Hetlingen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hetlingen
Hetlingen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hetlingen hervorgehoben
Koordinaten: 53° 37′ N, 9° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Pinneberg
Amt: Haseldorf
Höhe: 3 m ü. NHN
Fläche: 24,1 km²
Einwohner: 1311 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 54 Einwohner je km²
Postleitzahl: 25491
Vorwahlen: 04103, 04122
Kfz-Kennzeichen: PI
Gemeindeschlüssel: 01 0 56 027
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wassermühlenstr. 7
25436 Uetersen
Webpräsenz: www.hetlingen.de
Bürgermeisterin: Monika Riekhof (CDU)
Lage der Gemeinde Hetlingen im Kreis Pinneberg
Appen Barmstedt Bevern Bilsen Bokel Bokholt-Hanredder Bönningstedt Borstel-Hohenraden Brande-Hörnerkirchen Bullenkuhlen Ellerbek Ellerhoop Elmshorn Groß Nordende Groß Offenseth-Aspern Halstenbek Haselau Hasloh Heede Heidgraben Heist Helgoland Hemdingen Hetlingen Holm Klein Nordende Klein Offenseth-Sparrieshoop Kölln-Reisiek Kummerfeld Langeln Lutzhorn Moorrege Neuendeich Osterhorn Pinneberg Prisdorf Quickborn Raa-Besenbek Rellingen Schenefeld Seester Seestermühe Seeth-Ekholt Tangstedt Tornesch Uetersen Wedel Westerhorn Haseldorf Schleswig-Holstein Hamburg Niedersachsen Kreis Segeberg Kreis Steinburg ElbeKarte
Über dieses Bild
Hetlingen und die Haseldorfer Marsch

Hetlingen (niederdeutsch Hetl’n) ist eine Gemeinde im Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein und als Bandreißerdorf in der Haseldorfer Marsch bekannt.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hetlingen liegt etwa 7 km nordwestlich von Wedel direkt am Landesschutzdeich an der Elbe in der Haseldorfer Marsch. Östlich verläuft die Bundesstraße 431 von Wedel über Uetersen nach Elmshorn.

Hetlingen ist durch die Landesstraße 261 mit den Gemeinden Holm und Haseldorf verbunden. Es besteht durch eine Buslinie im HVV Verbund eine Verbindung nach Wedel und Uetersen. Zu Hetlingen gehören auch die Hetlinger Schanze, Giesensand, Idenburg und Julssand, sowie das Hetlinger Moor, das sich auf dem Gebiet der Holmer Sandberge befindet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geesthügel Hetlingen (heute die Straße Cranz) und Eckhorst (früher auch Jchhorst genannt) waren seit der sächsischen Zeit durchgehend besiedelt. Sie boten sich als Siedlungsplatz an, da die Marsch bis zur Eindeichung 1709 stets von Sturmfluten und Hochwasser bedroht war. Später kam noch der Ortsteil Freiheit hinzu, dessen Name Mitte der 50er Jahre wieder verschwand, als die ersten Straßennamen entstanden.

Hetlingen wurde 1239 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes stammt vermutlich von einer früher wohnenden Sippe mit Namen Hetilo ab.

1873 gliederte man den Meierhof Idenburg ein. Idenburg wurde erstmals 1650 in einer Urkunde von Detlev von Ahlefeld erwähnt, in der er den Hof nach seiner Frau Ida benannte. 1878 kam die ehemalige Insel Giesensand noch hinzu. 1916 wurde ein Sandweg zwischen Haseldorf und Hetlingen angelegt, der 1952 zu einer befestigten Straße ausgebaut wurde. Im Jahr 1928 wurde schließlich auch der aufgelösten Gutsbezirk Hetlinger Schanze mit Julssand und die Domänen Hetlinger Schanzensand und Twielenfleter Sand in den Ort eingemeindet.

Gedenkstein zum Deichbruch

Am 3. Januar 1976 wurde aufgrund eines Deichbruchs bei Hetlingen die gesamte Haseldorfer Marsch bei einer schweren Sturmflut überflutet. Es entstand ein Sachschaden in dreistelliger Millionenhöhe. Wie durch ein Wunder kam kein Mensch zu Tode.

Hetlinger Schanze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hetlinger Schanze

König Christian V. errichtete 1659 eine Elbbefestigung, die Hetlinger Schanze. Sie wurde 1768 wieder aufgelöst.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Hetlingen waren überwiegend Bandreißer tätig, die aus Weiden Fassreifen herstellten. Aber es gab auch viele landwirtschaftliche Betriebe, die unter anderem Obstanbau betrieben.

Unesco[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hetlingen ist als „Gemeinde der Weltdekade – Bildung für nachhaltige Entwicklung 2014“ (BNE) von der Unesco ausgezeichnet worden. Mit ihren gut 1300 Einwohnern ist Hetlingen die kleinste bisher ausgezeichnete Dekade-Kommune und die einzige in Schleswig-Holstein.[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung
  
Von 13 Sitzen entfallen auf:

Ergebnis der Kommunalwahl vom 26. Mai 2013

Partei Prozent Sitze
CDU 52,4 % 7
Freie Wahlgemeinschaft Hetlingen (FW) 47,6 % 6

Gemeindevorsteher und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahre Name
1870–1880 Peter Jürgs
1880–1884 Jochim Jürgs, Kleinkätner
1884–1890 Otto Plüschau, Großkätner und Bandreißer
1890–1895 Hermann Oeding, Bandreißer
1895–1922 Detlef Schölermann, Kleinkätner und Bandreißer
1922–1923 August Schulenburg, Bandreißer
1923–1934 Johann Plüschau, Bandreißer und Landwirt
1934–1945 Peter Karp, Landwirt
Jahre Name
1945–1946 Adolf Schwartau, Bauer
1946–1948 Heinrich Schwarz, Schiffer und Kohlenhändler
1948–1960 Wilhelm Plüschau, Landwirt
1960–1970 Hinrich Körner, Domänenpächter
1970–1980 Hermann Reder, Maurermeister (SPD)
1980–1990 Bernd Kroll, Technischer Angestellter (SPD)
1990–2005 Klaus Groth, Landwirt (CDU)
2005–2014 Barbara Ostmeier, Volljuristin (CDU)
Seit 2014 Monika Riekhof, Kauffrau (CDU)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schachblume
Elbekreuzung 2
Kirche in Hetlingen
Der Elbkinderlandchor mit Rolf Zuckowski bei Appen musiziert 2015

Blasonierung: „Über erhöhtem blauen Wellenschildfuß, darin nebeneinander drei schräglinks gestellte, wachsende silberne Schachblumen mit rot-silbern geschachter Blüte, in Silber zwei grüne Kopfweiden nebeneinander.“[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet befindet sich das größte Klärwerk Schleswig-Holsteins. Es entsorgt täglich rund 100.000 Abwässer (740.000 Einwohnerwerte im Jahre 2004) von mehr als 450.000 Menschen und Industriebetrieben im Kreis Pinneberg, in Hamburg-West und in einigen Kommunen in den Kreisen Segeberg und Steinburg.

Trotzdem überwiegt eindeutig der landwirtschaftliche Charakter und die Gemeinde stellt auch ein bedeutendes Ziel für die Naherholung dar. Der nahe Strand an der Hetlinger Schanze zieht viele Gäste aus Hamburg und dem ganzen Kreis Pinneberg an.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kapelle in Hetlingen liegt an der Hauptstraße. Sie gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Sankt Gabriel Haseldorf-Hetlingen. Die Kapelle wurde 1971 geweiht. Bis dahin stand in Hetlingen kein Kirchengebäude.

Wahrzeichen und Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Wahrzeichen ist die Schachblume (Fritillaria meleagris), die auch Schachbrettblume oder Kiebitzei, genannt wird und im Gemeindewappen enthalten ist.

Bei Hetlingen queren zwei Stromleitungen die Elbe (Elbekreuzung 1 und Elbekreuzung 2). Die Strommasten sind mit 227 m Höhe die höchsten Europas. Weil die Stromkabel wegen der Streckenlänge stark durchhängen und große Schiffe die Elbe passieren, mussten die Masten so außerordentlich hoch gebaut werden.

Bekannte Hetlinger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helmut Plüschau (* 1934), Politiker (SPD)
  • Rolf Zuckowski (* 1947), Kinderliedermacher
  • Klaus Glashoff (* 1947), Vizepräsident der Universität Hamburg 1980–1982
  • Barbara Ostmeier (* 1961), schleswig-holsteinische Politikerin (CDU) und Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtags
  • Detlef Heydorn, deutscher Volksschauspieler
  • Nisse Lüneburg, deutscher Springreiter
  • Rasmus Lüneburg (* 1982), deutscher Springreiter
  • Hetlinger Elbkinder, Kinderchor im Projekt Elbkinderland. Der Chor der Grundschule arbeitet mit Rolf Zuckowski zusammen. Konzertreisen und Auftritte, auch mit Rolf Zuckowski, vor großen Auditorien von 5000 bis 8000 Zuschauern gehören zum Programm.

Patenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Gemeinde Deutschlands übernahm Hetlingen im Mai 2008 die Patenschaft für das von Rolf Zuckowski 2003 gegründete Projekt Elbkinderland, dessen Vorhaben es ist, die musischen Förderung von Kindern und Jugendlichen an der Elbe zu fördern.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kulturverein Hetlinger Marsch im SHHB: Das Bandreißerdorf Hetlingen. Beiträge zur 750jährigen Geschichte. Haseldorfer Marsch seit dem Mittelalter. Hetlinger Schanze. Chronik Band 1. Uetersen 1989
  • Kirchengemeinde Haseldorf (Hrsg.): Die Haseldorfer Kirche Sankt Gabriel. 800 Jahre. 1195–1995. Husum 1995

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hetlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Ehlers: Geschichte und Volkskunde des Kreises Pinneberg (1922)
  • Hobby- u. Heimat-Museum Hetlingen (2008)
  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2014 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Dankschreiben Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung.
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein