Hungen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hungen
Hungen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Hungen hervorgehoben
50.4666666666678.9144Koordinaten: 50° 28′ N, 8° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Gießen
Höhe: 144 m ü. NHN
Fläche: 86,75 km²
Einwohner: 12.359 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35410
Vorwahl: 06402
Kfz-Kennzeichen: GI
Gemeindeschlüssel: 06 5 31 008
Stadtgliederung: 12 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Kaiserstraße 7
35410 Hungen
Webpräsenz: www.hungen.de
Bürgermeister: Rainer Wengorsch (Freie Wähler)
Lage der Stadt Hungen im Landkreis Gießen
Niederdorfelden Biebertal Wettenberg Lollar Staufenberg (Hessen) Allendorf (Lumda) Rabenau (Hessen) Heuchelheim (Hessen) Gießen Buseck Grünberg (Hessen) Fernwald Linden (Hessen) Langgöns Pohlheim Reiskirchen Lich Hungen Laubach Wetteraukreis Vogelsbergkreis Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Limburg-Weilburg Landkreis Marburg-Biedenkopf Lahn-Dill-KreisKarte
Über dieses Bild

Hungen ist eine Stadt im Landkreis Gießen in Mittelhessen. Aufgrund des alle zwei Jahre stattfindenden Schäferfests trägt Hungen auch den Namen "Die Schäferstadt".

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Hungen liegt im südöstlichen Teil des Landkreises Gießen, Hessen, Bundesrepublik Deutschland. Sie liegt an der Grenze zwischen Wetterau und Vogelsberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Hungen grenzt im Norden an die Stadt Laubach, im Osten an die Stadt Nidda (Wetteraukreis), im Süden an die Gemeinden Wölfersheim (Wetteraukreis) und Echzell und im Westen an die Städte Münzenberg (Wetteraukreis) und Lich.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Durch die Eingliederung der Gemeinden Bellersheim, Inheiden, Rodheim, Rabertshausen, Nonnenroth, Langd, Obbornhofen, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, und Villingen in den 1970er Jahren zählt die Stadt Hungen heute rund 13.000 Einwohner.

Geschichte[Bearbeiten]

Otto Graf zu Solms bestätigt der Stadt ihre Freiheiten (Pergament, Siegel) vom 4 Oktober 1459

Urkundlich wurde die Kernstadt erstmals am 28. Juli 782 als Schenkung Kaiser Karls des Großen an das Stift Hersfeld erwähnt. Dieses baute die Schenkung "Hoinge" bzw. "Houngun"[2] zusammen mit den umliegenden Ortschaften und Rodungen zur so genannten „Hersfeldschen Mark“ aus. Die Klostervogtei gelangte unter die Herrschaft der Münzenberger und fiel später an die Falkensteiner.

Für das Jahr 1320 ist die Pfarrkirche in einem Lehensbrief bezeugt. Kaiser Karl IV. verlieh am 20. April 1361 die Stadtrechte. Durch eine Erbschaft kam Hungen am 24. Mai 1419 an die Grafen zu Solms, denen am 24. Mai 1469 durch Kaiser Friedrich III. ein Marktrecht für die Zeit vom 28. Oktober bis zum 11. November verliehen wurde. Hieraus entwickelte sich der traditionelle Allerheiligenmarkt.

Von 1602 bis 1693 war Hungen durch Erbteilung eine selbstständige Grafschaft, gelangte danach an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde. Dort zunächst Landratsbezirk und Sitz eines Landgerichts wurde die Stadt von 1841 bis 1848 Verwaltungssitz des Kreises Hungen im Regierungsbezirk Friedberg.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis am 31. Dezember 1970 die Gemeinden Langd, Rabertshausen, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe sowie am 31. Dezember 1971 die Gemeinden Nonnenroth und Rodheim eingegliedert. Am 1. Januar 1977 wurden durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen die Gemeinden Bellersheim, Inheiden, Obbornhofen und Villingen nach Hungen eingegliedert.[3][4]

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. August 1972 wurde ein Gebiet mit damals etwa 50 Einwohnern an die Nachbarstadt Nidda abgetreten.[5]

Politik[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 hatte folgendes Ergebnis:

Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
32,6 %
32,3 %
23,1 %
12,0 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+13,0 %p
-11,3 %p
-5,7 %p
+3,9 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
FWG Freie Wählergemeinschaft Hungen 32,6 12 19,6 7
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 32,3 12 43,6 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,1 9 28,8 11
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 12,0 4 8,1 3
Gesamt 100 37 100 37
Wahlbeteiligung in % 59,0 51,0

Bürgermeister[Bearbeiten]

Rainer Wengosch (Freie Wähler) setzte sich bei den Kommunalwahlen am 27. März 2011 mit 64,4 % der abgegebenen Stimmen gegen Elke Högy (SPD) durch. Am 2. Dezember 2011 wurde er in sein Amt eingeführt und löste damit Klaus Peter Weber (SPD) nach 18 Jahren im Amt ab.

Partnerstadt[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke in Hungen[Bearbeiten]

Gelände des Kleinkastells Feldheimer Wald
Schloss Hungen
Bitzenstraße 34-36, ältestes Wohnhaus in Hungen
Evangelische Stadtkirche

Evangelische Stadtkirche[Bearbeiten]

Die evangelische Stadtkirche ist das älteste Bauwerk Hungens und wird im Jahr 1286 erstmals erwähnt. In ihrem in Jahrhunderten gewachsenen Erscheinungsbild vereint sie die Baustile der Romantik, Gotik und Renaissance. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstand der romanische untere Teil des Turmes, der sich zwischen Chor und Schiff befindet und mit wertvollen Wandmalereien ausgestattet ist. Die zwei oberen Geschosse stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und weisen frühgotische Stilelemente auf. Der spätgotische Chor wurde 1518 geweiht und diente dem Grafenhaus Solms-Hungen, das fast 100 Jahre lang seinen Sitz in Hungen hatte, als Grabkapelle. Das Kirchenschiff wurde zwischen 1596 und 1608 vergrößert. Für den damaligen Kirchenbau stellte das schlossartige Gebäude etwas völlig Neues dar und wurde im 17. und 18. Jahrhundert zum Vorbild für zahlreiche protestantische Kirchenbauten der näheren Umgebung.

Schloss[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Hungen

Über die ersten Anfänge einer Befestigung des kleinen Burghügels, knapp 15 Meter über der Horloff, können nur Mutmaßungen angestellt werden. Das heutige Schloss wurde seit der Mitte des 15. Jahrhunderts anstelle einer älteren Burganlage, die 1383 urkundlich verbürgt ist, errichtet. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Schloss mehrmals erweitert, verändert, 1974 von einer Eigentümergemeinschaft erworben und unter großem Einsatz in seinen heutigen Zustand versetzt.

Ehemaliges Kreisamtsgebäude[Bearbeiten]

Schlossgasse 6. Der verputzte zweigeschossige Fachwerkbau mit Mansarddach wurde wohl im späten 18. Jahrhundert errichtet.

Wohnbauten[Bearbeiten]

Innerhalb des durch Abbrüche und gesichtslose Neubauten beeinträchtigten Ortskernes haben sich einige ältere Fachwerkhäuser erhalten, von denen etliche jedoch durch Verputz oder Schaufensterdurchbrüche entstellt sind. Erst in jüngster Zeit kam es zur verstärkten Freilegung und fachgerechten Restaurierung einiger Bauten im Zuge der Stadtsanierung.

  • Noch 1978 ging mit dem 1589 datierten Amtshaus (ehemals Obertorstraße 14) eines der wichtigsten Baudenkmäler der Stadt verloren. Es befindet sich heute im Freilichtmuseum Hessenpark, wo es als Verwaltungsgebäude dient.
  • Das Doppelwohnhaus Bitzenstraße 34-36, wurde 2009–2013 restauriert, wobei eine dendrochronologische Untersuchung das Haus auf das Jahr 1465 datierte.
  • Bei dem Haus Obertorstraße 13 wurde das Fachwerkgefüge bei der jüngsten Restaurierung stark erneuert und zum Teil ergänzt. Das jetzt als Gaststätte genutzte Giebelhaus, dessen Fassade gebogene Fußstreben aufweist, entstand wohl um 1500 und dürfte damit auch eines der ältesten Wohnhäuser Hungens sein.
  • Am Marktplatz liegt das Gasthaus Sterntaler (Obertorstraße 29). Der stattliche dreigeschossige Bau mit beschnitzten Balken ist 1661 bezeichnet und wurde 1763 erneuert.

Stadtmauer[Bearbeiten]

Von der mittelalterlichen Stadtmauer sind größere Partien vor allem im Südosten erhalten, die zumeist in Häusern verbaut sind. Hier sind auch Reste des Stadtwalls mit Graben sichtbar.

Hof Grass[Bearbeiten]

An der B457 Richtung Nidda gelegen liegt der Hof Grass. Der ehemalige Bauernhof wurde von 2010 bis 2012 umfassend saniert. Seitdem beherbergt er unter anderem das Limes-Informationszentrum und das Stadtarchiv Hungen.

Bauwerke in den Stadtteilen[Bearbeiten]

Kastell Inheiden[Bearbeiten]

Südlich von Hungen, nahe dem Hof Graß, liegt das fast 2000 Jahre alte römische Kastell Inheiden.

Kleinkastell Feldheimer Wald[Bearbeiten]

Eine weitere römische Hinterlassenschaft, das Kleinkastell Feldheimer Wald findet sich etwa zwei Kilometer westsüdwestlich des Ortskerns, in der Nordecke des Feldheimer Waldes. Die Konturen der Umwehrung sind immer noch als flache Bodenwellen im Gelände sichtbar.

Stadtteil Nonnenroth[Bearbeiten]

Wehrkirche Nonnenroth

Nonnenroth wurde erstmals 1271 urkundlich erwähnt. Das Dorf gehörte früher zur Hersfeldschen Mark. Auf einer Bergkuppe wurde das heutige Wahrzeichen, eine Wehrkirche errichtet, deren Glockenturm in den Kirchenneubau integriert wurde. Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte dem kleinen Ort viel Not, Leid und Verwüstung, da die alte „Heerstraße“, von Hungen über den Galgenberg durch Nonnenroth nach Grünberg führend, stets viele Truppenbewegungen zu verzeichnen hatte.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Hungens wirtschaftliche Bedeutung begann schon im frühen Mittelalter durch den günstigen Standort an einer Kreuzung zweier wichtiger Handelswege, der Salzstraße und der Alten Gelnhäuser Poststraße. Ein weiterer wichtiger Faktor war die Erlangung der Stadt- und Marktrechte, wovon noch heute der jährlich am 1. November abgehaltene Allerheiligenmarkt zeugt.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die bis Ende 2006 durch den Ort führenden Bundesstraßen 457 und 489 folgten in etwa diesen alten Handelswegen. Durch die Neue Ortsumgehung liegt deren Kreuzung heute südöstlich außerhalb des Ortes und ist als Kreisverkehr ausgebaut.

Eisenbahn[Bearbeiten]

Bahnhof Hungen 2010

Hungen war früher ein Eisenbahnknoten. Davon zeugen noch die Reste des großzügig angelegten Bahnhofs mit eigener Güterabfertigung. Diese Einrichtung sicherte die Existenz vieler kleiner Spediteure für Nah- und Mittelstrecken. Die Horlofftalbahn (Friedberg–Hungen LaubachMücke) und die Lahn-Kinzig-Bahn (GießenGelnhausen), beide errichtet von den Großherzoglich Hessischen Staatseisenbahnen, kreuzten sich hier. Die Lahn-Kinzig-Bahn wird noch heute im Rahmen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) betrieben. Die Strecke Hungen–Laubach wurde 1999 stillgelegt, demontiert und im ehemaligen Gleisbett ein Radweg angelegt. [6] Die Strecke aus Richtung Friedberg zwischen Wölfersheim-Södel und Hungen wurde 2005 stillgelegt. Über eine Wiederinbetriebnahme wird in den Anliegergemeinden diskutiert.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Die Stadt Hungen und der Landkreis Gießen gehören zum Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Hungen besitzt eine eigene Stadtbuslinie, die VGO-Linie 60.

Radfernwege[Bearbeiten]

Durch Hungen und seinen Stadtteile Inheiden und Steinheim führt der Deutsche Limes-Radweg. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Engel und Willi Hechler: Hungen in alten Ansichten. Hungen 1983
  • Magistrat der Stadt Hungen (Hrsg.): Das Buch der Stadt Hungen. Hungen 1961

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Hungen, Landkreis Gießen“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 14. April 2014, abgerufen am 14. Juli 2014.
  3. Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen vom 13. Mai 1974. In: GVBl. I S. 237
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 299
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 365.
  6. Gießener Allgemeine.http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Mediathek/Fotostrecken/Fotostrecke,-Neuer-Radweg-von-Hungen-nach-Villingen-_gid,1904_regid,1_puid,1_pageid,226.html