Selbitz (Oberfranken)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Selbitz
Selbitz (Oberfranken)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Selbitz hervorgehoben
Koordinaten: 50° 19′ N, 11° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Hof
Höhe: 520 m ü. NHN
Fläche: 27,75 km2
Einwohner: 4304 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner je km2
Postleitzahl: 95152
Vorwahl: 09280
Kfz-Kennzeichen: HO, MÜB, NAI, REH, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 75 171
Stadtgliederung: 17 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Bahnhofstraße 2
95152 Selbitz
Webpräsenz: www.selbitz.de
Bürgermeister: Stefan Busch (Parteifreie Wähler)
Lage der Stadt Selbitz im Landkreis Hof
Schwarzenbach an der SaaleZell im FichtelgebirgeWeißdorfTrogen (Oberfranken)TöpenStammbachSparneckSelbitz (Oberfranken)Schwarzenbach am WaldSchauensteinRehauRegnitzlosauOberkotzauNailaMünchbergLichtenberg (Oberfranken)KonradsreuthKöditzIssigauHelmbrechtsGeroldsgrünGattendorf (Oberfranken)FeilitzschDöhlauBerg (Oberfranken)Bad StebenLandkreis KronachHof (Saale)Landkreis Wunsiedel im FichtelgebirgeLandkreis KulmbachLandkreis BayreuthMartinlamitzer Forst-NordGeroldsgrüner ForstGerlaser ForstForst Schwarzenbach a.WaldSachsenThüringenTschechienKarte
Über dieses Bild

Selbitz ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Hof und liegt im Frankenwald etwa 14 km westlich der Kreisstadt Hof.

Stadtmitte Selbitz
Schloss Neuhaus

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt am gleichnamigen Fluss Selbitz, der den Ort von Süd nach Nord durchfließt. Im Stadtgebiet mündet auch der aus südöstlicher Richtung kommende Rothenbach. Selbitz liegt im Bayerischen Vogtland und wird aufgrund seiner Lage am östlichen Rand des Naturparks Frankenwald auch als das „Tor zum Frankenwald“ bezeichnet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angrenzende Gemeinden sind:

Berg Köditz
Naila Nachbargemeinden Hof
Schauenstein Leupoldsgrün

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Selbitz ist in 17 Stadtteile eingeteilt[2] (in Klammern Einwohnerzahl; Stand: 1. Januar 2007):

  • Sellanger (104)
  • Staudenhäuser
  • Stegenwaldhaus (70)
  • Wachholderbusch (48)
  • Weidesgrün (197)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erstbeleg des Siedlungsnamens als Seilbitz stammt von 1358.[3] Selbitz war seit 1388 im Besitz der Burggrafen von Nürnberg, die den Ort häufig als Lehen weitergaben. Dem späteren Amt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth wurde am 16. Mai 1783 das Marktrecht verliehen. Selbitz besaß wichtige magistratische Eigenrechte. Die Marktgemeinde fiel im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und kam 1810 zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Am 26. Oktober 1954 wurde dem Markt Selbitz die Bezeichnung Stadt verliehen.

Dreißigjähriger Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich Markgraf Christian in den ersten 13 Jahren des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) neutral verhielt, blieb die Gegend um Selbitz weitgehend vom Krieg verschont. 1632 schloss er ein Bündnis mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf, wodurch der Krieg auch nach Selbitz kam. Am 11. Oktober 1632 wurde die Stadtkirche von Kroaten in Brand gesteckt, das Pfarrhaus, die Schule und weitere Wohnhäuser und Scheunen wurden ebenfalls zerstört. Außerdem gingen dabei die Kirchenbücher verloren.[4]

Bierkrieg zwischen Naila und Selbitz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. April 1778 wurde die ehemals reußische Selbitzer Brauerei an die Nailaer bürgerliche Braugenossenschaft verkauft, ohne vorher die Bevölkerung davon in Kenntnis zu setzen. Das hatte zur Folge, dass auch Bier aus Naila nach Selbitz geliefert werden durfte. Als am 13. April 1778 die ersten Fässer nach Selbitz gebracht werden sollten, wurde der Transport zunächst von General von Reitzenstein, Besitzer der zweiten Selbitzer Brauerei, Heinrich Beyer, Bürgermeister, und Georg Christoph Dittmar, Schöffe und Bäcker, aufgehalten, durfte aber später doch passieren, wobei ein Fass direkt ins Wirtshaus, die übrigen in einen Keller geliefert wurden. Diese wurden zwei Tage später durch den Bürgermeister und den Schöffen zerstört. Als am 24. April erneut eine Lieferung nach Selbitz unterwegs war, stoppten Beyer und Dittmar auch diese, worauf beide verhaftet wurden, aber zunächst mit Unterstützung der örtlichen Bevölkerung fliehen konnten. Am 6. Mai wurden beide zu Hause verhaftet und zur Gerichtsverhandlung nach Hof gebracht.[5] Dort wurden sie zu je sechs Wochen Gefängnis wegen Beschädigung fremden Eigentums, Befehlsverweigerung und Vergeudung von Gerstensaft verurteilt.[6]

Obwohl die Selbitzer den Prozess und damit den Bierkrieg verloren, wird bei dem seit 1834 jährlich stattfindenden „Heimat- und Wiesenfest“ [7] in Ermangelung einer eigenen Brauerei Bier aus Naila ausgeschenkt. Ebenso wird bei dem Fest seit 1959 im Anschluss an den Festzug die Gerichtsverhandlung von Kindern und Jugendlichen auf der Rathaustreppe nachgespielt (Wiesenfestspiel).

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Gebietsreform in Bayern wurden in den 1970er Jahren vier bis dahin eigenständige Gemeinden nach Selbitz (mit Föhrighaus, Hüttungshaus, Kreuzbühl, Schertlas) eingemeindet: Dörnthal (mit Hüttung, Rothenbürg, Sellanger, Staudenhäuser, Stegenwaldhaus), Neuhaus (mit Edlasmühle, Wachholderbusch) und Rodesgrün (mit Kohlbühl) am 1. April 1971[8] sowie Weidesgrün am 1. Mai 1978.[9] Außerdem wurden am 1. Juli 1976 Gebietsteile der Nachbargemeinden Köditz und Leupoldsgrün mit damals jeweils weniger als 50 Einwohnern eingegliedert.[9]

Im Zuge der Kreisgebietsreform kam der Landkreis Naila zusammen mit Selbitz am 1. Juli 1972 zum Landkreis Hof.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hallenbad Selbitz, 2018

Im Jahr 1971 wurde das städtische Hallenbad mit Sauna in Selbitz eröffnet. nach über 38 Jahren musste das Bad 2010 aus finanziellen Gründen geschlossen werden.[10] Nachdem das Gebäude noch lange Zeit als Vereinssauna diente ist im Jahr 2018 der Abriss des Gebäudes geplant.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neues Schloss

In Selbitz gab es ein Altes Schloss, das dem Fürstenhaus Reuß gehörte und 1972 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Heute existiert noch das Neue Schloss, das nach der Teilung des Rittergutes erbaut wurde und sich zunächst im Eigentum der Familie von Reitzenstein befand.

Im Ortsteil Neuhaus befindet sich das Schloss Neuhaus. Das Bauwerk wurde 1427/28 errichtet und gehörte u. a. der Familie von Waldenfels. Das Schloss befindet sich im Privatbesitz.[11]

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist belegt mit Seilbitz (1358), Selbitz (1367), Selwitz (1374), Selwicz und Selbitz (1386), Selbicz (1388), Schelwitz (1401), Selwitz (1407), Selwicz (1421) und Selbitz (ab dem 15. Jahrhundert).[3]

Die Bezeichnung stammt entweder vom Gewässernamen Želvьnica (für Schildkrötenbach), wofür das westslawische Wort Žely (für Schildkröte) als Basis diente,[3] oder vom Wort Zělwina (für die Grüne) ab.[12] Der Ortsname ist damit ein Relikt der Westslawen, die sich vor allem im 6. Jahrhundert bei einer Siedlungswelle im heutigen Oberfranken (daraufhin auch als terra slavorum bezeichnet) niederließen.[13]

Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einwohner tragen den Spitznamen Bockpfeifer, wobei diese Bezeichnung etwa in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden ist, da die Selbitzer häufig als Bettelmusikanten in der Gegend unterwegs waren und dabei eine Bockpfeife (Dudelsack) spielten.[14] Die Benennung ist häufig anzutreffen, so gibt es z. B. eine Wirtschaft,[15] einen Fanclub,[16] einen Wanderweg[17] und den Brunnen am Rathaus, deren Namensbestandteil der Bockpfeifer ist. Aber auch im Stadtwappen und im Titel des ehemaligen Heimatblattes Der Selbitzer Bockpfeifer taucht die Figur auf.

Jahr Bevölkerung
1961 5707
1970 5651
1987 4981
1995 4999
2000 4947
2005 4746
2010 4507
2015 4359

Dokumentation der Stadtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Dokumentation der Geschichte der heutigen Gemeinde Selbitz, tragen das Stadtarchiv im Rathaus und das Schulmuseum in der Grund- und Mittelschule bei. Des Weiteren wurde seit den 1950er Jahren der Selbitzer Bockpfeifer als Beilage des städtischen Bürgerblattes veröffentlicht, wobei die Vergangenheit von Selbitz, sowie Erlebnisse der Bevölkerung (laienhaft) beleuchtet werden konnten (→ Literatur).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus von Selbitz (2012)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Bürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg:

Bei der Wahl 2014 wurde in der Stichwahl Stefan Busch (PFW) zum Bürgermeister gewählt.[18][19][20]

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtratswahl 2014[21]
Wahlbeteiligung: 71,8 %
(2008: 71,0 %)
 %
40
30
20
10
0
31,7 %
28,0 %
29,4 %
10,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-1,8 %p
-6,1 %p
+8,3 %p
-0,5 %p

Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:[21]

2002 2008 2014
CSU 7 5 5
SPD 8 6 4
Parteifreie Wähler (PFW) 3 3 5
Überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜWG) 2 2 2
Summe 20 16 16

Bundestag, Landtag, Bezirkstag und Kreistag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbitz liegt bei Bundestagswahlen im Wahlkreis Hof (Wahlkreis 239), der neben dem Landkreis Hof die Stadt Hof sowie den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge umfasst. Bei der Wahl 2013 direkt gewählter Abgeordneter ist Hans-Peter Friedrich (CSU). Daneben gehören aus dem Wahlkreis auch Petra Ernstberger (SPD), Silke Launert (CSU) und Elisabeth Scharfenberg (Grüne) dem Deutschen Bundestag (631 Mitglieder) an.

Für die Landtagswahlen umfasst der Stimmkreis Hof (Stimmkreis 406), in dem Selbitz liegt, die Stadt Hof sowie den Landkreis Hof. Bei der letzten Wahl 2013 direkt gewählter Abgeordneter ist Alexander König (CSU). Zudem gehört der ehemalige Selbitzer Bürgermeister Klaus Adelt (SPD) als Listenkandidat dem Bayerischern Landtag (180 Mitglieder) an.

Der Stimmkreis für den Bezirkstag von Oberfranken (17 Mitglieder) ist mit dem Landtagsstimmkreis identisch, die Wahl findet zudem zeitgleich statt. Direkt gewählter Abgeordneter ist Eberhard Siller (CSU). Derzeit gehört kein weiterer Abgeordneter aus dem Gebiet des Stimmkreises dem Bezirkstag an.

Im Kreistag (60 Mitglieder) des Landkreises Hof (letzte Wahl 2014) ist Selbitz mit den Kreistagsabgeordneten Klaus Adelt (SPD), Christa Fickenscher und Carsten Kirschner (beide CSU) vertreten.[22]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Gespalten; vorne (heraldisch rechts) in Rot auf grünem Boden die silbern gekleidete Figur eines Dudelsackpfeifers (Bockpfeifer) mit schwarzem Dudelsack; hinten (heraldisch links) geviert von Silber und Schwarz.[23]

Geschichte: Das heutige Wappen wird seit 1977 geführt, davor hatte Selbitz ein Wappen in silbern, worauf ein schwarzes Lamm auf grünem Boden zu sehen war.[24]

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Wende 1990 wurde Pausa im sächsischen Vogtlandkreis die Partnerstadt von Selbitz. Außerdem besteht eine Partnerschaft zum gleichnamigen Ortsteil Selbitz der Stadt Kemberg im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.[25]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standort der Firma Jomos in der Garlesstraße in Selbitz (2011)

Überwiegend ist Industrie ansässig (Textil und Bekleidung, Farben und Lacke, Gewürze, Kunststoffverarbeitung, Elektrotechnik, Maschinenbau, Druckerei, Spedition, Bauwaren und Bauhandwerk), wobei die Anzahl an Firmen in den letzten Jahrzehnten abgenommen hat. Neu angesiedelt sind die Firmen Serag-Wiesner und eine Internetapotheke Einer der bekanntesten Hersteller aus Selbitz ist die Schuhfabrik Jomos. Die Stadt verfügt über ein verkehrsgünstig an den Bundesautobahnen A 9 und A 72 gelegenes Gewerbegebiet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Selbitz (2010)

Die Stadt liegt an der A 9 (Berlin-München, Ausfahrt Naila/Selbitz) und in der Nähe des Autobahndreiecks Bayerisches Vogtland von A 9 und A 72. Eine Anreise mit dem Linienflugzeug ist nicht mehr möglich, seit 2012 am nur wenige Kilometer entfernten Verkehrslandeplatz Hof-Plauen der Linienverkehr eingestellt wurde.

Selbitz wird über die Bahnstrecke Hof–Bad Steben im Schienenverkehr bedient. Neben dem Hauptort befinden sich auch in den Ortsteilen Rothenbürg und Stegenwaldhaus Haltestellen als Bedarfshalte. Der Bahnhof in Selbitz verfügt gegenwärtig über zwei Durchfahrtsgleise und ist Kreuzungsbahnhof für die ansonsten eingleisige Strecke, die im angenäherten Stundentakt befahren wird. Die Strecke Hof–Bad Steben wird seit 2011 von der Agilis-Verkehrsgesellschaft betrieben.

Früher war es über die Bahnstrecke Münchberg–Selbitz möglich, von Selbitz direkt nach Münchberg und weiter zu fahren. Im Streckenverlauf hatte neben Selbitz auch Weidesgrün einen Haltepunkt. Seit 1976 endet die Strecke von Münchberg aus in Helmbrechts. Von Selbitz aus muss über Hof gefahren werden, um mit dem Zug nach Münchberg zu gelangen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Printmedien wird die Frankenpost gelesen. Jeden Donnerstag gibt die Stadt Selbitz ihr Bürgerblatt heraus, das bei der Gemeinde und in einigen örtlichen Geschäften erhältlich ist. Regionale Fernseh- (TV Oberfranken) und Radiosender (z. B. Radio Euroherz) können empfangen werden.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch-lutherische Kirche von Selbitz mit einem für die Gegend charakteristischen Schieferdach (2009)

Der Großteil der Bevölkerung gehört der evangelisch-lutherischen Kirche an. Außerdem besitzen die evangelisch-methodistische Kirche sowie die römisch-katholische Kirche eigene Gotteshäuser. Der Friedhof befindet sich etwas außerhalb der Stadt in der Brunnenstraße, nachdem der alte Friedhof an der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche zu klein geworden war. Die Namen der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege sind auf Tafeln an der Außenseite des Gotteshauses angebracht.[26]

Selbitz ist seit 1949 Sitz der Communität Christusbruderschaft Selbitz, einer Lebensgemeinschaft innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, die im Walter-Hümmer-Haus auf dem Wildenberg ein Altenheim und eine Arztpraxis betreibt. Für verstorbene Mitglieder der Christusbruderschaft gibt es auf dem Wildenberg einen eigenen Friedhof.

Bildung und Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbitz verfügt über zwei Kindergärten, beide in evangelisch-lutherischer Trägerschaft und eine Grund- und Mittelschule (bis zum Schuljahr 2009/10 Grund- und Hauptschule; vor Ort ist zudem die Benennung Volksschule üblich).[27] Weiterführende Schulen gibt es im vier Kilometer entfernten Naila und im 14 km entfernten Hof. In jedem Semester finden mehrere Kurse der Volkshochschule in Selbitz statt.

Freizeit, Sport und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Selbitz zieht während des Heimat- und Wiesenfestes, seit 1834 alljährlich Ende Juli mehrere tausend Besucher an. Im Laufe des Jahres finden der Ostermarkt, Bauernmärkte, ein Kärwamarkt, der Herbstmarkt und der Weihnachtsmarkt statt.

Die Stadt und ihr Umland bieten für Besucher zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen, Fahrradtouren (102 km Strecke, Fahrradverleih im Rathaus), Reiten, Schießen und Tennis.

Freizeitangebote und -aktivitäten werden u. a. durch den Fremdenverkehrsverein und die überregionale Touristikgemeinschaft Selbitztal koordiniert.[28] In Selbitz gibt es eine Reihe Vereine, darunter Freiwillige Feuerwehren und Zimmerstutzen-Schützengesellschaften mehrerer Ortsteile, außerdem Fußballvereine. Die SpVgg Selbitz (gegründet 1914) spielt, nachdem 2012 der Aufstieg aus der Staffel Nord der Landesliga Bayern gelang, in der Saison 2013/14 in der Nordstaffel der Fußball-Bayernliga und ist damit fünftklassig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbitz hat einen Ehrenbürger, angegeben ist die Begründung für die Ernennung (Lebensdaten in Klammern):

  • Josef Witt (1884–1954), Gründer des Textilhandelhauses Witt Weiden, für den Auf- und Ausbau einer Weberei in Selbitz, ernannt 1949[29]

Außerdem wurden 1933, zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus, aus politischen Gründen vier Ehrenbürger ernannt, denen der Ehrentitel nach Kriegsende 1945 wieder entzogen wurde (angegeben sind die Funktionen bei der Ernennung):[29]

Söhne der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die vor Ort wirken oder gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adelsfamilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte von Selbitz und seiner Ortsteile wurde Jahrhunderte u. a. von Mitgliedern der Adelsfamilien Reitzenstein, Reuß, Rotenhan und Tettenbach geprägt. Deren Familienwappen sind auch an der Decke der Stadtkirche angebracht. Weitere Geschlechter mit Bezug zum Ort sind Dobeneck und Waldenfels.

Darüber hinaus gab es eine dem Ritterkanton Rhön-Werra angehörende Familie von Selbitz, die ihr Stammhaus „unweit [der Nachbargemeinde] Schauenstein“ hatte.[30] Ein Hans von Selbitz war Mitstreiter des Götz von Berlichingen und wurde im Schauspiel Götz von Berlichingen (1773) von Johann Wolfgang von Goethe literarisch verewigt.[31]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Selbitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. www.bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. a b c Reitzenstein, S. 207
  4. Evangelische Kirche im Frankenwald, Verlag der Ev.-Luth. Mission Erlangen, Erlangen 1990, S. 119
  5. Der Selbitzer Bockpfeifer, Wiesenfestsondernummer/1959, S. 1–3, 18. Juli 1959
  6. Der Selbitzer Bockpfeifer, #25/1959, S. 1–4, 12. Dezember 1959
  7. Geschichte der Stadt Selbitz. Abgerufen am 19. August 2016.
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 530.
  9. a b Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.05.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 687.
  10. Pressemitteilung zur Schließung des Hallenbades erschienen in der Frankenpost, abgerufen am 30. Juli 2010
  11. Ausführliche Chronologie von Dorf und Schloss Neuhaus, abgerufen am 24. Juli 2011
  12. Maas, S. 205
  13. Gewusst?, Nürnberger Nachrichten, 9. Dezember 2006
  14. Der Selbitzer Bockpfeifer, #1/1970, S. 1–4, 10. Januar 1970
  15. Gaststätte Bockpfeifer, abgerufen am 24. Juli 2011
  16. FCN Fanclub Bockpfeifer, abgerufen am 24. Juli 2011
  17. www.wanderkompass.de, abgerufen am 24. Juli 2011
  18. Ergebnis Bürgermeisterwahl 2014. Stadt Selbitz, 16. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  19. Ergebnis Bürgermeister Stichwahl 2014. Stadt Selbitz, 30. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  20. Schneller Wechsel in Selbitz. Frankenpost, 1. April 2014, abgerufen am 6. April 2014.
  21. a b Ergebnis Stadtratswahl 2014. Stadt Selbitz, 16. März 2014, abgerufen am 30. März 2014.
  22. Ergebnis zur Kreistagswahl 2014 am 16.03.2014 Landkreis Hof. Landkreis Hof, 24. März 2014, abgerufen am 6. April 2014.
  23. Wappenbeschreibung vom Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 8. Mai 2011
  24. Wappenbeschreibung auf der stadteigenen Internetseite, abgerufen am 24. Juli 2011
  25. www.stadt-kemberg.de, abgerufen am 4. März 2012
  26. Abbildungen der Stadtkirche in Selbitz, abgerufen am 8. Mai 2011
  27. Grund- und Mittelschule Selbitz. September 2013, abgerufen am 5. Oktober 2013.
  28. www.selbitztal.de
  29. a b Der Selbitzer Bockpfeifer, #14/1983, S. 196, 15. Oktober 1983
  30. Johann Gottfried Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra: Welches aus denen bewährtesten Urkunden, Kauf- Lehen- und Heyrathsbriefen gesamleten Grabschriften und eingeholten genauen Nachrichten von innen beschriebenen Gräflich-Freyherrlich- und Edlen Häusern. Bayreuth 1749, S. CCCCXXV und CCCCXXVI.
  31. 11. Wohnhaus Paul Graf von Waldersees. Königsberg in Bayern, abgerufen am 5. April 2014.