Positano

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Dieser Artikel behandelt den Ort Positano in Italien. Zum italienischen Diplomaten Positano siehe Vito Positano.
Positano
Wappen
Positano (Italien)
Positano
Staat: Italien
Region: Kampanien
Provinz: Salerno (SA)
Koordinaten: 40° 38′ N, 14° 29′ OKoordinaten: 40° 38′ 0″ N, 14° 29′ 0″ O
Höhe: m s.l.m.
Fläche: 8 km²
Einwohner: 3.950 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 494 Einw./km²
Postleitzahl: 84017
Vorwahl: 089
ISTAT-Nummer: 065100
Volksbezeichnung: Positanesi
Schutzpatron: San Vito
Website: www.positano.campania.it

Positano ist ein Ort an der Amalfiküste in der Provinz Salerno in Kampanien, Italien, mit 3950 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013). Er gehörte zur Bergkommune Comunità Montana Penisola Amalfitana. Der Ort ist vom Fremdenverkehr geprägt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positano – vom Strand aus gesehen
Positano

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positano liegt an der Amalfiküste in der Großregion Neapel. Der Ort ist aus einem kleinen Fischerdorf entstanden, dessen historischer Ortskern oberhalb der Staatsstraße SS163 liegt.[2] Positano wird von steilen Gassen und vielen Treppen durchzogen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positanos Nachbargemeinden sind Agerola, Pimonte, Praiano und Vico Equense. Positano liegt inmitten einer Bucht zwischen der Punta Germano und dem Capo Sottile.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Gebiet der Gemeinde gehören neben dem Kernort die kleine Inselgruppe Li Galli sowie die beiden Bergdörfer Montepertuso und Nocelle.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positano gehörte im Mittelalter zur amalfitanischen Republik und besaß einen Hafen. Der Ort wuchs während des 16. und 17. Jahrhunderts deutlich. Mitte des 19. Jahrhunderts emigrierte mehr als die Hälfte der Bevölkerung – die meisten nach Amerika.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Strandabschnitt Fornillo

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Positano ein armes Fischerdorf. In den 1950er Jahren jedoch begann Positano Touristen anzuziehen. Einer der Auslöser des Booms war offenbar ein Essay von John Steinbeck in der US-amerikanischen Zeitschrift Harper’s Bazaar im Mai 1953. Er schrieb: „Positano bites deep. It is a dream place that isn’t quite real when you are there and becomes beckoningly real after you have gone.“ („Positano geht unter die Haut. Es wirkt nicht real, wenn du dort bist, und es wird verlockend real, wenn du gegangen bist.“)

Die Stadt ist Mitglied der Cittàslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten durch Umweltpolitik, Infrastrukturpolitik, urbane und landschaftliche Qualität, Aufwertung der heimischen Erzeugnisse und Gastfreundlichkeit.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positano mit der Kirche St. Maria Assunta
  • Kirchen Santa Maria Assunta, Chiesa Nuova, Santa Caterina, Madonna del Carmine und Madonna delle Grazie
  • Der Friedhof von Positano liegt auf einer Landzunge von Liparlati. Die den Namen Stefan Andres tragende Straße führt zu diesem Friedhof.
  • Felsblock Montagna Forata, ein Monolith mit vielen Löchern[2]
  • Marina Grande
  • Grotta dell’Incanto

Wirtschaftsunternehmen im Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Positano Moda

In Positano werden Textilien unter dem Namen Positano Moda hergestellt. Der rustikale Modestil zeichnet sich durch intensive Farben, Einfallsreichtum und den reichhaltigen Einsatz von Spitze aus. Es werden hauptsächlich natürliche Materialien wie Leinen und Baumwolle verwendet.

Tourismus

Das zum Badeort avancierte Positano bietet eine große Zahl an Hotels, Pensionen, Ferienhäusern, Ferienwohnungen und Gaststätten. Im Sommer verzehnfacht sich dadurch etwa die Bevölkerung.

Blick von der Fähre auf Positano

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernstraßen

Die Staatsstraße SS 163 Amalfitana durchzieht Positano und verbindet die Stadt Meta mit Vietri sul Mare. Die Provinzstraße SP 425 führt von Positano zu den Bergdörfern Montepertuso und Nocelle.

Buslinien

Die Busgesellschaft SITA bietet Busverbindungen von Positano nach Meta und Sorrent sowie nach Amalfi und Salerno. Die Buslinie Interno verkehrt durchgehend im Ringverkehr, um die unteren (Piazza dei Mulini) mit der oberen Stadtteilen (Chiesa Nuova) zu verbinden. Einige der Busse fahren auch nach Montepertuso und Nocelle.

Fähren

Fähren verkehren regelmäßig zur Insel Capri, nach Sorrent, Amalfi und Salerno.

Personen, die mit Positano verbunden sind[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Schweizer Gilbert Clavel, der am frühen Futurismus mitwirkte, baute 1919–1927 einen verfallenen Wachturm des 16. Jahrhunderts zu einem Gesamtkunstwerk aus, das Siegfried Kracauer in seinem Text Felsenwahn in Positano beschrieb.
  • Der US-amerikanische Maler Peter Ruta lebte von 1953 bis 1960 in Positano.
  • Der deutsche Pianist Wilhelm Kempff lebte von 1968 bis zu seinem Tod 1991 in Positano. Bereits 1957 hatte er hier die Beethoven-Interpretationskurse gegründet, die unter seiner Leitung bis 1982 in seiner Casa Orfeo stattfanden. Nach seinem Tod wurden die Meisterkurse von seinen Schülern Gerhard Oppitz (1992 bis 1995) und John O’Conor, der die Kurse seit 1997 leitet, fortgesetzt.
  • Dem Tänzer Rudolf Nurejew gehörten die drei Inseln Li Galli.[2]
Deutschsprachige Künstler im Exil

Positano war in der Zeit zwischen 1933 und 1945 ein Exilort deutscher Maler und Schriftsteller. Die Armut Positanos bot vielen im Exil lebenden Menschen günstigere Überlebensbedingungen als die auch damals schon bekannteren Inseln Capri und Ischia. Das führte dazu, dass sich in Positano eine regelrechte deutsche Schriftsteller- und Künstlerkolonie etablieren und die Jahre des Nationalsozialismus überdauern konnte.[3]

Zu den bekanntesten deutschen Künstlern im Exil, die hier Zuflucht fanden bzw. auch schon vor 1933 hier gelebt hatten, gehörten:

  • Armin T. Wegner, Dichter, Erzähler und Pazifist, der hier ab 1936 einige Jahre seines Exils verbrachte[4]
  • Irene Kowaliska, Malerin, über die Wegner nach Positano fand.[5]
  • Karli Sohn-Rethel, Maler, lebte von 1921 bis 1951, mit Unterbrechungen, in Positano.
  • Stefan Andres, Schriftsteller, lebte von 1937 bis 1948 in dem ihm von früheren Aufenthalten her bekannten Positano.[6] Eines seiner Bücher trägt den Ortsnamen als Titel (Positano. Geschichten aus einer Stadt am Meer, München 1957). Mehrere seiner Romane haben Positano (literarische Chiffre Città morta) zum Schauplatz. Die Stadt benannte die Straße, in der das Wohnhaus von Andres stand, zu seinen Ehren via Stefan Andres.
  • Lisel Oppel, Malerin.
  • Paula Bärenfänger, jüdische Malerin, die teilweise gelähmt und in großer Armut in Positano lebte und hier 1953 verstarb.[7] Ihre Bilder zeigen Positano, wie sie es angesichts ihrer Behinderung wahrnehmen konnte: Landschaften, die sie von ihrem Bett aus sah.
  • Kurt Craemer, Maler.
  • Bruno Marquardt, Maler, geboren am 11. Februar 1904 im ostpreußischen Insterburg, gestorben am 5. Februar 1981 in Positano. Er war ein Freund Kurt Craemers und ließ sich im Jahr 1936 endgültig in Positano nieder, wo er auch beerdigt wurde. Er nahm an mehreren Biennalen und Wettbewerben teil und hatte Ausstellungen in Berlin, Königsberg, London, New York, Neapel und Rom.[7]
  • Martin Wolff, wahrscheinlich 1898 geborener Maler und Teppichknüpfer. Er hatte von sich aus einen Antrag auf Entlassung aus der deutschen Staatsbürgerschaft gestellt, die ihm daraufhin aberkannt wurde. Wolff lebte über zwanzig Jahre in Positano, finanzierte seinen Lebensunterhalt teilweise durch Verkäufe an Touristen und war während des Krieges, da immer weniger Touristen den Weg nach Positano fanden, auf Unterstützung durch die Quäker angewiesen.[8] Während der deutschen Besetzung Italiens wurde er nach Auschwitz deportiert[9] und fand hier den Tod.[10]
  • Walter Meckauer, Schriftsteller. Seine Frau betrieb in Positano zeitweise ein kleines Photogeschäft.[11]
  • Joe Lederer, österreichische Journalistin und Schriftstellerin.
  • Elisabeth Castonier, Schriftstellerin.
  • Wolfgang Weber, Journalist.
  • Essad Bey, deutschsprachiger Schriftsteller russisch-jüdischer Abstammung (eigentlich Lew Abramowitsch Nussimbaum oder Noussimbau). 1938 ging er ins italienische Exil und starb mit 36 Jahren am 27. August 1942 in Positano. Gerhart Hauptmanns Gedicht Positano ist Essad Bey gewidmet.
  • Michele Theile, Maler, 1935 in Positano geboren, lebt und arbeitet dort. Er ist der Sohn der am 14. März 1897 in Osterholz-Scharmbeck geborenen Ilse Bruck-Bondy (gestorben 1980 in Positano) und des Journalisten und Fotografen Harald Theile. Während Harald Theile, ein Freund Armin T. Wegners, der in den frühen dreißiger Jahren nach Positano gekommen war, ab 1936 gelegentlich wieder nach Deutschland reiste, wo er, wie auch von Positano aus, für den Simplicissimus arbeitete, lebte Ilse Bruck-Bondy, die sich schon früh gegen die Nazis engagiert hatte, seit 1933 dauerhaft in Positano, vorübergehend auch in Vietri sul Mare. Um ihre finanzielle Situation aufzubessern, beaufsichtigte sie Kinder und unterrichtete sie in deutscher Sprache. Es handelte sich dabei vor allem um Kinder neapolitanischer Familien, die bis zur Befreiung durch die Alliierten im Jahre 1943 in Positano Zuflucht gefunden hatten.[7]
  • An die deutschen Intellektuellen wie Stefan Andres oder Armin Wegner, die vor den Nationalsozialisten in das kampanische Dörfchen geflohen waren, erinnert auch Spiegel online und verweist in dem Artikel auf John Steinbeck, Picasso, Tennessee Williams, Alberto Moravia oder Elizabeth Taylor und Richard Burton, denen alle eine „Positano-Süchtigkeit“ attestiert wird.[12]

Sowohl die Kommune Positano als auch die Provinz Salerno bewahren bis heute das Andenken an sie, auch wenn einige der zuvor genannten Künstler heute in Deutschland weitgehend unbekannt oder vergessen sind. Dafür steht nicht nur die nach Stefan Andres benannte Straße in Positano, sondern auch eine Ende 2005 gehaltene Gedenkmesse, bei der ausdrücklich der ausländischen Exilanten, von denen nicht wenige auf dem Friedhof von Positano beerdigt sind, gedacht wurde.[13] Auf der Webseite der Kommune finden sich bis heute Kurzbiografien und ein Überblick über das Schaffen der Emigranten[14], und auf der Webseite Positano My Life wird seit 2010 bisweilen an die Künstler erinnert, zuletzt im September 2015.[15] Das Museum und die Bibliothek der Provinz Salerno unterhält eine eigene Sektion für die ausländischen Künstler und macht das Leben und Wirken vieler oben genannter Personen auch auf seiner Webseite zugänglich.[16]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adolf von Hatzfeld: Positano. Pontos-Verlag, Freiburg/B. 1925.
  • Kurt Craemer (Autor), Rudolf Hagelstange (Hrsg.): Mein Panoptikum. Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg 1965.
  • Giuseppe Vespoli: Storia di Positano. TDA, Salerno 1976.
  • Carlo Knight: La torre di Clavel. Un romanzo. La Conchiglia, Neapel 1999 (Atyidae; 17).
  • Klaus Voigt: Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933–1945. Klett-Cotta, Stuttgart Band 1: 1989, ISBN 3-608-91487-0; Band 2: 1993, ISBN 3-608-91160-X.
  • Dieter Richter, Matilde Romito: Stefan Andres und Positano. Ein Schriftsteller und Künstler „am Rande der Welt“. Amalfi, Positano 2000.
  • Dieter Richter, Matilde Romito, Michail Talalay: In fuga dalla storia. Esuli dai totalitarismi del Novecento sulla costa d'Amalfi. Catalogo della mostra artistica bibliografica e documentaria (Mostre in biblioteca). Centro di Cultura, Salerno 2005, ISBN 88-88283-34-X.
  • Stefan Andres, Dieter Richter (Hrsg.): Terrassen im Licht. Italienische Erzählungen (Werke in Einzelbänden). Wallstein, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0427-7.
  • Heide-Marie Wollmann: Deutschsprachige Schriftsteller in Positano 1933–1945, in: Exil, Jahrgang 6, Nr. 2, 1986, S. 65–76

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Positano – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. a b c Neapel. Amalfiküste. Cilento. Dumont-Reisetaschenbuch, ISBN 978-3-7701-7241-2, S. 208ff
  3. Klaus Voigt: Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933–1945. Band 1, Klett-Cotta, Stuttgart 1989, ISBN 3-608-91487-0, S. 447.
  4. Klaus Voigt, Band 1, S. 435ff.
  5. Klaus Voigt, Band 1, S. 437.
  6. Klaus Voigt, Band 1, S. 438ff.
  7. a b c Schede Biografiche (Kurzbiographien), italienisch, abgerufen am 21. Oktober 2015
  8. Klaus Voigt, Band 1, S. 464
  9. Klaus Voigt, Band 1, S. 79–80
  10. Klaus Voigt: Zuflucht auf Widerruf., Band 2, S. 466
  11. Klaus Voigt, Band 1, S. 157
  12. Positano: Das süße Nichtstun
  13. Messa per gli stranieri al cimitero di Positano
  14. Opere (Werkverzeichnis)
  15. Positano: dedicato al quartiere Liparlati
  16. La Sezione degli Artisti Stranieri