Wölfersheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wölfersheim
Wölfersheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wölfersheim hervorgehoben
50.39758.8113888888889142Koordinaten: 50° 24′ N, 8° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 142 m ü. NHN
Fläche: 43,15 km²
Einwohner: 9674 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 61200,
61209 (Kreuzquelle)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 06036
Kfz-Kennzeichen: FB, BÜD
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 024
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 60
61200 Wölfersheim
Webpräsenz: www.woelfersheim.de
Bürgermeister: Rouven Kötter (SPD)
Lage der Gemeinde Wölfersheim im Wetteraukreis
Butzbach Münzenberg Rockenberg Ober-Mörlen Bad Nauheim Friedberg (Hessen) Rosbach v.d. Höhe Wöllstadt Karben Bad Vilbel Wölfersheim Reichelsheim (Wetterau) Niddatal Florstadt Echzell Reichelsheim (Wetterau) Nidda Hirzenhain Gedern Ranstadt Glauburg Altenstadt (Hessen) Limeshain Ortenberg (Hessen) Kefenrod Büdingen Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen Vogelsbergkreis Hochtaunuskreis Frankfurt am Main Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild

Wölfersheim ist eine Gemeinde im Wetteraukreis in Hessen, Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Wölfersheim liegt 40 km nördlich von Frankfurt am Main in der Wetterau, unweit der Städte Bad Nauheim und Friedberg (Hessen). Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig an der A 45 mit eigener Ausfahrt Wölfersheim. Die Naherholungsgebiete Wetterauer Seenplatte, Niddastausee und Vogelsberg liegen direkt vor der Haustür.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wölfersheim grenzt im Norden an die Städte Münzenberg und Hungen (Landkreis Gießen), im Osten an die Gemeinden Nidda und Echzell, im Süden an die Städte Reichelsheim und Friedberg (Hessen), sowie im Westen an die Stadt Bad Nauheim und die Gemeinde Rockenberg (alle im Wetteraukreis).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Wölfersheim schloss sich durch die hessische Gebietsreform Anfang der 70er Jahre aus den Ortsteilen Berstadt, Melbach, Södel, Wölfersheim und Wohnbach zusammen. Derzeit leben knapp 10.000 Menschen in der Großgemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Bronzezeitliches Grab, gefunden in der Nähe des Wölfersheimer Bahnhofs, heute im Wetterau-Museum in Friedberg. Die Grabfunde gaben der Bronzezeit Stufe Wölfersheim ihren Namen.

Durch die Lage in der fruchtbaren Wetterau haben zahlreiche Kulturen die Gegend aufgesucht. Grabfunde aus der Bronzezeit waren namensgebend für die Stufe Wölfersheim.[2] Die Funde werden heute im Wetterau-Museum in Friedberg ausgestellt.

Überreste aus der Römerzeit bei Wölfersheim und Wohnbach[Bearbeiten]

Eine von Friedberg kommende Römerstraße zieht durch das Wölfersheimer und Wohnbacher Feld auf das Römerkastell Alteburg bei Arnsburg-Lich zu. Eine andere verläuft vom Kastell Echzell (zum Teil Echzeller Weg) kommend, fast unmittelbar an der Westseite des Dorfes vorüber und vereinigt sich zwischen Wohnbach und Münzenberg mit der ersten. Das Mittelstück der Straße Echzell–Arnsburg ist noch leicht an der Straße zwischen Wohnbach und Wölfersheim zu erkennen, ist aber im Laufe der Jahrhunderte durch die Flurbereinigung völlig verschwunden. Die Landstraße von Wohnbach nach Münzenberg bis zum Waldeingang hin ist ein Rest der Römerstraße. Dann geht sie weiter durch den Wald bis zur Gabelung mit der ersten. Ein mittelalterlicher Grenzstein markiert diesen Punkt.

In der Gemarkung Hinterwald, nur wenige Minuten westlich von der zuerst genannten Römerstraße entfernt befinden sich Reste eines römischen Gutshofes, der das steinerne Haus im Volksmund genannt wird. Diese Reste bestehen aus einem niedrigen annähernd quadratischen Wall in einer Breite von etwa 160 Schritten, der Mauerwerk in sich birgt, an der Ostseite, nach der Römerstraße zu, den Eingang noch jetzt erkennen lässt und in der Nähe der Westseite die Fundamente zweier quadratischer, etwa zwanzig Schritt breiter Bauwerke in sich fasst.

Auch findet man heute noch die Ruine eines römischen Signalturms an der Römerstraße circa 800 Meter nordwestlich vom Gutshof entfernt. Der Turm diente zur Signalübermittlung des Limes-Systems und hatte auf Grund seiner hohen Lage wahrscheinlich Sichtkontakt zu den umliegenden Kastellen. Eine ähnliche Signalturmruine gibt es auf dem Johannisberg in Bad Nauheim.

Schild an dem Fundort der Villa „Auf dem Gleichen“

Beim Bau der Autobahn A45 im Jahre 1976 wurden circa einen Kilometer westlich von Wohnbach am Waldrand zahlreiche Mauerreste entdeckt. Nach Einschaltung von Bodendenkmalpflegern wurde eine Villa rustica, ein römischer Gutshof, freigelegt, die seit Ende des letzten Krieges bekannt war. Die Entdeckung sprach sich sehr schnell herum, und es fanden sich zahlreiche Besucher aus dem Dorf und der Umgebung ein, die die antiken Mauern, die noch bis zu einem Meter standen, bewundern konnten. Aus Zeitmangel konnte nicht alles freigelegt werden, weil der Bau der Autobahn fortgeführt werden musste, und die Gebäude des Anwesens wurden wieder zugeschüttet. Die A45 Gießen-Hanau führt heute direkt über die Ruinen. Der Rest des Anwesens, das noch über 80 Meter über die Autobahntrasse hinaus reichte, wurde bei Feldregulierungsarbeiten völlig zerstört.

Ein weiterer, nicht an der Oberfläche sichtbarer römischer Gutshof „Auf dem Gleichen“, befindet sich in der Nähe der Römerstraße Friedberg-Arnsburg bei der Sandkaute von Wölfersheim. Bei einer Befliegung der Luftbildarchäologie wurde entschieden, den Brunnen des Anwesens zur Gewinnung von Vegetationsresten freizulegen, da das Herrenhaus schon eine Länge von 50 Metern aufwies. Des Weiteren wurden einige Gräber des dazugehörigen Gräberfeldes ausgegraben. Das Grabmal einer wohlhabenden römischen Frau vom Gutshof Wohnbach gibt es im Wetterau-Museum in Friedberg zu bewundern.

Lageplan der Ortsbefestigung von Wölfersheim

Mittelalter[Bearbeiten]

Wölfersheim, der größte Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde wurde erstmals im Jahre 1128 erwähnt. [C 1] Nach der Vollendung der Ortsbefestigung im Jahre 1408[3] bekam Wölfersheim unter der Regierung des letzten Falkensteiners, Werner von Falkenstein, die Stadtrechte und wurde somit zur Minderstadt. Zwar ist keine Entwicklung zur wirklichen Stadt erfolgt, aber Wölfersheim wurde nun als Marktflecken, Befestigung, Oppidum oder „Schloss“ bezeichnet. Die Ringmauer um den heutigen Wölfersheimer Ortskern war 794 m lang und hatte vier Wehrtürme, nämlich den Weißen Turm, den Schwarzen Turm, den heutigen Kirchturm und den Narrenturm. Letzterer ist heute ein Turmstumpf und von einer Scheune auf einem Privatgrundstück umgeben, also nicht mehr von außen sichtbar. Es werden noch weitere Wehrtürme vermutet, jedoch ist die Existenz nicht nachweisbar. Umgeben von der Mauer war Wölfersheim damals vier Hektar groß.[4] Die gute Erhaltung der Wehrtürme lässt sich wohl aus der weiteren Nutzung begründen. Der Schwarze Turm wurde erst als Glockenturm für die Antoniuskapelle mitbenutzt und wurde gleichzeitig bis heute ein Wohnturm. Der Weiße Turm wurde erst als Gefängnis, später als Armenhaus weiterverwendet. Einen anderen Wehrturm verwendete man als Glockenturm für die Evangelisch-reformierte Kirche weiter.

Reformation in Wölfersheim[Bearbeiten]

Wölfersheim war bis 1612 eine Filiale von Södel. Die Pfarrei Södel war von dem Kloster Ilbenstadt gegründet worden und unterstand daher diesem. Der damalige Pfarrer Seifried Bender führte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den evangelisch-lutherischen Gottesdienst in seiner Gemeinde Södel-Wölfersheim ein. Das genaue Jahr der Einführung der Reformation ist nicht bekannt. Da sich Wölfersheim von der Södler Mutterkirche lösen wollte, stellte man in den 1560er Jahren, ohne die Mutterkirche oder das Kloster Ilbenstadt zu fragen, den Wetzlarer Theologen Antonius Schüler als Lehrer ein. Später übertrug man ihm zusätzlich den Pfarrdienst. Als Seifried Bender alt und krank wurde, bat er Antonius Schüler, auch den Pfarrdienst in Södel mitzuübernehmen. Nach Benders Tod setzte Valentin Textor die Rechte der Pfarrei Södel wieder durch und schickte Antonius Schüler fort. [C 2] Allerdings hielt man ab jetzt auch Gottesdienst in Wölfersheim.[5] Symon Laurelius, Textors Nachfolger, führte den reformierten Gottesdienst in der Gemeinde Södel-Wölfersheim ein. Dieser stieß in Södel auf Widerstand. Der Bürgermeister, das Gericht und die Gemeinde Södel reichten eine Beschwerde bei dem Kloster Ilbenstadt ein, die Folgendes ausführt:

„[...] bei der Vormundschaft deritzo regierenden Herren nit allein die uhralte, christliche Kirchen-Ceremonias, sondern auch den Catechismum für sich selbsten und eigens Gefallens mutiert und geendert, anderst in matre zue Södel, anderst in Filiali ecclesia zu Wilfersheim bis noch gebrauchet, auch dero Zeit alwegen apud filiam und niemahls bei ihnen zue Södel communiciret und die arme Jugend aus dem Catechismo Lutheri ad Heydelbergensem geführert hat.[6]

Das Kloster setzte daraufhin Laurelius in Södel ab. Er blieb aber in Wölfersheim. Die Absetzung des Pfarrers in Södel und die Übernahme desselben als Pfarrer von Wölfersheim bedeutete die kirchliche Trennung von Södel und Wölfersheim. [C 3]

Nach Laurelius Tod im Jahr 1612 versuchten die Södler die alten Rechte wieder geltend zu machen. Eine Notiz im Kirchenbuch, die den Widerstand der Wölfersheimer zeigt, lautet wie folgt:

„Nach seinem Thot wollte der Södeler Lutheraner hier nisten, aber sie haben ihre Collatur verschertzt, hatten sie den Frommen alten Symon bei ihnen sterben lassen, so hetten sie fussen können, aber die nasuti [Naseweisen] hettens versehen, darumb unser Gn. Herr Gr. Wilhelm der ältere ihnen ein aignen pfarrher M. Eberhardum Venatorem, denn die Mintzenberger pp. calvinismum [weil er Calvinist war] abgeschafft, erwehlete, ein sehr gelehrter Man.[7]

Die Standesherrschaft setzte dann, laut Notiz, einen eigenen reformierten Pfarrer (Eberhard Venator) ein. Im Dreißigjährigen Krieg versuchte das Kloster Ilbenstadt eine Gegenreformation in Wölfersheim, die allerdings misslang. [C 4]

An der Südwestecke des kleinen Waldes „Bergheimer Wäldchen“ oder auch „Komthurberg“ stand einst das im Mittelalter mehrfach erwähnte Dorf Bergheim. Unklar ist, ob dieses Dorf vor oder während des Dreißigjährigen Krieges untergegangen ist.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1970 wurden die bisher selbständigen Gemeinden Melbach, Södel und Wohnbach eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kam Berstadt hinzu.[8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

[8][9][10]

Religionen[Bearbeiten]

In allen fünf Ortsteilen gibt es eine evangelische Kirchengemeinde und in Wölfersheim zusätzlich eine römisch-katholische, die mit der katholischen Gemeinde in Echzell zu einer Pfarrgruppe zusammengeschlossen ist.

Die evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Wölfersheim hat etwa 2200 Mitglieder.[11] Die evangelischen Kirchengemeinden Södel und Melbach arbeiten eng zusammen und haben einen gemeinsamen Pfarrer.

Bis auf die evangelische Kirchengemeinde Wohnbach, die zum Dekanat Hungen gehört, gehören alle vier evangelische Kirchengemeinden in der Gemeinde Wölfersheim zum evangelischen Dekanat Wetterau.

Die katholische Pfarrgruppe Wölfersheim/Echzell ist dem katholischen Dekanat Wetterau-Ost untergeordnet.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Kommunalwahl in Wölfersheim 2011
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
60,1 %
16,0 %
10,0 %
8,2 %
5,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+6,8 %p
-4,4 %p
+1,8 %p
+0,4 %p
-4,7 %p

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:[12]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 60,1 19 53,3 17 52,5 16
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 16,0 5 20,4 6 22,7 7
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 10,0 3 8,2 3 5,8 2
FWG Freie Wählergemeinschaft Wölfersheim 8,2 2 7,8 2 6,9 2
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 5,7 2 10,4 3 12,1 4
Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 51,2 47,9 56,9

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
2008 Rouven Kötter SPD 69,5
Burkhard Käs FWG 23,4
Michael Rückl GRÜNE 4,8
Daniel Lachmann NPD 1,8
Engelbert Lorenz Jocher 0,5
Wahlbeteiligung in % 58,4
2005 Joachim Arnold SPD 88,9
Ralf Schneider NPD 11,1
Wahlbeteiligung in % 49,5
Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
1999 Joachim Arnold SPD 87,0
Petra Suchsland NPD 13,0
Wahlbeteiligung in % 54,7
1994 Joachim Arnold SPD 61,9
Hermann Ulrich Pfeuffer CDU 25,6
Volker Sachs NPD 11,4
Harald Helmut Nawroth CDU 1,2
Wahlbeteiligung in % 74,5

Da der seit 1994 amtierende Bürgermeister Joachim Arnold (SPD) im Jahr 2008 zum Landrat des Wetteraukreises gewählt wurde, fanden am 25. Mai 2008 Neuwahlen statt. Aus diesen ging Rouven Kötter (SPD) mit 69,5 % als neuer Bürgermeister hervor. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 %.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen

Auf blauem Felde befindet sich eine Mauer mit drei Zinnentürmen. Aus dem Zinnekranz wächst ein Falke ohne Krallen über dem dann zwei nebeneinander gestellte Schilder schweben. Links das Trierer Kreuz, rechts der geteilte Falkensteinische-Münzenbergische Schild in rot-gelb (entgegen anderer Deutungen). [C 5]

Das Trierer Kreuz bezieht sich auf den letzten Ortsherrn aus dem Falkensteinischen Geschlecht, Werner von Falkenstein, der zugleich Erzbischof von Trier war. Er starb 1418 kinderlos. [C 6] Das Wölfersheimer Wappen ist umschriftet mit den Worten „Silligium opidi Wolffersheim“ (Die Stadt Wölfersheim). [C 7]

Das Wölfersheimer Wappen wurde am 28. März 1973 vom Hessischen Ministerium des Innern in Wiesbaden genehmigt und wird im „Hessischen Wappenbuch“ unter Nr. 594 und auch im Sammelwerk „Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland“ geführt. [C 8]

Das Wappen des Ortsteils Wölfersheim wurde, nach der Eingemeindung von Södel, Melbach, Wohnbach und Berstadt durch die hessische Gebietsreform, für die gleichnamige Gemeinde übernommen und die Berechtigung zur Führung von Wappen, Dienstsiegeln und eventuellen Fahnen der anderen Ortsteile ist erloschen. [C 9]

Gemeindelogo Das Gemeindelogo zeigt ein W, das für den Anfangsbuchstaben von Wölfersheim steht, und fünf rote Punkte, die für die fünf Ortsteile stehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim[Bearbeiten]

Ev.-ref. Kirche Wölfersheim

Die Evangelisch-reformierte Kirche ist das Gotteshaus der evangelisch-reformierten Gemeinde in Wölfersheim. Sie gehört zu den größten barocken Saalkirchen Deutschlands und wurde in den Jahren 1717 bis 1740 erbaut. [13]

Der untere Teil des heutigen Kirchturms war früher ein Wehrturm der mittelalterlichen Ortsbefestigung.[14]

Weißer Turm Wölfersheim
Blick vom Weißen Turm in Richtung Norden

Weißer Turm[Bearbeiten]

Hauptartikel: Weißer Turm

Der Weiße Turm ist das markanteste Wahrzeichen von Wölfersheim und mit seiner Höhe von 27 Metern war er das größte Bauwerk der im Jahre 1408 vollendeten Befestigungsanlage von Wölfersheim. Die Fertigstellung des Turmes erfolgte im Jahre 1408. So feierte man im Jubiläumsjahr 2008 mit mehreren Veranstaltungen und einem Festwochenende „600 Jahre Weißer Turm“. Der ursprüngliche Eingang ist auf der Höhe der ehemaligen Stadtmauer und wird demnächst wieder zugänglich gemacht.

Lage der Ecktürmchen

Schwarzer Turm[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schwarzer Turm

Auch der viereckige Schwarze Turm war Teil der Stadtmauer. Früher hatte er ursprünglich vier runde Ecktürmchen und ein höheres Dach ohne Ziegel.

Singberg[Bearbeiten]

Der damals amtierende Großherzogliche Bürgermeister Andreas Allwohn und der Gemeinderat beschlossen 1855, das vorher steinige, unebene und wüste Stück Land urbar zu machen. Heute ist aus dem Singberg ein schöner Park mit 18 Baumarten und ungefähr 10 Straucharten geworden, darunter sind auch seltene Sträucher und Bäume.

Weitere bekannte Bauwerke, Orte und Plätze[Bearbeiten]

Röhrbrunnen

in Wölfersheim:

  • Der Lindenbaum im alten Ortskern
  • Der Röhrbrunnen im Ortskern von Wölfersheim ist ein bekanntes Wahrzeichen nach dem Weißen Turm. Er hat 5 Brunnenausläufe.
  • Das Denkmal neben dem Weißen Turm zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege
  • Die katholische Kirche "Christkönig"
  • Die evangelisch-reformierte Kirche, einer der größten freitragenden Saalbaukirchen Westeuropas
  • Der Bahnhof Wölfersheim-Södel
  • Die Wetterauhalle
  • Der Wölfersheimer See, mit den noch erhaltenen Kühlanlagen des ehemaligen Kraftwerks
  • Zehntscheune, (Fachwerkscheune)
  • Alter Trinkwasserhochbehälter (der jetzige Hochbehälter befindet sich auf dem Limberg)
  • Limberg, kleiner Wald unweit von Wölfersheim

in Södel:

in Melbach:

  • Die evangelisch-lutherische Kirche
  • Der "Haag (Melbach)" (auch Haak), ein nicht natürlicher Hügel, wahrscheinlich ein Grabhügel aus keltischer Zeit, ist das Wahrzeichen des Ortes[15]
  • Die Gerichtslinde vor der Kirche

in Wohnbach:

  • Die evangelisch-lutherische Kirche
  • Altes Rathaus (Wohnbach)
  • Die historischen Felsenkeller
  • Die Ruine eines römischen Signalturms im Wohnbacher Wald
  • Die Ruine einer römischen "Villa Rustica" im Wohnbacher Hinterwald
  • Ein Schanzwerk wahrscheinlich aus dem dreißigjährigen Krieg im Bergheimer Wald

in Berstadt:

  • Die evangelisch-lutherische Kirche
  • Der Wasserturm, enthält heute ein Volkskundemuseum
  • Der Brunnen auf dem Zingelplatz
  • Der Brunnen auf dem Tanzhof
  • Berstädter Markwald
  • Der Karlsteich im Berstädter Markwald

Museen[Bearbeiten]

  • Wölfersheimer Energiemuseum (WEM) in Wölfersheim. Das Museum wurde durch den Verein zur Pflege der Bergbau- und Kraftwerkstradition in Wölfersheim 1991 e.V. aufgebaut.
  • Volkskundemuseum in Berstadt, durch den Arbeitskreis Dorfentwicklung Berstadt aufgebaut. Es befindet sich im ehemaligen Wasserturm.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Kohle- und Aschezug am Bahnhof in Wölfersheim

Lange Jahre waren Wölfersheim und das Umland geprägt vom Braunkohlebergbau durch die PreussenElektra. Rund um Wölfersheim wurde in Tiefbaubetrieben und später auch im Tagebau Braunkohle gewonnen und im Kraftwerk Wölfersheim, welches lange Jahre das Wahrzeichen von Wölfersheim war, verarbeitet. 1804 entstand das erste Bergwerk, das das Vorkommen an Braunkohle, das sich über ein Gebiet von ca. 15 km erstreckte, im Tiefbau ausbeutete. Zunächst wurde Heizmaterial gewonnen. 1913 errichtete der hessische Staat ein Kraftwerk, um aus der Braunkohle Strom zu erzeugen. 1929 wurde es von der Preussenelektra übernommen, die ein Schwelkraftwerk errichtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von einem Blockkraftwerk abgelöst. Anfang der 60er Jahre ging man zum Tagebau über. 1991 wurde die letzte Braunkohle verheizt, das Kraftwerk stillgelegt und später abgerissen. Heute zeugen noch Reste der Kühlanlage im Wölfersheimer See von dieser Zeit. Am Wölfersheimer Bahnhof sind sowohl ein Kohlezug als auch ein Aschezug als Museumsstücke aufgestellt. Gegenüber dem Bahnhof wurde am 12. März 2006 im ehemaligen Umspannwerk das Bergbaumuseum Wölfersheim eröffnet, welches sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist und den Besuchern einen Einblick in die Geschichte des Wölfersheimer Bergbaues gibt. Mit dem Wegfall des Bergbaus stand die Gemeinde vor einer Herausforderung. Zahlreiche Arbeitsplätze fielen weg und Flächen lagen brach. Dem wurde mit der Erschließung eines Gewerbegebietes entgegengewirkt. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände entstand so ein Gewerbepark mit vielseitigem Brachenmix. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Integration bestehender Gebäude gelegt. In einer ehemaligen Werkstatt finden heute kulturelle Veranstaltungen statt, aus einem Bürogebäude wurde ein Servicecenter, das jungen Unternehmen Platz bietet, und in einem ehemaligen Magazin werden heute Hochleistungsscanner hergestellt. Im September 2012 weihte die OVAG-Gruppe in Wölfersheim-Berstadt eine Biogasanlage ein.

Verkehr[Bearbeiten]

Wölfersheim liegt an der Bundesautobahn 45 mit dem Autobahnanschluss Wölfersheim sowie den Bundesstraßen 455 und 489. Bahnhöfe der Strecke Friedberg–Wölfersheim/Södel ehemalige Bahnstrecke Friedberg–Mücke befinden sich derzeit noch in den Ortsteilen Melbach und Wölfersheim, früher auch in Berstadt Richtung Wohnbach.

Medien[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Einzugsgebiet der Wetterauer Zeitung. Informationen über aktuelle Ereignisse und amtliche Bekanntmachungen beinhaltet der Gemeindespiegel, der jeden Freitag erscheint.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

In Wölfersheim befindet sich die Singbergschule Wölfersheim. Diese ist eine Haupt- und Realschule mit Förderstufe und mit dem Schwerpunkt Musik. Sie wurde ab dem neuen Schuljahr 2009/2010 durch die Einrichtung eines gymnasialen Zweiges ab der Klasse 5 eine kooperative Gesamtschule.

In Södel befindet sich die Jim-Knopf-Schule. Diese ist eine Grundschule. Im Jahre 2004 wurde sie fertiggestellt und bietet nun über 400 Schülern aus allen Ortsteilen in zwanzig Grundschulklassen und vier Klassen pro Jahrgang sowie einer Vorklasse Platz zum Lernen. Das Schulische Angebot wird durch eine Mittagsbetreuung mit Essen abgerundet.

Betreuungseinrichtungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde selbst verfügt über 6 Kindertagesstätten, die eine Ganztagsbetreuung mit Mittagessen anbieten. Ergänzt wird das Angebot durch den Eltern-Kind-Verein, der Kleinkindern früh soziale Kontakte ermöglicht und Tagesmütter, deren Ausbildung auf Initiative der Gemeinde gefördert wurde.

  • Eltern-Kind-Verein Wölfersheim
  • Kindertagesstätte „Löwenzahn“ in Wölfersheim
  • Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“ in Wölfersheim
  • Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Södel
  • Kindertagesstätte „Räuberhöhle“ in Melbach
  • Kindertagesstätte „Pusteblume“ in Wohnbach
  • Kindertagesstätte „Wasserburg“ in Berstadt

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Wölfersheim bietet einen Hochseilgarten am Wölfersheimer See an, der im Sommer 2008 fertig gestellt wurde und auch einen Niedrigseilparcour enthält.

Fun- und Bolzplätze:

  • in Wölfersheim am Singberg
  • in Södel neben der Turnhalle
  • in Melbach am Sportplatz
  • in Wohnbach oberhalb der Turnhalle
  • in Berstadt an der Mehrzweckhalle

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Georg Eberhard Rumpf (1627–1702), deutsch-niederländischer Offizier und Verwaltungsbeamter, Botaniker, Naturforscher und Forschungsreisender
  • Wilhelm Dorsch (1868–1939), Reichs- und Landtagsabgeordneter aus Wölfersheim

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

Chronik Wölfersheim Band I von 1128 bis 1900, herausgegeben im Jahre 1976

  1. S. 9
  2. S. 39-41
  3. S. 40
  4. S. 41
  5. S. 350, mit Verweis auf: Stadtarchiv Friedberg, Bauer, Seite 1
  6. S. 350
  7. S. 351, mit Verweis auf: Archiv Darmstadt Reitze, Seite 137
  8. S. 351
  9. S. 351

Sonstige

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Wolf Kubach: Gräber zwischen Hügelgräber- und Urnenfelderkultur. Die bronzezeitlichen Grabfunde von Wölfersheim. In: Vera Rupp (Hrsg.): Archäologie der Wetterau. Bindernagel, Friedberg 1991, ISBN 3-87076-065-6 S. 175–186 (Sonderausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter 40/1991).
  3. Die Angabe auf der Webseite der Gemeinde ist falsch!
  4. Wetterauer Zeitung vom 17. April 2008, S. 30, Artikel: Von der kleinen Siedlung zur „Minderstadt“
  5. 20 Gulden
  6. Buch: 250 Jahre Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim, S. 52/53, Festschrift vom 22. Mai 1991 von Eugen Rieß, Herausgeber: ev.-ref. Kirchengemeinde Wölfersheim
  7. Buch: 250 Jahre Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim, S. 54, Festschrift vom 22. Mai 1991 von Eugen Rieß, Herausgeber: ev.-ref. Kirchengemeinde Wölfersheim
  8. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 360.
  9. http://www.giessen-friedberg.ihk.de/Geschaeftsbereiche/Standortpolitik/Wirtschaftsdaten_von_A_bis_Z/Stadtprofile/Landkreis_Wetterau/Anlagen/Woelfersheim.pdf
  10. http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/bevoelkerung-gebiet/regionaldaten/bevoelkerung-der-hessischen-gemeinden/index.html
  11. http://woelfersheim.ekhn.org/?id=1_42
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Endgültiges Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  13. Buch: 250 Jahre Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim, S. 9, Festschrift vom 22. Mai 1991 von Eugen Rieß, Herausgeber: ev.-ref. Kirchengemeinde Wölfersheim
  14. Ein Kurzführer: Evangelisch-reformierte Kirche Wölfersheim, von Dr. Kathrin Ellwardt, Marburg, März 1994
  15. zum Haag siehe Jörg Lindenthal: Kulturelle Entdeckungen. Archäologische Denkmäler in Hessen. Jenior, Kassel 2004, S. 203f. ISBN 3-934377-73-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Galerie von Wölfersheim – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kategorie: Wölfersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien