Österreichische Literatur

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Die Österreichische Literatur ist ein Teil der Deutschsprachigen Literatur. Sie bezeichnet den Literaturbetrieb in der Republik Österreich beziehungsweise Werke österreichischer Autoren. Auch Schriftsteller der Österreichischen Monarchie von vor November 1918 werden dazu gezählt, allerdings ist dabei die eindeutige Abgrenzung zu anderen Literaturen schwierig.

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff „Österreichische Literatur“ ist nicht eindeutig definiert. Es gibt und gab immer wieder Bemühungen, eine eindeutige und allumfassende Definition herauszuarbeiten. Eine generelle, formale Beschreibung ist jedoch nicht möglich, weshalb der Begriff im Wesentlichen auf Autoren angewandt wird, die in Österreich-Ungarn oder später in der Republik Österreich geboren wurden und/oder dort ihren Lebensmittelpunkt hatten. Da viele dieser Autoren jedoch zugewandert waren oder aber im Laufe ihres Lebens ihren Lebensmittelpunkt ins deutsch- oder im 20. Jahrhundert auch ins fremdsprachige Ausland zumindest für längere Zeit verlegten (bzw. verlegen mussten), sind konkrete, historische, rein geografische oder auch szenespezifische lokalästhetische Definitionen der Eigenheiten österreichischer Literatur nicht möglich. Dennoch gibt es zweifellos einzelne oft auch zeit- und strömungsübergreifende Traditionslinien sowohl formaler als auch stofflicher Art, die aber nur für jeweils konkrete Epochen oder Literaturströmungen genau gefasst werden können.

Der Literaturwissenschafter Wendelin Schmidt-Dengler schrieb dazu: „Die Literatur aus Österreich ist gewiß zum überwiegenden Teil in deutscher Sprache abgefaßt, aber sie gehorcht auf Grund der historischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ganz anderen Gesetzen, auch im Bereich der reinen Form und des Inhalts.“[1]

Auf der anderen Seite kann die österreichische Literatur jedoch auch als Teil der deutschen Literatur aufgefasst werden. So etwa war für den österreichischen Autor Hugo von Hofmannsthal die Idee einer „österreichischen Literatur“ lediglich eine ideologische „Fiktion“: „Denn darauf scheinen mir letztlich alle Betrachtungen überpolitischer Art, welche sich mit dem Phänomen Österreich beschäftigen, hinauslaufen zu müssen: die Fiktion einer österreichischen Musik, einer österreichischen Literatur – alles das gibt es nicht, es gibt nur eine deutsche Musik und eine deutsche Literatur, und in dieser die von Österreichern hervorgebrachten Werke. Denn diese Begriffe haben nur mit der gesamten deutschen Nation zu tun, wie sie einst im Heiligen Römischen Reich repräsentiert war ...“[2]

Einleitung[Bearbeiten]

Die Geschichte bildet einen wichtigen Faktor für eine mögliche Definition der österreichischen Literatur. Teile Österreichs waren zwar mit Teilen der Schweiz und Deutschland in einem gemeinsamen Sprachraum vereint; was die jeweiligen Territorialherrschaften anging, waren diese jedoch nie sprachlich definiert, weshalb eine rein auf „deutscher“ Sprache basierende Definition zu kurz greift. Im Mittelalter, der frühen Neuzeit und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein bestand ein nur sehr loser Zusammenhang zwischen Literatursprache, Literaturformen und den jeweiligen Territorialherren. Für das Mittelalter ist in der Regel kaum zu fassen, woher ein bestimmter Dichter stammte – es fehlen die Zeugnisse –; in der Zeit danach war häufig noch auf lange Zeit das Lateinische die vorherrschende übernationale Literatursprache. Im Unterschied zu England und Frankreich entwickelten sich nationale Traditionen im deutschen Sprachraum spät. Erst im 19. Jahrhundert, im Gefolge der Romantik und mit der beginnenden Erweckung osteuropäischer Sprach- und Literaturwissenschaft, begann eine Differenzierung zwischen Territorium (das heißt Herrschaftsbereich) und Volkssprache und Kultur. Zuvor galt auch für die volkssprachlich nichtdeutschen Bereiche des Habsburgischen Reiches für die Gebildeten entweder das Deutsche oder aber das Lateinische fraglos als Literatur- und Kultursprache.

Diese Entwicklung verschärfte sich im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in engem Zusammenhang mit der Nationalitätenfrage innerhalb des Habsburger Reiches. Ein Schriftsteller wie zum Beispiel Franz Kafka, der durchaus tschechisch sprach, schrieb auf Deutsch, während Italo Svevo (dessen Pseudonym „italienischer Deutscher“ bedeutet – er war deutsch-jüdischer Herkunft) auf Italienisch (wenn auch im Dialekt von Triest – welcher seinerseits in Italien wenig angesehen war) schrieb, und Jan Neruda und Jaroslav Hašek ihre Werke in tschechischer Sprache verfassten. Elias Canetti schließlich wuchs in bulgarischer, spaniolischer, deutscher und englischer Sprache auf, schrieb aber auf Deutsch und ist so ein spätes Abbild der vielfältigen Sprachen und kulturellen Schichten des Habsburger Reiches.

Der Kulturraum[Bearbeiten]

Das heutige Österreich liegt geographisch in einem Gebiet von Europa, in dem sich verschiedene Kulturkreise überlappen. Mit dem Donauraum war ein Durchzugsgebiet gegeben, welches von den Alpen begrenzt, aber auch geschützt wurde. Dadurch konnte sich eine Vielzahl kultureller Eigenheiten erhalten, die in das Denken und damit auch in die Literatur eingeflossen sind.

Der Vielvölkerstaat[Bearbeiten]

Das Territorium, auf dem sich Österreich entwickelte, war eine Drehscheibe für Handel und Verkehr. Gleichzeitig war es ein Gebiet, welches durch zahlreiche Konflikte und religiöse Trennungen stark durchmischt war.

Die Religionsproblematik ergab sich aus der Nähe zu Rom und zu Byzanz. Je näher ein Territorium einem der beiden Machtzentren war, desto mehr wurde das andere um Unterstützung und Hilfe gebeten. Daraus resultierte ein Gemisch der Religionen, welches durch die Türken und den Islam noch komplizierter wurde. Die Habsburger schafften es aber, die Religionen halbwegs geschickt nebeneinander existieren zu lassen.

Weiters verfolgten die Habsburger eine gezielte Siedlungspolitik, die die unruhigen Serben-Stämme des Grenzlandes schlicht als Wehrbauern auf kroatischen Gebieten siedeln ließ und sie mit Privilegien ausstattete, wenn sie die Grenze patrouillierten. Dazu kam der natürliche Menschenfluss, der schon zu Zeiten Josephs II. so problematisch wurde, dass an den Grenzstationen erste Quarantänedörfer eingerichtet wurden, um das Einschleppen von Krankheiten zu verhindern. Später kamen ein ambitioniertes Serbien und Albanien dazu, von denen das Letztere als österreichisches Protektorat gegründet wurde, um Serbien den Meerzugang zu verwehren.

In Österreich lebten schließlich all diese verschiedenen Nationalitäten gemeinsam zusammen (Bosnier, Bulgaren, Deutsche, Italiener, Kroaten, Rumänen, Serben, Slowaken, Slowenen, Tschechen, Ungarn, Ukrainer sowie Szekler und Rätoromanen). Diese wurden zunächst von einer, dann von zwei Nationalitäten dominiert, was zwangsläufig zu Spannungen führte. Während die Monarchie sich nicht überwinden konnte, den Völkern mehr politische Mitspracherechte einzuräumen, gab es auf kultureller Ebene eine rege Durchmischung und gegenseitige Beeinflussung.

So entstanden in der Monarchie unterschiedliche Mikrokosmen. In Städten wie Prag, Budapest und Wien, auf den Inseln Dalmatiens, im Donauraum und den Alpen oder in der ungarischen Tiefebene entwickelten sich jeweils spezifische Charakteristiken in Literatur und Kultur. In all diesen Regionen gab es neben einer eigenständigen und stark regional ausgerichteten Kultur immer auch ein, durch die anderen Strömungen und Nationalitäten beeinflusstes, Kulturschaffen – manchmal sogar von ein und demselben Künstler.

Dieses eigenartige Lebensgefühl spiegelt sich zum Beispiel in den Operetten der Zeit wider. Vom ungarischen Temesvar (Zigeunerbaron, Johann Strauß Sohn, 1825–1899) über das deutsch-österreichische Grenzland (Obersteiger, Carl Zeller, 1842–l898), die Kaiserstadt Wien (Carl Michael Ziehrer, 1843–1922) bis nach Dalmatien fühlte sich das Publikum selbstverständlich zu Hause.

Die ungerechte Verteilung der politischen Entscheidungen führte allerdings auch zu einem verstärkten Nationalismus insbesondere am Balkan, welcher schlechter gestellt war als andere Teile des Reiches. Diese inneren politischen Spannungen waren es auch, die letztendlich neben der wirtschaftlich schlechten Lage zum Zerfall der Monarchie führen sollten.

Auch Joseph Roth (1894–1939) zeichnet in seinem Roman Radetzkymarsch, ironischerweise benannt nach dem gleichnamigen Musikstück von Johann Strauß Vater (1804–1845) für den Helden der Völkerschlacht von Leipzig, ein trauriges Bild einer zerfallenden Monarchie.

Viele Negativbilder und Ängste kommen in dem Buch zum Vorschein. So wird Kaiser Franz Joseph als einziger Garant für Stabilität und Sicherheit gesehen und die Situation nach seinem Tod so umschrieben:

„Der Balkan wird mächtiger sein als wir. Alle Völker werden ihre dreckigen kleinen Staaten errichten, und sogar die Juden werden einen König in Palästina ausrufen. In Wien stinkt schon der Schweiß der Demokraten [...]“ (Joseph Roth: Radetzkymarsch, S. 184)

Gerade der immer älter und verwirrter werdende Kaiser, der Reformen verhinderte und einem aussterbenden Fossil gleicht, ist ein Symbol für den drohenden Untergang der Monarchie, genauso wie der Name „Kapuzinergruft“ (1938), der Fortsetzung des Romanes.

„Ich erinnere mich noch gut an Ihren Vater!“ sagte der Kaiser zu Trotta. „Er war sehr bescheiden, der Held von Solferino!“ – „Majestät“, erwiderte der Leutnant, „es war mein Großvater!“ (Joseph Roth: Radetzkymarsch, S. 303)

Philosophisch-religiöse Einflüsse[Bearbeiten]

Lange vor dem Nationalismus des 19. Jahrhunderts wurde das Konzept „Nation“ schon durch die Religion getragen. Daher ist es gerade für das Verständnis des Habsburger-Reiches und seiner Kunstschaffenden notwendig, sich dem Thema Religion zu widmen, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass das Bibliothekswesen zumindest bis zu Joseph II. fest in den Händen der katholischen Kirche lag.

Während im 15. Jahrhundert der Konnex zwischen Staat und Religion noch nicht eindeutig hergestellt war, konnte man schon in der Kunst des 16. Jahrhunderts die Identifikation einer Nation bzw. eines Volkes mit einer bestimmten Religion (insbesondere der Ikonographie) sehen. Dies stellte die Habsburger vor eine schwierige Aufgabe. Speziell in Osteuropa gab es durch die Religion auch eine Klassentrennung (katholische Landeigentümer, griechisch-orthodoxe unfreie Landarbeiter und jüdische Handwerker – siehe dazu zum Beispiel: Franz A.J. Szabo: „Austrian First Impressions of Ethnic Relations in Galicia: The Case of Governor Anton von Pergen. Polin 12 (1999)).

Die Habsburgermonarchie war daher ursprünglich nicht nur ein Vielvölker- sondern auch ein Viel-Religionen-Staat. Sowohl die ethnischen als auch die religiösen Einflüsse vermengen sich besonders offen in der Literatur. Während die römisch-katholische Religion in den westlichen Reichsteilen vorherrschend war, gab es speziell im Osten des Reiches eine bunte Vielfalt.

Erst durch Martin Luthers Reformation und die durch die traditionell in Österreich stark vertretenen Jesuiten angeführte Gegenreformation verschärfte sich der Konflikt zwischen den Religionen und führte schließlich zur offenen Rebellion (Zweiter Prager Fenstersturz), die den Dreißigjährigen Krieg auslöste. Dieses historische Thema wurde auch später in der Literatur immer wieder aufgegriffen und diente der versteckten Kritik am Staat (so zum Beispiel: Arthur Achleitner: Der Landprofos. Roman aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, 1907).

Durch den Westfälischen Frieden von 1648 und die daraus entstandene Haltung der Toleranz konnte der Krieg beendet und ein erster Kompromiss zum Thema Religionsfreiheit gefunden werden. Durch das Toleranzpatent von 1781 erlaubte Kaiser Joseph II. freie Religionsausübung aller seiner Untertanen und den Bau von Kirchen und religiösen Schulen. Erst 1950 mit der Unterzeichnung der Europäischen Menschenrechtskonvention sollte die Religionsfreiheit zu einem allgemeinen Recht werden.

Der österreichische Staat benutzte alle Religionen als Mittel zur Beeinflussung und patriotischen Erziehung seiner Untertanen. Die Ausbildung der Priester wurde ab Joseph II. grundsätzlich vom Staat selbst in eigens dafür gegründeten Priesterseminaren vorgenommen. Der josephinische Dorfpfarrer war damit auch mehr Beamter als Priester (er führte die Geburts- und Sterbebücher, die Bevölkerungsstatistik, die Armenversorgung, war in Ackerbau ausgebildet etc.) und sollte die Bevölkerung im Sinne des Staates erziehen.

Für die Frage der österreichischen Literatur ist diese Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Durch die Schaffung einer eigenen, dem Staat und der Bevölkerung verpflichteten einheitlichen Bildungselite in Form der Seminaristen wurden die Grundsteine für eine gemeinsame Nation gelegt.

Dabei wurden im gesamten Habsburgerraum nach einheitlichen Kriterien Werte und Wissen an die lokale Bevölkerung weitergegeben, auf die die spätere intellektuelle Schicht zurückgreifen konnte. Diese gemeinsamen Motive und Werte lassen sich auch in Ansätzen bis in die heutige Zeit hinein in den nationalen Literaturen Mittel- und Osteuropas finden.

Literatur durch die Jahrhunderte[Bearbeiten]

Epochen, Strömungen und ihre Vertreter[Bearbeiten]

Anfang und Ende einer literarischen Epoche sind immer schwer zu erfassen. Die Epochen werden hier (soweit möglich) nach dem Anfang der Epoche geordnet. So werden Abhängigkeiten zwischen den Epochen besser erkennbar.

Bis 1700[Bearbeiten]

Frühes Mittelalter (etwa 750–1170)[Bearbeiten]

Im Frühmittelalter wurde Dichtung fast nur mündlich verbreitet. Aus diesem Grund ist Vieles verloren gegangen. Bildung und Kultur waren auf die Stifte und Klöster begrenzt, die erhalten gebliebenen Schriften, haben daher eine religiöse Funktion.

Verschiedene Quellen lassen allerdings darauf schließen, dass es aristokratische Geschichtsüberlieferung (Heldenlieder, Erzähllieder, Fürstenpreis), lyrische „Folklore“ (Tanz-, Liebeslieder, Totenklagen, Zaubersprüche) gab. Nur durch Zufall sind einzelne Texte im klösterlichen Umfeld aufgeschrieben worden. Beispiele hierfür sind die Merseburger Zaubersprüche, zwei germanische Beschwörungsformeln, die zugleich als einziger niedergeschriebener Beleg für die heidnische Religiosität im deutschsprachigen Raum gelten. Wertvoll als Beleg germanischer Heldendichtung ist das Hildebrandslied.

In der Karolingerzeit kann man von der ersten Regungen der deutschen Literatur sprechen. Die Texte waren hauptsächlich Übersetzungen aus dem Lateinischen zum besseren Verständnis für das einfache Volk sowie Buß-, Heils- und Mariendichtungen, die verstärkt zur Zeit der Ottonen und frühen Salier aufkamen. Es war die Zeit der Vorhöfischen und der Spielmannsdichtung. Die üblichen Formen waren liturgische Hymnen und geistliche Lieder sowie die Stabreimdichtung.

Die einzelnen Werke wurden oft in sogenannten Sammelhandschriften zusammengefasst und gemeinsam aufbewahrt. Die ältesten bekannten Werke sind der Wiener Hundesegen (Ende 9. bis Anfang 10. Jh.), die „Altdeutsche Genesis“ (Ende 12. Jh.) und die Millstätter Handschrift (ca. 1200). Die Autoren der meisten alten Texte sind nicht namentlich bekannt, einige Ausnahmen sind:

  • Ava (geistliche Dichterin, älteste namentlich bekannte Autorin, die in deutscher Sprache dichtete; * um 1060; † 7. Februar 1127)
  • Der von Kürenberg oder Der Kürenberger (Mitte des 12. Jahrhunderts) ist der älteste namentlich bekannte deutsche Lyriker und einer der frühesten Vertreter des Minnesangs. Der Kürenberger war wahrscheinlich ein niederösterreichischer Ritter aus der Gegend um Linz im heutigen Oberösterreich.
  • Dietmar von Aist, Minnesänger, der wahrscheinlich zur selben Zeit wie Der von Kürenberg lebte.
  • Heinrich von Melk (2. Hälfte 12. Jh.) war ein Laienbruder, der in der Mitte des 12. Jahrhunderts vermutlich im Klosterstift Melk in Niederösterreich lebte. Seine satirisch gefärbten Werke stellen einen Höhepunkt des asketischen Schrifttums seiner Zeit dar.

Hoch- und Spätmittelalter (1170–1500)[Bearbeiten]

In den Jahrzehnten nach 1150 brach eine „Blütezeit“ der deutschen Literatur an. An einzelnen Höfen des Feudaladels verbreitete sich eine kultivierte literarische Praxis nach romanischem Vorbild: die sogenannte Höfische Literatur. In der Lyrik entwickelten sich der Minnesang und die Sangspruchdichtung, mit ihren wichtigsten Vertretern Heinrich von Morungen, Reinmar von Hagenau und Walther von der Vogelweide. Das Rittertum gewann im Hoch- und Spätmittelalter an Bedeutung. Teilweise war dies auf die Kreuzzüge zurückzuführen. Verstärkt fanden neue Motive Eingang in die Literatur. Die Welt der Antike, die Artuswelt, die Heldenepen und die Liebesthematik im Minnesang sind eine direkte Konsequenz eines erstarkten Rittertums und dominieren neben Geistlichen Spielen thematisch. Für die höfische Epik galt schon den Zeitgenossen als Gründungsakt der Eneasroman des Heinrich von Veldeke, der vom Niederrhein an den Landgrafenhof in Thüringen kam und sein Werk dort gegen 1185 fertigstellte. Danach entstanden nach französischen Vorlagen (Chrétien de Troyes) zahlreiche höfische Epen in mittelhochdeutscher Sprache. Die bekanntesten sind hier Erec und Iwein (Hartmann von Aue), Tristan und Isold (Gottfried von Straßburg), Parzival (Wolfram von Eschenbach). Abseits von dieser „modernen“ Erzählkultur bleibt das anonym überlieferte Heldenepos Nibelungenlied.

Um die Mitte des 12. Jahrhunderts gewann auch die Geschichtsepik als stärker weltlich orientierte Dichtung erstmals poetischen Rang.

Im Spätmittelalter erstarkten die Städte; sie sind daher auch mehr in der Literatur vertreten. Der Frühhumanismus taucht ebenfalls in literatischen Werken auf. Als revolutionär erwies sich am Ausgang des Mittelalters der Buchdruck mit beweglichen Lettern. Schließlich konnte Pergament als Beschreibstoff durch billiges Papier ersetzt werden. Am Übergang zur Neuzeit steht Johannes von Tepls (bzw. von Saaz’) Der Ackermann aus Böhmen, das in Prag verfasst wurde.

Literarische Formen

Walther von der Vogelweide (Codex Manesse, um 1300)

Im Hochmittelalter entstanden weitere literarische Formen. So verhalf Walther von der Vogelweide Anfang des 13. Jahrhunderts dem Minnesang zu seinem Höhepunkt. Im Gegensatz zum Minnesang konnte der Meistergesang in Österreich kaum Fuß fassen.

Eine Grundform der österreichischen Literatur des Mittelalters war die Spieldichtung. Geistliche wie auch weltliche Spiele (Passionsspiele, Mysterienspiele, Fastnachtspiele) waren besonders in den Alpentälern weit verbreitet. Die Meisterdichtung des deutschen Raumes war demgegenüber im Gebiet Österreichs nur geringfügig vertreten. Diese Tradition setzte sich im Barock fort.

Andere literarische Formen des Mittelalters sind das mittelhochdeutsche Heldenepos (z. B.: Nibelungenlied) und das höfische Epos, das die ritterlichen Werte thematisiert.

Weitere Autoren:

  • Reinmar von Hagenau († vor 1210 in Wien), war der bedeutendste Minnesänger vor Walther von der Vogelweide.
  • Neidhart von Reuental (1. Hälfte 13. Jahrhundert) wirkte unter anderem am Hof des Babenbergerherzogs Friedrich II. Er gilt als einer der erfolgreichsten Liedautoren des Mittelalters und als Schöpfer einer sogenannten „höfischen Dorfpoesie“. In seinen Liedern verlegte er das meist derb und drastisch gezeichnete Minnetreiben in eine bäurische Umgebung und inszeniert sich selbst als 'Star' der Bauernmädchen und Feind der Bauernburschen.
  • Der Burggraf von Lienz (13. Jahrhundert) stammte aus dem Ministerialengeschlecht der Burggrafen von Lienz (Lüenz) in Kärnten (Drau), Österreich. Er ist der Verfasser von zwei Tageliedern, welche in der Großen Heidelberger Liederhandschrift enthalten sind.
  • Jans der Enikel war ein Wiener Patrizier, Dichter und Chronist des späten 13. Jahrhunderts († nach 1302), welcher für seine Weltchronik, eine Geschichte der Welt in etwa 30.000 mittelhochdeutschen Versen (Reimpaaren), bekannt wurde.
  • Wernher der Gartenaere (2. Hälfte 13. Jh.) schuf mit der Verserzählung Meier Helmbrecht die erste sozialkritische Dorfgeschichte. Sie behandelt die Verirrungen eines Bauernsohns, der sich zu Höherem berufen fühlt, vor dem Hintergrund des Verfalls des Rittertums und seines Niedergangs zum Raubrittertum.
  • Freidank (Vridanc) war ein Fahrender bürgerlicher Herkunft, der vermutlich aus Schwaben oder Tirol stammte. Er wurde am Ende des 12. Jahrhunderts geboren. Sein Werk ist eine Sammlung von didaktischen Sprüchen. 1228–1229 nahm er am Kreuzzug Friedrichs II. teil. Vermutlich starb er 1233 auf einer Reise nach Venedig in Kaisheim.
  • Bruder Werner war ein ca. 1225–1250 vornehmlich in Österreich und im Interesse der österreichischen Landesherren wirkender, von Walther von der Vogelweide beeinflusster Spruchdichter und hielt wie dieser Verbindungen zum Wiener Hof.
  • Ulrich von Liechtenstein (* um 1200; † 26. Jänner 1275), Minnesänger und Dichter, schrieb die erste bekannte Autobiographie in deutscher Sprache Frauendienst sowie das didaktische Frauenbuch (Der vrouwen puoch). In Ich-Form schildert er im Frauendienst sein Leben als die Geschichte eines um Minne werbenden Ritters.
  • Oswald von Wolkenstein (* um 1377; † 2. August 1445) ist dem Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance zuzuordnen. Auch seine Lieder sind autobiografisch; zudem sind die Originalmelodien überliefert.

Frühe Neuzeit (etwa 1450–1600)[Bearbeiten]

Humanismus und Reformation, Kopernikus, Belehrende Literatur, Reformation, Luther, Gegenreformation, Volksbücher, Narrenliteratur, Geistliche Dramen.

Humanismus[Bearbeiten]

Der Humanismus ist eine von Italien ausgehende Geisteshaltung des 15. Jahrhunderts, die im Laufe des 16. Jahrhunderts ganz Europa erfasste. Ihr Ziel war die Wiedererweckung antiker Traditionen. So griffen die Dichter auch auf den Formenkanon der Antike, der von Gelegenheitsdichtung über Versepik und Drama bis zur Traktatliteratur reicht, zurück. Bekannte Vertreter waren der in Basel tätige Erasmus von Rotterdam und Johannes Reuchlin, allerdings schrieben sie ihre Werke meist lateinisch und hatten außerhalb der Gelehrtenwelt wenig Einfluss.

Nikolaus von Kues

In Tirol waren Eleonore von Österreich (* um 1433; † 20. November 1480), Gattin von Herzog Sigmund, und Nikolaus von Cues, Bischof von Brixen, zuerst im Sinn des Humanismus tätig. Eleonore übersetzte den französischen Abenteuerroman Pontus et la belle Sidonie (Pontus und Sidonia), dessen zentrale Motive die wiederholte Trennung der Liebenden und die Rückeroberung des Reiches aus der Gewalt von Heiden sind. Nikolaus von Cues reiste bereits von 1450–1452 durch Deutschland, um Kirche und Klöster zu reformieren. Eines seiner Anliegen war es, dem Volk mehr Wissen über den Glauben zu vermitteln. Zeugnis dafür sind die noch heute in manchen Kirchen vorhandenen Tafeln mit dem Vaterunser und den Zehn Geboten in der Volkssprache.

Auch der aus Hall stammende Johannes Fuchsmagen (auch Fuxmagen) (* um 1450; † 1510), der später nach Wien zog, wirkte zuerst in Tirol. Er gründete zusammen mit seinem Freund Ritter Florian Waldauf von Waldenstein die älteste heute noch bestehende Kulturvereinigung Tirols, die Haller Stubengesellschaft.

In Wien war ab 1437 Enea Silvio Piccolomini, Sekretär Friedrichs III. (später Pius II.), dem Humanismus verbunden. Die Zeit bis 1455 verbrachte er vornehmlich am Hof des Kaisers in Wiener Neustadt und Graz, unter anderem als kaiserlicher Sekretär. Friedrich III. schätzte seine Dienste sowie seine lockeren Verse und krönte ihn zum „poeta laureatus“. An der Universität Wien hielt er während dieser Zeit Vorlesungen über die Dichter der Antike und übte damit einen bedeutenden Einfluss auf den Humanismus aus.

Die Berufung von Konrad Celtis an die Universität Wien als Professor der Rhetorik und Poetik (1497) durch Maximilian I. führte zu einer weiteren Verbreitung des Humanismus. In seinen lyrischen Werken auf Latein imitierte Celtis Ovid und Horaz. Sein Hauptwerk sind die Quatuor libri Amorum (1502). Celtis war nicht nur Dichter, sondern auch Herausgeber.

Literarische Formen

Ein häufiges Genre der Zeit war das Volksbuch. Dabei handelt es sich meist um volkstümliche Prosatexte, deren Stoff aus weit verbreiteten älteren Sagen entnommen ist. Eines der bekanntesten Themen des deutschsprachigen Volksbuches ist der Fauststoff, der bereits im 15. Jahrhundert im Bruder Rausch auftaucht.

Die Narrenliteratur ist eine volkstümliche, satirische Literaturform. Sie hält den Menschen durch Karikierung und Übertreibung die eigenen Schwächen vor Augen. Ziel ist die Belehrung des Lesers sowie eine Kritik am Zeitgeist, z. B. die Schildbürger oder Till Eulenspiegel (1515).

Barock (etwa 1600–1720)[Bearbeiten]

Dreißigjähriger Krieg, Regelbücher, Schäferromane, Staatsromane, Schelmenromane, Religiöse Dramen, Lustspiele und Tragödien, Sonette, Epigramme.

Die Schrecken des 17. Jahrhunderts (Dreißigjähriger Krieg, Türkenkriege, Pest, Cholera, ...) und die Abwertung des Menschen durch die Durchsetzung des heliozentrischen Weltbildes führten zu der sogenannten „dualistischen Zerrissenheit“ der Seele der Barockmenschen zwischen Weltbejahung und Weltverneinung, zwischen Diesseitsfreude und Jenseitssehnsucht. Die Höfe waren die kulturellen Zentren dieser Zeit.

Österreich war ein Zentrum des Barock, der im süddeutschen Raum wesentlich länger wirkte. Die Unterschiede zwischen der österreichischen oder bayrischen und der norddeutschen Literatur verdeutlichten sich. Letztere übernahm Elemente der französischen Klassik, während der Süden vom italienischen und spanischen Barock beeinflusste wurde. Auch die getrennte religiöse Entwicklung (protestantischer Norden und katholischer Süden) spiegelt sich in der Literatur wider. Heiligenleben, Legendensammlungen, Ordensdramen der Jesuiten sowie die Exempelliteratur der Gegenreformatoren spielten eine wichtige Rolle. Die Spannweite der Barockliteratur ist sehr weit: von höfischer Dichtung zu volksnahen Romanen, von der Nachahmung antiker Vorbilder zur persönlichen Erlebnislyrik, von Lebensbejahung zum Vanitas-Motiv. Eine Gelegenheitsdichtung entsteht.

Literarische Formen

Im Vordergrund der Barockdichtung standen das pompöse Barocktheater und das Ordensdrama, das vor allem durch seine luxuriöse Ausstattung imponierte.

Daneben war vor allem das Stegreif- und Hanswurstspiel sehr beliebt. Diese Richtung wurde in Österreich durch Josef Anton Stranitzky, Gottfried Prehauser, Joachim Perinet und Josef Felix von Kurtz vertreten.

Beispiele für barocke Epik sind die Ritter- und Schelmenromane Johann Beers, die sich weitgehend vom symbolhaltigen Weltbild des Barock lösen und eine realistische Wiedergabe der damaligen Wirklichkeit darstellen.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Aufklärung (etwa 1720–1785)[Bearbeiten]

Die Aufklärung als intellektuelle Strömung des Rationalismus und der Vernunft im 17./18. Jahrhundert gilt als letzte gemeinsame geistige Bewegung des Abendlandes. Sie war geprägt durch eine Bewegung der Säkularisierung und eine Abkehr von der absolutistischen hin zu einer demokratischen Staatsauffassung und dem Aufkommen des Liberalismus mit seinem Konzept der Menschen- und Bürgerrechte. Eine wichtige Errungenschaft der Aufklärung ist die Verabschiedung der ersten demokratischen Verfassungen in den USA 1787, Polen 1791 und Frankreich 1791. Anknüpfend an die durch die Renaissance wiederbelebten antiken Ideale und Sichtweisen ist besonders das Bürgertum bestrebt, sich vom Festhalten an althergebrachten Traditionen, den dogmatischen Lehren der Kirche und der „geistigen Bevormundung“ durch die Obrigkeit zu befreien, um so eine „Emanzipation des Denkens“ auszulösen. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Aufklärung waren die vorausgegangene Renaissance, die neuen Entdeckungen in Übersee und das daraus entstandene neue Weltbild, die Papierherstellung und der Buchdruck. Damit wurde der Bucherwerb auch für das bürgerliche Publikum erschwinglich, ein Verlagswesen mit Zeitungsproduktion und Buchmarkt entstand.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts war Reiseliteratur in Mode. Hatte man zuvor den christlichen Europäer für überlegen gehalten, las man nun, dass manche Anders- oder Ungläubige, wie zum Beispiel die Chinesen, sehr wohl hohe ethische Prinzipien und eine eigene Hochkultur haben konnten. Die Reiseliteratur jener Tage übte derart mehr oder weniger deutlich Kritik an der europäischen Gesellschaft. In fiktiven Reiseberichten, z.B. Montesquieus Persischen Briefen, in denen zwei Perser Europa besuchen, sehen die Leser ihre Welt durch die Augen der Fremden – mit satirischen Effekten.

Für die Dichtung war die Aufklärung die Vorbereitung der Klassik. Gottsched schuf das deutsche Theater, Klopstock erneuerte die Lyrik und Gotthold Ephraim Lessing verfasste die ersten großen Dramen der deutschen Sprache.

Autoren der Frühaufklärung lassen sich auch dem Spätbarock zurechnen – ein Beispiel dafür, wie fragwürdig Epocheneinteilungen sein können. Neben der Aufklärung bildeten sich auch Strömungen, die das Gefühl in den Vordergrund stellten, genannt Empfindsamkeit.

Literarische Formen waren Bürgerliches Trauerspiel, Analytisches Drama, Lehrdichtung, Bildungsroman und Reiseliteratur.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Deutsche Romantik (etwa 1799–1835)[Bearbeiten]

Die Romantik ist für Österreich eine eher fremde Epoche. Die eingewanderten deutschen Romantiker (Ludwig Tieck, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Clemens Brentano) wurden von den österreichischen Autoren misstrauisch bis ablehnend beobachtet. Die Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern findet also nicht in der Weise statt wie bei den deutschen Romantikern. Das heißt, romantische Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich ab von klassischen Formen, was die Vorliebe für fragmentarische Schreibweise erklärt. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutet zugleich eine stärkere Hinwendung zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters.

Parallel zur Romantik entwickelten sich in Österreich einerseits die Strömung des Biedermeier und andererseits ein österreichischer Klassizismus, der vor allem durch Franz Grillparzer repräsentiert wird.

Biedermeier (etwa 1815–1848)[Bearbeiten]

Als Biedermeier wird die Zeitspanne von ca. 1815 (Wiener Kongress) bis 1848 (Ausbruch der bürgerlichen Revolution) bezeichnet. Mit ihr verbunden ist der politische Begriff der Restauration, der sich auf die staatspolitische Entwicklung nach dem Ende der napoleonischen Zeit und des Wiener Kongresses 1815 bis zu den Revolutionsjahren 1848/49 bezieht.

Der Name wurde als Spottbegriff von Adolf Kußmaul (1822–1902) und Ludwig Eichrodt (1827–1892) etabliert, nachdem sie Gedichte Samuel Friedrich Sauters (1766–1846) gelesen hatten. In den von ihnen herausgegebenen Fliegenden Blättern (1855–1857) machten sie sich in dem Artikel BiedermeiersLiederlust über die Beschaulichkeit, Einfachheit und Naivität des Lehrers lustig. Erst im 20. Jahrhundert fand der Begriff (wahrscheinlich ohne Kenntnis der Entwicklung) Verwendung als Bezeichnung für diesen Abschnitt.

Der Ausdruck Biedermeier bezieht sich zum einen auf die Wohnkultur und Kunst des Bürgertums, die als „hausbacken“ und „konservativ“ galten. Die Flucht ins Idyll war eine Reaktion auf die restriktive Zensurpolitik der Ära Metternich. Das kulturelle und gesellschaftliche Leben spielte sich im Privaten ab. Unproblematische Themen wie historische Romane und die Heimat- und Landschaftsverherrlichung wurden veröffentlicht, während die politischen Meinungen und Kritik am System nur im engsten Kreis geäußert wurden. Schon der Dichter Jean Paul hatte eine vom „Vollglück in der Beschränkung“, Goethes Sekretär Johann Peter Eckermann „eine reine Wirklichkeit im Lichte milder Verklärung“ zu erkennen geglaubt.

Der strengen Zensur (Vorzensur) im Habsburgerreich fielen nicht nur Werke von Nikolaus Lenau, Franz Grillparzer oder Johann Nepomuk Nestroy zum Opfer; insgesamt waren etwa 40.000 Titel auf den österreichischen Verbotslisten. Jedes importierte Buch, alle Artikel, jede Neuveröffentlichung wurde überprüft und bewertet (das „damnatur“ der Zensoren für verbotene Werke). Dabei handelte es sich um Werke aus allen Lebens- und Wissensbereichen.

Die Grenzen zwischen Realismus und Biedermeier verschwimmen oft. Vor allem als Lyriker bekannt sind: Nikolaus Lenau (1802–1850), Eduard Mörike (1804–1875), Friedrich Rückert (1788–1866) und August von Platen (1796–1835). In der Prosa sind Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) (Die Judenbuche), Adalbert Stifter (1805–1868), Jeremias Gotthelf (1797–1854) und der Märchendichter Wilhelm Hauff (1802–1827) zu erwähnen.

Dramatiker, die mehr oder minder zum Biedermeier gehören, sind Franz Grillparzer (1791–1872), Johann Nepomuk Nestroy (1801–1862) und Ferdinand Raimund (1790–1836). Grillparzer schrieb Tragödien im Geist der Weimarer Klassik, Nestroy und Raimund vertraten das Wiener Volksstück – Drehscheibe war hier das Wiener Volkstheater. Friedrich Halm (1806–1871) erzielte große Erfolge mit seinen deklamatorischen Dramen am Burgtheater.

Den Abschluss der Zeit sieht man im Allgemeinen in Stifters Werk. Sein erster Roman Nachsommer (der von ihm selber „Erzählung“ genannt wurde) erschien zwar erst 1857, galt aber dennoch als vorzüglichstes Werk der Biedermeierzeit. Stifter wirkte sowohl auf Rosegger und Ganghofer, auf Heyse, Freytag und Wildenbruch, wie auch direkt in den folgenden Bürgerlichen Realismus hinein, auf Storm und Fontane und über diese auf Thomas Mann und Hesse.

Das Revolutionsjahr 1848[Bearbeiten]

siehe auch: Revolution von 1848/49 im Kaisertum Österreich

Im Jahr 1848 erreichte die Revolution die Monarchie. Im Habsburgerreich und Vielvölkerstaat Österreich wurde die Monarchie nicht nur von heftigen Aufständen im Kaiserreich Österreich selbst, sondern auch von weiteren revolutionären Unruhen etwa in Böhmen, in Ungarn und in Oberitalien bedroht. Während die ungarischen, böhmischen und italienischen Erhebungen unter anderem auch die Unabhängigkeit von der österreichischen Vorherrschaft anstrebten, hatte die Revolution im Kernland Österreich (ähnlich wie in den anderen Staaten des deutschen Bundes) eine liberale und demokratische Veränderung der Regierungspolitik und das Ende der Restauration zum Ziel.

Auch in Österreich war es 1847/1848 zu einem Hungerwinter gekommen. Die wirtschaftliche Not traf besonders die ohnehin schon benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Auch in der Arbeiterschaft wuchs die Wut auf das überkommene politische System. Werke wie Alfred Meissners Neue Sklaven oder Karl Isidor Becks Gedicht Warum wir arm sind geben ein anschauliches Bild von der Wut und Verzweiflung, die unter der Bevölkerung herrschte.

Schließlich kam es am 13. März 1848 in Wien mit dem Sturm auf das Ständehaus und Anschlägen von Sozialrevolutionären gegen Läden und Fabriken in den Vorstädten zum Ausbruch der Revolution in Österreich. Das Lied Was kommt dort von der Höh, wobei sich die „Höh’“ auf die Polizei und die Kasernen bezog, wurde zum Lied der Revolution. Es wird heute noch von diversen Studentenverbindungen gesungen, um der Beteiligung der Akademischen Legion zu gedenken. Erste Todesopfer gab es durch einen Befehl Erzherzog Albrechts, auf einen Demonstrationszug zu feuern.

Am Abend des 13. März trat der inzwischen 78-jährige Staatskanzler Fürst Metternich, die verhasste Symbolfigur der Restauration, zurück und floh nach England. Dieses Ereignis wurde zum Beispiel durch Hermann Rolletts Gedicht Metternichs Linde thematisiert.

Aufhebung der Pressezensur durch Ferdinand I. am 15. März 1848

Anfang September beschloss der konstituierende österreichische Reichstag die Bauernbefreiung von der Erbuntertänigkeit. Dies war eine der wenigen dauerhaften Errungenschaften der Revolution. Die Dankbarkeit der Bauern dokumentiert zum Beispiel das neue Lied vom allverehrten Kaiser Ferdinand (1848).

Kulturell war das Jahr 1848 durch die kurzfristige Aufhebung der Zensur geprägt. Dies hatte zur Folge, dass eine Vielzahl von Werken veröffentlicht wurde, Zeitschriften aus dem Boden schossen und wieder verschwanden und sich die Schreibkultur grundlegend wandelte. Friedrich Gerhards Die Presse frei!, M. G. Saphirs Der tote Zensor, das Zensorlied oder Ferdinand Sauters Geheime Polizei geben ein Bild von der Aufbruchsstimmung. Es wurde auch scharfe Kritik am bestehenden System geübt. Beispiele dafür finden sich in Johann Nestroys Freiheit in Krähwinkel, Skizzen zu Höllenangst, Lady und Schneider und Die Lieben Anverwandten (1848), Politische Gedichte von Anastasius Grün sowie Schriften von Franz Grillparzer (Dem Vaterlande, Gedanken zur Politik).

Poetischer Realismus (1848–1890)[Bearbeiten]

Im poetischen oder bürgerlichen Realismus mieden die Autoren die großen gesellschaftspolitischen Probleme und wandten sich der engeren, lokalen Heimat mit ihrer Landschaft und ihren Menschen zu. Die Realisten lehnten sich vor allem gegen die Klassik und Romantik auf. Man wollte Tatsachen möglichst objektiv darstellen und ächtete die Phantasie; so sollten auch die Gefühle und Meinungen des Dichters nicht in die Texte einfließen. Kunst sollte Abbild der Wirklichkeit sein.

Im Zentrum aller Romane, Dramen und Gedichte steht der Einzelmensch, das Individuum. Das stilistische Merkmal vieler Werke des poetischen Realismus ist der Humor, der die Distanz zu dem eigentlich Unerträglichen und Empörenden der Wirklichkeit schafft. Er richtet hierbei eine Anklage gegen einzelne Fehler und Schwächen im Gesellschaftsgefüge, wendet sich aber nicht gegen das System als Ganzes. Dies geht einher mit einem gewissen Kulturpessimismus und Sarkasmus. Zu den typischen Motiven zählt vor allem das alltägliche Leben der „kleinen Leute“, und die Handlung findet meist in kleinen ländlichen Dörfern statt. Die Figuren sind häufig Handwerker, Kaufleute und Bauern.

Kennzeichnend für realistische Erzählungen ist die Rahmentechnik: Die eigentliche Handlung wird als Rückblick in eine Rahmenhandlung eingebunden. Dabei erinnert sich ein Erzähler an eine Begebenheit aus seinem Leben oder an eine alte Geschichte. Durch diese Konstruktion wirkt die Erzählung wie ein Bericht über reales vergangenes Geschehen.

Dörfliche Motive finden sich bei Marie von Ebner-Eschenbach (1830–1916), Ludwig Anzengruber (1839–1889) und, schon nach Ausklingen der Epoche, Peter Rosegger (1843–1918), dessen Werk als Wegbereiter für die Heimat- und Mundartdichtung gilt.

In Österreich wurde der klassische poetische Realismus rasch vom Spätrealismus abgelöst.

Literarische Formen

Die bevorzugte Form der Realisten ist die Novelle; sie erreichte im Realismus ihren Höhepunkt.

Der Roman tritt im Realismus in verschiedensten Formen auf: als Entwicklungsroman, als historischer Roman, als Zeitroman sowie als Gesellschafts- und Familienroman.

Humoristische Bildgeschichten verbreiten sich im Volk.

Das Drama war kaum von Bedeutung.

Spätrealismus (1870 – 1880/90)[Bearbeiten]

Der Spätrealismus als Weiterführung des Poetischen Realismus entstand in Österreich und nahm den Naturalismus vorweg. Zu den bedeutendsten Autoren zählen:

Die Wende zum 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Jahre um 1900 waren in Österreich von einer geistigen Unruhe geprägt. Die Gesellschaft war durch die Schlacht bei Königgrätz und den Börsenkrach 1873 nach wie vor verunsichert. So ging auch der deutsche Naturalismus praktisch spurlos an der österreichischen Literatur vorüber, da einfach die klar definierten Gegner fehlten, an denen man sich hätte einen können. Die älteren österreichischen Dichter (alle etwa 50 Jahre alt) wie Eschenbach, Rossegger oder Anzengruber hatten den Naturalismus in ihren Werken und ihrer Art des Realismus schon fast etwas vorweggenommen. Daher gab es keinen heftigen Kampf um diese neuen Ideen, sondern eher ein schleichendes Aufnehmen derselben. Sonst waren Spuren des Naturalismus vereinzelt in Künstlerzeitschriften zu finden (in Ansätzen in Bahrs Zeit oder der Wiener Rundschau).

Wiener Moderne[Bearbeiten]

Das Jahr 1890 markiert den Beginn der Wiener Moderne mit der Rückkehr Hermann Bahrs nach Wien und der Gründung der Zeitschrift Moderne Dichtung. Damit begann die international einflussreichste Epoche der österreichischen Kunst.

Ab circa 1890 kann nicht mehr von Stilepochen gesprochen werden, da sich die Stile zeitlich überlagerten und viele Autoren im Laufe ihrer Entwicklung den Stil wechselten. In Wien kann der Beginn der Moderne mit dem Jahr 1890 angesetzt werden, als Hermann Bahr sein Wirken in Wien begann (er selbst siedelte sich erst 1891 hier an). Nach Aufenthalten in St. Petersburg, Paris und Berlin, mit den neuesten Literaturströmungen vertraut, propagierte er zusammen mit den Herausgebern Eduard Michael Kafka und Julius Kulka in der neuen Zeitschrift Moderne Rundschau zunächst den Naturalismus, stand jedoch schon unter dem Einfluss von Baudelaire und Barrès. Ein Höhepunkt war der Besuch Henrik Ibsens in Wien mit einer Aufführung der Kronprätendenten und einem Festbankett am 11. April 1891. Die Ablehnung nach der von Burgtheaterdirektor Max Burckhard initiierten Aufführung in Wien war so moderat, dass der Dichter dem Wiener Publikum auch noch dafür dankte. Noch bevor der Naturalismus Fuß fassen konnte, rief Bahr zu seiner Überwindung auf. Im Aufsatz Die Moderne (in Moderne Dichtung, 1. Jänner 1890) waren bereits die zentralen Motive der neuen Epoche angesprochen: „das große Sterben“, der „Tod der erschöpften Welt“. In seinem Roman Die gute Schule (1890) kam auch die freie Liebe bereits als selbstverständliches Dekor, nicht als Skandal vor.

Hermann Bahr
(1904 von Emil Orlik)

Durch seine Verbindungen und Kontakte wurde Bahr nun zum „Organisator der österreichischen Literatur“ (Peter de Mendelssohn). Die lockere Gruppe junger Autoren, die sich um ihn bildete, wurde bald als „Jung-Wien“ bezeichnet. Sie publizierten in den Zeitschriften Moderne Dichtung (1890), Moderne Rundschau (1891) und Die Zeit (ab 1894), in denen Bahr maßgeblichen Einfluss hatte. Ihr Treffpunkt war das Café Griensteidl. Die wichtigsten Vertreter waren die Freunde Richard Beer-Hofmann (1866–1945, Der Tod Georgs, Erzählung 1900), Hugo von Hofmannsthal (1874–1929, Gedichte, Gestern, Brief des Lord Chandos), Arthur Schnitzler (1862–1931, Anatols Hochzeitsmorgen) und Felix Salten. In ihren frühen Werken finden sich Elemente des Symbolismus, des Impressionismus und der Décadence. Auch Peter Altenberg mit seinen impressionistischen Prosaskizzen (Wie ich es sehe, 1896) und der junge Karl Kraus (1874–1936) werden zu Jung-Wien gezählt. Mit der Schließung des Café Griensteidl 1897 fand Jung-Wien ein Ende, die Autoren wandten sich vielfach anderem zu. Leopold von Andrian, dessen lyrische Prosadichtung Der Garten der Erkenntnis (1895) von Stefan George hoch geschätzt wurde, etwa wurde Diplomat. Karl Kraus verspottete schon 1897 in Die demolirte Litteratur Hermann Bahr und die anderen. 1899 gründete er seine eigene Zeitschrift Die Fackel (1899–1936), in der er selbst zwischen ca. 1905 und 1912 viele junge Talente fördern sollte.

Als Zentrum der Wiener Kaffeehausliteratur sollte das Café Central die Nachfolge des Griensteidl antreten.

Arthur Schnitzler profilierte sich in den nächsten Jahren als Dramatiker und Erzähler. In seinen Werken beleuchtete er die seelische Verfassung der Wiener bürgerlichen Gesellschaft (Liebelei 1895, Der einsame Weg 1896, Das weite Land 1911). Leutnant Gustl (1900) war der erste Text der deutschsprachigen Literatur, der völlig als Innerer Monolog gestaltet ist. Er brachte auch den grassierenden Antisemitismus auf die Bühne (Professor Bernhardi 1912).

Hofmannsthal entwickelte sich vom symbolistischen Lyriker und Verfasser von Dramenfragmenten (Der Tod des Tizian 1892) zum Wiedererwecker des antiken (z. B. Elektra 1903) und barocken Theaters (Das Salzburger Große Welttheater 1922). Ab 1910 war er auch Librettist für Richard Strauss’ Opern (Der Rosenkavalier 1910, Die Frau ohne Schatten 1913/15).

Die Lyrik hatte im Modernen Wien einen hohen Stellenwert. Ihr bedeutendster Vertreter war Rainer Maria Rilke (1875–1926), der allerdings nicht dem Wiener Literatenmilieu angehörte. Weitere Vertreter, die ebenfalls dem symbolistisch-impressionistischen Fin-de-siècle-Stil angehörten, waren Berthold Viertel (1885–1953) und Felix Dörmann (1870–1928).

Der Roman als literarische Großform war weniger bedeutend. Erwähnenswert sind die phantastischen Romane von Alfred Kubin (1877–1959, Die andere Seite 1909) und Gustav Meyrink (1868–1932, Der Golem 1915).

Eine beginnende Strömung lässt sich in Rilkes Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910) erahnen, der das Sozialgefüge und die unwürdigen Lebensumstände im Großstadtleben (Deindividualisierung, Anonymisierung, Soziale Kälte) thematisiert. Vergleichbar ist dies zum Beispiel mit Jacob RiisHow the Other Half Lives. Studies Aong the Tenements of New York (1890). Diese Strömung ist der Beginn einer Betrachtung der Wirklichkeit, die in Zügen an den zur gleichen Zeit schreibenden Franz Kafka, auch an den späteren James Joyce erinnert, wenngleich in Technik und Darstellung doch gänzlich verschieden. Ein Begriff, den Ziolkowsky für Joyces, erstmals jedoch bei Schnitzler vorfindbaren Bewusstseinsstrom prägte, darf auch auf Rilke angewandt werden: Die Welt wird zur „Epiphanie“, zur Offenbarung und zum Immer-schon-Offenbartsein in all ihrem Elend – allein das Schauen ist zu lernen.

Einen besonderen Stellenwert hatte in Wien das Feuilleton. In der Nachfolge von Ludwig Speidel und Hugo Wittmann erlebte es um die Jahrhundertwende seinen Höhepunkt. Herausragende Vertreter waren Theodor Herzl (1860–1904), Felix Salten (1869–1945), Ludwig Hevesi (1842–1910) und Alfred Polgar (1873–1955).

Die österreichische Kabarettszene begann sich zu etablieren. Ein erster Versuch war das Jung-Wiener Theater zum lieben Augustin von Felix Salten 1901, dem kein Erfolg beschieden war. Das Nachtlicht (1906–1907) hingegen war erfolgreich, wurde jedoch bald vom Cabaret Fledermaus (1907–1913) abgelöst. Im von Josef Hoffmann durchgehend im Jugendstil ausgestatteten Lokal wurden Texte u. a. von Altenberg, Bahr, Friedell, Polgar, aber auch Richard Dehmel und Liliencron gebracht. Hervorgehoben sei nur der Sketch Goethe[3] von Friedell/Polgar (1908). Grete Wiesenthal startete von hier aus ihre Weltkarriere als Tänzerin.

Expressionismus[Bearbeiten]

Georg Trakl

Der Beginn des Expressionismus in Wien kann mit dem Erscheinen des Buches Die träumenden Knaben 1908 angesetzt werden. Das Buch erschien im Verlag der Wiener Werkstätten, ist Gustav Klimt gewidmet und stammt von Oskar Kokoschka. Das gleichnamige Gedicht ist dabei der Illustration stilistisch weit voraus: „rot fischlein, rot / stech dich mit dem dreischneidigen messer tot / reiß dich mit meinen fingern entzwei / dass dem stummen kreisen ein ende sei ...“ Kokoschka schrieb auch einige Dramen, z. B. Mörder, Hoffnung der Frauen (1907).

Einige expressionistische Autoren veröffentlichten ihre ersten Werke zuerst in der Fackel von Karl Kraus, so etwa die Lyriker Franz Werfel und Albert Ehrenstein. Mit der Erzählung Tubutsch (1911) wurde letzter schlagartig berühmt. Kraus unterstützte auch Herwarth Walden in Berlin bei der Gründung der expressionistischen Zeitschrift Der Sturm und vermittelte ihm Wiener Autoren, obwohl er dem Expressionismus eher reserviert gegenüberstand. 1910 entstand in Innsbruck mit Ludwig von Fickers Zeitschrift Der Brenner ein Sprachrohr des Expressionismus. Hier wurde v. a. der Lyriker Georg Trakl (1887–1914) gefördert.

Vertreter des expressionistischen Dramas waren nach dem Weltkrieg der junge Arnolt Bronnen (Vatermord 1920) und Franz Theodor Csokor (Ballade von der Stadt, entstanden 1922).

(Erneuerung des Menschen, Interesse an Lyrik wächst, Spiel mit der Sprache, Drohender Krieg als Motiv, Dadaismus, Auseinandersetzung mit Form und Inhalt, Vater-Sohn Konflikt, Inszenierung von Bühnenstücken.)

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Die meisten Schriftsteller begrüßten – unabhängig von ihrer politischen Weltanschauung – stürmisch den Ausbruch des Krieges. Nur wenige, wie Karl Kraus (Essay In dieser großen Zeit, November 1914) oder Arthur Schnitzler (schwieg öffentlich), lehnten ihn von Beginn an ab. Andere, wie Stefan Zweig, wandelten sich sehr rasch zu aktiven Pazifisten. Im Gegensatz zum Deutschen Reich, das Künstler wie Franz Marc an die Front schickte, waren die Behörden in Österreich-Ungarn vielfach bemüht, Künstler im Hinterland für die Propaganda zu nutzen. So konnten viele Schriftsteller im Kriegspressequartier als Kriegsberichterstatter oder im Kriegsarchiv unterkommen, u.a. Hugo von Hofmannsthal, Rilke, Polgar, Roda Roda, die weiterhin für Zeitungen schrieben. Erwähnenswert ist hier Alice Schalek, die als einzige weibliche Kriegsberichterstatterin des Krieges für die Neue Freie Presse schrieb. Hofmannsthal schrieb patriotische Werke (Prinz Eugen) und verteidigte die österreichische Idee in Reden und Aufsätzen. Andere Autoren, deren Namen noch nicht so viel Gewicht hatten, mussten durchaus an die Front. Der bekannteste ist wohl Georg Trakl, der nach der Schlacht bei Grodek Selbstmord beging (Grodek).

Eine ganz andere Entwicklung war in den nicht deutschsprachigen Ländern der Donaumonarchie zu sehen. Diese hatten wenig Lust, in einen Krieg für „Kaiser und Vaterland“ verstrickt zu werden. Ein zeitloses Beispiel für die Stimmung gegen den Krieg ist das ursprünglich in tschechischer Sprache verfasste Buch Der brave Soldat Schwejk von Jaroslav Hašek. Dieser schilderte in seiner speziellen Sprache den Widersinn der Kriegshetze und Mobilisierung in der Donaumonarchie vor und nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs. Die Figur des tragi-komischen Antihelden „Schwejk“ wurde mit seiner Art der „Pflichterfüllung“ zum Vorbild für unzählige weitere Autoren, Kabarettisten, Darsteller und Lebenskünstler, die die Bürokratie, die Monarchie, die Armee, den Krieg, das Krankenhaus oder einfach den „alltäglichen Wahnsinn“ zum Ziel ihrer satirischen Federzüge und Sprachübungen machen wollten. Während der Nazi-Okkupation im Zweiten Weltkrieg war die Schwejk-Lektüre im besetzten Böhmen und Mähren so etwas wie ein nationaler Trost für die unterdrückte Nation, während gleichzeitig mancher Landser seine deutsche Schwejk-Ausgabe im Tornister an die Front trug.

Der Erste Weltkrieg hat ansonsten in der österreichischen Literatur wenig Widerhall gefunden, im Gegensatz zu den meisten anderen beteiligten Staaten (Ernst Jünger und Arnold Zweig in Deutschland, Henri Barbusse in Frankreich, Ford Madox Ford in Großbritannien). Eine Ausnahme ist das Drama Die letzten Tage der Menschheit (1919/22) von Karl Kraus. Der komplette Zusammenbruch der Habsburgermonarchie und die Suche nach der Identität der neu entstandenen Staaten war das prägendere Ereignis.

Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

Der Zusammenbruch der Monarchie und die damit verbundene Reduktion des großen Reiches auf ein kleines Land waren für viele Literaten nicht einfach. Es gab Probleme, sich mit dem neuen Staat zu identifizieren und ein neues Selbstbewusstsein zu entwickeln.

Dies führte dazu, dass viele Schriftsteller die „alten Zeiten“ beschworen und den Übergang in die neue Realität anfangs nur schwer vollziehen konnten. Dazu gehörten zum Beispiel Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil, Alexander Lernet-Holenia und Joseph Roth, der in seinem Werk Radetzkymarsch (1932) das Ende beschrieb.

Gleichzeitig gab es eine Hinwendung zu neuen Ideen und Denkmodellen. Die Sozialdemokratie, die Arbeiterbewegung, aber auch konservative und religiöse Strömungen wurden immer stärker. Die Lager verhärteten sich zusehends, was sich auch an der Literatur der Zeit nachvollziehen lässt. Es fand eine Ausrichtung auf Berlin und Prag (Kafka, Meyrink, Brod, Hasek) statt, die wirtschaftlich schlechte Lage verschärfte zusätzlich die Situation. Allerdings wurden durch den Zwang, Geld zu verdienen, auch einige Schriftsteller zur Arbeit als Journalist gezwungen und belebten dadurch das Feuilleton (Kisch, Polgar, Friedell, Roth). Das Kabarett konnte befreit von der Zensur agieren und gewann dadurch wieder an Bedeutung (Farkas, Grünbaum, Hammerschlag, Soyfer, Polgar, Friedell). Auch sozialkritische und politische Werke erschienen, so wie Werfels Roman Die vierzig Tage des Musa Dagh, welches eindringlich den international völlig ignorierten Völkermord des Osmanischen Reiches an den Armeniern schildert.

Während A. Bronnen und andere junge Autoren Werke schrieben, die sozialistisches Gedankengut enthielten, wandten sich andere, wie M. Jelusich, Karl Hans Strobl oder Bruno Brehm nationalistischen Ideen zu. Diese Spannungen führten schließlich auch als äußeres Zeichen zur Spaltung des österreichischen P.E.N Clubs 1933 in Ragusa. Sie wurden aber schon davor literarisch verarbeitet:

1923 veröffentlichte Joseph Roth Das Spinnennetz. Es folgten Ödön von Horváth (Sladek oder die Schwarze Armee 1929), Hermann Broch (Die Verzauberung, erste Fassung 1935/36, erschienen postum 1953), Albert Drach (Das Kasperlspiel vom Meister Siebentot, erste Fassung 1938/39, erschienen 1965), Ernst Weiß (Der Augenzeuge, geschrieben 1939, erschienen postum 1963).

Durch die feindliche Stimmung in Österreich wurden viele andersdenkende oder jüdische Dichter zum Verlassen des Landes gezwungen. Theodor Kramer, Veza und Elias Canetti flüchteten nach England, Joseph Roth, Robert Musil, Stefan Zweig und Ödön von Horváth mussten ebenfalls fliehen, andere, wie Else Feldmann, Jura Soyfer, Adolf Unger, wurden ermordet. Dies führte zu einer literarischen Verarmung, von der sich Österreich erst Anfang der 1960er Jahre erholen sollte.

Weitere Literaten der Zeit
Lyrik Theodor Kramer, Lernet-Holenia, Ernst Waldinger
Theater Reinhardt, Hofmannsthal, Lernet-Holenia, Horváth, Csokor
Roman Zweig, Werfel, Roth, Perutz, Lernet-Holenia, Ernst Weiß, Vicki Baum, Hermann Broch (1886–1951), Robert Musil (1880–1942), Franz Kafka (1883–1924)
Sprechsteller Anton Kuh
Konservativ-katholische bis völkische Dichter Josef Weinheber, Johannes Freumbichler, Jelusich, Waggerl, Perkonig, Brehm, Mell, Grogger, Guido Zernatto, in früheren Jahren Heimito von Doderer, Albert Paris Gütersloh

Nationalsozialismus und Exilliteratur[Bearbeiten]

Am 12. März 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein, und der Anschluss an das Deutsche Reich wurde vollzogen. Am 30. April 1938 fand in Salzburg eine Bücherverbrennung statt. Sie wurde vom SS-Mann, Lehrer und Schriftsteller Karl Springenschmid inszeniert. Unabhängige Literatur und Literaturkritik war nicht mehr möglich. Vom Regime wurde Blut-und-Boden-Literatur gefördert, daneben bestand auch mehr oder weniger ideologiefreie Unterhaltungsliteratur. Schriftsteller zogen sich in Innere Emigration zurück. Sie schwiegen zu politischen Themen, schrieben für die Schublade oder über Unpolitisches.

Exil[Bearbeiten]

Autoren wie Robert Musil, Franz Werfel, Stefan Zweig, Joseph Roth, Hermann Broch und Alfred Polgar müssen sich zur Zeit des Nationalsozialismus im Ausland aufenthalten. Viele finden sich nur schwer oder gar nicht zurecht. Nach dem Krieg blieben sie zum Teil im Ausland (Elias Canetti bekam den Literaturnobelpreis als britischer Staatsbürger), einige kehrten zurück. Auffällig ist, dass viele nicht mehr an ihre Erfolge in der Zwischenkriegszeit und im Exil anschließen konnten. Dies hing wohl auch damit zusammen, dass das alte Lesepublikum entweder vertrieben oder ermordet war und das neue sich für die zurückgekehrten Autorinnen und Autoren, bis auf wenige Ausnahmen, wie Friedrich Torberg, nicht interessierte. Dies sollte sich erst in den 1980er Jahren ändern, als dann auch die Jura Soyfer Gesellschaft oder die Theodor Kramer Gesellschaft gegründet wurden.

Kleinkunst[Bearbeiten]

Eine besondere Rolle während des Nationalsozialismus spielte die Kleinkunst in Wien (Link zu „Geschichtlicher Hintergrund“). Berühmt wurde zum Beispiel das Wiener Werkel, eine Kabarettbühne, die sowohl wegen ihrer eigenwilligen personellen Zusammensetzung als auch wegen ihres innovativen Spiels mit Gattungen zu erwähnen ist. So bestand sie teils aus nationalsozialistisch eingestellten, teils aus liberal bis linken Schauspielern, die fast ausnahmslos Werke links-liberaler und auch rassisch verfolgter Autoren aufführten.

In künstlerischer Hinsicht wurde experimentiert, und es entstand durch Rudolf Weys das sogenannte Mittelstück als neue Gattung des Wiener politischen Theaters und Kabaretts. Der Name „Mittelstück“ spielt auf die Stellung als Kombination von Theater und Kabarett an. Rudolf Weys war Mitbegründer der renommierten Kleinkunstbühne Literatur am Naschmarkt und später Hausautor des Wiener Werkels. Andere wichtige Autoren, die das Mittelstück benutzten, um die Kleinkunst wesentlich zu modernisieren und weiterzuentwickeln, waren zum Beispiel Fritz Eckhardt oder der im KZ Buchenwald an Typhus verstorbene Jura Soyfer.

Entwicklung Ausgehend vom Arbeiterstück des 19. Jahrhunderts und dem Agitprop-Stück der 1920er Jahre wurde das Kabarett von aneinandergereihten Einzelstücken und dem Revue-Theater im 20. Jahrhundert zu einer ernstzunehmenden Kunstform weiterentwickelt. Namen von Autoren, die wesentlich dazu beigetragen haben, diese neue Kunstform zu entwickeln:

Literatur ab 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg offenbarte sich ein Vakuum in Kunst und Kultur, welches erst langsam wieder gefüllt wurde. Manche sprechen von einem literarischen Nullpunkt nach der Bücherverbrennung von 1933, dem Widerstand im eigenen Land oder dem Exil vieler Kunstschaffender. Die Menschen mussten erst wieder eine Beziehung zu ihrem Land aufbauen und das Erlebte in allen traurigen und schrecklichen Facetten verarbeiten. Menschen, die sich Österreich verbunden fühlten, waren über die ganze Welt verstreut, kamen teilweise zurück, konnten sich oft nur schwer mit den neuen Verhältnissen zurechtfinden und verließen das Land manchmal wieder auf der Suche nach ihrer Identität. Österreich wurde zur Zwischenstation auf der Reise. So lebte der Lyriker Paul Celan Ende der 1940er Jahre ein Jahr lang in Wien, ging dann aber nach Paris. Erich Fried emigrierte nach Großbritannien, wo auch Elias Canetti schon vorher eine neue Heimat gefunden hatte.

Die vielfältige Kulturlandschaft – Zeitschriften, Verlage, Künstlerorganisationen und Gruppen genauso wie Bewegungen und Strömungen in Regionen sowie historische Bezugspunkte – hatte sich verändert und begann zu etwas Neuem zusammenzuwachsen. Es entstanden und existierten gleichzeitig viele neue literarische Strömungen und Formen mit der Motivation, das Erlebte zu verarbeiten, versäumte Entwicklungen der Weltliteratur nachzuholen und neue Wege zu gehen (Staatspreise an Felix Braun, Rudolf Henz, Max Mell, Franz Nabl). Dieser Prozess wurde durch die Bildung neuer Nationalstaaten und die unterschiedlichen Bedingungen für Kunstschaffende verstärkt.

Die „Trümmerliteratur“ beschrieb eine zusammengebrochene Welt; erst jetzt wurde Franz Kafka entdeckt. Die Wiener Gruppe praktizierte innovative Formen der Lyrik; in Westdeutschland formierte sich die Gruppe 47, deren lose assoziierten Mitglieder tonangebend in der Nachkriegsliteratur waren.

Nach 1945 sah sich zuerst die provisorische Regierung unter Renner, dann die Konzentrationsregierung unter Figl und später die Regierung Raab vor der Herausforderung, einen Staat mit neuer Identität zu konstituieren. Dafür war die Kultur ein wichtiges Mittel: Kulturdenkmäler wie der Stephansdom wurden restauriert (Abschluss 1952). Museen, Theater und Universitäten nahmen ihre Tätigkeiten wieder auf, und die Spanische Hofreitschule, die in den Kriegswirren nur durch das Eingreifen des US-Generals Patton gerettet werden konnte, gab ihre erste Nachkriegsvorstellung. Ausstellungen im Ausland und die Bregenzer Festspiele (1946), die Salzburger Festspiele (1945) und die Wiener Festwochen (1949) boten Künstlern erstmals wieder die Möglichkeit, ihre Werke dem In- und Ausland zu präsentieren. Durch die neue Freiheit entstanden innovative Kurzgeschichten, die erzählende Literatur sowie die Frauen- und Volksliteratur konnten sich etablieren; daneben wurden Tagebücher veröffentlicht, und es entstanden moderne Dramen (Mundartdichtung, Spiel mit Sprache, Restauratives und innovatives Erzählen, Neue Motive wie Außenseiter, Tod und Krankheit).

Für Kunstschaffende gab es kaum einen Markt; daher übernahm der Staat die Kunstförderung. Diese aus der Not geborene Institution sollte später noch diverse Auswirkungen auf das Kunstschaffen in Österreich haben. Gleichzeitig drängten die Institutionen darauf, dass Künstler bei der Ausbildung eines nationalen Bewusstseins mithelfen sollten. Dies gelang anfangs gut, allerdings führte es zu einer heftigen Gegenreaktion auf das „Konstrukt Österreich“, die in den 1970er Jahren begann, bis heute fortwirkt und sich insbesondere gegen das Verdrängen des Austrofaschismus und Nationalsozialismus richtet.

Auch die Medienwelt hatte sich stark verändert. Das Radio und insbesondere das Fernsehen boten neue Möglichkeiten zur Verbreitung von literarischen Texten, das Hörspiel erlebte eine neue Blüte. Die Parteizeitungen mussten zunehmend der Boulevardpresse weichen, und es kam zu einer immer größeren Medienkonzentration. Der österreichische Staat griff durch parteipolitische Aufteilung von Rundfunk und Fernsehen aktiv in das Geschehen ein.

Trotz aller Veränderungen lässt sich weiterhin eine gewisse Kontinuität, was die literarischen Traditionen der Vorgängerstaaten betrifft, erkennen, da sie teilweise in den neuen Strömungen aufgingen.

Die Wiener Gruppe[Bearbeiten]

Die Wiener Gruppe um Gerhard Rühm (* 1930), Konrad Bayer (1932–1964) und H. C. Artmann (1921–2000) sowie Autoren wie Albert Paris Gütersloh (1887–1973) und Heimito von Doderer (1896–1966) bemühten sich nach dem Zweiten Weltkrieg um Anknüpfpunkte an die durch den Austrofaschismus und die Nazi-Zeit verschüttete moderne Tradition. Die Affinität zum Sprachspiel ist eine Konstante in der Literatur Österreichs; zu den bekannteren Vertretern gehören Ernst Jandl (1925–2000) und Franzobel (* 1967). Wichtige Lyrikerinnen waren Friederike Mayröcker (* 1924) und Christine Lavant (1915–1973).

Literatur ab den 1960er Jahren[Bearbeiten]

Eine Blüte erlebte die österreichische Literatur in den 1960er und 1970er Jahren, als mit Autoren wie Peter Handke (* 1942), Ingeborg Bachmann (1926–1973) und Thomas Bernhard (1931–1989) die deutsche Literaturlandschaft nachhaltig verändert wurde. In dieser Tradition arbeiten auch bedeutende zeitgenössische Autoren wie beispielsweise Norbert Gstrein, Elfriede Jelinek (* 1946), O. P. Zier, Sabine Gruber und Ruth Aspöck. Es wurden auch einige Autoren wiederentdeckt und neu rezipiert, wie das Beispiel von Marlen Haushofer zeigt, die neben Kinderbüchern auch eine Reihe interessanter Themen, wie die Stellung der Frau oder die Entzauberung der Idylle, in ihren Werken behandelt.

1981 Elias Canetti (UK), 2004 Elfriede Jelinek (AT)

Beeinflusst von verschiedenen nationalen und internationalen Schriftstellergruppierungen entwickelte sich ein neuer und eigenständiger Stil. Einige der einflussreichsten Gruppen sind hier genannt:

Strömungen der Gegenwart[Bearbeiten]

Ein nicht mehr ganz junges Phänomen in der deutschsprachigen Literatur der Gegenwart tritt im süddeutschen Sprachraum bzw. in Österreich zutage. Angesprochen ist hier die „Postmoderne“, insbesondere das literarische Phänomen „postmoderner Roman“. Als bedeutende Autoren sind hier zu nennen: Oswald Wiener, Christoph Ransmayr (* 1954), Werner Schwab (1958–1994) und Marlene Streeruwitz.

Die von Oswald Wiener beeinflusste Marlene Streeruwitz hat das feministische Gedankengut der 1970er Jahre in die Gegenwart transportiert. Werner Schwab verhöhnt und demaskiert mit deftig-kräftigen Ausdrücken und skurrilen Wortverbindungen die schöngeistige Literatursprache. Ransmayr sucht im Gegensatz dazu sowohl inhaltlich als auch stilistisch eher eine vermittelnde Position.[4]

Gemeinsamkeiten und Charakteristik[Bearbeiten]

Die Affinität zum Sprachspiel ist eine Konstante in der Literatur Österreichs; zu den bekannteren Vertretern gehören Ernst Jandl (1925–2000) und Franzobel (* 1967).

Querschnitte und ausgewählte Entwicklungen[Bearbeiten]

Zensur in Österreich[Bearbeiten]

Das 18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Vor der Regierungszeit Maria Theresias lag die Zensur in den Händen der Universitäten, die von den Jesuiten geführt wurden. Im Zuge der Gegenreformation war die Angst und Vorsicht der Autoren und Drucker so groß geworden, dass die Buchproduktion in Österreich deutlich hinter der in den anderen deutschen Ländern zurückblieb. Bücher wurden so weit wie möglich aus dem Ausland eingeführt. Dabei erfolgte die Zensur in zweifacher Hinsicht: einerseits durch Zöllner an der Grenze und andererseits durch die Zensurstelle der Landesregierungen.

Erst Maria Theresia lockerte die Zensur. Um den Staat modernisieren zu können, musste sie die Ideen der Aufklärung zulassen und sich von der Gegenreformation und der Vorherrschaft der Kirche lösen. Die Universitäten wurden säkularisiert und die Zensur neu organisiert. Mit der Zensur beauftragte sie Gerard van Swieten (1700–1772); doch nach dessen Tod verschärfte sich die Zensur wieder.

Joseph II. griff wieder den Grundsatz van Swietens auf: Der Staat sollte nur die allerschlechteste, d. h. die unsittlichste Lektüre hintanhalten. Auch „Kritiken, wenn es nur keine Schmähschriften sind, sie mögen treffen, wen sie wollen, vom Landesfürsten an bis zum untersten“, waren nicht verboten. Die Zahl der Publikationen stieg in Folge sprunghaft an. So kam es auch zur Entstehung eines eigenen Schriftstellerstandes. Beim Theater war Joseph II. weniger tolerant. Neben grobianischen Formen des Volkstheaters waren auch staatspolitisch kritische Werke verboten. Zu den betroffenen Werken zählten unter anderen Beaumarchais’ Figaro und Goethes Werther (Verbot 1786 aufgehoben).

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

Während Joseph II. eher eine liberale Einstellung vertrat, verschärften spätere Herrscher die Zensurbestimmungen immer mehr. Unter Leopold II. wurde 1790 die Zensur zum Schutze der Kirche verschärft. Werke, welche die allgemeine Ruhe stören oder den Gehorsam vermindern konnten, werden ausnahmslos verboten.

In die Regierungszeit Franz’ II. (1792–1835) fällt die Wiederherstellung der Polizeihofstelle (1793), der einige Jahre danach die Zensurstelle unterstellt wird. Die General-Zensur-Verordnung vom 22. Februar 1795 enthielt eine erschöpfende Aufstellung aller Zensurregelungen der damaligen Zeit und war die Grundlage späterer Zensurpraxis. Sie setzte drakonische Strafen für zuwiderhandelnde Buchhändler und Drucker fest.

So fielen der strengen Zensur (Vorzensur) im Habsburgerreich nicht nur Werke von Nikolaus Lenau, Franz Grillparzer oder Johann Nestroy zum Opfer; insgesamt fanden sich etwa 40.000 Titel auf den österreichischen Verbotslisten. Jedes importierte Buch, alle Artikel, jede Neuveröffentlichung wurde überprüft und bewertet (das „damnatur“ der Zensoren für verbotene Werke). Dabei handelte es sich um Werke aus allen Lebens- und Wissensbereichen. Detaillierte Informationen hierzu gibt es im Projekt „Zensur in Österreich“ und im AEIOU-Lexikon.

Das Revolutionsjahr 1848[Bearbeiten]

Im Jahre 1848 erreichte die Revolution auch die Monarchie.

Am 15. März 1848 machte Kaiser Ferdinand I. erste Zugeständnisse. Er versprach die Abschaffung der Zensur und eine Staatsverfassung.

Die kurzfristige Aufhebung der Zensur hatte zur Folge, dass eine Vielzahl von Werken veröffentlicht wurde, Zeitschriften aus dem Boden schossen und wieder verschwanden und sich die Schreibkultur grundlegend wandelte.

Friedrich Gerhards Die Presse frei!, M. G. Saphirs Der tote Zensor, das Zensorlied oder Ferdinand Sauters Geheime Polizei geben ein Bild von der Aufbruchsstimmung. Es wurde auch scharfe Kritik am bestehenden System geübt. Beispiele dafür finden sich in Johann Nestroys Freiheit in Krähwinkel, Der alte Mann mit der jungen Frau, Skizzen zu Höllenangst, Lady und Schneider und Die Lieben Anverwandten (1848), Politische Gedichte von Anastasius Grün sowie Schriften von Franz Grillparzer (Dem Vaterlande, Gedanken zur Politik).

Das 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs kontrollierte das sogenannte Kriegsüberwachungsamt sowohl die Zeitungen als auch die Soldatenpost. Auch der austrofaschistische Ständestaat wollte durch die Beherrschung des öffentlichen Kommunikationssystems die oppositionelle Berichterstattung ausschalten. Insgesamt wurden 325 Bücher verboten. Nach dem Anschluss 1938 führten die Nationalsozialisten eine umfassende Zensur, die auch die Kontrolle des Briefverkehrs mit Soldaten umfasste, ein. Die Kulturpolitik im Dritten Reich hatte die Gleichschaltung und Kontrolle der Kunstschaffenden durch Zensur zum Ziel. Dies gelang bei Radio, Film, Theater und Literatur leichter als bei der Kleinkunst, die unmittelbar mit dem Publikum Kontakt hatte und so die Zensur geschickt umgehen konnte. Eine der berühmtesten Kabarettbühnen war das Wiener Werkl, wo fast ausnahmslos Werke links-liberaler und auch rassisch verfolgter Autoren aufgeführt wurden. Nach Kriegsende 1945 wurde von den alliierten Besatzungsmächten eine „Österreichische Zensurstelle“ errichtet, die bis 1953 Briefe zensierte. Seitdem gibt es in Österreich keine staatliche Zensur mehr.

Lyrik[Bearbeiten]

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Ilse Aichinger, Paul Celan, Ingeborg Bachmann, H. C. Artmann, Ernst Jandl, Christine Busta, Friederike Mayröcker, Christine Lavant, Robert Schindel, Erich Fried, Elfriede Gerstl

Österreichische Literaturpreise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur zum Thema[Bearbeiten]

Einbändige Literaturgeschichten[Bearbeiten]

  • Fritz Martini: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 19., neu bearbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 1991, ISBN 3-520-19619-0 (Lizenzausgabe beim Kölner KOMET-Verlag 2003, ISBN 3-89836-381-3) (Standardwerk).
  • Viktor Žmegac (Hrsg.): Kleine Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Marix, Wiesbaden 2004, ISBN 3-937715-24-X.

Mehrbändige Literaturgeschichten[Bearbeiten]

Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Begründet von Helmut de Boor und Richard Newald. Beck, München 1971– (12 Bände geplant, erschienene Bände und Teilbände teilweise in neuerer Bearbeitung)

  • Band 1: Die deutsche Literatur von Karl dem Großen bis zum Beginn der höfischen Dichtung: 770–1170. 9. Auflage, bearbeitet von Herbert Kolb. Beck, München 1979, ISBN 3-406-06088-9.
  • Band 2: Die höfische Literatur : Vorbereitung, Blüte, Ausklang; 1170–1250. 11. Auflage, bearbeitet von Ursula Hennig. Beck, München 1991, ISBN 3-406-35132-8.
  • Band 3: Die deutsche Literatur im späten Mittelalter.
    • Teil 1: Zerfall und Neubeginn: 1250–1350. 5., neubearbeitete Auflage, neubearbeitet von Johannes Janota. Beck, München 1997, ISBN 3-406-40378-6.
    • Teil2: Reimpaargedichte, Drama, Prosa. Herausgegeben von Ingeborg Glier. Beck, München 1987, ISBN 3-406-00713-9.
  • Band 4: Die deutsche Literatur vom späten Mittelalter bis zum Barock.
    • Teil 1: Das ausgehende Mittelalter, Humanismus und Renaissance: 1370–1520. 2. Auflage, Neubearb. von Hedwig Heger. Beck, München 1994, ISBN 3-406-37898-6.
    • Teil 2: Das Zeitalter der Reformation: 1520–1570. Bearbeitet von Hans Rupprich. Beck, München 1973, ISBN 3-406-00717-1.
  • Band 5: Die deutsche Literatur vom Späthumanismus zur Empfindsamkeit: 1570–1750. Unveränderter Nachdruck der 6., verbesserten Auflage. Mit einem bibliographischen Anhang. Beck, München 1975, ISBN 3-406-00721-X.
  • Band 6: Von Klopstock bis zu Goethes Tod.
    • Teil 1: Aufklärung, Sturm und Drang, frühe Klassik: 1740–1789. Von Sven Aage Jørgensen, Klaus Bohnen, Per Øhrgaard. Beck, München 1990, ISBN 3-406-34573-5 (Sonderausgabe 1999; früher unter dem Titel: Richard Newald: Ende der Aufklärung und Vorbereitung der Klassik; später auch unter dem Titel: Sven Age Jørgensen: Aufklärung, Sturm und Drang, Frühe Klassik).
  • Band 7: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration.
    • Teil 1: Das Zeitalter der Französischen Revolution: 1789–1806. 2., neubearbeitete Auflage, bearbeitet von Gerhard Schulz. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46700-8.
    • Teil 2: Das Zeitalter der Napoleonischen Kriege und der Restauration: 1806–1830. Bearbeitet von Gerhard Schulz. Beck, München 1989, ISBN 3-406-09399-X.
  • Band 9: Geschichte der deutschsprachigen Literatur.
    • Teil 1: 1870–1900: von der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende. Bearbeitet von Peter Sprengel. Beck, München 1998, ISBN 3-406-44104-1.
    • Teil 2: 1900–1918: von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Bearbeitet von Peter Sprengel. Beck, München 2004, ISBN 3-406-52178-9.
  • Band 12: Geschichte der deutschen Literatur von 1945 bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wilfried Barner. Beck, München 1994, ISBN 3-406-38660-1.

Literaturgeschichten mit Primärtexten[Bearbeiten]

  • Die deutsche Literatur. Ein Abriss in Text und Darstellung. Reclam, 2000, ISBN 3-15-030022-3 (insgesamt 17, auch einzeln erhältliche Bände zu verschiedenen Epochen).

Nachschlagewerke[Bearbeiten]

  • Horst Dieter Schlosser: dtv-Atlas Deutsche Literatur. dtv, 2002, ISBN 3-423-03219-7.
  • Gunter E. Grimm und Frank Rainer Max (Hrsg.): Leben und Werk deutschsprachiger Autoren vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Reclam, 1993, ISBN 3-15-010388-6 (auch in Einzelausgaben zu verschiedenen Epochen erhältlich).

Themenschwerpunkte[Bearbeiten]

Österreich

Sagen

  • Käthe Recheis (Hrsg.): Sagen aus Österreich. Carl Ueberreuter Verlag, Wien 2001, ISBN 3-8000-2804-2.

Donau

  • Reimund Hinkel: Wien an der Donau. Der große Strom, seine Beziehungen zur Stadt und die Entwicklung der Schiffahrt im Wandel der Zeiten. Wien 1995.
  • Claudio Magris: Danube. Verlag Farrar Straus & Giroux, ISBN 1-86046-823-3.
  • Péter Esterházy: Donau abwärts. Residenz, 1992.

Österreichische Literatur in jiddischer Sprache

  • Armin Eidherr: Du fragtest nach den Dichtern ... (Jiddische Kultur in Österreich). In: Nitsche: Österreichische Lyrik und kein Wort Deutsch, S. 37–46.
  • Armin Eidherr: Auf stillem Pfad ... Jiddische Schriftsteller in Wien. Dossier in: Literatur und Kritik, Nr. 273/274. Salzburg April 1993, S. 47–83.

Tirol

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wendelin Schmidt-Dengler: Österreich und Mitteleuropa (pdf, kakanien.at; 106 kB)
  2. Hugo von Hofmannsthal: Bemerkungen, zitiert nach: Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Band „Prosa IV“, 1966, S. 101–106
  3. Volltext Projekt Gutenberg DE.
  4. Zwei Aufsätze, die die jüngste österreichische Literaturentwicklung im Detail beschreiben, sind: Österreichische Literatur seit 1986 (Klaus Zeyringer, eLibrary Austria Projekt) sowie Österreichische Gegenwartsliteratur ab 1990 (Wendelin Schmidt-Dengler, eLibrary Austria Projekt).