Randstad Holding

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RANDSTAD HOLDING nv
Randstad Logo.svg
Rechtsform Naamloze Vennootschap
ISIN NL0000379121
Gründung 1960
Sitz Diemen, Niederlande
Leitung Jacques van den Broek, Vorstandsvorsitzender[1]
Mitarbeiter 29.300 (2012)[2]
Umsatz 17,1 Mrd (2012)[2]
Branche Personaldienstleistung
Website randstad.com

Die RANDSTAD HOLDING nv ist ein internationaler Personaldienstleister mit Sitz in Diemen bei Amsterdam. Der Name geht auf das gleichnamige Ballungsgebiet im Westen der Niederlande zurück, wo das Unternehmen gegründet wurde. Randstad ist heute in über 40 Ländern[3] mit 4.500 Niederlassungen vertreten, darunter auch in Deutschland mit der Randstad Deutschland GmbH & Co. KG.[2]

Im Jahr 2013 erzielte der Konzern mit rund 28.000 internen Mitarbeitern einen Umsatz von 16,7 Milliarden Euro. Damit ist die Randstad Holding der zweitgrößte Personaldienstleister weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

Filiale von Randstad

Randstad wurde 1960 von den Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Amsterdam, Frits Goldschmeding, und Ger Daleboudt gegründet. Frits Goldschmeding hatte eine Doktorarbeit in den Niederlanden über das Phänomen der Zeitarbeit geschrieben, die im Jahr 1960 kaum existent war. Die Arbeit geht darauf ein, dass die Unternehmen in Spitzenzeiten sich relativ leicht zusätzliche Ausrüstung und Gebäude beschaffen können, nicht aber Arbeitnehmer für einen befristeten Zeitraum. Deshalb haben Unternehmen in Zeiten schlechter Auslastung zu wenig Arbeit für ihre Mitarbeiter, in Zeiten hoher Auslastung deren zu wenig. Nach Goldschmeding können Arbeitgeber in einem flexiblen Arbeitsmarkt die Arbeitnehmer leichter bewegen, den Arbeitsplatz zu wechseln und somit neue Erfahrungen zu gewinnen.

Was als Arbeitsthese begann, führte zu dem Plan, zusammen mit dem Kommilitonen Ger Daleboudt eine Agentur zu starten. Die ersten Werbeprospekte wurden auf dem Dachboden in der Heimat Goldschmedings zu Sloterkade in Amsterdam erstellt. Als Name wurde „Uitzendbureau Amstelveen“ gewählt. Damit war der Grundstein für den zukünftigen Erfolg des Unternehmens gelegt.

Die Wirtschaft befand sich in den sechziger Jahren in einem Aufwärtstrend, es gab eine starke Nachfrage nach Arbeitskräften. Es bekamen vermehrt verheiratete Frauen Zugang zum Arbeitsmarkt. Viele begannen als Schreib- oder Bürokräfte. In den ersten Jahren lieh „Uitzendbureau Amstelveen“ insbesondere Zeitarbeiter in die Versicherungsbranche, Banken und das Gesundheitswesen aus.

Nach Goldschmeding und Daleboudt ihr Studium 1963 beendet hatten, eröffneten ihr erstes "richtiges" Büro in der Nähe des Vondelparks in Amsterdam.

Der Name Randstad[Bearbeiten]

Im Jahr 1963 eröffnete die Agentur Büros in Leiden und Rotterdam. Weil der Name „Uitzendbureau Amstelveen“ nicht mehr schlüssig war, veränderten die Gründer auf den Rat eines Marketing-Spezialisten den Namen in „Randstad“. Damals dachten Goldschmeding und Daleboudt noch, dass der Randstad (das urbanisierte Gebiet zwischen Amsterdam, Utrecht, Den Haag und Rotterdam) ihr maximales Tätigkeitsfeld wird.

Um auch bei steigenden Umsätzen weiterhin am Markt zu bestehen, brauchte das Unternehmen schnell zusätzliches Kapital. Dies geschah durch ein Darlehen eines erfolgreichen Unternehmers und die Ausgabe von Aktien an Freunde und die Familie. Mit dieser Kapitalzuführung begann das Wachstum.

Das Logo Randstad[Bearbeiten]

In den ersten Jahren hatte sich die Zeitarbeitsbranche stark mit Vorurteilen auseinanderzusetzen. Sie wurde häufig mit Vorwürfen verbunden, mit der Vermittlung zwar Geld zu verdienen, nicht aber die fälligen Sozialabgaben und Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen. Randstad bemühte sich, diese Vorurteile zu widerlegen und unterstrich, dass die Zeitarbeitsbranche besser funktioniert, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertrauensvoll zusammenarbeiten. Obwohl Randstad meist sehr gut ausgebildetes Personal zur Verfügung stellt, wollte Goldschmeding ein neues Logo entwerfen, um das Bild des Unternehmens zu verbessern. Das Logo wurde vom Designer Ben Bos Total Design entworfen und ist noch im Einsatz.

1970–1980 Suche nach Anerkennung[Bearbeiten]

Durch die Aufnahme eines Kredits der AMRO Bank zur Generierung weiteren Wachstums bezog Randstad im Jahr 1970 eine neue Zentrale an der AJ Ernstraat in Amsterdam. Aus allen Bereichen wurden der Zentrale Arbeitsaufträge zugeführt. Um diese zu bewältigen, wurde der erste Computer bei Randstad installiert, der die Größe eines großen Konferenzraums hatte.

Während sich das Unternehmen bisher in erster Linie auf die Ausleihung von Schreibkräften, Buchhaltern, kaufmännische Angestellten und Sekretärinnen konzentriert hatte, ging Randstad ab 1973 zu einem breiteren Ansatz über. Es wurden seither Arbeitskräfte aus allen Berufsgruppen vermittelt, vom medizinischen Bereich bis zur Industrie.

Holding[Bearbeiten]

Ende der 1970er Jahre beschränkt sich Randstad nicht mehr nur auf die Vermittlung von Arbeitskräften. Es wurden neue Bereiche ins Leben gerufen u.a. auch für Reinigung und Sicherheit. Im Jahr 1978 wurde daher die „Randstad Holding NV“ gegründet, die alle Unternehmensbereiche umfasst. In diesem Zusammenhang wählte Randstad jetzt einen größeren Firmensitz in [Diemen], für den im Jahr 1977 der Grundstein gelegt wurde.

1980–1990: Wachstum und Börsengang[Bearbeiten]

Der Zeitraum 1980–1990 beginnt mit einer Rezession. In der Wirtschaft werden Arbeitsplätze abgebaut, was sich auf die Vermittlungsmöglichkeiten von Randstad einschränkend auswirkt.

In Erwartung des Anziehens der Wirtschaft legt Randstad den Fokus mehr auf Wachstum statt auf Kostenreduktion. Innerhalb kurzer Zeit vermelden viele niederländische Niederlassungen jedoch wieder Wachstum.

Tempo-Team[Bearbeiten]

Der Wettbewerber Tempo-Team ist über die Rezession weniger gut hinweggekommen und suchte Ende 1982 nach einem übernehmenden Konzern. Randstad kaufte Tempo-Team für 125.000 € und verpflichtete sich, einen Großteil der Schulden zurückzuzahlen. Randstad hat von da an eine zweite Marke auf dem gleichen Markt. Tempo-Team wurde als bewusst unterschiedliche Markt zu Randstad aufgestellt: Der Schwerpunkt lag auf älteren Arbeitnehmern mit einer praktischen Veranlagung.

Tarifvertrag für Zeitarbeitnehmer[Bearbeiten]

Die Rezession hatte ein zweites Ergebnis für Randstad: Während der Wirtschaftskrise sahen die Arbeitgeber eine Verbreitung von befristeten Arbeitsverträgen als günstig an. Die Gewerkschaften erkannten, dass der Arbeitsmarkt flexibler werden musste. Darüber hinaus wurde deutlich, dass die Zeitarbeit für viele Menschen ein Sprungbrett für eine Festanstellung sein konnte. Im Jahr 1986 wurde ein Tarifvertrag für die fest angestellten Mitarbeiter und im Jahr 1987 ein Tarifvertrag für alle Leiharbeitnehmer im Unternehmen abgeschlossen.

Die Anerkennung[Bearbeiten]

Ab 1982, als die Arbeitslosigkeit in den Niederlanden stark anstieg, erkannte die neue Regierung, dass die Zeitarbeitsagenturen durchaus den arbeitssuchenden Menschen helfen konnten, wieder in Arbeit zu kommen. Randstad sieht dies für die Branche als Durchbruch. Statt als Teil des Problems wird das Unternehmen als Teil der Lösung gesehen. Bei der Feier zum 25. Jahrestag der Gründung erhält Frits Goldschmeding eine königliche Auszeichnung. Für Randstad ist dies die lang ersehnte Anerkennung.

Börsengang[Bearbeiten]

Die finanzielle Entwicklung bei Randstad war positiv. Der Umsatz stieg von 204 Millionen Euro in 1983 auf 518 Mio. im Jahr 1985. Im Jahr 1988 beginnt ein langer Prozess, der letztlich in den Börsengang am 5. Juni 1990 mündet. Für Randstad bringt dieser eine Reihe von Vorteilen: ein börsennotiertes Unternehmen hat eine größere Bekanntheit, daneben erhält das Unternehmen Zugang zu neuem Kapital, das in der Zukunft für mögliche Akquisitionen erforderlich sein könnte. Auch ist es möglich, durch ein Aktienoptionsprogramm Mitarbeiter an dem Erfolg der Randstad Aktie teilnehmen zu lassen. Die Randstad Aktie entwickelte sich zunächst nicht so gut wie erhofft, da der Einführungspreis zu hoch erschien. Ab März 1991 stieg der Aktienkurs langsam an.

1990–2000: Internationalisierung[Bearbeiten]

Nach dem Börsengang wurde der Fokus auf die Internationalisierung gelegt. Zu Beginn des Jahrzehnts ist Randstad immer noch hauptsächlich ein niederländisches Unternehmen mit Niederlassungen in Belgien, Deutschland, Frankreich und England. Zeitarbeit, Reinigung und Sicherheit sind die Hauptaktivitäten. Nur ein Viertel des Umsatzes wird von den ausländischen Geschäftsbetrieben erzeugt.

Randstad erkennt, dass große internationale Unternehmen Zeitarbeitnehmer lieber von nur einem Anbieter ausleihen. Wer sich diesen Anforderungen stellen will, muss weltweit agieren.

Am 1. April 1992 übernimmt Randstad den niederländischen Personaldienstleister „Flex“, der auch über Niederlassungen in Belgien und Frankreich verfügt. In den Niederlanden wird die Firma „Werknet“ übernommen und in Tempo-Team integriert.

USA[Bearbeiten]

Randstad beabsichtigt, in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen. Das neue Vorstandsmitglied Erik Vonk bezieht ein kleines Büro in [Atlanta] und sucht nach einem geeigneten Übernahmekandidaten. Er findet ihn in „TempForce“, einer lokalen Zeitarbeitsfirma mit zwölf Niederlassungen in Atlanta. Der Name TempForce wird in „Randstad Staffing Services“ geändert. Ende 1993 übernimmt Randstad auch die Firma „Jane Jones Enterprises“. Trotzdem beginnt das US-Wachstum verhalten: Mitte 1994 verfügt Randstad über 32 Niederlassungen in den USA mit einem Umsatz 30 Mio. Euro. Es gibt mehr als 5500 Ausleihungen von Zeitarbeitnehmern pro Tag. Das ist immer noch wenig im Vergleich zu den Umsätzen von Randstad in den Niederlanden, die im Jahr 1994 909 Mio. Euro betrugen.

Olympia[Bearbeiten]

Zu dieser Zeit unternimmt Randstad die ersten Schritte auf dem Gebiet der Sportförderung, indem sie in Atlanta als Sponsor der Olympischen Sommerspiele 1996 auftritt. Die Firma stellt 16.000 Zeitarbeiter bei den Spielen bereit. Der Bekanntheitsgrad von Randstad in der Region Atlanta steigt nach den Spielen von 15 auf 99,5 %.

Abschied von Goldschmeding[Bearbeiten]

Am 16. Mai, 1998 nimmt Frits Goldschmeding nach 38 Jahren Abschied von seiner Firma, nachdem er 65 Jahre alt geworden ist. Nach einem Jahr Auszeit wird er in den Aufsichtsrat gewählt. Sein Nachfolger wird Hans Zwarts, der die Internationalisierung weiter vorantreibt. In den USA wird die Firma „Strategix“ erworben, ein Unternehmen mit 300 Filialen. In der Schweiz wird „Life & Work“, in Spanien „Tempo Grup“ und in Deutschland „Time Power“ übernommen. Diese Übernahmen und deren langsame Integration in die Randstad-Gruppe fordern ihren Tribut. In 2000 und 2001 sinken Gewinn und Aktienkurs. Unter dem Druck der schlechten Ergebnisse verlässt Zwarts das Unternehmen.

2000–2010: Neuere Geschichte[Bearbeiten]

Im Oktober 2001 folgt Cleem Farla auf Hans Zwarts als CEO. Er sieht es als Hauptaufgabe, sich auf die alten Randstad Werte zu besinnen, um eine bessere Strategie für die Internationalisierung zu entwickeln und die Kosten deutlich senken. Das Unternehmen will Lehren aus der Vergangenheit ziehen, indem es sich stärker auf die Vermittlung von Arbeitskräften und eine bessere Zusammenführung von Kunde und Agentur konzentriert. Die neue Fokussierung auf das Kerngeschäft trägt Früchte. Im Jahr 2003 belief sich der Nettogewinn auf 77,1 Mio. €, ein Zuwachs von 36 % im Vergleich zu 2002.

Weitere Internationalisierung[Bearbeiten]

Ab 2004 wird die Globalisierung von Randstad weiter vorangetrieben. In diesem Jahr begann das Unternehmen seine Aktivitäten in Polen mit der Übernahme von „Intersource“ und „Job Net“ und wurde dort zum Marktführer. 2005 übernahm Randstad „Galilei“ in Belgien, „Gamma Dienstverlening“ in den Niederlanden und „Martin Ward Anderson“ in Großbritannien, ein Jahr später kamen u.a. „Bindan“ und „Teccon“ in Deutschland, in Indien „EmmayHR“ und „Team4U“, in China „Talent Shanghai“ hinzu. Randstad ist inzwischen der drittstärkste Wettbewerber auf dem Markt.

Übernahme von Vedior[Bearbeiten]

Am 3. Dezember 2007 kündigten die Personaldienstleister Randstad und Vedior ihren Zusammenschluss an [4]. Durch die Übernahme wird das neue Unternehmen zur Nummer zwei in der Welt (nach Adecco). Darüber hinaus ist Vedior in strategisch wichtigen Märkten vertreten, in denen Randstad bisher unterrepräsentiert ist wie Japan und Brasilien. Es gibt auch Unterschiede: Vedior hat einen dezentralen Aufbau, während Randstad mehr zentral gesteuert wird; Randstad setzt auf eine starke Marke, während Vedior 125 Beteiligungen und Tochterunternehmen hat. Doch wird aus den ehemaligen Konkurrenten letztlich ein erfolgreiches Unternehmen.

Struktur[Bearbeiten]

Mit 68 Prozent bildete 2010 das Segment der Leiharbeit („Staffing“) den größten Anteil am Gesamtumsatz des Konzerns. Das Segment der Rekrutierung von Führungskräften („Professionals“) folgt mit 18 Prozent. Die verbleibenden 14 Prozent entfallen auf sogenannte „Inhouse Services“, bei denen Mitarbeiter von Randstad die Koordination und Betreuung der Zeitarbeitnehmer beim Kundenunternehmen vor Ort übernehmen.[5]

Kritik[Bearbeiten]

In der Sendung „Monitor“ (ARD)[6] vom 24. November 2011 wird der Umgang mit „Arbeitszeitkonten“ bei Randstad kritisiert. Entgegen dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) § 11 Abs. 4[7] wälze Randstad hier das Risiko einsatzfreier Zeiten auf den Mitarbeiter ab.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jacques van den Broek folgt Ben Noteboom als CEO der Randstad Holding nv auf randstad.de
  2. a b c Randstad International Geschäftsdaten zum Unternehmen aus 2012
  3. Über Randstad Eintrag auf randstad.de
  4. „history“ auf randstad.com
  5. Geschäftsbericht 2010 Abgerufen am 22. März 2011 (PDF; 5,2 MB)
  6. Ausweichmanöver: Die neuen Tricks der Zeitarbeitsbranche Sendung vom 24. November 2011
  7. § 11 Abs. 4 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz - AÜG