Thurnau

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Dieser Artikel behandelt den Markt im Landkreis Kulmbach. Zur deutschen Schauspielerin siehe Julia Thurnau.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Thurnau
Thurnau
Deutschlandkarte, Position des Marktes Thurnau hervorgehoben
Koordinaten: 50° 2′ N, 11° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Kulmbach
Höhe: 363 m ü. NHN
Fläche: 64,2 km²
Einwohner: 4183 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95349
Vorwahl: 09228
Kfz-Kennzeichen: KU, EBS, SAN
Gemeindeschlüssel: 09 4 77 157
Marktgliederung: 44 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Oberer Markt 28
95349 Thurnau
Webpräsenz: www.thurnau.de
Bürgermeister: Martin Bernreuther (CSU)
Lage des Marktes Thurnau im Landkreis Kulmbach
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Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Thurnau ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kulmbach und liegt am nördlichen Rand der Fränkischen Schweiz mitten im Städtedreieck Kulmbach-Bayreuth-Bamberg an der Autobahn A 70.

Der nördliche 50. Breitengrad verläuft entlang der südlichen Gemeindeteile Felkendorf, Kröglitzen und Leesau quer durch das Gemeindegebiet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heutige Markt Thurnau ist in den 1970er Jahren durch schrittweise vollzogene Eingemeindungen von sechs Gemeinden mit insgesamt 44 (46) Ortsteilen entstanden:[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Thurnau

Thurnau war Sitz des Ministerialengeschlechts der Förtsch. Lehnsherr war seit 1292 der Bischof von Bamberg. Nach dem Aussterben der Familie von Förtsch 1564 wurden ihre Rechtsnachfolger Hans-Georg von Giech und Hans Adam von Künsberg. 1699 bestätigten die Markgrafen von Bayreuth den Grafen Giech die lange umstrittene Hohe Gerichtsbarkeit und damit die Landeshoheit. 1731 kauften die Grafen Giech den Künsberg’schen Anteil des Condominats. 1796 verleibte sich Preußen im Zuge der Hardenberg'schen Revindikationspolitik die Herrschaft Thurnau ein. Im Frieden von Tilsit 1807 fiel Thurnau als Teil des preußischen Fürstentums Bayreuth an Frankreich und kam 1810 zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Thurnau.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Berndorf, Hutschdorf und Tannfeld eingegliedert.[3] Am 1. Januar 1973 kam Menchau hinzu. Alladorf folgte am 1. Juli 1975. Mit Limmersdorf (mit dem am 1. April 1971 eingegliederten Felkendorf) wurde am 1. Mai 1978 die Reihe der Eingemeindungen abgeschlossen.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. Bürgermeister ist Martin Bernreuther (CSU). 2. Bürgermeister ist Veit Pöhlmann (UB). 3. Bürgermeister ist Reinhold Förtsch (CSU).

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahlen 2008 und 2014 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat:

2008 2014
CSU 06 06
SPD/Offene Liste 06 05
Freie Wähler/Überparteiliche Wählergemeinschaft 04 03
FPD/Unabhängige Bürger (UB) 0- 02
Gesamt 16 16

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem historischen Ortskern, den das Schloss Thurnau mit dem Brückengang zur St.-Laurentius-Kirche dominiert, dem Schlossweiher, dem Töpfermuseum und Sehenswürdigkeiten in den Ortsteilen ist Thurnau ein beliebtes Ziel für Ausflüge.

Die St.-Laurentius-Kirche besitzt eine beeindruckende Stuckdecke, eine Patronatsloge und einen Altar von Elias Räntz.

Schloss Thurnau gehört zu den größten innerörtlichen Schlossanlagen Frankens. Der älteste Teil der siebenstöckigen Kemenate wurde im 13. Jahrhundert durch das Geschlecht der Ritter von Förtsch gebaut. Als siebtes und letztes Gebäude wurde im Jahre 1731 der Carl-Maximilian-Bau fertiggestellt. Heute befindet sich neben einem Tagungshotel das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth im Schloss; im Herbst 2015 wird ein gemeinsames Institut für Fränkische Landesgeschichte der Universitäten Bayreuth und Bamberg in Schloss Thurnau seine Arbeit aufnehmen.

An das Schloss schließt sich der weitläufige Schlossgarten an, dessen Geschichte 1703/06 mit der Pflanzung einer Lindenallee zum Paille-Maille-Spiel begann. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Lindenallee der Kern einer umfassenden Erweiterung im Stile des Englischen Landschaftsgartens, die von verschiedenen Einbauten begleitet wurde. Der Thurnauer Schlossgarten wurde von reisenden Dichtern während der Romantik wie von der einheimischen Bevölkerung von Thurnau und dem Umland geliebt. 1968 fiel die Lindenallee weitgehend einem Hagelschauer zum Opfer und wurde fortan für den öffentlichen Zugang gesperrt. Park und Einbauten wie das Teehaus waren seither dem Verfall preisgegeben. Das Teehaus wurde im Herbst 2007 im Rahmen einer Notsicherung mit einem Schutzdach versehen.[5]

Das Rathaus befindet sich im 1751 erbauten Künsberghof, der von 1986 bis 1988 umgebaut wurde.

Neben der Laurentiuskirche befinden sich Kirchen in den Ortsteilen Trumsdorf, Alladorf, Berndorf, Hutschdorf und Limmersdorf.

Direkt neben der Kirche in Limmersdorf steht die Tanzlinde Limmersdorf, die älteste der wenigen verbliebenen Tanzlinden, in deren Krone noch regelmäßig getanzt wird. Wegen der Besonderheit der Limmersdorfer Lindenkirchweih wurde sie 2014 als einer von 27 Bräuchen als fränkischer Vertreter in das Nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (IKE) aufgenommen.

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handwerk und Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt ist Thurnau vor allem als Töpferstädtchen. Die Geschichte des Thurnauer Töpferhandwerks reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Daraus bezieht sich Das Töpfermuseum wurde 1985 gegründet; seit 1991 findet am zweiten Adventswochenende im Schloss Thurnau der weihnachtliche Töpfermarkt statt, bei dem neben regionalen auch Töpfereien aus ganz Europa ihre Waren anbieten.

Die Wirtschaft Thurnaus wird vor allem geprägt durch die Gewerbegebiete direkt an der A 70 Bayreuth – Schweinfurt; ein breit gefächertes Einzelhandels-Angebot und umfassende Gesundheits-Dienstleistungen bestimmen zusammen mit der vielfältigen Gastronomie neben bodenständigen Handwerksbetrieben, insbesondere im Bereich Möbel und dem Baugewerbe, das Leben in Thurnau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thurnau liegt an der Autobahn A 70 und ist dadurch mit den oberfränkischen Oberzentren Bamberg (40 km), Bayreuth (20 km), Hof (55 km) und Kulmbach (10 km) verbunden. Die Gemeinde ist deshalb auch als Wohnort sehr beliebt.

Bis zur Stilllegung 1993 lag der Ort an der Lokalbahn Bayreuth–Thurnau–Kulmbach. Auf der Trasse verläuft weitgehend der Radweg im Rotmaintal von Bayreuth nach Kulmbach, an den Thurnau mit der Schleife durch den Limmersdorfer Forst, das mit ca. 3300 Hektar größte geschlossene Waldgebiet Oberfrankens, angebunden ist.

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt Thurnau liegt am nördlichen Rand der Fränkischen Schweiz am Schnittpunkt der drei anderen oberfränkischen Tourismusregionen Fichtelgebirge, Frankenwald und Obermainland.

Das Bachsystem Aubach/Friesenbach, das den nördlichen Teil des Gemeindegebietes geographisch prägt, fließt direkt in den Roten Main, der sich sieben Kilometer nördlich von Thurnau in der Nähe von Kulmbach mit dem Weißen Main zum Main vereinigt.

Durch diese Lage ist Thurnau als Standort für touristische Aktivitäten im ganzen oberfränkischen Raum beliebt.

Besondere regionale Bedeutung erlangt Thurnau durch eine Vielzahl traditioneller ländlicher Feste und ein ganzjähriges, vielfältiges kulturelles Angebot.

Sendeanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1980 befindet sich in der Nähe von Thurnau ein Mittelwellensender des Deutschlandfunks (Koordinaten: 49° 59′ 15″ N, 11° 22′ 36″ O). Der von der Deutschen Telekom betriebene Sender strahlt das Programm des Deutschlandfunks auf der Sendefrequenz 549 kHz mit einer Sendeleistung von 100 kW (bis Mitte der 1990er Jahre 200 kW) ab. Er verwendet als Sendeantenne einen 240 Meter hohen, gegen Erde isolierten selbststrahlenden Stahlfachwerkmast.

Am 31. Dezember 2015 soll der Sender abgeschaltet werden. Der Rückbau ist geplant, aber noch nicht terminiert.[6]

Hauptartikel: Sender Thurnau

Südlich des Ortsteils Tannfeld befindet sich ein 69 Meter hoher Fernmeldeturm der Deutschen Telekom AG, der als freistehende Stahlfachwerkkonstruktion ausgeführt ist. In der Nähe der Kleetzhöfe befindet sich ein Funkturm in außergewöhnlicher Bauweise.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Hager (Red.): Thurnau 1239–1989. Markt Thurnau, Thurnau 1989, ISBN 3-922808-30-1.
  • Thomas Münch: Der Markt Thurnau mit seinen Ortsteilen. Geiger, Horb am Neckar 1993, ISBN 3-89264-785-2.
  • Uta von Pezold: Die Herrschaft Thurnau im 18. Jahrhundert. (= Die Plassenburg; Band 27). Freunde der Plassenburg e. V./Stadtarchiv, Kulmbach 1968 (zugl. Dissertation, Universität Erlangen)
  • Georg Schwarz: Das Schloss zu Thurnau. Beschreibung, historische Entwicklung, Bauherren. (= Heimatbeilage zum Amtlichen Schulanzeiger des Regierungsbezirks Oberfranken. Nr. 170). Regierung von Oberfranken, Bayreuth 1990.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thurnau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Thurnau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 503.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 692 und 693.
  5. Der Teepavillon heute - www.landschaftsmuseum.de
  6. Sender wird Silvester abgeschaltet in: Nordbayerischer Kurier vom 19./20. Dezember 2015, S. 29