Heckengäu

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heckengäu bei Weil der Stadt

Das Heckengäu ist als Teil des Gäus eine Landschaft in den Landkreisen Böblingen, Calw, Ludwigsburg und Enzkreis in Baden-Württemberg (Deutschland). Ein Landschaftsteil im Kreis Calw heißt Schlehengäu. Daher ist auch die Bezeichnung Hecken- und Schlehengäu geläufig.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Heckengäu bei Malmsheim

Das Heckengäu liegt westlich der Landeshauptstadt Stuttgart. Es bildet ein von Norden nach Süden über 50 km langgezogenes Band, das von Vaihingen an der Enz im Norden bis Haiterbach im Süden reicht und Teile der Landkreise Böblingen, Calw, Ludwigsburg sowie des Enzkreises umfasst. Im Westen grenzt es an den Nordschwarzwald und im Osten an das Korn- und Strohgäu sowie an den Schönbuch. Zusammen mit Korn-, Stroh und Zabergäu bildet es das baden-württembergische Gäu.

Landschaft und Geologie[Bearbeiten]

Das Heckengäu ist eine ländlich geprägte Region, die sich durch eine hügelige, stark landwirtschaftlich genutzte Landschaft (Gäulandschaft) auszeichnet. Aufgrund seines verkarsteten Muschelkalkuntergrunds ist das Heckengäu eine edaphisch trockene Region. Typische Böden sind Rendzinen, in Geländemulden finden sich jedoch auch Lössauflagen, aus denen sich Parabraunerden bilden können. Das Heckengäu zeichnet sich durch Karsterscheinungen wie Trockentäler, Dolinen, Quelltöpfe, Schachthöhlen und Ausschwemmungen aus. Das Heckengäu ist des Weiteren geprägt durch Wacholderheiden und Streuobstwiesen, aber vor allem durch Feldhecken, die sich auf den vielen Lesesteinriegeln bildeten und die ihm zu seinem Namen verhalfen. Die im östlichen Kreis Calw typischen Schlehenhecken geben der dortigen Region auch den Namen Schlehengäu.

Erhebungen[Bearbeiten]

Die höchsten Erhebungen (mit Höhe in Meter über Normalnull; NN) des Heckengäus finden sich bei Calw-Stammheim (Daumen, 611 m) sowie in und um das östliche Althengstett (Köpfle, 606 m und Jägerberg 591 m). Andere typische Gäu-Hochflächen sind zum Beispiel die Hochfläche bei den „Sieben Tannen“ mit den Dörfern Deckenpfronn, Oberjettingen und Kuppingen sowie die Hochebene „Tannenäcker“ zwischen Althengstett, Stammheim und Gechingen, die bis auf eine Höhe von 580 m reicht.

Der Mauerfuchs ist ein Bewohner des Heckengäus (Fundort: Malmsheim)
Die Silberdistel blüht im Heckengäu auf Heideflächen (Fundort: Renningen)

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Das Heckengäu weist eine schützenswerte Flora und Fauna auf. Auf den Wacholderheiden gibt es Restbestände der Silberdistel und der Berg-Aster. Auch einige wenige einheimische Enzianarten finden dort einen geeigneten Wachstumsstandort. Bei Weil der Stadt blüht im Frühjahr die Gewöhnliche Küchenschelle. Der Mauerfuchs ist in den Trockentälern zu Hause, während die Zauneidechse in den Trockenmauern am Rande von Streuobstwiesen einen passenden Lebensraum im Heckengäu vorfindet. Die streng geschützte Gelbbauchunke sucht sich kleinste Gewässer und Pfützen.

Ortschaften[Bearbeiten]

Zu den Ortschaften des Heckengäus gehören

Verkehr[Bearbeiten]

Das Heckengäu ist über die Autobahnen A 8 und 81 zu erreichen. Darüber hinaus gibt es diverse Bahnanbindungen (u. a. ans Stuttgarter S-Bahn-Netz). Busanbindungen gibt es ab den Bahnhöfen Leonberg, Weissach (Württembergische Eisenbahngesellschaft – WEG), Mühlacker, Pforzheim, Böblingen und Weil der Stadt.

Naturräumliche Systematik[Bearbeiten]

In der Systematik des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands ist dieses nord-südlich sehr ausgedehnte, west-östlich recht schmale Band des Heckengäus nicht ganz einfach wiederzufinden:

  1. Ein nördlicher Teil wird dort der Haupteinheit 123 – →Neckarbecken – des Naturraums Neckar- und Tauber-Gäuplatten zugerechnet:[1] mit den oben genannten Ortschaften Mühlacker und Vaihingen an der Enz 123.16, Wiernsheim 123.12, Wimsheim 123.10, Flacht 123.11 (Enz-Grenzbach-Heckengäu). Die Südgrenze dieses Teils des Heckengäus bildet die A 8 zwischen Pforzheim und Leonberg.
  2. Ein östliches Band des südlichen Teils bis Haiterbach erscheint in der Haupteinheit →Obere Gäue (122.40, 122.44 sowie 122.45 um Möttlingen), ein westliches – im Nagoldtal von Bad Liebenzell bis Altensteig (→#Ortschaften oben) – zählt das Handbuch zu den Schwarzwald-Randplatten (150, außerhalb der Neckar- und Tauber-Gäuplatten) statt zu den Oberen Gäuen.[2]Bemerkungen:
    • In der Karte[2] erkennt man, dass dieser Aufteilung des Heckengäus zwischen 122 und 123 durch die A 8 kein natürlicher Unterschied entspricht – Legende: „nicht linienhaft festlegbare Grenzen“ –, vielmehr setzt 122.45 123.10 und 122.44 123.11 natürlich nach Süden fort.
    • Ebenso setzt 122.40 122.44 nach Süden „ohne linienhaft festlegbare Grenze“ fort.
    • Der Artikel Nagold (Fluss) zählt (unter Allgemeines) die im Naturraum 150 gelegenen Teile des Nagoldtals (Altensteig, Wildberg abwärts) nicht zum Heckengäu, sondern nur den Naturraum Nagold-Heckengäu (122.40) im Bereich der Stadt Nagold.
  3. Südlich des hier angegebenen Gebiets führt das Handbuch noch als 122.11 und 122.12 (in den Oberen Gäuen) östliches und westliches Eschach-Heckengäu zwischen Kinzig und dem Neckartal oberhalb von Sulz,[2] die durch die Glatt-Gäuplatten (122.2) mit dem engeren Heckengäu verbunden sind. Nordwestlich wird das engere Heckengäu über die Enz hinweg durch das Pfinzhügelland (125.3, vgl. Pfinzgau) in der Haupteinheit Kraichgau fortgesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Fauser, Karl-Jürgen Bunnenberg, Karl Feucht (Hrsg.): Wanderführer Heckengäu, Strohgäu, Glemswald. Verlag Theiss, Stuttgart 1999, ISBN 3-8062-0871-9
  • Geschäftsstelle PLENUM Heckengäu (Hrsg.), in Zusammenarbeit mit der Pressestelle des Landkreises Böblingen: Das Heckengäu, ein Erlebnis. Böblingen 2006, DNB 1014527066 (Katalogeintrag der Deutschen Nationalbibliothek - DNB)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Huttenlocher, Hansjörg Dongus: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 170 Stuttgart. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952, überarbeitet 1967. → Online-Karte (PDF; 4,0 MB).
  2. a b c Friedrich Huttenlocher: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 178 Sigmaringen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959. → Online-Karte (PDF; 4,3 MB).

48.758.8166666666667Koordinaten: 48° 45′ 0″ N, 8° 49′ 0″ O