Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

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Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd
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Gründung 1776
Trägerschaft staatlich
Ort Schwäbisch Gmünd
Bundesland Baden-Württemberg
Land Deutschland
Rektor Ralf Dringenberg[1]
Studierende 679 SS 2018 [2]
Professoren 27
Website www.hfg-gmuend.de

Die Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd (HfG Schwäbisch Gmünd) ist eine rein auf das Gebiet Gestaltung spezialisierte Hochschule, die vier Bachelorstudiengänge und einen Masterstudiengang anbietet.

Laut dem Gmünder Modell ist das Fundament des Studiums an der HfG Schwäbisch Gmünd die Vermittlung gestalterischer Grundlagen. Die Einflüsse des Bauhauses und der Hochschule für Gestaltung Ulm sind prägend für die Lehrauffassung der HfG.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude der HfG Schwäbisch Gmünd (Elsaesserbau)

Hochschulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der Hochschule reicht bis in das Jahr 1776 zurück, als eine Zeichenschule gegründet wurde, der 1828 mit beginnender Industrialisierung eine Gravierklasse angegliedert wurde. Aus der ehemaligen Zeichenschule ging 1860 eine Gewerbeschule mit eigener Fachabteilung für Gold- und Silberschmiede hervor. 1909 kam es dann zur Herauslösung der Königliche Fachschule für Edelmetallindustrie. Sie bezog das neu errichtete Gebäude des Architekten Martin Elsaesser im Südwesten der Kernstadt, welches heute noch Standort der Hochschule ist. Das Programm des damaligen Direktors Walter Klein stand in Einklang mit dem Fortschrittsbestreben Hermann Muthesius, dem Mitbegründer des Deutschen Werkbundes.

Der Erste Weltkrieg sorgte 1914 für einen jähen Rückgang der Schülerzahlen. Die Schule erholte sich jedoch schnell von den Kriegswirren.[3] Die Schule erhielt 1923 eine neue Verfassung und wurde durch einen Anstoß des Deutschen Werkbundes 1924 zur Staatliche Höhere Fachschule für Edelmetallindustrie. Daraufhin kam es, unter anderem auf Bestreben des Rektors Walter Klein, zu Einflüssen durch Bauhaus-Größen wie Josef Albers, Lászlo Moholy-Nagy, Wilhelm Wagenfeld. Schon zwei Jahre später wurde die erste „Klasse für Industrielle Formgebung“ eingerichtet – unter dem Eindruck einer Reise Walter Kleins nach Dessau[4]. Nach Ende des 2. Weltkrieges erfolgte 1950 eine Umbenennung zur Staatlichen Höheren Fachschule für Edelmetallgewerbe. Zwei Jahre später wurde die „Klasse für Industrielle Formgebung“ wieder durch den neuen Schulleiter Walter Lochmüller aufgenommen und arrivierte zu einer der namhaftesten ihres Fachbereiches. 1960 wurde die Klasse zur Abteilung für Formgebung ausgebaut.[5]

1965 folgte die Umwandlung in die Staatliche Werkkunstschule Schwäbisch Gmünd. Nach der bisher betont handwerklichen Ausrichtung folgte eine starke Konzentration auf gestalterische Fragen. Es wurden

Studiengänge für Industriedesign, Grafikdesign und Schmuckdesign eingerichtet. Sie bildeten die Grundlage für die 1971 entstandene Fachhochschule für Gestaltung, deren erster Rektor Karl Dittert wurde. Er übernahm die Aufgabe, die Hochschule weg von künstlerischen hin zu gestalterischen Programmen zu führen, das sich auf das Ausbildungskonzept der Hochschule für Gestaltung Ulm bezieht. Die Vorgängereinrichtungen waren mit ihrem Lehrangebot noch deutlich an der örtlichen Gewerbestruktur orientiert, wohingegen der Bildungsauftrag der Fachhochschule bereits überregional zu sehen war.[6]

1983 gab sich die Fachhochschule eine neue Grundordnung, die von der Gliederung in abgrenzende Fachbereiche absah. Die drei neu eingerichteten Studiengänge Produktgestaltung, Schmuckgestaltung und Visuelle Gestaltung waren nicht mehr streng voneinander abgegrenzt und durchlässig. Zudem beruhten alle Studiengänge auf dem Fundament der eigenständigen gestalterischen Grundlagen. 1987 wurde der Schwerpunkt Medien im Studiengang Visuelle Kommunikation eingeführt. Im Wintersemester 1989 wurde der Schwerpunkt Digitale Medien eingeführt, aus dem 2007 der heutige Studiengang Interaktionsgestaltung hervorging. Die Umstellung der bisherigen Diplomstudiengänge auf die neuen Bachelorstudiengänge erfolgte 2004. Seit 2005 führt die Hochschule für Gestaltung im Englischen den Zusatz University of Applied Sciences.

Während Sanierungsarbeiten an dem Gebäude in der Rektor-Klaus-Straße war die Hochschule ab dem Jahre 2010 temporär in mehrere Standorten innerhalb der Stadt (z. B. Gmünd-TECH und Zapp) umgezogen. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist die Hochschule im Herbst 2015 wieder in das reguläre Gebäude zurückgekehrt.

Aufgrund der stetig wachsenden Studierendenzahl der Hochschule wurde eine räumliche Vergrößerung mit dem Bezug des Neubaus auf dem Gamundia-Areal zwischen Bahnhof Schwäbisch Gmünd und Stadtgarten geschaffen.[7]

Elsaesserbau (Rektor-Klaus-Straße 100)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bau wurde unter anderem auf Forderung des Rektors Walter Klein angestrengt. Der Gemeinderat der Stadt Schwäbisch Gmünd beschloss 1906 das Gewerbemuseum an einen möglichen Neubau anzugliedern. Es wurde dazu ein passendes Gelände am damaligen Stadtrand in Hanglage zugewiesen. Den darauf folgenden öffentlichen Architektenwettbewerb, bei dem 132 Entwürfe eingingen, gewann der junge Architekt Martin Elsaesser. Die Innenausstattung des Juli 1909 eingeweihten Baus wurde vor allem durch Franz Mutzenbecher, Jakob Brüllmann sowie Jakob Wilhelm Fehrle besorgt. Mehrere Ausbaustufen wurden von Elsaesser zwischen 1923 und 1954 verwirklicht. Den Entwurf zur erfolgten Aufstockung lieferte er kurz vor seinem Tod, die Umsetzung erlebte er nicht mehr. 1968 ging der Museumflügel an die Hochschule über.

1955 und 1992 kam es zu Innenrenovierungen, 1987 zu Renovierungen am Äußeren.[8]

Während der Bauarbeiten zum 100-jährigen Jubiläum wurden Mängel an dem denkmalgeschütztem Bau festgestellt, was eine umfassende Sanierung des Elsässerbaus von 2010 bis 2014 zur Folge hatte.[9] In zwei Bauabschnitten wurden alle Flächen-, Struktur-, und Funktionsdefizite beseitigt, sowie Fenster und Dämmung erneuert um den Energieverbrauch des Gebäudes zu Verringern. Unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wurde der Elsässerbau an die Anforderungen eines modernen Studienbetriebes einer Hochschule angepasst. Neben der Kernsanierung und der technischen Modernisierung wurde bei der Umsetzung darauf Wert gelegt, die ursprünglichen Gebäudefunktionen des Jugendstilbaus zum Vorschein zu bringen. Nach Beendigung der umfassenden Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten und der Wiederaufnahme des Lehrbetriebs wurde das Stammhaus am 9. Juli 2015 feierlich vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg übergeben.[10]

Studiengänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nebengebäude in der Rektor-Klaus-Straße

Seit 2004 werden die Bachelor-Studiengänge Kommunikations- und Produktgestaltung angeboten, 2007 folgte die Interaktionsgestaltung. 2014 hat das Masterprogramm Strategische Gestaltung den Studienbetrieb aufgenommen und ersetzt die zuvor separierten Masterprogramme Communication Planning and Design und Product Planning and Design. Seit 2015 bietet die Hochschule in Kooperation mit der Hochschule Aalen als erste Hochschule im deutschsprachigen Raum[11] den Bachelorstudiengang Internet der Dinge. Gestaltung vernetzter Systeme an. Alle fünf Studiengänge sind erfolgreich akkreditiert.

Die Studierenden befassen sich in den gestalterischen Grundlagenfächern mit den Kategorien Fläche und Raum, Licht und Farbe, Zeit und Bewegung und erfahren so die gesetzmäßigen Zusammenhänge von Wahrnehmung und Gestaltung. Im Fokus stehen hier konstruktives und freies Zeichnen, Typografie, Fotografie, Film und Multimedia.

Die angebotenen Lehrstoffe sind u. a. Design- und Medientheorie, Soziologie, Design Thinking, Systemtheorie, Ökologie und Umweltwissenschaft, Material- und Produktionstechniken, Semiotik und Wahrnehmungstheorie, Projektplanung und -management.

Praxissemester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 5. Semester sollen Erfahrungen in Unternehmen, Institutionen oder Gestaltungsbüros im In- oder Ausland die bisher vermittelten theoretischen Inhalte ergänzen. Das praktische Semester dauert 26 Wochen und ist wesentlicher Bestandteil der Hochschulausbildung. Es muss vor der Zulassung zum 6. Semester erfolgreich abgeschlossen sein.

Auslandssemester[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Programme SOKRATES und ERASMUS der Europäischen Union fördert ausgewählte Studierende, die für ein Semester an einer europäischen Partnerhochschule arbeiten, oder dort an Seminaren oder Workshops teilnehmen wollen.

Persönlichkeiten der Hochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bibliothek: mehr als 22000 Medien zu allen Aspekten der Gestaltung;
  • Medienzentrum: Film- und Videostudio für digitale und analoge Bild- und Tonaufzeichnung, Animation, Schnitt und Montage;
  • Werkstätten: Feinmechanikwerkstatt und CNC-Labor, Rapid-Prototyping, Freiform- und Gießtechniken, Zentralwerkstatt, Lackier- und Spritzräume;
  • Rechenzentrum: mehr als 80 Computer-Arbeitsplätze und 20 zentrale Server mit Diabelichter für Schwarzweiß- und Farbvorlagen, Scanner, Digitalkameras und Farblaserdrucker;
  • Fotolabor & Fotostudio: zwei Aufnahmestudios mit Blitzlichtanlagen und Tagesdauerlichtlampen, Analog- und Digitalkameras, Schwarzweiß-Fotolabor mit zehn Arbeitsplätzen, an denen alle Formate vom Kleinbild bis zum Großformatnegativ belichtet werden können;
  • Plotter: Großformatdrucker ermöglichen den Studierenden Ausgabegrößen bis DIN A00 in unbegrenzter Länge;
  • Reprolabor: professionelle Ausstattung zur Erzeugung und Bearbeitung digitaler Bilddaten. Hochwertige DIN A3-Flachbett- und Durchlicht-Scanner;
  • Medienlabor: Möglichkeit unterschiedliche Augmented und Virtual Reality Technologien auszuprobieren und neue Anwendungsbereiche zu erforschen. Eine Reihe von haptisch-sensorischen Projekten, die eine gemeinsame Basiskonfiguration vorweisen, ermöglicht den Vergleich differenzierter Anwendungen von Ein- und Ausgabegeräten.

HfG Design Campus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der HfG Design Campus ist ein Schnupperstudium, das seit 2007 besteht. Dabei gewährt die Hochschule Schülern praxisnahe Einblicke in den Hochschulalltag und eine Berufsorientierung.[12] Nach dem es zunächst in den Sommerferien angeboten wurde, findet das Schnupperstudium seit 2018 in den Pfingst- und in den Herbstferien statt.[13]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Klein: Die Staatliche Höhere Fachschule für Edelmetall-Industrie, Schwäb. Gmünd, Hrsg. aus Anlass d. 150jähr. Jubiläums d. Fachschule Gmünd im Juli 1926. Gmünder Kunst Band 5, Schwäbisch Gmünd 1926.
  • Alfred Lutz: Fachhochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. In: einhorn Jahrbuch Schwäbisch Gmünd 1980. eihorn, Schwäbisch Gmünd 1981, ISBN 3-921703-30-1, S. 225ff.
  • Alfred Lutz: Fachhochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. In: einhorn Jahrbuch Schwäbisch Gmünd 1981. eihorn, Schwäbisch Gmünd 1981, ISBN 3-921703-40-9, S. 236ff.
  • Harald Stetzer, Gabriele N. Reichert, Thomas Rurik: Gestaltung im Projekt der Moderne: Entwicklung und Orientierung der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Stuttgart 1997, ISBN 3-929638-07-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.hfg-gmuend.de/rektorat.html
  2. Statistische Berichte Baden-Württemberg, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Artikel-Nr. 3234 15001 B III 1 - j/15, Unterricht und Bildung vom 1. September 2015 (Memento vom 7. Oktober 2015 im Internet Archive) auf www.statistik.baden-wuerttemberg.de (pdf)
  3. Harald Stetzer, Gabriele N. Reichert, Thomas Rurik: Gestaltung im Projekt der Moderne. Stuttgart 1997, S. 14.
  4. Harald Stetzer, Gabriele N. Reichert, Thomas Rurik: Gestaltung im Projekt der Moderne. Stuttgart 1997, ISBN 3-929638-07-X, S. 15.
  5. Stadt Schwäbisch Gmünd, Kultur- und Informationsamt: Design aus Schwäbisch Gmünd. Hrsg.: Stadt Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd 1990, S. 12.
  6. Stadt Schwäbisch Gmünd, Kultur- und Informationsamt: Design aus Schwäbisch Gmünd. Schwäbisch Gmünd 1990, S. 12.
  7. Der Neubau auf dem Gamundia-Areal ist bezogen. In: http://www.schwaebische-post.de/files/sonderthemen/2014-12-05_0000-00-00_Hochschulreport%202014_sp_gt.pdf. 12. Mai 2015, abgerufen am 4. Juni 2018.
  8. Richard Strobel, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Band 4: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt, Ortsteile. Deutscher Kunstverlag, München 2003; ISBN 3-422-06381-1, S. 237–244
  9. Gerettet: Von 2010 bis 2014 ist die HfG im GündTech und im Zapp untergebracht. land sagt Sanierung in einem Zug zu. Artikel vom 15. Dezember 2009 auf remszeitung.de
  10. HfG feiert Rückkehr. Abgerufen am 4. Juni 2018.
  11. Hochschulgeschichte. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  12. HfG Design Campus 2017. Abgerufen am 9. Juni 2017.
  13. Schnupperstudium Design Campus. Abgerufen am 4. Juni 2018.

Koordinaten: 48° 47′ 35″ N, 9° 47′ 37″ O