Zechin

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Zechin führt kein Wappen
Zechin
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zechin hervorgehoben
Koordinaten: 52° 36′ N, 14° 27′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-Oderland
Amt: Golzow
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 27,85 km2
Einwohner: 638 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner je km2
Postleitzahl: 15328
Vorwahl: 033473
Kfz-Kennzeichen: MOL, FRW, SEE, SRB
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 538
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Seelower Straße 14
15328 Golzow
Webpräsenz: www.amt-golzow.de
Bürgermeister: Dieter Rauer (Wählergruppe Sportfreunde Zechin)
Lage der Gemeinde Zechin im Landkreis Märkisch-Oderland
Altlandsberg Alt Tucheband Bad Freienwalde Beiersdorf-Freudenberg Bleyen-Genschmar Bliesdorf Buckow Falkenberg Falkenhagen Fichtenhöhe Fredersdorf-Vogelsdorf Garzau-Garzin Golzow Gusow-Platkow Heckelberg-Brunow Höhenland Hoppegarten Küstriner Vorland Lebus Letschin Lietzen Lindendorf Märkische Höhe Müncheberg Neuenhagen bei Berlin Neuhardenberg Neulewin Neutrebbin Oberbarnim Oderaue Petershagen/Eggersdorf Podelzig Prötzel Rehfelde Reichenow-Möglin Reitwein Rüdersdorf bei Berlin Seelow Strausberg Treplin Vierlinden Waldsieversdorf Wriezen Zechin Zeschdorf BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Zechin ist eine Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg und gehört zum Amt Golzow.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Gemeinde sind die Ortsteile Buschdorf, Friedrichsaue und Zechin ausgewiesen. Bewohnte Gemeindeteile sind Baiersberg, Gerickensberg, Lehmannshöfel und Zechiner Loose. Hinzu kommen die Wohnplätze Eckel, Eichenhof, Loosa und Siedlung.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behelfskirche in Buschdorf

Bei Grabungsarbeiten am 2,5 Kilometer entfernten Garnischberg fanden Archäologen Überreste, die in die Steinzeit datiert werden konnten. Weitere Ausgrabungen führten zu dem Nachweis, dass die Region zur Zeit der Slawen ebenfalls schon besiedelt war. 1313 wurde die Gemeinde als Zechyn erstmals urkundlich erwähnt, als Markgraf Waldemar das Dorf mit dem Bistum Lebus vereinte. Um 1400 sind in Zechin 14 Häuser überliefert, deren Einwohner zunächst der Fischerei nachgingen und nach dem Trockenlegen der umliegenden Felder auch Ackerbau und Viehzucht betrieben. 1624 erschien erstmals die Schreibweise Zechin. Friedrichsaue wurde hingegen 1723 als Vorwerk von König Friedrich Wilhelm I. gegründet. 1737 lebten in Zechin annähernd 400 Einwohner. Es bestand eine Mühle, eine Schmiede, ein Leineweberei und ein Stellmacherei. Darüber hinaus arbeiteten im Ort drei Hirten. In den Jahren 1764 bis 1766 entstanden im Hohen Busch drei Spinnerdörfer: Baiersberg, Gerickensberg und Lehmannshöfel. Sie sollten die Wollmanufakturen in Berlin mit gesponnener Wolle versorgen. Die drei Ortsteile entwickelten sich unterschiedlich; so wird Zechin um 1860 bereits ein „stadtähnlicher Charakter“ attestiert. In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1769 kam es zu einem Brand, bei dem der Großteil der Gebäude zerstört wurde. Diese Brände führten zu einer königlichen Order, dass künftig einzelne Straßenzüge nur noch einen zentralen Backofen nutzen durften. Aus dem Jahr 1780 ist erstmals die Existenz einer Schule überliefert. 1785 wurde Zechin – wie auch andere Dörfer – durch die Oder überschwemmt. Um 1800 war Zechin die Filialkirche, während die Pfarrkirche in Golzow stand. Ab 1815 bauten die Landwirte vermehrt Ölfrüchte und Zuckerrüben an. Die Einwohnerzahl stieg an, damit auch die der Kinder. 1826 eröffnete daher ein neues Schulgebäude mit drei Klassenzimmern neben der Kirche. Durch den steigenden Absatz der landwirtschaftlichen Produkte kam es zu einem Aufschwung im Ort. 1831 gab es vier Bäcker, vier Fleischer, sechs Schuhmacher, neun Schneider, sieben Tischler und vier Schmiede. Weiterhin sind drei Mühlen und fünf Webstühle überliefert sowie neun Geschäfte, ein Gasthof und zwei Krüge. 1838 brannte die Fachwerkkirche ab und wurde 1840 durch einen Neubau ersetzt. 1851 errichtete ein Industrieller in Friedrichsaue eine Zuckerfabrik, 1861 kam ein zweites Schulgebäude in Zechin hinzu. 1866 starben rund 100 Menschen bei einer Cholera-Epidemie. Dennoch wurden 1895 bereits 1.680 Einwohner gezählt.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1926 schlossen sich die drei Spinnerdorfer zu Buschdorf zusammen. Alle drei Ortsteile wurde im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört. Die Kirche in Buschdorf wurde dabei – wie viele andere Sakralbauten der Region – von deutschen Truppen gesprengt, um der vorrückenden Roten Armee die Orientierung zu erschweren. Nach dem Ende der Kampfhandlungen begann der Wiederaufbau, der durch ein Hochwasser im Frühjahr 1947 behindert wurde. An Stelle eines massiven Sakralbaus errichteten die Einwohner eine Behelfskirche.

Zur Zeit der DDR wurden erhielten die Ortsteile insbesondere durch die Bodenreform in Deutschland einen eher ländlichen Charakter. 1953 gründete sich die LPG Vorwärts zum Sozialismus. Es entstanden unter anderem ein Kindergarten, eine Schule, sowie 1962 in Zechin in Freibad.

Seit der Wende erfolgt eine behutsame touristische Entwicklung. So kam 1994 zum Freibad ein Campingplatz hinzu, der am Radweg der Oderbruchbahn liegt.[3] Buschdorf und Friedrichsaue wurden am 31. Dezember 1997 eingemeindet.[4] Während in vielen Orten im deutschen Osten seit 1990 die Namen von DDR-Politikern und Kommunisten vielfach aus Straßennamen entfernt wurden, hat die Gemeinde Zechin im August 2007 einen Seitenweg der Hauptstraße in Wilhelm-Pieck-Straße umbenannt (nach dem ersten DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck). Pieck hatte als junger Tischlergeselle in einer damals in der Straße befindlichen Tischlerei, die heute eine Gedenkstätte ist, gearbeitet.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2 075
1890 1 859
1910 1 542
1925 1 517
1933 1 467
1939 1 347
1946 1 095
1950 1 277
1964 909
1971 823
Jahr Einwohner
1981 703
1985 646
1989 583
1990 576
1991 569
1992 549
1993 534
1994 532
1995 545
1996 533
Jahr Einwohner
1997 848
1998 839
1999 830
2000 852
2001 837
2002 819
2003 812
2004 794
2005 776
2006 776
Jahr Einwohner
2007 738
2008 715
2009 717
2010 708
2011 678
2012 686
2013 675
2014 644
2015 638

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[6][7] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Zechin besteht aus acht Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[8]

  • Wählergruppe Sportfreunde Zechin 6 Sitze
  • Wählergruppe Bürgerliste Zechin 1 Sitz
  • CDU 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieter Rauer (Wählergruppe Sportfreunde Zechin) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 73,7 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[9] gewählt.[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Zechin führt kein Wappen, die ehemaligen Gemeinden Buschdorf, Friedrichsaue und Zechin führen ihre bisherigen Wappen als Ortsteilsymbole weiter.[11]

Buschdorf Friedrichsaue Zechin
Wappen von Buschdorf
Wappenbeschreibung: „In Rot ein goldenes Spinnrad und drei symmetrisch angeordnete goldene Spindeln.“
Wappen von Friedrichsaue
Wappenbeschreibung: „In Blau ein goldenes Kutschrad mit schwarzer Nabe überhöht von einer goldenen Königskrone.“
Wappen von Zechin
Wappenbeschreibung: „Von Silber und Grün gespalten, darin eine Kopfweide in verwechselten Farben.“[12]

Das Wappen wurde am 17. Februar 1997 genehmigt.

Gedenkstein zum 700-jährigen Ortsjubiläum

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriegsgräber auf dem Friedhof Zechin

In der Liste der Baudenkmale in Zechin stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

  • Dorfmuseum mit einer geschichtlichen Abhandlung des Oderbruchs in Friedrichsaue
  • Korbmachermuseum mit über 1.600 Exponaten im denkmalgeschützten ehemaligen Schulgebäude von 1826 in Buschdorf sowie 2010 neu aufgebaute Backscheune in der ehemaligen Schulscheune.
  • Motormühle in Zechin, 2010 restauriert mit historischem Trauzimmer

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walpurgisnacht in Zechlin
  • Buschdorfer Backofenfest
  • Erntefest in Zechlin
  • Museumstag im Korbmachermuseum
  • Ostbrandenburgisches Lanz Bulldog-Treffen in Friedrichsaue

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zechin liegt an der Landesstraße L 33 zwischen Wriezen und Gorgast.

Die Bahnhöfe Friedrichsaue und Zechin lagen an der Bahnstrecke Fürstenwalde–Wriezen. Der Personenverkehr wurde 1966 eingestellt.

Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Zugelassene PKW (zum 1.1.)[13] 385 378 383 386 384 396 385

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Sames (* 1937), evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker, in Zechin geboren

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Zechin
  3. Amt Golzow (Hrsg.): Zechin – Drei Ortsteile – Eine Gemeinde, Flyer, ohne Datumsangabe, S. 4.
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  5. Katrin Bischoff, Jens Blankennagel: Durch Schlaglöcher in die Vergangenheit. In. Berliner Zeitung, 24. August 2007
  6. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland. S. 38–41
  7. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  9. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  10. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  11. Hauptsatzung der Gemeinde Zechin. § 3 Wappen, Flagge. In: Amtsblatt für das Amt Golzow. Amtsdirektor des Amtes Golzow, 27. Oktober 2005, abgerufen am 21. August 2017 (PDF).
  12. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  13. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zechin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Zechin, Webseite des Amtes Golzow, abgerufen am 16. April 2017.
  • Zechin in der RBB-Sendung Landschleicher vom 26. März 2006