Kraichtal

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kraichtal
Kraichtal
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kraichtal hervorgehoben
49.1338888888898.7402777777778188Koordinaten: 49° 8′ N, 8° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 188 m ü. NHN
Fläche: 80,56 km²
Einwohner: 14.413 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 179 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76703
Vorwahlen: 07250, 07251, 07258, 07259
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 097
Stadtgliederung: 9 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausstraße 30
76703 Kraichtal
Webpräsenz: www.kraichtal.de
Bürgermeister: Ulrich Hintermayer (CDU)
Lage der Stadt Kraichtal im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Kraichtal ist eine Stadt im Nordosten des Landkreises Karlsruhe in Baden-Württemberg, die 1971 aus der Vereinigung von neun kleineren Städten und Gemeinden entstand. Die nächstgrößeren Städte sind im Süden die frühere Amtsstadt Bretten, im Osten die Stadt Eppingen (Landkreis Heilbronn) und im Westen die ehemalige Kreisstadt Bruchsal. Die nächsten Großstädte sind Pforzheim, Karlsruhe und Heilbronn.

Geographie[Bearbeiten]

Die Stadt Kraichtal liegt im westlichen Kraichgau, einer Hügellandschaft zwischen Schwarzwald und Odenwald, sowie der Oberrheinischen Tiefebene und dem Neckar (bei Heilbronn). Das Stadtgebiet wird vom Kraichbach, gelegentlich auch „die Kraich“ genannt, durchflossen, der bei Sternenfels im Enzkreis entspringt, nach Eintritt in das Gebiet des Landkreises Karlsruhe zunächst Kürnbach und Flehingen durchfließt, anschließend die Kraichtaler Stadtteile Gochsheim, Münzesheim, Oberöwisheim und Unteröwisheim und dann mehrere Gemeinden des nördlichen Landkreises Karlsruhe und des südlichen Rhein-Neckar-Kreises und schließlich bei Ketsch in den Rhein mündet.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Kraichtal, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Eppingen (Landkreis Heilbronn) sowie Zaisenhausen, Oberderdingen, Bretten, Bruchsal, Ubstadt-Weiher und Östringen (alle Landkreis Karlsruhe).

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Kraichtals besteht aus neun Stadtteilen Bahnbrücken, Gochsheim, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim. Zum Stadtteil Gochsheim gehört die Stadt Gochsheim. Zum Stadtteil Menzingen gehören das Dorf Menzingen und das Haus Waldmühle. Zu den anderen Stadtteilen gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.

Im Stadtteil Gochsheim liegen die Wüstungen Giegelberg und Pfaffenbrunnen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt Kraichtal entstand am 1. September 1971 durch Vereinigung der Städte Gochsheim und Unteröwisheim sowie den Gemeinden Bahnbrücken, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker und Oberöwisheim, die außer Landshausen damals alle zum Landkreis Bruchsal gehörten. Landshausen gehörte seinerzeit zum Landkreis Sinsheim und wurde damit zum 1. September 1971 in den Landkreis Bruchsal eingegliedert. Namensgeber der neuen Kommune wurde der Kraichbach, daher wurde anfangs auch der Name Kraichbachtal in Erwägung gezogen. Die Stadt Kraichtal hatte bei ihrer Gründung ca. 12.600 Einwohner. Sie erhielt die neue Postleitzahl 7527. Durch die Stadtrechte von Gochsheim und Unteröwisheim wurde die Bezeichnung „Stadt“ auf die neue Kommune übertragen, so dass eine Neuverleihung der Bezeichnung „Stadt“ nicht erforderlich war. Der Stadtgründung vorausgegangen war die Vertragsunterzeichnung der neun Bürgermeister der ehemals selbstständigen Gemeinden am 14. Juli 1971 in der Turnhalle in Münzesheim.

Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 kam die Stadt Kraichtal mit dem gesamten Landkreis Bruchsal zum Landkreis Karlsruhe.

Im Januar 1977 wurde das neu erbaute Rathaus der Stadt Kraichtal in Münzesheim bezogen. Zuvor waren die städtischen Ämter in den Rathäusern der früheren Gemeinden untergebracht.

Religionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung Kraichtals ist mehrheitlich evangelisch, da die meisten Stadtteile früher zu Württemberg gehörten und von dort ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. Seit 1806 gehören die Orte zum Großherzogtum, später Freistaat Baden und kamen mit diesem 1952 zu Baden-Württemberg. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gehören die evangelischen Kirchengemeinden zum Kirchenbezirk Bretten der Evangelischen Landeskirche in Baden. Es sind dies die Kirchengemeinden Bahnbrücken, Gochsheim (Baden), Menzingen (Baden), Münzesheim, Oberacker, Oberöwisheim und Unteröwisheim. Daneben gibt es auch Bewohner, die Glieder einer Freikirche sind. Hierzu gehören die Evangelisch-methodistische Kirche (mit der Elim-Kirche in Menzingen, der Friedenskirche in Münzesheim und der Kirche Eben-Ezer in Unteröwisheim) und die Christliche Gemeinschaft Gochsheim, die zum Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) gehört. Ferner ist auch die Liebenzeller Gemeinschaft in Oberöwisheim und Unteröwisheim ansässig. Auch die Neuapostolische Kirche ist im Stadtteil Unteröwisheim vertreten.

Römisch-katholische Pfarreien gibt es in den ehemals zum Fürstbistum Speyer, seit 1803/06 zum Großherzogtum Baden und somit zur späteren Erzdiözese Freiburg gehörigen Orten Landshausen (später mit Filiale Menzingen), Neuenbürg (Baden) und Oberöwisheim sowie in Münzesheim, wobei die letzt genannte Kirchengemeinde relativ jung ist. Sie alle bilden zusammen mit der Kirchengemeinde Elsenz (Stadt Eppingen) die Seelsorgeeinheit Elsenz-Kraichtal.

Politik[Bearbeiten]

Rathaus von Kraichtal im Stadtteil Münzesheim

Die Stadt Kraichtal wird wie alle Kommunen in Baden-Württemberg von einem Gemeinderat und einem Bürgermeister verwaltet. Der Gemeinderat wird von der Bevölkerung auf fünf Jahre, der Bürgermeister auf acht Jahre gewählt.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der erste Bürgermeister der jungen Stadt war Berthold Zimmermann. Dieser wurde am 12. Dezember 1971 im 2. Wahlgang gewählt und trat sein neues Amt am 14. Februar 1972 an. Nach 16 Amtsjahren verzichtete Zimmermann auf eine weitere Kandidatur. Am 13. Dezember 1987 wurde Horst Kochendörfer (1947–2004) als neuer Bürgermeister gewählt. Er trat am 13. Februar 1988 sein Amt an und wurde zweimal wiedergewählt. Während seiner dritten Amtszeit starb Kochendörfer am 27. November 2004 völlig unerwartet nach kurzer Krankheit. 2005 wurde Ulrich Hintermayer, bis dato Bürgermeister von Illingen (Württemberg), zum neuen Bürgermeister gewählt. Am 3. Februar 2013 konnte er das Amt mit einem Stimmenanteil von 54,8% erfolgreich verteidigen.[3]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 13. Juni 2004 brachte folgendes Ergebnis:

  • CDU: 60,7 % (+3,3) – 19 Sitze (+2)
  • SPD: 31,1 % (–4,4) – 9 Sitze (–1)
  • GRÜNE: 8,2 % (+1,1) – 2 Sitze (±0)

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 brachte folgendes Ergebnis:

  • CDU: 41,4 % (–19,3) – 13 Sitze (–6)
  • FWV: 25,5 % (+25,5) – 7 Sitze (+7)
  • SPD: 23,5 % (–7,6) – 7 Sitze (–2)
  • GRÜNE: 9,6 % (+1,4) – 3 Sitze (+1)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt Kraichtal zeigt in Gold einen rotbewehrten und rot bezungten schwarzen Doppeladler, belegt mit einem silbernen Brustschild, darin eine neunblättrige, grünbesaumte rote Rose mit grünen Kelchblättern. Die Stadtflagge ist Rot – Weiß. Das Wappen wurde der Stadt am 12. Januar 1973 durch das Innenministerium Baden-Württemberg verliehen.

Der Kraichgau war einst die am meisten von kleineren ritterschaftlichen Adelsherrschaften bestimmte Landschaft. Die Reichsritterschaft des Kraichgaus war seit dem Ende des Mittelalters im Ritterkanton Kraichgau zusammengeschlossen. Dieser Kanton führte den doppelköpfigen Reichsadler mit einem Brustschild, der einen Esel als Zeichen der mittelalterlichen Turniergesellschaft „Mit dem Esel“ enthält. Dieses Wappen diente als Grundlage für das neue Wappen der Stadt Kraichtal. An die Stelle des Esels wurde die ebersteinische Rose gesetzt. Die Grafen von Eberstein, eine der bedeutendsten Familien im mittelbadischen Raum, hatten im hohen Mittelalter Besitz, Rechte oder die Lehnshoheit in sieben der heute zur Stadt Kraichtal gehörenden Orte.

Die Stadtteile Gochsheim und Oberacker führten bereits die Rose in ihren Wappen. Im Hinblick auf die Zahl der Stadtteile wurde die eigentlich fünfblättrige Rose in eine neunblättrige Rose umgewandelt. Die Stadtfarben Rot-Weiß leiten sich aus dem Brustschild ab, Bild (rote Rose) vor Feld (silber = weiß).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Stadt hat keine offiziellen Städtepartnerschaften. Doch bestehen freundschaftliche Beziehungen zur etwa 4.300 Einwohner zählenden Gemeinde Menzingen im Kanton Zug in der Schweiz.

Die Feuerwehr von Neuenbürg unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Murakeresztür (Ungarn) so wurden auch schon Geschenke ausgetauscht.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Innenhof des Graf-Eberstein-Schlosses
Schloss Unteröwisheim

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Das Graf-Eberstein-Schloss in Gochsheim ist die ehemalige Sommerresidenz der Grafen von Eberstein.
  • Das Wasserschloss Menzingen war ein Hauptsitz der Herren von Mentzingen im Stil der Renaissance und galt zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch als eine der authentischsten Wasserschlösser im Kraichgau, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und ist lediglich als Ruine erhalten.
  • Die Schwanenburg in Menzingen ist ein weiterer Herrensitz im Stadtteil Menzingen.
  • Das Schloss Unteröwisheim, ehemaliger Pfleghof des Klosters Maulbronn, ist heute Lebenshaus des CVJM.
  • In mehreren Stadtteilen gibt es einen reichen Bestand an historischen Fachwerkhäusern, vor allem in Gochsheim, Münzesheim (Alte Schmiede) sowie in Menzingen im Bereich von Oberer und Unterer Schloßstraße. Außerdem gibt es zahlreiche historische und zeitgenössische Ortsbrunnen.

Museen[Bearbeiten]

Badisches Bäckereimuseum
  • Badisches Bäckerei- und Deutsches Zuckerbäckermuseum im Stadtteil Gochsheim
  • Museum der Stadt Kraichtal im Graf-Eberstein-Schloss im Stadtteil Gochsheim. Das Graf-Eberstein-Schloss präsentiert rund 100 Werke des 1979 verstorbenen Karlsruher Künstlers Karl Hubbuch. Im Obergeschoss lässt sich die mit 1300 Exemplaren weltgrößte Bügeleisenausstellung des Sammlers Heinrich Sommer bestaunen. Hier befindet sich auch die Krieger-Stiftung mit Werken des Theologen, Volkskundlers und Malers Dr. Carl Krieger sowie zahlreichen Rohrfederzeichnungen der Künstlerin Margarethe Krieger. Abgerundet wird das Museum durch die Präsentation der Küfer- und Schmiedewerkstätten.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Grabstätten und eine Gedenktafel auf dem Friedhof des Ortsteiles Neuenbürg erinnern an sieben von 500 typhuskranken Häftlingen des KZ Vaihingen, eines Außenlagers des KZ Natzweiler-Struthof, die nach der Befreiung durch französische Truppen 1945 zur Genesung untergebracht waren und hier verstarben.[4]

Kirchen[Bearbeiten]

Evangelische Kirche Oberöwisheim
Evangelische Kirche in Menzingen

Durch das Vorhandensein von neun Stadtteilen mit langer eigener Geschichte gibt es zahlreiche, teils historische Kirchengebäude in Kraichtal, oft auch mit historischen Pfarrhäusern.

  • St. Sebastians-Kirche Bahnbrücken (evangelisch): geht auf eine im 15. Jahrhundert erbaute Kapelle zurück, wurde 1811 und 1929 erweitert. Im Inneren sind Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten.
  • St. Martins-Kirche Gochsheim (evangelisch): nach Stadtbrand 1703 neu erbaut, im 18. Jahrhundert erweitert; Westturm im Kern aus dem 13. Jahrhundert
  • St. Martin Landshausen (katholisch): Pfarrkirche 1331 erstmals erwähnt, heutige Kirche jedoch 1751 erbaut und 1911 umgebaut
  • Evangelische Kirche Menzingen: eine Nazariuskirche wird 770 erwähnt; heutige Kirche jedoch an anderer Stelle 1848 erbaut. Ihr gegenüber befindet sich das historische Pfarrhaus.
  • St. Anna Menzingen (katholisch): Filialkirche von Landshausen, erbaut 1958/59
  • St. Martins-Kirche Münzesheim (evangelisch): die alte Kirche unterstand schon im 13. Jahrhundert dem Patronat der Grafen von Eberstein; die heutige Kirche wurde jedoch 1856 neu erbaut.
  • St. Andreas Münzesheim (katholisch): erbaut 1963/65
  • St. Lukas Neuenbürg (katholisch): Als Marienkapelle im Schloss Neuenbürg erbaut (vom restlichen Schloss ist aber kaum etwas mehr erhalten), 1468 zur Pfarrkirche erhoben und 1892 umgebaut. Der Glockenturm ist der ehemalige Burgturm.
  • St. Andreas-Kirche Oberacker (evangelisch): Chorturmkirche aus dem 14. Jahrhundert mit Langhaus von 1775/76
  • Evangelische Kirche Oberöwisheim: ursprünglich Mauritiuskirche, die nach der Reformation beiden Konfessionen diente; 1876 erbauten sich die Katholiken ihre eigene Kirche. Die bisherige gehörte fortan den Evangelischen; 1970 wurde das Kirchenschiff abgebrochen und neu erbaut. Der gotische Westturm blieb erhalten.
  • St. Mauritius Oberöwisheim (katholisch): 1876 neu erbaut; zuvor nutzten beide Konfessionen die alte Kirche
  • Kreuzkirche Unteröwisheim (evangelisch): eine alte Kirche zu Ehren der Dreifaltigkeit, Allerheiligen und des Hl. Kreuzes wird 1426 erwähnt. Die heutige Kirche wurde 1825 neu erbaut.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Kraichtaler Kirchenmusiktage jährlich im Frühjahr
  • Museumsfest im Stadtteil Gochsheim
  • Schlosskonzerte im Stadtteil Gochsheim
  • Kunstausstellungen im Stadtteil Oberöwisheim
  • Straßenfeste und Vereinsfeste fast jährlich in nahezu allen Stadtteilen
  • Weihnachtsmarkt im Stadtteil Münzesheim an einem Adventswochenende
  • Anti-Fruschd Open Air alle zwei Jahre in Oberacker
  • Historischer Dorfmarkt Oberacker
  • Faschingsveranstaltungen in Münzesheim, der Münzesheimer Nachtumzug und Rathaussturm, sowie im Stadtteil Unteröwisheim die „Uneroiser Prunksitzung“
  • Altstadtfest in Gochsheim im Turnus von zwei Jahren.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Stadtteile Kraichtals waren lange Zeit überwiegend von der Landwirtschaft geprägt. Heute werden die Felder nur noch von sehr wenigen Landwirten bewirtschaftet. Kraichtal ist Wohngemeinde für Pendler in die umliegenden Städte und Gemeinden (Bruchsal, Karlsruhe, Bretten, Oberderdingen und Östringen). Mittelständische Industriebetriebe in Kraichtal sind insbesondere in den Stadtteilen Münzesheim und Menzingen.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Menzingen

Durch die Stadt führen weder Autobahnen noch Bundesstraßen. Das Stadtgebiet wird daher nur durch Landesstraßen und Kreisstraßen erschlossen. Die nächsten Autobahnanschlüsse sind Bruchsal (ca. 17 km) auf die Bundesautobahn 5 (Karlsruhe–Frankfurt), Sinsheim bzw. Sinsheim-Steinsfurt (ca. 24 km) auf die A 6 (Mannheim–Heilbronn) und Pforzheim-Nord (ca. 30 km) auf die A 8 (Karlsruhe–Stuttgart).

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) wird vor allem durch die Kraichtalbahn (von Menzingen nach Bruchsal) bedient, auf der die S32 nach Karlsruhe verkehrt. Mit dieser Linie erreicht man in ca. 30–40 Minuten den Hauptbahnhof in Karlsruhe. Bahnhöfe bzw. Haltestellen im Stadtgebiet sind Menzingen, Bahnbrücken, Gochsheim, Münzesheim Ost, Münzesheim Bahnhof, Oberöwisheim, Unteröwisheim Bahnhof und Unteröwisheim Martin-Luther-Straße. In den Stadtteilen Landshausen, Neuenbürg und Oberacker gibt es Zubringer-Buslinien. Die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart führt über das Stadtgebiet.

Bildung[Bearbeiten]

In Münzesheim gibt es mit der Markgrafen-Schule eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Außerdem besteht dort auch eine Förderschule. Mit der Eisenhut-Schule hat auch Unteröwisheim eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Grundschulen gibt es in Gochsheim (Graf-Eberstein-Schule), Landshausen, Menzingen und Oberöwisheim (Burggarten-Schule).

Feuerwehr[Bearbeiten]

HLF20/16 der Abteilung Menzingen

Die Freiwillige Feuerwehr Stadt Kraichtal ist eine öffentlich-rechtliche Feuerwehr. In ihr sind die Abteilungen der neun Stadtteile zusammengefasst. Die Feuerwehr ist integriert in den Kreisfeuerwehrverband Landkreis Karlsruhe, ein Zusammenschluss aller Werk-, Betriebs- und Freiwilliger Feuerwehren im Landkreis.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Abteilung Menzingen. Zusammen mit Fachpersonal der Abteilung Münzesheim ist die Abteilung Bestandteil im Gefahrgutzug Karlsruhe Land-Nord. Aus diesem Grund sind, neben der Ausstattung auf dem in Menzingen stationierten Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20/16, Chemikalienschutzanzüge (CSA), Messgeräte und umfangreiches Nachschlagewerk (Hommel), speziell für den Gefahrguteinsatz untergebracht.

Die neun Stadtteilwehren sind entsprechend der Ausrückebereiche in Zug West (Feuerwehren Unteröwisheim, Oberöwisheim und Neuenbürg), Mitte (Feuerwehren Münzesheim, Gochsheim und Oberacker) und Ost (Feuerwehren Menzingen, Bahnbrücken und Landshausen) aufgeteilt.

Im Alarmcode Rettungssatz sind die Abteilungen Menzingen und Unteröwisheim zusammengefasst und kommen bei Verkehrsunfällen und Einsätzen technischer Hilfeleistung im gesamten Stadtgebiet zum Einsatz. Im Ausrückebereich von Zug Mitte sind unter anderem Industriebetriebe angesiedelt. Mit der umfangreichen Ausstattung und Vorhaltung von Sonderlöschmitteln (Pulver, CO2 und Schaum) auf diversen Anhängern ist hier der Schwerpunkt Brandbekämpfung fokussiert.

Im Herbst 2009 konnte nach über zehnjähriger Planungsphase ein neues Feuerwehrhaus mit Vereinsheim im Stadtteil Münzesheim übergeben werden. Das funktionelle Gebäude beherbergt die Fahrzeuge der Gesamtwehr (Einsatzleitwagen, Mehrzweckfahrzeug) und die Fahrzeuge und Anhänger der Abteilung Münzesheim. Für das Jahr 2011 ist die Indienststellung eines Gerätewagens Logistik (GW-L) geplant. Das Fahrzeug wird dann untertags von der Tagesalarmgruppe besetzt. Die Tagesalarmgruppe setzt sich aus städtischen Mitarbeitern aus dem Bereich der Stadtwerke/Verwaltung zusammen. Bei nicht zeitkritischen Einsätzen wie beispielsweise dem Beseitigen einer Ölspur entlastet diese Gruppe die ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte. Die bis dato einmalige Einrichtung im Landkreis Karlsruhe führte zu interessierten Anfragen aus anderen Gemeinden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Am 26. August 1978 wurde die bereits 1971 von der damaligen Stadt Gochsheim verliehene Ehrenbürgerwürde an den Heimat- und Familienforscher Rudolf Herzer (* 8. Januar 1905 in Gochsheim; † 12. Juni 1990 in Freiburg) auf die Stadt Kraichtal übertragen. Herzer war damit der erste Ehrenbürger Kraichtals. Anlässlich seines 100. Geburtstages und 15. Todestages wurde im Dezember 2005 der Platz vor den beiden Museen im Stadtteil Gochsheim nach Rudolf Herzer benannt. Herzer war seit 1983 auch Träger des Bundesverdienstkreuzes und der städtischen Verdienstmedaille. Er gab unter anderem 1968 das „Ortssippenbuch Gochsheim“ heraus und war auch Mitverfasser des „Ortsippenbuchs Oberacker“.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johannes VIII. Entenfuß († 1525), Zisterziensermönch und von 1512 bis 1518 Abt des Klosters Maulbronn. Er ließ dort u. a. das Winterrefektorium, die heute so genannte Abt-Entenfuß-Halle und die berühmte Brunnenkapelle errichten. Im 18. Jahrhundert und in der Zeit der Romantik wurde dem Abt eine Verbindung mit Johann Georg Faust zugeschrieben. Joseph Victor von Scheffel hat ihn in seinem Studentenlied, der Maulbronner Fuge (Im Winterrefektorium) verewigt.[5]
  • Nathan Chyträus (1543–1598), Theologe, Poet und Philologe
  • Rupertus Meldenius (1582–1651), eigentlich Peter Meiderlin, lutherischer Theologe
  • Julius Schickard (ca. 1650–nach 1723), württembergischer Stabspfleger
  • Friedrich Konrad Hiller (1651–1726), Dichter, der unter anderem das bekannte Kirchenlied „Ich lobe dich von ganzer Seelen“ dichtete.
  • Sigmund Jacob Haeckher (ca. 1720–1772), Architekt
  • Karl Benjamin Friedrich Scholl (* 5. August 1792; † 30. Oktober 1867 in Karlsruhe) war von 1835 bis 1861 Direktor der Staatlichen Amortisationskasse in Karlsruhe und Gründer verschiedener sozialer und karitativer Organisationen. Seit 1833 war er Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe.
  • Alois Dessauer (1763–1850), Bankier
  • Karl von Waechter-Spittler (1798–1874), Jurist, Beamter und Politiker
  • Albert Helbing (1837–1914), evangelischer Theologe sowie Prälat (1900 bis 1903) und Präsident des Oberkirchenrats (1904 bis 1914) der Evangelischen Landeskirche in Baden.
  • Friedrich von Mentzingen (1858–1922), Botschafter
  • Bernhard Böhle (1866–1939), Politiker (SPD)
  • Ludwig Schüttler (1905–1992), Ehrenmitglied des Deutschen Weinbauverbandes, ein eifriger Organisator und Förderer des nordbadischen Weinanbaus, Mitbegründer des Badischen und Deutschen Weinbauverbandes.
  • Karl Dummler (1921–2010), geboren in Gochsheim, Direktor des Oberkirchenrats
  • Franz von Mentzingen (* 1932), Botschafter
  • Heinz Fenrich (* 9. Februar 1945), Politiker (CDU), 1998–2013 Oberbürgermeister von Karlsruhe

Literatur zu Kraichtal[Bearbeiten]

  • Kraichtal – Jahrbuch 1974, hrsg. von der Stadtverwaltung Kraichtal
  • Kraichtal – Jahrbuch 1978, hrsg. von der Stadtverwaltung Kraichtal
  • Gedichte aus Kraichtal, hrsg. vom Therapiezentrum Münzesheim in Zusammenarbeit mit der Stadt Kraichtal, 1988
  • Kraichtal und seine Stadtteile zwischen vorgestern und gestern (Bildband), 1986–1995 (mehrere Auflagen)
  • Stadt Kraichtal – Im Herzen des Kraichgauer Hügellandes (Bildband), 1991 und 1994
  • Stadt Kraichtal – Einheit und Vielfalt (Bildband), 1996
  • Stadt Kraichtal – Einheit und Vielfalt in einer Landschaft zum Durchatmen (Bildband), 2002
  • Informationsbroschüren der Stadt Kraichtal, 1979–2002 (mehrere Auflagen)
  • Walter Schmid: Kraichtaler Mundart, hrsg. vom Heimat- und Museumsverein Kraichtal, Verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraichtal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 96–100
  3. http://www.landfunker.de/ktv/detail.php?rubric=88&nr=47822
  4. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 53, ISBN 3-89331-208-0
  5. Günther Mahal: Fragen an einen lustigen Namens-Träger. Der Maulbronner Abt Johann Entenfuß, ein „Collega“ des historischen [Johann Georg] Faust? In: Suevica 9 (2001/2002). Stuttgart 2004 [2005], S. 33–42.