Veolia Environnement

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Koordinaten: 48° 52′ 12,6″ N, 2° 17′ 31,8″ O

Veolia Environnement S.A.

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN FR0000124141
Gründung 1853
Sitz Paris, FrankreichFrankreich Frankreich
Leitung

Antoine Frérot,[1] Präsident

Mitarbeiterzahl

174.000 (2015)

Umsatz 24,96 Mrd. Euro (2015)[2]
Branche Wasser/Abwasser, Abfallentsorgung, Energie[3]
Website www.veolia.com

Veolia Environnement S.A. ist ein börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Paris und den Geschäftsschwerpunkten in den Bereichen Wasser/Abwasser, Abfallentsorgung und Energieversorgung, bis 2018 auch Verkehr. Das Unternehmen beschäftigt rund 174.000 Mitarbeiter.

In Deutschland sind die Aktivitäten in den Bereichen Entsorgungsmanagement, Wassermanagement und Energiedienstleistungen in der Veolia Deutschland GmbH mit Sitz in Berlin gebündelt.

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Firmensitz von Veolia in der Avenue Kléber, Paris

Veolia ist als Dienstleister für Kommunen in öffentlich-privaten Partnerschaften und für die Industrie tätig. Das Unternehmen beschäftigt weltweit etwa 179.000 Mitarbeiter in 74 Ländern. Am intensivsten ist das Unternehmen in Frankreich, Großbritannien und in den Vereinigten Staaten tätig.[4][5]

Wasser und Abwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veolia Water ist in 67 Ländern im Wasser- und Abwasserbereich tätig. 2009 erwirtschaftete das Unternehmen mit 96.260 Mitarbeitern einen Umsatz von 12,128 Mrd. Euro. Veolia versorgt weltweit 100 Mio. Menschen mit Trinkwasser, entsorgt das Abwasser von 71 Mio. Menschen[6] und betreut 40.000 Industriekunden. Über die deutsche Tochtergesellschaft Veolia Wasser mit Sitz in Berlin ist das Unternehmen in kommunale Partnerschaften eingebunden und hält Beteiligungen an Stadtwerken. In Deutschland versorgt Veolia rund 4,59 Mio. Einwohner mit Trinkwasser und entsorgt das Abwasser für 4,97 Mio. Einwohner.

Abfallentsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Abfallwirtschaft ist Veolia in 35 Ländern aktiv und erwirtschaftete 2009 mit 85.600 Mitarbeiter einen Umsatz von rund 9 Mrd. Euro. Veolia Environmental Services betreibt die Abfallentsorgung für 45,4 Mio. Einwohner und ist Dienstleister für 749.058 Kunden im Industrie- und Dienstleistungssektor. In Deutschland ist die Veolia Umweltservice GmbH Anbieter von Dienstleistungen in den Bereichen Entsorgung inklusive Industrie-Reinigung, Rohr- und Kanalservice, Gebäude- und Industrie-Service, Technischer Service sowie Entsorgungslogistik.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veolia Energy ist mit rund 52.500 Mitarbeitern in 38 Ländern vertreten und erwirtschaftete 2009 einen Umsatz von rund 7,1 Mrd. Euro. Veolia Energy betreut 40.000 Industrie-, Gewerbe- und Wohnungswirtschaftskunden und betreibt 102.700 dezentrale Anlagen sowie 700 städtische und objektbezogene Versorgungsnetze für Fernwärme bzw. -kälte. Veolia Energy betreibt Kraftwerkskapazitäten mit 83.400 MW Wärmekapazität und 6.266 MW Stromerzeugungskapazitäten. 4.025 MW beträgt die Leistung durch Kraft-Wärme-Kopplung. Die Électricité de France hält 34 % der Anteile an Veolia Energy.

Fondation Veolia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fondation Veolia unterhält in Frankreich und im Ausland Non-Profit-Projekte mit Schwerpunkt auf Nachhaltiger Entwicklung. Die Hauptbetätigungsfelder dabei sind Solidarität, Berufseingliederung und Umwelt. Die Besonderheit ist es, jedes Projekt durch einen Paten zu unterstützen und dabei das betriebsinterne Know How zu nutzen und es den Partnern, Gesellschaften und Institutionen zur Verfügung zu stellen. Seit der Gründung 2004 hat die Stiftung bei mehr als 1000 Projekten weltweit geholfen. Die Stiftung unterstützt Projekte finanziell und personell durch Freiwillige und hilft bei humanitären Einsätzen.

2009 hat die Stiftung nach den Beben in Indonesien geholfen, unterstützte die Flüchtlinge im Kongo und war im Einsatz gegen die Choleraepidemie in Simbabwe. Nach dem Erdbeben in Haiti im Januar 2010 hat die Stiftung 20 Tonnen Notfallhilfe (vor allem zur Trinkwasseraufbereitung) in einem Flugzeug des roten Kreuzes geschickt, und Experten aus dem Unternehmen, die mit Hilfe von Freiwilligen die Wasserversorgung organisiert haben.

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anteil Anteilseigner Branche Sitz
62,3 % Streubesitz
8,6 % Caisse des Dépôts et Consignations Staatliches Finanzinstitut Paris
10,0 % Individuelle Investoren
5,7 % Groupe Industriel Marcel Dassault Flugzeughersteller Paris
5,2 % Groupama Versicherungen Paris
5,0 % VELO Investment Staatsfonds Katar
2,5 % Eigene Aktien
1,1 % Mitarbeiter

Stand: 31. Dezember 2014[7][8][9]

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veolia Environnement geht aus der 1853 von Kaiser Napoleon III. in Paris gegründeten Wasserversorgungsgesellschaft Compagnie Générale des Eaux (CGE) hervor. Die CGE übernahm im Laufe der Zeit viele, z. T. kleinere Firmen und wurde auch in anderen Branchen tätig, namentlich Abfallwirtschaft, Energie, Verkehr, Bau und Immobilien, aber auch Telekommunikation (SFR) und Medien (Canal+, Havas). Prägende Persönlichkeiten in dieser Entwicklung waren die Vorstandsvorsitzenden Guy Dejouany (1976–1996) und Jean-Marie Messier (1996–2002).

1998 änderte CGE den Namen in Vivendi, nur eine französische Tochtergesellschaft behielt die Firmenbezeichnung Compagnie Générale des Eaux. Vivendis Wasser-, Energie-, Abfall- und Verkehrssparte wurde 1999/2000 zu Vivendi Environnement zusammengefasst, die Telekom- und Mediensparte hingegen zu Vivendi Communication. 2002 reduzierte Vivendi seine Beteiligungen an Vivendi Environnement, das im Folgejahr als eigenständiges Unternehmen in Veolia Environnement umbenannt wurde. Der ehemalige Hauptaktionär Vivendi ist seit Juli 2006 nicht mehr an Veolia beteiligt.[10]

Wasser- und Abwasserbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserversorgung und Abwasser in Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschäftsfeld des Unternehmens war nach der Gründung am 14. Dezember 1853 auf die Wasserversorgung der Städte Paris und Lyon ausgerichtet. Es erhielt 1854 eine Konzession auf 100 Jahre, um die Stadt Lyon mit Trinkwasser zu versorgen, und 1861 eine weitere Konzession auf 50 Jahre für die Versorgung der Stadt Paris. Seit 1884 ist das Unternehmen zum ersten Mal, in Reims, für die Abwasseraufbereitung einer Stadt verantwortlich.

Wasserversorgung und Abwasser in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist das Unternehmen seit 1991 als Dienstleister im Wasser- und Abwasserbereich tätig. Mit der OEWA Wasser und Abwasser GmbH[11] übernahm die CGE mehrere Beteiligungen in verschiedenen Städten und Gemeinden der neuen Bundesländer, sowie in Niedersachsen und Hessen. 1999 beauftragte die Stadt Berlin Vivendi, RWE und Allianz mit der Trinkwassergewinnung und -versorgung sowie dem Betrieb des Abwassernetzes und der Aufbereitung des Abwassers.[12][13] In den folgenden Jahren kamen Beteiligungen an der Stadtwerke Görlitz AG, den Stadtwerken Weißwasser und der Braunschweiger Versorgungs-AG hinzu. Das Land Berlin hat Ende 2013 die Anteile von Veolia an den Berliner Wasserbetrieben (BWB) zurückgekauft und damit die Rekommunalisierung der BWB abgeschlossen.

Wasserversorgung und Abwasser in weiteren Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1860 wurde die CGE von Venedig beauftragt, die Stadt mit Wasser zu versorgen. In den folgenden drei Jahren kamen Istanbul und Porto hinzu. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erweiterte das Unternehmen sein Geschäftsfeld: 1958 erhielt es den Auftrag, Wartungsarbeiten für nordamerikanische Stützpunkte der NATO in Frankreich zu leisten.

Abfallentsorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1967 betreibt die CGE Müllverbrennungsanlagen. Acht Jahre später gründete sie die Firma SARP Industries, die auf die Entsorgung gefährlicher Abfälle spezialisiert ist, und betrieb in der Folgezeit das erste europäische Zentrum für flüssige Sonderabfälle. Mitte der 1980er Jahre begann die CGE mit dem Aufbau der ersten Recyclinghöfe. Die 1912 gegründete Firma Compagnie Générale d’entreprises automobiles (CGEA), die seit 1919 den Hausmüll in Paris entsorgt, fusionierte 1980 mit der CGE. Zehn Jahre später übernahm sie mit der Gruppe Soulier einen der größten europäischen Papier- und Kunststoffrecycler. 2007 fusionierte Veolia Umweltservice mit dem deutschen Abfallbehälterproduzent Sulo. Veolia zählt seit 1994 zu den führenden europäischen Unternehmen im Bereich Umweltservice.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die französischen Energieunternehmen Chauffage Service (gegründet 1935) und die Compagnie Générale de Chauffe fusionierten 1967 mit der CGE. Nach der Ölkrise 1973 begann die CGE Konzepte für die Nutzung von Erdwärme und Energierückgewinnung zu entwickeln. 2009 erhielt Veolia von der Stadt Hamburg den Zuschlag, die östliche HafenCity mit Wärme zu versorgen.[14]

Transport- und Verkehrswesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1980 übernahm die CGE die 1911 gegründete Compagnie générale d’entreprises automobiles (CGEA) und die Compagnie générale française des transports et entreprises (CGFTE), die wiederum aus der 1875 gegründeten Compagnie générale française de tramways (CGFT) hervorgegangen war. Die CGFT hatte Ende des 19. Jahrhunderts nach den stadtplanerischen Konzepten von Georges-Eugène Baron Haussmann mit der Entwicklung der Straßenbahn den öffentlichen Stadtverkehr revolutioniert. Die Straßenbahn löste damals Pferdeomnibusse als Transportmittel ab. In Le Havre, Nancy und Marseille betrieb die CGFT die ersten Straßenbahnlinien. Die Verkehrssparte der CGE wurde 1997 zu CGEA Transport zusammengefasst, firmierte ab 2000 als Connex und ab 2005 als Veolia Transport

Seit der mehrheitlichen Übernahme des privaten Bahnunternehmens Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEGV) 1997, war CGEA/Vivendi/Veolia auch im deutschen Transport- und Verkehrswesen tätig. Nach der vollständigen Übernahme der DEGV im Jahr 2000 wurde diese in Connex Verkehr und 2006 in Veolia Verkehr umbenannt. In dieser Zeit erweiterte Veolia Verkehr sein Angebot auf Regional-, Stadt- und Güterverkehr in Deutschland.[15]

Am 3. März 2011 fusionierte Veolia Transport mit dem französischen Konkurrenten Transdev zu Veolia Transdev; Veolia hielt zunächst einen 50-%-Anteil an dem fusionierten Unternehmen;[16] im Oktober 2012 wurde bekannt, dass der Mitaktionär, die staatliche Caisse des Dépôts et Consignations, im Rahmen einer Kapitalerhöhung ihren Anteil auf 60 % erhöhen und den Anteil von Veolia somit auf 40 % verwässern werde. Folglich erfolgte im März 2013 die Umfirmierung von Veolia Transdev in Transdev. Im Oktober 2018 zog sich Veolia ganz aus Transdev zurück und verkaufte ihren verbliebenen 30-%-Anteil an die deutsche Rethmann-Gruppe.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tara Patel: Chairman Proglio Steps Down to Focus on Running EDF. In: Bloomberg Businessweek. Capital IQ, 12. Dezember 2010, archiviert vom Original am 9. Februar 2011; abgerufen am 9. Februar 2011 (englisch).
  2. [1] auf Veolia Environnement Finance area
  3. Wissenschaft und Technologie im Dienste einer nachhaltigen Entwicklung. Wissenschaft: einige Beispiele. France Diplomatie, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011.
  4. Rüdiger Köhn: Siemens will Hochgeschwindigkeitszüge für Amerika bauen. In: faz.net. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, 30. Januar 2011, archiviert vom Original am 9. Februar 2011; abgerufen am 9. Februar 2011.
  5. The Global 2000. In: forbes.com. Forbes, 21. April 2010, archiviert vom Original am 9. Februar 2011; abgerufen am 9. Februar 2011 (englisch).
  6. Veolia Water: Key Figures 2010. Abgerufen am 9. August 2011.
  7. Capital Structur. Shareholders. Veolia Environnement, archiviert vom Original am 7. Februar 2011; abgerufen am 7. Februar 2011 (englisch).
  8. Veolia Environnement filed by Qatari Diar Real Estate Investment Co. Information to be included in statements filed pursuant to § 240.13d-1(b), (c), and (d) and amendments thereto filed. In: Schedule 13G. Bank of New York, 23. April 2010, S. 10, archiviert vom Original am 7. Februar 2011; abgerufen am 7. Februar 2011 (XBRL, englisch).
  9. Tara Patel: Qatari Diar Acquires 5 % Stake in Veolia, Gets Seat on Board. In: Bloomberg Businessweek. Capital IQ, 16. April 2010, archiviert vom Original am 7. Februar 2011; abgerufen am 7. Februar 2011 (englisch).
  10. dpa-afx: Vivendi trennt sich komplett von Veolia. In: Handelsblatt Online. Handelsblatt GmbH, 6. Juli 2006, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011.
  11. Unternehmensprofil. OEWA Wasser und Abwasser GmbH, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011.
  12. Verordnung (EWG) Nr. 4064/89. Fall Nr. COMP/M.1633 – RWE Umwelt, Vivendi / Berliner Wasserbetriebe. Europäische Gemeinschaft, Luxemburg, 13. September 1999, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011 (PDF; 31 kB).
  13. Konsortialvertrag. Das Land Berlin, 14. Juni 1999, S. 175, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011 (PDF, französisch).
  14. Michael Klessmann: Aus Fernwärme wird Nahwärme. Frankreich vor Schweden. In: hafencitynews.de. 29. September 2009, archiviert vom Original am 8. Februar 2011; abgerufen am 8. Februar 2011.
  15. Unternehmensgeschichte. Veolia Environnement, archiviert vom Original am 1. Februar 2011; abgerufen am 1. Februar 2011.
  16. veoliatransdev.com: Naissance de Veolia Transdev. Abgerufen am 12. April 2011.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Veolia Environnement – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien