Rainer Mausfeld

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rainer Mausfeld (* 22. Dezember 1949 in Iserlohn) ist ein deutscher Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel. Seine Schwerpunkte sind Wahrnehmungspsychologie und Kognitionswissenschaft.

Leben und Universitätslaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausfeld studierte von 1969 bis 1979 Psychologie, Mathematik und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und Mathematische Psychologie an der Universität Nijmegen. Anschließend war er bis 1981 Referent am Institut für Test- und Begabungsforschung der Studienstiftung des deutschen Volkes in Bonn. 1984 promovierte Mausfeld an der Universität Bonn zur Fechner-Skalierung. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Prinzipien der Konstruktion psychophysikalischer Diskriminationsskalen. 1987 wurde er Visiting Research Professor an der UC Irvine. 1990 wurde Mausfeld in Bonn mit Forschungsarbeiten vor allem zur Wahrnehmungspsychologie habilitiert und nahm 1992 eine Professur für Allgemeine Psychologie an der Universität Mannheim an. 1993 wechselte er an die Universität Kiel.[1]

2004 wurde er zum Mitglied der Sektion Psychologie und Kognitionswissenschaft der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[2]

Mausfeld lebt in Dänisch-Nienhof und ist mit der Diplom-Psychologin und Psychoanalytikerin Gisela Bergmann-Mausfeld verheiratet.[1][3]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausfeld forscht schwerpunktmäßig zur Wahrnehmungspsychologie und arbeitete auch zu den theoretischen Grundlagen der experimentellen und der verstehenden Psychologie. Weiterhin befasst er sich mit der Rivalität von Kognitionspsychologie und kognitiven Neurowissenschaften in der Kognitionswissenschaft. Ein weiteres Interessensgebiet ist die Ideengeschichte der Naturwissenschaften.

Ein Hauptproblem des Verhältnisses von Psychologie und Biologie sieht er im neurologischen Neo-Reduktionismus.[4] Die Besonderheit des Geistigen macht er im Gegensatz zu biologistischen Ansätzen unter anderem in der intrinsischen Multiperspektivität des Geistes aus.[5]

Mausfeld leitete unter anderem das DFG-Projekt Farbkonstanz und war 1995 bis 1996 Leiter einer internationalen Forschungsgruppe am Zentrum für Interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld.

Seit 2009 publiziert Mausfeld zudem zu Anwendungsthemen der Psychologie, etwa zur Weißen Folter.[6]

Schwerpunkte und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Farbwahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Mausfeld bildet die Psyche physikalische Daten der Farbwahrnehmung nicht bloß ab. Er kritisiert eine atomistische Auffassung der Wahrnehmungspsychologie, die Wahrnehmungen aus dem Zusammenwirken einfacher Faktoren erklärt („Meßinstrumentkonzeption der Wahrnehmung“). Entscheidend für die Einzelheiten der Farbwahrnehmung sei vielmehr der Gesamtzusammenhang der visuellen Wahrnehmung. Die Sinnesempfindung (sensation) ist nach Darstellung Mausfelds immer auch Wahrnehmung im Sinne von Perzeption. Die Sinne seien Werkzeuge des Geistes.[7]

Natur und Geist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Mausfeld genügt die Kenntnis neuronaler Verschaltung und Aktivität nicht, um Bewusstsein und Denkvorgänge zu erklären. Schon das Verhalten vergleichsweise unterkomplexer Lebewesen wie Nematoden könne nicht aus der Neuronenaktivität erklärt werden. Die Beziehung zwischen Natur und Geist muss nach Mausfelds Auffassung daher unterhalb der neuronalen Ebene im Physikalischen liegen. Die Problematik der Erkenntnis dieser Zusammenhänge zeige sich darin, dass uns die Natur rätselhafter sei als unser Bewusstsein. Das Besondere des Bewusstseins sieht Mausfeld in der Einfachheit und Ganzheit des subjektiven Erlebens, das sich dem Psychologen jedoch aber als komplexes Zusammenwirken unbewusster Faktoren enthüllt. Aus dem komplexen Zusammenwirken unterschiedlichster Wirkgrößen ergebe sich die „intrinsische Multiperspektivität“ des Denkens, das dem Menschen nach Mausfeld erst die Möglichkeiten zu Denk- und Handlungsalternativen eröffnet.[8]

Weiße Folter und Verantwortung der Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausfeld stellt in seiner Arbeit dar, welchen Anteil Psychologen an der Entwicklung, Anwendung und Rechtfertigung moderner Methoden der Weißen Folter haben. Diese ziele nicht, wie behauptet werde, auf Informationsgewinnung, sondern auf die Brechung des Willens, Disziplinierung, Demütigung und Erniedrigung ihrer Opfer. Mausfeld definiert am Beispiel der Folterforschung ethische und juristische Prinzipien und Grenzen wissenschaftlicher Arbeit.[6][9][10]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lebenslauf Rainer Mausfeld, leopoldina.org, abgerufen am 27. Februar 2017.
  2. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Rainer Mausfeld (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 18. Juli 2016.
  3. Mitgliederverzeichnis. Abgerufen am 24. Februar 2017 (deutsch).
  4. Mausfeld, R. (2010): Psychologie, Biologie, kognitive Neurowissenschaften. Zur gegenwärtigen Dominanz neuroreduktionistischer Positionen und zu ihren stillschweigenden Grundannahmen. Psychologische Rundschau, 61(4), 180-190.
  5. Mausfeld, R. (2010). Intrinsic multiperspectivity: On the architectural foundations of a distinctive mental capacity. In P. A. Frensch & R. Schwarzer (Eds.), Cognition and neuropsychology: International perspectives on psychological science, Vol. 1 (pp. 95–116). London: Psychology Press
  6. a b R. Mausfeld (2009): Psychologie, ,weiße Folter‘ und die Verantwortlichkeit von Wissenschaftlern (PDF), Psychologische Rundschau, 60 (4), 229–240, Hogrefe Verlag Göttingen.
  7. Mausfeld, R. (2005). Wahrnehmungspsychologie: Geschichte und Ansätze. In Funke, J. & French, P. (Hrsg.) (2005). Handwörterbuch Allgemeine Psychologie: Kognition (pp. 97-107). Göttingen: Hogrefe.
  8. Psychologie, Biologie, kognitive Neurowissenschaften Zur gegenwärtigen Dominanz neuroreduktionistischer Positionen und zu ihren stillschweigenden Grundannahmen. Psychologische Rundschau, 61 (4), 180–190, Hogrefe Verlag Göttingen 2010.
  9. Rainer Mausfeld: Anti-Terrorkampf: Wissenschaftler profilieren sich als Folterknechte. In: Die Zeit. 15. Juli 2009, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 22. Februar 2017]).
  10. Jana Hauschild: Wie US-Forscher der CIA halfen: Die Folter-Psychologen. Abgerufen am 22. Februar 2017.