Ciro Ferrara

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Ciro Ferrara

Ciro Ferrara 2012

Spielerinformationen
Geburtstag 11. Februar 1967
Geburtsort NeapelItalien
Größe 179 cm
Position Innenverteidiger
Vereine in der Jugend
1980–1984 SSC Neapel
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1984–1994
1994–2005
SSC Neapel
Juventus Turin
247 (12)
253 (15)
Nationalmannschaft
1986–1988
1988
1987–2000
Italien U-21
ital. Olympiaauswahl
Italien
6 0(1)
6 0(1)
49 0(0)
Stationen als Trainer
2009–2010
2010–2012
2012
Juventus Turin
Italien U-21
Sampdoria Genua
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ciro Ferrara (* 11. Februar 1967 in Neapel) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler und heutiger -trainer.

Ferrara galt als technisch guter und kopfballstarker Innenverteidiger und bildete zusammen mit Paolo Montero Ende der 1990er Jahre bei Juventus Turin eine der besten Innenverteidigungen der Welt. Zudem konnte er als Spieler sechs Meistertitel gewinnen.

Als Co-Trainer von Italien-Cheftrainer Marcello Lippi feierte er den Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.[1] Von Sommer 2006 bis 2009 arbeitete er als Koordinator der Jugendabteilung bei Juventus Turin. Am 18. Mai 2009 ersetzte er zudem den entlassenen Cheftrainer Claudio Ranieri und wurde nach einem erfolgreichen Saisonabschluss neuer Cheftrainer der Alten Dame.

Karriere[Bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten]

Im Verein[Bearbeiten]

Bis 1994: SSC Neapel[Bearbeiten]

Im Alter von 14 Jahren war Ciro Ferrara vorübergehend an den Rollstuhl gebunden, da er unter Schmerzen litt, die aufgrund einer Morbus Osgood-Schlatter-Erkrankung hervorgerufen wurden.[2] Jedoch verhinderte diese Erkrankung nicht seine sportliche Karriere, die am 5. Mai 1985 im Stadio San Paolo zu Neapel mit seinem Serie-A-Debüt einen ersten Höhepunkt erlebte. Ironischerweise lief er in seinem ersten Spiel gegen Juventus Turin auf, den Verein, mit dem er später viele nationale und internationale Titel gewinnen sollte.

Zu dieser Zeit spielte auch Diego Maradona in Neapel und führte das Team um Gianfranco Zola und Ferrara zum ersten Scudetto-Gewinn und dem zweiten Erfolg in der Coppa Italia in der Saison 1986/87. Nach zwei aufeinanderfolgenden Vize-Meisterschaften, bei denen man den Mailänder Clubs AC 1987/88 und Inter 1988/89 den Vortritt lassen mussten, holte Ferraras Team unter dem neuen Trainer Alberto Bigon 1989/90 den bis dato letzten Meistertitel für den SSC. Ferraras erster Coach und Förderer Ottavio Bianchi, ab 1985 für Napoli tätig, war nach den beiden zweiten Plätzen durch Bigon ersetzt worden.[3]

Auch international blieb Ciro Ferrara in seiner neapolitanischen Zeit nicht ohne Titel. In der Spielzeit 1988/89 errang er seine und Neapels erste europäische Trophäe mit dem Gewinn des UEFA-Pokals gegen den VfB Stuttgart (2:1 und 3:3).

Nach der Meisterschaft 1990 fiel der Verein zu Beginn der 1990er ab und erreichte unter Bigon nur mehr einen siebenten Platz. Danach folgten ihm die Trainer Claudio Ranieri mit einem vierten Rang, Ottavio Bianchi mit einem Kurzintermezzo für Rang elf und Marcello Lippi mit Platz sechs, der nach dieser einen Saison 1993/94 beim italienischen Rekordmeister Juventus unterschrieb und seinen Abwehrchef Ferrara nach zehn Profijahren zur Alten Dame lotste.

In zehn Spielzeiten trug Ferrara 323 Mal das blaue Trikot, davon absolvierte er 247 Spiele in der Serie A (12 Tore) und 47 im Pokal (2 Tore). Zudem lief er einmal in der Supercoppa Italiana auf und gewann sie. Auf europäischer Ebene spielte er 28 Mal für den SSC.

1994–2005: Juventus Turin[Bearbeiten]

Mit dem Wechsel des neapolitantischen Urgesteines zu den Bianconeri nach Turin begann die zweite Hälfte von Ciro Ferraras aktiver Karriere, die nicht minder erfolgreicher werden sollte. Gleich in seiner ersten Saison im weiß-schwarzen Trikot gewann er 1994/95 seinen dritten Scudetto, der für Juventus die insgesamt zwanzigste bedeuten sollte, und holte mit dem Triumph in der Coppa Italia seinen zweiten und Juves bis heute letzten Titel im Pokalwettbewerb. Im Jahr darauf gewann er im Elfmeterschießen die Champions League gegen das von Louis van Gaal trainierte Ajax Amsterdam. Ferrara verwandelte an diesem Abend im Stadio Olimpico zu Rom seinen Elfmeter.

In dem Trikot der Alten Dame lief er 358 Mal auf: 253 Serie A-Partien (plus ein Entscheidungsspiel um eine Platzierung für einen europäischen Wettbewerb), darin gelangen ihm 15 Tore; 26 Pokalpartien und drei Supercup-Auftritte; 74 Europapokal-Einsätze und eine Partie um den Weltpokal gegen River Plate aus Argentinien.

In Turin gewann er sechs Scudetti (1995, 1997, 1998, 2002, 2003, 2005), wobei der Titel von 2004/05 im Rahmen des italienischen Manipulationsskandals von 2006 Juve aberkannt wurde – zudem eroberte er seinen zweiten italienischen Pokal (1995), vier italienische Supercups (1995, 1997, 2002, 2003), einmal die UEFA Champions League (1996), einen europäischen Supercup (1996), einen Weltpokal (1996) und einmal den UEFA Intertoto Cup 1999.

Am 15. Mai 2005, fast genau 20 Jahre nach seinem Debüt, spielte Ferrara seine letzte Partie gegen den FC Parma in Turin. Am Ende dieser Saison beendete er mit seinem siebenten Meistertitel seine Karriere. Er ist der zehnte italienische Spieler, der über 500 Ligapartien in der Serie A absolviert hat. Seine Trainer bei der Alten Dame waren Marcello Lippi (1994–1999 und 2001–2004), Carlo Ancelotti (1999–2001) und Fabio Capello (ab 2004).

In einem emotionsreichen Abschiedsspiel im Stadio San Paolo von Neapel trat Ferrara, begleitet von vielen Weggefährten, von der Fußballbühne ab. Die Anwesenheit von Diego Maradona, der von den über 70.000 Zuschauern frenetisch gefeiert wurde, machte den Hauptakteur dabei zeitweise sogar zum Nebendarsteller.

In der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Sein Debüt in der italienischen Nationalmannschaft feierte Ciro Ferrara am 10. Juni 1987 beim 3:1 gegen Argentinien. Zudem gehörte er 1988 zur italienischen Olympiamannschaft, die bei den Sommerspielen in Seoul den vierten Platz belegte. 1990 war er Teil der italienischen Mannschaft, die bei der Heim-WM Dritter gegen England wurde. Jedoch qualifizierte sich Italien nicht für die Euro 1992 in Schweden.

Mit dem Transfer zu Juventus Turin wurde Ferrara zum Stammspieler in der Squadra Azzurra, jedoch verletzte er sich 1996 vor der Europameisterschaft in England und fiel somit für das Turnier aus. Italien schied in der Gruppenphase aus. Dasselbe widerfuhr ihm vor der Weltmeisterschaft in Frankreich, wo für die Azzurri im Viertelfinale gegen den Gastgeber im Elfmeterschießen das Turnier beendet war.

Unter Torwartlegende Dino Zoff absolvierte Ferrara bei der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden seine letzten Spiele für die Italiener. Dort fehlten nur wenige Sekunden zum Titelgewinn gegen Frankreich, wo jedoch Sylvain Wiltord und Ferraras späterer Teamkollege von Juventus David Trezeguet das Spiel noch für die Blues entschieden (1:2 n.V.).

Da Ferrara unter dem nachfolgenden Nationaltrainer Giovanni Trapattoni nicht mehr berücksichtigt wurde, blieb die Anzahl seiner Länderspiele auf 49 Länderspielen (kein Tor) begrenzt.

Als Trainer[Bearbeiten]

2005–2006: Assistenz von Marcello Lippi[Bearbeiten]

Nach seinem Karriereende bei Juventus wurde Ciro Ferrara Teil des Betreuerteams um Nationaltrainer Marcello Lippi. Dort wurde ihm der Posten des Co-Trainers zugewiesen und trug somit auch zum Gewinn des Weltmeistertitels 2006 in Deutschland bei.

2006–2008: Jugendkoordinator bei Juventus Turin[Bearbeiten]

Nach der WM 2006 arbeitete Ferrara für zwei Jahre als Koordinator der Jugendabteilung bei Juventus Turin. Zwischenzeitlich war er auch als Kommentator für das italienische Pay-TV tätig.

2008–2009: Rückkehr auf die Bank der Squadra Azzurra[Bearbeiten]

Nach der erfolglosen Euro 2008 in Österreich und der Schweiz ersetzte der Weltmeistertrainer Lippi den glücklosen Roberto Donadoni auf der Bank der italienischen Nationalmannschaft und bewegte auch Ferrara zu einer Rückkehr als sein Co-Trainer.

2009–2010: Juventus Turin[Bearbeiten]

Interimstrainer für zwei Spiele[Bearbeiten]

Nach der Entlassung von Claudio Ranieri am 18. Mai 2009 übernahm Ferrara für zwei Spiele den Posten als Interimscoach von Juventus[4], um die direkte Qualifikation für die UEFA Champions League zu schaffen, die unter seinem Vorgänger als nicht mehr sicher galt. Die Mannschaft hatte sich gegen Ranieri gestellt und ihm taktische Fehler vorgeworfen. Die Unstimmigkeiten in der Mannschaft gipfelten darin, dass Mauro Camoranesi sich weigerte, zur Halbzeit des Spieles gegen US Lecce ausgewechselt zu werden und den Trainer anschrie[5].

Eine Woche später, am 24. Mai, absolvierte Ferrara sein Debüt auf der Weißschwarzen Bank und führte die Mannschaft zu einem 3:0 gegen den AC Siena. Mit einem 2:0 gegen Lazio Rom holte er mit dem zweiten Sieg den Vize-Meistertitel in der Serie A und damit die direkte Qualifikation für die Champions League 2009/10.

Während der Sommerpause zur Saison 2009/10 kursierte einige Zeit der Name des Roma-Trainers Luciano Spalletti in den italienischen Gazetten, der die Alte Dame für die nächste Saison übernehmen sollte, jedoch gab dieser am 5. Juni 2009 bekannt, dass er doch beim Hauptstadtklub bleiben wolle[6] und somit wurde Ferrara noch am selben Tag[7] zum Cheftrainer für die Saison 2009/10 ernannt und unterschrieb einen Zweijahresvertrag.

Saison 2009/10[Bearbeiten]

Für die Saison 2009/10 wurde das Team der Alten Dame förmlich erneuert. So wurden im Sommer Spieler wie Olof Mellberg, Cristiano Zanetti und Marco Marchionni abgegeben, zudem beendete Pavel Nedvěd seine aktive Karriere. Die Weißschwarzen investierten mit Diego (bis dahin Werder Bremen), Felipe Melo (AC Florenz) und Fabio Grosso (Olympique Lyon) in neue potenzielle Leistungsträger. Auch wurde Nationalmannschaftskapitän Fabio Cannavaro von Real Madrid zurückgeholt, um zusammen mit Giorgio Chiellini die neue Innenverteidigung zu bilden. Mit diesen Neueinkäufen und Ferrara auf der Trainerbank wollten die Bianconeri den nunmehrigen Serienmeister Inter Mailand den Scudetto streitig machen.

Nach einem verheißungsvollen Start mit vier Siegen und zwei Unentschieden in sechs Spielen folgten nach der ersten Niederlage gegen US Palermo (0:2) inkonstante Leistungen der Mannschaft, die im Dezember mit den Niederlagen gegen Bari (1:3) und dem Letzten[8] in der Meisterschaft Catania (1:2) ihren Tiefpunkt fanden. Davor verspielte Ferraras Mannschaft den beinahe sicher geglaubten Aufstieg ins Champions League-Achtelfinale durch eine 1:4-Niederlage gegen den FC Bayern München im letzten Gruppenspiel, woraufhin sich der junge Trainer bei den Fans entschuldigte. Nach dieser Niederlage wurden Stimmen laut, Ferrara solle entlassen werden. Doch der zu dem Zeitpunkt neugewählte Juve-Präsident Jean-Claude Blanc hielt an ihm fest.[9]

Zur Weihnachtspause der Serie A kursierten einige Spekulationen zu Ferraras Verbleib in Turin durch die Medienlandschaft. So wurde Guus Hiddink[10], dessen Vertrag als russischer Nationaltrainer endete, und Italien-Coach Marcello Lippi, der als Ferrara-Nachfolger nach Saisonende im Gespräch war, gehandelt.[11]

Zur Jahresfrist stand Ferrara mit seiner Mannschaft auf Platz drei der Serie A und „überwinterte“ international nach dem Champions League-Ausscheiden in der Europa League.

Am 29. Januar 2010 wurde Ferrara von Juventus entlassen. Am 22. Oktober 2010 wurde er nach der Entlassung von Pierluigi Casiraghi zum neuen Trainer der italienischen U-21-Nationalmannschaft ernannt.[12]

2012: Sampdoria Genua[Bearbeiten]

Zur Saison 2012/13 übernahm er den Aufsteiger aus der Serie B, Sampdoria Genua. Nach erfolgreichem Start wurde er aber bereits am 17. Dezember 2012 entlassen, da Sampdoria den Abstiegsrängen immer näher kam.

Erfolge[Bearbeiten]

Als Spieler[Bearbeiten]

Im Verein[Bearbeiten]

* aberkannt im Rahmen des italienischen Fußball-Skandals 2005/2006

In der Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Als Trainer[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ciro Ferrara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTrainerprofil Ciro Ferrara. www.juventus.com, abgerufen am 27. Juli 2009.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCito Vincenzo: L' ultimo ciro. archiviostorico.gazzetta.it, 4. Juni 2005, abgerufen am 27. Juli 2009 (italienisch).
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe 80s Historical Teams. www.sccnapoli.it, abgerufen am 27. Juli 2009.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJuventus entlässt Ranieri. www.kicker.de, 18. Mai 2009, abgerufen am 18. Mai 2009.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatChaostage bei der Alten Dame. www.kicker.de, 5. Mai 2009, abgerufen am 27. Juli 2009.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSpalletti bleibt doch. www.kicker.de, 5. Juni 2009, abgerufen am 27. Juli 2009.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFerrara bleibt Juve-Coach. www.kicker.de, 5. Juni 2009, abgerufen am 5. Juni 2009.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJuve stolpert über das Schlusslicht. www.kicker.de, 20. Dezember 2009, abgerufen am 2. Januar 2010.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFerrara entschuldigt sich. www.kicker.de, 9. Dezember 2009, abgerufen am 2. Januar 2010.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHiddink will in Russland bleiben. www.kicker.de, 18. Dezember 2009, abgerufen am 2. Januar 2010.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatLippi will nicht zu Juve zurück. www.kicker.de, 22. Dezember 2009, abgerufen am 2. Januar 2010.
  12. FIGC: Ferrara è il nuovo tecnico, Peruzzi vice: lunedì in Figc la presentazione