnung. Beide Elemente bilden auch heute noch die Basis für das Geschäft der Grillo-Werke.

Ab 1895 übernahmen die Grillo-Werke auch die Herstellung von Schwefelsäure selbst.

Seit 1908 wurde das Zink, das man aus dem Röstgut in Muffelöfen gewann, am Standort Hamborn zu Zinkblechen verarbeitet – hier wurde die Zinkwalze mit elektrischem Antrieb ausgestattet.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich das Unternehmen zum größten Zinkhalbzeug- und Zinkweißhersteller sowie Schwefeldioxid-Anbieter in Deutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem kriegsbedingten Erliegen der Produktion wurden die Anlagen – außer der Zinkhütte – wiederaufgebaut.

Neuaufbau und Wachstum in den Nachkriegsjahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1964 hat Grillo mit der Stolberger Zink AG und der Vereinigte Deutsche Metallwerke AG die „Studiengesellschaft für Metallverarbeitung“ gegründet. Ihr gelingt die Anpassung des vom Amerikaner Hazelett für den Aluminiumguss erfundenen kontinuierlichen Gießwalzens. Die 1966 gemeinsam errichtete RHEINZINK in Datteln setzt das Verfahren großtechnisch ein. RHEINZINK wird 2005 vollständig vom Grillo-Konzern übernommen. Seit 1966 zeigte sich auch in der Umbenennung der Aktiengesellschaft für Zinkindustrie in Grillo-Werke AG, dass die Geschäftsfelder unter dem gemeinsamen Familiennamen erweitert werden sollten.

1974 zog sich Grillo ganz aus Oberhausen zurück. Die Zinkweißproduktion und auch die seit den 1950er Jahren am Standort Voerde aufgebaute Kunststoffproduktion wurden nach Goslar verlegt.

1990 wurden die Metall- u. Farbwerke Goslar von den Grillo-Werken komplett übernommen und zur Grillo Zinkoxid GmbH umfirmiert. An diesem Standort wurde auch die Produktion von hochreinem Zinkpulver etabliert.

1997 wurde die belgische Zinacor, ein Hersteller von Zinkdrähten und Zink-Aluminium-Drähten, übernommen. 

1997 wurde die Schwefelchemie der ehemaligen Hoechst AG im Industriepark Frankfurt-Höchst übernommen.

2000 traten die Grillo-Werke der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft bei. Die Familie Grillo möchte damit zur Wiedergutmachung und der Anerkennung der Leiden der Zwangsarbeit zur Zeit des Dritten Reiches einen Beitrag leisten.[11]

2007 wurde die Dimethylsulfatproduktion (DMS) der Clariant AG im Industriepark Frankfurt-Höchst erworben. 2012 ergänzt durch den Neubau einer Anlage zur Herstellung von Dimethylether, den Ausgangsstoff der DMS-Produktion.[12]

Heute: Fokussierung und Innovation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2016 vermeldet das Unternehmen einen Durchbruch bei der stofflichen Nutzung von Methan (vgl. C-H-Aktivierung). Hochreine Methansulfonsäure wird dabei durch die direkte Umsetzung von Methan mit Schwefeltrioxid gewonnen.[13] Das Verfahren („IP und Know How“) wurde 2019 an die BASF verkauft.[14]

2020 Teilschließung der Grillo Zinkoxid GmbH in Goslar.[15]

Kennzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen weist in seinen Kennzahlen[16] von 2013 folgende Daten aus:

  • Verarbeitet werden jährlich circa 170.000 Tonnen Zink- und zinkhaltige Entfallstoffe (das sind Abfälle aus der Eisen- und Stahlerzeugung), 90.000 Tonnen Schwefel, 100.000 Tonnen schwefelhaltige Entfallstoffe sowie 50.000 Tonnen anderer Chemikalien.
  • Hergestellt werden jährlich circa 160.000 Tonnen von Produkten aus metallischem Zink, 245.000 Tonnen Schwefelsäuren und Oleum, 110.000 Tonnen verflüssigtes Schwefeldi- und -trioxid, 105.000 Tonnen Natriumsulfit und -sulfat, 35.000 Tonnen Zinkoxide und -sulfat.

Die Grillo-Werke beschäftigten 2018 insgesamt 1.600 Mitarbeiter, davon entfielen über die Hälfte auf die Tochter Rheinzink.

Neben dem Stammsitz in Duisburg gibt es weitere Standorte in Frankfurt, Oker/Goslar sowie Frankreich, Belgien und Großbritannien.

Der Grillo Konzern ist untergliedert in die Geschäftsbereiche Metall, Chemie, Zinkoxid und Rheinzink. Zum Grillo-Konzern gehören zusätzlich die Unternehmen ASB Informationstechnik GmbH, Chemad GmbH, Grillo Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG, Hamborner Dach- und Fassadentechnik GmbH & Co. KG.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unternehmensführung
  2. Unternehmensführung
  3. a b c d Bundesanzeiger: Jahres- und Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020
  4. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fuehrungswechsel-grillos-bdi-amt-hatte-seinem-unternehmen-zuletzt-geschadet/13726936-2.html
  5. https://heft.manager-magazin.de/MM/2017/3/149612746/
  6. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fuehrungswechsel-grillos-bdi-amt-hatte-seinem-unternehmen-zuletzt-geschadet/13726936-2.html
  7. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/neuer-bdi-chef-ulrich-grillo-ich-bin-energieintensiv/7436168.html
  8. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/neuer-bdi-chef-ulrich-grillo-ich-bin-energieintensiv/7436168.html
  9. Bundesanzeiger: Jahresabschluss der Ulrich Grillo Beteiligungsgesellschaft mbH zum Geschäftsjahr vom 01.01.2007 bis zum 31.12.2007
  10. RP ONLINE: Duisburger Geschichten und Geschichte: Grille gegen Heuschrecken. 14. September 2018, abgerufen am 30. November 2021.
  11. UNTERNEHMENSPORTRAIT. Abgerufen am 30. November 2021 (deutsch).
  12. Grillo errichtet Dimethylether-Produktion in Frankfurt. Abgerufen am 30. November 2021.
  13. Michael McCoy: German firm claims new route to methanesulfonic acid. In: Chemical & Engineering News. Band 94, Nr. 26, 2016, S. 10, doi:10.1021/cen-09426-notw7.
  14. Michael McCoy: Grillo sells methanesulfonic acid process to BASF. In: Chemical & Engineering News. Band 97, Nr. 31, 2019, S. 16, doi:10.1021/cen-09731-buscon12.
  15. Marvin König: Weiterer Tiefschlag für Oker: Grillo streicht 75 Arbeitsplätze. Abgerufen am 30. November 2021.
  16. Grillo-Werke AG Kennzahlen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zeitzeugenbörse Duisburg e.V.: Duisburger Hüttenwerke, Erfurt 2014, ISBN 978-3-95400-364-8.
  • Lutz Engelskirchen, Zink – Das achte Metall, Essen 2006 (=Schriftenreihe des Freilichtmuseums Hagen), S. 48ff.
  • Claudia Bruch, Zink Altenberg – Zinkproduktion, in: Schwerindustrie: Katalog zur Ausstellung, hg. v. Joachim Schaier / Daniel Stemmrich (Landschaftsverband / Rheinisches Industriemuseum Oberhausen), Essen 1997, S. 22–29

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]