Toni Merkens

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Nikolaus Anton „Toni“ Merkens (* 21. Juni 1912 in Köln; † 20. Juni 1944[1] in Wildbad) war ein deutscher Radrennfahrer. 1936 wurde er Olympiasieger im Sprint.

Radsportkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Toni Merkens wurde als Sohn des Schlossers Peter Merkens geboren.[2] Sein erstes Fahrrad schenkte ihm sein älterer Bruder Jupp, der später bei Steherrennen als sein Schrittmacher fungierte. Er machte eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker bei Fritz Köthke, einem seinerzeit namhaften Rahmenbauer in Köln. Sein Spitznamen lautete ed Föttche (das Popöchen).[2] In dieser Zeit trat der dem RC Schmitter bei. 1933 gewann er seinen ersten Deutschen Meistertitel im Sprint. 1934 konnte er diesen Erfolg wiederholen und gewann auch bei den Offenen Britischen Meisterschaften sowie beim Grand Prix de Paris. Bei den Bahn-Weltmeisterschaften im selben Jahr in Leipzig belegte er den vierten Platz. 1935 gewann er erneut die Meisterschaft im Sprint von Deutschland und Großbritannien sowie den Pariser Grand Prix.

Obwohl einiges darauf hindeutet, dass Merkens gerne Profi geworden wäre, blieb er bis 1937 Amateur, wohl auf Anordnung des Reichsradsportführers, der den Sportler bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin starten sehen wollte. Im März 1936 erschien in der Verbandszeitschrift Der Deutsche Radfahrer ein Aufruf von Merkens zur bevorstehenden Reichstagswahl: „Diese historische Tat in Verbindung mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht läßt das Herz eines jeden Sportgenossen höher schlagen und in Dankbarkeit blicken wir auf zu unserem genialen Führer und Volkskanzler Adolf Hitler.“[2]

Bei den Weltmeisterschaften 1935 in Brüssel konnte Merkens ebenfalls den Titel erringen, als er im Finale den Niederländer Arie van Vliet mit 2:1 Läufen besiegen konnte. 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin galt Merkens nach der erfolgreichen Saison 1935 als Favorit. Im Finale traf er erneut auf van Vliet. Merkens siegte in beiden Läufen, die Niederländer legten aber gegen die Wertung des ersten Laufs Protest ein, weil Merkens van Vliet behindert habe. Die Jury entschied, dass der Lauf gewertet werden solle, aber Merkens wegen Verlassens der Fahrlinie eine Geldstrafe von 100 Goldfranken bezahlen müsse. Dies ist ein einzigartiger Fall in der olympischen Geschichte. Bei der Schlussfeier trug Merkens die Olympische Fahne.[2]

Unmittelbar nach den Olympischen Spielen 1936 trat Merkens ins Profilager über. 1937 und 1939 wurde er Deutscher Vizemeister im Sprint. 1940 wurde er Deutscher Meister der Steher, 1941 Vizemeister; 1942 wurde Merkens dann auch bei den Profis Deutscher Meister im Sprint sowie erneut Vizemeister bei den Stehern.

Tod im Lazarett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1942 wurde Merkens eingezogen. An der Ostfront traf ihn ein Granatsplitter zwischen Herz und Lunge. 1944 erkrankte er in einem Lazarett in Wildbad an Hirnhautentzündung und starb.[3]

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein für Toni Merkens am Radstadion Köln

Im Münchener Olympiapark führt der Toni-Merkens-Weg vom Olympiastadion zum Radstadion; das Radstadion, das inzwischen als Event-Arena genutzt wird, hat die Adresse Toni-Merkens-Weg 4. Vor dem Radstadion Köln erinnert die „Olympia-Eiche“ an Merkens, die er mit seinem Olympiasieg geschenkt bekommen und dort selbst gepflanzt hatte. Ein Gedenkstein mit der Inschrift „Wachse zur Ehre, rufe zur weiteren Tat“, der 1948 errichtet wurde, erinnert an ihn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Personenstandsarchiv Köln Sterbefälle 1948. Band 2, Nr. 647.
  2. a b c d Gabi Langen: ‘Qercus Peduncalata’ – die Olympia-Eiche von Toni Merkens an der ‘Albert-Richter-Bahn’ in Köln. In: Institut für Sportgeschichte und Carl und Liselott Diem-Archiv (Olympische Forschungsstätte der Deutschen Sporthochschule Köln) (Hrsg.): Olympisch bewegt – Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Manfred Lämmer. Köln 2003, S. 157.
  3. Horst Nordmann, Fritz und Mika Hahn: Kölsche Zweiradgeschichten. Pioniere, Rennfahrer, Schicksale. Köln 2003, S. 128.