Korea unter japanischer Herrschaft

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Ära der Provinz Chōsen
Japanischer Name der Ära
Kanji 日本統治時代の朝鮮
Hepburn Nippon Toji-jidai no Chōsen
Übersetzung Korea unter japanischer Herrschaft
Koreanischer Name der Ära
Hangeul 일제 강점기
Hanja 日帝强占期
Revidiert Ilje Gangjeomgi
McCune-Reischauer Ilche Kangjŏmgi
Übersetzung Erzwungene Besatzungszeit durch den japanischen Imperialismus
Auf der Karte (1910) ist das Staatsgebiet des Japanischen Kaiserreichs eingezeichnet (grau untermalt). Es umfasste unter anderem die Koreanische Halbinsel als neue Provinz Chōsen.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts geriet Korea unter japanische Herrschaft. 1905 wurde Korea japanisches Protektorat und 1910 vollständig als Kolonie mit dem Namen Chōsen in das Japanische Kaiserreich unter Annexion eingegliedert. Die Kolonialherrschaft endete in den beiden Nachfolgestaaten Nord- und Südkorea offiziell mit der Kapitulation Japans am 15. August 1945, de facto aber erst vollständig mit der Absetzung des japanischen Generalgouverneurs am 12. September 1945 bzw. de jure mit Inkrafttreten des Friedensvertrags von San Francisco am 28. April 1952.

Mit der Kapitulation Japans erlangte die Koreaner jedoch nicht die erhoffte Freiheit, sondern gerieten im aufkommenden Kalten Krieg zwischen die Interessen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie später der Volksrepublik China. Dies führte zur Gründung zweier verfeindeter Staaten (Nord- und Südkorea) und zum Koreakrieg.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Vorgeschichte bis zur Annexion Koreas

Bereits nach der zwangsweisen Öffnung der japanischen Häfen durch US-Schiffe und Einsetzen erster Schritte der Meiji-Reformen gab es in Japan Bestrebungen, sich Korea einverleiben zu wollen: Man wollte ein „Reich gründen wie die europäischen Länder“ und Kolonien haben, um gleichrangig zu werden und nicht selbst abhängig zu werden (Inoue Kaoru).[1] Zu dieser Zeit war Korea ein autonomer, tributpflichtiger Vasallen-Staat und Protektorat des Chinas der Qing-Dynastie. Allerdings war es für Japan von Vorteil, dass Korea zu diesem Zeitpunkt relativ schwach und dazu abgeschottet war. Außerdem bot Korea einen strategisch idealen Ausgangspunkt für eine weitere Expansion nach China und nach Russland.

[Bearbeiten] Öffnung Koreas bis zum Ersten Chinesisch-japanischen Krieg

1876 erzwang Japan durch Entsendung von Kriegsschiffen den Vertrag von Gangwha[2]: das „Einsiedelkönigreich“ Korea wurde für die japanische Wirtschaft geöffnet und diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten wurden aufgenommen. Die nach Handelsverträgen auch mit dem Kaiserreich China und westlichen Mächten rasch wachsenden Importe von Waren und Technologien eröffneten insbesondere Russland und auch Deutschland neuen Einfluss in Korea.

Durch die von Korruption und Unterdrückung geprägten sozialen Zustände im Korea der Joseon-Dynastie kam es 1894 zum Donghak-Aufstand, gegen die chinesische Hilfe gerufen wurde. Die chinesische Intervention gab nach dem Vertrag von Tianjin Japan das Recht, seinerseits zu intervenieren, von welchem es durch die Entsendung eigener Interventionstruppen gebrauch machte. Da beide Seiten nach Hegemonie über Korea strebten und keine der beiden Seiten nach vorläufiger Beendigung des Aufstandes bereit war, als erstes seine Truppen wieder abzuziehen, mündeten die Spannungen in den Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg. Nach der Niederlage 1895 für das Kaiserreich China folgte der Friedensvertrag von Shimonoseki, in dem es die „volle und umfassende Souveränität und Autonomie Koreas“ anerkannte, und somit sein Protektoratsstatus und einen Großteil seines Einflusses über Korea verlor.

Unter japanischem Einfluss führte man westliche Reformen durch. Dies waren als Beispiel die Abschaffung der konfuzianischen Staatsprüfungen für Beamte sowie die in Japan schon vollzogene Einführung des deutschen Zivilrechts. 1894 besetzten japanische Kräfte im Rahmen des Donghak-Aufstandes den Königspalast in Hanseong. Da sich die damalige Königin Myeongseong gegenüber der japanischen Politik ablehnend zeigte, wurde sie von japanischen und koreanischen Assassinen ein Jahr später am 8. Oktober 1895 ermordet.[3] 11. Februar 1896 suchten der König Gojong, seine neue Ehefrau, die Prinzessin Eom Sunheon, und der Kronprinz Sunjong in der russische Botschaft schutz auf. Diese verließen sie 1897 wieder unter Proklamation eines Kaisertums Groß-Korea, wodurch die Joseon-Dynastie offiziell beendet wurde.

[Bearbeiten] Russisch-japanischer Krieg und japanisches Protektorat

Nach dem Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg musste Japan die für sich strategisch wertvolle Liaodong-Halbinsel vor Korea wieder zurück an China geben. Dies geschah aufgrund internationalen Drucks in der Intervention von Shimonoseki. China verpachtete die Halbinsel an Russland, welches in Port Arthur einen eisfreien Marine-Hafen errichten wollte. Dies empfand Japan als Bedrohung seiner Interessenssphäre. Die Spannungen verstärkten sich, als Russland sich verstärkt um Hegemonie über die Koreanische Halbinsel bemühte und Truppen in der Mandschurei stationierte. Als Folge wurde 1904/05 der Russisch-Japanische Krieg geführt. Am 5. September 1905 akzeptierte das unterlegene Russland im Friedensvertrag von Portsmouth unter anderem Korea als japanisches Interessengebiet.

Flagge des Generalresidenten
Sitz des Generalresidenten

Als Folge wurde am 17. November 1905 in Hanseong der Eulsa-Vertrag geschlossen, wodurch Korea zu einem japanischen Protektorat wurde. Des Weiteren wurde das koreanische Herrscherhaus in die japanische Kaiserfamilie mit „gegenseitigem Nachfolgerecht“ samt Heirat des späteren Kronprinzen Yi Eun mit der japanischen Prinzessin Masako Nashimotonomiya integriert und hinter der koreanischen Regierung stand die japanische Verwaltung des Generalresidenten Terauchi Masatake. Dieser übernahm die Außenvertretung Koreas, die innere Verwaltung und das Militär. Allerdings weigerte sich König Gojong zunächst, den Vertrag anzuerkennen. Er behauptete den Vertrag nicht unterschrieben zu haben, sondern ihm der Siegelring von japanischer Seite gestohlen worden sei und es dadurch zu einer illegalen Unterzeichnung gekommen sei.[4][5] Die Klage des Königs Gojong vor der internationalen Friedenskonferenz in Den Haag wurde im Juni 1907 mit der Begründung abgewiesen, er besitze keinerlei Rechte als Souverän eines Staates, woraufhin sich der König nach Aufforderung durch den Generalresidenten Ito Hirobumi zur Abdankung gezwungen sah.

Unter der Protektoratsverwaltung übernahmen japanische Beamte Verwaltung und Gerichte und führen japanische Verwaltungsregeln ein, Polizei und Strafvollzug wurden gleichfalls japanisiert, das koreanische Heer wurde entwaffnet und aufgelöst. Im Juni 1910 erhielt die japanische Militärpolizei einen Oberbefehlshaber, der auch die Aufsicht über die zivile Polizei erhielt. Dennoch formierte sich auch gewaltsamer Widerstand gegen die japanische Herrschaft, ausgehend insbesondere von den konfuzianischen Schulen und Jugendgruppen. Es bildete sich eine, wenn auch schlecht bewaffnete, Partisanenarmee, die neben Anschlägen auf Eisenbahnen und Telegrafenstationen auch die japanische Kolonialarmee in Kampfhandlungen verwickelte. Letztlich mussten die Partisanen aber nach Gando nördlich des Yalu (1908 lebten in diesem zwischen China und Korea umstrittenen Gebiet neben 21.000 Chinesen 83.000 Koreaner) ausweichen, wo sie bis 1915 dort Widerstand leisteten.

[Bearbeiten] Kolonialzeit

[Bearbeiten] Annexion Koreas als japanische Provinz

Der 1932 gebaute, heute so nicht mehr stehende Hakubun-Tempel in Keijō als Erinnerung an Fürst Itō Hirobumi

Nachdem der für Japan wichtige Fürst Itō Hirobumi am 26. Oktober 1909 auf einer Reise in der Mandschurei in Harbin von dem koreanischen Nationalisten An Jung-geun ermordet worden war, erzwang die japanische Regierung am 22. August 1910 den Japanisch-Koreanischen Annexions-Vertrag und damit den Rücktritt des Kaisers Sunjong und die Eingliederung Koreas als neue Provinz Japans. Der neue Generalgouverneur wurde auch in formeller Hinsicht als oberster Befehlshaber installiert, ganz Korea auf diese Weise als japanische Provinz unter dem Namen Chōsen (jap. 朝鮮; kor. 조선, Joseon) annektiert. Neben einem großen Aufgebot an Militärpolizei wurde nun auch eine Division der japanischen Armee in Chōsen stationiert, 1915 wurde die Militärpräsenz um eine weitere Division verstärkt.

Die Präsenz von nicht-koreastämmigen Bewohnern stieg zwischen 1906 und 1935 stetig an:

  • 1906: 39.000
  • 1910: 171.543
  • 1920: 346.000
  • 1925: 424.700
  • 1930: 527.016
  • 1935: 619.000

Die meisten dieser Personen stammten aus den anderen Teilen des Japanischen Kaiserreichs, viele davon wiederum von den Japanischen Hauptinseln.

[Bearbeiten] Gesellschaft und Kultur

Nicht alle Rechte, welche den japanisch-stämmigen Japanern zuteil wurde, wurden auch den nun seit 1910 korea-stämmigen Japanern gewährt. Dies beinhaltete unter anderem das Recht auf Versammlung und Organisation, Redefreiheit und eine unabhängige Presse: Alle koreanischen Zeitungen und Magazine mussten 1910 ihr Erscheinen einstellen, es verblieben neben einer koreanischsprachigen eine englische und ein paar japanische Zeitungen, die von der Provinzregierung unter Zensurvorbehalt herausgegeben wurden.

Der damalige Shintō-Schrein in Masan

Mit der Eingliederung ins Japanische Kaiserreich wurde auch der Staats-Shintōismus als Staatsreligion eingeführt, die Pflicht zur täglichen Teilnahme an Opfern in hierfür errichtete Tempel und die Verbeugung nach Osten, dem Sitz des himmlischen Kaisers, eingeschlossen. Daneben wurde der chinesische Kalender durch den in der westlichen Welt üblichen gregorianischen Kalender ersetzt. Auch wurde nun die Japanische Sprache zur alleinigen Nationalsprache und damit zur Unterrichts- und Amtssprache erhoben.

Ein Photo der damaligen, 1924 gegründeten Kaiserlichen Universität Keijō

Ab 1886, also noch unter der Joseon-Dynastie, entstanden – teilweise auf Betreiben ausländischer christlicher Missionare – Mädchenschulen, in denen Schülerinnen westliche Bildung genossen. Hierzu formierte sich 1898 die Gesellschaft Chanyanghoe (讚揚會). Die japanische Herrschaft ermöglichte allerdings ein weiteres, verstärktes Aufweichen zuvor vergleichsweise starrer Gesellschaftsstrukturen, insbesondere eine Veränderung von Geschlechterrollen: Es wurde das japanische Schulsystem mit seinen Bildungsinhalten eingeführt, welches nun Bildung für die gesamte Bevölkerung Chōsens ermöglichte, und nicht nur, wie früher in Korea, der adeligen Oberschicht. Die aus einer Mädchenschule hervorgegangene heutige Ewha Womans Universitybot Collegekurse an. Frauen erwirtschafteten eigenes Einkommen und konnten über Bildung und Beruf leichter sozial aufsteigen als unter der Joseon-Dynastie. Die Zeitung Maeilsinbo veröffentlichte in ihrer Ausgabe vom 21. Juli 1931 eine Statistik, wonach in der Hauptstadtpräfektur 9779 männlichen 3337 weibliche Industriearbeiterinnen gegenüberstanden, die besonders unter den jüngeren Jahrgängen zahlreich waren. In den 1920ern wurden erste Organisationen erwerbstätiger Frauen gegründet, die teilweise regen Zulauf fanden.

Grabesprozession für König Gojong

Nach dem Tod des vorletzten Königs Gojong im Januar 1919 kommt es landesweit zu antijapanischen Unruhen, die in der Erklärung der Unabhängigkeit durch die Bewegung des 1. März 1919 gipfeln. Unmittelbar nach der Verlesung der Unabhängigkeit wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen, es wurden dabei offiziell 553 Menschen getötet und 185 verletzt. Als Folge der unterdrückten Proteste gründete sich fast unmittelbar danach, am 10. April 1919 in Shanghai unter Mitwirkung von Rhee Syng-man und Kim Gu, eine koreanische Exilregierung. Nur die II. Internationale ergriff mit einer Resolution der Konferenz in Luzern vom 2. - 9. August 1919 Partei für das nun in das Japanische Kaiserreich eingegliederte Chōsen und forderte den Völkerbund auf, „Korea“ als Mitglied aufzunehmen. Am 11. Dezember 1941 erklärte diese Exilregierung Japan den Krieg und kämpfte mit ihrer Koreanischen Restaurationsarmee von China aus mit den Alliierten gegen die japanische Armee.

Abbild des Tagesblattes der am 5. März 1920 erstmalig erschienen Chōsen Nippō vom 1.Januar 1940. Die Zeitung erschien in koreanischer Sprache.

Dennoch wurde von der Provinzregierung eine Abmilderung der Kolonialpolitik erreicht: So wurde im August mit Admiral Saito Makoto ein neuer Generalgouverneur ernannt, sein zweiter Kollege war Zivilist. Saito sprach sich für den Schutz koreanischer Kultur und Sitten aus und der Wohlfahrt und wollte dem Glück der Einwohner Chōsens dienen. Vorübergehend wurde wieder die koreanische Sprache als Unterrichtssprache zugelassen und einige koreastämmige Einwohner Chōsens werden an der Verwaltung des neuen Generalgouverneurs beteiligt. Zwar wurde danach die Polizei um 10.000 Mann aufgestockt, dafür ist aber die bis dato für Ordnung sorgende japanische Militärpolizei durch eine zivile Polizei ersetzt worden. Auch der Pressebereich war von den Erleichterungen betroffen. Im Laufe der zwanziger Jahre erhöhte sich die Zahl der koreanischsprachigen Zeitungen auf fünf, darunter die 1920 in Keijō begründeten Tageszeitungen Dōa Nippō (dt. „Ostasien täglich“) und Chōsen Nippō (dt. „Korea täglich“). In der ersten Hälfte der 1920er kommt die erste Frauenzeitschrift namens Yeojagye auf den Markt, in den 1930ern folgen moderne Frauenzeitschriften nach japanischen Vorbildern, z. B. Yeoseong des Herausgebers der Chosun Ilbo.

Der Shōkei-Park von 1930

Die Residenz des Generalgouverneurs wurde 1926 auf dem Gelände des zuvor teilweise abgerissenen Königspalastes Gyeongbokgung (damals nach der japanischen Aussprache der für den Namen verwendeten chinesischen Schriftzeichen 景福宮 Keifukukyū genannt) gebaut. Dieser erhob sich auf der Blickachse Palast – Stadt. Den nach der Unabhängigkeit von Japan als Parlament und Nationalmuseum genutzten Bau riss Südkorea genau fünfzig Jahre nach der Kapitulation der Japaner im Zweiten Weltkrieg am 15. August 1995 mit einem Volksfest ab. Auf dem Gelände des Königspalastes Changgyeonggung (damals nach den chinesischen Zeichen 昌慶宮 Shōkeikyū genannt) wurde von der japanischen Provinzregierung ein Zoo, ein Botanischer Garten (der sogenannte Shōkei-Park) und ein Museum eingerichtet. Die südkoreanische Regierung ließ 1983 den Zoo und den Botanischen Garten entfernen.

Trotzdem gab es immer wieder Proteste, vor allem dann, wenn Übergriffe von japanstämmiger Seite vorfielen. So z. B. auch am 30. Oktober 1929 in Gwangju: Als junge japanischstämmige Schüler sich an koreastämmigen Schülerinnen heranmachten, kommt es zu einem Handgemenge mit anderen koreastämmigen Schülern; als diese verurteilt wurden, die japanstämmigen aber straffrei ausgingen, kam es zu Unruhen an den Schulen; von den 54.000 beteiligten Schülern werden 1.642 inhaftiert, 2.330 werden vorläufig der Schule verwiesen, 582 müssen endgültig die Schulen verlassen. Zwanzig Jahre nach Beginn der Eingliederung in das japanische Kaiserreich zeigt dies den Fehlschlag der japanischen Bemühungen, Korea „gewaltlos“ für sich zu gewinnen.

Sitz des Generalgouverneurs in Keijō

Viele der oben erwähnten Erleichterungen wurden mit Beginn des Zweiten Sino-Japanischen Krieges 1937 und des darauf folgenden 2. Weltkrieges wieder rückgängig gemacht, und teilweise die alten Regelungen verstärkt. Auch versuchte die lokale Regierung unter dem Generalgouverneur Minami die japanische Kultur und Denkweise auch in Chōsen einzuführen. Die unter der Parole Nae-son-il-chae („Nae“ = innen, Japan; „son“ = Korea von Choson; „Il“ = eins; „Chae“ = Leib) durchgeführte Politik der totalen Assimilation soll die für den seit dem Angriff auf Pearl Harbor an mehreren Fronten geführten Kriege erforderlichen Ressourcen vor allem an Menschen für Militär und Industrie sicherstellen. Generalgouverneur Minami erläuterte in einer Rede aus dem Jahr 1939 die Parole „Nae-son-il-chae“ wie folgt: „Korea und Japan müssen eins werden in Gestalt, im Geist, im Blut und im Fleisch“; Ziel sei letztlich eine völlige Gleichheit der Koreaner mit den Japanern, jede Diskriminierung auch beim Militär werde abgeschafft. Andererseits wusste Minami, wie aus einer Rede 1942 in Tokio ersichtlich ist, von den Schwierigkeiten bei der Umsetzung: „Die Koreaner sind in Bezug auf Weltanschauung, Mitmenschlichkeit, Bräuche und Sprache ein völlig anders Volk. Daher muss die japanische Regierung im vollen Bewußtsein dieser Tatsache die Kolonialpolitik entwerfen.“ Dahinter stand die Überzeugung, „dass die Japaner, zu denen die Koreaner stets aufzuschauen haben, immer einige Schritte voraus sein müssen. Denn die Japaner sind berufen, die Koreaner immer zu lehren und zu führen, und diese sollen mit Dankbarkeit und Gehorsam den vorausschreitenden Japanern folgen.“ Diese Politik äußerte sich im Alltag in Chōsen folgendermaßen: Ab 1938 war der Gebrauch der koreanischen Sprache nun auch im privaten Raum untersagt und durch ein Spitzelwesen bis in den familiären Bereich gesichert. Auch die frühere koreanische Kultur leidet darunter; So wurde als Beispiel die koreanische Tracht, der Hanbok, verboten. Ab Februar 1940 werden koreanische Namen in japanische umgewandelt; das auf nur sechs Monate angesetzte Vorhaben bringt bis Ende April 1940 nur den sparsamen Erfolg von 7,6 % mit japanischen Namen registrierten Koreanern. Als Lebensmittelkarten, Postzustellungen, Vergabe von Arbeit und Annahme von behördlichen Anträgen nur noch an Personen mit japanischen Namen erfolgen, geben viele dem Druck nach; im August 1940 sind 79,3 % der Bevölkerung mit japanischen Namen registriert.

Aufgrund der zuvorkommenden Kapitulation Japans im 2. Weltkrieg und der annähernd unmittelbaren Ausgliederung Chōsens aus dem Japanischen Kaiserreich konnte die Nae-son-il-chae-Politik nie ganz zu Ende geführt werden und damit auch keine Gleichheit zwischen den japan- und den koreastämmigen Einwohnern erzeugt werden. So war bis zum Ende der japanischen Kolonialherrschaft das stets bestehende Verbot von Eheschließungen zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen nie aufgehoben worden.

[Bearbeiten] Wirtschaft

Im Vertrag von Gangwha 1876 wurden Korea durch Japan die gleichen Außenhandelsbedingungen aufgezwungen, welche auch Japan im Amerikanisch-Japanischen Freundschafts- und Handelsvertrag von 1858 aufgezwungen wurden: Austausch von Diplomaten, die Öffnung dreier Häfen für den Handel, die Möglichkeit, dass japanische Staatsbürger in diesen Häfen handeln und leben durften, die Garantie, dass diese Personen unter japanischer Rechtshoheit verblieben sowie minimierte Importzölle für japanische Waren.

1905 übertrug Korea mit dem Eulsa-Vertrag Japan vollständig den koreanischen Außenhandel, 1910 dann mit der Eingliederung ins Japanische Kaiserreich auch den Innenhandel. Zu diesr Zeit besaß Korea einen äußerst schwachen inneren Handel. Japan baute daher wirtschaftlich gesehen Chōsen von Grund auf neu und zielgerichtet auf: Der Süden der Halbinsel war zur Energie- und Ressourcengewinnung wenig geeignet, sodass sich der Aufbau von Industrie eher auf den Norden konzentrierte und im klimatisch begünstigten Süden die Landwirtschaft gefördert wurde. Der Ausbau der Landwirtschaft im südlichen Chōsen als neue „Kornkammer“ sollte auch helfen, die übrigen Regionen des Japanischen Kaiserreichs (vornehmlich die Japanischen Hauptinseln) weiter zu Industrialisieren und um dort die landwirtschaftlich geprägte Struktur mit 80% bäuerlicher Bevölkerung zu überwinden. Das dadurch entstandene regionale Ungleichgewicht der Wirtschaftsstruktur in Chōsen führte zu einer Süd-Nord-Wanderung innerhalb der Provinz einerseits sowie andererseits zur Emigration von Menschen aus dem südlichen Bereich der Provinz ins Kaiserreich China, Hawaii und in die anderen Teile des Japanischen Kaiserreichs.

Der Aufbau Chōsens sollte vorrangig dem Militär und bis ca. 1937 dem Wohlstand der Bevölkerung auf den Japanischen Hauptinseln dienen (nach ca. 1937 galt kriegsbedingt für das gesamte Kaiserreich die Parole „Luxus ist unser Feind!!“(jap. ゼイタクは敵だ!!, Zeitaku wa teki da!!))[6], wodurch meißtens Firmen mit einem japanischstämmigen Inhaber bei der Auftragsverteilung bevorzugt wurden.[7] So waren ein Jahr später in Chōsen zwar 110 Unternehmen in Handel und Industrie tätig bzw. gegründet worden, davon aber waren 101 in japanischstämmigen Besitz. Hinzu kamen 19 japanischstämmige Unternehmen mit Niederlassungen in Chōsen. Dieses Verhältnis wurde weiter in die einseitige Richtung gedrängt einerseits durch Schließung von zwei größeren und erfolgreichen koreanischstämmigen Unternehmen, der „Korean Land and Maritime Transportation Company“ und der „Korea Hide Company“ sowie durch die Verstaatlichung (und darauf folgenden Modernisierung) der Ginseng-Produktion und der Bergwerke.

Zur Erschließung des ganzen Landes wurden Eisenbahnlinien (und Straßen) errichtet.[7] Die in dieser Zeit aufgebaute Infrastruktur spielte und spielt noch heute für die wirtschaftliche Entwicklung Chōsens und den beiden heutigen Staaten Nord- und Südkorea, soweit sie nicht während des Koreakriegs 1950 bis 1953 zerstört wurden, eine wichtige Rolle.[7] Dies galt bzw. gilt insbesondere für das heutige Nordkorea.

[Bearbeiten] Landwirtschaft

Ab 1912 fand durch die japanische Provinzregierung eine verstärkte Enteignung insbesondere der Kleinbauern statt. Durch Neuvermessungen und Bodeninspektionen des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens fand diese zunächst zugunsten der „Eastern Real Estate Corporation“. An diese in den ersten Jahren nach der Annexion gegründete Gesellschaft fiel alles Land mit unsicheren Eigentumsverhältnissen und wurde weitergereicht an japanischstämmige Einwanderer und pro-japanische koreastämmige Provinzbewohner. So wurden 1916 36,8 %, 1920 39,8 % und 1932 52,7 % des Ackerbodens der Provinz Chōsen als in japanischstämmigen Besitz gehörend verzeichnet. Die in der Provinz verfügbare Menge an Reis sank zwischen 1912 und 1918 von etwa 2,3 auf etwa 1,8 Liter je Person.

Als „Kornkammer“ des Kaiserreichs sollte Chōsen alle anderen Provinzen unterstützend mitversorgen. Daher wurden über die Jahre (per Planvorgaben, meißt steigend) immer mehr Reis in die anderen japanischen Provinzen exportiert. So lag z. B. 1919 die Abgabequote für Reis bei 1/6 der Gesamt-Reisproduktion (entsprach 64,7 Mio Reisbüschel).

Aufgrund des Absinkens der verfügbaren Menge an Reis und des (auch kriegsbedingt) immer höheren Bedarfs an Reis in den anderen Provinzen des Kaiserreichs wurde die Landwirtschaft in den dreißiger Jahren zunehmend auf den Anbau von Reis ausgerichtet, während die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft mit Gemüse wie Kohl, Rettich, Knoblauch und Frühlingszwiebeln, ein wenig Viehhaltung (zur Selbstversorgung und als Pachtabgaben) und – soweit im wärmeren Süden möglich – Seidenraupenzucht verdrängt wurde. Die Reisanbauflächen wurden von 3,68 Mio. Acres (1919) auf 4,29 Mio. Acres ausgeweitet, während die gesamte landwirtschaftliche Anbaufläche eine geringere Fläche von 10,8 auf ca. 11 Mio. Acres wuchs.

Obwohl die Plansolls zur Steigerung des Reisertrags um ca. 75 % bei Weitem nicht erreicht wurden, wurde der Export in die anderen Provinzen des Kaiserreichs planmäßig gesteigert. So wurde um 1933 mehr als die Hälfte der Ernte abgegeben. Die Verfehlung des Sollziels liegt unter anderem am Ansteigen der Bevölkerung Chōsens von 17 auf ca. 23 Millionen.

Die Reis-Monokulturen führten zu einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeit der Bauern, die bei Missernten oder nur Mindererträgen in Existenznot gerieten, zumal zu den Pachtabgaben Kosten für Dünger und Transport traten. Dies führte zu vielen Hofaufgaben; 1939 betrieben allein 340.000 Haushalte nach Aufgabe ihrer Höfe „Nomadenwirtschaft“ durch Brandrodung in abgelegenen Berggegenden. So gelangten weitere Teile an Bauernland an japanischstämmige Personen.

Auch die Fischerei wurde größtenteils von japanischstämmigen (Klein-)Unternehmen übernommen, die Flotte modernisiert und die wirtschaft intensiviert. So waren in den Hochjahren bis zu 90.000 Fischer vor den Küsten Chōsens aktiv. Ähnliches galt für die Forstwirtschaft.

[Bearbeiten] Industrie und Bergbau

War die Kolonialisierung Koreas ursprünglich unter militärischen Aspekten als Aufmarschgebiet gegen China – dort insbesondere die Mandschurei – und Russland und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten als Absatzregion für Industrieprodukte interessiert, rückte die industrielle Ausbeutung erst in den zwanziger Jahren in den Vordergrund: Niedrige Löhne und lange Arbeitszeiten versprachen Investoren im Bereich der Energiewirtschaft (Wasserkraft) und der chemischen Industrie (für Düngemittel und vor allem Munition) hohe Renditen. Entsprechend dem militärischen Bedarf vervierfachte die chemische Industrie seit 1925 ihre Produktion, zudem wurden vor allem im Norden Chōsens Stahl, Kohle, Wolfram und Blei gewonnen. Die industrielle Belegschaft stieg von 50.000 Arbeitern (1911) auf 1,5 Millionen Arbeiter (1945), die meisten davon zwangsverpflichtet.

Durch Transport-, Energieversorgungs- und Kommunikationsnetzwerke erschloss (sich) das Japanische Kaiserreich die Provinz. Diese Netzwerke und Versorgungskomplexe konnten, soweit nicht kriegsbedingt zerstört, nach 1945 für koreanische Zwecke weitergenutzt werden.

[Bearbeiten] Zwangsarbeit, Zwangsrekrutierung und Zwangsprostitution

Die Kolonialmacht rekrutierte seit dem 22. Februar 1938 koreanische Männer zum japanischen Militär, insbesondere für die Infanterie. Anfangs war man hier – ähnlich wie in Nazi-Deutschland aus rasseideologischen Gründen – sehr zurückhaltend und nahm nur sehr wenige der „Freiwilligen“ auf, so etwa 1938/39 nur 1.280 von 15.294 Kandidaten. Dies änderte sich aber nach dem Ausgreifen der militärischen Auseinandersetzungen, wesentlicher bleibt aber die Zwangsarbeit.

Ab 1938 wurden hunderttausende junger Leute beiderlei Geschlecht zwangsweise im Nationalen Arbeitsdienst organisiert, der etwa 750.000 Einheiten umfasste, und mussten – ähnlich den Zwangsarbeitern aus ganz Europa in Deutschland – in Bergwerken und Fabriken Japans die für den Militärdienst benötigten japanischen Männer ersetzen. Dort waren sie in ihrer geringen Freizeit gezwungen, Shinto-Schreine zu besuchen und dort für den Erfolg der geheiligten Mission Japans in Asien und für den Sieg über China zu beten. Am Tag der Kapitulation lebten ca. 2,3 Mio Koreaner in Japan, weit mehr als 30 % der Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki sind koreanische Zwangsarbeiter: 40.000 von 140.000 Toten und 30.000 verstrahlte Opfer.

Die in Chōsen verbliebene Bevölkerung wurde gleichzeitig in Nachbarschaftstrupps organisiert, die jeweils 10 Haushalte umfassten und für die Provinzregierung das Eintreiben der Steuern und anderen Abgaben übernahm. Während so der in Korea angebaute Reis als Naturalabgabe eingetrieben wurde – wie im vormodernen Japan üblich – verteilten diese Nachbarschaftstrupps Gerste und andere, mindere Nahrung zur Ernährung an die Bevölkerung. Gleichfalls der Ausbeutung dienen auch regelmäßige Veranstaltungen wie der um 1937 ins Leben gerufene „patriotische Tag“ und der „Tag im Dienste des Aufstiegs Asiens“, die 1939 vereint werden: der erste Tag jeden Monats war der gemeinsamen Fronarbeit der Bevölkerung Chōsens für den Zweiten Weltkrieg gewidmet.

Besonders ab 1940 und nochmals verstärkt ab Oktober 1943 verschärft sich die Kolonialpolitik: Tausende werden als „Gedankenverbrecher“, „nicht erwünschte Personen“ und „Rebellen“ verurteilt und inhaftiert.

Im Zuge dieser Arbeitsmobilisierung wurden hunderttausende von erfahrenen Arbeitern zur Zwangsarbeit in koreanischen und japanischen Industriezentren verschleppt und später auch zur Musterung gezwungen; etwa 50.000 Koreaner waren – trotz erheblicher Bedenken gegen ihre Zuverlässigkeit und erst nach ausgiebiger Überprüfung von knapp 350.000 Personen – hiervon betroffen. Besonders stark ist der japanische Druck auf die (1943) 6500 koreanischen Studenten (Ausnahme nur: Medizin und technische Fächer) in Japan, von denen 5000 in die japanische Armee eingezogen werden; viele flohen und versteckten sich in Korea oder der Mandschurei, die meisten endeten vor dem Militärgericht. Manche der „Freiwilligen“ unterzogen sich dem Training und Dienst in der japanischen Armee in der Hoffnung, als trainierte und erfahrene Soldaten“ einem künftigen freien Korea dienen zu können.

Aus Chōsen - wie aus anderen japanisch kontrollierten Gebieten – wurden viele tausend junger Mädchen und Frauen an die Fronten verschleppt und dort in Soldatenbordellen jahrelang reihenweise vergewaltigt; diese Kriegsopfer werden euphemistisch Trostfrauen genannt. Sie lebten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs häufig in Japan wie in ihrer koreanischen Heimat als Verfemte und Versteckte. Erst Demonstrationen in den 90er Jahren und die Gründung des privaten japanischen Asia Women’s Fund nach Geständnissen ehemaliger japanischer Offiziere machten ihr Schicksal für eine breitere Öffentlichkeit publik. Da die japanische Regierung bis heute keine staatliche Verantwortung anerkennt und die Regierungsarchive nicht öffnet, ist man bei der Beurteilung der Zahlen auf Schätzungen angewiesen, die (insgesamt für ganz Asien) von 50.000 bis 300.000 reichen, von denen ein großer Teil aus Korea stammen soll.

Japan gab sich den Anschein, Korea sei nach einer Staatenunion seit 1910 integraler und dementsprechend gleichberechtigter Bestandteil des japanischen Kaiserreichs. Dennoch gehörte nur ein einziger Koreaner dem japanischen Herrenhaus an (1944), im gleichen Jahr wurde ein einziger Koreaner Mitglied des Abgeordnetenhauses. Insgesamt 54 Koreaner gehörten der Verwaltung des Generalgouverneurs in Korea an.

[Bearbeiten] Koreanischer politischer und militärischer Widerstand

Nach dem Zusammenbruch der Freiwilligenarmee 1915 in der Mandschurei bildete sich ab 1920 unter Mitwirkung der „koreanischen provisorischen Regierung“ (Daehan Min-guk Imsi Jeongbu) (KPR), die schon 1919 in Shanghai gegründet wurde, dort eine regelrechte Armee, die einerseits gegen die japanische Besetzung im Gebiet der fernöstlichen Region von Sowjetrussland kämpft und nach der Vertreibung der Japaner zwangsweise in die Rote Armee aufgenommen werden, andererseits erfolgreicher in der Mandschurei gegen die Guandong-Armee kämpfen, so in der viertägigen Schlacht bei Cheongsan-ri im Oktober 1920.

Die Eroberung Nordchinas im und nach dem zweiten japanisch-chinesischen Krieg schnitt den Nachschub für die Koreanische Freiwilligenarmee ab. Es bleibt nur noch die Möglichkeit zu Attentaten aus dem Untergrund, insbesondere durch die von dem Präsidenten der KPR (seit 1927) Kim Gu 1930 ins Leben gerufenen 시설당 (koreanische patriotische Legion):

  • erfolgloses Granaten-Attentat am 8. Januar 1932 auf den japanischen Kaiser Hirohito in Tokio durch Lee Bong-Chang
  • Bombenanschlag am 28. April 1932 in Shanghai durch Yoon Bong-Gil auf die militärische Führung der Invasionstruppen in China, dem u.a. die Oberbefehlshaber der Flotte und des Heeres zum Opfer fallen

Nach 1933 lässt Chiang Kai-shek koreanische Kadetten zur chinesischen Militärakademie zu, erstmals wird so seit 1905 wieder die reguläre Ausbildung koreanischer Offiziere möglich. Erst nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, auf die die KPR am 9. Dezember 1941 Japan und Deutschland den Krieg erklärt, gelingt ihr unter Kim Gu, sich aus dem chinesischen Exil international Gehör zu verschaffen mit dem Euro-American Liaison Committee in Washington, sie entsendet Beobachter zur Konferenz von Kairo 1943, auf Vorschlag von Chiang Kai-shek wird dort ein Aufruf für die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit Koreas beschlossen (Kairoer Erklärung). In der Folge werden auch in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen OSS-Spezialeinheiten in der pazifischen Region ausgebaut mit dem Ziel eines Einsatzes auch bei der Rückeroberung und Befreiung Koreas.

Nach 1943 gelingt die Bildung regulärer koreanischer Einheiten, die auf Seiten der Alliierten an der chinesischen Front und im pazifischen Krieg kämpfen; daneben gehören koreanische Emigranten und Deserteuere aus der japanischen Armee als Individuen und Gruppen einzelnen Armeen der Alliierten an, so auch die kommunistischen Gruppen um Kim Il-sung, der als Hauptmann Bataillonskommandeur bei der II. fernöstlichen Armee der Roten Armee war.

[Bearbeiten] Ansätze zu einer koreanischen Selbstverwaltung

Am 8. August 1945 erklärte die Sowjetunion Japan den Krieg. Die Rote Armee überrannte mit mehr als einer Million Soldaten die Mandschurei, kam dann aber noch vor Korea zum Stehen, weil ihr Treibstoff nicht reichte. Auch die koreanische Befreiungsarmee erreicht von China aus nicht koreanisches Gebiet, als Japan am 15. August 1945 nach den Atombombenabwürfen auf Hiroschima und Nagasaki kapituliert.

Seit Anfang August 1945 bereitete daher die japanische Verwaltung unter dem Generalgouverneur Koreas Abe Nobuyuki die Übergabe der längerfristig nicht haltbaren Kolonie an die Koreaner vor, um ein Machtvakuum zu verhindern und seinen Leuten einen geordneten Rückzug zu ermöglichen. Am 8. August erklärt sich der Koreaner Yeo Un-hyeong bereit, den Wiederaufbau einer koreanischen Selbstverwaltung einzuleiten und eine Regierung zu bilden. Dies war die Koreanische Volksregierung (KVR) mit Yeo Un-Hyeong als Vizepremier.

[Bearbeiten] Ende der Kolonialzeit

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs gelang es den USA und der UdSSR nicht, Einigkeit über die Zukunft Koreas zu erzielen. Zwar war schon in der Kairoer Erklärung von 1943 festgelegt worden, dass Korea nach der Kapitulation Japans einen unabhängigen Staat bilden sollte. Allerdings sollte dies erst nach einer gewissen Übergangszeit ("in due course") erfolgen, da beide Seiten der Meinung waren, dass das Land nach Jahren der Fremdherrschaft politisch und wirtschaftlich komplett wiederaufgebaut werden müsse. Die Sowjets nahmen schließlich den Vorschlag der Amerikaner an, Korea vorläufig entlang des 38. Breitengrads in zwei Besatzungszonen zu teilen. Die nördliche Zone sollte dabei unter sowjetische Verwaltung gestellt werden, die südliche Hälfte unter amerikanische. Anfangs hatten die Amerikaner die Halbinsel vollständig den Sowjets überlassen wollen. Nach den Atombomben-Abwürfen auf die Städte Hiroshima und Nagasaki jedoch entschloss man sich, bis zum 38. Breitengrad vorzustoßen.

Mit dem Einholen der Japanischen Flagge am 9. September 1945 vor dem Sitz des Generalgouverneurs in Keijō wird die offizielle Verwaltungsübergabe des südlichen Teiles der Provinz Chōsen an die Amerikaner vollzogen.

Nach der Kapitulation Japans am 15. August 1945 besetzte danach die Rote Armee den Norden der Provinz Chōsen und richtete dort noch im selben Monat eine sowjetische Zivilverwaltung ein. Die Amerikaner hingegen, unter General John R. Hodge, landeten erst am 8. September in Incheon, um den südlichen Teil zu besetzten. Nach einem Vorschlag Dean Rusks mussten sich alle noch in der Kolonie verbliebenen japanischen Militärangehörigen nördlich des 38. Breitengrads der Roten Armee, südlich desselben der US-Armee ergeben. Beide Besatzungsmächte lehnten eine koreanische Selbstverwaltung ab - die Amerikaner in klarem Widerspruch zum Beschluss der Konferenz von Kairo.

Während das besetzte Japan und der Norden Chōsens Zivilverwaltungen unterstellt wurden, errichten die USA in ihrer südlichen Besatzungszone eine Militärverwaltung. Abe, der am 9. September versucht hatte, sich umzubringen, sich dann aber den Amerikanern ergeben hatte, wurde erst am 12. September 1945 aus seinem Posten als Generalgouverneur entlassen. Seit der Kapitulation bis zu diesem Zeitpunkt hatte die KVR unter japanischer Aufsicht die Verwaltung der Provinz übernommen. Auch danach wurden noch jahrelang japanischen Kolonialbeamten in ihren Ämtern belassen, da diese sich bestens in ihrer Kolonie auskannten.

Heutzutage betrachtet man sowohl in Nord-, als auch in Südkorea den 15. August 1945 als Tag der Unabhängigkeit, obwohl Japan zumindest im Süden de facto bis zum 12. September 1945 und de jure bis zum Inkrafttreten des Friedensvertrags von San Francisco am 28. April 1952 die Verwaltungshoheit für ganz Korea besaß.

[Bearbeiten] Die Entwicklung zu zwei getrennten Staaten

[Bearbeiten] Koreanische Selbstverwaltung versus UN-Mandat

Zur Ablehnung eines selbstständigen Korea besteht unter den Siegermächten Einigkeit: Die Außenministerkonferenz vom 14. bis 23. Dezember 1945 in Moskau beschließt eine vier- bis fünfjährige Treuhänderschaft und eine vorläufige Regierung unter US-Betreuung.

Die US-Regierung will die der kommunistischen Infiltration verdächtigen Mitglieder der KVR wie auch nationalistische Kreise von jeder Macht fernhalten. Daher verbot nach der Verwaltungsübernahme durch Amerikaner die US-Regierung die KVR und ihre Strukturen. Andererseits erkannte sie aber auch die aus dem Exil zurückkehrende KPR (Daehan Min-guk Imsi Jeongbu) mit ihrem Präsidenten Kim Gu nicht als koreanische Vertretung, ihre Delegation wies der US-Oberbefehlshaber Hodge nach seinem Eintreffen zurück.

Dennoch spielen die bis zur Gründung der beiden Koreas fortbestehende KPR und Kim Gu eine erhebliche Rolle, Hodge spielt ihn und den aus dem US-Exil zurückkehrenden Rhee Syngman gegeneinander aus. Der Zusammenschluss der beiden Kontrahenten Rhe und Kim vom 14. Februar 1945 soll dementsprechend die „Kommunisten“ um Yeo Un-Hyeon von der Gründung einer umfassenden nationalen Allianz abhalten, was aber misslingt: die Einigkeit der überparteilichen KPR zerbricht, ihr linker Flügel schließt sich der neuen Linksallianz an. Zudem steht Kim für Ämter in einem nicht selbständigen oder geteilten Korea nicht zur Verfügung.

Hintergrund ist eine dramatische Änderung der Weltlage: die im übrigen spärlichen Erfolge der Moskauer Konferenz, die Streitigkeiten um das persische Aserbeidschan, die Streitigkeiten um China und Korea veranlassten den US-Präsidenten Harry Truman zu seiner berühmten Notiz, die mit dem Satz endete:

I’m tired of babying the Sovjets

und die den Beginn der „Containment“-Politik darstellt, also den Beginn des „Kalten Krieges“.

[Bearbeiten] Koreanische Streitigkeiten

Daher ist der Einfluss der koreanischen Kontrahenten auf das künftige Schicksal Koreas begrenzt, wenn auch der die Streitigkeiten begleitende Mord und Totschlag an (insgesamt) 4 Parteivorsitzenden binnen vier Jahren keine Stabilität und parteiübergreifende Orientierung der Politik belegt. Dieser Zwist muss aber auch auf die Politik der US-Regierung zurückgeführt werden, die den leichter zu steuernden Rhee favorisierte und die Gründung zweier Staaten, davon wenigstens einer unter US-Einfluss, wollte. Parallelen zur folgenden Entwicklung in Deutschland sind überdeutlich.

Die Allianz zwischen Rhee und Kim zerbricht an der Frage der Treuhänderschaft und der von der US-Regierung betriebenen Gründung eines südkoreanischen Teilstaates. Der Versuch von Kim Gu, durch innerkoreanische Konferenzen am 25. Februar 1947 und 20. April 1948 mit Gruppen aus dem Norden unter Kim Il Sung die Entwicklung zur Teilung Koreas aufzuhalten, endet ergebnislos. Nach Wahlen unter UN-Aufsicht in der US-Besatzungszone, an denen sich die linken Gruppierungen nicht beteiligen, wird die Republik Korea (Südkorea) gegründet, die sich in der Nachfolge der Vorläufigen Regierung der Republik Korea (KPR) sieht, während die KDVR (Nordkorea) aus Strukturen der koreanischen Volksregierung (KVR) hervorging, die die sowjetische Verwaltung in ihrem Teil Koreas nicht verboten, sondern beeinflusst und gelenkt hatte.

[Bearbeiten] Literatur

  • Kim Hiyoul, Koreanische Geschichte, Einführung in die koreanische Geschichte von der Vorgeschichte bis zur Moderne, Asgard 2004, ISBN 3-537-82040-2
  • Marion Eggert, Jörg Plassen, Kleine Geschichte Koreas, München 2005, ISBN 3-406-52841-4
  • Andrew C. Nahm, „A History of the Korean People – Tradition and Transformation“, Seoul/New Jersey 1988, ISBN 1-56591-070-2
  • Han Woo-Keun, „The History of Korea“, Seoul 1970, ISBN 0-8248-0334-5

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Japanlink: Japanischer Militarismus, Autor: Marc Verfürth, gefunden am: 14. Juni 2009
  2. Der Brockhaus in Text und Bild 2003 [SW], elektronische Ausgabe für Office-Bibliothek, Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus, 2003; Artikel: "Korea"
  3. Byong-Kuk Kim, Assassination of Empress Myongsong, Korea Times, Dec. 28, 2001
  4. http://english.chosun.com/w21data/html/news/200802/200802210015.html Emperor Gojong's Letter to German Kaiser Unearthed
  5. http://www.korea.net/News/News/NewsView.asp?serial_no=20080221026 Emperor Gojong's letter to German Kaiser discovered
  6. Ingrid Fritsch: "Chindonya Today: Japanese Street Performers in Commercial Advertising.", Asian Folklore Studies, Pg. 49 Vol. 60 No. 1 ISSN: 0385-2342, 1. April 2001
  7. a b c Jong-Wha Lee: Economic Growth and human Production in the Republic of Korea, 1945 - 1992, gefunden am: 19. Februar 2007, United Nations Development Programme

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Weblinks

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