Gersteinwerk

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Gersteinwerk
Luftbild Gersteinwerk
Luftbild Gersteinwerk
Lage
Gersteinwerk (Nordrhein-Westfalen)
Gersteinwerk
Koordinaten 51° 40′ 24″ N, 7° 43′ 1″ OKoordinaten: 51° 40′ 24″ N, 7° 43′ 1″ O
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Daten
Typ Dampfkraftwerk
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Steinkohle, Erdgas
Leistung 2017 Megawatt
Eigentümer RWE
Betreiber RWE Generation SE
Betriebsaufnahme 1917
Turbine Gasturbinen + Dampfturbinen
Schornsteinhöhe 282 m

Das Gersteinwerk ist ein kombiniertes Dampfkraftwerk (Steinkohle und Erdgas) der RWE AG im Werner Stadtteil Stockum an der Lippe. Das Kraftwerk hat eine elektrische Bruttoleistung von 2127 Megawatt und besitzt einen 282 Meter hohen Kamin. Das Werk gehört zu verschiedenen Themenrouten der Route der Industriekultur.

Benennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt ist das Gersteinwerk nach dem Bochumer Landrat Karl Gerstein, der u.a. ein entschiedener Gegner des Vordringens des RWE nach Westfalen war.[1]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gersteinwerk

Erbaut wurde es zwischen 1913 und 1917 von den späteren VEW. Damals wurde der Brennstoff (Steinkohle) von den umliegenden Zechen geliefert. Die letzten dieser alten Blöcke wurden 1991/1992 abgerissen. Die vier neuen Erdgas-Kraftwerksblöcke wurden zwischen 1970 und 1973 in Betrieb genommen, 1984 folgte der Kombinations-Kraftwerksblock (Block K) zur Verbrennung von Steinkohle. Die Kohle wird zum großen Teil per Schiff zum eigenen Hafen am Datteln-Hamm-Kanal angeliefert. Der Hafen liegt auf der anderen Seite der Lippe auf dem Gebiet der Stadt Hamm; von dort wird die Kohle mit Hilfe eines Förderbandes über den Fluss zum Kohlelager des Kraftwerks transportiert. Ein weiterer Teil der Kohle wird mit der Werne–Bockum-Höveler Eisenbahn direkt zum Kraftwerk geliefert.

Am 14. August 2014 teilte RWE mit, im ersten Quartal 2017 den Betrieb des mit Steinkohle befeuerten Teils von Block K (620 MW) einstellen zu wollen.[2] 2015 wurde bekannt, dass der Stilllegungstermin auf 2019 verschoben wurde.[3]

Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erdgas-Kombiblöcke F, G, H und I liefern jeweils eine Bruttoleistung von 427 MW (Nettoleistung 410 MW) und dienen heute als Reserve zur Abdeckung von Spitzenlasten.[4] Eine Besonderheit ist der Kombinationsprozess, bei dem eine Gasturbine dem Dampferzeuger vorgeschaltet ist: Die etwa 430 °C heißen Abgase der Gasturbine mit einem Volumenanteil von circa 17 % Restsauerstoff strömen in einen nachgeschalteten konventionellen Dampferzeuger zur Verbrennung von Erdgas. Die Wärme der von der Gasturbine dem Kessel zugeführten Verbrennungsluft wird zusätzlich noch als Nutzwärme im Dampferzeuger genutzt. Mit dem Verfahren wird ein Wirkungsgrad von 42 % erzielt. Diese Technik wurde von Klaus Knizia (Vorstandsvorsitzender der VEW AG von 1975 bis 1992) forciert und von 1972 bis 1974 in den Kraftwerken Gersteinwerk und Emsland umgesetzt. Im Block H wird nur noch die Gasturbine betrieben (Solobetrieb), wodurch dieser Block nur noch eine Leistung von 55 MW hat.[4]

Im Jahr 1984 wurde der Block K mit 791 MW elektrischer Bruttoleistung (112 MW Gasturbine, 679 MW Dampfturbine) in Betrieb genommen;[5] nach Abzug des Eigenbedarfs stehen 732 MW (netto) dem Verbundnetz zur Verfügung. Dieser weltweit größte Gas-Steinkohle-Kombiblock hat eine mit den Erdgas-Kombiblöcken vergleichbare Schaltung; hier wird jedoch der eigentliche Dampferzeuger mit Steinkohle befeuert. Aus Steinkohle erzeugter Strom deckt generell Grund- und Mittellast ab, wird hier aber in Kombination mit der Gasturbine noch stärker für die Mittellast und sogar für Spitzenlast tauglich.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blöcke des Kraftwerks Gesteinwerk
Block Brenn­stoff Feuerungswärme­leistung El. Brutto­leistung El. Netto­leistung Fernwärme­leistung Bau­beginn Inbetrieb­nahme Still­legung Status
A–E (jeweils) Steinkohle 1913–1917 abgerissen
F–I (jeweils) Erdgas 427 MW 410 MW 1972–1973 Reserve
K Erdgas/Steinkohle 791 MW 732 MW 1979 1984 2019 (geplant; nur kohlebefeuerter Teil mit 620 MW) Grund- und Mittellast
L Erdgas bis 1300 MW geplant

Netzanschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Netzanschluss der Blöcke F1, G1, H1, I1 und K1 erfolgt auf der 110-kV-Hochspannungsebene in das Stromnetz des Verteilnetzbetreibers Westnetz. Der Netzanschluss der Blöcke I2, F2 und G2 erfolgt auf der 220-kV-Ebene und des Blocks K2 auf der 380-kV-Ebene (Höchstspannung) in das Stromnetz des Übertragungsnetzbetreibers Amprion.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gersteinwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Rezension der Festschrift der VEW
  2. Pressemitteilung. Zitat: „sollten sich die Marktbedingungen nicht verändern“.
  3. Auch nach 2019 soll Betrieb im Gersteinwerk nicht völlig eingestellt werden Westdeutsche Allgemeine, 25. September 2015
  4. a b rwe.com: Gersteinwerk
  5. http://www.rwe.com/web/cms/de/55736/rwe-power-ag/standorte/kw-gersteinwerk/
  6. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) (Memento vom 11. Dezember 2013 im Internet Archive), Stand 16. Oktober 2013, abgerufen am 18. November 2013.