Boeing P-8
| Boeing P-8 Poseidon | ||
|---|---|---|
P-8A „Poseidon“ über dem Pazifik |
||
| Typ: | Seeaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug | |
| Entwurfsland: | ||
| Hersteller: | Boeing | |
| Erstflug: | 25. April 2009 | |
| Indienststellung: | IOC für 2013 geplant[1][2] | |
| Produktionszeit: | Seit 2011 in Serienproduktion | |
| Stückzahl: | 7 (Stand: März 2012) | |
Die Boeing P-8 Poseidon (in Indien als Neptune bezeichnet) ist ein in der Entwicklung befindliches Seefernaufklärungsflugzeug der US Navy, das die alternde P-3 Orion ersetzen soll. Es ist das Ergebnis des „Multimission-Maritime-Aircraft“-Programms (weshalb auch vorübergehend die Kennung „MMA“ verwendet wurde) und basiert auf der Boeing 737-800. Indien, der bisher einzige Exportkunde, verwendet für die Maschine den Beinamen Neptune.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Entwicklung [Bearbeiten]
Die Entwicklung der P-8 lässt sich bis Mitte der 1980er-Jahre zurückverfolgen. Damals suchte die US-Marine nach einem möglichen Nachfolger für die P-3 und begann, die Anforderungen an solch eine Maschine zu definieren. Die primäre Forderung war dabei die Senkung der Betriebskosten im Vergleich zur P-3. Diese litt unter einer vergleichsweise starken Materialermüdung, weshalb die neue Maschine über eine Flugzelle mit einer hohen Lebenserwartung verfügen sollte. Des Weiteren wurden eine erhöhte Reichweite bzw. eine verlängerte Patrouillendauer sowie ein geringeres Gesamtgewicht gefordert. 1989 vergab dann die Marine einen Entwicklungsauftrag an Lockheed, der den Bau von zwei Prototypen umfasste. Diese als P-7 bezeichneten Maschinen wurden allerdings nie gebaut, da 1990 Lockheed der Auftrag wieder entzogen wurde, nachdem eine Kostenüberschreitung von 300 Millionen US-Dollar eingeräumt werden musste.
Nach dem Ende des Kalten Krieges und den daraus resultierenden Kürzungen im Verteidigungsbudget wurde die Suche nach einem Nachfolger für die P-3 zunächst aufgegeben. Die Lebensdauer der Flugzelle wurde zunächst mit verschiedenen Modernisierungsprogrammen verlängert. Als sich andeutete, dass dies auf die Dauer ebenfalls sehr teuer würde, wurde im Jahre 2000 ein neues Entwicklungsprogramm begonnen – das Multimission Maritime Aircraft Program. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Anforderungen wurde dabei auf die Gewichtsreduzierung verzichtet, da man bereit war, dies für höhere Reichweiten und Einsatzzeiten in Kauf zu nehmen. Des Weiteren wurden die Anforderungen im Bereich Avionik und Kommunikationssystem erhöht. Neu im Lastenheft war zudem die Forderung, dass die neuen Maschinen UAVs ohne zusätzliche bodengestützte Anlagen steuern können sollten.
Zunächst nahmen nur Boeing und Lockheed Martin an dem neuen Wettbewerb teil. Lockheed schlug dabei die sogenannte Orion 21 vor, bei der es sich um eine komplett überarbeitete Version der alten Turboprop-P-3 handelte. Derweil ging Boeing einen anderen Weg und legte einen Vorschlag vor, der eine Modifizierung ihres 737-800ERX-Verkehrsflugzeugs vorsah. 2001 stieg BAE Systems mit der Nimrod MRA.4 in den laufenden Wettbewerb ein. Sie boten eine modernisierte Variante der alten Nimrod MR.Mk.2 von 1969 ab, die bereits für die britische Marine neu entwickelt wurde. Allerdings zog sich BAe im Oktober 2002 aus dem Wettbewerb zurück, da man erkannt hatte, dass es politisch nicht möglich gewesen wäre, sich gegen die US-amerikanischen Konkurrenten durchzusetzen. Schließlich gewann am 14. Juni 2004 Boeing den Wettbewerb.
Nachdem Boeing das MMA-Programm für sich entscheiden konnte, gab die US Navy am 8. Juli 2004 die ersten fünf Maschinen in Auftrag. Anfang August 2008 wurde die Montage des ersten Prototyps P-8A-T1 im Werk Renton abgeschlossen. Daraufhin wurde in Seattle mit der Instrumentierung sowie mit verschiedenen Bodentests begonnen.[3] Am 25. April 2009 absolvierte die erste P-8A ihren Erstflug,[4] so dass sie spätestens ab 2013 die Lockheed P-3 ablösen kann. Abwurftests von Sonarbojen begannen im Oktober 2010 auf der NAS Patuxent River. Am 19. Juli 2011 startete die erste Vorserienmaschine aus dem sechs Flugzeuge umfassenden LRIP1-Vorserienvertrag in Renton zu ihrem Erstflug.[5] Insgesamt plant die US Navy, 108 Flugzeuge zu beschaffen,[6] wodurch sich die Kosten auf etwa 15 Milliarden US-Dollar belaufen. Neben Boeing sind als Zulieferer auch Raytheon, Northrop Grumman, Spirit AeroSystems, GE Aviation Systems, Marshall Aerospace, CFMI, BAE Systems und Marotta beteiligt. Aufgrund der Absage von Lockheed Martin, das „Aerial Common Sensor“-Projekt weiterzuentwickeln, benutzt Boeing nun ein Linux-System von Wind River Systems für die Aufklärungs- und Missionssysteme.[7]
Die Erprobung der P-8 wird durch die Test and Evaluation Squadrons VX-1 und VX-20 durchgeführt, die auf der Naval Air Station Patuxent River in Maryland stationiert sind. Am 3. Februar nahm erstmals eine P-8 an einer Übung der US-Marine teil, wobei insgesamt 34 Übungseinsätze im Rahmen von „Bold Alligator“ geflogen wurden.[8] Das Testprogramm der US Navy wurde Anfang April 2013 abgeschlossen, die ersten Maschinen sollen im Dezember ihre Premiere in einem Auslandseinsatz haben.[9]
Produktion [Bearbeiten]
(Stand: Juni 2011)[10]
| BureauNo. | Werksnummer | Erstflug |
|---|---|---|
| 167951 T1 | 34394/2599 | 25. April 2009 |
| 167953 T2 | 34396/2814 | 5. Juni 2009 |
| 167954 T3 | 34397/2931 | 23. September 2009 |
| 167952 T4 | 40594/3324 | 18. Oktober 2010 |
| 167955 T5 | 40595/3426 | 22. Januar 2011 |
| 167956 T6 | 40596/3522 | 23. April 2011 |
| 167957 T7 | 40808/3612 | – |
| S1 | 34395/2722 | Zelle für statische Versuche |
| S2 | 34398/3069 | Zelle für Materialermüdungsversuche |
Konstruktion [Bearbeiten]
Die P-8 Poseidon basiert auf der Zivilmaschine Boeing 737. Der von der Version 737-800 stammende Rumpf wurde verstärkt, um der erhöhten Beanspruchung Rechnung zu tragen und einen Waffenschacht integrieren zu können. Auch die umfangreichen Sensoranlagen, deren Antennenanlagen entlang der Rumpfunterseite sichtbar sind, sowie die Avionik machten diese Verstärkung notwendig. An den von der Boeing 737-900 stammenden Tragflächen können ebenfalls Waffen mitgeführt werden.[11]
Als wichtigstes Element der Überwachungsausrüstung gilt das synthetische Breitbandradar Raytheon AN/APY-10 (JETDS-Bezeichnung), eine Weiterentwicklung des AN/APS-137-Radars mit verringertem Energie- und Raumbedarf.
Versionen [Bearbeiten]
- P-8A
- Basisversion für die US-Navy, dient auch für den Export nach Australien und Kanada.
- P-8I
- Exportversion der P-8A für die indische Marine, die einen Bedarf von 12 bis 16 Maschinen hat. Teile der Elektronik stammen dabei aus indischer Produktion. Ein weiterer Hauptunterschied zwischen der P-8A und P-8I ist, dass letztere ein zweites APY-10-Radar im Rumpfheck besitzt, das somit eine 360°-Rundumsicht bietet.
- EP-8
- Nicht realisierte SIGINT-Variante der P-8 als Ersatz für die veraltete Lockheed EP-3E Aries. Die US-Navy prüfte die Anschaffung von 19 bis 26 Maschinen im Rahmen des EP-X-Programms, brach dieses aber zu gunsten einer unbemannten Plattform ab.[12]
Nutzer [Bearbeiten]
Indien- Indische Marine
- 8 P-8I „Neptune“
- Am 2. Januar 2009 entschied sich die indische Marine zur Beschaffung von damals acht P-8I-Maschinen, die bis 2012 die Tu-142 ersetzen sollten. Das Auftragsvolumen des P-8I-Exports betrug etwa 2,1 Mrd. US-Dollar, wobei der Stückpreis bei etwa 200 Mio. US-Dollar liegt. Boeing plant eine Minderheitsbeteiligung indischer Firmen mit einem Anteil von rund 30 %.[13] Der Umfang wurde später auf zwölf Maschinen erhöht und eine Option für vier weitere P-8I im Vertrag eingebaut. Der Erstflug fand am 28. September 2011 und die erste Übergabe am 20. Dezember 2012 beim Hersteller statt. Die erste P-8I traf am 15. Mai 2013 auf ihrer Einsatzbasis bei Arakkonam, der Indian Naval Station Rajali, kurz INS Rajali, ein. Zwei weitere Exemplare sollen in der zweiten Jahreshälfte 2013 noch folgen.
Vereinigte Staaten- U.S. Navy
- 117 P-8A „Poseidon“
- Die amerikanische Marine plante zunächst die Anschaffung von insgesamt 114 P-8As, die in das neue Maritime Surveillance UAV-System integriert werden. Dieses soll ab 2010 die kontinuierliche Seeüberwachung ermöglichen. Dafür werden zusätzlich 68 UAVs vom Typ RQ-4N nötig, die dann von fünf Standorten aus operieren sollen – Hawaii, Diego Garcia; NAS Jacksonville, Florida; Kadena AB, Japan und Sigonella, Italien. Die RQ-4N konnte sich nach einem dreijährigen Auswahlverfahren im August 2008 gegen die Konkurrenzmuster MQ-1C und MQ-9N durchsetzten. Die P-8A werden einen Großteil der operativen Einsatzleitung für die RQ-4N übernehmen. Am 17. Juni 2009 gab die US-Navy bekannt, dass sie für 1,8 Mrd. US-Dollar neun weitere Maschinen anschaffen wolle, wodurch sich die gesamte Flottenstärke auf 123 Maschinen erhöht.[14] Die Initial Operating Capability der Poseidon soll 2013 auf der NAS Jacksonville, Florida, erreicht werden, die erste Serienmaschine traf Anfang März 2012 in Florida ein. Die Schulstaffel ist die Fleet Replacement Squadron VP-30 und drei Einsatzstaffeln sind seit Mitte 2012 in Aufstellung, die Patrol Squadrons VP-16, VP-5 und VP-45 (letztere ab 2013).
Der Misawa Air Base in Nord-Japan und der Kadena Air Base in Okinawa sollen ab Ende 2013 erste P-8A zugewiesen werden.
Interessenten [Bearbeiten]
Australien- Australien plant acht P-8 und sechs RQ-4N zu leasen, um wie auch die US-Marine die P-8 im Netzwerk mit UAV einzusetzen.[15]
Kanada- In einer relativ frühen Phase der Entwicklung bekundeten sowohl Australien als auch Kanada Interesse an der P-8. In Australien soll die Poseidon die AP-3C Orion ersetzten, während in Kanada die CP-140 Aurora abgelöst werden muss. Beide Länder erwerben die P-8 für einen Stückpreis von ungefähr 300 Mio. US-Dollar.
Italien- 2004 bekundete Italien ebenfalls Interesse an der P-8. Die Pläne zur Anschaffung wurden allerdings 2008 aufgegeben.
Technische Daten [Bearbeiten]
| Kenngröße | Daten |
|---|---|
| Länge: | 39,47 m |
| Flügelspannweite: | 37,64 m |
| Höhe: | 12,83 m |
| Leergewicht: | 62.730 kg |
| Maximales Startgewicht: | 85.130 kg |
| Höchstgeschwindigkeit: | 906 km/h |
| Marschgeschwindigkeit: | 789 km/h |
| Dienstgipfelhöhe: | 12.500 m |
| Einsatzradius: | 2.200 km (bei 4 Std. Aufenthaltsdauer im Zielgebiet) |
| Antrieb: | zwei CFM International CFM56-7B mit je 120 kN Schub |
| Besatzung: | 2 Cockpitbesatzung, 7 Operatoren |
Bewaffnung [Bearbeiten]
Da die Poseidon noch in der Erprobung ist, sind auch noch nicht alle Waffen für sie zugelassen. So sind lediglich die vorgesehenen Bewaffnungsoptionen bekannt:
- Kampfmittel bis zu ca. 2.500 kg in einem 4,7 Meter langen internen Waffenschacht mittig im hinteren Rumpfabschnitt
- Luft-Boden-Lenkflugkörper
- 5 × Boeing AGM-84K „SLAM-ER ATA“ – Marschflugkörper gegen Landziele oder Schiffe
- 5 × Boeing AGM-84L „Harpoon Block II“ – Seezielflugkörper
- Torpedos
- 5 × Raytheon Mark 54 MAKO (Durchmesser 324 mm, Leichtgewichts-Hybrid-Torpedo)
- Ungelenkte Bomben
- 3–5 × unbekannter Wasserminen-Typ
- Kampfmittel bis zu ca, 2.000 kg an vier Außenlaststationen unter den beiden Tragflächen
- Luft-Boden-Lenkflugkörper
- 4 × Boeing AGM-84K „SLAM-ER ATA“
- 4 × Boeing AGM-84L „Harpoon Block II“ – Seezielflugkörper
Avionik und Sensorik [Bearbeiten]
- Mehrzweck-Suchradar
- Raytheon AN/APY-10
- Sonarbojen in rotierendem Ausstoßbehälter
- 120 × Sonarbojen
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ US Navy: P-8A Multi-mission Maritime Aircraft (MMA) Fact File. Abgerufen am 7. Juli 2011.
- ↑ Boeing: P-8A Poseidon. Abgerufen am 7. Juli 2011.
- ↑ FlugRevue Oktober 2008, S. 18, P-8A fertig zur Ausrüstung
- ↑ Global: First Boeing P-8A gets airborne, 25. April 2009, abgerufen am 3. März 2010
- ↑ FlugRevue September 2011, S. 14, Erste Serienmaschine fliegt
- ↑ Boeing Integrated Defense Systems: P-8A Poseidon, Produktseite, abgerufen am 9. März 2010
- ↑ Heise: Der Pinguin geht auf U-Boot-Jagd, 31. Juli 2006, abgerufen am 9. März 2010
- ↑ P-8A Poseidon Makes Exercise Debut. In: Air Forces Monthly. Key Publishing, Stamford März 2012.
- ↑ Dave Majumdar: Boeing P-8 testing complete, set for 2013 deployment. In: Flightglobal.com. 10. April 2013, abgerufen am 10. April 2013 (englisch).
- ↑ Jon Lake: God of the Sea – P-8 Poseidon. In: AIR International Juli 2011, S. 90.
- ↑ Christopher P. Cavas: Rare look at Boeing’s new P-8A Poseidon production line (Updated+). In: Intercepts (Blog). DefenseNews, 20. November 2012, abgerufen am 12. Januar 2013 (englisch).
- ↑ US Navy to replace EP-3s with unmanned aircraft. Flight International, 11. August 2011, abgerufen am 11. August 2011 (englisch).
- ↑ Flight Global: Boeing starts search for P-8I offset partners in India, 7. Januar 2009, abgerufen am 9. März 2010
- ↑ Global: PARIS AIR SHOW: US Navy adds aircraft to P-8A order, 17. Juni 2009, abgerufen am 9. März 2010
- ↑ Flight Global: Australia nears decisions on Boeing P-8A, BAMS participation, 9. Februar 2009, abgerufen am 9. März 2010
| Bomber: |
YB-9 • XB-15 • B-17 • B-29 • B-47 • B-50 • B-52 • XB-59 • B-1B |
| Transportflugzeuge: |
C-73 • C-75 • C-97 • C-98 • C-135 • C-137 • YC-14 • C-17 • C-22 • VC-25 • C-32 • C-40 • V-22 |
| Elektronische Kampfflugzeuge: |
EA-18 • EC-18 • EC-135 • E-3 • E-4 • E-6 • E-8 • E-10 • E-767 • 737 AEW&C (E-7) |
| Jagdflugzeuge: |
PW-9/FB • F2B • F3B • F4B • XF6B • XF7B • XF8B • P-12 • P-26 • P-29 • AV-8B+ • F-15 • F/A-18 • F-22 |
| Tankflugzeuge: | |
| Seepatrouillenflugzeuge: | |
| Trainingsflugzeuge: | |
| Aufklärungsflugzeuge: | |
| Versuchsflugzeuge und UAVs: |
Bird of Prey • Phantom Eye • Phantom Ray • Quad Tiltrotor • ScanEagle • X-20 • X-32 • X-36 • X-37 • X-45 • X-46 • X-50 • X-51 • YAL-1 • YMQ-18 |
Siehe auch: Liste der zivilen Flugzeugtypen des Herstellers Boeing und Hubschrauber der Herstellers Boeing