Hüttenberg (Hessen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hüttenberg
Hüttenberg (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hüttenberg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 30′ N, 8° 34′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Lahn-Dill-Kreis
Höhe: 275 m ü. NHN
Fläche: 40,74 km2
Einwohner: 10.731 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 263 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35625
Vorwahlen: 06403 (Hochelheim, Hörnsheim),
06441 (Rechtenbach, Volpertshausen, Weidenhausen),
06445 (Reiskirchen),
06447 (Vollnkirchen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: LDK, DIL
Gemeindeschlüssel: 06 5 32 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Im Saales 2
35625 Hüttenberg
Webpräsenz: www.huettenberg.de
Bürgermeister: Christof Heller (CDU)
Lage der Gemeinde Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis
DietzhölztalHaigerEschenburgSiegbachDillenburgBreitscheid (Hessen)DriedorfGreifenstein (Hessen)BischoffenHerbornSinn (Hessen)MittenaarHohenahrEhringshausenAßlarLahnauWetzlarHüttenberg (Hessen)SolmsLeunBraunfelsSchöffengrundWaldsolmsNordrhein-WestfalenRheinland-PfalzLandkreis Marburg-BiedenkopfLandkreis GießenWetteraukreisHochtaunuskreisLandkreis Limburg-WeilburgKarte
Über dieses Bild

Hüttenberg ist eine seit 1977 bestehende Gemeinde im hessischen Lahn-Dill-Kreis. Im engeren Sinne ist Hüttenberg der Hauptort der Gemeinde, der seinerseits 1968 als Gemeinde durch Zusammenschluss der Dörfer Hochelheim und Hörnsheim gebildet wurde.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Hüttenberg liegt zwischen Wetzlar, Butzbach und Gießen südlich der Lahn.

Der östlichste Punkt des Lahn-Dill-Kreises befindet sich auf der Grenze zur Stadt Linden.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wetzlar und Gießen Linden
Schöffengrund Nachbargemeinden
Langgöns

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den sechs Ortsteilen Hüttenberg (zuvor Hochelheim und Hörnsheim), Rechtenbach, Reiskirchen, Vollnkirchen, Volpertshausen und Weidenhausen. Der Name „Hüttenberg“ steht nicht nur für die 1977 gegründete Gemeinde, sondern seit dem Mittelalter für die ganze Landschaft am Kleebach und seinen Zuflüssen, die über Jahrhunderte einen eigenständigen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk bildete. Die heutige Gemeinde umfasst nur noch den westlichen Teil des ursprünglichen Hüttenbergs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte des Hüttenbergs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namensgeber des Hüttenbergs war ein bewaldeter Höhenrücken zwischen den Dörfern Niederkleen und Langgöns, auf dem im Mittelalter Gerichtsversammlungen abgehalten worden sein sollen. Das heutige Wappen zeigt deshalb mit Bezug auf die Geschichte einen Berg mit Bäumen und die Waage als Zeichen der Gerichtsbarkeit. Auch das Logo der Gemeinde symbolisiert den Hüttenberg mit den Bäumen. Über die Geschichte und Zugehörigkeiten hinweg waren es diese Merkmale, die mit dem Hüttenberg in Verbindung gebracht wurden.

Wappen Gemeinde Hüttenberg

Der Hüttenberg im Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in der Zeit der Merowinger (5.–8. Jahrhundert n. Chr.) war das Land in Gaue eingeteilt, wobei das Gebiet zum Lahngau gehörte. Ein Gau war in mehrere „Zente“ eingeteilt, eine Zent bestand aus einer Anzahl von „Marken“, eine Mark wiederum aus mehreren Ansiedlungen. Neben ihrem eigenen Grundbesitz hatten die Markmitglieder Anteil am gemeinsamen Wald, dem „Markwald“. Die Schenkungsurkunden des Klosters Lorsch aus dem 8. Jahrhundert nennen zum Beispiel schon die Hochelheimer Mark, zu der Hochelheim, Vollnkirchen und Klein-Rechtenbach gehörten. Zur Rechtenbacher Mark zählten noch Ansiedlungen, die in Richtung Allendorf und Münchholzhausen vermutet werden und schon sehr früh wüst gefallen sind. Man geht davon aus, dass die Landschaft am Kleebach und seinen Zuflüssen schon damals eine eigene Zent bildete. Sie umfasste in etwa den Raum zwischen Gießen und Wetzlar im Norden und dem Limes im Osten. Die Freien eines jeden Gaus wählten acht Männer als Schöffen, einer davon wurde zum Vorsitzenden, zum „Grafen“ bestimmt. Zur Rechtsprechung traf sich die Gauversammlung dreimal jährlich an einer zentralen Stelle.[2]

In karolingischer Zeit (8.–10. Jahrhundert n. Chr.) wurden die Gaugrafen nicht mehr vom Volk gewählt, sondern vom König eingesetzt. Da nicht alle Rechtsangelegenheiten auf dem „Gauding“, der Gauversammlung, verhandelt werden konnten, entstanden die Zentgerichte. Neben den Zentgerichten gab es später noch kleinere Vogteigerichte, welche von einem Gutsherrn und 7 bis 12 Schöffen geleitet wurden. Auch wenn der Name „Hüttenberg“ in den Quellen aus dieser Zeit noch nicht genannt wird, lässt sich darauf schließen, dass es schon zurzeit von Karl dem Großen den Zent und das Zentgericht „Hüttenberg“ gab.[3]

Ein Vogteigericht wurde in Gehringshausen, einem im späten Mittelalter verlassenen Dorf bei Reiskirchen, abgehalten, ebenso in dem bei Vollnkirchen gelegenen Ort Wertshausen. Hier bestand das Vogteigericht noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, obwohl das Dorf schon im 14. Jahrhundert wüst geworden ist.[4]

Als erste Grafen im Lahngau sind die Konradiner bekannt, die zur Zeit der Karolinger emporkamen und das Gebiet an der Lahn und die Wetterau beherrschten. Im Jahr 911 wird Graf Konrad aus diesem Geschlecht zum König gewählt. Sein Bruder Otto ist Graf an der mittleren Lahn, wozu das Gebiet um Wetzlar und Gießen gehörte. Nachfolger der Konradiner im Lahngau waren die Grafen auf dem Gleiberg. Zu ihrem Herrschaftsgebiet gehörte auch der Hüttenberg.[5]

Der Hüttenberg wird gemeinsamer Besitz von zwei Landesherren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Aussterben der Gleiberger im späten 12. Jahrhundert wurde der Besitz unter den Erbtöchtern aufgeteilt. Der große und einträgliche Hüttenberg blieb jedoch ungeteilt und wurde fortan von deren Erben, den Pfalzgrafen von Tübingen und den Herren von Merenberg gemeinsam verwaltet. Der Name „Hüttenberg“ wird 1246 erstmals urkundlich erwähnt, als Kaiser Konrad den Merenbergern die Gerichtsbarkeit über diesen Besitz bestätigte.[6]

1265 gelangte der Hüttenberg – wiederum im Rahmen von Vererbungen – an die Landgrafen von Hessen und 1333 an die Grafen von Nassau, die ihn nun 400 Jahre lang gemeinsam besaßen und verwalteten. Steuern und Zölle wurden geteilt, die Gerichtsbarkeit und die Aufsicht über die kirchlichen Angelegenheiten gemeinsam ausgeübt. Jeweils zwei Sendgrafen, ein geistlicher und ein weltlicher, regelten die Verwaltung des Landes. Insgesamt gehörten wohl einmal 20 Dörfer[7] zum Hüttenberg: Vor 1585[8] waren dies: Langgöns, Kirchgöns, Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim, Groß-Rechtenbach, Dutenhofen, Allendorf, Lützellinden, Leihgestern, Niederkleen, Volpertshausen, Weidenhausen, Reiskirchen und ein Teil von Niederwetz. Die im Wiesecker Wald gelegenen Orte Hausen und Annerod sowie die späteren Wüstungen Konradsrode und Nieder-Albach zählten auch zum Hüttenberg, obwohl sie außerhalb des eigentlichen Gebietes lagen. Man nimmt an, dass diese vier Orte vom Hüttenberg aus gerodet und besiedelt worden sind. Gehringshausen bei Reiskirchen gehörte ebenso zum Hüttenberg wie Wertshausen bei Vollnkirchen. Klein-Rechtenbach wurde bei einer Vererbung 1140 allein Hessen zugeteilt, aus dem Hüttenberg herausgenommen und dem Amt Gießen zugeteilt[9] Vollnkirchen gehörte zwar beiden Herrschaften und lag im Gebiet des Hüttenbergs, zählte jedoch nicht zu dieser Gemeinschaft und wurde gesondert verwaltet.[10]

In der Praxis war es nicht immer einfach, den Hüttenberg von zwei Herrscherhäusern aus zu regieren. Genaue Bestimmungen regelten die Art und Weise der Verwaltung: Jeder der beiden Landesherren durfte Steuern ansetzen, die Einnahmen mussten aber aufgeteilt werden. Da ein Viertel der Einkünfte aus dem Hüttenberg von den Erben der Burg Kleeberg[11] beansprucht wurde, konnten sich die Hessischen Landgrafen und die Nassauischen Grafen nur noch die übrigen drei Viertel teilen. Frondienste waren beiden Herren zu leisten, Verhaftungen durften allerdings nur mit Einwilligung beider Herrscher vorgenommen werden. Jährlich wurden vier gemeinsame Amtstage gehalten, auf denen die Beamten alle einzelnen Fragen gemeinsam regelten. Die Gerichtsbarkeit wurde gemeinschaftlich ausgeübt ebenso auch die Aufsicht über die kirchlichen Angelegenheiten.

Erste Aufteilung des Hüttenbergs 1585[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da es bei der Ausübung der gemeinsamen Verwaltung aber immer wieder zu Spannungen zwischen dem hessischen und dem nassauischen Herrscherhaus kam, strebte man an, das bisher gemeinsam verwaltete Gebiet aufzuteilen. Anscheinend konnte man sich schwer einigen, und deshalb wurde 1585 nur ein Teil des bisherigen Gemeinbesitzes jeweils einem Herrscherhaus zugeteilt. Graf Albrecht zu Nassau erhielt dabei aus dem Hüttenberg die Dörfer Weidenhausen, Volpertshausen und Reiskirchen sowie den Hüttenbergischen Teil von Niederwetz, außerdem die Wüstungen Gehringshausen und Wertshausen.[12] Hochelheim, Hörnsheim und Groß-Rechtenbach blieben neben den anderen Hüttenberger Orten weiterhin in gemeinsamem Besitz, ebenso Vollnkirchen, das aber nach wie vor nicht zum Hüttenberg zählte.[13] An der allein hessischen Zugehörigkeit von Klein-Rechtenbach änderte sich ebenfalls nichts. Schon während des Dreißigjährigen Krieges zeigte es sich jedoch, dass die gemeinsame Verwaltung immer wieder zu Streitigkeiten führte. So machte der hessische Landgraf den Versuch, den Grafen von Nassau-Saarbrücken ihren Anteil und ihre Rechte abzukaufen. Als Kaufpreis bot er 170 000 Gulden an, die er in zwei Raten bezahlen wollte. Der Kauf kam jedoch nicht zu Stande und der alte Zustand blieb weiter bestehen.[14]

Zweite und endgültige Aufteilung des Hüttenbergs 1703[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Ende der Streitigkeiten kam es erst nach einer endgültigen Aufteilung des Hüttenbergs im Jahr 1703. Im sogenannten „Hüttenberger Hauptteilungsvertrag“[15] wurden alle bis dahin noch von Hessen und Nassau gemeinsam verwalteten Dörfer einer der beiden Herrschaften zugeteilt. So kamen nun auch Hochelheim, Hörnsheim und Groß-Rechtenbach allein unter nassauische Herrschaft, außerdem auch Klein-Rechtenbach und Vollnkirchen. Ebenfalls zu Nassau kamen bei dieser Teilung noch Niederkleen, Lützellinden, Dutenhofen und Dornholzhausen. Somit sind 1703 alle Orte, die heute zur Gemeinde Hüttenberg gehören, ganz nassauisch geworden. Nach der Aufteilung des Hüttenbergs wurden die beiden bisherigen nassauischen Ämter Gleiberg und Hüttenberg (mit Sitz in Niederkleen) 1734 zum Amt Atzbach vereinigt und die nassauische Verwaltung von der mehr und mehr verfallenden Burg Gleiberg nach Atzbach verlegt. Immer wieder wird in den Abrechnungen der Hüttenberger Dörfer Geld „für einen Gang nach Atzbach“ an Gemeindebedienstete angewiesen. Als Amtssitz in Atzbach wurde 1756 das bis in die jüngste Zeit als Schule genutzte große Verwaltungsgebäude neben der Kirche gebaut.

Der Hüttenberg wird 1816 preußisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Wiener Kongress im Jahr 1815 trat das Fürstentum Nassau-Weilburg in Tauschverträgen seine Hüttenberger Gebiete an das Königreich Preußen ab. Der Hüttenberg wurde 1816 in den neu gegründeten Kreis Wetzlar und mit diesem in die preußische Rheinprovinz eingegliedert. Mit der Änderung der politischen Verhältnisse änderte sich auch die Verwaltung der Dörfer. 1846 wurden Gemeinderäte eingesetzt, die in der Regel aus einem Vorsteher und fünf weiteren gewählten Mitgliedern bestanden. Vertreter des Gerichts war der Schultheiß. Das Amt des Vorstehers und das des Schultheißen konnte in einer Person vereinigt werden. 1900 wurden die Ortsgerichte eingeführt.

Innerhalb der preußischen Landkreise bildeten jeweils mehrere Gemeinden einen staatlichen Verwaltungsbezirk, die „Landbürgermeisterei“, ab 1927 „Amtsbürgermeisterei“. Das Bürgermeisteramt wurde von einem hauptamtlichen Bürgermeister und zwei Beigeordneten geleitet. Zusammen mit jeweils einem gewählten Abgeordneten aus jedem Dorf bildeten sie die Bürgermeistereiversammlung. Aufgabe der Bürgermeister war es, die Verwaltung der einzelnen Gemeinden zu beaufsichtigen. Ab 1816 gab es zum einen das Bürgermeisteramt Lützellinden mit Sitz in Niederkleen, zum anderen das Bürgermeisteramt Rechtenbach, dessen Amtssitz mehrmals zwischen Volpertshausen und Groß- und Klein-Rechtenbach wechselte (von 1816 bis 1822 war der Amtssitz in Groß-Rechtenbach, danach wechselte er nach Volpertshausen. Bis zur Vereinigung der beiden Bürgermeisterämter war er auch zeitweilig auf dem Hof Rechtenbach, dem heutigen Kinderheim Zoar untergebracht). Zum Bürgermeisteramt Lützellinden gehörten die Dörfer Hochelheim, Hörnsheim, Lützellinden, Dornholzhausen, Niederkleen, Oberkleen und Ebersgöns. Zum Bürgermeisteramt Rechtenbach gehörten Groß- und Klein-Rechtenbach, Weidenhausen, Volpertshausen, Vollnkirchen, Reiskirchen und einige Jahre lang noch Niederwetz. Im Jahr 1873 wurden diese beiden Bürgermeisterämter zum Amt Rechtenbach vereinigt, das nun 14 Dörfer umfasste (zum Bürgermeisteramt Rechtenbach gehörten ab 1873 die Dörfer: Groß- und Klein-Rechtenbach, Weidenhausen, Volpertshausen, Reiskirchen, Vollnkirchen, Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim, Niederkleen, Oberkleen, Ebersgöns, Lützellinden und Münchholzhausen (vorher beim Bürgermeisteramt Braunfels)). In Groß-Rechtenbach wurde ein neues großes Amtsgebäude gebaut (heute Frankfurter Straße 71) und 1875 bezogen. Die Steuer- und Gemeindekasse blieb zunächst in Niederkleen. 1908 wurde noch das neben dem Bürgermeistereigebäude gelegene Haus (heute Frankfurter Straße 69) für Verwaltungszwecke gebaut. Zeitweise war hier der Sitz der Gemeindekasse.

Bürgermeisteramt, Rentamt 1912

Eingliederung des Bürgermeisteramtes Rechtenbach in die Provinz Hessen-Nassau 1932[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1932 wurde im Rahmen einer Gebietsneuordnung der preußischen Regierung der Kreis Wetzlar aus der Rheinprovinz herausgelöst und der Provinz Hessen-Nassau zugeteilt. Zum 1. April 1934 löste die NS-Regierung die zentralen Amtsbürgermeistereien auf. Fortan gab es keinen hauptamtlichen Bürgermeister mehr und die Dörfer wurden wieder von nebenamtlichen Bürgermeistern verwaltet. Lediglich die Gemeindezweckverbandskasse blieb als zentrale Rechnungsstelle der Gemeinden bis zu Gebietsreform im Jahr 1977 bestehen. Auch das Standesamt wurde weiterhin zentral für die Dörfer des ehemaligen Verwaltungsbezirkes geführt.

Zusammenschlüsse 1968 und 1971[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bestrebungen, die Verwaltung der einzelnen Dörfer effektiver zu gestalten, gab es ab den 1960er Jahren. Nach langen Verhandlungen schlossen sich zum 1. August 1968 die ohnehin schon zusammengewachsenen Dörfer Groß- und Klein-Rechtenbach zur Gemeinde Rechtenbach zusammen. Nach noch längeren Verhandlungen gelang zum gleichen Datum der Zusammenschluss von Hochelheim und Hörnsheim zur Gemeinde Hüttenberg. Am 31. Dezember 1971 vereinigten sich Rechtenbach, Vollnkirchen und Weidenhausen zur Gemeinde Schwingbach, die mit der Neuordnung von 1977 aber wieder aufgelöst wurde.

Gründung der Gemeinde Hüttenberg 1977[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung der Gemeinde Hüttenberg in Graphischer Übersicht

Als im Rahmen der Hessischen Gebietsreform 1977 die Gemeinde Hüttenberg aus den acht Dörfern Hörnsheim, Hochelheim, Klein- und Groß-Rechtenbach, Weidenhausen, Volpertshausen, Vollnkirchen und Reiskirchen gebildet wurde, blieben die beiden Zusammenschlüsse von 1968 bestehen. So kommt es, dass Hüttenberg heute sechs Ortsteile hat, von denen einer – zur großen Verwirrung für alle Fremden – ebenfalls den Namen Hüttenberg trägt.[16][17]

Nach dem Krieg kamen zahlreiche aus dem Sudetenland Vertriebene in die Gemeinde und trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg, zur kulturellen Modernisierung und zum Wandel der Gemeinde bei.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hüttenberg sind vier der sechs mittelhessischen Handkäseproduzenten ansässig.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[18] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[19][20]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
     
Insgesamt 31 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
FWG Freie Wählergemeinschaft 33,4 11 27,4 9 22,9 7 24,2 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,6 8 26,2 8 27,5 9 23,8 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 23,6 7 25,9 8 33,5 10 37,1 11
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,4 3 14,6 5 7,3 2 6,1 2
FÖBH Freie Ökologische Bürgerliste Hüttenberg 7,0 2 4,5 1 5,7 2 6,0 2
FDP Freie Demokratische Partei 1,4 0 3,2 1 2,7 1
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 54,4 52,2 45,1 60,0
Hochelheim, Luftaufnahme 2007

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2011 wurde Christof Heller (CDU) im zweiten Wahlgang erstmals zum Bürgermeister gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Manfred Schmidt (SPD) an.[21]

Am 24. September 2017, dem Tag der Wahl zum 19. Deutschen Bundestag, wurde Heller mit 80,3 Prozent turnusmäßig in seinem Amt bestätigt. Er war ohne Gegenkandidat angetreten.[22]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hüttenberg unterhält seit 1991 partnerschaftliche Beziehungen zu der Marktgemeinde Göstling an der Ybbs in Niederösterreich, zu Oberschönau in Thüringen (seit 1992) und seit 1993 zu der französischen Gemeinde Crémieu östlich von Lyon.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler in Hüttenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Liste der Kulturdenkmäler in Hüttenberg

Die Evangelische Kirche Hochelheim ist eine Saalkirche im Stil der Neurenaissance von 1905/1906, die im Kern auf das 17. Jahrhundert zurückgeht. Die aufwändig gestaltete Westseite wird durch ein trichotomisches Thermenfenster geprägt. Der Dachreiter stammt aus dem 18. Jahrhundert, einige Inventarstücke aus dem Barock. Die Evangelische Kirche Hörnsheim ist eine Saalkirche, die 1968/1969 anstelle eines mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet wurde. Erhalten ist der spätgotische Chorturm mit dreigeschossigem Haubenhelm von 1694 und ein barocker Gemäldezyklus.

In Hüttenberg sind zwei mittelalterliche Kirchen erhalten, die Alte Kirche in Volpertshausen aus dem 13. Jahrhundert und die ehemalige Ev. Kirche in Weidenhausen. Im Jahr 1652 erhielt die Evangelische Kirche Reiskirchen ihre heute maßgebliche Gestalt. Der östliche Anbau war ursprünglich ein Wohnhaus für einen Lehrer mit einem Obergeschoss aus Fachwerk, das später mit dem Westteil verbunden wurde. Die Ev. Kirche Groß-Rechtenbach wurde 1638, die ehemalige Ev. Kirche Klein-Rechtenbach 1664 errichtet.

Das ehemalige Jägerhaus ist seit 1992 Heimatmuseum der Gemeinde Hüttenberg, „Goethehaus Volpertshausen“, in dem u. a. der Ballsaal, in dem Goethe mit Charlotte Buff tanzte, Wohnräume um 1900, Hüttenberger Trachten und eine große Ausstellung über die Verarbeitung des Handkäses zu sehen sind.

Naturdenkmäler in Hüttenberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe Liste der Naturdenkmale in Hüttenberg

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handballverein TV Hüttenberg ist bekannt durch Erfolge in der Bundesliga, in der er seit 2017 wieder mitspielt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otfried Hankel: Familienbuch der evangelischen Kirchengemeinde Hochelheim (Hessen) 1771–1874. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2010, 925 S. (Teil I und II), ISBN 978-3-86991-066-6.
  • Philipp Hofmann: Der Hüttenberg. Geschichtliche Entwicklung – Landschaft – Menschen – Sagen und Erinnerungen. Ernst Boller, Lang-Göns 1955.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hüttenberg – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Aktuellster Bevölkerungsstand am 31.12.2015 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wilhelm Lochau: Heimatkunde des Kreises Wetzlar. Wetzlar 1901, S. 42 f.
  3. Wilhelm Lochau: Heimatkunde des Kreises Wetzlar. Wetzlar 1901, S. 44 f.
  4. Schmidt/Ruppert: Wertshausen – auf den Spuren eines mittelalterlichen Dorfes. Hüttenberg 2009, S. 57.
  5. Philipp Hoffmann, Der Hüttenberg, Lang-Göns 1955, S. 11.
  6. Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 1, S. 62.
  7. Quelle: HHStAW 339, 85. Die Zugehörigkeit zum Hüttenberg wechselte bei manchen Dörfern. Im Westerburgischen Urbar von 1370 zählen insgesamt 16 Dörfer zum Hüttenberg.
  8. Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar historisch, statistisch und topographisch dargestellt. (Alle diese Orte sind bei der Aufteilung von 1585 Gegenstand der Verhandlungen.)
  9. Philipp Hoffmann: Der Hüttenberg. Lang-Göns 1955, S. 17 und 24.
  10. Philipp Hoffmann: Der Hüttenberg. Lang-Göns 1955, S. 27.
  11. Vgl. Philipp Hoffmann: Der Hüttenberg. Lang-Göns 1955, S. 17 und Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 1, S. 88. (Ursprünglich gehörte auch Kleeberg mit den Orten Ebersgöns und Oberkleen zum Hüttenberg, wurde aber bei der Erbteilung im 12. Jahrhundert abgetrennt.)
  12. Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 1, S. 202–204. (Das Dorf Wertshausen existierte zu diesem Zeitpunkt schon etwa 200 Jahre lang nicht mehr.)
  13. Quelle: HHStAW 166/167, Nr. 3155. (1616 zählten noch folgende Orte zum Hüttenberg: Langgöns, Pohlgöns, Kirchgöns, Leihgestern, Dutenhofen, Allendorf, Hörnsheim, Hochelheim, Dornholzhausen, Niederkleen, Lützellinden, Groß-Rechtenbach, Hausen und Annerod.)
  14. Philipp Hoffmann: Der Hüttenberg. Lang-Göns 1955, S. 30.
  15. Vollständig abgedruckt ist der Vertrag bei Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 1.
  16. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237.
  17. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 298.
  18. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  19. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  20. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  21. Christof Heller gewinnt Bürgermeisterwahl in Hüttenberg in „Gießener Allgemeinen“ vom 11. September 2011.
  22. Ergebnisse Bürgermeisterwahl: Hüttenberg 24. September 2017 | Archiv: Direktwahlen in Hessen. In: hessenschau.de. 21. September 2017 (hessenschau.de [abgerufen am 29. November 2017]).